'Formen Rechtens eine Hinrichtung Vvll-vgru wurde, die einfach grausig ist.
Die aufgebrachte Erbitterung beschrankt sich durchaus nicht auf die Sozialdemokraten, sondern es -eigen sich sämtliche Kreise des Bürgertums gleichmäßig aufgewühlt und empört, und die allgemeine politische Ermahnung, die aus diesem traurigen Ereignis wieder hervorleuchtet, ist eine schleunige und umfassende Durchsicht aller Bestimmungen, welche sich auf den Gebrauch der Waffen im Frieden und dem Bürgertum gegenüber beziehen."
Herr Hüssener, 19jähriger Fähnrich war durch die -plumpe Vertraulichkeit" des Hartmann, der den jungen Menschen offenbar nicht für voll nahm, so in seiner Mannes- und „höheren" Soldatenwürde „verletzt", daß er den Bettunkenen glaubte arretieren zu müssen. Daraus entstand dann das ganze gräßliche Unglück. Mr haben es in der Tat des Hüssener mit einem Akt ausgebildeten Größenwahns zu tun, einer Ueberschätzung der eigenen Persönlichkeit, die für einen Teil des soeben herangewachsenen Geschlechtes leider typisch zu worden droht.
Volilische Tagesschau.
Deutschlaud und Kanada.
Wie das „Berl. Tagebl." hört, wird noch einige Zeit vergehen, bis deutscherseits bestimmte Entschlüsse als Antwort auf die zollpolitiscl-en Maßregeln Kanadas gefaßt sein können. Dres erllärt sich daraus, daß weder das Auswärtige Amt, noch das 8ieichsamt des Innern allein in der Angelegenheit entscheiden können, vielmehr haben sich auch noch andere amtliche Stellen dazu zu äußern. Ferner ist beabsichtigt, Interessentenkreise gutachtlich über die Frage zu hören.
Die „Nationalztg." vernimmt, daß in Montreal bereits Milderungen der angekündigten Maßregeln erwogen werden. Als eine solche Milderung ist aufzufassen, daß die kanadische Regierung die vor dem 1. Juli zur Verzollung gelangenden Sendungen von dem Zuschlagszoll auszunehmen beabsichttgt, sofern die betreffenden Bestellungen vor dem 17. April in die Hände des deutschen Exporteurs gelangt sind. Trotzdem wird für alle Fälle auf deutscher Seite Abwehr zu erfolgen haben, denn es ist nicht wahrscheinlich, daß die kanadische Regierung emwilugt, die deutsche Einfuhr zollpoliliscd nicht ungünstiger zu behandeln wie die englische Einfuhr.
Großstadtluft.
Unter dieser Spitzmarke bringen die ,Deutsch-Soz. Blätter" ^Herausgeber Liebermann von Sonnenberg) in ihrer letzten Nummer folgenden Artikel:
„Für das Jahr 1901 zählte man in der Reichshauptstadt nach 6er jetzt veröffentlichten Statistik 7891 außereheliche Geburten. Die Mütter standen meist zwischen Vollendung des 17. und 30. Lebensjahres. Aeller als 30 Jahre waren aber immerhin noch 983, jünger als 17 Jahre 135 außereheliche Mütter. Von den ältesten halten 2 bereits das 47. und 1 das 48. Lebensjahr hinter sich, von den jüngsten waren 6 noch nicht 15 Jahre alt!"
Ein Spiel deö Zufalls will es, daß zur selben Zeit die ,Deutsche Wirtschaftspolitik' einen größeren Attikel über die „deutsche Bevölkerungsstatistik" veröffentlicht, worin es bezüglich der unehelichen Geburten heißt:
„AlS bemerkenswert mag übrigens noch angeführt werden, baß die Verhältnisziffer der unehelichen Geburten in Berlin und den Hansestädten ziemlich niedrig ist. Es entsielen auf 1000 im Alter von 16— 50 Jahren stehende Frauen in Berlin 27,4, in Hamburg 27,8, in Lübeck 26,1, in Bremen gar nur 16,9 %o gegenüber einem Relchsdurchschmtt von 29,4 Dagegen weist beispielsweise Ostpreußen 33,9, Pommern 87J, Ateckleirburg-Schwerur 37, Mecklenburg-Strebtz 41,1 auf.
Die fremden Saisonarbeiter.
Aus Berlin, 21. April, wird uns geschrieben:
Der Zuzug ftember Saisonarbeiter nach Deutschland ist in diesem Jahre wieder sehr bedeutend. Tag für Tag langen große Scharen von männlichen und weiblichen Arbeitern aus Rußland, Polen und Galizien auf den den Durchgangsverkehr von Osten nach Westen vermittelnden Berliner Bahnhöfen an. Diese Leute sinden meist Beschäftigung in den landwirtschaftlichen Betrieben, in der Zucterrübenkultur usw. Westelbiens. Doch nicht der Osten allein stellt solche Saisonarbeiter, sie kommen auch aus dem Süden. Tirolern B. begegnet man im Herzog- tum Anhalt, wo sie Eisenbahnschwellen Herstellen und bei ihrer Anspruchslosigkeit Ersparnisse mit nach Hause nehmen. Es ist zu bedauern, daß das Geld nicht im Lande bleibt, daß die deutschen Arbeller diese Verdienstgelegenhellen sich
entgegen lassen. Die Industrie zahll zwar höhere Löhne, ist aber auf Jahre hinaus nicht in der Lage, allen Arbeitslosen Beschäftigung zu geben. Ihnen eröffnet sich allerdings bei Beschränkung in den Lebensgewohnheiten und Lohnforderungen, in der Landwirtschaft diejenige Aussicht auf Verdienst, die Jahr aus Jahr ein die fremden Saisonarbeiter sich zu nutze machen.
Kauptv.rsammlullg des Kereins für Schulreform.
Ter Verein für Schulreform hatte dieser Tage in Berlin seine 14. ordenlliche Hauptversammlung. Ter Vorsitzende Abg. Kommerzienrat Vor st er-Köln eröffnete sie mit einigen Begrüßungsworten. Dann gab Professor Dr. Lentz- Danzig einen kurzen Geschäftsbericht, an den er einen Ausblick auf die welleren Aufgaben der Schulreformbewegung anknüpfte: Tie Zahl der Reformschulen hat sich Ostern um 16 vermehrt und steigt damll aus 68; unter neuen Anstalten befinden sich 2 Gymnasien (Posen und Krotoschin). Trotzdem warnte der Vortragende vor einer günstigen Auffassung der Sachlage. Professor Lentz wies darauf hin, daß bte Kundgebungen des Vereins niemals die Berechtig- ung des Gymnasiums angegriffen hätten. Während der Verein noch mehr als bisher die Kenntnis vom Wesen und den Erfolgen der neuen Schulen verbreiten müsse, dürfe er auf der anderen Seite auch die Bildung weiterer Schul- sormen nicht aus dem Auge verlieren. (Beifall.)
Reichstagsabg. Prof. Tr. R Eickhofs äußerte sich gegen die Bildung neuer Formen der Reformschulen und für die Verbreitung des Wesens der jetzigen Reformschulen und ihrer günstigen Ergebnisse. Kommerzienrat Borster brachte einige Bedürfnisse der Praxis zur Sprache: Es mangle vor allem die Kenntnis der Heimatkunde, deren Grundgesetze, der Verfassung re., ferner unserer wirt- schastlichen Verhältnisse, nicht minder sei die vollständige Unkenntnis des Auslandes, zum Beispiel die Entwickelung Englands rc., ein Mangel unserer Bildung. Borster empfahl durch kleine Werbeschriften die wellesten Kreise Über die Schulreformfrage aufzuklären. Unter lebhaftem Beifall betonte Dr. Gurlitt-Steglitz, daß die Kraft für die besten Dinge verloren gehe durch das intensive Lernen fremder Sprachen; er unterstützte das Verlangen des verstorbenen Professors Hermann Schiller, daß die Stilimitation aufhören müsse; ein tieferes Eingehen auf die kulturellen Werte sei wichtiger, als daß man ut, quin und ouominus richtig behandeln lerne.
Hierauf wurde einstimmig folgende Resolution beschlossen:
„Der Verein für Schulreform erlernt! dankend die Bemühungen der preußischen Unterrichtsverwaltung für die bisherige Durchführung der Gleichberechtigung an, giebt aber gleichzeitig der Hoffnung Ausdruck, daß die Zukunft eine völlige .Gleichstellung der höheren Lehranstalten bringen werde."
Den welleren Gegenstand der Verhandlung bildete die Schulreform in Berlin. Das Referat hatte Reichstagsabg. Pros. Dr. Eickhofs-Remscheid übernommen. Zwei Wege sind möglich: Entweder hebe man die Sexta und Quinta der Realschulen auf und stelle eine organische Verbindung mit den Gemeindeschulen her; oder man lasse das System fallen und beginne mit dem Französischen schon üt Sexta. Rach Einführung der 8. Volks schulklasse ist ja das Prinzip, aus dem die Berliner Realschule aufgebaut ist, an sich durchbrochen. Prof. Eickhoff gab zwei Wege für eine Berliner Schulreform an: Einmal könne man (natürlich nach Er- riajtung des gemeinsamen französischen Unterbaus) diese ohne jene Realschule zu einer Oberrealschule ausbauen. Empfehlenswerter sei noch der andere Weg: Man verbinde mit einer Reihe von allen Realschulen den Mlltel- und Oberbau eines Realgymnasiums und gebe den so verbundenen Anstallen den bewährten Frankfurter Lehrplan. Daneben sollle die Berliner Schulverwaltung das Versäumte nachholen und die eine oder andere Vollanstalt allen Systems in ein Reformgymnasium Frankfurter Stiles um« wandeln, das in glücklichster Weise das alte humanistische und das zellgemäße reale Bildungsbedürfnis vereine.
Tann kam folgender Antrag zur einstimmigenAnnahme: „Ter Verein für Schulreform richtet im Anschluß an das Referat von Prof. Dr. Eickhofs an die Stadt Berlin eine Eingabe, um sie zu erneuter Prüfung der Schulreformfrage und der Einführung von Resormschulen in Berlin aufzufordern."
In den Ausschuß wurden neugewählt Generaldirektor v. Oechclhäuser und Abg. Prof. Eickhosf.
Gerichtssaat.
W. (Sieben, 21. April. Strafkammer. Wegen versuchter betrügerischer Erpressung Halle sich gestern der 60 Jahre
alte, gut situierte Landwirt K. R. von Almenrov vor der Strafkammer zu verantworten. Ter Angeklagte war seinerzeit vom Schöffengericht wegen Körperverletzung, die er gegen einen gewisse« Wegwan begangen halte, mit einer Woche Gefängnis bestraft worden. Ter Verletzte hatte in jener Verhandlung erklärt, daß et den R. wegen der Körperverletzung nicht zur Anzeige gebracht Hobe, und annehme, daß dies vom schmied Ltstinann geschehen sei. Ter Angeklagte hat nun an diesen nach der Verhandlung einen Bnef geschrieben, worin er jenem unter dem Motto: ,'bste Tu mir, so ich Tir' mitteilte, daß er dessen Sohn wegen Diebstahls oder Unterschlagung bei der Staatsanwaltschaft anzeige, wenn er, der Vater, ihn nicht wegen der 100 Mk. betragenden Konen der Köroer- verletziingSsache entschädigen würde. Ter Angeklagte sagte, daß e4 ihm mit seinem Briese nicht daraus angenommen sei, von Listmano Geld zu erhalten, sondern daß das Schreiben bezwecken sollte, diese« abzuhatten, gegen ihn im Torie Reden zu führen. In der Verhandlung wird durch die Vernehmung Listmanns und des Gendarmerieivachtmeislers, der die Anzeige betrieben batte, fesp gestellt, daß der erstere an der Bestrafung des Angeklagten wegen Körperverletzung gänzlich unbeteiligt war. Ter Gerichtshof verurteilte R zu 3 Wochen Gefängnis, die Milde des Urteils damit begründend, daß dieser bis zu fernem 60. Lebenswahre mit dem Strafgesetz nicht in Konflikt gekommen sei. — Der Arbeiter G. A. L. von Bockenhelm, zuletzt in Bad Nauheim wohnhaft, und der Händler V. T. von Offenbach, beide 25 Jahre alle, schon mehrfach wegen Unterschlagung und Betrugs oorbeiirafte Menschen, verfolgen Berufung gegen ein Urteil des Schöffengerichts Bad Nauheim, dal sie wegen Betrugs zu 4 Atonalen Gefäiignis verurteilt hat. L. will zu Unrecht schuldig befunden worden sein, während T. wegen zu hohen Strafmaßes an die höhere Instanz appelliert. Ader auch der Vertreter der Staatsbehörde hat die Berufung verfolgt. Ter Tatbestand, um den es sich dreht, ist nach der Beweisarnnahme der folgende: Im vergangenen Jahre hatte in Bad Nauheim der Inhaber einer Bierwirstchaft fchlechie Geschäfte gemacht; er geriet auf die schiefe Ebene und der Gerichtsvollzieher ivar häusiger Gast bei ihm. Zu seinem Unglück wurde der Wirt mehrere Wochen bettlägerig krank, und da erbot sich der bei ihm Öfter anwesend« Angeklagte L, ihn auS Freundschaft in der Wirtschaft zu oemeteu. Ter Witt erklärte, dies dankbar annehmen zu wollen, jagte aber gleich, er könne dem Helfer in der Slot weiter nichts bieten al« Wohnung, Essen und Trinken. Wenn er damit zufrieden fei, könne er ja sich nützlich machen. L., der keine Arbeit hatte, war damll einverstanden. Er merkte bald, wie es mit den Verhältnissen deS Wirtes stand, und ebenso der Mitangeklagte D., der auch Öfter in der Wirtschaft verkehrte. Tteser letztere ersuchte nun den vollständig ausgepfändeten Wirt, ihm feine wenigen, der Psänduna nicht unterliegenden Habseligkeiten zum Schein zu vettaufen. Trotzdem dec von seinen Gläubigern arg bedrängte Wirt vom Gerichtsvollzieher auf fein Befragen den Bescheid erhalten hatte, daß er ihm von den noch pfandfrei gelassenen Gegenständen kein Stück mehr nehmen würde, ließ sich der Wirt, der nebenbei bemerkt, immer noch leidend war, von den beiden Angeklagten bestimmen, den Rest seiner, für ihn und feine Familie so notwendigen Habe an T. zum Schein zu vettaufen. Ende September vorigen Jahres wurde bann zwischen den Angeklagten verabredet, daß D. auf seinem Wägelchen die »hm scheinbar übereigneten Sachen nach Offenbach mitnehmen sollte, wohin der Wirt mit seiner Familie ziehen wollte, um sich eine neue Existenz zu gründen. Dian packte — es handelte sich m dec Hauptsache um Wäsche und Kleider —, diese in einen Koffer und einen Wäschekorb, die beide fest verschlossen und auf T^s Wage« geladen wurden. Kurz vorher suchten die beiden Angeklagten den Wirt zu bestimmen, die Sachen an den Angeklagten L. in der Weise zu verkaufen, daß er diesem ein Schriftstück unterschrieb, worin er anerkennt, jenem für rückständigen Lohn 15 Alk. schuldig zu fein, wogegen er ihm der Inhalt des Koffers und des Reifekorbes als Eigentum überlasse. Man redete dem Wirt ein, diese Manipulation sei zum Schein nötig, damit nicht noch im letzten Moment em Gläubiger komme und Koffer und Reifttorb pfände. Tie Angeklagten machten, nachdem ihr Tnk geglückt war, zweifellos Kippe und verkauften die Sachen in Frankfurt a. M. L. will dem Gerichtshof glauben machen, der Handel, den er mit dem Witt geschlossen habe, sei echt gewesen und er habe noch Lohn zu sordern gehabt. Was der Witt von dem Scheinvettaus rc. sage, fei nicht wahr. D. will von feiner» Genossen L. in Frankfurt nur 6 Mk. al8 Fuhrlohn erhalten haben. Die Strafkammer war der Ansicht, daß die Feslstelluiigen der Vorderrichlers in keinem Punkte in der erneuten Verhandlung erschüttert seien. Es handle sich nicht nur um einen Betrug, den beide Angeklagte gemeinsam auSgeführt hätten, sondern dieser Betrug sei planmäßig mll großem Raffinement ausgeführt worden. Die Angeklagten seien beide äußerst gemeingefährliche Menschen, welche der ehrlichen Arbell aus dem Wege gingen, sie hätten stch demnächst noch wegen eines gemeinsam ausgefübnen schweren Tieb- stahls zu verantworten. Es sei der Berufung oes Staatsanwaltes stattzugeben und das vom Vorderrichter erkannte Strafmaß von 3 Monate gegen jeden der beiden Angeklagten um 2 Monate zu erhöhen. Besonders schwer wiege auch der Umstand, daß die Angeklagten sich einen bedauernswerten, in VermÖgensoersall geratenen Menschen als Opfer ihrer betrügerischen Handlung aus- ersehen hätten und diesen um ferne wenige aUcmotroenbigfle Hab« betrogen hätten.
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stellerische AuSmünzung ihrer Pattie gar verlegen war. Freilich läßt sich aus dieser blassen und farblosen Hosenrolle darstellerisch nicht viel holen. Den Regisseur der dem geistreichen französischen Schwanke .Reveillon' (Neujahrsscherz) für den Wiener Vorstadtgeschmack mit merkwürdigem Geschick fürs Triviale nachgedtldeten KarncoalSinlrigue, den Dr. Falke, spielte und sang Herr Gehring ganz munter.
Die bunten Figuren des zweiten Aktes waren zumeist von gesunder Lebendigkeit, obwohl tm musikalisch tadellos sicheren Chor hm und wieder, wie z. B. während des reizenden Lachliedchcns AdelcnS, mehr individuelles Leben hätte herrschen können. Der flott gesungene und getanzte Schlußwalzer tat seine volle Schuldigkeit. Das Zusammenspiel des Ensembles aus der nordischen Phönikersladt unweit Drewenz und Drausensee war durchaus angemesien, flott und munter und ließ em sorgfältiges Studium erkennen, und gelegentliches verspätetes Erscheinen oder ein paar Taktwidrigkeiten zwischen Sänger und Orchester beeinträchtigten kaum die im ganzen äußerst günstige Wirkung der Vorstellung. P. W.
— Erinnerungen an Johann Strauß. Joh. Strauß war, so erzählt der Cellist S. Bürger, eine echte Künstlerseelc, immer gütig und zuoorkouimend und dabei bescheiden, jeder Verherrlichung, deren er in der ganzen Welt teilhaftig ward, möglichst aus dem Wege gehend. In seinem reizenden Wiener Heim, sowie in Ischl fanden sich täglich Verehrer und Freunde seiner Kunst, sowie seiner so reizenden Persönlichkeit zusammen, und wie oft mußte er von seinem geliebten „Tavock" aufstchen, nm den neu Ankommenden einige verbindliche Worte zu sagen. Jedoch sofort kehrte er an den Kartentisch zurück, um sein „Blatt" zu kontrolieren, und eine kindische Freude hatte er, wenn er seinen Partnern einen Ultimo oder gar, wenn die Spielwogen hoch gingen, einen Solo abgewinnen konnte. Es wurde stets Jn dem ansehnlichen Satze von zwei Kreuzern per Potnt
gespielt, und wie freute sich Meister Johann, wenn er seine Spielmarken gegen die Unsumme von 60 oder 80 Kr. am Schlüsse des Spiels einlösen konnte — das war ihm lieber als so mancher künstlerische Erfolg. Auf der Veranda seiner Jschler Villa, die früher der gräflichen Familie Erdödy gehörte, sanden sich täglich, „06 schön, ob Regen", Punkt 4 Uhr die Tarockgetreuen ein; da war der erste der Schwiegerpapa Teutsch, Vater der Frau Adele Strauß, stets über sein Verhängnis klagend, von den elendesten Karten heimgesucht zu werden, worüber sich Herr von Dösendorfer königlich amüsierte, der den „S-chwtegerpapa" beim Spiel, zur höheren Belustigung Meister Sttauß', mit seinen urdrolligen Bemerkungen stets neckte. Tann kam der Meister vom hohen Tarockstuhl, der Schwager Simon, dessen Devise: „Jede Partie muß gewonnen werden." Wie viel Vorwürfe bekam da Meister Strauß zu hören, und wie bescheiden versprach er, sich zu bessern und nie mehr so grobe Fehler zu begehen. Auch Sektiottschef von Doczy war manchmal von der Partte, und wenn gar der Humottst Julius Bauer kam, da gabs Wort- und Kartenspiele, amüsanter als manches Theaterstück An jedem Sonntag war Diner bei Strauß, und da sartd sich eine höchst interefsante Gesellschaft ein. Als einer der Getreuesten kam der intim befreundete Meister Johannes Brahms. Tie Gemütlichkeit war ja beiden Johannes eigen, nur mußte sie bei Johannes dem Ernsteren erst ein wenig angefacht werden, und das verstand man im Hause Sttauß vorttefslich. Am Schlüsse der Tafelfreuden war Brahms so fröhlich gestimmt, daß er ganz jovial wurde, fick) oftmals selost ans Klavier setzte und Straußische Walzer oder Operettenmelodien spreite. Unvergeßlich wird der Moment bleiben, als nach einem dieser köstlichen Tiners Brahms mit Sttauß oierhändige Walzer spielte, das ging in die Füße, und nur die heilige Scheu vor diesen beiden Heroen der Musik ließ die Gesellschaft bei diesen prickelnden 3iht)lhmen ruhia bleiben. An einem dieser Diuerrage harrte jedoch der^beiden Meister eine unliebsame lleberraschung. In aller Stille wurde ein Photograph mit feinem Apparat geholt, und als die beiden
Meister gemüllich auf der Veranda ffnnben, bat sie plötzlich flehentlich ein Mann mit einem schwarzen Tuch über dem Kopf, doch „ein recht freundliches Gesicht" machen zu ivollen. Tie Beiden ergaben sich in ihr Schicksal, und so entstand das bekannte Bild „Brcchms und Sttauß". Ganz beglückt schien Johann Sttauß, wenn ernste Musik in seinem ^alon gemacht wurde. Mehrmals hatte ich das Glück, dem verehrten Meister Werke von Beethoven, Brahms, Grieg, Schubert vorzuspielen, meine Partnerin war meistens die Pianistin Ilona Eibenschütz; auck) mit den Mitgliedern be8 bekannten Kneisel-Quartetts aus Boston spielten wir mehrmals rein klassische Musik, und stets war Ltrauß von bie;er Kunstgattung begeistert und danvtv gerührt für die Aufmerksamkeit. Ta schlich sogar Brahms auf den Fußspitzen, wie es so seine Art war, in den Salon, und bot sich gar einmal an, mit uns gemeinsam zu musizieren — das waren herrliche Stunden, die jedem Teilnehmenden unvergeßlich bleiben werden.
— Frankfurt, a. TL 20. April. Tie Komödie ,Tei Schlachtenlenker' deS englischen Dichters Bernhard Shaw, deutsch von Siegfried ä.rebilfch, fand bei der hiesigen Auffühiung nur geringen Anklang. Shaw stellt Napoleon Boua- pane einer Spionin halb licbcgirrenb, halb al4 Tyrann ziemlich unnatürlich gegenüber. Unsere Tarstcller spielten manieriert, statt zu mildern, sodaß das Publikum schließlich ermüdeie und das Stück ablehnie. — Von Schnitzlers .Leyte 'JJ< asten* und .Literatur', die ebenfalls in Frankfurt zum ersten Male gegeben wurden, wurde das erste wenig freundlich, das andere beifällig aufgenommen.
— Man schreibt aus Darmstadt vom 20. d. M.: Im Goethe-Bund hielt Ministerialrat Tr. Best einen uitcrefian- ten Vonrag über ,Tas Urheberrecht an Werken der Literatur und Der bildenden Kunst'. Ter Aiännerchor .Humanstas' veranstaltete un städtischen Saalbau zu Besten des Frauen-Schtller-Bundes ein Konzert, baS sich eines statten Besuches erfreute. Tie Leistungen deS von Tr. Prelinger geleitete» Vereins und die Darbietungen der Stonjcriiängcrm Frl. Bellwidt aus Frankfurt und deS Pianisten Karl Friedberg au5 Frankfurt fanden verdienten Beifall.


