Ausgabe 
23.3.1903 Drittes Blatt
 
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Montag, 23. März 1903

153. Fahrg.

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d*fhrt kSgklch mit Kufnobme bet Ödnntttgt.

Di .Oletzer ^eertllfeblätter* ro erben bem Siijietget o crma wöchentlich beigelegt. Der hessische txuleti** erscheuu menathd) etranaL

Gießener Anzeiger

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StotanonCbrud unh Verlag be Brl|f UntDcrfihiifcbrudnei (BttiMfc trtwl

General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.

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gar nichts geplant. £nt ganze B, iir der Liebhaberei deS Herrn Ccd

DaS Ausland

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eine durchaus falsche Sparsamkeit geübt. Tehr bedauerlich ift c=,

Auöf liebe: Go. Icir br

Ja, aber diese wurden gerade für die Erbauer der Bahn, die Ingenieure u. s. w., gebaut; und wenn die Bahn fertig ist, dann ziehen sie wieder weg, und Alles steht leer. Man baut doch nicht eine Bahn, damit die Erbauer mir ihr abfahren können. (Heiterkeit.) Welches ist denn der Güterverkehr, auf den man immer hinweist 's

ren die Kosten bewilligt? DieS Ergcbniß ift wohl nur der würdigen Bcredtsamkcn deS anwesenden Gouverneurs Grafen n und des Referenten Prinzen Arenberg zu verdanken (Hciter- Womit hat man uns nicht AlleS zu bestimmen gesucht I Hinter '"en von Mombo wohnt daS Glück! Sogar ein Luftkurort soll

schäfteten, so ist daS mehr oder weniger irrthümlich.

giebt für seine Kolonien genau so viel auS, wie wir. Die Ausgaben für die Verwaltung m Kamerun sind entsprechend denen für die

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Ter Barer aller Hindernlsle auf diesem Gcbicie n$t un Reich

Im ganzen Jahr sind von Korogwe bis zur Küste befördert worden 567 Tonnen, das macht für jeden Zug ganze 10 Cenrner. (Hetter- keit.f WeShalb hat die jlommission nun trotz dieser berückenden

Verlaub, von Anfang an war l verdankt ihre Entstehung ja nur

daß die PcnsionSkasse für unsere Kolonien immer mehr anwächst. Tas würde nicht der Fall sein, wenn man junge, den klimatischen Verhältnissen gewachsene Beamte nach den Kolonien schickte. Bor Allem aber bedürfen wir tüchtiger Beamten in den Kolonien, eS ift nicht angängig, dah sie als Refugium für mindcrwcrthige Be­amte und Offiziere angesehen werden. Daß die Eisenbahnen das beste Mittel sind, um die Kolonien wirthschaftlich zu heben und damit die Sklaverei entbehrlich zu machen, unterliegt keinem Zweifel. Charakteristisch für die Sozialdemokraten ift eS.daß su zwar die Sklaverei beseitigt wissen wollen, aber der Regierung die Mittel für den Bau von Bahnen verweigern.

Direktor im Reichsschatzamt Twele bestreitet, dah daS Reichs schatzamt der Kolonialoerwaltung bisher irgend welche Schwierig­keiten gemacht habe. Zwischen den beiden Ressorrs herrscht daS beste Einvernehmen in allen Finanzfragcn. Nur bezüglich deS AuSbildungsgangcS der Kolonialbcamren jnnunten die beiderseiti­gen Auffassungen rächt ganz überein.

Gouverneur Gras Goetzen erwidert dem Abg. Schrentpf, dah eine Arbeitspflicht für das ganze Schutzgebiet in keiner Weise bc- ! steht. Wir werden sie auch in Zukunft wahrscheinlich gar nicht' haben können. Ich habe lediglich in einem der Küste nahen Bezirk, in Tar-es-Salaam, um die Produktion durch Eingeborene zu heben und die Bevölkerung an Arbeit zu gewöhnen, folgenden Versuch gemacht: Ich habe durch den BezirkSamtmann die Dorfhäuptlinge der umliegenden Jumbenschasten zusammenberufeii lassen und nach längeren Verhandlungen mit ihnen angeordneb, dah versuchsweise, in dem kleinen Bezirk Dar-cS-Salaam jedes Torf ein Feld anzu legen har, worauf dasProdukt gebaut wird, das dort ambesten wächst: Lclftüchtt, Mais oder Zuckerrohr, und dah jeder Dorfeingesessene 12 Tage im Jahre auf ihm zu arbeiten hat. Ter Ertrag soll zu einem Drittel den Torfeingesessenen, zu einem Drittel den Häupt­lingen zu Gute kommen und zu einem Drittel von dem Auumann an der Küste verkauft werden. Es ist nur ein bescheidener Versuch, den ich da mache, und ich habe ihn auch erst vor einem halben Jahre

begonnen.

Die dauernden Ausgaben werden hieraus bewilligt.

Bei den einmaligen Ausgaben reserirt

Berichterstatter Prinz Ärenberg über die Verhandlungen Kommission betr. die Tangabahn.

Abg. Richter (freif. Volksp.j: Im vorigen Jahre hat

auch ein Weg.

Gouverneur Graf Goehen: Ter Herr Abg. Schrempf hat gefragt, ob eS nicht möglich sein würde, auch in Ostafrika ein Element der Selbstverwaltung heranzuziehen. ES ist in der Thal bereits ver­sucht worden, diesem Wunsche Folge zu geben. Ich habe Versamm­lungen, zu denen die Chefs der größeren Firmen, die Vertreter der Pflanzer und der Geschäfte in Dar-es-Lalaam und Tanga eingeladen wurden, nach Dar-es-Salaam zusammenberufen und ihnen dann eine Reche wichtiger Fragen vorgelegt, chnen auch an- heimgestellt. selbst Wünsche zu äußern. Es sind auch von Setten dieser Betheiligren zahlreiche Wünsche zum Ausdruck gekommen, die zum großen Thell Beacbrung gefunden haben. Die Kaufleute haben auf diese Art einige TranSportermäßigungen erlangt, ferner wurden auf ihren Wunsch alle Ausfuhrzölle einer Revision unter­zogen und Zollerleichterungen geschaffen. Ich werde auch in Zu­kunft stets diese Kreise hören. In den meisten Fällen wird chren Wünschen Folge gegeben werden lönnen. Was die Verwaltung der Kommunen anlangr, so müssen von dem Bezirksamtmann bei der Feststellung deS HauShattscralS die Bezttksräthe der Kommunen herangezogen werden, so daß auch hier ein mitbestimmender Einfluß gesichert ist. Ich glaube nicht, daß wir in der Einrichtung der Sclbswerwaltung jetzr toei^r gehen können, ehe das ganze Verhält- niß der Kolonien zum Mutterlandc einer Neuregelung unterzogen wird und so lange diese vom Mutterlande sinanziell abhängig sind. Ls würde dies auch keineswegs im Interesse der Ansiedler liegen. Ich kann nur die Versicherung abgeben, daß ich auch m Zukunft

Haeuser. Im vorigen Jahre sagte man, Korogwe sei etn furchtbares Malarianest, so dah man die Bahn schon wetterbauen müsse, damtt die Leute nur von Korogwe fortkönnten. (Heiterkeit.) Und jetzt be­gründet man die Forderung damtt, daß Korogwe so wunderbar idyllisch sei, dah Jedermann dort Hütten bauen wolle. Wo ift Wahrheit? ES sollen an der Bahn Häuser gebaut sein u. s. w.

; Parlamentarische rrerhanölniiizen.

k a ch d r u ck o h.o e Vereinbarung nicht gestattet.

Deutscher Reichstag.

B89. Sitzung vom 21. Marz,

10 Ubc. DaS HauS ist schwach besetzt.

Am Bundesrathsnsch: von Göhler, Oberst Leutwein, Graf Goetzen, Stuebel u. A.

Auf der Tagesordnung steht die Fortsetzung der zweiten Berathung deS Etats.

Zunächst steht der Kolonial-Etat zur Debatte.

Die Berathung beginnt beim Etat für Ostafrika

Hier hat die K o m m i s s i o n an der ersten Rate für die Fort­führung der Bahn TangaMuhesaKorogwe biS Mombo 250 000 Mark abgesetzt, und anstatt der geforderten 1 Million Mark nur 760 000 Mk. bewilligt.

Abg. Stolle (Sog.) bedauert, daß noch immer nichts gcthcm sei, am die Sklaverei abzuschaffcn; wenn das Reich nach zwanzig­jährigem Besitzstand die- noch nicht erreicht hätte, so wäre dies cm sehr trauriges Resultat. Wiederholt habe der Reichstag Resoluttonen angenommen, die auf eine Beschränkung der Sklaverei hinztttten, und trotzdem habe die Regierung noch nickst einmal die Haussklaverei beseitigt. Ein solcher Zustand sei einer Kulturnation unwürdig.

Lrlonialdirektor Dr. Stuebel: Auch wir sind der Ansicht, dah die Sklaverei, auch die HauSsklaverei, abgeschafft werden muß, um) halten den gegenwärtigen Zustand nur für eine Periode des Ueber- ganges. Dir befinden uns in Deutsch-Ostafrila in einem wirth- schaftlichen Stillstände, wenn nicht Rückgänge, und da läßt sich die HauSsklaverei noch nicht entbehren. Sobald wir aber zu einer modernen Bewirthschaftung übergegangen sein werden, und wir hoffen, dah der Bau der Tanga-Bahn wesentlich dazu beitragen wird, die wirthschaftlichen Verhältnisse in Ostafrika zu ändern wird der Sklaverei ein rasche- Ende bereitet werden, und wir werden die nöthigen Schritte htun, dah dicS möglichst bald geschieht. In Kamerun ist von einer Sklaverei nicht mehr die Rede. Dort hat man eS mit Halbfreien zu thun, und ihre Kinder werden frei. In Ostafrika und in Togo ist die HauSsklaverei im Wege der Ver­ordnung wesentlich gemildert. Neuer Zuwachs kommt, abgesehen von Geburt, nicht vor. Ein Verkauf darf nur mit Genehmigung der Angehörigen der ©Haben und der Behörden erfolgen, ein Feil- bieten auf offenem Markte findet überhaupt nicht statt. Außerdem ist die Zahl der Freibriefe erheblich gestiegen. Im Jahre 1901 wurden 1526 Freibriefe ausgestellt, 1902 waren eS 2087. Es umfassen diese Freibriefe alle tfäHe, in denen auf Grund von Frei­kauf, Freilaffung oder FrecheitSerHärung das Sklavenverhältniß aufgehoben wurde.

Abg. Schrempf (kons.): Der Verwaltungsapparat in unseren afrikanischen Kolonien ist viel zu umfangreich. Auch ist es zu mißbilligen, daß der Kolonialdienst heute vielfach nur als lieber? gmigSdienst für junge Beamte angesehen wttd. ES sollte eine spe­zielle Ausbildung der Kolonialbeamteu ftattfmbcn. Wenn die Be­amten in den jttrlonialvcrhälttiisten besser geschult würden, würde daS für unsere Kolonien von Höchstem Nutzen sein. Man sollte auch die Pflanzer und Kaufleute nut an den BerwaltungSarbeiten betheiligen und nicht Alles den Beamten überlassen. Der AstestoriS- muS in unseren Kolonien ist viel zu groß.

Kolonialdirettor Dr. Stuebel: Wie wir unseren DerwaltungS- apparat in den Kolonien einfacher und billiger gestalten können, darüber schweben Erwägungen. Wenn in den Zettungen gesagt wird, daß wir theurer als daS Ausland in unseren Kolonien wirth-

Derwaltung in der englischen Kolonie Süd-Nigerien. Wir koloni- stten überhaupt nicht theurcr, als Engländer und Franzosen. Ob eS zwcckmähig unb möglich ist, den Gouverneuren Organe der Selbstverwaltung beizugeben, ist Gegenstand eingehender Erwägung. In Südwestafrika sind wir diesem Zustand bereits nahe; do« wird dem Gouverneur ein kolonialer Beirath kooptirt. Ob und inwtt- wett dieses System auSdchnungSfähig ist, wird die Zukunft lehren.

Abg. Stille (Soz.j ermahnt die Regierung, die Frage der Ab­schaffung der Sklaverei nicht mtt wirthschaftlichen Fragen zu ver- quükcn. Stellte man sich erst auf diesen Standpunkt, so käme man nie dazu, sie abzuschaffen. Was in englischen Kolonien möglich fei, müßte dies auch in deutschen sein. Wo ein Wille sei, da sei

ndcn sein. (Heiterkeit.) Wenn das nur nicht Alles Luft­spiegelungen sind! (Heiterkeit.) Eisenbahnen, die auf so dürftigen Voraussetzungen wirthschaftlicher Entwickelung beruhen, können sich nicht rennten. Man weist auf die Konkurrenzlinien hin, auf die Ugw^'-Bahn. Mtt dieser Uganda-Bahn ist es aber selbst eine eig ?. Jetzt heißt es, daß sich die Pest längs der Bahn bis

zur schleicht- Man rede nicht immer von den Handelsleuten!

Das sind nicht die richtigen Geschäftsleute, die immer auf die Sub­vention der Regierung spekuliren und nie auf ihre eigene Taschen bauen I Nein, es sind keine HandelSintereflen, die uns die Bahnen bescheren, es sind halb militärische, halb bureaukratische Inter­essen. Wie kann man unS in diesem Iah« wieder mtt biefer Forde­rung kommen X Haben wir denn jetzt da» Gelb dazu? Mtt solchen Bewilligungen ist man nur bet Schrittmacher neuer inbltekter Steuern I (Lebhafte Zustimmung links.)

Gouverneur Graf Goetzen: Ich glaube, versichern zu können, daß ich mich stets um da» bekümmere, waS möglich ist, und daß ich besttebl, überall die größte Sparsamkeit walten zu lassen. Ich weise nur auf die Ersparnisse bin, die ich bei der Flottille gemacht habe.

Was nun den Bahnbau betrifft, so wiederhole ich, daß ei sich hier nur um den Schlußstein handelt, nicht um ein neues Unter nehmen. Die Usambara-Babn ist seiner Zett auSdrück.ich gebaut

Reichstag den Bau dieser Bahn abgclehnt. Was waren die Gründe? Einmal die allgemeine Finanzlage. Nun, diese hat sich in diesem Jahre mir verschlechtert. DaS, waS man jetzt verlangt, ist freilich nicht viel. Aber eS ist nur die erste Rate, nachher muß man auch die wetteten bewilligen. Kutz, wtt übernehmen ein Engagement von 6 Millionen. Auf der anderen Sette sehen sich die Verhältnisse der Bahn jetzt außerordentlich viel ungünstiger an, als un vorigen Jahre. Die bisherigen Einnahmen der Bahn Tanga-Korogwe betragen nur 46 Prozent bet Betriebskosten. DaS ist doch wahrlich nicht er- muthigend. DaS ist aber das eigenthümlichc an diesen Bahnen: wenn sie sich nicht rentiren, so heißt eS: nur immer weiter bauen, dann werden sie sich schon rentiren 1 Jetzt sagt man: es war ja von Anfang an geplant, die Dahn bis Mombo wetterzuführen. Mtt

worden mtt dem Zweck, die Ujambarabergc zu erschließen, ben An- fieblem dort die Möglichkeit zu Plantagenbetrieb und zu europäischer Lanbwirthschaft, für die do« die günstigsten Borbeduigungen vor­handen sind, zu geben. Wit wollen jetzt noch das Dach dem Ge­bäude aufsetzen, bas zwar an sich schon bewohnbar, aber noch nicht £uf deren Mitwirkung großes "Gewicht legen" werde. 1 rentabel ist. Die jetzige Sttecke der Usambara-Dahn schließt mir

Abg. Schrempf (kons.) bleibt dabei, daß die deutschen Kolonien ' einen kleinen Th eil des wichtigen Gebietes auf. Wtt können mtt recht theuer wirthschaften, jedenfalls im Verhältniß zu England. I den 36 Kilometern Babn'trecke, die wtt jetzt tnc. r verlangen, den Lus Frankreich brauche man sich nicht zu berufen, weil es ja bekannt j weitaus größten Theil des Sanbe» m unseren Wtrthschansbereich fei, daß Frankreich außerordentlich viel Geld für seine Kolonien ziehen, einen sehr viel größeren Theil, als uns die bisherigen 86 auSgebc. Daß eine A« Selbswerwallung in den Kolonien ange- Kilometer erschlossen baben. Es ist nicht Willkür, daß gerade Mombo strebt werde, sei hoch etfteulich. Redner fragt dann an, wie S mtt als Endpunkt der Bahn in Aussicht genommen tu. Mombo ist der­ber Heranziehung von Eingeborenen zur Kolonisationsarbeit stehe, jcnige Punkt, von wo aus die Möglichkctt besteh:, eine Fahrstraße uni welche Erfahrungen man damtt gemacht habe. m den nördlichen Tbeil von Wcuusambara htneu r:bauen. Dir

Mm, Ot. Arendt (Rp.j: Daß man durch die Heranziehung der haben nicht die Absicku, die Bahn noch toeutr zu beudng . wenn Pflanzet und Äauflerne eine A« parlamentarischer Vertretung für nicht ganz befandere Umstände etrureten tollten. Wir munen daS bic Kolonien geschaffen hat, gereicht uns zur großen Beruhigung. Beitteben haben, die Eabn voll aus-unuyen, den Anued.trn m Weft- 'Xm Vetwaltunaswefen mußte enffchieden eine Verminderung der ufambara die Rcöglichkeit zu 'chas'cn, ihtc Produkte an . ;r Ku'ie zu Sck'reibarbcit stanfinden. Durch geeignete wirthschaftliche Maß- vetkauttn. B's jetzt baren die flnitebc.urgcn hort nid r-riren nahmen müßte man die Kolonien so zu heben suchen, daß sie aus ' können, denn trenn die Produkte eru burä Dräger ar dxc Quue zehrenden Quelle zu einer Quelle des Ueberfchusses werden, gefchaff: werden m;. cn, ic nnb 1« bett rnentens n mear zu

UXt Vrner aller Hinde«ii!,e auf diesem Gebiete sitzt un Reichs- brauchen. Was von > efundbeitSge'a.ttiichkett der :nb ge-

schatzamt ES wird hier gerade bezüglich unserer Kolonien vielfach lagt wurde, kann her nicht in -crtack> kommen, ttlle Ichatzamt. L5 rotro gi« u £jIajx ^s sind in den Niederungen megr oder weniger ur .iunb.

Damtt haben Wit zu rechnen Die Höhen sind gesund, dort sollen daher die Europäer wohnen, während die Niederungen mehr für die Eingeborenen bleiben. Cb in Korogwe Malaria herrscht oder nicht, darauf kommt eS doch nicht an. (Äanu! linkS.j Die Malaria wird ja von der fortfd)rcucnbcn Kultur zurückgetrieben. In bet Um­gegend von Potsdam haben wir noch heute Malaria, in der Um­gegend von Korogwe werden wir sie noch lange haben. Auch sind noch manche Sttecken durch die Tsetse-Fliege verseucht. Da» darf uns inbcsien nicht abhatten, daS zu thun, waS wirthschaftlich noch- wendig ist.

Nun noch wenige Do«c über die Bauausführung. Die Strecke Korogwe-Mouivo wirb nicht etwa eine Gebirgsbahnstrecke. Stt führt im Gegentbeil durch ebenes Land. Die Ausführung wird eine recht einfache fein, unb waS bie Ueberichreitung der Kosten angeht, fo Haven auch wir geleint. Wir müssen in Ostafrika Alle lernen. Im Uebrigrn gd daß ich Alles thu»

werde, um sparsam zu bauen und zu wirihschaftcn unb möglichst Hove Erträge zu erzielen. Ich erkläre, daß ich diese Dahnbauten in Qstaftika für eine Lebensfrage unserer Schutzgebiete halte, baß ohne diese Bahnen unsere Schutzgebiete nicht gedeihen können. Ich möchte balicr die bringende Bitte an Sie richten, solchen Projekten Ihre Zustimmung nicht zu versagen. Wit haben ja für bic Zukunft auch noch andere Bahnprojekte vor, vor Allem bic Bahn von Dar-eS- Salaani nach Dttogoro. Ohne diese Derbinbung des wichtigsten Thciles unseres Schutzgebietes nut dem Hinterlanbe werben wtt nicht weiter kommen.

Wenn man nun bei all diesen Plänen uns entgegenhätt: et solle erst HeimaihSpoliiik getrieben werden; die Kolonien kämen erst in zweiter Linie, so glaube ich, daß daü Vcrhältniß von Mutterland und Kolonien dos von Mutter und Kind ift: unb je jünger baS Kind ist, desto mehr bedarf es der Fürsorge der Mutter. sHeiterkett.) Sollten Sie aber dadurch nicht bestimmt werden, so denken Sie an die geschäftliche Seite! Die Kolonttn sollen ein Geschäft für un» fein! sZuruf linkS: Aber erst können! Heiterkett.) Dtt Grund- läge ist gegeben. Wir haben aber überall Gebiete, auf denen em Anbau zwar an sich möglich, heute aber unmöglich ist, weil bic An­siedler nicht in der Lage sind, ihre Produkte fortzuschaffen. Ich sann eS Niemand verdenken, wenn er in solche Gebiete nicht hingeht. Ein Land ohne Weg und Steg, wie Ostaftika, kann ohne Eisenbahn sich nicht cniroictcln. Wir müssen ben Sprung vom Trägerverkehr um Eisenbahnverkehr machen, ohne bic Zwischenstufe eines an beten Verkehrsmittels. Ich bitte Stt bringenb: Helfen Stt un» diesen Sprung machen! (Scifall.)

Äolonialdirektor Dr. Stuebel: Vom Standpunkte der Aolonial- verwaltung habe ich allen Grund für Bahnbauten in den Kolonien einzutreten, insbesondere auch für die Fortsetzung der Ufambara» bahn nach Mombo. Wir haben nun einmal die Kolonien, nun muffen wir sie auch entwickeln; sonst verfallen wtt in denselben Fehler wie Großgrundbesi^r, welche in ihre Güter nicht daS zur Bewirthschaftung nöthige Kapital hineinstecken. Wir müsien mtt praktischem Geschäftssinn an dtt Entwicklung unserer Kolonien her an treten. Natürlich muffen wtt sparen soviel wtt nur können, namentlich so lange wir vom Reich abhängen, aber nicht an solchen Stellen, von denen ein wirthschaftlicher Nutzen zu erwarten ist. Ebenso nothwendig, wie dtt Verlängerung der Usambarabahn ist der Dau der Bahn von Dar-es-Salaam nach Morogoro. Wir bedauern lebhaft, daß es nicht mehr gelingt, in dieser Session auch dttse Bahn zur Verabschiedung $u bringen, aber wir werden nicht darauf verzichten können, dem nächsten Reichstage dtt Forderung vorzu­legen.

Abg. Frhr. v. .Hettling (dtr.): Meine Freunde haben bisher der Kolonialpolitik und ganz besonders den Bahnbauten in den Kolonien mit großer Reserve gegenübergeftanben und wtt sind auch nicht bereit, auß dieser Reserve herauSzutteten. Auch ich selbst bin kein Kolonialschwärrner. Trotzdem werden die Mehrhett meiner Freunde und ich für die jetzt vorliegende Position stimmen, da wtt glauben, daß wir, nachdem wir die Kolonttn nun einmal bekommen haben, auch das Nothwendigc für stt thun müßen. Ich kcnm nicht finden, daß die heutige Kritik deS Abg. Richter berechtigt ist. ES handelt sich hier ja nicht um eine neue Bahn, sondern um bew Schlußstein einer bereits bestehenden. Es ist ganz richtig: wenn man ein Haus gebaut bat, muß man auch daö Dach bauen. Wtt stimmen also aus wirthschaftlichen Gründen dem Bau biefer Schluß strecke zu. Wenn die Regierung im nächsten Jahre das Projät Dar-es-SalaamMorogoro wieder vorlegen sollte, so bitte ich sie zu erir "gen, ob sich durch den Bau der Bahn dtt VerwaltungSkoste» bet Kolonien nicht um ben Betrag bet Zinsgarcmttt de» Reiche» verringern lasten.

Abg. TaSbach: Ich kann der Fortführung der llsambarababn nicht zustimmen. Wir haben im Reiche und ben Einzelstaaten fege viele ftulturaufgaben zurückstellen müssen auS Mangel au Geld. Es herrscht bei unS eine allgemeine finanzielle Kalamität. Ange­sichts dieser Lage muß ich dem widersprechen, daß man auf Luft­schlösser hier Eisenbahnen baut. sHeittrkett.j

Abg. Dr. varth (freif. Dgg.): Meine Freunde sind immer noch der Ansicht, daß es viel bester wäre, wir hätten dtt Kolonttn, dtt wtt haben, nie besessen. Da wir aber nun einmal mit ihrem Besitz rechnen müsten, so müffen wtt auch bad Nothwendige thun, um wenigstens noch etwas Brauchbares auS ihnen zu machen. Nun sehen wtt ein, daß wtt dtt Kolonie, wenn wir dtt Bahn nicht bauen, wirthschaftlich preisgeben, unb daß, wenn die Bahn nicht weiter fortgeführt wttd, auch das bisher gebaute Stück keinen Zweck hat. Deshalb werden meine Freunde die Mittel für dieses Eftieriment bewilligen.

Abg. Richter (freif. Vp.): Die Ausführungen bei Abg. Dr. Barth waren mehr dialektifw, als überzeugend Man würde in Teutfchland keine Kleinbahn bauen, bie fo wenig verspricht wtt dttse hier. Wtt sind wir denn überhaupt zu der Kolontt ge­kommen? Dr. PeterS ist mit ein paar rotben Husarenjacken herum- gezogen und schloß dann mit den Häuptlingen Verträge ab, btt das Gebiet uruer den Schutz bei beutfu a ' riferi stellten, und dann wurden auf den Sultanspalast in Sanv ar dtt Kanonen ge­richtet.

Die Position bett, dtt Usambarabahn wird bewil­ligt, ebenso der Rest der einmaligen Au»gaben. Der Gouver­neur Graf Goetzen wird von verschiedenen Mitgliedern bei BundeS- rathS beglückwünscht.

Beim Erat für Kamerun bittet

Abg. CobenSly (Eentr.j, den von Eingeborenen geschädigten Mfffttnaren eine Entschädigungssumme von 10 000 Mk. zu ge­währen.

Kolonialdirettor Dr. Stuebel sag: zu, daß eine Entschädigung statrftnden solle.

Ter Etat wttd bewilligt, ebenso ohne Debatte der Etat für Togo.

Beim Etat für Südwestafrika fragt

Abg. Dr. Arendt (Rp.j, ob die in C.iafrifa mit Selbi'tverwal- rungsorganen gemachten Versuche auch schon auf Südwestafrika ausgedehnt seien und ferner, wie cs mit dem E«ragc der Erzgruben steht.