Nr. 195 ®rf»rint täglt»
außer Sonntags. Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem hessischen Landwirt die Eichener Zamilien. blätter viermal tu der
Woche deigelegt.
NotationSdruck u. Verlag der Br ühl'schen Untver^Buch-ußotein- druck ere» (Pietsch Erben) Me-aMoa. Expedttton und Druckerei:
Gchnlstratze 7.
Adresse für Depeschenr tzk Zeiger Gieße», rrns^rechanschluß Nr. 51.
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Erstes Matt.
Freitag ÄL. August 1903
153 Jahrgang
Bezugspreis;
V d monatlich 7bPf„ viertel-
Gietzener Anzeiger
u ««nml.Äjdger ' S
Amts- und Anzcheblatt für den Kreis Sichen MZ
—----------- ------------------------------- zeigenteU: Han« Beck.
KeKanntmachung.
Wegen Vornahme von SLraßenarbeiLen wird der
Schilfenbergerweg, zwischen Licher- und Bergstraße, von an bis auf weiteres für den Fuhrwerks- und Fahrradverkehr gesperrt.
Gießen, den 20. August 1903.
Großherzogliches Polizeiamt Gießen.
I. V.: Roth.
Heschrvadereutssndungen «ach dem Hrient.
Gießen, 21. August.
Aus die Tatsache daß ein russisches Geschwader nach dem :Wt abgegangen ist, sind gestern die Meldungen emge- lanf u, daß auch England dem Befehlshaber seines Mittelmeergeschwaders die Anweisung erteilt habe, Schiffe nach dem Lande der Unruhen zu entsenden, und daß ebenso das italienische Geschwader sich in Port Augusta konzentriere, um sich vorzubereiten, nach dem Orient abzudampfen. Italien hat merkwürdigerweise schon mehrfach in der letzten Zeit in erster Linie die Initiative ergriffen, um bei der Türkei Gewährleistung des Schutzes der fremden Konsuln zu erreichen. Tie Entsendung des russischen Geschwaders hat übrigens in der englischen Presse teilten Beifall gefunden. Sie sei, so behauptete man, durchaus ungeeignet, den Frieden auf der Balkanhalbinsel zu sicheret. Und diese Behauptung ist auch gar nicht ungerechtfertigt. Interessant sind die Ausführungen der „DaH Graphic":
„Nichts kann mehr geeignet sein, den Fanatismus der türkischen Bevölkerung einerseits herauszufordern und andererseits die bulgarischen Revolutionäre zu ermutigen. Tie Möglichkeit übler Folgen ^könnte vielleicht abgeschtvächt werden, wenn diese Maßnahme sich gegen Bulgarien unp die Türkei gleichzeitig richtete. Das scheint aber nicht die Absicht zu sein. Wir verstehen diesen russischen Schachzug um so weniger, da er keiner Macht mehr darauf ankommen kann, für die Beunruhigung des nahen Ostens zu sorgen und weitere Verwicklungen zu vermeiden, als Rußland. Es hat im fernen Osten glle Hände voll zlu tun, sodaß es nur wünschen kann, daß die Unruhen im Balkan baldigst aufhören. Und doch ist es gerade Rußland, welches den Schritt tut, der am meisten geeignet ersch-eirrt, die Krisis zu ver- längern. Die revolutionäre Bewegung wird durch das drohende Erscheinen russischer Schiffe vor dem Bosporus gewaltig gestärkt werden, und man darf nicht vergesse^ daß jede neue Entwickelung der revolutionären Tätigkeit Bulgarien näher an den Rand des Krieges bringt. $ein Mensch kann sagen, was dann die Folge sein wird. Griechen, Serben und Rumänen rüsten bereits, um dem Türken zu helfen, den bulgarischen Ehrgeiz in seine Schran- zu weisen, und wenn erst diese Kräfte losgelassen sino, so wird es für die Großmächte unmöglich sein, ganz unbeteiligt zu bleiben."
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Die „Morniug Post" spricht direkt drohend ihr Mißfallen ans, indem sie sagt:
„Mr. Balfour hat wiederholt im .Hause der Gemeinen erklärt, daß die englische Politik dahingehe, das gemeinsame Vorgehen Rußlands mti)i Oesterreichs in Macedonien zu unterstützen und wir glauben, daß dies auch die Politik der übrigen Signatarmächte des Berliner Vertrages ist. Aber die Mächte haben sich niemals jm geringsten geneigt gezeigt, die getrennte und einseitige Intervention einer der beiden Machte gutzuheißen."
Aber auch in Oesterreich zeigt man sich befremdet durch die russische Maßnahme und äußert Besorgnisse. Die „Neue Freie Presse" schreibt, indem sie auf die übertriebenen Forderungen hinweist, die Rußland schon von der Türkei erzwungen hat:
Der russische Minister des Aeußern Graf Lamsdorff hat zwar an den russischen Agenten in Sofia eine geharnischte Mahnung gerichtet, worin er den Bulgaren und den Mäce- doniern bedeutet, daß die russische Politik trotz der energischen Einwirkung Rußlcurds in Konstantinopel nicht als Aenderung des friedlichen Programms des Petersburger Kabinetts aufgefaßt werden dürfe; gleichwohl hat Rußland eine Division der Schwarze Meerflotte nach den türkischen Gewässern, und zwar in einem Augenblicke abgesendet, da die Pforte alle Bedingungen des Zaren erfüllt und volle Sühne für die Ermordung Rostkowskis geboten hat. Welchen Zweck kann unter solchen Umständen die Entsendung einer russischen Schiffsdivision haben? Glaubt man in Petersburg, dadurch den albanesischen Tschausch Ali oder Hassan oder Mehemed, der auf Hunderte von Kilometern von der Meeresküste in einer Seehöhe von 500—600 Metern in Monastir oder Mitrowitza sich befindet, einschüchtern oder beeinflussen zu können? Durch den Bosporus fahren, um dort Anker zu werfen und beit Iildiz Kiosk mit schweren Geschützen zu bedrohen, daran kann man in Rußland aus Rücksicht für den Sultan und Europa nicht denken, denn mehr als eine Macht würde eine solche Verletzung des Pariser Vertrages mit der Entsendung einer Eskcw-re durch die Dardanellen zum Schutze des Sultans beantworten Auf die Türkei, auf Regierung und Volk dürfte das Erscheinen der russischen Kriegsflagge mit dem Andreaskreuz entweder gar keinen oder einen für die Sache des Friedens ungünstigen Eindruck Hervorrufen. Auf die Bulgaren und die macedonischen Komitees wird es jedoch ermunternd wirken. Diese werden sich nicht an die beschwichtigenden und mahnenden Worte des Grafen Lamsdorff, sondern an die Tatsache halten, daß Rußland seine Seestreitkräfte gegen die Türkei in Bewegung setzt, und darin einen Beweis erblicken, daß der „weiße Zar", wenn er auch weit ist, seine schützende Hand noch immer über seine slawischen Kinder hält. Der bulgarische Freiwillige und der macedonische Bauer werden darin einen Wink erblicken, in dem Kampfe für die Freiheit des Doppelkreuzes gegen die Herrschaft des Halbmondes auszuharren, und Boris Sarafow und seine I
Genossen werden dafür sorgen, daß diese Auffassung der jüngsten Maßregel der Petersburger Regierung sich immer mehr verbreitet und in den Gemütern festsetzt.
Diese Meinung der „N. Fr. Pr." dürfte Recht behalten Tie Flotteudemonstrationen im Orient waren, nur um die Konsuln zu schützen, schwerlich angebracht. Sicher ist, daß die erste Maßnahme Rußlands, Zanchi wenn es nur aus dem angegebenen Grunde seine Flagge an der ptacedvnischen Küste zeigen wollte, Mißtrauen und unerwünschte Folgerungen mit sich bringen müßte. Und so wird man denn nicht fehl gehen, wenn man in der Entsendung eines Teils des englischen Mittelmeergeschwaders nach Saloniki nur eine Antwort auf die Mfahrt der russischen Schwarze Meer- Flotte nach den türkischen Gewässern erblickt.
NsMsche Tagesschau.
Zu den Wahlrechts-Bestrebungen des Dr. Giesebrecht hatte der „Vorwärts" bie „Köln. Zjtg." beschuldigt, gegen diese Bestrebungen des Herrn abfällig geschrieben zu haben, indessen sie in der Einzeichnungsliste des Tr. Giesebrecht mit einem Betrage von 150 Mk. verzeichnet sei. Heute, Freitag, finden wir in der „Köln. Ztg." die Antwort. Sie schreibe, daß die einzige Geldsendung an Herrn Dr. Giesebrecht, die ihre Bücher verzeichneten, ein erheblich niedriger als die' angeführte Summe bemessenes Honorar sei für einen Aufsatz aus dem Jahre 1898. Dr. Giesebrecht habe freilich in einem Schreiben vom 9. Oktober 1898 mitgeteilt, daß er dieses Honorar „zur Weiterführung seiner Sache üei> wenden" wolle, aber dieser Verwendungszweck hätte für sie, die „Köln. Zhg.", kein Grund sein können, ihm die Bezahlung einer Arbeit zu verweigern.
Sozialdemokratischer Vorsitz im Reichstag.
In einer Versammlung der S t u t t g a r te r Sozialdemokraten, welche sich mit der Tagesordnung des Dresdener Parteitages beschäftigte, tarn es ilber die Frage der Ueber- nahme der Vizepräsidentenstelle im Reichstag durch die Sozialdemokratie zu lebhafter AuseinandersGung, die darum interessant, weil sie, besonders im Hinblick auf die amüsante Gegenüberstellung des Kaisers und des Königs von Württemberg, die Stellungnahme der Genosien zum „höfischen Zeremoniell" in neuem Lichte erscheinen läßt. Ter Referent, Schriftsteller Heymann, erklärte gar, die ganze Angelegenheit sei eine Sache des Gefühls (!), nicht der sachlic^n Erwägung. Was das republikanische Prinzip betreffe, das der Annahme der Vizepräsidentenstelle und dem Besuch bei Hof angeblich entgegenstehe, so habe er von namhaften wurttembergrschen Parteigenossen mehrfach sagen hören, wenn es sich um Württemberg handeln würde, so ließ sich darüber reden, aber da es Kaiser Wilhelm II. fei, der in Betracht komme, so sei ein Besuch unmöglich. Die Entscheidung der Frage sei eine Sache der Reichstägsftak-
Darmstädter Aenkmatsschmerzen.
R. B. D a r m st a d t, 19. Aug.
Es hat bekanntlich jede Stadt ihr Schmerzenskind, die eine dies, die andere das--in manchen städtischen
Gemeinwesen soll es deren sogar gleich mehrere beiein- andergeben, die chren respektiven Eltern und sonstigen Anverwandten mitunter recht unangenehme Stunden bereiten., Auch unser Darmstadt darf in dieser Hinsicht natürlich nicht Zurückbleiben, im Gegenteil, es hat jetzt zu den mancherlei Eisenbahn- und Straßenbahn-Schmerzen noch einen neuen hinzubekommen, den Denkmalsschmerz. Es klingt unglaublich, aber es ist wahr: Es herrscht in Tarmstadt eine ganz entsetzliche Denkmalsnot. Das Wort „Not" aber nicht mit „Mangel" oder einem ähnlichen Maneowort übersetzt, sondern wie man es bei Wassers- oder Hungersnot anzuwenden Pflegt, mit Ueber- fluß. Man kann die Klage hier jetzt überall hören, wir haben zu viel Denkmäler oder wenigstens Denkmalsprojekte; man weiß wirklich nicht mehr, wohin damit. Es fehlt uns Residenzlern ja bei Leibe nicht an Luft und Lstcht und freiem Raum, aber desto mehr an geeigneten, dem /Charakter des Erinnerungs- oder Dankeszeichens angemessenen Plätzen.
Am fühlbarsten tritt diese Denkmalsnot bei unserm Landeskriegerdenkmial hervor, das die Siegesgöttin Viktoria zeigt, die einem sterbenden und einem siegreich vorwärts stürmenden Krieger Kränze überreicht. Das Denkmal gab sich einst so malerisch, so *ganz seinem Sinn und Zweck entsprechend, als es noch üt der Umrahmung des alten Zeughauses mit seinem hochinteressanten Giebeldach erschien. Jetzt ist dasselbe verschwunden, an seine Stelle das neue Landesmuseum mit seinen beiden modernen Flügelbauten getreten, und da paßt, darüber ist sich alles einig, die herrliche Symbolik auf Pen großen Krieg von 1870/71 nicht mehr hin; sie würde einfach erdrückr werden von den mächtigen Marmorquadern und großäugigen Fenstern des neuen Kunstpalastes. Aber die schwierige Frage ist: Wohin mit dem Denkmal? Es weiter aus den Paradeplatz hinüber zu rücken, ist schon Leshalb nicht statthaft, weil es danrt mit dem prächtigen Schaapersc,en Reiterstandbild Großherzog Ludwig IV. in Konflikt geraten würde; es geht doch beim besten Willen nicht an, die Siegesgöttin dazu verurteilt werden jjoll, von nun ab direkt die Kehrseite von Roß und Reiter zu betrachten, die einzige, aber auch nicht gerade sehr glückliche Löstung wiro ;ein, daß man das Kriegerdenk- mial vor das >/vftheaLer stellt, so daß sie den Blick auf das gegenüberliegende alte Rcsidenzschloß richtet. — Ganz dicht; bei diesem Denkmal befinden sich übrigens noch zwei
Pest, 24. Juli 1853.
Richard Waqner.
In Nummer 2
September 1853, findet sich dieses inzwischen längst in
13.
Die letzte große Sorge, die in neuester Zeit auf diesem Gebiete für die Stadt hervortritt, betrifft ein Liebig- Denkmal. Schon bei Oer Jubelfeier am 12. Mai hatte es in weiten Kreisen recht peinlich berührt, daß sich die Residenzstadt noch immer mit der mehr als bescheidenen und dabei unschönen Büste ihres großen Sohnes am Platz vor den Bahnhösen begnügen mußte. Aber sie war nun einmal da und etwas Besseres so leicht nicht zu beschaffen. Jetzt beginnt nun aber allmählich ihr letztes Stündlein zu schlagen, sie muß dem leider noch immer nicht definitiv bestimmten Bahnhofserweiterungsbau weichen. Daß man die simple Büste nicht in einer anderen städtischen Anlage wieder von neuem aufstellen kann, gilt allgemein als selbstverständlich, und es sind auch schon die interessierten Kreise zunächst in vertraulicher Wei,e dem Gedanken nähergetreten, dem großen Darmstädter Chemiker eine neue, seiner würdige Erinnerungsstätte zu bereiten. Verdient hat er sie jedenfalls, und so wird sich auch hier gewiß das alte Sprichwort bewähren: „Wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg".
von Helds „Theatra'ia", erschienen am
größten nmcht unseren Stadtvätern ohne Frage das Bismarck-Denkmal. Man ist schon vvr einer Reihe von Jahren darin einig gewesen, daß dem Wiedererrichter des deutschen Kaiserreiches, dem Schmied der deutschen Einheit., auch in der hessischen Residenz ein würdiges Denkmal gebühre. Es wurde sofort ein Fonds von za. 40 000 Mark zusannnengebracht und Prof. Habich mit der Anfertigung von Entwürfen beauftragt. Er fertigte deren drei und zwar Blismarck als Rolandfigur an Stelle des alten Marktbrunnens, dann Bismarck mit einer Brunnenanlage verbunden für den Ludwigsplatz, und endlich Bismarck im Mittelpunkt eines großen Monumentaldenkmals, das auf der Kraftsruhe, zwischen Heerdtweg und Martinspfad im Freien gelegen, den Ort für ein alljährlich stattfinOeildes großes patriotisches Volksfest bieten sollte. Der letztere Gedanke sand in weiteren Kreisen lebhaften Beifall, und der Ausschuß der Studentenschaft ging in seiner Begeisterung dafür sogar soweit, daß er sich verbindlich machte, für za. 10 000 Mark zwei mächtige Kandelaber für ein solches Denkmal zu stiften, auf denen an den Festabenden Freuden- jeuer weithin leuchten sollten. Aber alle diese schönen Projekte sind bis jetzt eben — Projekte geblieben. Es wäre
Vergessenheit geratene Scherzgedicht Wagners zuerst abgedruckt.
— Ein Scherzgedicht Richard Wagners. Vor 50 Jahren — im Juli 1853 — wandte sich Tichatschek brieflich an Richard Wagner mit der Bitte, dem Direktor des Rostocker Stadttheaters, Hünerfürst, den „Lohengrin" um mäßiges Honorar zur Aufführung zu überlassen. Nur sein (Ttchatscheks) Gastspiel ermögliche die schwierige und kostspielige Inszenierung der neuen Oper in Rostock. Direktor Hünerfürst sei beim besten Willen außer Stande, ein hohes Honorar zu zahlen. Als Antwort aus sein Schreiben erhielt der berühmte Tenorist folgendes humoristische Gedicht:
Dem Fürst der Hühner und der Hähne, Dem Ritter edler Singe-Schwäne, Geb' ich als Rohstoff Lohengrin Zur Aufführung in Rostock hin. Nicht grab verwöhnt durch Honorar, Ein ariner Teufel immerdar;
Zu Deutschlands Ehr' sei mir bezahlt, Was auf der Leinwand nicht vermalt. Ich thu's für meinen Tichatschek, Darum die Pflöck' zurück ich steck, Sonst sagt' ich, weil's grad hier geschah' Wohl: Bassama teremtete!
weitere S^udbilder Lanbgraf Philipp der Großmütige, I wirklich an der Zeit, daß hier auch bald einmal zu Daten der treue Beschützer Luthers auf dem Reichstag zu Worms geschritten würde.
und sein Sohn Georg I. Auch ihnen wird man bei. der! Neuordnung der Dinge zwischen Museum und Hoftheater die nötige Beachtung schenken und ihren wohlverdienten Platz an der Sonne gönnen müssen.
Einer, der zuerst nicht recht zur Ruhe kommen konnte, ist der Genius, der das Goethe-Denkmal im daneben liegenden Herrengarten ziert. Es schien anfangs, als ob er sich in seinem ungenierten Adamskostüm wohl daran gefaßt machen müßte, statt in* dem herrlichen Naturpark in irgend einer staubigen Museums ecke sein stilles Dasein zu verbringen. Aber die Gemüter haben sich allmählich beruhigt, man freut sich auch in den strenger denkenden höheren Töchterkreisen mehr und mehr an der schönen idealen Jünglingsgestalt und hat sie sogar zur Zielscheibe des Witzes gemachjt. Als vor Jahren das schöne Denkmal für Kaiser Wilhelm I. in Wiesbaden enthüllt wurde, der den Wick nach oben wendet und die rechte Hand flach etwas vorstreckt, legte ihm der Volkswitz sogleich die Worte in den Mund: „Kinder, ick jlobe, et jibt Regen!" Der Genius unseres Goethedenkmals aber stützt den rechten Arm auf die Hüfte; den linken Arm streckt er nach vorn, wobei er mit dem Zeigefinger nach unten weist, just dahin, wo am Sockel Goethes Bronzemedaille angebracht ist. Er soll dabei der ihn bewundernden Menge die Worte zurufen: „Seht Ihr Leute,bet bin ick!" Doch wir wollten ja nicht von den Freuden erzählen, die wir mit unseren Denkmälern erleben, sondern nur von den Schmerzen, die sie uns bereiten. Die


