Ausgabe 
23.3.1903 Erstes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

KL7L tzbr l«i>t unb '

' T"1

«* Mfefa 3? hung, die 11. x "fn h.n? -L-rtz

f.-.S .AW ST&d)eben.' 'als die d°° n jnsizienen

S'K-S 'S-k-'.S

g ^n,e'ne>eAginpmn; ^a^/Äerein'gE ort der

en.

«ZL° M*

1 »|r9 Zt-d«°-

AiA®

^W"

iuuö.

g.2.1:1'1"i iw.

ttlt 8^n ^on 2 X1 *« Äum' i lltl9ttl gehe mtn 6tü|. Mßtuotnmt^

L k blt,et 14 M « tbraan. Tu «L 'L""t leit« «agönn Ä Men bet Oft. lut der stolzen g*-je etiteuen, (innen sich ju Mohammed - d:c >. Der Kinematograph Vollendung, wird unä en nächsten Tagen ün 'lvesen bezügliche, eine slchlsfe in voller Zahn 1 Lord aus dem Leben Für den Freund der Darstellungen hohen von größtem Interesse id unterhaltende Weise les damit Zusammen- shalb den Besuch dieser >ruppe des Deutschen ckgenllichste empfehlen, n heutiger Nummer zu

» )ormittag wollte unter tels eines Nachens nach fahren. Der Nachen ipfers ersaßt und um* is Wasser aeschleu« ser konnte leider nicht Her ein Rettungsaürtei t war. Bis vom Lande er Mann unter einem ieder zum Vorschein, einen Zusammen ErweiterungMu der en süns Maurer in Höhmann, derartige Ber^ die anderen vier Wcluici e jedoch nicht als leben--

es.

s gestern sechs Arbeiter r Arbeitsstätte bei W wollten, wurde chr Boot tianb geworsen und zum heute traf die Sroß- "us Lindau bmmend.

ctm Semmeringgel^' angL Mt und

Bergwerk UN Ater ö Bergleute sch«' .. . ^rbastete gestern t $t

0bo 000 zr°n-s b-9*

Nr. «9

CMtc§ Blatt.

153. Jahrgang

Montag 23. März 1903

tS-Nch

auBti Bonn tag*

ttm Sieben et Hryetget xtbrn im ®fd)kl m<l bem Kcsslfche» fanörolrl btflefceeer Familien, blätter viermal tn bei tModx beigelegL

RotationSbrud u. Ver­lag bei ö 1 Q b I >che» UniDtr|.*Bud>- u.iem- bruderei (thetld) Erden- Jtebaftion, *rpeöitu>e unb Trudeiet.

Ech-lfteatze 7.

birfle tüi tepeldiewi «»etger «lebe*.

£enutnrd)an1*lii6.Mt 61

GiehenerAnzeiger

General-Anzeiger v

Amts-und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen

OeiiA»M«i»i menuihct 7b oirrtel* läbihd) DU t.20. vu.ctz vlbbole- il MrvcigfltQen iiionothd) 65 iil.. buirf) dieVott Alt 8. Dienet» läbtl aublcfcl ve'iell^ Znnohme oon Anzeige* hn btttageenuinmrr bi# ppcmillüg« 10 Ubc, tieUenptei# total

a**ivdu# XU tilg,

C < a l re 1111 (fei 70« btn polu b. oQgem. teil v 11110 *0r ,Siabl unb Vanb* unb .Üieiid)i«laal* ( «tl v I a 1 o. tüi ben tlrv» teiiientetl C>an Vecf.

inerksain

cumschen no Minen

Erstellung sich deckenden Ausschußanttag äuge- und die Regierung har wohlivollcnde Erwägung

HandelStaaeS, daß man in ReaierungSkreisen nid)it weniger von dem Wunsche nach langfristigen Handelsver­trägen erfüllt sei, als bei den Vertretern des Handels, lieber den Termin für die Wahlen scheint man sich immer noch nicht schlüssin, da der R e i ch s t a g seine Verhandlungen länger hinauszieyt und schon wieder von Osterferien spricht.

Im Reichstag dauert die ztveite Beratung des Etats fort Er hat die außerordentliche Forderung von P/> Mill. Mark als erste Rare des Kostenbeitrags des Reick-es für die Beteiligung Deutschlands an der Weltausstellung i n S t. L 0 u i s 1904 mit großer Mehrheit bewilligt, nachdem Graf PosadowSky zugesagt hatte, alles zu tun, um einen wirksamen Schutz des Urheberrechts der Aussteller im Be­reiche des ftun|t>* und Buchhandels zu gewährleisten. Er- wähncnswert ist noch, daß am E t a t für die 0 st a s i a t i s ch e Expedition trotz deS Widerspruchs des Staatssekretärs 0. Richthofen drei Millionen gestrichen wurden.

3in Landtage hat uns.r Oberbürgermeister Me­cum einen fdjänen Erfolg erzielt. B.kanntlicb geht eine von ihm an die Kummer gestellte Vorstellung dahin, daß die S ch a u f e n st e r an Sonn- und Festtagen offen gehalten werden möchten. Wir haben seinerzeit diese Ein­gabe int Interesse unserer Kaufleute lebhaft begrüßt. Run hat die Kammer am letzten Donnerstag den mit der Me­

der Räte bei den Prooinzialdirckiionen mit den Erhalten der in Betracht kommenden Üreisbeamten gleichgestellt wer« den sollen (Berichterstatter Tr. Entfleisch). Bemerkens­wert war die Mitteilung, daß infolge des rechtzeitigen Vorgehens der Staatsbehörde gegen die Ausbreitung des ansteckenden Scheidekatarrhs unter dem Rindvieh die Seuche in Oberhessen im Erlöschen begriffen ist. Ein besonderes Verdienst hat fick) der Abg. Leun durch eine Anfrage wegen der Arbeitszeit des Rangierpersonals auf dem Gießener Bahnhof erworben und der Fi- nanzmmister Dr. Gnauth gab zu, daß die Verkehrsoer­haltnisse auf dem hiesigen Bahnl)os verbess.erungs- bedürftig seien; er habe Veranlassung genommen, die Aufmerksamkeit des preußischen Cistnl-ahnuiiuisteriums aus diese Tatsache hinzulenken, das hoffentlich nach den bisher bereits oorgekommenen fünf tödlichen Unfällen von Großenlindener Arbeitern für Abhilfe Sorge tragen wird. Ter Gesetzentwurf über die Ausführung des Reick-s- gesetzes, bett, die Schlachtvieh- und Fleisch­beschau wurde nach erregter Debatte fast einstimmig an den Gcsetzgebungs - Ausschuß zurückverwiesen. Die Mitglieder des zweiten Ausschusses werden gemeinsam mit Sachverständigen Beratungen ab- halten. Die Fertigstellung des neuen Gesetzes kann nun natürlich erst nach dem 1. April erfolgen. Gegen ver- schiedene Bestimmungen haben die Metzgerinnungen des Großherzogtums bekanntlich Verwahrung eingelegt, so na­mentlich gegen die vorgesehene Art der Festsetzung der Fleischbeschaugebühren, dte nach der Vorlage von den Mett- gern getragen werden sollen, während diese die Ansicht vertteten, daß die Kosten der den Interessen der All- gemeilcheik dienenden Fleischbeschau auf die «taatskasse zu ubernchmen seien. Angenommen wurde debattelos eine Regierungsvorlage, die die Entmündigung wegen Verschwendung oder wegen Trunksucht erleichtert. Danach soll die Entmündigung für die Folge auch von dem Armenoerbande beantragt werden können, dem die Für- sorge für die zu Entmündigenden im Falle der HUssbedürs- tißfeit derselben obliegen würde. T-er Antrag auf Ent­mündigung bedarf, falls er von dem OrtSarmenverband einer Landgemeinde ausgeht, der Genehmigung des zu­ständigen Kreisamtes. Die Entschädigung unschul- big Verhafteter muß der Reichsaesetzgebung über­lassen bleiben, und Hessen hat im Bundesrat bereits vor geraumer Zeit einen selbständigen Gesetzentwurf ein ge­bracht, der diese Materie reichsgesetzlich regelt. Ter Gesetz- gebungsausschuß des Bundesrats soll sich in aller Kürze mit ihm beschäftigen. Bekanullich ist die Frage der Ent­schädigung unschuldig Verhafteter seit Jahrzehnten wieder­holt Gegenstand der Beratung im Reichstage gewesen, aber trotz aller nah. zu einmütigen Kundgebungen des Reichs­tages hat sich der Bundesrat noch nicht dazu verstanden, mit einer Gesetzesvorlage hervorzutreten. Des weitem ge­langte ein Antrag der Abgg. Molt Han und Genosten zur Annahme der die Regierung auffordert, die neuer­dings sich mehrenden Veranstaltungen trügerischer Ausverkäufe von Amtswegen zu verfolgen und zu bestrafen. Vekannllich überläßt das Gesetz wider den un­lauteren Wettbewerb in der Regel hinsichtlich der Be­kämpfung des Ausverkaufsunwesens die prozessuale Ini­tiative den privaten Interessenlentoeisen. Diese hat feinen durchschlagenden Erfolg gehabt.

Im Reichstage hat Graf Bulow das gute Ein- vernehmen und die friedlichen Beziehungen Deutsastands zu den übrigen Mähten hervorgehoben und die Gesichtspunkte dargelegt, von dcnen aus die deutsche Polittk zum Ausland betrieben wird. Aus feinen Er­klärungen ergab sich, daß er hierbei weiter auf dem '^ege bleiben will, den ihm sein Meister Bismarck gewiesen hat.

Dinge von entscheidend c Wichtigkeit haben sich im

VMische Wochenschau.

Der Kaiser stattete rn der vergangenen Woche dem König von Sachsen in Dresden einen kurzen Besuch ab, der einzelnen Blättern der sächsischen Hauptstadt Der- anlaffung iu Artikeln gab, auS denen eS herauSklang, wie wenn von dieser Begegnung die BundeStreue des sächsischen Staate- abhinge. Tie Presfe in Dresden scheint, wie auch die Bewohner deS schönen Elbflorenz immer noch in recht nervöser Stimmung zu fein. Freilich wird man nicyt leugnen können, daß der gewählte Zeitpunkt mit dem formellen Abschluß der traurigen Affäre am sächsischen Hose zu­sammenhängt und dies geht auch aus den Worten des Iaifetlid)n TrinksvrucheS hervor, der den Satz enthielt: Der Wettiner Freud und Leid fei auch stets der Hohenzollern Freud und Leid. Damit fallen gewisse Gerüchte, wonach der Kaiser mit dem Vorgehen des sächfischen Hofes in Sack)en der Ehescheidung nicht immer einverstanden gewesen fei, in sich zusammen. Ueöerraschi h<u dic Beröfsentlichung be8 Er­lasses, worin König Georg kurz vor seiner Abreise nach dem Süden persönlick) gegen die frühere Kronprinzessin Luise Stellung nimmt. Ob Der Erlaß den vorn König t>eab> fichiigtcn Erfolg haben und die Volksstimmung in Sachsen be- ruhigen roirD? Man mag die Sck)uld an dem Skandal der früheren Kronprinzessin allein zusd^ieben: die nachttägl.che Bloßstellung der Mutter deS künftigen Königs von Sachsen, wie sie burdj den Passus von derungebäudigten Leiden­schaft einet schon lange im stillen tief gefallenen Frau" geschieht, war außerordentlich fdjarf, und der ganze Erlaß bedeutet einen Vorgang, der ohne Beispiel in der G. sch ich le dasteht. Jedenfalls -eriiört er die Legeiide von dem indivi­duellen FrecheiiSdrang einer sich als Noranatur fühlenden groß veranlagten Frau von souveräner Eigenart, tue um der allgemeinen Frauenrechte willen, die auch vor Königsthronen nickst Haltmachen können, weil sie die ersten Mensck)erechte bedeuten, ihr glanzvolle- Leben hinopfert. Luise von Tos- cana ijt keine 'Jlota, denn sie ging mit einem faden Gecken und Abenteurer, der kaum da- Jünglingsalter überschritten bat, auf und davon, trotz reifen Alters, trotz reichen Kinder­segens. Sie hat keine unerträglichen Metten gebrochen, sie hat sich nickst aus eigener Kraft einneues erstes Gluck'" ge­schmiedet: der greise Sachsenkönig beweist ein anderes uns mit einem schlichten Erlag an fein Volk, das ihnnie als unwahr erkannt hat", fflie schwer muß es dem hohen Herrn geworden sein, solche Worte an die Welt zu richten! Er hat mit ihnen das Weib gerickstet, das seines Sohnes Gattin, seiner Enkel Mutter war und als auserkoren galt zur Zierde eines Königsthrones. Was Harden im neuesten ^eft seinerZukunft" andeutet, scheint nur zu wahr zu sein. Der Erlaß hat die traurige Affäre wieder in den Mittelpunkt des Disputierens geruckt, und man dürfte sich nicht zu sehr wundern, wenn Prinzessin Luise ihre Drohung wahrrnack)te und nunmehr chrerseits mitEiithüllungen" Urne. Geschieht dies, was wir nicht wünschen wollen, so wurde dadurch die Stimmung im Lande natürliche noch weniger zur Ruhe kommen tonnen. Aufdeckungen von Seiten dcs fachfischen tzoess könnten nicht ausbleiben unb des Skandals Ende wäre nicht abzusehen.

Wir dürfen es uns nicht verhehlen, daß die konfessio- ketten Gegen,atze, die zweifellos als eine Unterströmung mit in die Affäre der Prinzessin Luise hineinspielten, in unserem deutschen Vaterlande leider erneut zum offenen Ausbruch gekommen sind. Die geplante Aenderung des Jesuiten- gesetzes, irie Trierer Schulangelegenheit und der Minister- wechfel in Bayern Haven eine protestantische Be­wegung heroorgerufen, und es ist wohl eine verkehrte Auffassung der Sachlage, wenn Graf Bülow durch die Rordd. Allg. Ztg-" vertunden läßt,die Agitationsdeweg. ung gegen die Zulassung der Je,uiten erhalte einen eigen- tümlich künstlichen Eyarakter". Ist nicht schon die kurze Er- klärung derKvln.Vzlg." geeignet, dem, der sehen will, die Augen zu offnen? Das rheinisckst Zentrumsblatt spricht davon, daß eseine Freude sei, endlich einmal ein kräftiges Wort von dieser Stelle gegen die gewissenlofe Hetzerei zu hören, noch besser als durch Worte tonne Gras Bütow ihr durch Taten ein Ende bereiten, die Erregung stelle nur den Versuch eines Haufens von Fanatikern dar, und man solle den Hetzern nicht rveiter Gelegenheit geben, mit Lügen unb Eel-a,s.gleit die Leute aufzuregen". Eine derartige Sprache bedar, weiter keines Kommentars; die gegenwärtigeSitua­tion ist nur zu klar und ein allgemeiner konfessioneller Kampf scheint leider unabnknbbar. Unb diese Befürchtungen werben nicht zum Schweigen gebracht du^l) die Worte, die der neue Erzbischof von Köln bei seiner feierlid)cn Inthronisierung über bas Verhältnis von Kaiser unb P ap st sprach. Erzbst'chof Fischer pries ben deutschen Kaiser unb zog in seinen Lnnkspruchbie boppelte Majestät hinein, die imponierende Maje,iät unseres kaiserlichen Herrn und die hoheitsvolle Majeftät des heiligen Papstes. Beide wollen nicht getrennt sein:" Wer unternimmt des Craleto Deutung? Was ist der Sinn dieser Worte? Wer ist der sich unterordnende Tell, wenn die hier proklamierte volle Einigkeit zwischen Kaiser und Papst tatsächlich fick) vollzogen hat? Man rufe sich die oben girierten Aeutzer- ungen DerKöln. Lolksztg." unb die jüngsten Ereignisse ins Gedächtnis! Ist nicht überhaupt zurzeit das ganze Interesse auf das Verhältnis zum Zentrum konzentriert? Wohin steuert der neue Kurs?

Die gegenwärtige Lage erfcheint naturttch noch verschärft im Hinblick auf die kommenden Wahlen, zu denen bie Vorbereitungen einzelner Parteien ^in vielen Wahlkreisen bereits im vollen Gange sind. ^eDer ~ag bringt die Aufstell­ung neuer Staub.baturen, und der preußische Handelsminister hat sich offen und energisch gegen die hohen -2 ch u tzzo^l le ausgesprochen, auch die Handelswelt wieder zur regeren xetb nähme an den politischen Lreignis,en ausgefordert. Weiter betonte dieser Minister auf dem Bankett deS Deutfchen

der von unserem Lbetbürgermeister gembenen Anregung zugesagt. Mit Recht wurde in der Debatte darauf auf­gemacht, daß immentlid) an der preußischen Grenze liegende Städte wie unser Gießen durch den Schau- fensterverhang am meisten geschädigt werden. Eine Stör­ung der Sonillagsruhe braucht durch die Osfenhaltung der Ladenauslagen keineswegs eiiizutteten. Zu begrüßen ist auch die debattetose Aniiahrne der Ükegierungsvotlage, betr. bie Besoldung der Räte bei de n Prooinzial-Di- r e f t i 0 n e n, nach welcher die bisher geringeren Gehalte

AuSlande selbst nickst abgespielt. In der Veneiuela- frage ist bemerkenswert, daß der vcnezolanisdst Ge- fd)äflelräger in Washington eiligst nach Eaiacas reifte mit einem Schreiben Boweirs, in welchem dieser den Präsi­denten Castro aufsordert, eine private Erledigung der Streitfragen abzullhiien unb auf der Verhandlung vor dem Haager Tribunal zu besteben. Der eiiglische Bot­schafter Herbert Hal die Rote Bowens, in welcher dieser wegen der Gerüchte über Umgehung des Haager Tribunals anfragte und auf Fertigstellung der auf dasselbe bezüg­lichen Protokolle drängte, beantwortet, indem er erklärt, daß Eile unnötig sei, da das Tribunal erst im Herbst zufammenlreten tonne.

In Marokko steht das Ende deS schon wiederhott totgefagicnj Prätendenten Bu Ham ar a nod) aus; im Ge­genteil heißt es neuerdings, Bu Haiuara verfüge wieder über ganz bedeutend^ Streitkräfte, vor denen die Sul­tanstruppen e »ligst zurückgehen mußten. AIS dieser Tage der deutsche Gesandte nack Tetuan reifen wollte, wurde er gebeten, die Reiseabsicht wegen der Unsicherheit der Wege zu vertagen. Tatsächlich haben sich die Benider stabilen bei Tetuan von Neuem erhoben, plündern und tauben uad) allen Richtungen unb wollen den Mulleih Muhamed als Sultan anerkennen. Eine Depesche aus Ceuta vom 21. d. M. meldet: Die Kubisten vom Stamme der Benider griffen die vom Vertreter der deutschen Firma Bourgeaud u. Eo. geleitete Expedition an und be mächtigten ficf; des Viehs, einiger Waren und einer Summe von 500 Piastent. Die Reisen­de n, darunter ein Spanier, wurden von den Kaoylen niedergeschlagen; es gelang den Reisenden indes, Tetuan zu erreichen. Der Gouverneur von Tetuan sandte einen Vertreter aus, um die Rückerstattung deS ge­raubten Guts zu erwirken. Die Kabylen verweiger- ten diese jedoch, indem sie sagten, sie erkennten den Sultan von Marokko nicht an. Obwohl in Fez und Umgebung scheinbar Ruhe herrscht, glaubt man, die Taktik Buhamaras bestehe jetzt bann, die Kräfte und das An­sehen des Sultans allmäblid) zu vernichten. Die Freunde des Sultans versichern Dagegen, Buhamara suche über die Grenze von Algier zu entkommen. Nach Meldungen aus Madrid haben bie Führer der religiösen Vereine von fZez den Aufruhr gegen den Sultan unterstützt und Auf­rufe an die noch neutralen Berberstämme gerichtet, ivorin diese ausgefordert werden, die Sadje des Prätendenten^ fördern zu h.lfen. In dem Ausruf wirb die Entfernung deS zetzigen Sultans gefordert, da dieser nur ein Werk­zeug desenglischen Teufels" fei.

Auck) in Macedonien lodert die Kriegsfackel. Neu­erdings hat eine Bande von 50 Mann den Bcrbindungswea von Dorian nach Saloniki unterbrochen. Die Post und die begleitenden Gendarinen sowie die Reisenden mußten umkehren und in dem Stationsgebäude Unterkunft und Schutz suchen. An der thessalischen Grenze ist von griechi­schen Jägern ein dem bulgarischen Exekutiv-Üwmitee an­gehöriger bulgarisck-er Offizier verhaftet worden, der mit mehreren angeworbenen Genossen über die griechische Grenze in Macedonien einfallen wollte.

In England wurde Chamberlain, der allgewaltige Kolonialmiiiister, bei seiner Rückkehr aus dem neueroberten Land in Südafrika mit Enthusiasmus begrüßt. Zwei oppo­sitionelle Wahlsiege, die allgemein überraichten, mögen ihm einige WermutStropfen in den Freudenkelch gemischt haben, aber dennoch darf der schlaue, energievolle Staatsmann von sich behaupten, daß feine Politik noch auf lange Zeit hinaus stark genug ist, derartige Enttäuschungen unerschüt­tert zu ertragen: wie die Regierung die Heeres- und Ma- nnevorlage durchgesctzt hat trotz aller Befehdung, so sind ihr auch die Kredite für Südafrika vom Parlamente in vollem Umfange bewilligt, beides starke Erfolge der Polllik, als deren Seele Chamberlain zu galten hat.

Preußisches Abgeordnetenhaus.

50. Sfüung vom 21. März.

Die Beratung beSStatS der Zentralgenossen- sHaftSkasse. Abg. v. Brockhausen (fonf.) bespricht die Gefchästsgebahrung der ZentralgenossenschastSkaffe. Minister v. Rheinbaben erwidert, das Wachsen der Geschäfte der Kasse zeige, wie nötig ihre Gründung gewesen fei. Irgend eine unberechtigte Einwirkung aus das Genossenschaftswesen sei mit der Zentralgenosfenschaftskasse nicht beabsichtigt; im Gegenteil, bie Regierung werde der Entwickelung deS Ge- nofsenschaftSwefens vollständig freie Bahn tonen. Abg. Dr. Krüger (fr. Bg.) betont feine grundsätzliche Ablehnung der Staatsbeihilfen für daS Genossenschaftswesen und übt Kritik am landwirtschaftlichen Genossenschaftswesen. Präsident Tr. Heiligen stabt geht auf bie GeschäftSgebahmng der Zentralgenosf'enschaftSkanc em und erklärt, dieselbe betrachte es als ihre Pflicht, gefährdete Erii'lenzen zu retten. (Beifall.) Abg. Ring (frf.) polemisiert heftig gegen Dr. Crüger und erinnert an bie Borgänge bei der GeiiosfenschaftSbank vorm. Soergel, Parristus & Co. Als Redner, ben Dr. Crüger einen .DenunziationSral^ nennt, erhält er einen Lrd nungsruf. Abg. Dr. Crüger (fr. Bp.) weist persönliche Angriffe Rings zurück. Abg. Ring (k.) hält seinen Vor­wurf auftechi, daß Crüger dem landwirtschaftlichen Genossen­schaftswesen feindlich gegenüberstehe, was Dr. Crüger in einer persönlichen Bemerkung bestreitet. AlSdann wird der Etat bewilligt, ebenso der Etat der allgemeinen Finanz- oerwaltung unb bas Etatsgesetz mit bem von allen Parteien gestellten Einträge nber provisorische Genehmigung deS Etats, falls dieser nicht rechtzeitig fertiggestellt wird.