Ausgabe 
23.3.1903 Drittes Blatt
 
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stützen, daß sic vermöglich werden können. S8t£ ©te <n® oer x'ent- Kommission mittlerweile gebilligt Wo: sckrift ersetzen, wollen wir arme Leute mcht awicdcln; 1« .J?11 Jifel: »Militär-technisctze vielmehr ein wenig Wohlhabenheit bereits bentzen und durch diesen und vermischten Ausgaben

Zuschuß vermögliche Leute werden. Solchen vermoguchen -euten ^.^den. Die Bewilligung ist von lx

der Kommission nur unter der

»rutschen, von denen einer eme »oerenroaucr gc ; «-uhiuj j»yni.|, '"v --- ----- . ' '

Diese und ihre Nachkommen werden bcUb wenig tommcnden seltenen Threre vor dem Aussterben vewahre. ferner

heirathct hat.

Etatstheile.

Beim Titel .Besoldung des Präsidenten

Beim Etat für Samoa wünscht

Abg. v. LLlisch (kvns.s, daß man die in den Kolonien vor-

Akademie". An Bo« sind 163 OOO Mk. ausgesetzt

Militärgerichts" kommt .

Abg. Stadthagen (eog.) auf den Fall Briese girrutr der bestraft worden ist, weil er unter Eid ausgesagt hatte, er sei Sozial­demokrat. Man dürfe nicht KorpSbefehle erlasien, die gur Unwahr­heit auffordertcn Es sei die höchste Zeit, daß jener feige GrIatf endlich,zurückgenommen werde. , .

Für diesen Ausdruck erhält Redner vom Präsidenten Grafe, Balleftrem einen Ordnungsruf, worauf ohne Wetter»

-Debatte der Titel bewilligt wird. . .

Die Errichtung einer militärtechnischen Hochschule ut von da 1 worden. Diese erhalt aber bei

solle man Schafe in Samoa einfübren, um die Kulrur deS Lande? 3U heben.

Auch dieser Giai werd bewillrgt.

Tas Etatsgesetz für die Kolonien findet glerchsall-- mf Billigung deS Hauses. _

Hierauf folgen einige zurückverwiesene bezw. zuruckgettellr

wird es auch hier schon ganz gut geben. Denn sie indesien die Aussietzt haben, daß es ihnen da draußen noch besser geht, werden sie zum Auswandern bereit sein. Deshalb ist diese Position be­sonders wichtig. Das Geld ist ja nicht verloren, es kommt wieder zurück, c5 wird nur als Darlehen gegeben. Außerdem bedenken Sie: Jede Vermehrung der Ansiedler stärkt unsere Wcorkraft tm Schutzgebiet. Wenn eine große Zahl wehrfähiger Ansiedler sich daselbst befindet, können wir allmälig auch an die Verringerung unserer thcuren Schutztruppen denken. Mir sind Ausgaben für produktive Zwecke svmpathiseher, als die rmprodukttven für dre Schutztrupve. Nun ist beanstandet worden in der Presse, Das 100 000 Mk. allein zur Vorbereitung der Ansiedlung ausgegeben werden sollen. Das ist aber nur cum grano sahs zu nehmen. Wir wollen die Sache so einrichten, daß jeder Rückschlag unmöglich ist. Denn die Ansiedler sind in den Kolonien ein Element, das leicht zur Unzufriedenheit neigt. Natürlich wird man für die .Kolonien nicht mehr ausgcben, als absolut nöthig ist. Daher nt diese Summe als nicht endgiltig -t betrachten. Kvlonialpvlittk ist eigentlich keine Parteipolitik. Jcy bitte daher da§ ganze Haus von der äußersten Rechten bis zur äußersten Linken um Unter­stützung. Ich halte die Kolonialpolittk lediglich für em Geschäft, aber für ein großes Geschäft mit Wetter Sicht und nicht für em kle-ncs Hoekergcschäft mit ängstlichem Gaffen nach Tagcsgcwmnen. Jedenfalls muß man diesem Geschäft auch ein gut Thett Idealis­mus als Prozentsatz zu Gut schreiben. Der schweren Vcrantwo^ hing, der ein Gouverneur unterliegt, wenn er Sie bittet, jährlich so viele Millionen in dieses Geschäft hineinzustcckcn, wird stch je­doch jeder Gouverneur bewußt sein. Er wird daher mcht mehr verlangen, als nothwendig ist, um das von uns allen angcstrebte Ziel zu erreichen. (Beifall.)

Abg. Schrempf (Tonf.): Es ist doch ein eigenthümliches Ver­fahren, wenn man in Südafrika zu den Boeren sagt:SBir nehmen Euch nur auf, wenn Ihr so und so viel Mark auf den Tisck legt! Ich glaube, in einem so menschenarmen Lande ist der Mensch mehr werth, als die Mark. Und außerdem entspricht dieses Vorgehen keinesweas den Gefühlen des deutschen Volkes, das mit den Boeren Svmpathie hat. Tie Ausführungen des Gouverneurs haben sehr schneidig in meinen Ohren geflimgcn. Ich will hoffen, daß diese Schneidigkett sich mit der Zeit abschleift, und daß, wenn arme Boeren zu itzm kommen, er sie nicht mit diesem schneidigen Ton abwcist. Hoffentlich trifft die Vermuthung nicht zu, daß bei die,er Haltung gegenüber den Boeren Rücksichten auf England mttsprechen. Das würde im deutschen Volke nicht verstanden werden.

wird angenommen. _

Sodann wird vom Manne-Etat der Beschluß der Kom­mission, von den Reparaturkosten der Schifte .Irene" und Kaiserin Augusta" 600 000 Mk. abzusetze n, g e n e h m , g l. Ter Antrag Frese (freit Vergg.j, die ganze Summe zu be­willigen, wird a b g e l e h n t.

Beim Etat derZöllcundVerbrauchs steuern hat die Kommission den Ertrag der Zuckersteuer um 15 Millionen, von 98 629 00Ö auf 113 629 000 Mk. erhöht.

Abg. Singer (Soz.j fragt, ob cS wahr sei, daß etn niddeutfcher Staatsmann erklärt habe, es sei eine Erhöhung der Dierstcuer bald zu erwarten. m , .

Schatzsekretär Frhr. v. Tbielmann erwidert, daß Verhand- lungcn irgend welcher Art über eine Einführung einer ReichSbier- steuer zur Zett nickt schwebten.

Abg. Dr. Pachnicke (freif. ®crgg.) erklärt diese Auskunft für un­genügend. Man müßte unterscheiden zwischen einer RcickSbicrsteuer uiid einer Erhöhung der Brausteuer innerhalb der Brausteuer- Gemeinschaft. Bezüglich der letzteren sei die Industrie schon zwei Mal durch den Sckatzsekretär beunruhigt worden.

Gehcimrath Halle« führt aus, daß tm LandeS-AuSsckuß für Elsaß-Lothringen der UnterstaatSfekretar v. Schraut auf eine Petttton, die Akttenbrauereien stärker zu besteuern als die mitt­leren und kleineren, erklärt habe, man könne der Regierung mcht zumuthen, daß sie jetzt eine Neuregelung der Brausteuer vornehme, da vielleicht in einigen Jahren eine ReichSbiersteuer komme. (Hört! härtst

Abg. v. Kardorft (Rp.s meint, die Sozialdemcckratte brauchte die ganze Sacke nur als Dahlmache.

Abg. v. Normann skonfst führt aus, die Konservativen hatten in keiner Weise den Wunsch nach einer ReichSbiersteucr. sie sehen einen Ausweg aus unserer Finanzmisere in der baldigen Durch­führung des Zolltarifs.

Ter Etat der Zölle und Verbrauchssteuern hnrD unverändert nach den Bcschlüsien der Kommission an­genommen, ebenso der Etat der Stempel-Abgab en.

Ter Etat derRcichssckuld" wird ohne Debatte bewilligt, ebenso der Etat der Zuschußanleihe, welche durch die Abstriche der Kommission von 95 Millionen auf 72 725 000 Mark ermäßigt worden ist.

Abg. Dr. Arendt (Rvst beschwert sick darüber, daß her Etat der Reichsbank wieder fast an allerletzter Stelle auf bet Tages­ordnung stände und also zu einer Zeit zur Berathung komme, wo im Haute keine Stimmung metzr für ausführliche Erörterungen vor­handen sei. Es bandle fick doch hier um wichtige Fragen, die un­möglich auf die Dauer unerörtert bleiben können. Dabei sei der Etat der Reichsbank nicht einmal an die Budgetkommission ver­wiesen worden. Er würde im nächsten Jatzre beim Etat deS Reich amts des Innern ober des ReichskantterS, eS sick nickt nehmen lasten, auf die Sache einzugehen. Für beute wolle er sich auf dieje wenigen Worte beschränken. (Stürmischer Beifalls

Der Rest der kleineren Etats wird ohne Debatte bewilligt, ebenso daSEtatsgesetz nach den Beschlüßen der Kommisiwn. ,

Hiermit ist die zweite Lesung des ganzen Ne« * 5 b a u 81 Haltsetats erledigt, die Tagesordnung ist ersckovtt

Nächste Sftztmg: Montag 10 Uhr. (Dritte Le,ung deS Etats, vorher Kinderschutz-Gesetz.)

Schluß 5% Uhr.

Voraussetzung erfolgt, daß der Unterricht der £ fixiere über Lehr- gegenstände von allgemein technischer Bedeutung au* weiterhin auf der technischen Hochschule zu Charlottenburg erfolge.

Unter dieser Voraussetzung stimmt das Haus d e m K o m m i s s i o n S b e s ch l u ß z u, gegen die Stimmen der yretftmugcn, Sozialdemokraten und einiger National-Liberalen

Tie K o m m i s s i o n hat ferner die ursprünglich um 500 000 Mark gekürzte Summe für den Truppenübungsplatz in N e u- Hammer unverändert mit 1 500 000 Mk. bewilligt Fugleich bat sie eine R e s o l u t i o n angenommen, daß die Werthabsckatzun, von Grundstücken, welche für das Reichsheer erworben werden sollten, seitens der zuständigen Militärverwaltung unter Mit­wirkung des ReichSschatzamts stattzufinden habe.

Abg. Dr. Sattler inat.-libst: Ich freue mich über den Beschluß der Kommission und bade auch nickt? gegen die Resolution, denn ich glaube, daß dadurch in Zukunft solchen großen Mehrausgaben tn wirksamer Weise vorgebeugt wird. Ich habe nur daS Dort ge­nommen, weil ich es neulich nicht erhalten habe. Wenn der KriegS- minister schon in der Kommission uns die Aufllärung gegeben hatte, so würde die Kommission schon ftüher den Truppenplatz bewilligt haben. Nach dem Vorttag des .Kriegsministers muß ick von der Militärverwaltung sagen: DieS Kind, kein Engel ist so rein. Unklar ist mir nur, weshalb nach dem bösen Daldbrand fast bet ganze Wald abgeholzt werden mußte. Auf alle Falle aber hatte der Kriegsminister den Reichstag und das Reichsschatzamt ftuher benach- richttgen muffen. (Beifall.)

Hierauf wird die Position bewilligt, dre Rej olutron

Abg. Bebel (Soz.): Der Gouverneur beklagt sich über den Mangel an Kapital. Nun, wenn die Verhältniste fo gut liegen, wie er sie darstellt, so wird sich das Kavttal schon ettifinden. Kapital allein aber thut es nicht, wenn die klimatischen Verhältniste so ungünsttg sind und das Land unter den Regengüsten so schwer leidet. Zur Entwickelung der .Kolonien kann die Art und Weise, wie man mit den Händlern dort verfährt, auch nickt sonderlich beitragen. So sollen zum Beispiel dort die Feldwebel einen schwunghaften Handel nut allen möglichen Artikeln treiben, und ba sie als Angehörige der Schutztruppe die Sachen zollftet bekom­men, so werden die Händler diese Konkurrenz schwerlich bestehen. Die großen Aufwendungen, die wtt zur Bebauung ober afrikanischer Landstrecken machen, würden in Deutschland zur Bebauung erheblich bester angewandt werden. Da? die Auslastungen deS Gouverneurs über die Ansiedlung der Boeren betrifft, so scheint in den deuftchen offiziellen .Kreisen' jetzt einDoerensckrecken" Platz gegriffen zu haben. Denn aber die Boeren wirklich so hervorragend tüchtige, ideale Leute sind, wie sie seit fünf Jahren m der ganzen offiziellen Presse dargestellt werden, so sollte man sich dock nur freuen, wenn man möglichst viele von ihnen aus Transvaal herüberbekäme. Zu fabeln ist unbedingt, daß man den großen Ansiedlungsgesellschaften Taufcnbc von Hektaren einfach geschenkt hat. Jetzt ist das Land beinahe völlig ousversckentt, und daS, obgleich die Regierung dock wett mehr Platz zur Verfügung hatte, als ganz Deutschland.

Abg. Roeren (Centr.) fragt an, ob es wahr sei, daß in Süd- West Afrika Marmor gefunden sei, der dem karrarischen Marmor an Güte gleichsteben sollte. Leider solle eine Ausbeute der Marmor­brücke wegen der hohen Frachtkosten unmöglich sein, und die Ver­waltung solle eine Verbilligung der Frachten abgelehnt haben.

Kolonialdttektor Stachel erwidert, daß eine Revision der Eisenbahntarife gegenwärtig zur Verhandlung stehe. Diese Revision solle hauptsächlich dazu dienen, den Transport von Mastengütern zu verbilligen. Der Selbstkostenpreis betrage gegenwärtig 12 Pfg. nro Kilometer, doch gehe die Verwaltung schon jetzt unter den Selbst­kostenpreis, auf 10 Pfg., herunter. Wenn es die Verkehrsverhalt - nisse gestatteten, werde man noch Weiter heruntergeben.

Abg. Schrader (freif. Vergg.) ist au* für eine Tarifverbilligung, bic preußische Staatsbahnverwaltung möge der Kolonialverwaltung

nur bitten, au* auf dem Standpunkte des gefunden nanonalen Egoismus zu bleiben und mit uns in das Schutzgebiet hNernzu- lasten, was die Bezeichnungnützlicher Ansiedler" verdient und Alles draußen zu lassen, was diese Beziehung nicht verdrenr.

Für Ansiedelungsbeihilfen sind in den Etat 300 000 Mk. em- gestellt. Tie Initiative gebührt der Kolonialverwaltung. Ich silbst barte mir nur getraut, 100 000 Mk. einzustellen, wett ick mcht gehofft hatte, für mehr hier auf Gegenliebe zu stoßen. I* kann diese Position im Interesse der Schutzgebiete auch nur mit großer Freude begrüßen und nur dringend um Bewilligung bitten. Die Gründe dafür sind folgende:

Südwestafrika ist, wie Sie Alle Wiffen, ein Land der Vieh­zucht. Zum Viehzüchten gehört Kapital; vermögliche Leute bxm- dern aber nicht aus, sondern bleiben lieber zu Haine; deshalb muß man die Leute, die Viehzüchter werden wollen, so wett unter-

bar, daß er mir Gelegenheit giebt, an diejer wichtigen stelle zum . Worte zu kommen', haben wir diese Gelegenheit doch recht leiten, i Bor 5 Jahren ist es zum ersten Male gewesen, daß ich vor dem Reichstage Rechenschaft oblegen konnte. . ,T |

Auch ich stehe auf dem Standpunkte, daß die Bevölkerung wohl daS Recht hat, in den Vcrwaltungsangelcgenbeiten zu Don: zu kommen. Tie Einrichtung von Beiräthen, worin das geschaht, ist , in Südwestafrika die älteste und am weitesten entwickelte xic5 ist ganz naturgemäß, haben wir doch mehr Weiße, als alle anderen Kolonien zusammen. Erttsprechend der großen Zahl von Weißen konnten wir unö auf einen Beirath nicht beschranken, sondern mußten für jeden Bezirk einen nehmen, derjenige von Windhoek ist verstärkt und zum Gouvernementsbettath erweitert worden. Cm weiterer Ausbau der Eimichtung soll namentlich dadurch geschehen- daß man den weiter wegwohnenden Farmern gleichfalls die Wahl ermöglicht, indem man ihnen die Reisekosten gewahrt. Allerdings müssen zu diesem weiteren Ausbau auch die organisatorlichen Be­ziehungen zwischen dem Schutzgebiet und dem Mutter lande in rech­nerischer Hinsicht etwas anders eingerichtet werden, als sie es jetzt sind. Sie dürfen überzeugt sein, daß von meiner Sette Alles ge­schehen Wirb, diese Einrichtung, die durchaus segensreich Wirten kann, möglichst auszubilden.

In jungen Kolonien mutz die Eisenbahn der Enttrnckelung vorausgehen und nicht Nachfolgen. Tas beweist das wirchsckaftticke Leben, daS sich längs der Bahn Swakopmund-Windhoek entwickelt hat. Längs derselben sind alle Farmen bereits verkauft, und die Zahl der Diehpächter hat sich vermehrt, da sie nun em beffereS Absatzgebiet finden. Auch wird jetzt längs der Bahn überall ge­schürft. DaS Schutzgebiet ist sehr erzreich, namentlich auch an Kupfer, uiid.Kupfer ohne Eisenbahn abzubauen ist ein Unding. Ter Transport mit Ochsenwagen nach der Küste ist beretts so theuer geworden, daß die Erze auf dem Weltmarkt mcht mehr konkurrenzfähig sind. Jcht sind schon an zwei Stellen Kupfererzlager gefunden, welche zum Abbau nur noch des Kapitals harren. Außerdem liegt an der Bahn em reiches Marmorlager. Die Gutachten über die von mir mitgebrachten Proben von Kupfer und Marmor sind ganz günsttg ausgefallen. Weniger günsttg sind die Proben von Rubinen und Granaten, die ich gleichfalls mitge- brackt habe-, aber immerhin ist die Hoffnung auf bessere Funde gerechtfertigt, wo solche Steine überhaupt Vorkommen. In Bezug auf den Bergbau hat die Bahn geradezu epochemachend gestnrtt. Wtt rönnen dem Reichstage nur dankbar sein für die Bewilligung her Eisenbahn und des Hafenbaus. Dadurch ist das Schutzgebiet aewissermaßen in den Sattel gesetzt und reiten wird es mtt Ihrer Hilfe auch noch lernen.

Wtt Stt Wissen, hat die Doerenftage sehr vttl Staub auf- «Wttbelt. Ein Theil der öffenttichen Meinung scheint die Sym­pathie mtt einem tapferen Volke zu verwechseln mtt der ,jrage, ob seine Angehörigen auch für uns brauchbare Ansiedler Werben können. In der Sympathie für das tapfer kämpfende Volk sind wtt wohl Alle einig; aber das kann uns nicht hrndern, die An- ftedelnngsftage von dem nüchternen Standpunkte des gejunden nationalen Egoismus aus zu beantworten, und da kann ich _nur sagen: Die Boeren, die nützliche Ansttdler Werben können, mögen -u uns kommen, die andern aber mögen uns fern bleiben. Wie wett ist nun der Boer ein mchlicher Ansiedler? Der Boer ist mir clS Viehzüchter zu gebrauchen und in Verbindung damit als Frackt- fahrer; m beiden Zweigen leistet er Gutes. Aber hierzu gehört Kapital. Daher müssen Wir als erste Bedingung für die Ern- Ivanderung der Boeren stellen, daß sie Kapital mitbringen. Arme Angehörige anderer Nationen können Wir auch brauchen, arme Boeren dagegen nicht. Der Boer treibt keine Handarbeit und kein ftanbwerL Unter alT den vielen Weißen Arbeitern beim Eisen­bahn- und Hafenbau Waren z. B. nie Boeren, obwohl hur arme ©oeren auch dort haben. Der arme Boer zieht auf einem Ochsen­wagen mit Frau und Kind und Wenigem Schlachtvieh tm Lande umher und rumirt Wasser, Weide, Holzbestand und Jagd; letzter« mutz ihm dtt Hauptnahrung liefern. Er führt daher em Wahres Enerlcbcn und solche Ansiedler Wttd kein vernünftiger Mensch wollen. Dtt Boeren aber, dtt Kapttal haben, um .seßhafte üchter Werden zu Zürnten, sind uns willkommen; sie nicht auf- «nehmen Würde ein wirthschaftlicher Fehler fein. Ein Beispiel von der geringen Brauchbarkeit der Boeren als Nichtviehzüchter kann ich Ihnen anfuhren. 1895 Wurde etwa 3040 ©oereufamtlien die Erlaubniß gegeben, sich in Grootfontem anzusiedeln. Dieser tm Norden deS Schutzgebietes gelegene Platz ist sehr Wasserreich, tn Folge dessen für Acker- und Gartenbau sehr geeignet, aber ohne Drainage ungesund. Die Boeren verloren in der ersten Fteber- periode eine ganze Reihe ihrer Angehörigen. Regen- und tficber; periode sind ungefähr verbunden. Statt Hand anzulegen, um die Wurzeln des Uebels zu beseittgen, haben diese Boeren 1896 den Platz Wieder verlassen; die Meisten fand ick 1897 als Treckboeren in dem Bezirk von Omannen. Der Häuptling beklagtt sich bitter bei mir über dtt Eindringlinge und fragte mich fortgesetzt. Warum sie nicht in ihrem eigenen Lande blieben. Ick schaffte Abhilfe, in­dem ick den Boeren eine Frist von 6 Monaten setzte, m denen sie sich ansässig zu machen ober das Schutzgebiet zu verlassen hatten. Tie Meisten zogen das Letztere vor. Außerdem habe ick noch daran zu erinnern, daß 1900 die Kolonialverwaltung mit dem Gesandten Transvaal? im Haag Verhandlungen gepflogen hat über die Ein­wanderung von Boeren. Tas Ergebnitz War, daß 27 Boeren ein- gewandert sind. Nach dem Bericht meines Stellvertteters sind davon nur 5 brauchbare Ansiedler geworden. Ich glaube, ick brauche da nichts Wetter hinzuzufügen. Bezüglich der Retchs- angebörigkett mutz jeder Zwang vermieden Werben. Auch em Nickt- reicksangehöriger kann, wenn er sonst brauchbar ist, cm nützliches AnsiedelungSelement Werben. Daher sollten bic Boeren mtt hierauf bezüglichen Anträgen lieber zu uns kommen, als Wir zu ihnen. Die Kolonien haben. Wenn sie erstarkt sinb, ohnehin bic Neigung, sich mehr oder Weniger vom Mutterlande abzusondern. Es liegt das anck am nationalen oder in diesem Falle am Wttthsckaillichen Egoismus. Wie viel mehr droht diese Gefahr von einer Kolonie,, _ - .. ,.

welche stark mit ftemden Elemeitten durchsetzt ist. Schon jetzt Um -L ctat für Südwestafrika wird hierauf bewilligt, ebenfo wtt in Südwestafrika m die,er Beziehung beinahe auf einer abd S für ÄXi nea, dtt Karolinen und die schüfsigen Bahn angelangt. Im Süden ubcrWtcgen bereits jebt Ltate nrc c c u u die Boeren jede andere Nationalität. In einem Polizetbczirk, der -Wa r 1 J. _

den schönen Namen Schürfpanz führt, wohnen z. B. «8 Boeren neben 2 Reichsdeutschen, von denen einer eine Bocrentockter ge-

Wahlbcwcguug.

Der frühere ReichstagSabg. RaclL in Mainz hat die ihm angebotene ZentrumSkandidatur ab gelehnt. Als Reichstagskandidat wurde aufgestellt in Friedberg- Büdingen Landwirt Bähr (Antis.), der bekannte Lttndtags- abgeordnete.

Aus Stadt und Land.

Gießen, am 23. Marz 1903.

- Hessische Landwirtschaftskammer. In bei Ausschußsitzung deS landwirtschaftlichen Provinzialvereins Rheinhessens teilte Ministerialrat Brann mit, daß die Vorlage Über die Errichtung einer LandwirtschaftSkammcr 'den Landständen in der Herbststtzung der Kammer unterbreitet Mnd daß die Kammer selbst am 1.April 1904 inTätig- keit treten werde.

Wiesbaden, 21. März. Tic Ausgrabungen «iner römischen Badehaus-Anlage auf dem Terram deS ftüheren BadehauseS zum Engel (in der Zeil WO bi-3 300 n. Ehristis haben in den weitesten Kreisen daS größte Interesse hervorgeruscn. Alich der Kaiser interessiert sich aus dnS lebhafteste für den Fund und gedenkt derselbe bei seinem

Hiersein im Frühjahr die Anlagen zu besichtigen. Heute weilte im Auftrage des Kaisers Baurat Jacobi aus Hom- bürg d. d. H., und auf Veranlassung deS Kultusministeriums Profesior Dr. Pallert aus Berlm hier, um dtt Funde und Ausgrabungen in Augenschein zu nehmen. Von besonderem Werte ist auch die wctter zu Tage getretene noch von den Römem gefaßte warme Quelle, die ungefähr die gleichen Eigenschaften zeigt, als die Kohlbrunnen^uelle. Bis zur Anwesenhett deS Kaisers m Wiesbaden hofft man mit den Ausgrabungen und Aufdeckungen der Anlage, die sich über das ganze Bau-Terrain erstrecken, sowctt vorgeschritten zu sein, daß man sich bequem em einheitliches Bild der ganzen Anlage machen kann. Wie der Rhein. Kurier meldet, vermachte die kürzlich verstorbene Baronin von Eohn- Oppenheim dem Intendanten, Kammerherrn von Hülsen, neben zahlreichen Wertgegenständen 800000 Mk. und fernen den beiden Kapellmeistern des hiesigen HoflheaterS, Professor Mannstädt und Profesior Schlar, je 100 OOo M k.

Zmidtt und Verkehr. Volküwirlschafl.

Neue 3,50proz. Darmstädter siadt-Aulcihc. ioei der Submijsiou au 2titX)U00 Ult 3^0prozenttger Siadlanlerye der yaupt- und Residenzsladi Darmstadt, dtt überwiegend zur Kon-

-"Beim bermlichen Ueberschrelte^n der russi'» schcn Grenze wurden bei dem Dorfe vrabierszisno im Kreise StraSburg in Weslpr. von der russischen Grenzwache zwei Frauen erschossen und ein Mädchen ver­wundet. Sie gehörten zu einem größeren Trupp russischer Arbeiter, die in Preußen Arbeit suchen wollten.

Geriihtssua!.

I» Prozeß Laude» wurden nach «ner Meldung mr; Leipzig die Revision des Angeklagten imb des Staatsanwalts oon- -steimsgeiickr o c r rr o rf ej^z

oersion einer älteren 4proz. Schuld Verwendung sinden soll, gaben fünf Bankengruppen Anaebcue ab. Wie miigelerlt wirb, gehörten den Gruppen folgende Institute an: 1) Darmstadter Bank (Bank für Handel und Industrie), :Rob. Warschauer u. E,e. und Pfalzuche Bank Die Uebernayme wird angetragen zu 0,lo Prozent und Rcftübernahme zu 99,71 Prozent. 2) Deutsche Genoffenscha^bcmk Ephraim Rleyer il Sohn und Oldenburger opar- unb Leihbanr, 0 »0 Prozent und 99,80 ProzeM. 3) Delbrück, Leo u. E>e^ Natwnal- banf für Deutschland, Harty (Hamburg) G. m. b. ttttdinand Lander und Eduard (Oerft u,275 Prozent und 99^60 Prozent. 41 Fstiale der Dresdener Bank in Dlannycim, -.eutsche Effekten- und Wechselbank und L. und E. Wertheimbrr-Frankiuri a. 31. 0,25 Prozent und 5000 Mk. bezw. 1000 Prozent. °, TiSkonto^e- sellschast, S. Bleichröder, und Rauhenn u. Eie. 0,37o Prozent und u9,60 Prozent.