rngen bet alkoholfreien Vergnügungen gestaltete. Die riesigen Säle waren von tausenden von Besuchern dicht gefüllt. Festaufführungen musikalischer und theatralischer Natur lösten einander ab. Nach den Begrüßungsansprachen betrat Prof. Hueppe (Prag) die Rednertribüne und gab die Erklärung ab, daß er seine Ansicht, die Abstinenten seien Asketen, wohl modifizieren müsse, denn eine solche, von ungezwungenster Festfreude getragene Massendemonstration sei Wohl der beste Beweis gegen seine frühere Auffassung. Stürmischen Beifall fanden die SkioptiLonbilder unter dem Titel: „Cingefangene Guttempler aus nah und fern". Sie zeigten die Führer der Abstinenzbewegung, Eine Wiener Straßenszene, in deren Vordergrund die bekanntesten Wiener Abstinenzler sich befanden, wurde besonders akklamiert.
Bremen, 18. April.
Heute nachmittag fand im Gewerbchause eine öffentliche Versammlung der Vorstände der Trinkerheilstätten statt. Pastor Kruse (Lindorf) berichtete über Geschichte und Bestand der Trinkerhellstätten in den verschiedenen Ländern. In Deutschland gicbt es danach zurzeit 46 Anstalten. Sanitätsrat Tr. Schaefer (Lengerich) referierte über die gesetzlichen Bestimmungen zur Unterbringung von Trunksüchtigen. Direktor Dr. Frank (Münsterlingen- sprach über die ärztliche Seite der Trinkerbchandlung. Redner steht auf dem Standpunkt, daß die Trunksucht kein Laster und keine Leidenschaft sei, sondern eine Geisteskrank- heit, die die Funktionen der Gehirntätigkeit beeinträchtige und die Moral und den Willen untergrabe. Deshalb solle man den Trinker nicht als Lumpen und Sünder behandeln, sondern lediglich als krank.
Ueber die sittlich-religiöse Seite der Trinkerrettung referiert Pfarrer Neumann (Mündt). Die Frage der sittlichreligiösen Einwirkung auf die Trink- oder Trunksüchtigen, so führte Redner etwa aus, dürfe auch in einem Ztongreß nicht unberücksichtigt bleiben, der interenational, interkonfessionell und vielleicht sogar interreligiös sei; sie müsse besprochen werden, weil die Behandlung der Trinkfrage doch möglichst allseitig sein solle und weil die Erfahrung ge- zeigt habe, daß der höchste Prozentsatz dauernd geeilter Trinker dort zu finden sei, wo es gelungen sei, den ganzen Menschen zu packen, wo die ärztliche und die sittlich-religiöse Behandlung sich ergänzten. (Beifall und Zustimmung). Mancher wäre nicht ein Opfer des Alkohols geworden, wenn er in einem christlichen Familienleben einen sittlichen halt gefunden hätte. (Beifall.) Die Unmäßigkeit ist es ja, die mit den Forderungen des Sttlengesetzes in einem unvereinbaren Gegensatz steht; sie ist aber auch der Nährboden, auf dem die verschiedensten Bazillen für alle möglichen Seelen- und Leibeskraniheiten gezüchtet werden. Wenn man sich die Erfolge vergegenwärtigt, die außerhalb der Anstalten, ohne fachmännische ärztliche Leitung erzielt worden sind, so wird man zugestehen müssen, daß die Bedeutung der sittlich-religiösen Ernwirlung auf die Alkoholkranken gar nicht hoch genug eingeschätzt werden kann. (Beifall.) Und so denke ich, wenn wir zu den Waffen, die uns die Wissenschaft liefert, auch noch die übernatürlichen Heilsmittel hin- zunehmen — jene in 20 Jahrhunderten bewährten Heilsmittel (Beifall) — dann wird es uns gelingen, den neuen gemeinsamen Feind zu überwinden. (Lebhafter Beifall.) Zum Schluß sprach noch Dr. Fock (Hamburg- über den Be- griff der Heilung in der Behandlung Alkoholkranker. I» der Diskussion wurde mehrfach betont, oaß mindestens ebenso wichtig wie die Behandlung der Trinker in den Anstalten die dauernde Wirkung aus pie entlassenen Trinker in den Ab- stinenzvereinen sei.
Bremen, 19. April.
Der internationale Kongreß gegen Alkoh^lismus wurde Heute geschlossen. In der Schlußsitzung dankte Prof. Forell nochmals der Reichsregierung und der Stadt Bremen für die Unterstützung, woraus Bürgermeister Pauli erwiderte. Der nächste Kongreß soll im Jahre 1905 inBuda - pe st abgehalten werden.
Aus ^tuUt und Lliilö.
Gießen, 19. April 1903.
** Parlamentarisches. Die Abg. Schönberger tinb 22 Genossen beantragen: „Hohe Kammer wolle die Großb. Negierung ersuchen, alsbald dem Landtage cm Gesetz vorzulegen, das die Uebernahme der Volksschullasten auf den Staat anordnet, auf der Grundlage, daß sämtliche persönliche Volksschnllasten durch progressiv adgesluste Zuschläge zur staatlichen Einkommensteuer für das ganze Land gleichmäßig aufgebracht werden." — Der Abg. Wolf beantragt: Hohe Kammer wolle die Großh. Regterung ersuchen, die Verordnungen lt. Artikel 9 vom 23. Januar 1844, Art. 4 vom 8. Dezember 1852 und die gleiche Verordnung lt. Amtsblatt des Großh. Ministeriums der Finanzen, Abteilung für Steuerwesen, im Amtsblatt Nr. 41 vom 10. November 1899 nicht auf die zeitlichen, vorübergehenden, landwirtschaft- lichen Kulturoeränderungen anzuwenden, sondern sich in diesen Fällen mit einer Schätzung des Inhaltes der in Frage fommn- den Kulturveränderungen durch die Feldgejchworenen zu begnügen.
Mainz, 18. April. Gestern nachmittag wurde hier auf einen Steckbrief der Staatsanwaltschaft Hanau ein Reisender verhaftet, der nach Unterschlagungen von mehreren tausend Mark flüchtig gegangen war. — Die hiesige Polizei fahndet auf einen Falschmünzer, der gestern in Gemeinschaft mit einem anderen in Höchst den Versuch gemacht hatte, falsche 20-Ma r kst ücke zu verausgaben. Einer der Falschmünzer ist bereits verhaftet. — TaS Gesuch bet beiden kommunalen Vereine des Vereins Altstadt und des Vereins für Gartenfelder Angelegenheiten an die Stadtverwaltung um Herabsetzung des GaSpreiseS — er beträgt gegenwärtig für Leuchtgas 18 Pfg. und für Koch- und Jndustrie- gaS 12 Pfg. pro cbm. — wurde von der GaSdeputation abschlägig beschieden. Im abgelaufcnen Jahre betrug der Reingewinn an unseren beiden Gaswerken 174 000 Mk. — Die Reifeprüfung bestand als erste Abiturientin Ella Wolf-Alzey am Ostergymnasium, wo sie die Zulassung erst nach mehrmaligen Abweisungen erlangen konnte.
Fra nkfurt a. M., 18. April. Anläßlich deS hundertjährigen Bestehens der Musterschule (Reformgymnasium) und der Elisabethenschule (höhere Töchterschule) fand heute vormittag im Saalbau eine gemeinsame akademische Feier statt, der als Regierungsoettreter Ober- präsideitt von Zedlitz-Trützschler, als Vertreter der Stadt Bürgermeister Dr. Varrentrapp und Stadtrat Grimm beiwohnten. Die Feier war außerordentlich stark besucht. Der Vorsitzende des Festausschusses Tr. med. Knoblauch begrüßte tUe Erschienenen. Die Direktoren Rehorn von der Elisabethen»
schule und Walter von der Mufterschule hielten ebenfalls De- grüßungS-Ansprachen, Oberpräsident von Zedlitz-Trützschler sprach namens der obersten Schulbehörde und der königlichen Staatsregierung, die den beiden Schulen wärmstes Interesse entgegenbringe und vollste Anerkennung zolle. Redner feierte Frankfurt als Schulstadt par excellence. Bürgermeister Dr. Varrentrapp sprach für die Stadtverwaltung, Stadtrat Grimm für das Kuratorium der höheren Schulen. Ferner sprachen Rektor Birdt von der Universität Marburg, Rektor Krüger von der Universität Gießen, Rektor Pfarr von der technischen Hochschule Darmstadt, Rektor Morff von der hiesigen Sozialakademie, zahlreiche hiesige Schuldirektoren und Vertreter von Vereinen, Kommerzienrat Andreae-Passaoant für die Handelskammer usw. Im ganzen wurden 22 Reden gehalten und u. a. von einer Jubiläumsstiftung Mitteilung gemacht, welche begabten Schülerinnen und Schülern nach Verlassen der Schule zur Weiterbildung verhelfen soll. Die Stiftung rühtt von ehemaligen Schülern her und beträgt für die Musterschule 28 000 Mk., für die Elisabethenschule 23 000 Mark. Gesang eröffnete und beschloß die Feier.
Hanau, 18. April. Eisenbahnminister Budde war heute hier anwesend und nahm eine eingehende Besichtigung der hiesigen Bahnanlagen vor. Mittags fand ein Diner zu 12 Gedecken im Ostbahnhof statt. Man erhofft von der Besichtigung eine baldige Verbesserung der hiesigen für den heutigen Verkehr nicht mehr zulänglichen Bahnanlagen.
«Hessischer Kberleyrertag.
X Gießen, 20. April.
Nachdem am Freitag der Bierabend, über den wir bereits berichtet haben, einen wohlgelungenen Verlauf genommen hatte, fand am Samstag vormittag die Hauptversammlung des Vereins akademisch gebildeter Lehrer im Großherzogtum Hessen statt. Pünktlich um 11 Uhr eröffnete der Vorsitzende, Oberlehrer Block-Gießen, die Sitzung. Er hieß zunächst die erschienenen Teilnehmer und Gäste herzlich willkommen und begrüßte besonders Provinzialdirektor Dr. Breidert, Herrn Prorektor Prof. Dr. Hansen als Vertreter der Landesunioersität, sowie die anderen anwesenden Universitätsprosesforen, ferner die Vertreter nicht- bessischer Landes- und Provinzialvereine akademisch gebildeter Lehrer, unter ihnen Direktor Dr. Keller-Freiburg, Prof. Dr. Cramer- Heilbronn und Prof. Dr. Lohr- Wiesbaden. Leider war es, wie Geheimer Oberschulrat Nod- nagel dem Vorsitzenden mitgeteilt hatte, diesmal der hessischen Regierung nicht möglich gewesen, einen Vertreter zu der Versammlung zu entsenden. Provinzialdirektor Dr. Breidert dankte für die Einladung und hieß die Versammlung im Namen der Provinz Lberhessen und des Kreises Gießen willkommen. Aus der Rechnungsablage des Oberlehrers Ritsert-Darmstadt, die darauf erfolgte, erwähnen wir nur, daß erfreulicherweise alle zum Eintritt Berechtigten dem Verein als Mitglieder angehören, und daß die Mitgliederzahl zurzeit 546 beträgt. Der Vorstand, dem seither aus Starkenburg angehörten die Herren Oberlehrer Prof. Dr. Becker-Darmstadt, Prof. Heddacus- Darmstadt, Prof. Tr. Keu tzer-Offenbach, Tr. Ne ß lin g- Darrnstadt und Ritsert- Tarmstadt, aus R h e i n h e s s e n Prof. Dr. Beck-Mainz, Prof. Dr. Denig - Mainz, aus lberhessen Block-Gießen und Prof. Grein-Friedberg, umrde nahezu einstimmig wiedergewählt. Auf die Einladung des Darmstädter Oberlehrervereins hin, die Oberlehrer Hensing überbrachte, wurde Darmstadt zum Ort der nächsten Hauptversammlung bestimmt. Oberlehrer Block berichtete sodann über das dbgelaufene Vereins- jahr und teilte u. a. mit, daß die Verhandlungen wegen der Veranstaltung eines allgemeinen Oberlehrer- tages soweit gediehen seien, daß wohl der erste noch in diesem Herbst in Halle a. S. im Anschluß an die Versammlung deutscher Philologen und deutscher Schulmänner statt- inden könne. Große Freude erregte die Nachricht, daß eine Sammlung von Gesetzen und Verfügungen über das höhere Schulwesen Hessens von Geh. Oberschulrat Nodnagel oeben erschienen sei. Durch, diese Festesgabe hat die Regierung einen schon lange bestehenden Lieblingswunsch der Oberlehrer erfüllt Es folgte darauf ein überaus anregenden Vortrag von Prof. Dr. Strack über „Aufgaben und Bedeutung der Volks künde". Ter nächste Punkt der Tagesordnung betraf die Beschlußfassung über die von Oberlehrer Dr. Messer-Gießen auf der letzten Hauptversammlung in Mainz aufgeftellten Leitsätze über die Berechtigungsfrage. Nach einer lebhaften Erörterung, an der sich besonders Direktor Tr. Mangold- Darmstadt, Prof. Dr. Stand in ge r-Darmstadt und der Antragsteller beteiligten, wurden von den drei Sätzen die beiden ersten in folgender Fassung angenommen:
1. Es empfiehlt sich die Gleichstellung der Realgymnasien und Overrea.schulen mit den Gymnasien hinsichtlich der Zulassung ihrer Abiturienten zur Immatrikulation, zu Staatsprüfungen und Promotionen.
2. Zunächt erscheint der Grundsatz der Gleichberechtigung praktisch durchführbar bezüglich der juristischen und )hitosophifck)cn Fakultät.
Der erste Satz wurde gegen eine, der zweite gegen 54 Stimmen angenommen. Ein weiterer Dortrag von Oberehrer Roller- Darmstadt über „Kurzsichtigkeit und Schulbücher druck" zeigte, daß gerade in den höheren Schulen die Kurzsichtigkeit unter den Schülern sehr häufig t und daß daran nicht zum wenigsten der ost den ein- ach sic n Regeln der GesunoyeitSlehre widersvreck-ende Buck)- druck die Schuld trägt; eine Waiidlung und Besserung sei hier erst durch ein entschiedenes Eingreifen der Regierung zu erwarten. Am Schlüsse wurde der Antrag des Oberlehrers Schierholz-G.eßen, den settherigen Namen des Vereins: „Verein akademisch gebildeter Lehrer im Groß- Herzogtum Hessen" in „Hessischer Oberlehrer-Verein" umzuwandeln, einstimmig angenommen.
Unmittelbar an die Verhandlungen schloß sich ein gemeinsames Mittagsmahl an. Tie Reihe der Tischreden eröffnete der Vorsitzende mit einem Hoch auf den LandcSherrn- Pros. Tr. Beck-Mainz braüjie einen Trinkspruch aus auf die Herren Universitätsprofessoren, in deren Namen Prof. Dr. H a n | e n banke. Prof. Tr. Keutzer sprach auf die nicht- hesssschcn Gäste, für die Prof. Dr. Cramer-Heilbronn dankte, Prof. G r c i n-Friedberg auf den Gießener Ober- lehrerverein, Prof. Tr. Ltaudiuger auf den Vorstand dcs Gesamtixreins, besonders auf den Verätzenden, B.ock, und >en Schriftführer Ritsert, auf deren La,uttern die Haupt- lall der Gesck-aftSführung ruhte. Am Abend vereinigte ein AbschiedStrunk einen großen Teil der Festgenossen im Saale deS Hotels „Grvßherzog von Hessen": Dazu hatte ich Provinziaidirektvr Tr. Breidert wieder eingtfunben, oivie Hrci» amt mann Dr. Kranzbühler. Tie launigen Vorträge deS Pros. Tr. Nover-Mainz, der auch die sonstigen Veranstaltungen durch seinen Humor verschont
hatte, machte den Gästen den Abschied besonders schwer. Tie Beteiligung an beiden Tagen war in flnbetraebt der ungünstigen Sage von Gießen recht rege. An der Hauptversammlung nahmen über 170 Personen teil. Ohne Zweifel hat diese Zusammenkunft das Gefühl der Zusammengehörigkeit nicht allein der hessischen, sondern auch der gesamten deutschen Oberlehrer neu gestärkt und go -l'tigt
2>er Kerem Hessischer Zahnärzte.
(Ausführlicher Eigenbericht.)
R. B. Darmstadt, 19. April.
Ter Verein hessischer Zahnärzte, der eine sehr stattliche Anzahl von Derussgenoisen in den verschiedenstenTeilen des Reiches zu seinen Mitgliedern zählt, hielt gestern und heute hier seine 9. Jahresversammlung ab, mit der zugleich ein achttägiger Fortoildungslursus verbunden ist. Ter erste Vorsitzende des Vereins, G. Koch L aus Gießen, begrüßte die im Physikalischen Hörsal der Technischen Hochschule Versammelten mit herzlichen Worten und warf dann einen Rückblick auf das verflossene Bereinsjahr, dessen schönster Erfolg die am 1. Dezember v. I. vollzogene Eröffnung einer Poliklinik für die Zahnpflege der Kinder in den Darmstädter Volksschulen sei. Tann begannen die wissenschaftlichen Vorträge. Ten ersten hielt Zahnarzt Günther-Bonn über Mund- und Zahnpflege. Redner betrachtet als Hauptaufgabe einer rationellen Mund- und Zahnpflege die täglich mehrmalige Reinigung des Mundes mit gut warmem Wasser, und das Putzen der Zähne und des Zahnfleisches mit einer nicht zu harten Bürste; für die sorgfältige Reiniguna der Zwischenräume der Zahne seien pfeilartige Zahnhölzchen zu verwenden, mit denen besonders die Zahnfleischzipfelchen bearbeitet werden müßten. Eine Behandlung der Zähne mit kaltem Wasser empfehle sich nicht, es werde auch dadurch keine Kräftigung der Zähne erreicht, wie man vielfach annehme. Pflicht der Eltern fei es, ihre Kinder frühzettig an die einfache Prozedur des Zähneputzens mit warmem Wasser zu gewöhnen, wobei man auch Zahnpulver aus Kreide verwenden könne. Durch einige Tropfen Karbol im Wasser werde auch jeder Fäulniserreger irn Munde zerstört. — Ten. zweiten Vortrag hielt Michel- Würzburg über Artikulatoren, wobei der Redner einige interessante fachwissenschaftliche Demonstrationen torfühtte. Herr S to ck-Tarmstadt sprach dann noch über die Anwendung von Kali hydricum eornpositurn und Herr Alb recht-Marburg zeigte verschiedene neue Instrumente für die Zahnheilkunoe, verknüpft mit pralttschen Demonstrationen vor. Den interessantesten Teil dar Sitzung blldete nach einer längeren Frühstückspause ein Projettionsvortrag von Prof. Wal kho ff-München über „Tie ältesten menschlichen Knochenreste und ihre Bedeutung für die Abstammungslehre des Menschen." Der Redner hat sich neben seinem zahnärztlichen Beritt lange mit anthropologischen Studien beschäftigt und versuchte unter Demonstrierung einer großen Zahl von teilweiser mit Hilfe der Röntgenstrahlen gewonnener Lichtbilder den Nachweis zu führen, dag die Darwin sche Theorie von der Asfenabstammung des Menschen wissenschaftlick) unhaltbar sei. Sowohl der altdiluoiale Menschenrest aus dem Neaichertal bei Düsseldorf, wie Knochenreste aus dem Schipkatal und die Schädelsuiidc bei Spy in Belgien bewiesen im Gegensatz zu Virchows Anschauung, daß diese ältesten Kiwchenreste einer zwar anders gearteten, aber doch einer Menschenrasse angehörten. Ter Redner kommt auch auf Grund zahlreicher anberroeitiger Merkmale zu dem Schluß, daß die vorgeführten b.luoialen Knochenreste einer eigenen Gattung Honro angehörten unb daß diese Ureuropäer und der Afse höchst lvayrscheinlich zwei entgegeiigesetzte Zweige eines und desselben untergegangenen, bis jetzt nicht aufgefundenen Urstammes bilden. Ter höchst interessante Vortrag wurde mit lautem Beifall belohnt. Am Nachmittag um 5 Uhr fand ein gemeinsames Festmahl mit Tarnen im „Darmstädter Hof" statt. — Zu den heute vormittag fortgesetzten wissenschaftlichen Vorträgen waren auch als Regieruirgsvertreter Lbermedizinal- rat Dr. Neithardt unb Geh. Rat Krause erschienen. Zuerst sprach Prof. Por t-Heibelberg über die Verwendung der Röntgenstrahlen in der Zahnheilkunde, wobei er unter Vorführung interessanter Lichibilderdemonstrationen eine Reihe praktischer Winke für die Benutzung der Röntgen- trahlen gab. Tann sprach Zahnarzt Dill-Liestal uuer „Kombinierte Füllungen" und „Eh.oplastische Arbeiten", worauf Dr. Lautz-Tarmstadt verschiedene Erfahrungen über die Anwendung der Röntgenstrahlen mitteilte. Mit Worten herzlichen Dalikes an alle Vortragenden sckloß darauf Herr G. Koch I. aus Gießen die diesjährige Tagung. Ein Mittagsmahl im „Darmstädter Hof" Bereinigte darauf noch einmal die Mehrzahl der Tellnehmer in geselliger Weise.
Derinischles.
• Schwerin t Mecklcnbg., 19. April. Maurer fließen beim Abbruch eines Hauses im Keller auf einen Sarg, der ein menschliches Gerippe enthielt. Eine Untersuchung wurde eingeleitct
• Dresden, 18. April. Die „DreSd. N. N." erfahren aus authentischer Quelle, daß bezüglich deS zu ermattenden Kindes der Prinzessin Luise der König unb der Kronprinz vor längerer Zett beschlossen haben, baS Kind, welches ber königlichen Familie gehört, vorläufig bei der Mutter zu lassen.
* Kopenhagen, IT. April. Gestern abend übersielen drei dcusche Fleischergesellcn Straßenpassanten unb töteten einen unb verwunbeten mehrere berselben mit langen Flcischermesscrn.
London, 17. April. Die neue Segelyacht „Dham». rock 3", welche der Millionär unb Freunb Königs Eduard, Sir Lipton, zur Konkurrenz um den Amerckapokal erbauen ließ, erlitt gestern bei ihrer Probefahrt bei Weymouth schwere Havarie. Ein gewaltiger Windstoß brach den Hauptmast unb riß einen Matrosen über Borb, welcher ertrank. Lipton unb mehrere MannschaftSmitglieber trugen mehr ober weniger chwere Verlegungen davon.
* Pari«, 18. April. Bei dem gestern zwischen den beiden Schriftstellern Villars und Lassa y stattgehabten Duell erhielt letzterer beim dritten Gange einen Stich in den Unterleib, worauf der Kampf eingestellt wurde.
e San Remo, 18. April. Der verhaftete frühere deutsche Ofsizicr Wessel erflärtc, daß alle in seinem Besitz befindlichen die D re yf u S - A f f är e betreffenden Dokumente in Brüssel in Sicherheit gebracht seien. Ti, französischen 'Jlationaliftcn hätten ihm für die Ueberlassung derselben 10000 Fram» geooten, um die kompromittierenden Schriftstücke zu vernichten. Wessel erfläne ferner, Beziehungen zu


