Ausgabe 
20.4.1903 Erstes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

Nr. fll

Sri chetn« tägktch auBci Sonnlag«.

ffcem «ÄiebeneT 'Üryeiqer werden im flkdilel mit dem hrlfilche, fanörolrt dir Oiehrner Kamillen* Härter viermal in der

Woche beiqelegL Roinuoneöiud u. Ker» laq bei Brüh l'Ichen Uniueri.'ttiid)- u. Bient- dructerei (PieNch ürbcrx) -tedattiom (trpföiiion und truderet.

Gchatfteatze 7.

tlbielle tüt Develchen: Anzeiger Sieftea.

pfrnpifd)ani(f)hi6 Jtr 51.

bestes Blatt. 153. Jahrgang

Montag 20. April 1903

SietzenerAnzeiger

General-Anzeiger

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Eichen

Bezugspreis: monatlich 7bM.. viertel» jährlich 2.2V. durch Adlrole- u. Hrveigfiellnt monatlich 65UL. durch öiet'oii Mk.L öiertcl- |äbd. oudctiL Benellg. Annahme von Anzeige» füt die Laqeeiiiiiiuner bte öorminage 1U Uhr. 3eilenprei<: total 12ittw auemärte tu tilg. Beianirvoritich *üt den pohi und aüqem. Teil ti Witt ko »ür .Stadt und vanir und .toencbtelaal* Auouft ®ä». Ktr den vht- teiaentcil Van« Beck.

politische Wochenschau.

Croßc Tinge sprechen fif> durch Schweigen auS", sagt rin polnische» GpriapoorL Auch auf die gegenwärtige inner- pvlitifd)e Lituatwn könnte man es, wenn man Optimist oder Ironiker Ist, in Anwendung btiuaen, denn, so verwunderlich e- ist, tiefes Echtoergen Lagert über der ganzen Linie, und nur hier und da arbeiten einzelne Parteien daran, Rüst- ungen zu dem Wahlfeldzu ge zu treffen. Bon feinem Ausfall hängt auf Jahre hinaus das Wohl und LRHe des Reiches, mehr noch das des Volkes ab, und je nach feinem Berlaufe wird sich »u entscherden haben, ob in Zukunft Aussicht vorhanden Ist, den Weg zur wirtschaftlichen Ent- Wicklung des Landes mit Vertrauen zu gehen. Tie Hoff­nungen, bau der Wahlkampf sich in Bahnen bewegen wird, die den Entscheidungen gerecht werden, zu denen der neue Reichstag berufen ist, sind nii)t allzu groß. Es zeigt sich leider vielfach ein hoher Grad tun Unentschtossenhett in ver­schiedenen Lagern i niemand aber mag zween Herren dienen ..... Jedenfalls darf eS für niemanden, der es ernst mit feinem Batet.lande meint, in den nächsten Dtonaien, selbstverständlich außer seinen besonderen Pflichten, eine wichtigere Aufgabe geben, als für fein Teil alles zu tun, um die weitesten Kreise über die Bedeutung der Wahlen ausznklären. Leider messen noch viele Bürger dem Aus­fall der Wahlen so geringe Bedeutung bei, bag sie es nicht einmal ber Müde wert finben, zur Urne zu schreiten, ja baß sie sich um bie Wahlen überhaupt nicht rümincm. Diese haben gewiß nie auch nur einen Augen­blick barüber nachgedacht, welche namenlosen Opfer gebracht worden sind, wieviel LebenSglück in die Schanze geschlagen wurde, wie viele edle Menschen zu Tiä.rtijrem werden mußten, ehe dieses Wahlrecht, auf das sie so verächtlich herabsehen, errungen werden tonnte I Tie Männer, welche dem Absolutismus das MitbestinimungSrecht des Volkes ab» getrotzt haben, hinterließen uns als köstlichstes Erbe jene Institution, die unS gestattet über das Wohl und Wehe des Staates mit zu entscheiden, dessen Bürger wir find. Leider kümmern sich Millionen in ruhigen Zecken überhaupt nicht um Tinge, welche bei den Wahlen die Hauptrolle spielen, wenigsten- soweit ihre materiellen ober sonstigen rein persönlichen Interessen babei nicht in Frage kommen Die Berusstätigkeit, Sorgen um framilic, Haus unb Hof, Vergnügen, Sport unb bergt nehmen bie Zeit vieler Menschen derart in Anspruch daß sie sich um öffent- ließe Tinge überhaupt nicht kümmern. Wenn bann bie Wahl- zeil h.rannaht, betrachten es naturgemäß gewisse Parteien als ihre vornehmste Aufgabe, eben diese Kreise, welche der Politik fern sichen, durch geschickte Agitation zu sich herüber­zuziehen. Untergeschickter Agitaitiou" versteht man die Jlunft, den Blick der Wähler von den wichtigsten Kultur­sragen abzuziehen, damit sie nicht auf den Gedanken kommen können, baß es sich noch upn andere Tinge handelt, als etwa um Zölle, Liebesgaben und Kriegsschiffe. Bon einer tolleren Warte aus betrachtet, ist, wie bie Frankfurter fcaltiiumaisfdjriftDas freie Wort" sehr richtig ausführt, jede Wahlagitation als Beleidigung gegen ben Wähler au betrachte n, weil ihm damit tiidirekr gesagt wird, dag er keine Zeit oder Qklegenbeü gefunden bat, zu einer eigenen Meinung in politischen Tingen zu ge­langen. Der Ideal-Wähler ist ein solcher, der sich von vornherein darüber ün Klaren ist, auf welches Programm bin er einem Kandidaten feine Stimme geben ober versagen wird, der sich aber auch den ÄänbJxiten daraufhin ansieht, ot er ein Charakter ist, auf den man bauen darf....

Die kathocksck-eKöln. Voltsztg." fährt inzwischen fort, energisch die Entschließung des Bundesrats über das Je­su i t e n g e s e h zu fordern. TaS Blatt sagt, es sei wohl Zeit, daß der Rerchskanzler Jemen Worten die Tat folgen lasse, sonst könnten die Folgen kehr unerfreulich werden. Tie Folgen einer Ablehnung des Rcick-stagSveschlusjcs wurden sich nicht auf Erschütterung der Autorität des Reichskanzlers beschränken. Im katholisä-en Volke würde bie Erbitterung so grog werden, daß sie dem Zentrum feine bisherige Stellung zur Regierung wahrschemlich unmög­lich mad)cn würde.

Tee Reiches Kanzler wird also wohl am 18. d. M. nick-t sonderlich erleichtert die Rückfahrt aus dem sonnigen Sorrent nach der kühlen Reichshauptstadt an­getreten haben, wo seiner neue Arbeit harrt. Auf innerem wie äußerem (Gebiete. £at er auch verwunderliä/erweise einem Mitarbeiter desTemps" soeben nocd erklärt, daß die europäische Lage trotz der Unruhen aus dem Balkan zu Besorgnissen leinen Anlaß gebe, unb dag das Verhältnis znnsckxn Teutschtond und Frankreich so frteolich- schiedlich sei, luie immer man es nur wünschen tonne, so wird er trotz des Zursa-autragens vergnugieiter Miene doch innerlich darauf gefaßt sein, daß urplötzlich Fragen aus- tauche», deren Eiitschetoung von inuneujer Tragweite |ein W^Die Unruhen in Macedonien wollen eine ernft- Hdre gefallt für den europäischen Frieden nicht bedeuten, wenn es gelingt, sie scharf zu umgrenzen, sie können aber au einer solchen in dem Augendtta.e werden, in dem Ruß­land oder Oesterreich bte Geduld verlieren. Ter seines Konsuls hat Rußland veranlaßt, von der Türkei auger anderem die Konzentrierung von 20000 Mann um ben £'crö der Unruhen zu verlangen, in Oest-erre.ch erwog man einen Auaenb.üt lang einen Einmarsch in bie revolutionären ßtebiete unb auch Alexander von Serbien, bem sein jungjicr Gtaatsüreiü) be.f - zu betouimen sthemt, ais er es Durbunt, fuieite in ci er Ansprache gelegentlich seines Geburtstages mit bem Ernst ber Situation. E-.nsuoe.ten hat ber ©ul.an uüüi den behacken, uno eS steht zu yos,en, baß

das AufeiiiUi^erjchlagen ber Boller wen hinten m der Türkei b.esmal noch vermieden werden wiro. Ter oj*er- eichijche Botschafter unb ber russische Bmscha^er brangcn

in gemeinsamer Audienz beim Sultan auf Grund gleich­lautender Instruktionen auf rasche und voltständ ge Turd)» ührung der angenommenen Reformen,und auch von ver- chiedenen anderen diplomalisä-en Seiten erhielt er »rlnaenbe Ratschläge, gegen die Opposition ber Albanesen im tiilajet Uesküb energisck» vorzugehen. Tic je Raisck-läge scheinen eine Wirkung auszuübeii. Auch der deutsche Ge- schäjtSlräger Frhr. v. Wanaenheim riet dem Sultan in einer Audienz ein gleiches Vorgehen.

Ob der A u f st a n d in Marokko durch die eigene Tatkraft beS dortigen Sultans wird erstickt werden können, siebt dagegen noch sehr in Frage. Tie revolutionären Scharen haben seinen Truppen im Lause der vergangenen Woche recht empfindlich« Schläge versetzt, haben ein bei Melilla belegenes Fort erstürmt, das sie jetzt für ihre Zwecke neu errichten wollen, tue flüchtigen Suckansscharen verfolgt, bu8 diese bie rettenden Grenzen des spanischen und französischen Gebiete- erreicht und die Grenzstadt Udjda eingenommen hatten. Zwar hat der Sultan nun­mehr, der Rot gehörajtmb, nicht dem eigenen Triebe, bie in seinem Tienfi befindlichen Europäer, deren Berufung die Ursache dcS Aufstandes ist, entlaßen, aber schon meldet man auS Melilla, der Kronprätendent Ijabe verkündet, daß er sich in Fez zum Souverän erklären laßen luerbe. Ja, wie weiter gemeldet wird, richtete der Prätendent sogar bereits an den Vertreter des Sultans für auSivärtige Angelegenheiten in Tanger, Mohammed Ben el Arbi et ToreS, ein Schreiben, in loeldjem er denselben ersucht, ihn zum Sultan ausrufen zu lassen.

Tie streikenden Arbeiter in Holland unb Italien gedachten einen gewaltigen Generalstreik zu inszeliieren,ang^sichts ber entschlossenen Haltung der Arbeit­geber jedoch und des entschiedenen AusiretenS der Behörden gaben sie schließlich klein bei. So leichtfertig im Haag sowohl wie in Rom der AuSstand vom Zaune gebrochen worden war. so groß i t bie Wieher Lage, die bie Ausständigen erlitten haben, insbe onbere in Holland. Hätte sich die Kammer durch ben Ausstaitd ob halten lassen, den Gesetz­entwurf, ber bie Verabredung von Eisenbahnausständen unter Strafe stellt, zu erledigen, so würde das gleich­bedeutend mit einer Abdankung vor der rohen Qteioalt gaoefen sein und den ganzen Parlamentarisinus bloß- gestellt haben. Schon aus diesem Grunde mußte über manches hiiiweggesehen werden, was unter normalen Ver­hältnissen nicht in das Gesetz gekommen wäre, und so haben es sich bie Arbeiter selbst zuzuschreiben, wenn das Gesetz schärfer ausgefallen ist, als von vornherein zu erwarten war. Während heute, Uilontag, die Aussperrung der hollän­dischen VirbeUer ihr Ende nehmen sock, der Hafenbetrieb al lei utlj alben wieder beginnt und von heute an Waren aus Deutschland, Franlreicb und Belgien nach Amsterdam wieder verfrachtet werden können, womit die Beschränkung im Wareniraiisport für die Staatsbahnen wegsallen, kommt aus Krefeld die Meldung, daß in Krefeld und Viersen 107 Betriebe mit zusammen 25 000 Ar­beitern zum 4. Mat die allgemeine Sperre ver­kündeten, weil die ftreilenben Aroeiter emes Betriebes trotz des von ihnen selbstgewollten Schiedsspruches des Einig­ungsamtes weiter |ueitteiL Angcjicl>ts des Elends, das zahireick-en ßamdien drohte, besannen sich die Streikenden sofort eines Besseren und bejü-lossen, heute zur Arbeu wieder anzutreten. Tie gemapregecken Arbeiter aber ver­zichteten auf Wiedereinstellung. So wird denn dort eine MassenauLsperrung nicht enureten. Hier aifo waren die Arbeiter im rechten Augenblick die Klügeren. Derartige Vorgänge sind überaus lehrreich und follten, bei der immer mehr zunehmeiiden Streitlust in allen Ländern, die Ar­beiterführer davon abhalten, aus bloßer Temonstratrons- sucht AnSsiände herbeizufuhren, deren Wirtschafnichc Rach- teiie rn jebem Falle bie Vorteile, mögen jie nun ideeller ober materieller Ratur sein, überwiegen. Allzu fchors macht eben sck-arng!

Polilisüieuyes|d)au.

Tai Ueberroudjern bei florpiflubeuttntumi

in ber preußischen Verwaltung, wie es kürzlich von dem Organ der Korps,Akad. Monatshefte", heroor- gehoben wurde, hat dieBursck-enschaftl. Blatter" auf den Kampfplatz gerufen. Sie schreiben u. a:

Tag eine so große Zahl alter Korpsburschen es bis zum Regierungspräsidenten gebracht hat, beiveist dreierlei:

L Daß die VerwaltungSkarriere in Preußen eine Sache angemessener Geldmittel, guter atLger Bezieh­ungen und lobenswerter Korpskonnextonen ist. Alles drei liefern und leisten die Korps, die bei der Besetzung von Höheren Verwaltungsstellen in Preußen in Frage kommen (Vandalia, SaL0-Boru>s.ch Borussia-Bonn, SaLonia-Göt- tingen rc.).

i^s beiveist 2., daß die alte Oxenstjernasche Lebens­weisheit, es sei nicht eigentlich ein großes Maß von Kenntnissen zum Weilreg.eten nötig, bei uns zurzeit in günstiger Entwicklung sich befindet. Denn daß die Korps gerade auf wi.s^usu^ftteche Ausbildung ihrer Mckoliedrr Gewicht legten, das wurde namentlich von den vor­nehmeren Korps a.s eine unjtemliuK Zumutung abgelehnt werden.

ö. beweist es unseres Erachtens, daß die preußische RegierungSmc.schme nach einem euvas eui,e.tigen Sy,i^m gebaut i|t uno daher Gefahr lauft, bei komplizierten pmiiischen Vorgängen zu ver,agen, wicht.gen vtelsi.it.gen Kuckuraufgaoen nicht gerecht zu iverden, überhaupt eine nicht gcreu/te Bevorzugung verwandter, v-ckschwugcrter oder vei|iW>;er Kruis. im ganzen ^laaisorgauismus jhstemat.sch ourchzufu^ren, d.e mehr jenen ÄTui(e.i a.s drin otafliSiih-jcn zu gute kommt."

t -------------

Wahl-Bewegung.

Nach einer Meldung ber bauernbündkerischen .Volks» wachf hat ber Bunb ber Lanbwirte für ben Wahlkreis Offenbach-Dieburg ben nalionaUiberalcn LandtagSato Schöne berger als Reichslagskanbibaten aufgeitcllL

a. Marburg, 19. Apnl. Der konservaiioe unb bet dünblensche Reichstagslanbibat für ben hiesigen Wahlkreis Frhr. v. PappenHelm-Liedenau stellte sich gestern nach­mittag feinen Marburger Wählern vor. Seme Ausführungen bewegten sich ganz un Rahmen beS Programms ber konser­vativen Partei. Er betonte wieberholt, baß er zu ber jetzigen Regierung nicht das mindeste Vertrauen habe, und baß eS mit berselden voraussichtlich zu schweren Kämpfen kommen werbe, vor benen er nicht zurückbebe. An einen weiteren Ausbau ber sozialen Gesetzgeb­ung von Reichsivegen dürfe nur mit äußer ft er Vorsicht herangegangen werden, dies sei ben Einzelstaaten zu über­lassen. Eine Besierung ber Reichssinanzen müsse durch eine ausgebildete indirekte Besteuerung bewirkt werden, be­sonders auf Luxusartikel, wozu er auch Bier und Tabak rechne. Ueber feine Stellung zum allgemeinen, gleichen, di­rekten, geheimen Wahlrecht sprach er sich nicht auS. Die Versammlung, die von Justizrat Handschuh eröffnet unb ge­leitet würbe, war nur schwach besucht.

Die Frage, ob Personen, bie am 16. Juni b. I. ihr 26. Lebensjahr zurücklegen, zur Teilnahme an ber ReichSta gSwa hl berechtigt finb, ist zu bejahen. Bisher waren bie Staatsbürger, bie erst am Wahltag die Wahlmün- bigkeit erreichten, allerbmgS nicht wahlberechtigt. 9tach bem damals geltenden Recht wurde bei bet Berechnung deS Lebensalters ber Tag ber Geburt nicht mitgerechnet, unb da ber § 1 beS ReichStagSwahlgesetzeS {eben Deutschen, ber das 25. Lebensjahr zurückgelegt hat, für wahlberechtigt erklärt, so war diese Voraussetzung für bie am 16. Juni 1878 Ge­borenen erst mit bem Ablauf beS 16. Juni 1898 erreicht. Run kommt aber § 187 beS inzwischen erlassenen Bürger­lichen Gesetzbuchs in Betracht, nach bem, falls ber Beginn eines Tages ber für ben Anfang einer Frist maßgebenbe Zeitpunkt ist, bieser Tag bei ber Berechnung der Frist mit­gerechnet wirb. Es wird bann noch ausbrücklich hinzugefügt, daß dieS auch bei ber Berechnung des Lebensalters von bem Tage ber Geburt gilt. Danach ist eS nicht zweifelhaft, baß die am 16. Juni 1878 geborenen Personen bei den bevor­stehenden Wahlen wahlberechtigt sind unb in bie Wählerliste^ ausgenommen werben müssen.

Nos, Richarb, ReichSoerfassung unb Reichs- tagSwahlrecht. Was jeher Wähler bavon wissen muß. Mit Anhang; Statistik ber ReichStagSwahlen, Ver­fassung unb Wahlrecht ber hauptsächlichsten anberen Staaten. Freiburg i. Br. Fr. Paul Lorenz. 1903. 50 Pfg. Auf die ReichStagSwahlen vorzubereiten unb inSbefonbere auch jenen Anregung zu geben, bie baS ihnen zustehende Recht nicht gekannt ober nicht hinreichend gewürdigt haben unb demgemäß von den Wahlen femgcblieben sind, baS ist ber Zweck biefefl Büchleins.

Internationaler Kongretz gegen den LtltoholismnS.

IV.

Bremen, 17. April.

Eine- der wichtigsten Kapitel des Kongrrsses, die Frage der Entmündigung wegen Trunksucht, grla. gte heute zur Derhaiidlung. Tas dteferat erstatteten Prof. Tr. Gramer (Göttingen) und Pros. Tr. jur. Endemann (Halle a. S.). Tie Referenten führten aus, daß nach dem deutschen Gesetz die Eiitniündigung meßen Trunksucht nur sehr selten plaßgreife, weil man sich scheut, sie zu bean­tragen, und die Gerichte sie nur bei völliger Handlungs­unfähigkeit aussprechen. W-aldschmidt (Berlin,), Pros. F^rel und Asmussen gaben übereinstimmend der Ansicht Ausdruck, daß die Heilung durch Rettungsvereine viel leichter und wirksamer Qurchzusnhcen fei als in Anstalten.

Tr. Taum ton stuckerte, baß die deu.scheu Juristen zu demselben Resultat tonunen wie die österreichischen. Am wichtigsten sei es, die Kinder den trunkiüchtigen Eltern »u entziehen. Rach neuesten statistischen Taten ist die Hälfte von Kindermißhandlungen auf die Trunksucht der Eltern zurückzuführen.

Ueber die Gasthausresorm referiert sodann Bently (England). Er teilte mit, daß in England sechs Millionen in Temperenzwirtschaften mit 6 bis 7 Prozent in­vestiert seien. Mehr als IbO üuü Bi.suchet weisen dic,e Gast­häuser auf, die Zahl der Bediensteten allein beträgt 3UOO. oitger (Goth.nburg, sprach über die Gasthausreform in Deutschland und v^rte^igre d.n Betrieb alL^freier Wirt­schaften nach dem Go.h-nburger System, das den Privat- gewmn ausschließt uno durch Gründung von Vereinen für ir-asthausreform eine Zentralisierung in der Erhaltung dieser Wirschaften anstr.bt. Z-Hlrckche bi.bner sprachen sich für alk^hcksreie Wirtschaften aus. Tr. Taum brachte den Mi- nisteckal^rlaß vom topnl 19J2 zu Gunsten der Konzessto- nierung aiL^l;r.ier Wirtschaften in Wien zur Berlcfung.

Ten Vois tz fah.te heute auch wähtend der in englischer Sprache geführten Verhandlungen Vizeptäsck>ent Tr Fröhlich.

z..e ernsten Kongreßa.b.iten criit.en geftern abenb eine angen.hme unteto..ujui;g. on b.ii ^jurulljihen fand das Wil dem Gutt^n.vteiotoen veranstalt.te F r ü hl i n g s f est statt, das sich za einer Massen'unog.bung für Die Bestreb-