Ausgabe 
21.8.1903 Erstes Blatt
 
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Hon. Weder die Versammlung noch der Parteitag ser das ijceiijnetc Forum, zu entscheiden. Tie Angelegenheit gehöre nichr aus die Tagesordnung des Parteitages, und er sei dafür, über sie zur Tagesordnung überzugehen, falls sie angeregt werde. Klara Zetkin widersprach sehr erregt der Ausfassung, daß die Entscheidung der Reichstagsfraktion überlassen lverden solle. Tie Reichstagsabgeordneten seien oftmals nicht die tüchtigsten Parteigenossen. Der Besuch bei Hofe würde eilte Erniedrigung der Partei sein. ALg. Hildeuürandt erklärt die große Erregung über die Sache für deplaziert. Zn der sozialdemokratischen Arbeiterschaft rege sich kein Mensch darüber aus. Man müsse den Sih im Präsidium reklamieren. Aber ehe nicht die Stellung der anderen Parteien bekannt sei, könne man keine endgültigen Beschlüsse jassen. Darum könne man allein der Reichstags- fraktion die Entscheidung überlassen. Nachdem iwd) mehrere andere Redner Klara Zetkin scharf entgenet hatten, wurde eine von Klara Zettln beantragte Resolution ange­nommen, ui der es jür selbstverständlich erklärt wird, daß die sozialdenrokratlsche Reichstagsfrattion den Posten eines Vizepräsidenten fordert und alle mit diesem Amt nach der Verfassung und Geschäftsordnung verbundenen Ver­pflichtungen aus sich nimmt, dagegen die ihr von den bürgerlichen Parteien angesonnenen Bedingungen der lleber- 11ahme des höfischen Zeremoniells entschieden ablehnt.

Deutsches Keich.

Rostock, 20. Aug. Der Erogherzog sandte an den Kaiser gestern folgendes Telegramm: Anläßlich der heutigen lOOjährigen Gedenkfeier des Malmöer Vertrages und der in diesem Jahre erfolgten Aufhebung desselben bitte ich Eure Majestät, den Ausdruck unserer aller auf­richtigen Freude enrgegenzunehmen darüber, daß die Stadt und Herrschaft Wismar durch die Wiedervereinigung mit Mecklenburg auch dem deutschen Reiche als unzertrennliches Glied wieder eingereiht ist. Der Kaiser erwiderte: An der Gedenkfeier anläßlich der endgültigen Wiederver­einigung der alten deutschen Stadt Wismar mit Mecklen­burg und dem neu erstandenen deutschen Reiche, von der Dein freundliches Telegramm von heute redet, nehme ich warmen Anteil. Möge die Stadt immer fester Wurzel fassen im- heimischen Boden und zugleich Alraft schöpfen zum Blühen und Gedeihen, zum Segen für die Bürger, für das Land Mecklenburg und für das gesamte deursche Vaterland.

Köln, 20. Aug. Pius X. hegt die Absicht, die Dekanatssprengel Aachen und Gl atz, sowie den DelegaLionSbezirk Berlin von dem Verbände Köln, Prag und Breslau loszulösen. Der Vatikan wird in dieser An­gelegenheit demnächst mit der preußischen Regierung in Ver­handlungen ein treten.

Wilhelmshöhe, 20. Aug. Der Kaiser ist heute vormittag um 11% Uhr nach dem Truppenübungsplatz in Altenarabow ob gereift.

Laut ,Aeichsanzeiger" ist der bisher zur Verfügung stehende Gesandte von Reichenau zum Gesandten in Chile ernannt worden.

Im Zusammenhang mit der Beratung des Kinder- schntzgesetzes ersuchte der Reichstag den Reichskanzler, m Erhebungen über den Umfang und die Art der Lohnbe^ ^chäftigung von Kindern im Haushalt, in der Landwirtschaft rud deren Nebenbetrieben mit den Landesregierungen in Verbindung zu treten und die Erhebungen dem Reichstag mitzuteilen. Wie dieTägl. Rundschau" hört, seien die Erhebungen eingeleitet.

Der Staatssekretär des Auswärti gen Amtes, Freiherr v. Richthofen, der sich auf Urlaub befindet, wurde vom Großherzog von Gaden, als dieser erfuhr, daß der Staatssekretär in der Nähe weile, zu einem Besuch eingeladen. Gei dieser Gelegenheit unter­hielt sich Freiherr v. Richthofen mit dem Großherzog über den gegenwärtigen Stand der auswärtigen Politik. Tas Gerücht, wonach auch die Aufhebung des § 2 des Jesuiten­gesetzes zur Sprache gekommen sein soll, klingt indessen sehr unwahrscheinlich Für den Grohherzog von Baden hat sicherlich kein Anlaß zur Erörterung des -Themas vorgelegen und noch weniger hat der Staatssekretär des Auswärtigen Amtes Grund gehabt, diese Angelegenheit zu berühren.

und Klotre.

Berlin, 20. Aug. Nach ocmMilitärwochenblatt" ist Generalmajor von Sch ick fuß und Neu dorff zum Ches des Generalstabes des Gardekorps, Oberst v. Sali sch unter Beförderung zum Generalmajor zum Kommandeur der 5. Jnfanteriebrigade ernannt worden.

Ausland.

London, 20. Aug. Ter Widerstand gegen das neue Schulgesetz macht der Regierung große Unannehmlich­keiten. In Shesield wurden 40 Personen die Möbel ver­kauft, weil sie die neue Steuer nicht bezahlt hatten. Ein Pfarrer aus der Umgegend kaufte die Möbel bei der Auktion und gab sie den Betreffenden zurück. In Bristol werden nächste Woche 300 Personen vor Gericht zu erscheinen haben, weil sie gleichfalls die Steuer nicht zahlen wollen. Auch gegen diese wird man alsdann mit der Pfändung vorgehen.

Nach dem gestern abend 10 Uhr veröffentlichten Krankheitsbericht ist das Befinden Salisburys hoffnungslos.

DerStandard" veröffentlicht eine Unterredung mit oem hiesigen japanischen Gesandten Hayas hi, worin dieser äußerte: Nicht nur ich, sondern auch meine Regierung weisen alle Kriegsschreckens-Geschichten von uns. Wenn wir einige Meinungsverschiedenheiten mit anderen Nationen haben, so bedeutet das nicht, daß Feindschaft zwi­schen uns besteht. Gewisse Berichte möchten uns glauben machen, daß Rußland Schlimmes im Sinne führt. In Wirklichkeit ist Rußland bemüht, versöhnlich zu fein. Japan ist in gleichem Sinne bemüht. Ein Krieg würde keinem zum Vorteil gereichen. Jedenfalls wird Japan aus den gegen­wärtigen Schwierigkeiten Rußlands mit der Türkei keinen Vorteil zu ziehen suchen, um aus Rußlands Rückzug aus der Mandschurei zu dringen.

Haag, 20. Aug. In der Streitfrage zwischen Vene­zuela und den Mächten über das Vorzugsrecht auf 30 Prozent der venezolanischen Zoll einnahmen ernannte der r u s s i s ch e K a i s e r folgende Schiedsrichter : Pro­fessor Matzen von der Universität Kopenhagen, den russi­schen Justizminiüer Murawjew und Dr. Lardy, den schweize­rischen Gesandten in Paris, sämtlich Mitglieder des stän­digen internationalen Schiedsgerichtshofes. Ter Schieds­spruch soll binnen vier Monaten nach der ersten Zusammen­kunft des Schiedsgerichts gefällt werden, welches am 1. September statt find en wird.

Paris, 20. Aug. Ter französische Gesandte beim Vatikan äußerte sich in einer an seine Regierung gerichteten Rote über das Verhalten des neuen Papstes

gegenüber Frankreich dahin, daß Pius X. sich hüten werde, der französischen Republik den Krieg zu erklären, jedoch könne er sehr wohl ein Gegner Frankreichs in Bezug aus dessen Schutzrechte über die Christen im Orient, ebenso wie in auswärtigen politischen Fragen werden.

Mehrere Generalräte sprachen sich über den Abschluß der Vertragsbestimmuiigen über das Schiedsgericht zwischen den Mächten aus, welche ldie Haager K onvention unterzeichnet haben. Einige Generalräte traten für den Abschluß eines Handels-Freundschaftsvertrages mit England ein.

Der Marineminister verehelichte sich heute vor dem Standesamt des ersten Arrondissements mit der Lehrerin Denise. Der Ministerpräsident war Trauzeuge.

Wien, 20. August. Die dortigen Blätter halten fort­gesetzt daran fest, daß sowohl der seit einer Woche ver- chollene russische Konsul in Ueskueb, Mandelstamm, als auch der russische General-Konsul in Saloniki, Giers, ermordet worden sei.

Lemberg, 20. August. Der Kardinal Erzbischof Puzyna hat an die Geistlichkeit seines Sprengels ein Schreiben gerichtet, worin diesen verboten wird, den deutschen Reichstags-Abgeordneten Korfanty kirchlich zu trauen. Korfanty isl nach Przemysl gereist, um in dieser Angelegen­heit mit dem dortigen Bischof Rücksprache zu nehmen.

Belgrad, 20. Aug. In Hofkreisen verlautet, der Zar habe den Wunsch ausgesprochen, daß wenigstens der jüngere Sohn des Königs seine militärischen Studien in Rußland beende, falls es nicht angehe, daß der Kronprinz nach Rußland zurückkchre.

Heute sand ein außerordentlicher Kriegsrat unter Vorsitz des Königs Peter statt. Er beschloß die Vor­bereitung der Mo blisierung der Morawa- und Jaitschar- Division. Die projektierte Reise des Königs dürste unter­bleiben.

Sofia, 20. Aug. DieAgence Telegraphie Bulgare" erklärt das Gerücht von der Mobilisierung eines Teiles der bulgarischen Armee für unbegründet.

Auistand in Mazedonien.

Das russische Geschwader lief am Mittwoch in die Bucht von Jniada, etwa 80 Kilometer nördlich der Bosporusmünöung ein. Meldungen aus Monastir be­sagen, die türkischen Truppen hätten von Hilmi Pascha den Auftrag bekommen, sämtliche christlichen Dörfer, in denen keine männlichen Einwohner angetroffen werden, in Brand zu stecken. So wurden in den letzten Tagen die Dörfer Buff, Rakowo, Opsimi, Bituschi, Prelöpau, Donja Jgra, Gornja Jgra und viele andere ausgeplündert und niedergebrannt. Frauen und Kinder irren obdachlos umher. Diese Maßregel sei getroffen, um den Insurgenten die^Ver- chaffung von Lebensmitteln zu erschweren. Der Stab der Revolution versandte an die Konsuln in Monastir Beschwerden wegen Zerstörung vieler bulgarischerDörfer und drohte mit Gegenmaßregeln. Im Bezirk Ochrida sollen Dörfer zerstört und die Bevölterung niedergemetzelt wor­den sein. Aus Saloniki wird vom Mittwochabend ge­meldet: Eine starke bulgarische Bande tauchte im Gebirge Pissoder auf und überfiel das Dorf Erminseeo. Türkische Truppen trafen rasch ein und umzingelten die Insurgenten. Der Kampf begann im Gebirge und wurde im Dors sort- gefttzr.

Aus Stadl und Land.

Gießen, 21. August 1903.

Aus dem Militär-Wochenblatt. Hagen­berg, Hauptmann z. D., Bezirksoffizier beim Landw.-Bezirk Brandenburg a. H., zum Landw.-Bezirk Friedberg versetzt. Ziegler, Hauptmann im Jnf.-Regt. Kaiser Wilhelm (2. Großh. Hess.) Nr. 116, unter Versetzung in das Jnf.-Regt. Herzog von Holstein (Holstein.) Nr. 85, zum Komp.-Chef ernannt. v. Pentz, Lt. von der Unteroff.-Schule in Potsdam, in das Jnf.-Regt. Kaiser Wilhelm (2. Großh. Hess.) Rr. 116, Simon, Lt. im 4. Großh. Hess. Jnf.-Regt. (Prinz Carl) Nr. 118, zur Unteroff.-Schule in Weißenfels, Stamm (Otto), Lt. im Jnf.-Leib-Regt. Großherzogin (3. Großh. Hess.) Nr. 117, zur Unteroff.-Vorschule in Jülich, Frhr. v. Vissing, Lt. im 2. Großh. Hess. Feldart.-Regt. Nr. 61, in das 1. Großh. Hess. Drag.-Regt. (Garde-Drag.-Regt.) Nr. 23 versetzt. Künkler, Oberlt. im 4. Großh. Hess. Jnf.- Regt. (Prinz Carl) Nr. 118, zum zweiten Offizier des Train- depots des IV. Armeekorps ernannt. Die Fähnriche Schellenberg im Jnf.-Leib-Regt. Großherzogin (3. Großh. Hess.) Nr. 117, Fresenius, Hartmann, im 2. Großh. Hess. Feldart.-Regt. Nr. 61, v. Plonski, im 1. Großh. Hess. Inf.- (Leibgarde-) Regt. Nr. 115, Hesse, Schäfer, im 4. Großh. Hess. Jnf.-Regt. (Prinz Carl) Nr. 118, Fitzau, im 5. Großh. Hess. Jnf.-Regt. Nr. 168, v. Moritz, im 1. Großh. Hess. Feldart.-Regt. Nr. 25 (Großh. Art.-Korps) zu Lts. befördert.

**Das4. Großh. HessischeJnfanterie-Negi- meu t Nr. 118 ist heute vorm. 11 Uhr hier eingetroffen und hat in unseren beiden Kasernen Quartier bezogen. Die Fahnen wurden in die Zeughauskaserne gebracht. Der Aufenthalt dauert bis zum 9. September. Das Regiment wird sein Regimentsexerzieren bei Groß-Rechtenbach, Lützel­linden und Münchholzhausen abhalten. Gefechtsschießen mit scharfer Munition findet im selben Gelände vom 28. August ab statt. Auch das Exerzieren der 49. Jnfanteriebrigade ist in der erwähnten Gegend.

** Ein Gartenfest in Braunfels. Der Ver­schönerungsverein Braunfels macht bekannt, daß in Braun­fels Sonntag den 23. August ein Gartenfest in der schönen Lindenallee des Herrschaftlichen Gartens veranstaltet wird, um einerseits den Bewohnern und auswärtigen Freunden des Städtchens ein Vergnügen zu bieten, andererseits aber auch Mittel zur Erbauung eines Aussichtsturmes zu gewinnen. Zu den auswärtigen Freunden zählt der Verein auch das Gießener Publikum. Bei den Unterhaltungen, wie auch bei der Bedienung der Gäste werden, wie hervorgehoben wird, junge Damen aus Braunfels in dankenswerter Weise tätig sein. Während des Festes wird die Kapelle des 118. Regi­ments aus Worms konzertieren.

(!) Ober-Mörlen, 20. Aug. Verschwunden ist feit 10 Tagen der 34 Jahre alte Landwirt Sche i b e l. Trotz sofortiger Nachforschung hat man noch keinen Anhalt über sein Verbleiben, sodaß man einen Unfall befürchtet. An einen Selbstmord glaubt man nicht, da Sch ein sehr tüch­tiger, fleißiger Mensch war. Sch. ist noch unverheiratet.

Mainz, 20. Aug. Der Kaiser trifft, über Alzey kommend, am Montag morgen um 8 Uhr am Bahnwärter­

häuschen der Castell scheu Wagensabrik ein. Daselbst besteigt er ein bereit gehaltenes Pfero, um sich sofort zur Truppen­schau au'i den großen Sano zu begeben. In die Stadt begibt sich, der Kaiser nach Beendigung der Uebung über die Wald­straße, Bingerstraße und Großen Bleiche nach dem Großh. Palais.

Mainz, 20. Aug. Wie geschickt bei der Verhaftung )es Mörders Weygand die keuleioung des Gendarmen durchgeführt war, dafür spricht ein Vorfall, der ihm auf dem Heimwege passierte. Als er an einer Schutzmannspatrouille Vorüberging, fing er an zu fingen, um die Probe aufs Exenipet zu machen. Schon haue einer der Schutzleute den Stromer" gepackt, um iyn z*a verhaften, als dieser in ein lautes Lachen aus brach. Nun erst sahen sich die o eiben Schutzleute denStromer" genauer an und erkannten ihren Kollegen von der Gendarmerie. Dein geschickten Beamten dürste die für die Ergreifung des Mörders ausgesetzte Be- 'ohnung von 2U00 Mk. zufallen.

Offenbach a. M., 2u. Aug. Ein Liebesdrama l)at sich gestern abend in der Nape der Offenbacher Schleuse abgespielt. Am Fechenheim er Mainufer hatte sie./ schon den Nachmittag über ein jungcö, gutgetleidetes Lttoespaar auf­geh alten und die Aufmerifamieit des Schleusenwärters ,owie eines Schäfers, der dort feine Herde .neidete,. errege. Plötzftck) bei Einbruch der Dunkelheit, etwa um 3/i8 Uhr, bemerkte man, wie sich die beiden in das Wasser ^ätzten. Ta sofort Hülfe zur Stelle war, gelang es bald, zunächst den jungen Mann zu retten; dagegen dauerte die Bergung des Mädchens, welches bereits etwas abftits Zerrieben war, einige Minuten länger. Leider erwiesen sich die Versuche, sie ins Leben zurüazuruf^n, als vergeblich. Tie Leiche des etwa 23jährigen Mädchens wurde auf ben Oberräder Fried­hof verbracht. Nach Papieren, die bei ihr vor gesund en wurden, scheint die Ertrunkene ans Berlin zu stammen. Der gerettete junge Mann, der gleichfalls erst 23 Jahre alt ist, wurde nach Frankfurt verbracht. (Ossb. Ztg.

Vermischtes.

* Berlin, 20. Aug. Mit Lewy, dem flüchtigen Pro­kuristen der Firma Kempner machten einige Fir men der Berliner Börse direkt Geschäfte. Der Börfenvorstand beschloß, Vie betreffenden Firmen dem Ehrengericht wegen weiterer Verfolgung der Angelegenheit anzuzeigen.

* Hamburg, 20. Aug. Aus dem DampferPo­tz an g", der am 13. August von Shanghai noch Hankau abging, ist die Cholera a u s g e b r o ch n. Ter Kapitän, der erste Steuermann, der erste Maschinist und der chinesi­sche Lootse sind der Krankheit bereits erlegen. Ter zweite Offizier und der dritte Steuermann wurden cholerakrank in das Hospital von Kinkiang gebracht.

* Metz, 20. Aug. In Gorze, von wo die Stadr Metz ihr Wasser durch die Wa;serleitung bezieht, ist eine Typhus-Epidemie ausgebrochem

* Rom, 20. Aug. Polizeikommissar Berduzeio wurde verhaftet, weil er drei Arbeiter, als Polizisten verkleidet, zu einem Fuhrwerkst)esitzer gesandt hatte, um beih dem­selben eine Haussuchung vorzunehmen, wobei sie in seinem Auftrage einen größeren Geldbetrag entwendeten.

* W i c n, 20. Aug. In Waidhofen badeten die beiden Töchter des Fregatientapitäns Baron V o e cf m a n n und die bei diesen zu Besuch weilende englische Bankiers­tochter Bertin Bawford im Mbsflusse. Frl. Mizzi Boeckmann stieg auf einen Felsblock, glitt aus und stürzte ins Wasser. Frl. Bawford sprang sofort nach. Frl. Boeck­mann umklammerte den 5Ms der Engländerin, worauf beide ertranken. Bisher wurde nur die Engländerin aufgefunden.

* Meran, 20. Aug. Gestern ist abermals in den Tiroler Alpen ein starker W e 11 e r st u r z mit Schnee­fall und empfindlicher Kälte cingetreten. Aus den ver­schiedensten Teilen der Schweiz treffen Nachrichten von Hochwassers chüden ein. In Amrisweiler im Thur­gau unterspülten die Fluten die Fundaniente eines Hauses und brachten es zuni Einsturz; unter den Trümmern fanden zwei Personen den Tod. Zur Bewältigung des über die Ufer getretenen Dürenbaches im Kanton St. Gallen mußten durch Notsignale Hilssmannschasten requiriert werden.

* Krakau, 21. Aug. Bei der Kreditgenossenschaft der Handwerker und Industriellen kamen große D es ra u d ationen vor; bisher wurden solche in Höhe von 2 0 000 Kronen ermittelt. Drei Personen wurden verhaftet.

*Zn dem Unglücksfall in der Schönbrun­ner Menagerie schreibt dieNeue Freie Presse": Der Unfall trug sich in der Einfriedigung der Snndabüffel zu, die unter dein Namen Ker ad an bekannt sind.. Sie wurden im Jahre 1899 als Kälber angekauft und in der Schönbrunner Menagerie aufgezogen; die Familie besteht gegenwärtig aus zwei Stieren, einer Kuh mit) einem Kalb. Bösartig waren die Tiere niemals, vielmehr zu dick her­ausgefüttert, was um so sichtbarer ist, als sie kaum behaart sind und ihre rosafarbene Haut unverhüllt zutage tritt. Sie wurden am vorigen Samstag in Gegenwart des Tier­arztes gewaschen, der beim Aiidlick deS großen Stieres den Ausruf tat:Ja, wenn Du Tir Deiner Stärke bewußt wärst!" Diese furchtbare Kraft hat das Tier nur allzubald erprobt. Es ist höchst wahrscheinlich, daß die Sache mit einem Schlage begann, den der Wärter Völkel dem Büffel versetzte, weil er ihm im Wege war. De Büffel senktre den Kopf und ging langsam auf den Wärter los; das hätte dieser nun abwarten und jedenfalls die Angen fest auf daS Tier richten sollen, bann hätte es nichts weiteres ge­wagt. Er wich aber zurück gegen die Einfriedigung, die aus Eisenbahnschienen gemacht ist, und rief unaufhörlich den Büffel beim Namen. Der Büffel versetzte ihm nun mit den Hörnern einen Stotz, der Völkel rasenden Schmerz ver­ursacht haben mag; er hat dann den Stier entweder bei den Hörnern gepackt oder, wenn er sein Werkzeug noch hatte, nad) ihm geschlagen; dann wandte er sich, zur Flucht. Das war der Augenblick, wo ihm der Büffel ein Horn in den Leib stieß, ein armdickes Horn; die Leiche zeigte, daß das Horn in den Rücken eindrang und beim Bauch herauskam. Am Horn schleifte der Büffel den Mann, drückte ihn in eine Ecke und bearbeitete ihn dort mit Husen und Hörnern, bis alle Eingeweide heraustraten. Wie der Büffel zustieß und über welche Kraft er gebietet, beweist am besten der Umstand, daß er mit einem einzigen Stoß eine Eisen- schiene der Einfriedigung um mehrere Zoll aus der geraden Linie verbogen hat. Als der Mann tot war, lieg das Tier ab von ihm und drei Wärter konnten ungefährdet ein^ treten und die verstümmelte Leiche herausaol.'n, wobei ihnen der Stier ruhig zusah. Nachmittags ließ er sich das Menschenblut und die Fleischteile vom Kep, und Horn ruhig abwaschen; die grausige Arbeit w".rde u?n Wärtern so schwer, daß jetzt noch Teilchen von tv.i Eingeweiden des armen Völkel an den Stieryornern Lieben Ler^ Stier hat sich auch während des übrigen Teils des Abends ganz