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20.2.1903 Erstes Blatt
 
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brftes Blatt.

153. Jahrgang

Freitag 20. Februar 1903

rKDetet täglich auuei Sonntag«

t>em «Lietzener '21 ryeign werden tin Wechiel mit den. hessischen Landwirt die Siebener Zamilten- blätter viermal in der Woche beigelegt.

Slotaiioiiflbrud u. Ver­lag de, v r ü d l'schen Univers.-Buch- u.Stein» 6tudeieH'Uietld)6tben) fteöafnon, ttfoeöition und Druderen Lchutstrabe 7.

vd,esie tüi Deveicheni «nzetger «legen.

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SietzenerAnzeiger

rjr General-Anzeiger w

Amts- und Anzetgeblatt für den Kreis Gießen

yezagdpeetOi monatlich 7b Pirole net* inbrhd) 'ill 2.20, du«ch vlbbole- u. Hioeigftellen monatlich to PI.. durch die Post Mk 2. viertel- lobrl auolcbl BelteUg. Annahme von Snzetgea iür die iageenuinniet dl« oormutagS 10 Ubt, ßeilenpui« total 121h, a«r»iväiia tv t'lg.

Cecani weltlich: für den polu u allqeny xeil V W1111o »üt .Stadt und l'antr und tLerichtssaal' 6 u ct Plato, Iür den An- tetqenlfil t>an« Bed.

Babel und Bibel.

Ein Handschreiben Seiner Majestät Kaiser Wilhelms des Zweiten an das Vorstands­mitglied der Deutschen Orientgesellschaft,

Admiral Hollmann.*)

15. Februar 1903. Mein lieber Hollmann!

Mein Telegramm an Sie wird Ihnen die Zweifel be­hoben hoben, welche Sie bezüglich des Schlußpassus des Vor­trages noch gehegt haben. Es ist vollkommen klar to.t den Zuhörern verstanden worden und mußte daher so bleiben, äd ist mir aber sehr lieb, daß durch Ihre Anfrage diese Materie des zweiten Vortrags nochmal angeschnitten ward, und ich ergreife gerne diese Gelegenheit, nach Durchlesen des Abzuges nochmals meine Stellung ganz klar zu prä­zisieren.

Während einer Abendgesellschaft bei uns hatte Pro­zessor Delitzsch Gelegenheit, mit Ihrer Majestät der Kaiserin und General-Superintendent Tryander eingehend mehrere Stunden zu konferieren und zu debattieren, wobei ich mich zuhörend und passiv verhielt. Er verliest dabei leider den Standpunkt des strengen Historikers und Assnriologen und geriet in theologisch-religiöse Schlüsse und Hypothesen hinein, welche doch recht nebelhaft oder gewagt waren. Als er aber auf das neue Testament kam, wurde es bald llar, daß er bezüglich der Person unseres Heilandes so ganz abweichende Anschauungen entwickelte, daß ich ihm darin nicht nur nicht folgen konnte, sondern einen meinem Stand­punkte diametral entgegengesetzten konstatieren mußte. Er erkennt die Gollhell Christi nicht an, und daher soll als Rückschluß auf das alte Testament dieses feine Offenbarung auf denselben als Messias enthalten. Hier hört der Assy- riologe und forschende Geschichtsschreiber auf und der Theo­loge mit allen seinen Licht- und Schattenseiten setzt ein. Aus diesem Gebiet kann ich nur dringend ihm raten, nur sehr vorsichtig Schritt vor Schritt zu gehen und jedenfalls seine Thesen nur in theologischen Schriften und im Kreise seiner Kollegen zu ventilieren, uns Laien aber, und vor allem die Orientgesellschaft, damit zu verschonen; vor deren Forum gehört das alles nicht. Wir graben aus und lesen, was wir finden, eqnb geben das heraus zum Wohl der Wissenschaft und Geschichte, aber nicht um Religions-Hypo­thesen eines unter vielen Gelehrten begründen oder ver­fechten zu helfen.

Es ist eben bei Delitzsch, der Theologe mit dem Histo­riker auf und davon gegangen, und dient der Letztere nur noch als Folie für den Ersteren. Ich finde es schade, daß Delitzsch nicht bei seinem ursprünglichen Programm ge­blieben ist, welches er im vorigen Jahr entwickelte: Nämlich auf Grund der Funde unserer Gesellschaft nach wissenschaft­lich erprobter Uebersetzung der Inschriften zu vergleichen, inwiefern dieselben eine Illustration zu der Chronik des Volkes Israel enthalten, d. h. Aufklärung über geschicht­liche Ereignisse, Sitten und Gebräuche, Ueberlieferungen, Politik, Gesetzgebung usw. Mit anderen Worten, inwiefern die unleugbar mächtige und hochentwickelte babylonische Kultur in Wechselbeziehung zu den Israeliten stand, auf sie einwirken konnte, ja sogar ihnen einen Stempel auf­drücken mochte. Und dadurch eine gewisse Ehrenrettung vom rein menschlichen Standpunkte aus für die im allen Testament gewiß recht kraß, scheußlich und einseitig dargestellten Babylonier zu erwirken. Das war feine ur­sprüngliche Absicht wie ich sie wenigstens ausfaßte und ein sehr reichhaltiges und uns allen interessam.es Ge­biet, dessen Durchforschung, Erhellung und Erklärung uns Laien im höchsten Maste interessieren muß und ihm zu höchstem Dank verpflichtet. Aber dabei mußte er nun auch bleiben. Er hat aber leider im Feuereifer das Ziel Über- schossen. Wie nicht anders zu erwarten, haben die Gra­bungen Mitteilungen zu tage gefördert, welche auch auf das religiöse Gebiet im alren Testament Beziehung haben. Das Faktum hätte er rubrizieren müssen und Coinzidenzen wo solche vorkamen hervorhcben und erläutern können, aber alle rein religiösen Schlüsse dem Zuhörer selbst zu ziehen überlassen müssen. So wäre seinem Vortrag In­teresse und Wohlwollen des Laien-PubllkumS voll erhalten worden. Das hat er leider nicht getan. Er hat in sehr polemischer Weise sich an die Ofsenbarungsfrage herange­macht und dieselbe mehr oder minder verneint bczw auf historisch rein menschliche Dinge zurückführen zu können vermeint. Das war ein schwerer Fehler. Denn er tastete damit manchem seiner .Hörer an sein Innerstes und Hei­ligstes. Und ob bcrechttgt oder unberechtigt das ist hier für den Augenblick ganz einerlei, da es sich nicht um eine pure wissenschaftliche Versammlung von Theologen, sondern um Laien aller Stände und Geschlechter handelte hat er manchem Lieblingsvorstellungen oder gar Gebilde umge- stosten oder angerempelt, mit welchen diese Leute heilige und teure Begriffe verbinden, und ihnen unzweifelhaft das Fundament ihres Glaubens erschüttert, wenn nicht ent­zogen. Eine Tat, an die nur ein gewaltiges Genie sich heranwagen dürfte, zu der aber das bloße Studium der Assyriologie noch nicht berechtigt. Goethe behandelt diese Angelegenheit auch einmal, indem er ausdrücklich darauf aufmerksam macht, man müsse sich vorsehen, bei einem großen allgemeinen Publikum ainq. nurTerminologie­pagoden" entzwei zu machen. Es ist dem vortrefflichen Professor in seinem Eifer der Grundfatz etwas entgangen, daß es gar sehr wichtig ist, genau zu unterscheiden zwischen dem, was angemessen ist, dem Ort, Publikum re., und was nicht. Als Theologe von Fach kann er für seinen Kollegen­kreis Thesen, Hypothesen und Theorien sowie Ucberzeu-

*) Grenzboten I 1903. Vgl. unser heutiges Parla­mentsblatt.

gungen aussprechen in Fachschriften, welche nicht an­gängig auszusprechen sein würden in einem populären Dor­ttag oder Buch.

Ich möchte nun noch einmal auf meinen persönlichen Stundpunkt bezüglich der Offenbarungs-Lehre oder An­schauung rurückkommen, wie ich Ihnen, mein lieber Hvll- mann, und anderen Herren auch des öfteren schon aus­einandergesetzt habe. Ji) unterscheide zwei verschiedene Arten der Offenbarung: eine fortlaufende, gewissermaßen historische, uno eine rein religiöse auf die spätere Erschein­ung des Messias vorbereitende Offenbarung.

Zur ersten ist zu sagen: Es ist für mich keinem, auch nicht dem leisesten Zweifel unterworfen, daß Gott sich immerdar in Seinem von Ihm geschaffenen Menschen­geschlecht andauernd offenbart. Er hat dem Menschen Seinen Odem eingeblasen", d. h. ein Stück von sich selbst, eine Seele gegeben. Mit Vaterliebe und Interesse verfolgt er die Entwicklung des Menschengeschlechts; um es weiter iu führen und zu fördern,offenbart" er sich bald in diesem oder jenem großen Meisen, oder Priester ober König, sei es bei den Heiden, puben oder Christen. Ham- murabi war einer, Moses, Abraham, Homer, Karl der Große, Luther, Shakespeare, Goethe, Kant, Kaiser Wilhelm der Große. Die hat Er ausgesucht und Seiner Gnade ge­würdigt, für ihre Völker auf dem geistigen wie physischen Gebiet nach Seinem Willen Herrliches, Unvergängliches zu leisten. Wie oft hat mein Großvater dieses nicht ausdrücklich betont, er sei ein Instrument nur in des Herrn Hand. Tie Werke der großen Geister sind von Gott den Völkern ge­schenkt, damit sie an ihnen sich fortbilden, weiterfühlen können durch das Verworrene des noch Unerforschten hie- nieden. Gewiß hat Gott der Stellung und Kulturstufe der Völker entsprechend den verschiedenen sich verschiebenge- offenbart", und tut das auch noch heute. Denn so wie wir am meisten durch die Größe und Gewalt der herrlichen Natur der Schöpfung überwältigt werden, wenn wir sie betrachten, und über die in ihr offenbarte Größe Gottes bei ihrer Betrachtung staunen, ebenso sicherlich können wir bei jedem wahrhaft Großen und Herrlichen, was ein Mensch ober ein Volk tut, bie Herrlichkeit ber Offenbarung Gottes barinnen mit Dank berounbetnb erkennen. Er wirkt un­mittelbar auf und unter uns ein!

Die zweite Art der Offenbarung, die mehr religiöse, ist bie, welche zur Erscheinung bes Herrn führt. Von Abraham an wird sie eingeleitet, langsam aber vorausschauend, all- weise und allwissend, denn bie Menschheit war sonst verloren. Unb nun beginnt ba§ staunenswerteste Wirken, Gottes Offen­barung. Der Stamm Abrahams und dos sich daraus ent­wickelnde Volk betrachten als Heiligstes mit eiserner Konse­quenz den Glauben an einen Gott. Sie müssen ihn hegen und pflegen. In der egyptischen Gefangenschaft zer­splittert, werden die zerteilten Stücke von Moses zum zweiten Male zusammcngeschweißt, immer noch bestrebt, ihrenMonotheismus" festzuhalten. Es ist das direkte Eingreifen Gottes, das dieses Volk Wiedererstehen läßt. Und so geht es weiter durch die Jahrhunderte, bis der Messias, ber burch bie Propheten unb Psalmisten verkündet und an­gezeigt wird, endlich erscheint. Die größte Offenbarung Gottes in der Welt! Denn Er erschien im Sohne selbst; Christus ist Gott; Gott in menschlicher Gestalt. Er erlöste uns, Er feuert uns an, es lockt uns iljm zu folgen, wir ühlen sein Feuer in uns brennen, sein Mitleid uns stärken, eine Unzufriedenheit uns vernichten, aber auch seine Für- prache uns retten. Siegesgewiß, allein auf Sein Wort bauend, gehen wir durch Arbeit, Hohn, Jammer, Elend und Tod, denn wir haben in Ihm Gottes offenbartes Wort und er lügt niemals.

Das ist meine Ansicht über diese Frage. Das Wort ist insbesondere für uns Evangelische Alles durch Luther geworden, und als guter Theologe mußte doch Delitzsch nicht vergessen, daß unser großer Luther uns singen uno glauben gelehrt:Tas Wort sie sollen lassen stahn!" Es versteht sich für mich von selbst, daß das albe Testament eine große Anzahl von Abschnitten enthält, welche rein menschlich historischer Natur find und nichtGottes ge- offcnbartes Wort". Es sind rein historische Schilderungen von Vorgängen aller Art, welche sich in dem Leben oes Volkes Israel auf politischem, religiösem, sittlichem unb geistigem Gebiet bes Voltes vollziehen. Wie z. B. der Akt der Gesetzgebung am Sinai nur symbolisch als von Gott inspiriert angesehen werden kann, als Moses zu einer Auf­frischung vielleicht altbekannter Gesetzesparag.aphen (mög­licherweise dem Kodex HammurabiS entstammend) greifen mußte, um das in feiner Zusammensetzung lockere und wenig widerstandsfähige Gefüge seines Volkes zusammen- zusassen und zu binden. Hier kann der Historiker aus Sinn oder Wortlaut vielleicht einen Zusammenhang mit den Ge­setzen Hornrnurabis, des Freundes Abrahams, konsttuieren, der logisch vielleicht richtig wäre; das würde aber niemals der Tatsache Einttag tun, daß Gott Moses dazu angeregt unb insofern sich bem Volke Israel geoffenbarr hat.

Daher ist es meine Auffassung, daß unser guter Pro­fessor hinfürber lieber bie Religion als solche bei feinen Vorträgen in unserer Gesellschaft anzusühren und zu be­handeln oermeibet Dagegen was die Religion, Sitten rc. der Babylonier rc. in Beziehung zum alten Testament bringt, ruhig schildern möge. Für mich ergibt sich daraus die nacy- ftehende Schlußfolgerung:

a) Ich glaube an Emen, Einigen Gott.

b) Wir Menschen brauchen, um ihn zu lehren, eine Form, zumal für unsere Kinder.

c) Diese Form ist bisyer das alte Testament in seiner jetzigen Überlieferung gewesen. Diese Form wird unter ber Forstung unb ben Inschriften unb Gra­bungen sich cn. schieden wesentlich ä..bem; bas schabtt nickfts, auch baß dadurch viel vom Nimbus des ans-

-wählten Volks verloren geht, schabet nichts. Der

Kern unb Inhalt bleibt immer berselbe, Gott unb Sein Wirken!

Nie war Religion ein Ergebnis ber Wissenschost, fonbern ein Ausfluß bes Herzens unb Seins bes Menschen aus seinem Verkehr mit Gott.

Mit herzlichstem Dank unb vielen Grüßen stets Ihr treuer Freunb gcz.: Wilhelm.

P. S. Sie können von biefen Zeilen uen ausgiebigsten Gebrauch machen, wer will, kann sie lesen.

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Es ist allbekannt, baß sich an ben Vvrttag, ben Professor Delitzsch über bie Resultate ber Ausgrabungen in Babylon unb Ninive unter dem TitelBabel uno Bibel" im Januar vorigen Jahres in Berlin gc hall en hat, eine ziemlich llbhaftc wissenschaftliche Debatte knüpfte. Zahlreiche Broschüren sind im Laufe des letzten Jahres erschienen, die fast alle Stellung gegen die Delitzsch en Hypothesen nahmen. Ein weiterer Vortrag, ben Professor Delitzscy im Januar bieses Jahres unter bemfclbcn Titel gehalten hat, und der bie frühere Hypothese noch weiter ausbaute, hat wiederum zu lebhaften Debatten Anlcyß gegeben. Ter Vortrag gipfelte darin, daß der Hauptinhalt bur mosaischen Gesetzgebung auf dem Gesetzbuche des bebylonischen Königs Hamurabi beruhe. Es wurde seinerzeit gemeldet, Kaiser Wilh lm habe sich nach dem Vorttage l.bh^ft nut Pr<f s,vr Telitzs j unter­halten, und daraus zog man von verschiedenen Zellen ben Schluß, Kaiser Wilh.lm stehe in seiner Beurteilung bcs alten Testaments ungefähr auf demselben Standpunkte wie Pro­fessor Delitzsch. Diese durch keine inneren Gründe gestützte Behauptung wird jetzt durch ben obigen höchst interessanten Brief widerlegt.

Kejstjcher ^unotag.

1L b. Darm stuot, 19. Febr.

Am Ministertische: Staatsminister Rothe, Finanz-- minister Dr. G n a u t h, Justizminister Dr. D i 11 m a r, Geh. Staatsrat Krug von Nidda und bie Ministerialräte Braun, Ewald und Biegeleben.

Tas Haus tritt, nachdem Präsident Haas die Sitzung um 91/4 Uhr eröffnet, sofort in die Beratung ein, deren ersten Gegeirstakid die Besprechung der Anfrage der Abgg. Häusel und Genossen über die Höhe der Mietsentschäoi- gungen f ü r Dienstwohnungen der Staats­beamten bildet.

Staatsmini,ier Not he führt in seiner Antwort auf bie Anfrage aus: Ter Antrag bezweckt eine Erhöhung bes in Artikel 17 Absatz 2 des Gesetzes die Besoldungen der Staatsbeamten betreffend vom 9. Juni 1898 veran­schlagten Wertes der mit einem Amt verbundenen Dienst- wohnung. Nach Ansicht der Regierung ist die feit Inkraft­treten des Besoldungsgesetzes verflossene Zeit zu kurz, als daß heute schon an die Umarbeitung so wesentlicher Be- ftimmungen dieses Gesetzes, die überdies zu einer durch­greifenden Aeiloerung anderer Bcüimmungen des Gesetzes führen müßte, herangetreten werden könnte. Bei Verab­schiedung des Desoluungsgesetzes war sowohl der Regierung wie den Ständen bekannt, baß ein Wertanschlag von 510 Prozent der Besoldung solcher Beamten, deren höchste er- reicybare Besoldung 2000 Mark übersteigt, keineswegs bem ortsüblichen Mietwert oder dem Baukoiienauftoand solcher Wohnungen enispricht; betrachtet man doch im allgemeinen im Einzelhaushalt gleichartiger Beamten ohne Tienstwoh- nungen einen Aufwand von lo20 Prozent des Einkommens für Wohnungsmiete als zulässig und regelmäßig, tvährend bei Arbeitern und kleineren Angestellten ober Beamten jener Prozentsatz, namenllich in den Städten, sogar bis zu 30 Prozent und mehr steigt. Im Gegensatz dazu hat um­gekehrt der Artikel 17 des genannten Gesetzes bei Beamten, deren höchste erreichbare Besoldung 2000 Mark nicht über­steigt, den Wertanseylag der Tienstwohnungen sogar auf nur 35 Prozent ermäßigt in der unzweideutigen Absicht, damit im Gegensatz zu bem ortsüblichen Mietswert und den Baukosten für jene Wohnungen die Lebenshaltung der in Betracht kommenden Beamten zu verbessern. Ter erste, von den Herren Fragestellern für eine Erhöhung ber gebuchten Anschläge geltend gemalte Grund hat sonach febon bei dem Erlaß des gebuchten Gesetzes Vorgelegen, oyne eine Wirkung uuf die Höhe des Wertunichlugs geäußert zu haben. Ihm heute Folge zu geben, würde eine Ver­schlechterung des Einkommens für zabtteiche einzelne Be­amte wie für ganze Beumtenklussen bedeuten, zu welcher die Regierung umso weniger die Hand bieten kann, als dieselbe sich auch umgekehrr nachgerade damit abgefunben Hut, uuf Verbesserungen des B.so^ungsgesetzcs zu Gunsten ihrer Beumten zurzett noch überull bort zu verzichten, wo nicht etwu feit Erlaß des Gesetzes ganz wesentliche Aende- rungen in den Verhältnissen eingetreten sind. Auch dem weiteren Grund des Antrages, daß in einer niedrigeren Bemessung des Werlanschlags von Dienstwohnungen eine Bevorzugung der Inhuocr solcher Wohnungen gegenüber anderen Staatsbeamten gelegen sei, welchen eine Dienst­wohnung nicht zustche, fei schon bei Erlaß des Besoldungs­gesetzes bekannt gewesen, unb eine nachträgliche Aenderung somit nicht zu rechtfertigen. Auch der Zwang, solche Tienst­wohnungen beziehen zu müssen, käme für eine niedrigere Bemessung der Miete in Betracht, ebenso die Lage des Ortes, wo Schwierigkeiten hinsichtlich der geeigneten Schul- uusbildung für Beamientinder einträten. Es würde auch namentlici) noch schwieriger werden, die Stellen z. B. der dienftuufftchtführenoen Amtsrichter unb anderer Justiz- beamten auf bem Lande befriedigend und für längere Zeit zu besetzen. Eine grundsätzliche und sorgfältige Prüfung aber d.e Notwendig leit ber Schaffung geeigneter Dienst­räume und in Verbindung bannt von Tienstwohnungen sei bisl^e». seitens ber beteiliatcn Faktoren stets geübt