Wohl noch etwas anderes: es fft die deutsche Gesinnung^ Denn recht eigentümlich berührt eS doch, wenn, wie die „Frkf. Ztg." berichtet, der deutsche NeichstaaSabg. WetterlS am 16. Januar am Arm de.' ALbs Lemire ru den Wandelungen in der französischen Kammer erschien, mrd um seine Meinung über die Wadi bei. Sozialisten Jaurtzs befragt, (der seinerzeit bekanntlich für die Aufgabe des Revanche- öedankerrs eintrat), wenn auch zögernd antwortete, daS sei nicht die erste schmerzliche Ueberraschung für die Elsässer gewesen". Allen weiteren Auseinandersetzungen ging er allerdings vorsichtig aus dem Wege.
Kolonialpost.
Mit der »Ehe ftifterei* in Deutsch-Südwest- afrtka haben unsere Kolonialenthusiasten schlechte Erfahrungen, gemacht. Bekanntlich sind nach Deutsch-Südwestafrika vor einigen Jahren auf Reichskosten junge Mädchen aus Deutsch, land geschickt wordsn, um dort zunächst als Dienstmädchen zu fungieren in der stillen Hoffnung, sich bald zu verheiraten. Uebec die Erfahrungen mit diesen Sendungen der Kolonial- gesellschaft schreibt ein Farmer der »Disch. Ztg.': »Was wir brauchen, sind pommersche Bauern- oder Kuhmägde, aus kleinen Verhältnissen stammend und an harte ländliche Arbeit gewöhnt. Statt dessen schickte man zum Teil Städterinnen heraus, oft Nähmamsells, die nicht wisien, wie eine Kuh auSsieht. Was war die Folge? Erstens wurden die Mädchen auf der Ausreise, beim Empfang hier, und durch den für sie ausbedungenen Dienstlohn sehr verwöhnt. Tie Familien, die mit so einem Fräulein und Magd beglückt wurden, waren froh, dieselbe wieder los zu sein, da eine schwarze Magd weit brauchharer war und etwa nur den zehnten Teil kostete. Daun nahten sich Bewerber. Die Damen, von ihrer Wichtigkeit stark überzeugt, waren sehr wählerisch geworden, sie reichten ihre zarte Hand nur »reichen* Männern, nicht um diesem im Erwerb beizustehen, sondern um als Frau eines »reichen* Mannes zu leben. 9hm sind alle Lebensgenüsse hier viele Male teurer als in Europa, da war es unausbleiblich, daß oftmals der Mann ruiniert war und, wie wir Spötter sagten, »sich wehmütig seiner früheren schwarzen Konkubine * erinnerte. Die klügeren Exemplare dieser »Importierten * halfen allerdings auch erwerben, um, wenn sie einige tausend Mark zusammen hatten, mit dem Manne nach Europa zurückzukehren. 9iur em kleiner Prozentsatz dieser Mädchen ist gut emgeschlagen.*
Heer und Flotte.
FL Kassel, 22. Jan. Der Kommandeur der 22. Division Generalleutnant v. Rabe wurde auf sein Ansuchen zur Dis» Position gestellt. Dem Kommandeur der 44. Jnf.-Brigade Generalmajor v. Werder wurde unter Verleihung des Charakters als Generalleutnant mit dem Prädikat Exzellenz der erbetene Abschied bewilligt.
äViii» Zltuöt und Land.
Gießen, den 23. Januar 1903.
- Gedenktage. Zu Darmstadt starb am 23. Januar 1883 der beliebte Opernkomponist Friedrich Freiherr v. Flotow. Die Opern: »Atessandro Stradella*, zuerst in Hamburg gegeben, und die lieblichste seiner Schöpfungen »Martha* oder »Der Markt zu Richmond*, erste Aufführung 1847 in Wien, bezeichnen den Gipfel seiner Höhe. Seine Musik ist sprudelnd, pikant, leicht und durchaus verständlich. Er war am 27. April 1812 zu Rentendorf in Mecklenburg geboren.
** Das Großh. Gymnasium beabsichtigt am kommenden Montag um 5 Uhr in feiner Aula eine Vorfeier zum Geburtstag Sr. Majestät des Kaisers abzuhalten, bei deren musikalischem Teile sich auch einige ange- sehene Kunstliebhaber mitzuwirken bereit fanden. Neben einigen Chören a cape’-la werden vom verstärkten Schülerorchester mehrere Stücke aufgeführt, und der Festrede des Direktors (»Kaiser Wilhelm II. als Redner") folgen die sechs altniederländischen Volkslieder. Endlich sollen die Chöre auS der »Braut von Messina* deklamiert werden.
Hs. Gießener Lesehalle-Verein. Den ständigen Besuchern der Lesehalle werden in letzter Zeit die verschiedenen kleinen Veränderungen nicht entgangen fein, welche
insbesondere im Lesesaale vor sich gingen und welche von der Rührigkeit deS Lesehallevereins beredtes Zeugnis ablegen. Der Lesesaal macht jetzt, wenngleich er in feinen Größenverhältniffen etwas beschränkt ist, einen recht freundlichen, anheimelnden Eindruck. Die sonst ziemlich kahlen Wände sind mit zahlreichen hübschen Bildern bedeckt und die Zeitungen, welche seither in buntem ChaoS an den Wänden zerstreut hingen, sind sämtlich in der Rische neben der Em. gangötür untergebracht. Im Hintergründe des Saales findet der Besucher jetzt noch eine Offenlage von Kunstblättern, Künstlermonographien und sonstigen, teils recht wertvollen Werken. Zu erwähnen verdient auch — insbesondere bei der jetzigen rauhen Jahreszeit — die Ersetzung des bisherigen schlecht regulierbaren LfenS durch einen neuen Dauerbrand- ofen, welcher eine konstante Temperatur ermöglicht. Alles in aüein, man sieht, der Verein ist ständig bemüht, dieses Institut, welches als em wirksamer Bildungsfaktor der Bevöl» kerung angesehen werden muß, weiter zu vervollkommnen und daher wäre die Unterstützung eines derartigen gemeinnützigen Unternehmens von allen Seiten aus erwünscht.
** Die Polizeiwache am Selterstor. Unter den Anwohnern am Selterstor ist eine Bewegung im Gange, welche bezweckt, die unschöne Polizeibude am Selterstor vom Erdboden verschwinden zu lassen. Gewiß sind die beiden Torhäuschen ebenfalls keine Monumentalbauten, aber im vergleich zu der Baracke, welche dem Sicherheitsdienst dienen soll, sind sie doch die reinen Paläste. Der Fremde, der unsere Stadt von der Frankfurterstraße her betritt, schüttelt den ftopf, wenn er an dieser exponierten Stelle das sich echt »dornstemisch" ausnehmende Wachtlokal bemerkt. Außerdem wird von vielen die Ansicht geltend gemacht, ein Schutzmannsposten verfehle gerade an dieser Stelle seinen Zweck; namentlich fei dem wachthabenden Schutzmanne nachts von allen Radaubrüdern sehr leicht durch Auseinanderstieben nach den verschiedensten Richtungen der Windrose hin ein Schnippchen Zu schlagen. 9hd)t von der Hand zu weisen ist u. E. der Vorschlag, eine Polizeiwache besser und mit verhältnismäßig größerem Nutzen nach dem Bahnhof zu verlegen. Wegen des Oktrois ist an dieser Stelle eine Hebestelle keineswegs von Nöten.
** AuS dem Theaterbureau. Sonntag, den 25. d. Mts. findet, unseren Klemen zur Freude, wiederum um 4 Uhr nachmittags eine Kindervorstellung statt und zwar gelangt baß reizende Märchen »Aschenbrödels goldener Pantoffel" von Sophie Hennig zur Auf« ührung. Abends 8 Uhr ist als volkstümliche Vorstellung eine nochmalige und letzte Wiederholung von »Im bunten Rock".
-i- Butzbach, 21. Jan. Zu Ehrenwarten des deutschen Flottenvereins wurden ernannt: Realschuldirektor Dr. Iäger und Stationsvorsteher Hellhecker.
8 Butzbach, 22. Jan. In letzter Zeit wird ein Teil unserer Einwohnerschaft durch groben Unfug und Eigentumsbefchäbigungen seitens verschiedener Burschen während der Nacht in der Ruhe gestört, und auf bas Unverschämteste geärgert Tie Flegel begnügen sich nicht mit Brüllen und Pollern an Fensterläden, sowie damit, geschlossene Fensterläden und Schilder usw. abzu- hängen, Kratzeisen usw. so auf den Weg zu legen, daß Passanten ftüi&ui Bo nuten, sondern sie zertrümmerten auch Läden, und ein großes Schild. Sämtliche Roheiten wurden von Samstag und Sonntag auf die folgenden Tage verübt, ohne baß unsere Nachtpolizei sie bemerkte. Ja, man erzählte, es sei im Rathanse die Beleuchtung des Wachtlokals vor ein paar Monaten einmal nächtlicherweise auögebreht worden und der Täter unermittelt geblieben. Ebenso verursachten im letzten Sommer einige traurige Heloen ungestraft eine Ueber- chwemmnng des Marktplatzes, indem sie an dem auf dem Marktplatz stehenden Brunnen einen Krahn abbrachen, so daß große Wassermengen entwichen. Obwohl die früheren nächtlichen Ausschreitungen gerügt worden ind, ist eine Abhilfe durch die Ortspolizeibehörde noch nicht zu bemerken.
Friedberg, 22. Jan. An der hiesigen Gewerbe- Akademie ist ein nicht unbedenklicher Konflikt dadurch ausgebrochen, daß man den Studierenden plötzlich ihre seitherigen akademischen Freiheiten entzogen hat. Gestern abend fand über diese Angelegenheit im Hotel Trapp eine Studentenversarnnilung statt. Es wurde ein Ausschuß
gewählt und beschloffen, die Vorlesungen so lange nicht zu besuchen, bis die früheren Re chte und Freiheiten wieder jurütfgegeben seien. Heute wurde an die Direktion der Akademie und den Stadtrat je eine diesbezügliche Adresse gerichtet. Von den nahezu 300 Studierenden besuchten heute nur etwa 20 die Vorlesungen.
§ Volkartshain, 20. Jan. Im hiesigen Gemeinde- wald fand heute eine Ficht en st a m m h o lz v e rste igeru n g statt. Trotzdem nur eine geringe Anzahl Steigerer erschienen waren, wurde der Festmeter im Durchschnitt nut 18—20 Alk. bezahlt.
—I— Mainz, 22 .Jan. Der von dem Oberbürgermeister rn Dresden erlassenen Einladung zu einem deutschen Städtetag, auf dem über den Reichstagsbeschluß bezüglich der Aufhebung der gemeindlichen Aufschläge beraten werden soll, wird die hiesige Bürgermeisterei Folge leisten. Der Wegfall des Oktrois wurde einen Aufschlag der Gemeindesteuern hier von mindestens 25 Prozent zur Folge haben. — Neuerdings ist wieder angeregt worden, in Mainz alljährlich mehrere größere Viehmärkte abzuhalten, welches Projekt schon vor einigen Jahren bestanden hat, aber damals wegen der stark auftretenoen Maul- unb Klauenseuche bei den Landwirten auf Widerstand gestoßen ist. Der städtische Finanzausschuß hofft, durch große Viehmärkte den städtischen Schlacht- unb Viehhof einigermaßen rentabel zu machen.
Worms, 21. Jan. Von den im Jahre 1894 gesammelten Geldern zur Ueberreichung einer Huldigungs» ad resse der Frauen und Jungfrauen Hessens, der Pfalz und Badens für den Fürsten Bismarck gelegentlich von dessen 80. Geburtstag ist noch ein unverbrauchter Betrag au8 bet öammlung in Hessen vorhanden, welcher mit Zinsen Iich auf 460 Mk. beläuft. Dieser Ueberschuß ist hauptsächlich dem Umstande zuzuschreiben, daß durch die außerordentliche Tätigkeit des Wormser Lokalkomitees in hiesiger Stadt em verhältnismäßig sehr hoher Betrag gesammelt wurde, der nachher nicht ganz zur Bestreitung der Gesamtkosten zur Verwendung kam. Die Verteilung dieser Summe soll nun derart vorgenommen werden, daß die Hälfte derselben als Beitrag zur Errichtung einer Bismarcksäule auf der Waldeck bei Gau-Algesheim in Rheinhessen verwandt, die andere Hälfte dagegen tm Hinblick darauf, daß baß Geld hauptsächlich in Worms aufgebracht wurde, dem Fond für Errichtung eineß Denkmals für Kaiser Wilhelm 1. in WormS überwiesen wird.
Frankfurt, 22. Jan. In der letzten Stadtverord. netensitzung entspann sich eine lange Auseinandersetzung über die Einfriedigung des Domes. Seitdem der Dom durch Niederlegung der Häuser an der Höllgaffe und der allen Verkaufsbuden freigelegt worden ist, verhandelt man über die Frage, wie der Dom emgefriebigt werden soll. Dombaumeister Meckel, der Wiederhersteller des Römers, hat einen Plan für diese Einfriedigung vorgelegt, aber dieser Plan, der eine hohe Mauer vorsieht, wird bekämpft. Weib hat nun eine Denkschrift hierüber verfaßt, und diese Denkschrift wurde schließlich dem Magistrat zur Rückäußerung überwiesen. Die Schwierigkeit der Regelung liegt daran, daß drei Körperschaften dabei niltzusprechen haben, die Stadt, die katholische Gemeinde und der Dombauverem. Zum Schluß kam wieder eine Klage über die Vergebung der Arbeiten für bas neue Schauspielhaus. Schon wiederholt ist darüber geklagt worden, daß diese Arbeiten an auswärtige Geschäfte vergeben worden sind. So war eß auch mit den Kunst- chmiedearbeiten geschehen und zwei hiesige Geschäfte liefern nun den Beweis, daß daß Berliner Geschäft, dem die Arbeit übertragen wurde, recht minderwertige Arbeit geliefert hat. Sie verlangen eine Untersuchung darüber, ob bei der Vergebung der Arbeiten seitens der Behörden die nötige Sorgfalt in der Prüfung der Angebote obgewaltet hat, und ver- chiedene Stadtverordnete sprachen sich in gleichem Sinne aufl. Die Eingabe wurde schließlich dem Magistrat zur Rückäußerung an die Stadtverordneten-Versammlung überwiesen.
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' Ein Ehebruchsdrama hat sich in Spandau ereignet. AIS der Arbeiter Schwertfeger nach Haufe zurück- kehrte, fand er feine Wohnung verschlossen. Während er sich entfernte, um einen Schlosser zu holen, versuchte sich ein
alt, sie wurde 1325 bereits in den Stadtbezirk einbezogen, die erste Stadterweiterung Gießens. Alt ist auch der „Neue Weg", er wird schon 1492 genannt. Die „Neuen Däne" sind erst nach der Erweiterung der Festung durch Philipp den Großmütigen am Ende deS 16. oder Anfang des 17. Jahrhunderts entstanden.
Nach Bauwerken nennen sich der „Durgaraben" und die „Schloßgasse". Das „Kreuz" lag außer Halo der ältesten Stadt, und streß an die Grenze der Gemarkung Selters. Vielleicht bat hier als Grenzzeichen ein Kreuz gestanden. Tas „Wallthor" stand ehemals schon am Lindenplatz und fübrte in den nahe herantretenden Wald> weshalb es „Waldthor" oder „Waldparke" genannt wurde. Ter „Kanz- leiberg" führte an der „Kanzlei" d. h. am Heidenturm- Schloß vorbei, wo lange Zell die Regierung chren Sitz hatte. Die „Sonnenstraße" hat ihren schönen alten Namen „in der Sonne" nach einem Hause geführt, hat ihn aber leider umwandeln müssen. Gleichfalls nach einem Hause heißt die „Rittergasse". Ist ihr Name auch noch nicht sehr lange aus „Judengasse" umgeändert worden, so ist doch die Spur des Hausnamens „zum Ritter" bis in das 14. Jahrhundert zu verfolgen.
In der „Kaplaneigasse" stand das alte Pfarrhaus, und in der „Kaplansgasse" hat vielleicht der erste evangelische Kaplan gewohnt, denn sie hieß vorher „große Tienst- gqfe". Die „Katharinengasse" aber hat Beziehung zu dem St. Kakharinenaltar der Prancatius-kirche.
Bekannt ist der Ursprung des Namens „Brand" (nicht Drandplatz!) Im Jahre 1500 äscherte hier eine durch Blitzschlag verursachte Feuersbrunst 168 Häuser ein. Der „Lindendlatz" hieß im 16. Jahrhundert „unter den Linden" und „öxten gaffe" deutet ebenfalls aus Bauiwvrrchs hin.
Die „Braugasse" führte zum jüngsten Gießener Brauhaus. In der „Mühlgaftse" trieb die dort durchfließende Wieseck die Mühlen der ^tadt. Tie Schulstraße hieß früher ^Wa gen gasse"; an ihr laa das Stadtwage-Haus. Die ^Lolkengasse" hatte im 18. Jahrhundert den Namen Blau- polten gaffe, hat aber mit Wolken nichts zu tun, sondern t)irb von dem Zunfthaus der Walker her genannt werden.
Eine große Zahl Straßennamen, darunter die unverständlichsten gehen auf Personennamen zurück. Die „Flügelsgasse" (jetzt Tammstraße!) auf Henne Flogel (1873); die „Hundsgasse" auf ein Rittergeicylecht Hund (1289.1379); die „Zozelsgasse" auf Henne Zcooeczyl (1495); die Wetz- steinsgasse" auf Cunz unb Henne Wetzstein (1495); „Mäus- burg" vielleicht auf die angesehene Familie Maus (1464 ff.). Wehnliche Zusammenhänge können für die Dreibäuser- gasse, daS TeuselS-Lustgärtchen, die Malgasse, die Löwen- ga)fe und die Wettergasse angenommen werden. Für sie alle, mit Ausnahme des „Teufels-LustgärtchenS", liegen entsprechende Personennamen aus sehr alter Zeit vor.
Ein „Tempel der Po eile". Dor einigen Jahren plauderte Eleonore Düse von ihren künstlerischen Plänen. Sie eräzhltc damals, daß sie den Plan g.h.gt habe, in Italien ein „dramatisches Bayreuth" zu schaffen, nicht zu weit ovn Rom, in den Albanerb^rgen, etwa am Nemi- jee. Sie sprach davon, „wie schön eS wäre, wenn die ^Heater in einem Hain stauben, dem AlllagStreiben entrückt." Tiefes Ideal wird sich nun bald erfüllen. Erst kam die Nachricht aus Amerika, nun wirb ite durch den Mund Gabriele dAnnuiizivs, des Lichters der „To keck Stadt", bestätigt. Miß Pierpont Morgan und Miß Roosevelt haben versprochen, das nötige Geld zur Verfügung $u stellen „So werden Miß Morgan unb Miß bloofevelt", sagte der Dichter, ,ck>ie Stelle als Schützerinnen der Dichtkunst einnedmen, die früher von der Kaiserin Elisabeth von Oesterreich eingenommen wurde. Tiefe harte mir da- nötige Gsld zum Bau diese- „Tempel- der Poesie" versprochen. Die schändliche Ermordung der Kaiserin verhinderte 6ii jetzt die Verwirklichung dies-- PlancS, durch den ich der Poesie ihren richtigen Platz auf der Bühne anweisen will." Tas Theater soll im griechisch-römischen Stil erbaut werden wie das von dem Architekten Pallabiv in Vicenza errichtete berühmte Theater. Es soll nur im Frühling gespielt werden, „wenn die Poesie der Natur auf ihrem Höhepunkt steht." T'Aunuuzio hofft, im Frühling 1904 das Theater mit einem schon geschriebenen. Werk „Kö
nig Numa" einzuweihen. Außerdem sollen Stucke von Aeschylus, Sopholles und Euripides dargestellt werden
Fridrich Spielhagen'S Romane — Neue Folge» — Wohlfeile Lieferungsausgabe in 50 Lieferungen je 35 Pfg. Alle vierzehn Tage eine Lieferung (Verlag von L. Staackmann in Leipzig-. — UnS gingen bie Lieferungen 3 bis 6 zu, welche den Roman „SontiragSkmd" bis Seite 384 enthalten. TaS „Eountagskind" Ist em Knabe und Jüngling, aber der Titelheld ist nicht die Hauptfigur des Buches. Tiefe ist vielmehr die Tochter emes kalhv- lischen Geistlichen im deutschen Osten an der russischen Grenze, die durch Schönheit unb Geist alte Riänner fesselt, um uniüürbigen Situationen zu entgehen einen ungeliebten Aristollaten heiratet, jung verwllwet ihren Jugendgespielen, eben das „Sonntagokmd", wieder findet und bann nach kurzen Monaien des Eheglücks stirbt. Wir wollen noch ganz besonders auf bie Wohlfeilheit unb Gediegenheit dieser LiLftrunasausga.be aufine^'arn machen. Probelieferungen sind durch jede gute Buchhandlung zu beziehen.
Berlin, 21. Jan. Dir lesen im „B. T.": Ter Vortragsabend des deut.chen ©dirif Jullerlnnenbunbcß im Ar- chillk.enhause vermittelte gestern abend den Berlinerinnen die Bekannt,chast deS Tia-tecS Wilhelm Holzamer, (der sich übrigens jüngst in Paris aujgLhalten hat. D. R) des Verfassers hissischer Toisgi.schichlln, deS P^ter Nocklcs usw., den begeisterte Verehrcr mit Gustav Frenssen in Parallele stellen. Die beiden Novellen, die Wilhelm Holzamer „Am Fenster" und „Pfarrers KÄchche", zeigten ihn ali den fernen Beobachter unb trefflichen Schilderer kleinstädtischer unb dörflicher Verhältnisse, itnb in feiner ruhig breiten Darstellung bet ernsten Leben-betrachtung unb bet herben Frische aÄ einen Vertreter echter Heimats- kunft. Seine Gedichte aus der Sammlung Earnesi Eolonna, unter denen besonders „Wiederkunft" unb „Alniib am Meer" gefielen, litten unter ber Wiedergabe in einem harten Dialekt und mangetnber Bortragslunft.


