Ausgabe 
22.1.1903 Viertes Blatt
 
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idi cmcm Gegner zu einem Freunde der Diäten geworden, weit ich auck Mr in ein wirksames Mittel Zur Bekämpfung der Sozialdemokratie setze.

Ich tonnne noch mir wenigen Worten aus unsere auswärtige Politik. Wenn der Reichskanzler meinte, die Ausschreitungen der englischen Preise gegen Deutschland seien nur die Antwort auf die Angriffe der deutschen Presse gegen England während des Voeren- trieges, so ist das eine Liebenswürdigkeit gegen England auf .Kosten des eigenen Landes. Die englischen Angriffe gegen Deutschlaitd sind viel älteren Datums. Unsere Freundschaft mit England tzat uns bisher noch keinen Vorttzeil in der Politik gebracht; im Gegcn- theil, England hat dabei immer nur profitirt. In der Samoafrage bat es Jahrzehnte lang unsere Rechte geschmälert, in der Sansibar angelegenheir und in dem Dangtsevcrtrage hat es auch den Löwen- anttzeil davongerragen. Das; die Boerengenerale nicht, wie ur­sprünglich beabsichtigt war, von dem Kaiser empfangen Ivurden, haben wir auf das Tiefste bedauert. Tie Generale haben mich persönlich versichert, das; die Schuld an ihnen nicht läge. Run, off teil hat man sie nicht empfangen, aber von der Bevölkerung sind üe empfangen worden, wie noch lein Fürst seit den Zeiten Wil­helms I.

Redner fragt zum Schlug an, ob die Berschönerungskommissioir des Reichstages dem Standbilde Kaiser Wilhelms I. nicht einen an­deren Platz anweisen kann als in der Mitte der großen Wandel­halle.

Reichskanzler Graf Bülow: Ehe die Debatte zu Ende geht, möchte ich auf einige Punkte zurückkommen, die im Laufe der Be- rathung zur Sprache gebracht sind.

Herr v. Kardorff schien mit dem Marginal nicht einverstanden zu sein, das der Kaiser dem Bericht des Fürsten Radolin über eine Un'-rreduna mit dem früheren französischen Handelsminister Mille = rano beigefügt hatte und welche? ich gestern vorgelesen hatte. Das Herr. Marginal lautet übrigens nicht:Richtig, und wie bei uns." wie Herr v. Kardorff zu meinen scheint, sondern es bezieht sieh auf die Stelle:Herr Millerand verfolgt die Hebung der unteren Klassen, wozu die Bourgeoisie nicht allzu sehr geneigt ist" und lautet wörtlich:Richtig! Und so überall!" Ich bin weit davon entfernt, zu bestreiten, das; gerade in Deutschland das Bürgerthum, das Unternehmerlhum viel geleistet har für die Hebung der unteren Klassen und daß es thatträftig mitgewirkt hat an dem Ausbau der sozialen Geseßgeöüng. Aber es liegt in der menschlichen Natur und dem menschlichen Egoismus, daß jede Gesellschaftsschicht nur ungern Opfer bringt zu Gunsten einer anderen, und deshalb ist es die Pflicht des Staates, hier ausgleichend einzugreifen. Wir müssen verlangen, das; die Arbeitsleistung als solche derart ist, das; die Kon kurrenzfätzigtei!' der Nation auf dem Weltmärkte nicht beeinträchtigt wird. Aber wir müssen verlangen, daß die Arbeitgeber und Unter­nehmer daran mitwirken, daß die Klassendifferenzen zusammen schrumpfen, daß die ärmere Klasse wohlhabender wird, mit einem Wort, daß ein sozialer Aufschwung bei uns vorhanden ist. Das ist mein sozialpolitisches Bekenntnis;. Das ist die Ansicht der verbün beten Regierungen, und dieser Ansicht hat der Kaiser Ausdruck ge­geben in jenem Marginal, das Ihnen vorgelesen zu haben ich nicht bedauere.

Nun einige Worte zu den Schlußausführungcn des Abg. Richter, in denen ja zweifellos das Schwergewicht seiner Rede lag. Das pflegt bei den Reden des Abg. Richter meist so zu sein: Milde und beinahe sanft fängt er an, aber das dicke Ende kommt gewöhn­lich nach. (Heiterkeit.) Ich erkläre mit rückhaltloser Offenheit: In jedem lonstitutionellen Staatswesen sind die Minister und ist namentlich der leitende Staatsmann genöttzigt, mit der Individua- liiert des Monarchen zu rechnen. Wie unter uns Allen, so giebt es auch unter den Fürsten schwächere und stärkere Individualitäten. Je stärker und ausgeprägter die Individualität eines Monarchen rst, um so mehr wird er geneigt sein, Einfluß zu gewinnen auf den Gang der Staatsgcsehäftc, theilzunehmen nn den Staatsge­schäften. Daß dadurch einem Verantwortlichen Minister seine Auf­

gabe nicht erleichtert wird, darin hat der Abg. Richter recht, und deshalb habe ich zu den diesbezüglichen A' die er machte, genickt. Aber auf der anderen Seite wc £>

nicht vergessen, daß eine starke, ausgeprägte und begab \-

lität eines Fürsten für ein Volk von nicht zu unter;ch tzr

großem Vorrbeil ist. Wenn Sie sich davon überzeu so

gehen Sie ins Ausland. Ich habe lange Jahre mei im

Auslande zugebracht und ich habe iit ausgesprochen .jsch

regierten Ländern sehr Viele gesprochen, die sich na rfer

acccnhiirten Monarchen sehnten. Auch diejenigen dem

Gang unserer Politik nicht einverstanden sind, sollten uuu. . un= gerecht sein für das thatlräfiigc Streben, für das redliche Wollen unseres Kaisers, für den großen Zug in seinem Wesen, für seinen freien, vorurtbeilslosen Sinn. Ich sage das ohne jeden Byzantinis­mus. Was Sie ihm auch immer vorwerfen mögen, ein Philister ist er nicht. (Große Heiterkeit.; Angriffe, motivirte oder unmoti- virte, luic sie in diesem Hause in sehr geschickter und gewählter Form der Abg. Richter gegen die Stellung der Monarchie gerichtet hat, sollten geeichter werden gegen den Minister uni) nicht gegen den Monarchen. Das innerste Wesen des konstitutionellen Staates besteht darin, daß der Monarch staatsrechtlich nicht verantwortlich ist. Wenn Sie also Angriffe erheben wollen gegen irgend eine Handlung des Monarchen, so sind sie zu richten an die Person des verantwortlichen Reichskanzlers (Cache 11 bei den Soz. Zurufe: Es wird uns ja das Sprechen verboten!), sie sind zu richten gegen die Minister. Ib wüßte mich nicht zu erinnern, daß ich mich dieser Verantwortlichkeit je entzogen hätte, und wenn ich.diese Verant­wortlichkeit zu tragen nicht mehr im Stande wäre, so würde ich nach den von mir abgegebenen Erklärungen nicht pro forma, son­dern in Wirklichkeit und mit dem einzigen Streben, dem Lande so zu dienen, wie es unter den gegebenen Verhältnissen meine Schul­digkeit ist, - würde ich dem Zwiesvalt in der Auffassung zivi- schen dem Monarchen und mir dadurch ein Ende machen daß ich S->. Majestät bäte, mich in Gnaden meines Amtes zu entheben. So lange ich aber an dieser Stelle stehe, bitte ich, für etwaige An­griffe nicht die Allerhöchste Person zu wählen, sondern meine Per­son, und die Angriffe gegen mich zu richten. Ich bin überzeugt, daß, wenn Sie sich diese staatsrechtliche Auffaffung zu eigen machen, der Gang der Staatsgeschäfte dadurch nur vortheilhasr beeinflußt werden kann

Ich komme nun noch zu einigen Bemerkungen des Abg. Lieber­mann von Sonnenberg. Unter den Achivi, von denen ich gestern sprach, steht der Abg. Liebermann von Sonnenberg in allererster Linie. (Große Heiterkeit.) Wenn er aber gesagt hat, daß zur Zeit, wo Fürst Bismarck die Geschicke des deutschen Volke? lenkte, nie Hu Gegensatz zwischen Volk und Regierung bestanden hätte, so ist das vollständig unzutreffend. Im Jahre 1866 hat Fürst Bis­marck zu kämvfen gehabt mit der großen Mehrheit de? deutschen Volkes und auch später. Ich erinnere nur an die Vattenberger- Epiiode. Er hat sich oft genöttzigt gesehen, das Interesse des Landes zu stellen über porübergetzende Wallungen der öffentlichen Mei- nung. (Sehr richtig!) Das war auch unsere Aufgabe gegenüber dem südafrikanischen Krieg und auch während des Besuchs der Boerengenerale in Berlin, auf den einzugehen ich mich durchaus nicht scheue.

Ter Empfang der B o e r e n - Generale beim Kaiser war dem Kaiser durch mich vorgeschlagen worden unter zwei ausdrücklichen Bedingungen. Einmal, daß sich die Boeren-Ge- neiale auf deutschem Boden jeder antienglischen Agitation enthielten, und dann, daß sie als englische Staatsangehörige die Audienz nach­zusuchen hätten durch die Vermittelung des englischen Botschafters. Der Boeren-General De Wet hatte diese Bedingungen für sich und seine Kameraden angenommen. Ich kann unseren Mittelsmann, unseren Gewährsmann nickt nennen, aber ist kann Ihnen versichern, daß es eine durchaus glaubwürdige, loyale und achtungswerthe Per- sönllcheit ist. Von demselben Gewährsmann wurde uns einige Wochen später mitgetheilt, daß bei den Boeren-Generalen eine plötz­

liche Sinnesänderung cingctrefcn sek, daß sie es nicht mehr für uothig hielten, die Audienz ihrerseits beim Kaiser nachzusuchen, sondern daß sie es richtiger fänden, wenn der Kaiser sie kommen ne;;e. (Hört! hört!) Unter diesen Umständen konnte nach dem, was ich eben dargelegt habe, von einer Audienz derselben beim Kaiser nicht mehr die Rede sein, und es konnte auch ihr Empfang bei den amtlichen Stellen nicht mehr in Frage kommen.

Und nun möchte ich noch ganz kurz einoehen auf eine Senter* tung des Abg. von Liebermann oder vielmehr auf eine Aeußerung meines verehrten Freundes von Kröcher, die er sich zu eigen gemacht hat: über die zu große Liebenswürdigkeit und Freundlichkeit unserer auswärtigen Politik. Merkwürdig ist nur, daß, während uns hier von gewisser Seite vorgeworfen kvird, wir wären zu liebenswürdig, wir in jedem Augenblick in ausländischen Blättern zu lesen be­kommen, wir wären im höchsten Grade unlicbenswürdig. kHeiter- lcit.) Das Eine ist so unrichtig wie das Andere,insbesondere ist es eine vollständig falsche Auffassung, daß wir uns irgend Jemandem an den Kops werfen. So hysterisch sind luir gar nicht angelegt < >roye Heiterkeit). Wir haben es auch gar nicht nöthig, irgend­wie aufdringlich bei aitbcrcn Nationen um Liebe zu werben. Wir vraucheil Niemaiiden, wir lwaucheii die Anderen nicht mehr wie die Anderen uns _ brauchen, und wir denken garnicht daran, für irgend jemandes schöne Augen irgendwelche realen deutschen InterepeU zu opfern. Aber jeder Kaufmanii wird Ihnen sagen tonnen, daß Geschäfte nicht nothwendig mit schlechter Manier ge» führt zu werden brauchen. (Sehr richtig!, Grobheit ist

doch nicht Wurde und Kratzbürstigkeit ist nicht Festiq-

*el- nrt®*n ewiges Keifen. Schelten mtb Schimpfen

und Nörgeln über das Ausland, wie ich e-5, g(üd>

hdjer Werse nur selten, in deutschen Blättern lese, ist doch kein Beweis Tur richtiges Nationalbewußseiii. Chauvinismus und Vaterlands­liebe sind noch lange nickt identische Begriffe. (Sehr wahr!) Wenn die Kunst eines Ministers des Aenßeru lediglich darin be­stände, von Zelt zu Zeit mit der Fällst auf den Tisch zu schlagen, dann ja dann könnte Mancher Minister des Auswärtigen sein. (Große Heiterkeit.) Unsere Ailfgabe liegt nicht darin, daß wir ivie die Indianer bei jeder Gelegenheit den Tomahawk schwingen, und heute diesen, morgen jenen fremden Skalp verlangen. Die Zelten, wo der Deutsche im Auslände und gegenüber dem Auslände zii besckeideil auftrat, die Zeiten sind, 'Gott sei Dank, vorüber, und Sie können versichert sein, daß ich sie nicht wieder herbe,führen werde. Wir wollen es aber auch nicht machen mic der Bauer in der Fabel, der, nachdem er auf der einen Seite vom Gaiil herlintergefallen war, nun schleunigst dafür sorgte, daß er auch auf der anderen Seite heriinterkollerte.

Wir wollen nicht in Fehler verfallen, die wir Anderen ost als Hochmuth und Ueberniiith vorgeworsen haben.

Wir wollen, was ich einmal mit Bezug auf unsere Politik in Ost- aficit gesagt habe, wir wollen nirgendwo das Aschenbrödel spielen, aber auch nicht den Neiiommisteu, den Großsprecher, sondern den ruhigen, starken Mann, wie c§ einem Deutschen geziemt, der ohne jede Provokation und ohne jedes Malllheldeiith'.im sich und die seinen schützt. (Lebhafter Beifall.)

Abg. von Kardorff bemerkt einer Aeußerung des Abg. von Liebermann gegenüber, daß er ihm viele tausend freikonservative Wähler zeigen könnte, die ebenso dächten wie er.

Abg. v. Liebermann erwidert, cs sei doch ganz selbstverständlich, daß er ein Ackiver sei, denn er sei doch Mitglied des deutschen Volkes. Die große Heiterkeit bei der Rede deS Reichskanzlers sei also ganz ungerechtfertigt gewesen.

Hierauf vertagt das Haus die weitere Berathung au) Donnerstag 1 U h r.

Schluß oV Uhr.

Parlamentarisches.

Berlin, 21. Jan. In einem Artit.l mit der Neber schrift:Di e Beschränkung der Redefreiheit i nt Reichstage" bemerkt dieNat.-Ztg." zu dem Verhal­lten des Reichstags-Präsidenten Grafen Balte st rem: Sollte längere Zeit ein oerartiges Verfahren als statthaft anerkannt werden, so würde die Volksvertretung aufhören das wichtigste Organ der öffent­lich e n M e i n u u g zu sein und zu einem bloßen 2lppa- Tat für das Fertigmacheu von Gesetze;!, und Etats herad- sinken. Für die gestrige Verweigerung desjenigen Maßes von Redefreiheit, welches am Tage zuvor dem Zentrum .gewährt wurde, fehle diesmal ein Hinweis, wie er bei der Beratuirg des Antrages Kardorff vorgebracht worden sei.

Tos gestrige Verhalten des Reichstags-Präsidenten :Gvafen B a l l e st r e m gegenüber dem Abg. von Bollma r 'wird auch von den rechtsstehenden Blättern nicht ganz gebilligt. So sagt dieKreuzztg.": Die ungleiche Stellung des Präsidenten zu der Besprechung des Swinemünder Kaisertelegramms und zu der Krupp- Äsfärc lasse sich schwer rechtfertigen. Am besten wäre es freilich, wenn >vie früher eine Kritik kaiserlicher Kundgebungen überhaupt nicht zulässig wäre. Aehnlich äußerl sich diePost".

Berlin, 21. Jan. Tic Budget-Kommission des preuß. Abgeordnetenhauses hat heute ihre Beratungen mti denl Etat der Toinänenverwaltungen begonnen. Rach längerer Tevatte, in der Minister v. Pvdbielst'i die Not- Tage der Landwirtschaft hervoryoo, wurde der Etat in Einnahmen miö Ausgaben unverändert genehmig t.

Jiil Abgeordneten Hails e wird am Freitag aus S t o s fm a il gel" leine Sitzung abgehalten locrbcn. An diesem Tage wird die Budget-Kommiftion tagen, nm den Rest des tandwiiuschasllicheu Etats jit beraten, der alsdann lvieder zur zweiten Beratung ans Ple­num geh,. Der Gesetzentwurf betreffend die Vorbereitung zum yöhcren Verwatuingsdieust wird am Donnerstag nach der ersten Lesung einer Kommission überwiesen werden.

Stettin, 21. Ian. 'n. einer Proviuzial-Versamm- lung des Bundes Der L andwirte erklärte der Frei­herr von S tu gen he im auf eine Anfrage, das; er bei den wämsten Suhlen nicht lvieder kandidieren werde, den Z o s t tz im ;o? der Landwirte werde er aber weiter f ü h r e u.

,M ü u ch c n, 21. Januar. Die Erwid erung des Re ich. la: ch c r n au; die Ausführungen des Abg. Dr. Schädic S w i n c m ü nderTeleg r a m m des Kaisers an den gcuten sand derAllg. Jig." zufolge wegen seiner .?. losen Lschnheit nub wahrheitsgetreuen Dar­legung b . ganzen Angelegenheit.auch am b a h er i sch e n Hofe g r o gen A n t lang.

Lviidon, 2!. ch.n. c )raf B ü lotvs Rede lviro in hiesigen 7 mrnngsl^Ml v h r s y in pathis ch beurteilt, da sich i ei darnn da. g Standpunli durchaus mit Balfou . 2 m.Ölungen in seine .- Gu !eHall-Rede deckt. Seine Bemerk n.ber >i,i p l i u g wcroen in hiesige^ gebil­deten .-:t r i-dj.i if . o.it ii s ;i;;it durchaus g reilr. Auch die innn i ::i - ihn in n Ton deS ch.eichs-

kanzlers iy.e Anerkennung ,n vcchagen.

Jas neueste AttenLüt.

Konstantinopel, 21. Jan. Der Apothekerlehrling Agov H a t s ch i k i a n, der das Attentat gegen den arme­nisch-gregorianischen P a t r i a r ch e n O r m a n i a n verübte, stammt aus Grzerum. Ob er dem armenischen Komitee an­gehört, ist noch nicht festgestellt. Im ersten Verhör gab er an, er habe beabsichtigt, Ormanian zu töten, iveil dieser ihn seinerzeit habe nusweisen lassen wollen. Er scheint durch die Lektüre armenisch-revolutionärer Schriften und persön­lichen .Hast zu der Tat angeregt zu sein. Alle Straßen von Kum Kapn werden militärisch bewacht, um ein weiteres Attentat oder Kundgebungen seitens etwaiger Mitschuldiger Hatschikians, die übrigens ivahrscheinlich nicht vorhanden sind, zu verhindern. Zahlreiche Verhaftungen wurden vor- genommcu. Der Patriarch lvird Mittlvoch nach seiner Woh­nung in Pera gebracht werden können. Der Großvezier, Minister, Diplomaten und andere Würdenträger erkundigten sich nach seinem Befinden. In armenischen Kreisen loird Hatschikians Tat allgemein verurteilt, da Ormanian stets sein möglichstes zu gunsteu der Armenier bei der Pforte getan habe. Polizeilicherseits wirb auch bestritten, daß oem Patriarchen in neuerer Zeit Drohbriefe des armenischen Komitees zugegangen seien.

Heer und Flotte.

Dresden, 21. Jan. TasDresd. Journ." meldet: Gestern wohnte der Kronprinz in seiner Eigenschaft als kommandierender General des 12. Armeekorps im Neu- städtischen Kasino einem Vortrage über Maschinengewehr­abteilungen bei und beteiligte sich an dem anschließenden gemeinsamen Abendessen.

Stuttgart, 2i. Jan. Der kürzlich wegen Z w e i - k a in p s zu drei Monaten Festung, verurteilte General­major v. Paezenölh, Kommandeur der 52. Brigade, ist durch königliche Verfügung dieser Stellung ent­hoben.

Aus Studl mtb Zand.

** Personalncr ch richt e n. Verliehen wurde am 3. Dezember v. I. dem Eisenbahnsekretär und seitherigen Vorsteher der Verkehrskontrolle I der Königl. Preußischen und Großh. Hessischen Eisenbahndirertionen Mainz, Rech- nungsrat Friedrich Jannicke die Krone zum Ritterkreuz 2. -Klasse des Verdienstordens Philipps des Großmütigen, dem Loiomotivführer in der Hessisch-Preußischen Gisenbahn- gemeinschaft Wilhelm Gunkel zu .Hanau das Allgemeine Ehrenzeichen mit der InschriftFür treue Dienste", dem Bahnwärter in der Hessisch-Preußischen Eisenbahugemein- schast Christian Dickel zu Hergersdorf das Allgemeine Ehrenzeichen mit der InschriftFür treue Dienste" aus Anlaß ihrer Versetzung in den Ruhestands ferner dem Werk­stättenarbeiter in der Hessisch-Preußischen Giscnbahugemein- jchaft Valentin Vnrt'art hi Bingen aus Anlaß seines Ausscheidens aus dem Staatseisenbahn-Werkstättendienst das Allgemeine Ehrenzeichen mit der InschriftFür treue Ar­beit". Ernannt wurde am 17. Januar o. I. der Geo­meter 1. Klasse Philipp Schmidr aus Darmstadt zum Katasteringenieur bei dem Katasteramt.

' . i 1.1chsban V. Am 9. Februar wird in .Halber­stadt an v.. ; i. iv o e 'N stelle

eine dem ReichSbanldirektorium unmittelbar untergeordnete Reichsbank stelle errichtet werden.

Grün berg, 19. Jan. Lehrer Jakob von Wetterfeld hat die Absicht, das Lutherfestspiel von Hans Herrig hier in der Turnhalle zur Aufführung zu bringen. Die durch den plötzlichen Tod des Dr. Busch erledigte Rektorats­stelle an der hiesigen höheren Bürgerschule wird durch Lehr- amtZassessor Bernius, seither am Nealgymnasium in Darmstadt provisorisch versehen. Am 18. d. Mts. wurde hier eine Vorturnerstunde des Bezirks Gießen abge­halten. Vertreten tvaren hierbei die Vereine Daubringen, Gießen (Turnverein" undManner-Turnverein"), Großen- Buseck, Großen-Linden, Grünberg, Heuchelheim, Klein-Linden, Krofdorf, Laubach, LaunSbach, Leihgestern, Lich, Lollar, Staufenberg und Wetzlar mit zusammen 38 Vorturnern. Nachdem der erste Bezirtsturnwart, Wigandt-Gießen, die Turner begrüßt, wurden, so lesen wir imGr. Anz.", unter Leitung des zweiten BezirkSturnwartes, Schmidt-Grün­berg, die turnerischen Hebungen vorgenommen, welche ein erfreuliches Bild turnerischer Leistungsfähigkeit darboten. Dann folgten einige Stunden in fröhlicher Geselligkeit im Wilden Mann" bei 9lnsprachen und Liederoortrögen. Gau- turmvart Will-Wetzlar sprach sich sehr lobend über die Tätigkeit des hiesigen Vereins aus.

Kleine M i 11 c i lu n g c n aus Hess en und den Nachbarstaaten. In Mainz stürzte ein als Dach­decker beschäftigter Arbeiter in der Wallaustraße vom Dache, wo er Reparaturen vorzunehmen hotte, in den Hof. Gr erlitt hierbei so schwere innere Verletzungen, daß der Tod sofort eintrat. Nach einer in Mainz eingetroffenen An­zeige ist ein junger Mainzer, der in einer sächsischen Stadt als Schauspieler engagiert war, mit der 19jährigen Tochter seines Direktors dlcrchgebrannt. In einem hinterlassenen Schreiben geben sie au, sich nach der Schweiz gewendet zu haben. In Frankfurt wurde der Gatteumörder Klotz­bach von der Polizei in der Schäfergasse sestgenommen. Klotzbach ist .*35 Jayre alt und stammt aus Lecbholz, Re­gierungsbezirk Kassel.

Dcnolte Meldnilgeii.

Originaldrahtmeldnttücn Les Giestencr Anzeigers.

Madrid, 22. Jan. Der Ministerpräsident erklärte das Gerücht, Spanien u n d E n g l a n d hätten sich vereinigt zu g e m e i n s a m c r A k t i o n t n Marokko, für falsch; ebeuso unrichtig sei die Nachricht von. der Berecnigung des Kriegs- und des Marineministeriums zu einem Ministerium. Der Herzog von De tu au ist schwer erkrankt und wird morgen mit deu Sterbesa kramen- t c n versehen werden.

I v h a n n e § b u r g, 22. Jan. Chamberlain und M i l» er hatten mit Grubenmrtreteru eine Besprechung zur Beschaffung von e i u g e b o r c n e n A r b e i t e r n. Cham­berlain versprach seinen Ginfluß im auswärtigen Amte dahin geltend zu machen, daß die Grenzen oeu übrigen afrikanischen Provinzen zur C.gtznzung des A'.oeiierstandes geöffnet werden.

Caracas, 22. Jan. Bei dem letzten Zusammenstoß der Rcgierungsrrupperi und der Aufstäudis. < n 1; t en die letzteren einen Verlust von 2CO Mann.

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