Ausgabe 
20.11.1903 Zweites Blatt
 
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arheituny zu nehmen. Mit Recht faßte die Köders chaft daA Vorhaben, das anscheinend auch fcfyon innerhalb der Reichs- rogierunZ erörtert werde, als eine drohende Gefahr für die allgemeinen wirtsä/aftlichen Interessen Deutsch- tands aus. Demzufolge ist es Sache aller unserer Han­delskammern, sowie der Vereinigungen für Handel und Industrie, in erster Reihe natürlich auch der Schiff­fahrts-Interessenten, die Ab wehr aktiv n zu unterstützen. Es kommt ja nicht allein die keineswegs unerhebliche Ab­gabe-Gebühr in Betracht; vor allem bilden die mit solchen .Abgaben verknüpften Rachweisungen, die behördlichen Kon­trollmaßregeln re. eine Belästigung uni) dadurch eine Beein­trächtigung von Handel und Industrie. Aus welche Weise Preußen zu seinen Schisfszollplänen angeregt wurde, er­zählt die ,Lönigsb. Hart. Ztg.", der übrigens die erste Alarmierung der Oeffentlichteit in dieser Sache zu danken ist, folgendermaßen: Der Hamburger Senat beabsichtige, die Kosten der projektierten Korrektur der Unterelbe durch Schisfahrtsabgaben zu decken. Bereits sei versucht worden, maßgebende Hamburger Personen für den Plan zu ge­winnen. Für die Weser seien die Abgaben durch den Bremer Senat bereits beschlossen, und dadurch sei Preußener­mutigt" worden. Eine eigenartige Ironie des Geschickes, daß gerade aus zwei Hansestädten, Mittelpunkten des Welthandels, eine derart verhängnisvolle, wenn auch un­gewollte, Anregung gegeben worden ist! Die Dinge scheinen bereits weiter gediehen zu sein, als es noch vor kurzem den Anschein hatte; denn, wäre der Plan erst im Stadimn der Erwägungen, dann würden, wie erwähnt, dieBerl. Pol. Rachr." nicht bereits mit Einzelheiten die Begründung dazu gegeben haben. Sonderbar: die großen Kanalpläne harren noch immer der Ausführung aber dies Projekt wird mit allergrößtem Eifer,mit Dampf" betrieben. Oder soll vielleicht die Abgab en erhebung ein Zugeständnis, einen Ausgleich darstellen dafür, daß die Konservativen im preußischen Landtag sich dazu verstehen, den östlichen Dell des Diittellandkcurals gütigst zu bewilligen? Das hieße aber doch ein Pferd vor den Wagen und eins hinter den Wagen spannen. Mit solchen Preis würde die Teil­strecke des Mrttellandkanals allzu teuer bezahlt, abgesehen davon, daß überhaupt der Wert eines halben Mittelland­kanals sehr bestritten wird.

9. Sitzung der Großh. Handelskammer Gießen, für die Kreise Gießen, Alsfeld und Lauterbach.

Protokoll-Auszug.

Greß en, 18. November 1903.

Anwesend die Herren: Kommerzienrat Koch Vorsitzender, Kommerzienrat Hochelheim, Dürbeck, Grünewald, Ihring, Katz, Moll, Nowack, Rohr, Schmoll, Wallach, sowie der Syndikus Dr. Knipper.

1. Aus dem Geschäftsberichte ist folgendes mit­zuteilen :

a. Aus Anlaß des Hinscheidensder Prinzessin Elisabeth von Hessen hat die Kammer Sr. Kgl. Hoheit dem Großherzoge schriftllchihr Beileid aus­gesprochen.

b. Entsprechend einer Anregung das Großh. Ministe­riums des Innern haben sich die hessischen Handels kammern in mehreren Konferenzen über eine möglichst einheitliche Ausgestaltung chrer Jahres­berichte geeinigt und beschlossen, dem hessischen Handelskammertag einen dahingehenden Antrag zu unterbreiten.

c. Tie erste Konferenz von Vertretern dar hessischen Handelskammern und den Lellern der Kau sm. Fortbildungsschulen hat am 22. Oktober in Frankfurt a. M stattgefunden. Es wurde beschlossen, jährliche Erhebungen über den Stand des Kau,manui- schen Unterrichts wesens im Großherzogtum zu ver­anstalten und in einer weiteren Konferenz im Ja­nuar 1904 den Lehrplan des kaufmännischen Unter­richts und die Frage der Disziplinarmittel zu be­handeln.

d. Der Handelskammer zu Cassel ist auf ihr Ersuchen ein Bericht über den Stand des kaufmännischen Fort- bildungsschulwesens in dem Kammerbezirke übersandt worden.

e. Mehrfach geäußerten Wünschen entsprechend hat die Kammer den Lllrschluß der Güterabfertigungs­stelle in Langgöns an das Fernsprechnetz beantragt.

f. Für den Sommersahrplan 1904 hat die Kammer u. a. folgende Aenderungen in Vorschlag gebracht:

Herstellung einer besseren Verbindung Fraukfurta.M. - Gieße n-Alsfeldin den spä­teren Nachmittagsstunden;

Herstellung einer Frühzugverbindung Gießen-Gelnhausen-Elm durch Zusammen­schluß der Züge 504 Gießen-Gelnhausen und 213 Frankfurt a. M-Elm;

Herstellung einer Verbindung Elm-Geln- Hausen-Gießen in den Abeirdslltnden durch Zu­sammenschluß der Züge 204 Bebra-Frankfurt a. M. uni) 509 Gelnhausen-Gießen;

Wiedereinlegung des im vergangenen Sommer an Sonn- und Festtagen gefahrenen Spätzuges Gießen-Lich-Hu n gen ;

Anschluß des Zuges 776 Cassel-Fr an k- furt (Gießen ab 2.17 nachmittags) an den Schnell­zug Frankfurt a. M-München;

Anhalten des Schnellzuges 71 Frankfurt a. M.-Cassel (Gießen ab 9.16 morgens) in Lollar, Späterlegung des Zuges 1114 Lo llar-Wss tz- lar (Lollar ab 6.06 nachmittags) zur Erleichter­ung desArbeiterverkehrs;

Umwandlung des Werktagszuges 1043 Lon- dors-Lollar (Lollar an 9.11 abends) in einen täglich verkehrenden Zug.

g. Bereits im vorigen Jahre hatte die Handelskammer int Interesse der privaten Bankfirmen eine Aeuderung der Vorschiristen über die Annahme von Wechseln als Sicherheit für Zoll- und Steuerkredite beantragt. Nach einer Mitteilung des Großh. Hauptsteueramts Gießen sind jetzt vom Großh Finanzministerium tn teilweiser Abänderung der seitherigen Vorschiristen fol­gende Bestimmungen erlassen worden, die sofort in Wirksamkeit getreten sind:Von Wechseln dürfen als Sicherheit für laufenden Gefällekredit angenommen werden:

1) Sichtwechsel, die von dem Kreditnehmer aus eine von unserer Abteilung für Steuerwesen als genügend sichernd anerkannte Bankfirma ausgestellt und von dieser akzeptiert sind;

2) aus Sicht lautende gezogene Wechsel, aus denen neben dem Kreditnehmer noch zwei als zahlungsfähig bekannte Personen oder Firmen haften.

Die Wechsel sind auf das die Stundung be- wllligende Harrptst euer amt mit dem Vermerknicht an Ordre" auszustellen (Ziffer 1) oder zu indossieren (Ziffer 2). Die Frist für ihre Vorzeigung zur Zahl­ung (Art. 31 der Wechselordnung) darf nicht über fünf Jahre hinaus bemessen werden."

h Der Präsident des Reichisbankoirektoriums Dr. Koch feierte am 2. November sein 50jähriges Di en st- jubiläum. Die Kammer hat aus diesem Anlaß an ihn ein Glückwunschschreiben gerichtet.

2. Wahl der Vertreter im Bezirks-Eisen- Lahnrat Frankfurt a. M Für die Jahre 190406 wurden von der Kammer ihre sellherigcn Vertreter im Bezirks-Eisenbahnrat zu Frankfurt a M., die Herren Kom­merzienrat F. C. B. Ko ch und Kommerzienrat S. Heichel­heim, letzterer als Stellvertreter, wieder gewählt.

3. Gewichtsberechnung bei der Fracht für Stückgut. Nach den Bestimmungen des Eisenbahn-Güter­tarifs wird bei Sendungen über 2u Kgr. das Gewicht so be­rechnet, daß je angefangene 10 Kgr. für voll gelten. Hier­durch wird bei Versendungen auf weite Entfernungen und bei geringwertigen Waren die Fracht oft außerordentlich verteuert. Die Kammer beschloß, nochmals für eine Ab­änderung der jetzt üblichen Gewichtsberechnung bei der Fracht für Stückgut einzutreten und in Abänderung chres früheren Antrages, die Abrundung auf 5 Kgr. nach oben zu befürworten.

4. Detarifierung von denaturiertem Spi­ritus. Während Spiritus, der mit dem allgemeinen De­naturierungsmittel denaturiert wird, feit dem 1. Juli 1900 nach den Sätzen des Speziallarifs LLL verfrachtet wird, unterliegt Spiritus, der zur Denaturierung mit besonderen Tenaturierungsmitteln bestimmt ist, noch immer den Sätzen der allgemeinen Wagenladungsklasse. Hierdurch Werdern diejenigen Industriezweige, die nur Spiritus verwenden können, der mit besonderen Denaturierungsmitteln dena­turiert ist, wie die Essig- und Lackinduftrie, ungünstiger gestellt, als andere Industrien, die den mit dem gewöhn­lichen Denaturierungsmittel denaturierten Spiritus ver­wenden. Die Kammer beschloß daher, einen von der Han­delskammer Offenbach gestellten Antrag, auch den mit be­sonderen Denaturierungsmitteln zu denaturierenden Spi­ritus in den Spezialtarif IH. zu versetzen, int Interesse der Essig- und Lackindustrie ihres Bezirkes zu unterstützen.

5. Tarifierung von Papier. Nach dem Eisen­bahn-Gütertarif unterliegt Papier im allgemeinen den Sätzen der allgemeinen Wagenordtmngsllasse, doch, werden bestimmte nach Verwendungs- und Herstellungsart benannte

Papiere zu den niedrigeren Frachtsätzen des Spezialtarifs I verfrachtet. Die Fassung der Position ,Papiere" in Spezial­tarif I hat jedoch zu mancherlei Unklarheiten bei der Ab­fertigung Anlaß gegeben, sodaß die Eisenbo.hn-Direk.ion in Kattowitz eine andere Fassung vorgcsHtagen hat. Da auch diese Fassung unter ähnlichen Unklarheiten leidet, so hat der Verein deutscher Papi er fabrl kanten beantragt, Papiere in Kisten, d. h die wertvolleren Sorten, nach den Sätzen der allgemeinen Wagenladungsklasse, Papiere und Pappen, anders verpackt, d. h. die geringwertigen Sorten, nach den Sätzen des Spezialtarifs I zu verfrachten. Die Handels­kammer beschloß nach den Gutachten der interessierten Fir­men ihres Bezirkes den Antrag bi9 Vereins deutscher Papierfabrikanten bei der ständigen Tartftontmission zu be­fürworten.

6. Behandlung von Retourwaren. Es führt ost zu Benachteiligungen der Exportfirmen, daß für Waren, deren Annahme der ausländische Empfänger aus irgend einem Grunde abgelehnt hat, bei der Rücksendung nach dem Jnlande, der Zoll vom Auslande nicht zurückvergütet wird. Ta in der Schweiz bereits seit längerer Zeit eine Zoll­rückvergütung unter gewissen Voraussetzungen stattfindet und dieses Verfahren bei ben Exportfirmen Anerkennung gesunden hat, so beschloß die Kammer dafür einzutreteu, daß bei der Regelung der internationalen Handelsbezieh­ungen auch die Zollrückvergütung für Retourwaren mög­lichst überall eingeführt werde.

7. Regelung des Veredelungsverkehrs. Die Handelskammer zu Krefeld hatte an den Deutschen Han­delstag das Ersuchen gerichtet, dahin zu wirken, daß das Recht der Bewilligung des zollfreien autonomen Ver­edelungsverkehrs der Zuständigkeit einer Reichsbehörde überwiesen werde. Zurzeit steht das Recht der Bewilligung des zollfreien autonomen Veredelungsverkehrs den ein­zelnen Bundesstaaten zu; dadurch ist aber die Möglichkeit gegeben, daß in den verschiedenen Bundesstaaten von ein­ander abweichende Entscheidungen über Anträge auf Be­willigung des zollfreien Veredelungsverkehrs getroffen wer­den, woourch die Industrie des einen Staates gegenüber derjenigen des andern benachteiligt werden kann. Obwohl im hiesigen Kammerbezirk wegen der großen Entsern- ung von der Grenze ein Veredelungsverkehr nach dem Auslande nicht stattfindet, so erflärte sich die Kammer doch aus prinzipiellen Gründen für eine einheitliche Re­gelung des Veredelungsverkehrs int ganzen Deutschen Reiche.

8. Verhältnis der Apotheken zu den Kran­ken kass en. Der Apothekerverein für das Groß Herzog­tum Hessen hatte der Handelskammer eine Eingabe über­sandt, tn der sie ersucht wird, bei der Landesregierung und dem Bundesrat für eine Abänderung der Kranken­kassengesetzgebung zu Gunsten der Apotheken einzutreten. Es wurden von dem Verein folgende Forderungen aufge­stellt: Ausschließlicher Bezug der vom Arzte für Kassen­mitglieder verordneten Arzneimittel aus den Apotheken, Verbot der Verabfolgung von Arzneimitteln an die Kassen­mitglieder durch die Kassenvorstünde und Kassenangestellte, freie Apothekenwahl bei Gewährung gleich günstiger Lie­ferungsbedingungen durch sämillcye oder die Mehrzahl ber Apotheken eines Ortes ^oder desselben Kassenbezirkes, Verbot unangemessener Rabattforderungen der Kranken­kassen, Nachweisung der für Arzneien im engeren Sinne an die Apotheken gezahlten Summen in den Jahres­berichten der Krankenkassen. Die Kammer war der An­sicht, daß diese Vorschläge viel zu weitgehende Eingriffe in das freie Vertragsrecht bedeuten würden, als daß chre Durchführung befürwortet werden könne. Gegenüber den Rabattforderungen der Krankeukassen könne nur der frei- toillige Zusammenschluß der Apotheker, wie er auch jetzt in Oberhesjeu besteht, tu Frage kommen.

9. Eingäuge:

a) Verzeichnis von Sachverständigen aus Industrie und Handel, zusammengestellt vom Deutschen Handelstag;

b) Verkehrsstatistiken der Eisenbahn-Direktionsbezirke Frankfurt a. M. und Mainz;

c) Erklärung der Handelskammer Mainz gegen die Wiedereinführung von Schiffahrts-Ab­gaben auf den natürlichen Wasserstraßen (vgl. unsere heutigePolit. Tagesschau". D. Red.);

d) Bericht der Vereinigung von Handelskammern des niederrheinisch-westfälischen Jndustriebezirks aus den Erlaß bes preußischen Müüsters für Handel und Gewerbe bett. Ausscheiden der Apotheken aus der Handelskammer-Organisation;

e) Denkschrift des Verbaicdes Der in Deutschland ar* beitenden Un fall-Ver s icherun gs-Ge s ells ch asten, betr. den Gesetzentwurf über den Versicherungs-Vertrag;

f) Bericht über die am 8. August 1903 abgehaltene Ber­

schen Zucht des Vogelsberger Rindes ist dann aber mühsam und auch kostspielig. Die Bauern müssen das Zucht­material aus den tieferliegenden Tälern, den Abhängen des Vogelsberges wieder heraufholen.

Turch^ Langenhain fließt ein munterer Bach. Eine Dorf­schöne hockt am Ufer und spült Wäsche. Wir fragen nach dem nächsten Weg. Statt Antwort zu geben, macht das Mädchen ein dummes Gesicht und lacht. Ich frage zum zweitenmale langsam und deutlich: da platzt fte heraus: Nix Deitsch ich Pollack". Jetzt geht mir ein Licht auf. Lau gen Hain er Bauern von der Leurenot gepackt, verschreiben sichl Dienstmädchen aus Galizien. Aus Galizien mit der Bahn in Bummelzügen nach Herbstein. Von dort werden sie mit dem Wagen abgeholt unD in den Dienst gestellt. Baid nehmen sie die oberhessrsche Tracht an, aber rncht so rasch die Sprache und auf eine Frage erhält man bann die Ant­wort: Nix Deitsch^ ich Pollack! Was das allcS tostet, auch welche Ueberwindung, ein polnisches Dienstmädchen, mit dem man sich nur durch Zeichen verständigen kann, in die Hausgenoj j enschaft auf zunehmen,werd en unjere Bauern selbst am besten fühlen. Aber eine belfere Illustration zur Leute- not aus dem Lande kann es wohl nicht geben: Polnisch- Galizische Dienstmädchen im Dienste von Bauern in Langen- bain am Fuße des Taufsteins!

Und nun weiter ohne Weg und Steg über den Tauf­stein auf den Hohenrodskopf. Ein LMidwirt, der mit Weib und Kinb auf seinem Acker schasst, zeigt uns den Weg, und als er feinen Dank von uns hat, inoem wir gewissenhaft über unsere Personen Auskunft geben, erneuern wir eine alte Bekanntschaft. In den und Den Jahren, so sagte er, diente er in der 4. Kompagnie unter Dem Herrn Haupt­mann H. un ad)y da sein Sie wohl Der und der? Und clls er das auch weiß, da wird noch ein langer Schwatz gehalten über die Zeit und die Menschen von damals und wie so manches anders geworden ist und wie alt man Dabei ge­worden ist!

Wir kommen endlich! los. Die Wegenrarkierung ist aus­gezeichnet, bis wir vor ben geschlossenen Oberwald kommen. Aus einer Waldwiese finden wir die letzte Wegemarkierung,

250 Schritte weiter, am Waldrcmde ist feine Markierung zu finden. Wir suchen den Waldrand ab auf große Strecken, vergeblich, die Markierung hört hier auf. Aufs Gerate­wohl steigen wir durch den Wald auswärts, scheinbare Wege verlieren sich^ im Hochwalde. Aber wir sind guten Mutes, höchstens machen wir einen Heinen Umweg, aber wir werden nicht wieder, wie in vergangener Nacht, im Kreise herum- lausen. Endlich sind wir aus der Höhe, der Waldboden ist fast eben, wir finden Schneisen, aus denen wir rascher vorwärts kommen. Da sehen wir uns gegenseitig stumm fragend an: Sind wir in vergangener Nacht gerade hier herumgespukt? Richtig dort Üt die abgesperrte Schneise, die ausgebaut wird. Da liegt Der von mir in vergangener Nacht ausgerissene und zur Seite geworfene Pfahl, wir probieren unsere Schuhe in die ans dem weichen Boden Zurück gelassen en Spuren. Alles stimmt, und nun wissen wir den Weg zur Oberwaldschneise trotz der auch hier fehlenden Markierung. Wie wär s, wenn der V H-K. auf der Ober- waldstraße etwas Farbe sparte und dieselbe verwendete da, wo sich im dichten Walde Schneisen kreuzen? Wenigstens aus dieser Seite des Oberwaldes, im Innern D.gelben haben wir den gänzlichen Mangel der Markierung am yellen Tage sehr übel empfunden. An den Kreuzungs­punkten, von Denen oft fünf Wege aus gehen, wäre höchstens ein Richtungszeichen nach der Oberwaldftraße nötig, bann kann sich auch der Fremdling wieder zu Vllmschen zurück- finden. Mr erreichten die Oberwaldstratze, bann den Hohen- rodskops, und wie mundete dort nach langem Marsche von Ulrichstein über Rebgesham, Eichelhain, Langenhain quer durch den OberwalD das Schweinefleisch, Weißkraut und Kartoffeln aus einer rasch durchwärmten Konservebüchse. Mit Der Verpflegung auf Dem Hohenrvdskops kann man durchaus zufrieden jein. Es schmeckt da oben tm Herbst­wind noch besser als unten im Lahntal.

Nach einer Rast von einer Stunde fliegen wir hinunter nach Bräungeshain, vorbei an dem alten und neuen Fried- Hos mit dem Fundament Der allen Kapelle, Jo alt vielleicht wie die deutsche Gesastchte. Ueber Michelbach erreiei^en wir Schotten und haben noch Zeit genug, noch einmal einzu­

kehren bei dem rnndlichieu, beweglichen und heiteren Gast- Halter, ehe uns der Zchg über "Nidda wieder heimwärts fährt.

.Meisterbilder fürs deutsche Haus" heraus- qegeben vom Kunstwort XV. Folge, Blatt 8590. Verlag von Georg D. W. Eallwey, München. Preis jedes Blattes 25 Psa. DieseMeifterbilder" erfreuen sich einer stets wachsenden Beuebt- heil. Hierzu trägt die gute Auswahl und Ausführung ebensoviel oei, wie die kurzen, gediegenen Begleitworte, Die Der Kunstwart den Bildern mit auf den Weg gibt. Sind die Bilder imstande, wirklichen Geschmack im Hause zu verbreiten", so ist es der Text, der aus richtiges Kunstverständnis hinarbeitet. Die XV. Folge ent­hält Blatt 85. Millet, Kuh bei der Tränke. 86. Hobbema, Haar- leemer Holz. 87. Holbein d. Aeltere, Die Heiligen Barbara und Elisabeth. 88. Moretto, Die heilige Iustina. 89. Dürer, Apokalyp­tische Reiter. 90. Temers, Versuchung des heiligen Antonius.

Das erste Heft einer neuen Zeitschrift, derSüd­deutschen Monatshefte", gelangt soeben zur Ausgabe. Darin beginnt Pfarrer Dr. Friedrich N a u m a n n mit groß angelegten Erörterungen über dend e u t s ch e n S ü d e n." Der wlssenschastliche TeU enthält einen Aussatz aus der Feder des Führers der jungen Zoologenschllle, Dr. Hans Driesch, der die Zu­kunftsaufgaben der experimentellen Zoologie darlegl. Ihm folgt: Proseklor Dr. Eugen Albrecht, der als erster unter den zeitgenössischen Atediziliern den Versuch macht, ein gebildetes Laienpublikum in die neuesten Ergebnisse der Pathologie einzuführen. Seinem Ailssatze schließen sich Aphorismen des Profesiors an der Atünchener Uni­versität, August Pauly, an. ^Der künstlerische Teil bringt an erster Stelle ben Beginn einer Selbstbiagrahie des berühmten Meisters Hans Thoma in Karlsruhe. Dann einen Aufsatz von Dr. Paul Marsop, der für München als Kunststadt emtritt und einen ersten Beitrag von Dr. Josef Hosmiller über das Deutsche Theater unserer Zeit, der unsere Theaterzilstände, Autoren, Direktoren und Publikum einer vernichtenden Kritik unter­zieht. Der belletristische Teil enthält eine in Franken spielende humoristische Erzal)tung vo« Wühelm Weigand, betiteltDer MessiaSzüchter". Nach einer Auswahl der schönsten Gedichte von Marlin Greif macht die erste Veröffentlichung Der neueften Komposition von Hans Psttzner, eines Liedes für eine Singslimnre mit Klavierbegleitung, ben Beschluß. (Jahres-Abonnement 12 Mk., Verlag der ,Süddeutschen Monatshefte", Ilünchen, Königm- straße 59.)