Ausgabe 
22.4.1903 Drittes Blatt
 
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Im Preußischen Abgeordnetenhaus stand am Dienstag die Beratung des Nachtrags-Etats zum Etat pro 1903 zur Beratung. In einer längeren Rede erklärte Minister Budde, dag sich die Verkehrs-Ein­nahmen weiter gesteigert haben und daß ins­gesamt die Mehreinnahmen pro 1902 im Vergleich zu der vorjährigen Ist-Einnahme 40 Millionen Mark betragen. Der Reinertrag der Staatsbahnen belaufe sich gegenüber dem Etat-Voranschlag pro 1902 auf rund 8 Millionen. Unter anderem ging der Minister auch auf 'die Witterungsverhältnisse im lausenden Monat und auf die Schneeverwehungen sowie die dadurch bedingte Beeinträchtigung des Güterverkehrs, Schmälerung der Ein­nahmen und lÄhdhung der Unkosten näher ein. Sodann ging die Vorlage an die Budget-Kommission. Hieraus wurde in die Beratung des Antrages Weihe beit. Errichtung von Rentengütern kleinsten Umfanges eingetreten. Der Antragsteller befürwortete seinen Antrag. Minister von Rheinbaben erklärte es für nicht angängig, eine Ver­besserung der Wohnungsverhältnisse mit Hilfe des Rerttengüter-Gesetzes erreichen zu wollen. Em­pfehlenswert sei dagegen ein Weg, wie er in der Rhein­provinz eingeschlagen werde, wo gemeinnützige Bau-Ge­nossenschaft en mit Hilfe von Kapitalien von Landes Versicherungsanstalten Arbeiterwohnungen bauen und wo die Kommunen sich für die Baugenosseüschaften gegenüber den Versicherungs-Anstalten verbürgen. Ueb rigens sei einWohnunasgesetz bereits aus gearbeitet. Ter Antrag wird schließlich mit einer ' einen Abänderung anaenommen. Es folgt die Beratung des Antrages Kindler (frs. Bolksp.), die Regierung wolle für Errichtung von Kur- Hospitälerrr und Genesungsheimen für Ei sen- ba h n b e a m t e die erforderlichen Summen in den Etat ein­stellen. Ter Antrag geht an die Budgetkommission.

Wahl-Bewegung.

Wetzlar, 21. April. Die nationalliberale Partei hat mit ihrer rüstigen Wahlarbeit im Kreise Altenkirchen-Wetzlar gute Erfolge erzielt. Der bisherige Abg. Krämer klärte die Wähler über die Tätig­keit der nationalliberalen Partei auf und legte ihnen bie bedeutsamsten Aufgaben des neuen Reichstags dar. Die Zentrumspartei hat noch keine Wahlversammlungen abgehalten, sre wirkt im stillen. Ueberaus rührig sind die Sozialdemokraten, die aber noch übertroffen wer­den von den Antisemiten. Redakteur Reuther aus Offenbach reist von Ort zu Ort. Die konservativ-land- bündlerische Gruppe unter Führung des evangelischen Pfarrers Heckenroth aus Altenkirchen arbeitet chm in die Hände.

Aus Ktuöt unS Kuud.

Gießen, 22. April 1903.

** Die Gießeuer Anleihe. Das Staatsministe­rium hat, wie das Regierungsblatt bekannt gibt, der Stadt Gießen die Genehmigung zur Ausgabe von 17 00 Stück 3^/zproz. Schuldverschreibunge n auf den Inhaber im Gesamtbeträge von 1500 000 Mk. erteilt.

** Promenaden-Konzert. Es ist in der letzten Zeit bei den Promenaden-Konzecten die bedauerliche Wahr­nehmung gemacht worden, dag die von Besuchern dorthin mitgenommenen Hunde rvahrcnd des Konzertes von ihren Begleitern unbeachtet und unbeaufsichtigt bleiben, sich in den Anlagen umhertummeln und letztere erheblich be­schädigen. Wie wir hören, ist die Schutzmannschaft an- gewiesen worden, unnachsichtlich in solchen Fallen vor­zugehen und eventuell die in den Anlagen herumlaufenden Hunde einfangen zu lassen.

ZSetternachrtchten.

Der Umfang des Sturmschadens in Berlin ist zwar noch nicht zu übersehen, dürfte jedoch nach den bisher vorliegenden Meldungen weit über eine Viertelmillion be­tragen. Die telegraphischen Verbindungen von Berlin nach Rußland sind soweit wiederhergestellt, daß die Telegramme nur noch eine mäßige Verzögerung erlecken. Eine direkte Verbindung mit Schweden fehlt noch die Telegramme werden ohne wesentliche Verzögerung über Dänemark ge­leitet. Die inländischen Leitungen sind zurzeit wieder her- gestellt. DerFranks. Oderztg." zufolge richtete der Schneesturm in dem Regierungsbezirk Frankfurt a. O. gewaltige Verwüstungen an. Die Züge auf allen Bahn­linien treffen in Frankfurt a. O. noch immer nur teilweise und mit bedeutenden Verspätungen ein. In Landsberg a. Warthe sind sämtliche Zelle des Zirkus Blumenfeld, der dort zurzeit Vorstellungen gibt, durch den Schneesturm vernichtet worden. Der Zirkus ist in einen Trümmerhaufen verwandelt. Unter den Pferden entstand eine furchtbare Panik, sie konnten erst nach mehreren Stunden wieder ein­gefangen werden. Nach einer Meldung aus Breslau sind infolge des Unwetters in Schlesien neun Per­sonen ums Leben gekommen, teils im Schneesturm, teils bei Unfällen auf der Eisenbahn.

Bei Misdroy strandete das Segelschiff Barmen. Zwei Mann sind ertrunken. In der Nähe von öfter» nothafen strandete der FischkutterEinigkeit. Die Besatzung konnte sich retten. Der Rügenwalder DampferPatriot" strandete auf der östlichen Seite deS Häsens. Im Nothafen lief der DampferDiamant" ein und landete die Mann­schaft des DampfersOlga", der bei Stolpmünde gesunken ist. Die Rettungsstation Süderhöft der deutschen Gesell­schaft zur Rettung Schiffbrüchiger telegraphiert: Am 20. dieses Monats wurden von der auf der Lünenplate ge­strandeten GalioteWilhelm", Schiffer Sierers, mit Stein­kohlen nach Friedrichstadt bestimmt, ixrei Personen durch das Rettungsboot gerettet. Es herrscht stürmischer Nordwesl und Hagelböen. Am 20. d. M. wurden vom gestrandeten schwedischen SchiffNorden", Kapitän Olsson, sieben Per­sonen durch den Raketenapparat der Station gerettet. Die Rettungsstation Cuxhaven telegraphiert: Von dem am 21. April auf dem Scharnhörnriff gestrandeten, mit Holz von Christiania nach Harlingen bestimmten norwegischen SchunerFreya", Kapitän Nielsen, wurden sechs Personen durch das Rettungsboot des zweiten Elbleuchtschiffes ge­rettet. Die Rettungsstation Thiessow-West telegraphiert: Am 21. April wurden von einem Kröblinger Fischerboot vier Personen durch das Rettungsboot ^Theodor Langer" der Station gerettet.

Auf dem Wege von Biala nach Stzerzonka sind zwei Arbeiter im Schnee erfroren aufgefunden worden, mehrere andere werden noch vermißt. Im russischen Gou­vernement Patrikau herrscht seit einigen Tagen heftiges Schneegestöber. Viele Züge sind im Schnee stecken ge­blieben. In den Wäldern wurde großer Schaden angerichtet.

In Wien herrscht feit dem 21. d. M. Prachtwetter. Die Temperatur ist bis auf 8 Grad gestiegen.

t Lich, 19. April. Eine blutige Schlägerei trug sich in Dorf-Güll zwischen jungen Leuten auf dem Heimwege * ~ ~------- ' ____ zu.

Zwei wurden fast zu Tode geprügelt; sie brachen bewußtlos zusammen und liegen schwer verletzt darnieder. Dem einen wurde eine schwere Hängelampe an den Kop geschleudert. Bei der Schlägerei spielten Mistgabeln und dergleichenWaffen" eine Rolle.

-t- Friedberg, 21. April. Ein Kursus für Freunde des Obstb aues, Geistliche, Lehrer :c, beginnt am 27. April an der Großh. Lostbauschule für die Dauer von sechs Tagen und weiteren sechs Tagen im Lommer. In demselben können Obstliebhaber, Gartenbesitzer das Notwendigste er­lernen, was sie zur Pflege ihrer Obstbäume im Garten not­wendig haben.

z. Nieder-Moos, 20. April. Die Gvoßh. Staats­anwaltschaft weilte dieser Tage zum dritten Male in Fleschenbach zwecks Untersuchung eines vor etwa vier Wochen vorgekommenen Brandes. Es wurden die Feuer­wehrleute bemoatmen, welche die Zündschnur aufgefunden hatten. Irn selben Orte trafen der Vertreter des Kreis­amts, Amtmann Werner und der Vertreter des Kreisgesund­heitsamts, Kreisarzt Dr. Nebel und Kulturinspektor Kunz ein, um eine Besprechung über die Wasser frage mit genannter Gemeinde abzuhalten. Die Wasserverhältnisse sind dort ungünstig, das Wasser gilt als nicht sehr gesund, and im Sommer tritt stets ein großer Wassermangel ein. Proben aus den Brunnen wurden zur Untersuchung von vem Kreisarzt mitgenommen. Es steht zu erwarten, daß ver Staat der wenig bemittelten und kleinen Gemeinde bei oent Wasserleitungsbau einen Zuschuß gewähren wird.

Wiesbaden, 21. April. Prinz und Prinzessin Friedrich Karl von Hessen trafen heute nach­mittag hier ein und begaben sich nach der Kaserne des Füsilierregiments von Gersdorff (Kurhessisches Nr. 80), oessen Chef die Prinzessin ist. Auf dem Kasernenhofe hatten die beiden hier garntfonierenhen Bataillone Paradeauf­stellung genommen. Die Prinzessin schrttt mit dem kom­mandierenden General des 18. Armeekorps, General von Lindequist, dem Divisionskommandeur Generalleutnant v. Hagen, dem Brigadekommandeur Generalmajor v. Nor- mann und dem Kommandeur des Regiments, Flügel­adjutanten Oberst v. Jacobi, die Front des Regiments ab und nahm sodann einen einmaligen Vorbeimarsch entgegen. Die Herrschaften begaben fick sodann ins Offizierkasino, wo anläßlich des morgigen Geburtstages der Prinzessin ein Diner stattfand. Die Prinzessin überreichte bei dieser Ge­legenheit dem Regiment als Geschenk des Kaisers die Kopie eines in der Schloßgalerie zu Wilhelmshöhe befindlichen Bildes Friedrichs IL, Kurfürsten von Hessen, in der Uniform eines preußischen Regiments Hefsen-Eastel, sowie ein Bild vom Landgrafen Alexander Friedrich von Hessen, welches den letzten Kurfürsten von Hessen Friedrich Wilhelm dar- tellt Um 6i/3 Uhr nachmittags traten ine Herrschaften die Rückreise nach Frankfurt a M. au.

Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaate n. In Frankfurt statteten Einbrecher dem Wartmarm'fchen Cigarrenmafchinenge schäft an der Nidderftraße einen Besuch ab. Mit Nachschlüsseln öffneten sie Dor und Tür, zwei Sicherheitsschlösser wurden gesprengt. Aus den Putten und Fächern raubten die Diebe die Kranken- und Porvokasse, ohne aber erhebliche Beute an Bargeld zu machen. Erfolgreicher waren sie beim Raub von Zigarren? im ganzen haben sie über 15000 Li­ga rr en in fertigen und halb fertigen Kisten gestohlen. Offenbar waren die Einbrecher mit einem Wagen oder Karren versehen, um die Beute vom Platz zu schaffen. Der Gesamtschaden beläuft sich auf etwa 2000 Mk.

Vermischtes.

Frankfurt a. M., 21. April. In der Preis- Bewerbung um den größeren Preis-Chor, den sogen. Sechs-Wochen-Chor, für den Frankfutter Männergesangs. Wettstreit wurde von der Kommission als bester Chor von 18 Einsendungen ,Der SiegeSgesang nach der Varusschlacht" gewählt. Der Text ist von Felix Dahn, die Komposition von Georg Weffner. Letzterer ist aktiver Artillerieoffizier in Breslau.

* Berlin, 21. April. Die Polizei nahm gestern eine Falschmünzerbande fest. Dieselbe besteht aus den Malern Linier und Schulz, die bereits wegen Falsch­münzerei mit Zuchthaus vorbestraft sind, sowie aus vier Helfershelfern, welche den Vertrieb der Falsifikate unauffällig besorgten. Die Polizei hatte die Fälscher bereits seit Wochen beobachtet und schritt zur Verhaftung, als sie genügend Beweis- material in der Hand hatte.

* Paris, 2L April. Aus Clermont Ferrand wird über einen neuen Zwischenfall zwischen zwei Offizieren berichtet. Der Leutnant Claussal vom 92. Infanterieregiment begegnete auf der Straße dem Leut­nant Poisson vom 15. Artillerieregiment, welcher seinen Gruß nickt erwiderte. Es entspann sich ein lebhafter Wortwechsel, dem ein Dnel l folgen wird.

Bozen, 21. April. Professor Behrend aus Bettin ist auf einer Reise durch Südtirol verschollen. Nach- orschungen waren vorderhand ergebnislos.

Gitschin, 2L April. Das berühmte, von »Jesuiten im 17. Jahrhundert erbaute Schloß MilicoveS steht feit gestern in Flammen. Alle Bemühungen, den Brand zu löschen, sind bisher vergeblich gewesen.

* Newyork, 2L April. Ein Zusammenstoß zwischen einem Expreßzug und einem Rangierzug and in der Nähe von Salamanca statt. Fünf Reisende wurden getötet, zehn schwer verletzt. Vom Rangierzug wurden sämtliche Wagen bis auf einen zertrümmert.

Anfangs- u. Tchlußkurfe.

Deft Kredit.... 211,80 212,00

Deutsche Bank . . . 211,50 211,62

Darmstadter Bank . . 140,90 140,75

Bochumer Guß . . 187,25 187,00

Harpener Bergbau . . 185,20 185,00

Schluß-Tendenz: schwach

W. Gießen, 21. April. (Diehmar ktbe richt.) Ter geftrige Rindvichmarkr begann schon um 6 Uhr in der Frühe. Vorhanden waren 10001100 Stück Großvieh, Kühe und Rinder, und etwa 150 Kälber. Ter Vormarkt zeigte, wohl infolge der schlechten Witterung der letzten Tage, ein trübes Bild für den gestrigen Markt, doch trafen die schlechten Erwartungen der Verkäufer nicht zu. Wenn auch der Handel gestern gerade nicht so flott von statten ging wie beim letzten Markt, so fehlte es doch nicht an Reflektanten für Milchware, bie sogar schon diesmal für die Badeorte schwere und mittlere Kühe tauften und dadurch herbeiführten, daß die Preise für Milchvieh sich in der alten Höhe halten konnten, trotzdem für die Nachfrage genügend Ware am Markt war. Fette Rinder waren rote immer am Markt be­gehrter nd es deckte das Angebot nicht die Nachfrage, wes­halb die Preise sogar dafür etwas anzogen, ebenso war per Vorrat an Kälbern für den Bedarf nur knapp, be­sonders da Frankfurt und Wiesbaden starke Einkäufe machten und auch für den Gießener Bedarf nennenswerter Bedarf vorlag. Dieser Umstand brachte ein Steigen der Kälberpreise zu Wege, sodaß diese Ware sich teurer stellte als am letzten Markt. Ein kleiner Posten von Schlacht­kühen ging sehr schnell bei guten Preisen ab. Es wurden bezahlt: für frischmelkende und tragende Kühe 1. Qualität 475520 Mk., 2. Qualität 375450 Mk., 3. Qualität 280360 Mk., Abmelkkühe 200240 Mk., Schlachtkühe 170 bis 210 Mk., alles per Stück. Der Zentner Schlachtgewicht wurde bezahlt: Fette Rinder 6365 Mk., Kälber 1. Qualität <über 50 Pfd. wiegend- 6872 Mk., 2. Qualität (zwischen 4050 Pfd. wiegend- 6466 Mk., 3. Qualität (leichtere Ware) 5660 Mk. Der Markt war schon um halb 11 Uhr beendet und blieben nur wenige geringwertige Stücke Milch- oieh unverkauft überftändig. Unter den Marktbesuchern, Verkäufern wie Käufern, herrschte gestern eine gewisse Er­bitterung über die erst kürzlich für die hiesigen Märkte ein­geführte Polizeimaßregel, die verlangt, daß MllchkÜhe aus- gemolken oder mit entleertem Euter auf den Markt kommen müssen. Infolge dieser polizeilichen Vorschrift wurden nun mehrfach die mit ihren Tieren aus den '.Warft gekommenen Handelsleute ausgeschrieben, um zur Anzeige gebracht zu werden. Verkäufer und Käufer erklären, daß man eine vollständig gemolkene Kuh überhaupt betreffs deren Milch ergiebigfett nicht beurteilen könne und da auf unseren Märkten nur Handelsleute untereinander Geschäfte machen, sei durch die neue Polizeivevordnung der Täuschung Tür und Dor geöffnet Es sei die verlangte Entleerung der Euter vor dem Martt in Gießen überhaupt auch nicht ausführbar, umsoweniger, als es am Platze an allen Ein richtungen fehle, um ca. 1000 Stück Vieh am Abend vor dem Markte auszumelfen. Weiter behaupten die Handels leute, daß dies polizeiliche Verlangen bei anderen Märkten (Kirchhain, Fulda usw.) nicht bestehe und daß es ganz aus geschlossen sei, daß ein Händler, der Milchvieh zu Martt bringt, _ es mit übervollem Euter auftreibe, fcfyon wegen der Gefahr, daß die Ware dadurch erkranken könne, d. h. Milchfieber bekomme, womtt selbstverständlich ein Verlust entstehen kann. Am meisten aber äußerten sich die Markt besuchet: darüber, daß den Schutzleuten die jkontrollc bar- über zustehen solle, welche Kühe nicht au »gemalten seien. Man behauptet, und vielleicht auch nicht mit Unrecht, durch olche Maßregeln gingen die Gießener Märkte zurück. Wir leben diese gestern auf dem Markt laut gewordenen An- ichten wieder in der Absicht, daß man maßgebenden Ortes Üeselben prüfe und, wenn die Klagen berechtigt sind, Remedur schafft. Wir wissen, daß man im Rathause alles tut, um unsere dürfte zu heben, und glauben, daß man die Bemühungen der Presse, auch dem Viehhandel zu seinem Recht zu verhelfen, nicht mißdeuten wird.

Gerichtssaal.

Gießen, 17. April.. Gewerbegericht. Den Vorsitz führt Stadtverordneter Keller. Als Beisitzer fungieren Bäckermeister Fttedrich Hennings und Schriftsetzer Adolf Hensel hier. Ec tehen sechs Klagsachen zur Verhandlung. Der Schreinermeöur Friedrich B. hier verlangt von dem Schreinergesellcn August Si. von Launsbach 13.20 Mk. Entschädigung aus Grund § 124 b der Gewerbeordnung, weil er unbefugt und ohne Einhaltung der gesetzlichen Kündigungsfrist die Arbeit verlassen habe. Da Kläger im Dermin trotz ordnungsmäßiger Ladung nicht erschienen ist, wurde die Klage aus des Beklagten Antrag durch Versäumm-urteil kostenfällig abgewiesen. Die Klage des Kochs August B. hier gegen den Hotelbesitzer H. hier, roegen Entschädigung auf Grund zu früher Entlassung, sindet durch Vergleich Erledigung. Beklagter i ahll dem Kläger noch für zwei weitere Tage Salair. Auch die Klage des Taglöhners Ludwig B. hier gegen die Firma R. u. I. liier wegen gründ- und kündigungsloser Entlassung sindet durch Vergleich Erledigung. In der Sache des Fuhttncchts IustuS R. hier gegen Fuhrunternehmer Karl I. hier war im ersten Termin Bersäumnisurteil gegen den Beklagten ergangen. Nachdem der Beklagte Einspruch gegen das Urteil eingelegt Hane, kam die Sache zur nochmaligen Verhandluiig. Ter Beklagte zahlt dem Kläger beii geforderten Lohn. Ter Kellner Alben H. hier verlangt von beni Restaurateur Heinrich M. hier 84 Mk. Entschädigung wegen grund- und kündigungsloser Entlassung. Ter Beklagte wendet ein, daß Klager überhaupt nicht entlassen worden fei. lieber die Behauptung des Klägers soll Beweis erhoben werben. Die Klage des Kellners Katt Sch. in Franksurt a.M. gegen den Restaurateur W. hier ist auf Zahlung von 102.10 Mk. Entschädigung gerichtet. Kläger behauptet, engagiert, ober nicht eingestellt worden zu fein. Der Beklagte wendet ein, daß er sich bereit erklärt habe, dem Kläger eine angemessene Entschädigung zu zahlen, es sei ihm jedoch bis zur Klageerhebung nichts geforbett worden. Er bestreite die Höhe des Salairs und der Tttnkgelder. Auch müsse dem Kläger bei gutem Willen möglich gewesen fein, alsbald andere Arbeit zn inden. Es wurde Beweisaufnahme angeordnet.

Landei und Verkehr. Volkswirtschaft.

Berliner Börse vom 21. April 1903. (Mrtoeteilt von der Bank für Handel und Industrie, Gießen.) Im Anschluß an die ftramme Haltung der gestrigen New-Potter öörfe eröffnete der heutige Verkehr aus den meisten Gebieten gut behauptet. Im weiteren Verlauf trat jedoch auf dem Montanmattt eine allgemeine Abschwächung ein; der Ausweis der Gelsenkirchen Bergwerks- AkliengeseUschast, welcher nicht befriebigie, gab Anlaß zu Verkäufen in Kohlenaktien, sowie im Zusammenhang hiermit »u Realisierungen m Eisenwerten feilens der Vlatzspekulation. Bankaktien sowie Bahnen in ruhiger Tendenz; Schinahnsaknen andauernd fest. Auf dem Rentenmarkte waren Spanier und Türkenivene anfangs an­geboten, späterhin jedoch auf bessere Pariser Kursmeldungen leicht erholt. Tie bereits kürzlich hier erwähnte Nachricht aus voraus­sichtlich baldige offizielle Einführung der gemischten Argentinischen Anleihen an hiesiger Börse wirkte auch heute stimulierend und ließ im Einklang mit besseren Londoner Notizen den Kurs derselben er-^ heblich anziehen. Auf dem Hafiamarft herrschte vorwiegend Realisierungslust der kleinen Spekulation.

Privat-Diskont 2V. Prozent.

Meteorologische Beobachtungen

der Ltation Gießen.

Aottl 1903.

Barometer auf 0° reduziert

-

Temperatur der Luft

Absoliite Feiichtigkeit

Relative Feuchtigkeit

Windrichtung

Windstätte

Wetter

21.

2

736,2

4-11,7

4,9

47

W.

1

Bed. Himmel

21.

9"

73,55

4- 6,3

6,2

87

8E.

1

Heller Himm.

22.

7«

733,0

4- 6,0

6,7

96

8.

'Hegen

Höchste Temperatur am 20.21. April + 11,8° C.

zu.

' Gegen Schnupfen : Formau-Aethcr»Watte (Tose 30 Pfg.),