* Zermatt, 20. Sept. DerLustschiffer Spelterini unternahm gestern nachmittag den Aufstieg für seine beabsichtigte Fahrt über die Alpen. Das Luftschiff nahm zuerst seine Richtung nordöstlich auf die Mischabelhörner und fuhr über den Saafsee hin fort; daraus wandte er sich nach Südosten. Er landete heute nach 20stündiger Fahrt glücklich in Bignasco im Kanton Tessin. Der Ballon wurde heute früh von Mailand in der Richtung nach Bergamo gesehen.
• Seb st Mordversuch aus Lieb e zum Bräutigam. Am 26. Juni d. I. feuerte der Sattlergehilfe Karl Kreische gegen seine Braut, die Fleischselcherstochter Marie Kestler, zwei Revolverschüsse ab, brachte ihr aber glücklicherweise nur leichte Verletzungen bei. Dann richtete Kreische die Waffe gegen sich selbst und verletzte sich schwer, wurde aber wieder hergestellt. Kretsche verübte die Tat kurz bevor er sich wegen Diebstahls einer Uhr bei Gericht verantworten sollte. Am 9. Oktober soll sich nun Kretsche wegen des Attentats gegen feine Braut, sowie wegen Diebstahls verantworten, doch ist es fraglich, ob Marie Kestler als Zeugin erscheinen kann. Sie stürzte sich nämlich vor einigen Tagen aus dem Fenster der elterlichen Wohnung und zog sich schwere Verletzungen zu. Als Motiv des Selbstmordversuchs gab das Mädchen an, sie könne es nicht über da§ Herz bringen, gegen den Bräutigam auszusagen.
* Ein entmenschtes Weib. Frau Wiese aus Hamburg sitzt wegen Verdachts des Kindesmordes, des versuchten Gattenmordes und der Kindesunterschiebung in Untersuchungshaft. Die Wiese hat in den Letzten Monaten vor ihrer Verhaftung Säuglinge unehelicher Geburt gegen Geldabsindung an sich gebracht, indem sie den Müttern die falsche Tatsache vorspiegelte, sie sei in guten Verhältniffen und wolle die Kinder adoptieren. Es wird aber angenommen, daß sie diese Absicht nicht hatte, daß es ihr vielmehr nur darauf ankam, die Absindungssumme zu erschwindeln und sich der Kinder selbst möglichst bald zu entledigen. Verschiedene Säuglinge sind den Müttern wieder übergeben worden. Drei Kinder konnten aber trotz eifriger mehrmonatlicher 9iachforschung der Polizei nicht wieder auf* gefunden werden. Die Wiefe hat über den Verbleib der Kinder Angaben gemacht, die sich -als unwahr herausgestellt haben und ist jetzt überführt, daß sie die drei.Kinder, welche ihr lästig wurden, vorsätzlich mit Morphium getötet und dann im Ofen verbrannt hat. Ein unehe- liches Kind ihrer eigenen Tochter hat die Wiese wahrscheinlich auf demselben Wege beseitigt.
* Die neueste Heldentat der Miß Alice Roosevelt. Miß Alice Roosevelt macht andauernd von sich reden; die amerikanischen Blätter haben ftch mit ihr nicht viel weniger zu beschäftigen, wie mit ihrem Vater, dem Präsidenten. Ueber ihre neueste Heldentat wird aus Newyork berichtet: Miß Alice Roosevelt hat in der vorigen Woche in dem Unterseeboot „Mocassin" eine Fahrt auf dem Grunde der Narragansett-Bäi gemacht. Das Boot
liegt in Newyork und hat eine Besatzung von sechs Mann, die unter dem Beseht des Leutnants Pinney steht. Das Boot wurde langsam Kum Untersinken gebracht, und nachdem eine Tiefe von 25 Fuß erreicht war, stieg es wieder auf. Dies wurde mehrmals wiederholt, und barm kreuzte das Unterseeboot eine kurze Strecke. Miß Roosevelt gesteht zwar, daß ihr nicht ganz geheuer zu Mute war; aber sie war sehr gefaßt und beobachtete ruhig das Arbeiten der Maschinerie, während das Boot im Wasser manövrierte. Dann wurden zwei Torpedobomben abgefeuert und alles so aus- geführt, wie beim regelmäßigen Dienst. Als das Boot wieder nach oben kam und ins Dock zuruckkehrte, war Alice Roosevelt sehr angeregt und bekundcche chr großes Vergnügen über die Fahrt. Sie ist die erste Amerikanerin, die eine Fahrt in einem Unterseeboote gemacht hat.
Oerichtssaal.
Düsseldorf, 19. Sept. Das Kriegsgericht verurteilte den Leutnant Poehn vom 57. Regiment in Wesel, der aus Versehen einen Unteroffizier des gleichen Regiments erschossen Halle, zu sechs Wochen Festung.
B e u t h e n, 19. Sept, Im Laurahütter Krawall- Prozeß wurde gegen einen Angeklagten auf 3 Jahre, gegen 9 auf 2 bis 2 7, Jahrd, gegen den Rest auf 9 Monate bis 2 Wochen Gefängnis erkannt. Außerdem wurden 16 Angeklagte zu Geldstrafen verurteilt, 6 würben freigesprochen. Korfanly sen. erhielt 1 Jahr Gefängnis, Korfanch jr. 9 Monate, der Redakteur Wank 2 Jahre. Selbst die älleren Angeklagten nahmen das Urtell schluchzend auf.
Bayreuth, 19. Sept. Die G üt l ers eh e l e u t e Johann und Eva Linhardt von Breitenlesau bei Hollfeld, welche ihren geistesschwachen und kranken einzigen Sohn Johann in unglaublich roher Weise aus Habsucht verwahrlosten, sodaß er lebendig verfaulte und starb, wurden wegen fahrlässiger Tötung zu je vier Atonalen Gefängnis verurteilt. .
— Die verbotenen R e k la m e - K a m e l e. Daß em Kamel nicht als Reklame durch die Straßen geführt werden dürfe, hat ein Essener Gericht entschieden. Eine Waschpulversirma ließ zu Zwecken der Reklame zwei Kamele durch einen Reger m Essen umherfuhren. Die Polizei verhinderte diese Reklame und sandte der Firma ein Strafmandat wegen groben Unfugs zu. Diese beantragte richterliche Entscheidung und machte vor Gericht geltend, daß es sich um eine durchaus erlaubte Reklame handele, tue m vielen großen Städten gemacht und nirgends beanstandet worden sei. Das Gericht stellte sich aber auf den Standpunkt der Polizei und verurteille die Firma zur Zahlung der von der Polizei festgesetzten Geldstrafe. Die Firma hat gegen das Urteil Berufung eingelegt.
— Wegen Promenierens in der Badehose verurteilte das Schöffengericht in Arendsee den N a t u r m e n s ch e n Gustav Nagel zu IbOMt. Geldstrafe evtl. 30 Tagen Haft. Der Richter empfahl dem Verurteilten, zu den Hottentotten auszuwandern.
Handel und Verkehr. Volkswirtschaft
Gewerkschaft Gießener Braunsteinb er g- werke vvrm. Fernie in Gießen. Ein der Verwaltung der Gießener Bergwerksigesellschast mit beschränkter Rastung in Bonn neuerdings aus Bankkreisen, gemachtes Gebot auf ihren restlichen Bestand von Fernie-Kuxen ist,.
wie wir vernehüren, in der am 19. b M. im Viktoria-Hotel hier ftattgehabten Aufsichtsratssitzung der Gesellschaft in Rücksicht auf den andauernd guten Geschäftsgang der Werkschaft abgelehnt worden.
Zur Lage des Geldmarktes. Wie neuerdings bestimmt versichert wird, ist die Reichsban? bestrebt, eine Zinsfußerhöhung so lange als nur möglich hinauszw- schieben, um dadurch auch auf den Anlagemarkt günstig einzuwirken.
Zurindustriellen Lage. Der Verband deutscher Drahtstiftfabriken teilt mit, daß sich der Inlandsbedarf im Monat Juli verschlechterte. Wie sich das Geschäft im letzten Vierteljahr gestalten wird, darüber liegen noch keine ausschlaggebenden Anhaltspunkte vor. Das Exportgeschäft hat im August auch zu wünschen übrig gelassen. — Vom Eisenwerk Wülfel wird gemeldet, daß dasselbe zurzeit bei besseren Preisen vollauf beschäftigt ist. Die Arbeiterzahl hat gegen das Vorjahr im Lauft der letzten Monate erheblich vergrößert werden müssen. — Das Erträgnis der Bergbau- und Hüttenaktiengesellschaft Friedrichs Hütte ist bedeutend zurückgegangen, sodaß dieselbe nur 4, gegen vorjährige 10 Prozent verteilen kann. Die Aussichten für das lausende Geschäftsjahr sind noch recht unbestimmt.
Konstantinopel, 20. Sept. Tie Einnahmen der türkischen T ab a kr e gie-G e s e l ls cha ft betrugen im Monat August 1903 20 6JO 000 Piaster gegen 20 100 000 im gleichen Monat des Vorjahrs.
Kirchliche Nachrichten.
Israelitische Religionsgemeirrde.
Dienstag, den 22. und Mittwoch, den 23. September:
Neujahrsfest.
1. Tag.
Vorabend 6,15 Uhr.
Morgens 7,30 Uhr.
Predigt: 9 Uhr.
Nachmittags: 4 Uhr.
2. Tag.
Vorabend: 7,10 Uhr. Morgens: 7,30 Uhr. Predigt: 9 Uhr.
Nachmittag: 4 Uhr. Festesausgang: 7,10 U h r.
Zi«. Während der Predigt ist der Eintritt nicht gestattet.
Hottrsdirnst ter israelitischen Deligionsgesellschast.
Dienstag, den 22. undMittwoch, den 23.Sept. 1903.
Nenjahrsfest.
1. Tag.
Vorabend 6,16. Predigt. Morgens 6,00. Predigt.
Nachmittags 4,00.
2. Tag.
Vorabend 7,10. Morgens 6,00. Nachmittags 4,00.
Festesausgang 7,10.
-Seife, bestes Mittel gegen Hautausfchläge, Hant- Unreinigkeiten und Sommersprossen. Ver Stück 75 Pfg. uiu) 1.25 M. Z. h. r. all. Apoth^ Drog. u. Pars. 5956
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