Ausgabe 
23.2.1903 Zweites Blatt
 
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nehmen herrsche, wurde beschlossen, die sozialistischen Par­teien über die einzuschlagende Taktik auf dem Laufenden zu erhalten und über Mittel und Wege zu beraten, um diese Reform zur Durchführung zu bringen.

Der bekannte Maler Du Nioulain hat den Auftrag erhalten, den Präsidenten L o u b e t auf seiner Reise nach Tunis und A l a i e r zu begleiten, um die offiziellen Er­eignisse Lu verewigen.

Budapest, 21. Febr. Eine große Deputation aus Feelegyhaza, die eine Petitton gegen die Wehrvor­lagen überbrachte, zog heute in Begleitung von Hunderten von Studenten und zahlreichem Publikum unter Abzugrufen auf den Minister Fejervary vor das Parlament, wo ein großes Polizeiaufgebot aufgestellt war. Die Ueberreichung der Petition vollzog sich anstandslos.

Lokodja, 22. Febr. Die brittschen Mitglieder der englisch-deutschen Gr e n L ko m m i s s io n zur Ab­steckung der Grenze zwischen Jo la und dem Tschadsee sind am 10. Februar hier eingetroffen und begaben sich am 20. Februar im Automobilboot auf dem Benueflusse nach Jbi.

Washington, 22. Febr. Gestern abend fand die Grund steinlegung zu der neuen Heeres- Kriegsschule statt in Gegenwart des Präsidenten Roosevelt, der Minister, der übrigen Behörden und aus­ländischer Vertreter. Roosevelt hielt eine Rede, in der er ausführte, daß die Errichtung dieses Gebäudes einen großen Schritt bedeute bei der Sicherstellung der Wehr­kraft des Heeres und das Gesetz betreffend die Schaffung eines Generalftabes ergänLen werde. Der Lauf der Ereig­nisse habe die Nation in die Stellung einer Weltmacht getrietien. Die Nation habe Verpftichtungen int Westen und im Osten und könne ihnen nicht gerecht werden, wenn ihre Stimme nicht mächtig eintreten könne für die Sache des Friedens und der Gerechtigkeit. Diese Stimme könne den Schutz für diese Verbindlichkeiten nicht aus sich nehmen, wenn es nicht deutlich verstanden werde, daß die Vereinigten Staaten Frieden wünschen, nicht int Sinne des schwächlichen Feiglings, sondern mit dem sicheren Selb st vertrauen des gut gerüsteten Mannes. Das Volk beginne zu verstehen, daß die Armee ebenso wie die Marine in einem Kriege in dem Maßstabe ihre Schuldigkeit tun würde, wie sie int Frieden dazu vorbereitet sei. Es sei nicht wünschenswert, daß die Armee im Ver­hältnis zur Bevölkerung nicht klein sei, aber Amerika habe das Recht zu erwarten, daß sie den höchsten Grad von Tüchtigkeit, denirgend eine Armeederzivili- sierten Welt besitze, aufweise.

K. K. K. ver Hrotzye.zog in Indien.

Seine Königliche Hoheit der Großherzog begaben sich fout derTürmst. Zig/' aus Indien zugegangenen brief­lichen Meldungen am 29. Januar mit Sr. Hoheit dem Maharajah von Bitanier und der Jagdgesellschaft mit Lxtrazug nach Suradghar und von dort zu Wagen nach dem Zeltlager von Sardargasb. Auf dem Wege dahin kamen Antilopen und anderes Wito zum Schuß. Am folgenden Tage (30.) wurde die Jagd auf Sandgrouses und Antilopen fortgesetzt und fuhren Seine Königliche Hoheit am Abend nach Surath zurück, um im dortigen Bungalow zu über­nachten. Am 3L Januar brachte ein Extrazug Seine König!. Hoheit mit dem Maharajah und der Jagdgesellschaft nach ttnem mehrere Meilen nördlich gelegenen Jagdgelände. Am Nachmittag wurde das Jagdlager von Morjandh er­reicht und die Jagd fortgesetzt. Ebenso am folgenden Tage, wo sich unter der Jagdbeute mehrere gute Anti- lopenböcke befanden. Seine Königliche Hoheit schossen am nächsten Tage Houbaras (eine Trappenart) und begaben Sich nach Suradghar, wo die Jagdgesellschaft int Bungalow speiste. In der Nacht darauf erfolgte die Rückfahrt mit Extrazug nach Bitanier. Ter folgende Tag war einer Lesichtigung der Stadt, der Forts und des Schlosses ge­widmet; später wohnten Seine Königliche .Hoheit einigen sportlichen Veranstaltungen auf dem Polo-Platze bei und am Abend einem Feste im Palais des Maharajah. Am 1. Februar sahen Seine Königliche Hoheit einem pigfticking zu, besichtigten dann einige Tempel in der Stadt und reisten am Abend nach Mount Abu ab.

Aus Stadt und Land.

Gießen, den 23. Februar 1903.

" Unser Reichstagsabg. Köhler-Langsdorf sendet uns eine sieben Punkte umfassendeErklärung" mit Be­zug auf die kommenden Reichstagswahlen zu, wie er unS schreibt,infolge dringlicher Aufforderung und aus Anlaß des Umstandes, daß bereits zürn 26. d. M. der Bund der Landwirte Stellung zu der Reichstagswahl zu nehmen" ge­sonnen ist, ferner weil die Sozialdemokraten bereits den Stadtv. Krumm als ihren Kandidaten normiert hätten. Dieser Erklärung" zufolge kandidirt K. wiederholt zum Reichstage in uyserem Wahlkreise. Sein Programnt seidas alte", d. h.die Betätigung der Ansicht, daß alles Heil der Völker in seinem tiefsten Grund dem Bauernstand, dieser Urkraft, entstamme, und darum dieser auf alle und jegliche Weise zu erhalten imd vor bcnt Untergänge zu bewahren" sein. Dann kommt Herr K. auf das physiokratische System Quesnays zu reden, dem er neuerdings auf Griind seiner Freundschaft mit Professor Ruhland huldigt, obwohl jeder blutjunge deutsche Studiosus der Volkswirtschaft weiß, daß der gute alte kgl. französische LeibchtrurguS QueSnay ein Dilettant der National­ökonomie war, dessen im Schreibstüblein ersonnene Ideen selbst für das 18. Jahrhundert praktisch wertlos waren, ge­schweige denn in unserer heutigen im Zeichen des Weltver­kehrs stehenden Zeit irgendwie ernst zu nehmen sind. Herr Kühler verkündet ferner, daß erim Falle seiner Wiederwahl offiziell der deutsch-sozialen Reformpartei beitreten würde", .nachdem dieselbe bei den Zolltarif-Verhandlungen bewiesen hat, daß sie in Bauernftagen durchaus zuverlässig und rück­gratfest ist". Mit den ParteienBund der Landwirte" und der v. Liebermannschen Richtung wolle ergute Freundschaft und Brüderlichkeit halten". Dieses Freundschasts-BündniS hält cudarum für erforderlich, weil aus den genannten drei Gruppen heraus einmal die einige Partei der Zukunft und des Vaterlandes, die Partei des wahren deutschen Volkstums entspringen muß und wird", eine Ansicht, die in der Stadt Gießen kaum eine Handvoll naiver Leute teilen dürfte, schon weil der Bund der Landwirte bekanntlich gar feine Partei i'"t und sein will, wie mehrfach von seinen eigenen Führen aus­drücklich erklärt morden ist, sondern sich aus Anhängern der verschiedensten parteipotttsscheti Richtungen zusauimensetzt, über­haupt sine anerkanntermaßen nur vorübergehende Interessen-

Vertretung ist. Herr Köhler giebt fernerhin das verheißungs­volle Versprechen:

Mehr als seither werde ich an den ReichStagsoerhandlungen teilnehmen; insonderheit dann, wenn es für des Bauernstandes Interessen zu streiten gilt. Hierzu bemerke ich, daß es meinem sozialdemokratischen Gegenkandidaten, Herrn Krumm von Gießen, infolge feines weitausgedehnten Geschäftes, kaum möglich sein wird, mehr in Berlin anwesend zu sein, als mir.

Herr Köhler betrachtet also nach dem ersten der obigen Sätze seine Wiederwahl bereits als sicher! Daß er, wenn sein Wunsch wieder in Erfüllung gehen sollte, sich auch als Vertreter einer mächtig aufblühenden und aufstreben­den Universitäts- und Industriestadt zu betrachten hätte, kommt ihm gar nicht in den Sinn! Herr K. fügt hier ein paar Ausfälle gegen Sozialisten, denwohlhaben­den Bauunternehmer Cramer" und densteinreichen Ul­rich" an, die er um ihre Parteidiäten beneidet, undbetont" zum Schluß:

daß es einzig und allein den verbündeten Regierungen zum Vorwurf zu machen sei und nicht lhm, wenn »hm durch die immer und immer wieder verweigerte Verleihung von Tagegeldern an die Mitglieder des Reichstages es unmöglich gemacht wurde, so wie im Hessischen Landtag nun auch im deutschen Reichstag für unseres Bauernstandes und damit für unseres deutschen Volkes Wohl und Heil zn wirken, >vas in seinen Kräften steht."

Nun ist es wahrlich an der Zeit, daß sich auch die bürgerlichen Parteien in den Städten des Wahlkreises kräftig zu rühren beginnen!

** Nad auaeister trieben in den beiden letzten Nächten ihr Unwesen. Zn einem Geschäftshause der Neustadt wurden größere Fenster eingeworfen. Am Seltersweg, auf der Grünbergersttaße und in der Neustadt gab das Aneinander- geraten mehrerer Personen Anlaß zur Ansammlung von Zu­schauern. Zwei auf Urlaub hier befindliche Soldaten auswärtiger Truppenteile wurden wegen Ruhestörung an die Kasernenwache abgeliefert.

() Schlägerei. Ein weithin vernehmbares Geschrei und Getöse erregte in der Nacht von Samstag auf Sonn­tag die Aufmerksamkeit der Passanten des Selterswegs. In einem Restaurant war es zwischen Mitgliedern einer Studentenverbindung und eines Geselligkeitsvereins zu Auseinandersetzungen gekommen, die bald in Tätlichkeiten ausarteten. Tie Streitenden drängten einander bald aus dem Lokale hinaus auf den freien Hosplatz, und hier bot sich dem neutralen Zuschauer ein drastisches Bild. Mit Schlägern, Stöcken, Schirmen und degl. bewaffnet, drangen die Streiter aufeinander ein und bald wälzte sich Freund und Feind in oichten Knäueln durcheinander. Es dauerte wohl über eine halbe Stunde, bis sich die erhitzten Köpfe etwas abgekühlt hatten. Im allgemeinen scheint der Kampf" jedoch noch günstig verlausen zu fein, denn außer einigen Hautabschürfungen und Beulen schienen ernstere 2$erjungen nicht vorgekommen zu fein.

** Feuerlärm veranlaßte gestern abend Auftegung in der Stadt und Störung einer Reihe festlicher Veran­staltungen. In der Lichtenau war das dürre Gras der Bahnböschung in Brand geraten, was einen um so inten­siveren Flammenschein verursachte, daß man annehmen Konnte, es seien in der bez. Gegend stehende Scheunen und Schuppen in Brand geraten. Das Feuer konnte bald ge­löscht werden.

** Der Gießener Radf ah rer-Verein 1885 feierte gestern in den bis auf den letzten Platz besetzten Räumen von Stein's Garten ein in den Rahmen, der gegenwärtigen Faschingszeit passendes Kostümfest mit FestspielPrinz Karneval und Frau Musika". Ein bun­tes lebensfrohes Treiben ergötzte die Anwesenden und das arrangierte, von Herrn Soskowsky geleitete Festspiel, das bis ins Detail einstudiert und zur Durchführung ge­bracht wurde, fand ungeteilten Beifall. Eine gleiche Auf­führung, mit so zahlreich mitwirkenden Personen dürfte hier in Gießen noch nicht zur Durchführung gebracht worden sein und wir können den Gießener Radfahrerverein hierzu nur beglückwünschen.

* Der Evangelische Arbeiterverein hatte zu Sonntag Nachmittag 21/4 Uhr eine Besichtigung des Museums des Oberhessischen Geschichtsvereins veranstaltet. Die erschienenen ca. 100 Teilnehmer wurden von Haupt­mann Kramer begrüßt und in die verschiedenen Abteilungen des Museums geleitet. Der Rundgang, welcher eine Stunde in Anspruch nahm, machte die Teilnehmer mit den in­teressanten, zum Teil sehr wertvollen Sammlungen bekannt. Derselbe gestaltete sich besonders genußreich und belehrend durch die sachkundigen Erläuterungen des Hauptmanns Kramer, dem nach Schluß der Führung Dr. Heuser im Namen der Teilnehmer seinen Dank aussprach. Die meisten der Er- chienenen sahen die Sammlungen 5um ersten Male und werden wohl nicht versäumen, das Museum wiederholt mit Muße eingehend zu besichtigen. Dasselbe steht bekanntlich jeden Sonntag von 111 Uhr für jedermann kostenfrei offen.

*' Aus dem Theaterbureau. Die nächste Vor­stellung findet am Mittwoch den 25. d. M. statt. Zur Wiederholung gelangt alsdann das beliebte LustspielKrieg im Frieden" als 17. volkstümliche Vorstellung zu kleinen Preisen. Das Benesiz für Fräulein Margarethe Feige, welche, wie bereits mitgeteilt,Muttersegen" oderDie Perle von Savoyen" giebt, ist nunmehr auf Donnerstag den 26. d. M. festgesetzt worden, da für diesen Tag die Siegt» mentsmusik ihre Mitwirkung zugesagt hat.

"W. Großen-Linden, 21. Febr. Heute fand die vom Großh. Ministerium angeordnete öffentliche Versteigerung unserer Jagd statt. Bekanntlich hatte die Gemeinde die Jagd freihändig verpachtet, wogegen beim Großh. Ministerium Beschwerde geführt wurde. Bei der heutigen Verpachtung wurde zunächst der Wald ausgeboten, zu dem ein Schutz­streifen am Felde gehört. Höchstbietender mit 1110 Mk. blieb RechtSanwald Grünewald-Gteßen. Bezüglich des Bezirks II (Feld) erlangte Herr MengeS von hier das höchste Gebot mit 775 Mk. Die freihändige Verpachtung hätte der Gemeinde nur eine Einnahme von 460 Mk. für den Wald, und 360 Mk. für das Feld gebracht. Als neue Bestimmungen waren im Versteigerungsprotokoll ausgenommen worden, daß die Gemeinde unter den drei Beslbietenden sich die Auswahl be­hält. Ferner, daß die Fasanen gleich den Eichhörnchen und rabenartigen Vögeln vertilgt werden können, wenn sie über­hand nehmen und endlich, daß der Jagdpächter kein Ent­schädigungsrecht hat, wenn Wild durch Gift zugrunde geht, das die Forstbehörde zur Vertilgung der Mäilse gelegt hat. Auch dos Aussehen von Wild ist dem Jagdpächter verboten. Wem nunmehr die Gemeinde die Jagden Zuschlägen wird, steht noch aus. Für die Waldjagd sind die Herren A. Zobel

und Heinttch Schirmer-Gießen zweit- und drittbietende. be­züglich des Feldes aber die Herren Heinrich Schirmer und Rechtsanwald Grünewald.

-0- Garbenteich, 23. Febr. Der hiesige Gesang­vereinViktoria" veranstaltete am Samstag Abend eine Abendunterhaltung, die sich wieder eines reichen Besuches zu erfreuen hatte. Die Theaterstücke, welche wie alljährlich in geschicktester Weise zur Aufführung gebracht wurden, sowie die Gesangsoorträge des Vereins unter Leitung des Dirigenten L. Schäfer wurden begeistert ausgenommen. Auch die Kon­zertstücke der Musikkapelle, ebenfalls unter Leitung des Herrn Schäfer, fanden großen Beifall. Den Schluß bildete ein Tanzkränzchen, das viele der Mitglieder und Gäste bis morgens zur fünften Stunde beisammenhielt.

k Hofgüll, 22. Februar. Am heutigen Tage waren. 50 Jahre verflossen, seit der Schweinemeister Konrad Lechens in den Dienst des Herrn Ludwig .Hoffmann in Hofgüll, Vaters des heutigen Pächters -Lekonomierat E. Hoffmann, getreten ist. Zur Feier dieses Tages hatte sich Regierungsrat Dr. Wagner von Gießen dorthin begeben, um Lechens das ihm von der Regierung verliehene Ver­di e n st z e i ch e n für treue Arbeit zu überreichen. Sowohl die Kinder des Jubilars, wie die Angeslellten und Arbeiter des Oekönomierats Hoffmann waren vollzählig erschienen. Regierungsrat Dr. Wagner feierte denselben mit einer An­sprache, wonach -Lekonomierat .Hofsmann ein Hoch auf Se. Kgl. Hoheit den Großherzog ausbrachte. Ein gemütliches Zusammensein der Leute bei Kaffee uirb Kuchen schloß die Feier. .Von Nah und Fern erhielt Lechens Glückwünsche und Geschenke, sein Prinzipal übergab ihm einen Sessel und ein namhaftes Geldgeschenk. Wie wir hören, soll der heutige Tag auch in anderer Beziehung ein für Hofgull bedeutungs voller fein, indem mit diesem sich das Fürstl. Solms- Braunselsische Gut 100 Jahre in der Familie des jetzigen Pächters befindet.

)( Lollar, 22. Febr. lieber das Gelände, welches zur Verbreiterung des Bahnkörpers an der Stelle er­forderlich ist, wo die Londorfer Bahn in die Main-Weser bahn einmündet, schwebt jetzt das Enteignungsverfahren. Ter Bau einer Klein t i n d e r b e w a hr a n st a l t ist hier geplant und der Bauplatz erworben.

i Inheiden, 21. Febr. Gestern wurde unser neu gewählter Bürgermeister Otto Reitz in Anwesenheit des Herrn Provinzialdirektors und des Gemeinderats vereidigt und in fein Amt eingeführt.

(:) Lauterbacy, 22. Febr. Gestern morgen wurde durchs den heftigen Sturm auf Station Herbstein ein mit Stückgur beladener 15 Tonnenwagen in Bewegung gesetzt und sauste bei dem großen Gefälle (1:45) mit unheimlicher Schnelligkeit in der Richtung nach Lauterbach zu über Station Rixfeld, um bei Essenbach früh 6.24 Uhr auf den eben glücklicherweise haltenden Personenzug zu stoßen. Die Lokomotive erlitt mehrfachen Schaven, Puffer, Stoßbalken, Laternen usw. sind daran zertrüm­mert, auch an dem Durchgänger sind die Puffer entzwei. Ob das Stationspersonal in Herbstein schuldig ist, wird die Untersuchung klarstellen.

Vermischtes.

* Dresden, 21. Febr. Der Genfer Korrespondent bet Dresd. N. N." interpellierte Lachenal darüber, welcher von den drei Rechtsanwälten der Prinzessin Luise Wider­spruch gegen die Veröffentlichung der Urteils­begründung im kronprinzlichen Ehescheidungsprozeß er­hoben habe. Lachenal erklärte sich darüber wie folgt: In dieser Angelegenheit kann ich mich nur auf die Erklärung des Dr. Zehme beziehen. Sie werden wohl verstehen, daß die Veröffentlichung der armen Frau sehr unangenehm wäre. Im vorliegenden Falle handelt es sich um eine Gerichts- affäre nach sächsischem Recht. Damit beschäftigt sich speziell Dr. Zehme, während die Angelegenheiten, die den Aufenthalt der Prinzessin Luise in La Metaltte betreffen, von mir be­sorgt werden, aber stets handeln wir beide in absolutem Ein­vernehmen.

* Paris, 21. Febr. Heute fand zwischen dem früheren Polizeipräfekten Andrieux und dem Kandidaten für die Senats­wahlen Tirriguillot ein Duell statt. Beim zweiten Gang wurde letzterer am Arme verletzt, worauf der Kampf ein­gestellt wurde.

* Venedig, 22. Febr. Der hier lebende armenische Journalist Arpiaran wurde in der letzten Nacht auf dem Nachhauseweg durch drei Nev olverschüsse verwundet. Man glaubt, daß ein politischer Racheakt vorliegt.

* Catania, 22. Febr. Das hiesige Macchiaoclli-Theater, eines der schönsten Theater Italiens, ist total niederge­brannt. Die Ursache des Brandes ist noch nicht bekannt. Menschenopfer sind nicht zu beklagen.

6 Parma, 22. Febr. Nach Blättermelbungen wurden im hiesigen Erziehungsinstitut der Josesinerinnen große Unterschleifc entdeckt. Die Verwaltung der Anstalt wurde suspendiert und ein Rcgierungskommissar mit der Leitung betraut.

* Preßburg, 22. Febr. Großes Aussehen erregt hier das plötzliche Verschwinden der 26jährigen Baro­nesse Luise Vay, eines sehr beliebten Mitgliedes der hie­sigen Aristokratie. Sie hat ihre Wohnung unter Hinterlassung eines Briefes verlassen, worin sie anzeigt, daß sie den Tod in der Donau suchen wolle.

Mwerlitüts-Uachrichten.

Um em neues, für Studierende der Landwirt­schaft besonders wichtiges Institut ist seit Kurzem die 11 n t o c r- sjtät Leipzig bereichert ivorben durch die Eröffnung des neu­erbauten Veterinär-Institutes, das unter der Leitung des Professors der Veteriiiärwissenschaft, August Eber steht. Eine wesentliche Aufgabe des neuen Instituts ist die Beteiligung an der V i e b s e ii ch e n» F 0 r s ch li n g, sowohl durch eigene wisienschast- liche bakteriologische Untersuchungen, wie auch durch Einführung der Studierenden der Landwirtschaft (beim n u r für die Studieren­den der Tierhelllunde ist das Institut bestimmt) in die Verhältnisse der praktischen Seuchenbekämpfung. Die Vorlesungen behandeln noch die Analomle und Physiologie der Haussäugenere, Gesund- heilspftege der landwirtscha'tlichen Haustiere, die wichtigsten inneren und äußeren Krankheiten der Haustiere, Geburtshilfe, und sind sämtlich so gehalten, daß der praktische Landwirt von ihnen Nutzen hat und befähigt wird, sowohl zu einer rationellen Behandlung seines Viehbestandes wie auch zum lieferen Verständnis der tier­ärztlichen Maßregeln. Welchen Nutzen die praktische Landwirt- chast von der Seuchen-Forschung bisher schon gehabt bat, erhellt daraus, daß es feit dem Jahre 1879 gelungen tu, die Rinder- p c st dauertld vom westlichen Europa fernzuhalten. Ferner ist die Lunge ns euche m einer Reihe europäischer Staaten bauerub getilgt, in anderen stark zurückgedrängt, deSgl. bie Schafpocken und