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22.4.1903 Erstes Blatt
 
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Mittwoch 22. Npril 1903

153. Jahrgang

Nr. 93

YrfteS Blatt.

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das aber doch auch zu gereiften Zetten em gar lustiges Siebes- dueU zu spielen pflegt mit halsbrecherischen Jagden, Kitzeln und Sieden und Herabkollern, biß Herr und Frau Fleber- inauS sich in ihre Flughäute wickeln wie in ein gemeinsames Suren. Lian erinnert sich deS niedlichen Gedichtleinß deß alten Fechner vom Mäuschen, daß die (fcfte eineß Küchen- heerdeß empocblickt und den Himmel zu sehen glaubt; denn da oben hangen im Rauchsang ungezählte Speckseiten, um­kreist von geflügelten Maußengeln: Fledermäusen, die ihr Siebeßspiel treiben. Doch nicht viele kennen dies Fledermauß- potzm, alle Welt aber hebt daß anmutigste Stiefkind der großen Oper, die .Fledermaus von Joh. Strauß, die beste aller Operetten, die selbst von sauertöpfischen Verächtern der Karrikatur-und Parodieopernmusik ebemo gern gehört zu werden pflegt wie, trotz ihres LhampagnergesprudelS, von dem biero- kralischesten Hypochonder. Tiefer so ausgelassene als, im beiien Sinne, artige Wildfang ist heute noch, trotz seines verhält­nismäßig hohen Alters von nahezu 80 Jahren, von be­rückender Liebenswürdigkeit. In der Geivandkammer der Operette hängt die .Fledermaus' vorn an im FefttagSfchrank, und wenn sie 'mal wieder hervorgeholt wird, ergötzt man sich weidlich an ihrem Staat. Flott, adrett, voll Sangeslust und Walzerfreudigkeü ging der neckische Kobold über unsere Bühne, vom feinfühligen Kapellmeister, Herrn Schatz, an nicht allzu strammem Zügel gehalten, von reger Lach- und Beifallßfreudigkeit der zahlreichen Empfangsverfammlung an- gefeuert

Nicht wenig zu der lebhaften, ja für unsere Verhältnisse glänzenden Aufnahme trug Frl. Bartl bei in der Rolle der Adele. Die junge Künstlerin besitzt nicht nur Anmut und Liebenswürdigkeit, sondern auch daß ganze Gehabe, das die Soubrette eines guten Theaters charakterisiert. Ihre niedliche Stubenmädelgrazie hielt sich in fern komischer Kunst taktvoll fern von derberer Karrikatur, und auch ge­sungen hat Frl. B. ihre Partie sehr schön mit reizend harmlosem Geschmack. Tie Schlußszene mit dem Direktor des sidclen Gefängnisses freilich hätte mimisch reicher auSgeftaliei fein können; eine stärkere Ausprägung der improvisierten drei Charaktere hätte sich sogar empfohlen. Frl. Stöger

aufccionntag«.

Dem Hiebenee Anzeiger werden im Wechsel mit dem kelfllche, tanbrolrt d>e Glebeoer Kamille»' Miller viermal in der Woche bei gelegt.

RoiaiionSdruck u. Ver­tag bei Blüh l'lchen Univett.-Buch-u. Klein- brudem (PieNch lieben) Äebafhon, LrpedUio»

ner Familie um guter limng. Cjitrtcu unter I an bie ttipcb. ö. tu MM Mi ier guter Heilung. ijotl, toniHbtTrtcvit. ot.

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stellte die Rosalinde sehr geschickt und gewandt, vor allem aber temperament- und humt^voll dar. Allerdings läßt sich Leichtsinn mit Vornehmheit merklicher mit einander verbinden. Auf daß Angenehmste berührte die sorgfältige, elegante Kostü­mierung, die wir vor zwei Jahren ungern vermißten. Mu­sikalisch liegt die Partie Frl. Stöger vortrefflich, so daß sie auch nach dieser Seite hin meist vollkommen befriedigte, trotz ihrer offenbaren leichten Erkältung. Temperament ist m jeder ihrer Sloten. Ihr volltönendes Organ spricht namentlich nach der Höhe zu sehr an, und ihren Csardaß im 2. Akte trug sie sehr hübsch vor. Herr Nolte, der alß allzuflotter Ehemann schließlich in eine fest »geschloffene Gesellschaft' ge­rät, war wieder recht guter Saune, und sang, wie fein Weibchen, con amore, fidel vom Scheitel biß zur tanzfrohen Lohle. In seinem Gefängnis ließ in liebenswürdigster Weise Herr Bruck brummen wer da wollte und wie jeder wollte. Er war launig und witzig und hielt dabei weise das rechte Maß. Tie tolle Trunkenheitß-Traumscene tm S. &fte, in der sich der sektfröhliche Direktor und der nordhäuser- fehge Diener wie zwei Kameraden auf gleicher Höhe der Wirkungen beß Alkohols begegnen em sozialer Ausgleich ach unten wirkte einige Tage nach dem Bremer Antialko- holisten.Kongreß schier wie eine 3)emon|traiion Sie wurde, wenn von ihr auch nicht die eigene, von den satanychen Ko- bolöen des Weines und Branntweines absonderlich msi- zierte Stimmung in einer die Hörer mit KaiedraUcn packen, öen Weise auSgmg, namentlich von Herrn Ganzert, einem aanx vortrefflichen Charakterkomiker, ungemein erheiternd ge- ÜMeli. Jeder fühlte, wo das Zwerchfell sitzt. Aber ichließlich wirken doch auf die Tauer die beiden Parallelräusche nichts weniger als erquicklich. Kürze ist des Witzes Seele schon feit des alten Po- ioniuß sagenhaften Zeiten, und auch das Groteske hot eme Grenze. Herr Sommer war als Üppiger Tenor von dauerhaftestem Organ der geeignete Vertreter des Gesang­lehrers. Als der schon mehr langweilige als gelangweilte Prinz Orlosski fungierte Frl. Kalbern, offenbar eine An­fängerin, die mit ihrem kleinen Stimmchen manchmal noch den richtigen Einsatz verpafft und um die musikalische und bar-

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Gu-ßrnrr glaMtljratrr.

Die Fledermaus.

Operette von Johann Strauß.

Der Lenz befl Jahres 1899 war ein wahrer Toten­frühling für bie Kunst. In Kiel starb Klauß Groth, bet grob« plattdeullche P°kt, btt T>chln beS .Ou>ckb°m , Frankreich verlor einen seiner populärsten Dramatiker, Eb. Pailleron, unb bie heroorragenbe Tiermalerin Rose. Bonheur, unb baß Walzerreich ward seines KömgS Johann Strauß beraubt. Oßkar Blumenthal schilderte damals m glücklichen Versen den letzten dieser vier großen Toten, .der unß so oft mit seinem ZaubeMabe entlockte m baß Märchenzauberland . Johann Strauß war, so führte baß Gebicht auß, em Tröster feiner Zeit, ber unß über schwere Stunben hinweghalf, unb auf jein Grabmal sollte bie Muse bie Worte setzen.

Dir war bie Kunst kein trübet WermutSbccher, Dir war sie Freudenborn und Sorgenbrecher. So oft Tu sprachst, wards unfern Herzen warmer, Slun bist Du stumm wir wurden alle armer!

Rosa Poppe trug batnalß diese Verse im Kroll'schen kql. Operntheater zu Berlin vor und gleich danach setzte .die Fledermaus' mit ihren tollen Weisen ein. Diese Anstührung galt den Manen beß soeben Verstorbenen, aber wer kann nachdenklich bleiben, wenn eS von bet Bühne spöttisch- äugend herniedertönt: .O jeck, o jeck, wie rührt mich bieß"3 wenn die verführerischsten Walzer locken! Und gewiß war die frohe Stimmung an jenem schönen, den heurigen scheußlichen Lenztagen so gründlich verschiedenen FruhlmgS- abend, die sich im Theater und draußen un luftigen Konzert- garten geltend machte, mehr im Sinne des Meisters Strauß als e:wa Pathos unb Feierlichkeit, obwohl Johann Strauß sein Leben lang em unglücklicher Liebhaber bes feierlich Pathetischen, namentlich aber ber ernsten Musik gewesen <Cm v(nb auch gestern flatterte übermütig unb keck bie be- rührn-este Fledermaus m unseren Theatersaal, tausendmal lustiger als das häßliche Ding dieses Namens m den Lüsten,

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mufften. Diese wohl noch frische fcinneruna an leine eigene Haltung hielt den Fähnrich aber nicht ab, sich moralisch ,u entrüsten, weil der Zwriiährige Hartmann in augen- cheinlich stark angeheiterter Stimmung eine Wirtschaft be­treten wollte.

Heber die persönliche Seite der Sache kann man kaum mehr ein Wort verlieren. Die Erbitterung über den Täter ist in allen Volkslreisen ebenmäßig groß, wenngleich bisher nur die Sozialdemokraten mit der polttisck-en Ausbeutung des Falles in Versammlungen vorgegangen sind. Allein aus (Erbitterung und Zorn allein kann man leine fruchtbaren Gedanken schöpfen, sondern ist nötig, den inneren Ur­sachen dieser grausigen Tat naajgugeyen. Charakteristisch ist der Brief, den Hustener bald nach der Tat an die Eltern des Erstochenen richtete; er ist noch mehr als die Tat selbst der Beweis einer geradezu ungewöhnlick/en Unreife, welclM läck-erlich wirkte, wenn der Fall nicht so traurig wäre, hüssener hat offenbar noch nillst das geringste Be­wußtsein, ui welcher Frivolität er seinen Konflikt qerauf- bcschworen Hal. Er hüllt sich vielmehr in das heroische Gewand eines allen Romers, ter aus Soldatenpflicht den Sohn tötet, spricht von einerharten, harren eolbaien- pfUcht", der er sich unterziehen mußte und kommt sich augenscheinlich noch als ein musterhafres Opfer von Svl- batentugenben unb als großer Held vor, der in der iUHifuni der Pflichten untergehll Skbenbei verflu-ert er die Familie des Verstorbenen (einerinnigsten Teiinahme" und glaubt, nxnn bie Mutter ihm verzeihe, die übrige Welt iLm auch verzeihen" werde. Angesichts eines solchen burlesken ^-eelenzu,mndeß hat man (ich unter voller Anrechnung der persönlichen Unreife des Taters dre Frage vorzuligen: Wie kann eine derartige Verkennung ber Wttllichkett, euie solche uollftänbige Venoechslung von Recht und Unrecht entstehen, auf welchem Boden ist sie erwachsen?

Es will uns scheinen, daß bei der Erziehung des Offi­ziers unb bes 6urbaten überhaupt zwar nut Recht ber -schn-erpiinkt auf bie EntwicktUiig beß Selbsibewußtseins und der Tatkraft gelegt wird, daß aber dabei nicht genügend das notwendige Gleichgewicht ber Seele dadurch her gepellt wird, daß man dem Soldaten alß ausschließliches Ziel die Verteidigung des Vaterlaiides hinstelll, das deutsche-Volk als einen einheitlichen Körper bezeichnet und so baß ab­solute, stets gegenwärtige Bewugis<m erzielt, baß ber Solbat nur gegen gewalttätige Femde des Staares sich zu richten habe, nicht aber gegen beliebige Burger. Eine lieberjajäßung des Solbatenstandes ist auch miluärifd) be­denklich well sie bie Urteiißuaft im Abwägen eigener unb fremder Werte schwächt und ein Größenbewußtiem hervor­ruft, durch das jeber Soldat und vor allem feder Führer seine Truppen im Felde gefährden kann. Als em besonderer Ulußbrud des Wertes eines Soldaten gilt die Waffe, unb dieses Verleihen einer Waffe ist dann praktisch baßjeiuge Moment, welches die meinen Konflikte hervvrruft. Man mag erziehen, soviel man will, jeder Mensch laßt sich nur biß zu euiem bestimmten Punkte erziehen. Man mag tausend­mal sagen, die Waffen dienen nur für diesen und jenen AalL Die meisten Menschen werden nicht fähig fern, sofort zu erkennen, iveidjer ber eingetrichterten Falle vorliegt. Mindefiens bie Harfte aller Zufamlnenstoße nut der Polizei geschehen deshalb, weil ein Polizist einen Angriff auf Jane eigene Würde unb Autorität mit einem Angriff auf bie

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Würde beß Staates verwechselt; in Wirklichkeit hat bei den meisten Polizeikonflikten Der Staat gar fein Interesse an ber öad)C. So steht auch mit ben Soldaten. Soldaten haben bie Verpflichtung, wenn sie angegriffen werben, die Waffe sofort zu gebrauchen, unb zwar nachdrücklich. WaS soll baß heißen? In ber Wirklichkeit kann daher jeder Soldat (ich jeden Augenblick aus den Tienscvorfchriften die Pflicht zusammenleimen,nact)drücklich" eine Waffe ge­brauchen zu müssen. Diese tior[d>rifl befagt in WirNicd- leit gar nichts anbereß, als: Wird em «oldat bedroht oder angegriffen, so hat er nicht ein Gericht anzurufen, solidem er füll, trotzdem er Partei ist, sofort Recht unb Un reckst ab wagen und gleid^xtig Richter sein, sich selbst zu seinem wirklichen oder vermeintlichen Recht verhelfen. Den dadurch entstandenen zahllosen Zusammenstößen und oft tieftraurigen Ereignissen kann man nur vor beugen, menn man wenigstens den zwanzigjährigen gemeinen öob­baten und jungen Berufssoldaten im Urlaub bie Waffe nimmt.

Im Falle Hüffen er handelt sich nicht um diesen Gebrauch ober Mißbrauch ber Waffe bei Angriffen. An­gesichts ber ber Untersua-ungskommisiion schon gegebenen Zeugenaussagen ist die Behauptung Hüsjeners, Hartmann habe gegen ihn zum Schlage ausgeholt, hmfällig. Aller­dings würde Hüssener, wenn er ohne Waffe in den Urlaub gefuiicü wäre, auch keinen Unfug mit der Wasfe in diesem öaik haben anstiften können. Allem im Grunds ad kommen yier bie Vorschriften zum Waffengebrauch beim wleil Ver­hafteter in Betracht. Die Instruktion bestimmt, daß, wenn em verhafteter Soidat entspringt, von den Waffen Gebrauch gemacht weiden soll, bis der Ztoeck erreicht i|t. Dunkel ist der Siebe Smu; und 2OU auSivendig gelernte Paradigmen tonnen ihn nicht erläutern, denn das Leben schafft immer neue, andere Falle. Der Zweck ist doch erreicht, wenn die Wiederverhaftung gesichert ist. Welche Gefahr liegt wohl vor, daß em sinnlos Betrun kener entwischt? ES sollte doch eme einfache vernünftige Uebetlegung dahin ühren, daß einem Betrunlenen gegenüber, der in diesem Zustande seines Verstandes zum Teil beraubt ist. überhaupt von ber Waffe kein Gebrauch gemacht werden darf. Wenn der erstochene Hartmann in den unklaren DämmerungS- gebanlen eines Berauschten versuchte, ben vorgesetzten Ka­pellen z. S., ber ihn verhaftete, gemütlich unter den Arm zo nehmen, so muffte es dem Kadetten doch vollkommen tiar (em, daß ber tuumn nicht mehr zurechnungssähig war. Die Anweiidung ber Wafseninstruktion war bannt doch ohne weiteres außer Kraft gesetzt. Der Fehler liegt aber darin, bah man diese Uebetlegung und Entscheidung in das Belieben und in das rasche Urteil der Begleitmann­schaft setzt. Während erwack>sene SJiänner nach stunden­langen, oft tagelangen SchwurgerichtSverHandlungen noch ängstlich (mb, bas Urteil über Sehen und Tod zu fällen, lad hier em Ihjähriger unreifer Mensch in ^Sekunden sich bar über klar weroen, ob er die Wasfe gebrauchen muß, unb wie wett er sie gebrauchen muß. Bei bem Dünkel unb dem Jähzorn, vielleicht auch dem Dienstübereifer deS Taters, der durch die, wie er (ich |pater ausdrüctte, plumpe Vertraulichkeit" des Hartniann in seinem Bewufflsem eben erlangter FähnnchSwurde schwer verletzt war, ist dann dieses Urteil erschrecklich irre gegangen und so kam es daHU, daß in den Straßen EjsenS in den scheinbaren

3>ct Kall Küssener.

Die Vorgänge in Effen, denen ein (unneff Menschen- Zehen zum Opfer fiel, haben überall in Deutschloiid großes Aufsehen unb schmerzlick-eS Bebauern hervorgerufen. Die Erwägung, daß an dem entsetzlichen Vorkommnis auch der Alkohol wieder beteiligt war, kann die Empörung, die alle Gemüter ob des Vorganges erfaßt hat, nicht herab­mindern.

konnte nicht fehlen, daß man die tat des Hüssener zu entschuldigen versuchen wird, aber eine sorgsame unb gereckste Beurteilung aller Einzelheiten des Falles kann nur mr schärfsten und rückhaltlosesten Verurteilung dieses offenbar von Größenwahn befallenen jungen Menschen fuhren. Das Rechtsgesühl beS Volkes verlangt strengste Bestrafung deS gewissenlosen SJlärberß, darntt ein Exempel (tatuiert wird.

In derRhein.-Westt. Zttz." finden wir in einem ob­jektiv geschriebenen Arttkel eine Zusammenstellung aller pshchologisüstn Motive, bie für die Beurteilung beß Falles maßgebend sind. Wtt wollen deshalb die Ausführungen beß Blattes, baß am Tatorte erscheint und wohl in der Lage ist, alle Einzelhriten zu übersehen, wörllich hierher­fetzen.

Die Voruntersuchung in der Angelegenheit hüssener ist beendet unb die Zeugenaussagen stehen sviveit fest, daß man sich bereits ein Urteil über den Verlauf des Falles im allgemeinen und seine Ursachen bilden uum.

Rach der Behandlung beß hüssener sollen bie See- kadelten von ihrem Vorgesetzten in Kid mit der Weisung in den Urlaub entlassen worden sein, Sorge ju_ tragen, bah fie von ben gemeinen Soldaten vorschriftsmäßig ge­grüßt würden. Glaubwürdiger llingt die andere Wend­ung, welckst ein Seekadett auß hiesiger Gegend im Eltern- Hause berichtet hat, nach welcher die jungen Kadetten selbst Iiaj vor der Abreise aus Kiel gegenseitig das Wort gegeben lätten, jeden Soldaten zu stellen, ivelcper sie nicht grüße oder befjen Kleidung nicht vorschriflßniäßig sei. Jedenjallö reisten bie jungen Leute auß Kiel ab mit bem festen Vorsatz, ihre ellvaS geschtvollene Autorität in der Heimat zur Geltung zu bringen. Es ist baß alß Unterlage beß Ereignisses nicht unwichtig.

Die F-olgen dieser Absprache haben sich an mehreren Orten bemerkbar gemacht, u. a. auch in Schalke, wo See- labetten gemeine Soldaten auf der Straßestellten", aber burch die droheiide Haltung der Arbeiterbevölkerung ge- -iwungen wurden, (ich rafd^il zurückzuziehen. Der Fähnrich zur See hüisener scheint zur Durchführung feiner Absichten U.-fen systematisch durchstreift zu hoben, denn in feinem Rotizbiich and man bet der Ablieferung die Namen vvn nicktt weniger alß 20 durch ihn au\ der Straße gefielUen Soivaten, die er nach den Festtagen wizuzeigen beob- sichtigt^ tommt jene UnglückSszene in der Ostemacht, büfienet selbst war keineSivegß em grundsätzlicher Ab­stinenzler, sondern er hat sich noch vor nicht langer Zen aeiegenllich einer Familienfeier m einem Hotel schwer berauscht, mit dem Hotelier Streit angefangen und dann, von feinem seitdem verstorbenen Vater nach Hause geschickt, in einem Anfall (innlojer Wut dermaßen im Hause getobt unb baß Mobiliar -erschlagen, daß die allem zu Hause verbliebenen Dienstmädchen durch die 8«ii|ter fluchten

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Kichener Anzeiger

** General-Anzeiger 17

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Amts- und Anzeigeblaff für den Kreis Gießen MW

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