Instrukteur »gedient hat, ist in Plymvuth eurgetroffen und soll im Laufe der nächsten sechs Wochen nach Marokko- zurück kehren. Er- äußerte, die fanatische Erregung, welche in Marokko gegen die Europäer herrsche, sei der Einwirkung der gebildeten Klassen unter den Mauren zuzuschreö- ben, welche befürchten, daß mit der wachsenden Anzahl der ins Land kommenden Europäer der Handel ihnen verloren gehen werde. Ob Europa sich diese Behandlung dauerrid gefallen lassen wird, ist jedenfalls nicht anzunehmen. Ein Vorgehen Frankreichs in diesem Sinne würde von den Määten nicht mißgünstig angesehen werden.
Freilich hat Europa gerade jetzt kaum Zeitz sich mit den Kümpfen in Afrika sonderlich zu befassen, nachdem sich an der Türkei neuerdings die Lage auf das Bedenklichste zu gespitzt hat. Bulgarien will der Tragödie der Hinmordung der chrisllichen Bevölkerung in Macedouien nicht länger zusehen und verlangt kategorisch als Bedingung dafür, daß es noch länger das Schwert in der Scheide lasse, daß die Mächte den Grausamkeiten der türkischen Truppen Einhalt gebieten. Diese entsenden inzwischen an die Küsten der aufgewühlten Lande Schiffe auf Schiffe und 9tote auf 91ote mit Warnungen und Vorstellungen, grade an Bulgarien, um es vom Kriege zurückzu- halten. Die Situation ist äußerst gespannt, doch kann mau immer noch hoffen^ daß gemeinsame Schritte der Machte chre Wirkung nicht verfehlen werden. Die Mobilisierung neuer türkischer Armeekorps, von denen jüngst die Rede war, soll nicht erfolgt sein. Dagegen wird von türkischer Seite wieder einmal gemeldet, Boris S a r a f o w sei bei Monastir gefallen, sein Kopf sei von dem iljn tötenden Soldaten abgeschlagen und nach Monastir gebracht worden. Der betreffende Soldat erhielt vom Sultan mehrere Gnadenbeweise. Diese für die weitere Ge- .staltung der macedonischen Wirren außerordenllich wichtige Nachricht hat eine Bestätigung noch nicht gefunden.
In Wien, wo Kaiser Wilhelm II. dieser Tage bei Kaiser Franz Josef zu Gaste wellt, soll man bei den beiderseitigen diplomatischen Besprechungen über die Lage auf dem Balkan auf das entschiedenste für vollständige Wahrung der Suzerenität des Sultans eingetreten sein. Ob die ösireichisch-ungarische Reichseinhell in diesen Unterredungen auch zur Sprache gebracht worden ist, läßt sich jawohl annehmen. Auch das neueste Arme em anife st des östreichischen Kaisers dürfte zu privaten Gesprächen viel Stoff geliefert haben. Diese überraschende Kundgebung, in der der greise östreichische Kaiser den Aerstückelungs- absichten der Äiagyaren gegenüber mit unverhüllter Deut- lichkell auf seine Rechte als oberster Kriegsherr pocht, die es ihm niemals gestatten werden, Bestrebungen zur Lockerung des einheitlichen ostreich-ungarischen Armeegefüges zu fördern, hat unter den ungarischen. Parteien gewirkt, wie der Dtttt in den Ameisenhaufen. Aber es wird bereits von oben her Oel auf die wilden Wogen gegossen. Das offiziöse „Ung. Wien. K'.-B." meldet: „An maßgebendster Stelle beri'chrt es schmerzlich, daß ein Dell des Armeebefehls in der öffentlichen Meinung Ungarns solche Auslegung findet, die den Intentionen au allerhöchster Stelle nicht im Entferntesten entspricht. Der allerhöchste Kriegsherr beruhigte im Armeebefehl das Heer darüber, daß er eine Zerreißung im Sinne des Gejetzartikels 12 vom Jahre 1867 der gemeinsamen Armee nicht gestatte und ebensowohl im Interesse der Monarchie als auch der ^eigensten Lebens- interefsen Ungarns nicht gestatten werde. Dieser Armeebefehl, der nicht ein staatsrechtlicher Akt sei, präjudiziert jedoch nicht jenen im Interesse der Parllät wünschenswerten Abänderungen, welche die liberale Partei als notwendig erachtet, und welche der Ministerpräsident Graf Khuen-Hedervary in sein Programm ausgenommen hat. Die Äsung dieser Fragen bildet in maßgebenden Kreisen den Gegenstand von Erwgungen." — Das ungarische Abgeordnetenhaus wurde zum 24. September zu einer Sitzung einberufen. — Der ungarische Ministerpräsident Gras Khuen, der am Sonntag eine Audienz beim Kaiser Franz Josef .hatte, erklärt in einem Interview, daß sich die Situation durch den Armeebefehl absolut nicht geändert habe. Er versicherte, der Kaiser käme bestimmt wieder nach Budapest zurück.
Die englischen Diplomaten grübeln darüber, wie der Rückwärtsbewegung der wirtschaftlichen Wellherrschaft Englands begegnet werden könnte. Chamberlain glaubt den Schlüssel gefunden zu haben — es ist der Schutzzoll. Aber seine Kollegen und das Land find anderer Meinung und somll mußte es zur Sprengung des Kabinetts kommen. Man erwartet nun, daß mindestens ein Jahr vergehen wird, ehe es zu Neuwahlen kommt. Die Stabilität der Regierung sei dadurch erhöht, daß Chamberlain beschlossen habe, ihr fteier Agent zu werden. Der „Expreß" teilt mit, daß Balfour jetzt nicht daran denke, das Parlament aufzulösen, doch sehe die Regierung den Neuwahlen mit ernster Besorgnis entgegen. Das Chamberlainsche Blatt meint, daß der Rücktritt Chamberlains, die Zollpolllik, dre Kriegsenthüllungen und das Unterrichtsgesetz sehr gegen die Llllssichten der Regierung sprächen.
gefaßt habe, welche man nicht befolgen könne. Wenn Ihr die Resolution cnrnehmt, so sage ich Euch, der erste, der die Resolution mit Füßen tritt, ist Bebel. Warum also eine Resolution haben, mit der man doch nur das tut, was man so vielen anderen getan — eine Resolution, die man nicht halt. Warum uns die Tür verschließen, um dann durch ein Mauseloch hineinzukriechen? Wenn Ihr die Resolution annehmt, und darin z. B. alle Kolonialpolitik verdammt, so schlagt Ihr damll aller Geschichte Ins Gesicht, wie das Recht der höheren Kultur gegeirüber der niederen erwiesen hat.
M o l k e n b u h r: Sachlich sttmme er mll Bebel überein, aber einige Bemerkungen, wie Bebels Aeußerung, daß man in der Partei Komödie spiett, haben mich berührt wie eine Ohrfeige; denn kurz vorher bei den Wahlen hat ein bürgerlicher Kmrdidat dasselbe gesagt und Bebel war damals wütend und sprach von frecher Beschimpfung. (Hört, hört!) Auch die Aeußeruna Bebels, daß wir nie so uneinig gewesen seien wie jetzt, ist falsch Ich erinnere an Dühring, und in Breslau beim Agrarprogramm war zur Abwechslung Bebel einmal der Revifionist. (Heiterkeit.) Was die Hofgängerei betrifft, so ist sie nichts neues.
Der Parteitag nahm sodann den Antrag Bebel wie folgt a n:
Ter Parteitag fordert, daß die Frattivn zwar ihren Anspruch geltend macht, die Stelle des ersten Vizepräsidenten und eines Schriftführers durch einen Kandidaten aus ihrer Mitte zu besetzen, daß sie aber ablehnt, jegliche Verpflichtungen zu übernehmen, die nicht durch die Reichsverfassung oder durch die Geschäftsordnung des Reichstages begründet sind. Der Parteitag verurteilt ferner aus das Entschiedenste die revisionistischen Bestrebungen, sowie jedes Bestreben, die vorhandenen und stets wachsenden Klassengegensätze zu vertuschen, um die Anlehnung an die bürgerlichen Parteien zu erleichtern
Bernstein stimmte dagegen, ebenfo Elm, Hue, David. Die Zahlen sind: 288 für, 11 gegen dre Resolutton.
Die Parteifunktionäre werden Wied er gewählt. Bei der Wahl der Vorsitzenden erhäll Mehring 3 Stimmen (Heller- keit.) Der n äch st e P ar t e i t a g ist in Bremen Es folgt die Erledigung eines Anttages, Heine zu tadeln, well er dieMarburger Genossen, die nicht für Gerlach stimmten, im „Vorwärts" verhöhnt habe. Dr. Michels-Marburg wird noch etwas heftig, worauf der Antrag zurückgezogen wird.
Dresden, 20. Sept.
Ter Parteitag wurde heute geschlossen Die Maifeier wird in der bisherigen Art beibehalten Die Aufstellung besoldeter Parteisekretäre in Rheinland wird ab- gelehnt, ebenso der Antrag, die Frage des Generalstreiks auf die Tagesordnung des rrüchsten Parteitages zu setzen. Singer betonte in seinem Schlußwort, die Masse der Partei stehe fest auf dem Boden des Klassen- kampses.
Keer und Atotte.
Berlin, 19. Sept. In den letzten Tagen sind mehrfach Nachttchten über große organisatorische Veränderungen der Marine verdrecket worden. Speziell war davon die Rede, daß eine neue Marine-Station Danzig geschaffen werden solle. Die ,Nat.-Ztg." kann versichern, daß diese Nachrichten jeder Grundlage entbehren.
Wom sozialdemokratischen Farteitage in Dresden.
VI
Dresden, 19. Sept.
In der heutigen Sitzung wurde die gesttige Debatte festgesetzt. Als erster Redner sprach Kants ky. Dieser beschuldigte die Revisionisten, daß sie eine Annäherung an die bürgerlichen Parteien anstreblen. Er wandte sich ins- befonbere gegen die Aeuß eräugen des badischen Lanotags- Abg. Kolb, es sei möglich, die soziale Frage aus friedlichem Wege zu lösen. Wenn das Proletariat die Macht habe, dann wurde es dieselbe nicht mit einer bürgerlichen Partei teilen, sondern für sich selbst in Anspruch nehmen.
Nach ihm folgte Bernstein. Derselbe erklärte, wenn öie. bürgerlichen demokratischen Parteien sich mit den Sozialdemokraten einigen wollten, so liege es im Interesse des Proletariats und es wäre eine Pflichtvergessenheit, ein solches Bündnis abzulehnen. Er halte die Erledigung der sozialen Frage auf friedlichem Wege wohl für möglich. Ferner betonte er die Notwendigkeit, die Vizepräsidentenstelle im Reichstage zu verlangen. Durch die Besetzung dieses Postens würde der Partei kein Schaden zugefügt. Es fei im nächsten Reichstage noch mehr wie cm vorigen eine Ueberrumpelung zu befurchten. Die sozialdemokratische Partei müsse hierauf möglichst vorbereitet sein, mtb dafür mit aller Macht sorgen, den Posten zu erhalten. Die Sozialdemottatie habe chren großen Einfluß auf das Volk nur dadurch erlangt, daß sie sich von Stufe zu Stufe im Parlament mauserte und diese Mauserung habe nichts geschadet, sondern im Gegenteil genutzt, Redner wcurdte sich bann gegen die Resolution Bebel und gab den Rat, diese im Interesse der Einigkeit zurückzuziehen, da der Parteitag schon jetzt Beschlüsse
Ans Stadt und Land.
Gießen, 21. Sept. 1903.
* * Personalien. Se. Kgl. Hoh. der Großherzog haben dem Pfarrverwalter Ernst Kehr zu Romrod, Dekanat Alsfeld, die evangelische Pfarrstelle daselbst übertragen. — Das Ehrenzeichen für Mitglieder fteiwilliger Feuerwehren wurde verliehen den Mckgliedern der freiwilligen Feuerwehr zu Wimpfen a. B.: Ludwig Kahn, Gottlieb Gieß, Friedr. Hennige und Jakob Heinrich Klenk.
* * Das Großh. Regierungsblatt Nr. 48 enthält: 1. Verordnung, die Enteignung von Gelände für die Zwecke der Nebenbahn von Friedrichsdorf nach Fttedberg be- tteffend. Vom 12. September 1903. 2. Bekanntmachung,
die Anlegung des Grundbuchs betreffend Vom 10. September 1903.
* * Der neue Fahrplan der Eisenbahndirektion Frankfurt a. Nch gütig vom 1. Oktober ds. Js. ab, ist uns heute zugegangen. Darin sind folgende neue Bestimmungen für uns wesentlich: Die ab 1. Mai eingelegten Schnellzüge 101 und 104 Frankfurt—Marburg—(Halle) und zurück werden auch im Wücker beibehalten. Ebenso der ab 1. Mai täglich beförderte Personenzug 810, Marburg ab 858, Frankfurt an 1205. Der Personenzug 791a (Werktags) geht in Butzbach ab 610 und kommt in Gießen an 640. Der ab L Mai eingelegte Personenzug 647, Gießen ab 488, Betzdorf an 655 wird beibehalten. Auf der am 1. Oktober zur Eröffnung kommenden Strecke Laubach—Mücke werden in jeder Richtung vier Züge von der Strecke Hungen—Laubach durchgeführt. Der gemischte Zug 1033a, Londorf ab 650, Lollar an 730 (Werttags) erhäll in Lollar Anschluß an Personenzug 790 nad) Gießen und Frankfurt. — Der gemischte Zug 7543, Fttedberg ab 500, Gießen an 638 (Werktags) fällt aus; als Ersatz ist Personenzug 791a Butzbach—Gießen eingelegt. — Der Personenzug 531, Gießen ab 916, Fulda an 1147, ist auf 3 Minuten später verlegt und hat in Gießen Anschluß an den 4 Minuten spater als bisher eintreffenden D-Zug 74 von Hamburg erhalten. — Personenzug 514 verkehrt Gießen ab 832 (bisher 819), Gelnhausen an 1037 (bisher 1036) und erhält in Gießen Anschluß an den Schnellzug 123 von Koblenz. — Der gemischte Zug 1040 verkehtt Gießen ab 252 (bisher 240), Grünberg an 420 (bisher 416) und erhäll m Gießen Anschluß von den Zügen 634 von Köln, 626 von Fulda und in Lollar Anschluß vom Zrrge 796 von Fronhausen.
** Ei nenAufrufan dieakademischgebilde- ten Lehrer des deutschen Reiches versendet soeben der hessische Oberlehrerverein. Er lautet: Der unterzeichnete Verein hat vor zwei Jahren die Anregung zum Zusammenschluß aller deutschen Oberlehrer-Vereine zu einem deutschen Oberlebrer-Verbande und zur Gründung eines deutschen Oberleyrertages gegeben. — Eine vom sächsischen Gymnasiallehrerverein im Mai d. I. von Leipzig aus ergangene Umfrage hat gezeigt, daß die große Mehrheit der deutschen Oberlehrer-Vereine diesem Plane grundsätzlich zustimmt. Die deutschen Laubes-Vereine haben dabei gleichzeitig ihre Bereitwilligkeit ausgedrückt, Vertreter zu einer vorberaten
den Versammlung zu entsenden, die bei Gelegenheit der in Halle a. S. vom 6. bis 10. Oktober tagenden „Versamm- Urng deutscher Philologen und Schulmänner" stattfinden sollte. Die preußischen Vereine konnten diese Bereitwilligkeit nicht aussprechen, da zunächst die Stellungnahme der am 4. Oktober in Hannover tagenden preuß. Delegierten- Konferenz abzuwarten war. Da die Mehrzahl der preußi- chen Vereine der Gründung eines deutschen Oberlehrer- Verbandes auf ihren letzten Jahresversammlungen zugestimmt hat, ist mit Bestimmtheit anzunehmen, daß autf) die Delegierten-Konferenz einen günstigen Beschluß fassen wird. Unter dieser Voraussetzung ist aber, nach persön- 1 icher Erkundigung an maßgebender Stelle, als ziemlich icher zu erwarten, daß die Delegiertenkonferenz Vertreter zu den Beratungen nach Halle schicken wird. Mit dieser Entsendung der Vertteter ist baim die Gewähr gegeben, daß auch die durchaus erforderliche Beteiligung der preußi- chen Vereine bei den ersten grundlegenden Beratungen nicht fehlt, und daß ein das ganze Reich umfassender Verband geschaffen werden karm. Daher geht an alle Landesund Provinzial-Vereine die Aufforderung,, zu der vorberatenden Versammlung, die in Halle, Dienstag, den 6. Oktober 1903, nachmittags 3y2 Uhr, stattfinden soll, ihre Vertteter zu entsenden, denen es obliegen wird, einleitende Beschlüsse zu fassen. Gleichzeitig richten wir an alle Kollegen im Reiche — mögen sie seither schon für die Verwirklichung des Gedankens durch Wort und Schrift eingetreten fein, mögen sie nur stillschweigend zugestimmt oder gar Bedenken und Zweifel gehegt haben — die Aufforderung, zahlreich zu erscheinen und schon bei der Gründung durch ihren Rat das Werk zu fördern. Möge eine große Schar arbeitsfreudiger Kollegen zu ernstem Tun in 5zalle sich einfinden — das Ziel ist dieser Arbeit würdig. Im Auftrag des hessischen Oberlehrer-Vereins: Professor Block, Oberlehrer auc Realgymnasium zu Gießen.
Frankfurt a. M., 19. Septbr. An religiösem Wahnsinn leibet die junge Frau des Ausläufers Scherbel in der Bethmannstraße. Das unglückliche Weib sitzt den ganzen Tag in der Kirche und vernachlässigt ihren Hausstand vollständig. Vor einiger Zeck hatte die Frau die Gardinen in ihrem Zimmer in Brand gesetzt. Sie mußte jetzt, nachdem sie einige Wochen in der Irrenanstalt zugebracht hatte und auf den Wunsch ihres Mannes entlassen war, wieder in die Anstatt gebracht werden, da sich ihr Zustand verschlimmerte.
Wiesbaden, 19. Sept. Die beiden Chouffeure des Herzogs Broglie aus Paris, die vor 14 Tagen den Tüncher Kern bei Biebttch mit dem Automobil totgefahren haben und die Frau eines Doktors in Biebrich schwer verletzten, werden von der Staatsanwaltschaft steckbrieflich verfolgt. Die beiden Franzosen sind längst über die Grenze.
Keneral-Aersammtung Kesfischer Zimmermcister.
(Originalbericht des „Gieß. Älnz.")
I. Friedberg, 21. Sept.
Die diesjährige General-Versammlung des Verbandes H e s s i s ch e r Zi mm er m e i st e r sand heute im Hotel „Drei Schwester" hier statt. £>err Philipp Wi11mann - Tarmstadt berichtete als Vorsitzender über die Tätigkeit des Verbandes und besprach die verschiedenen, vom Vorstände im Laufe des verflossenen Jahres an das Großh. Ministerium gerichteten Eingaben. Täese betreffen in der Hauptsache die möglichste Einschränkung des General-Unternehmertums und die Einführung der Nvrmalholzprofile. In ihrem Antwortschreiben hat die Großh. Regierung die weitgehendste Berücksichtigung der Wünsche des Verbandes zugesagt. Der Vorsitzende ersuchte die Mitglieder, solche Fälle, in welchen den Zusagen Großh. Ministeriums nicht entsprochen werde, dem Vorstande zur Kenntnis zu bringen, damll dieser beschwerdeführend vorstellig werden könne. Im to eiter en Verlaufe seines Referates besprach der Redner das Ergebnis der in Karlsruhe stattgehabten Brand probe, bei der sich die Holztreppen vorvvrzüglich bewährt hätten. Es stehe in sicherer Aussicht, daß dieses Ergebnis der Brandprobe für die Zulassung der 5)olztteppen auch in Hessen von günstigem Einfluß sein werde. — Zimmermeister Mahr- Darmstadt berichtete über die Lage des Zimmer-Handwerks, worauf folgende Resolution angenommen wurde: „Die zahlreich in Friedberg versammelten Zimmermeister unseres Landes-Verbandes stehen auf dem Boden der Einführung des Befähigungsnachweises für das Bauhandwerk (Einführung obligatorischer Meisterprüfungen) und sprechen die Ditte an hohe Staatsregierung aus, daß den berechtigten Wünschen des Zimmermeister-Verbandes möglichst rasch Rechnung getragen werde." — Eine längere Aussprache entspann sich über die bei den Meister- und Gesellerchrüfungen gemachten Erfahrungen, und es wurden verschiedene Wünsche bezüglich der ferneren Art und Weise der Abhaltung dieser Prüfungen vorgebracht. Weiter beschloß die Versammlung, die am 24. und 25. Oktober in Hannover behufs Gründung eines Deutschen Zimmermeister-Bundes stattfindende „Allgemeine Deutsche Zimmermeister-Versammlung" durch drei Delegierte zu beschicken, und es wurden Herr W i 11 m an n- Darmstadt für oie Provinz Starkenburg, Werum - Budenheim für die Provinz Rheinhessen und Bücking-Alsfeld hierzu ernannt. Ferner wurde eine Eingabe an das Großh. Ministerium beschlossen, dahingehend, daß auch in der Provinz Oberhessen, wie dies bis jetzt schon in den Provinzen Starkenburg un d Rh euch essen der Fall ist, bei den staatlichen Submissionen die Treppen mit ch die Zimmerarbeiten eingeredütet werden und nicht in die Schrein erarbeiten, wie dies gegenwärtig vielfach üblich ist. An die sehr gilt besuchte General-Versammlung schloß sich ein gemeinschaftliches Diner an. Bei einem guten Tropfen Wein wurde die Stimmung immer animierter, und die rechte Sonntagslaune erreichte bald ihren Höhepuirkt, die sich noch bis zur Trennung lli vorgerückter Abendstunde erhielt. Die nächste Versammlung wird in Mainz ab gehalten.
Uerunschles.
* Dresden, 19. Sept. Wie die „Sächs. Arbtrzig." mitteilt, ist die vor einigen Tagen in Dresden verstorbene Gräfin Adele Oriola eine eifrige Sozialdemokratin gewesen. Seit einigen Jahren habe sie dem sozial- demottatischen Verein Dresden-^lltstadt angehori unb allen Vorgängen in demselben ein lebhaftes Interesse entgegengebracht, wenn sie auch nicht in der Oeffentlichkeit habe tätig fein können. Sie habe viele materielle Dpfer*für die Partei und für die Armen gebracht. Auf dem Münchener Parteitag im vorigen Jahre sei sie täglicher Gast gewesen. Damals habe sie sich in Bad Reichenhall zur Kur ausgehalten. Die Gräsin habe in den höchsten Gesellschaftskreisen und auch in der Hofgesellschaft verkehrt.
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