Ausgabe 
20.1.1903 Erstes Blatt
 
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Erstes Blatt

183. Jahrgang

Gießener Stadtthealer

noch

Dienstag SO. Januar 1903

Hbtefit tüt Depeichenl «nzetger «tehen. ^milt>trd)onld)lu6!Jh 6L

Noch einmal die Schlicrseer.

Die Schlierseer sind uns zum Schlüsse wirklich

Technik, so daß man in ihm den Oberfeuerwerker des ganzen Ensembles dieser bayerischen Dialektscharispieler bewundert. Er erschien hier alsblauer Teufel" in der Uniform der bayerischen Jäger. Dieser Toni war ein so g'spassiger Kerl, daß nicht nur das hübsche Madel in Feindesland, sondern auch das ganze Publikum ihm gut sein mußte, trotz aller seiner vielen allzu aufdringlichen Absichtlichkeiten.

Diesen beiden Leichtigkeiten folgte eine echte und rechte kleine Komödie,Die Medaille" von Lu dwig Thom a, aliasPeter Schlemihl", dem Chefredakteur des Simplicissi- muS. Non diesem schärfsten und witzigsten aller satirischen Preß-Poeten Jüngstdeutschlands hatte man etwas besonders Ergötzliches zu erwarten. Und er enttäuschte auch nicht. Tie Medaille" ist so etwas wie ein grobes Seitenstücklein zu HauptmannsBiberpelz", ein Werklein derben, farben­satten Humors. Em etwas streberischer Bezirksamtmann will sich bei seinen vorgesetzten Behörden beliebt machen und benutzt die Gelegenheit der Verleihung einer silbernen Ver­dienstmedaille an den sein goldenes Dienstjubiläum begehen- den Amtsdiener zur Veranstaltung eines Festmahles, da? weniger an die durch die genialen Künstler Alt-Venedig-Z uns überlieferte Pracht in den Palästen am Canale g ran ne als an die durch die großen Niederländer uns verewigten derben bäuerischen Zechgelage erinnert. Die Gäste sind das jokose jubilierende Ehepaar, der korrekte langwamsige Schul- meister. ein schlagfertiger Dorfmetzger, der zugleich Landtags- abgeordneter ist, foivie einige im Bezirksausschüsse sitzende vierschrötige Großbauern. Alan denke sich baneben die hochnäsige, prüde und verbildete Frau Bezirksamtsmännin mit einem ewigen

Wtlliorreuverluste der Landwirtschaft.

Ein Wort an die Bauer».

Ihr führt gewiß kein bequemes Leben auf eurer Acker- schölle. Legt ifyr das Samenkorn für die neue Ernte auch, mit noch so viel kluger Berechnung und fleißiger Sorgfalt, in den gepflügten Boden widrige Winde und ungünsti­ges Wetter können eure Hoffnungen bis in den Grund *u Schanden machen. Es gehört viel Mut dazu und

^iävve-Gesicht und den feudalen Herrn Assessor. Natürlich macht Thoma ein Bildchen kecksten Humors daraus. Mit unbarmherzigem Realismus verspottet er hier neben den Herren Moser und Defregger und Konsorten, den schön- färbenben Fabrikanten vonSalontiroler"-Krimkrams in Lltteratur und Malerei, das moderne Strebertum Die prächtigen urwüchsigen Bauerntypen, die uns Thoma vor­führt, sind mit ganz famosem Scharfblick beobachtet. Wir sehen die Bauernschläue, den treffenden Bauernhumor, der unter gutmütigster und einfältigster Maske von keckster Spitzsindig- keit ist, an ein paar meisterhaft gezeichneten und kräftig kolo­rierten Figuren illustriert, und haben unsere Freude an dieser riicksichtSlosen und robusten Gesundheit von Autor und Werk. Tie bajuvarische Drastck geht aber doch mitunter ein wenig über das rechte Maß hinaus, und geradezu mißglückt ist die allzu flüchtige Charaklerislik der Gattm des Bezirksamtmannes und des jungen schneidig sein sollenden Affeffors. Beide werden sich in der ihnen nun einmal aufgezwungenen Situ­ation als Menschen von Blldung zu benehmen wiffen und mit den Wölfen auf möglichst gemütliche Art müzuheulen sich bemühen. So.shocking*' sie das ganze Milieu finden, so peinlich sie auch berührt werden mögen, so werden sie sich doch etwas mehr beherrschen können und etwas weniger Steif­heit zur Schau tragen. Hier hat Thoma recht zu Üngunsten der Glaubwürdigkeit übertrieben. Er hat hier mit wenigen schnellen und fehlgehenden Strichen skizziert, statt sie wie die Bauerncharaktere mit gleicher Hingabe zu zeichnen. Die Lacher hätten die Bauern trotzdem recht gut auf ihrer Seite behalten keimen. Witze, wieein lebendiger Hund ist besser

litterarisch gekommen. Sie haben uns bewiesen, daß sie mehr können als nur die immer nach einem Schema, näm­lich nach dem der Gartenlaubenromane zurechtgeschnittenen sogenannten Volksstücke durch ihre eigene urwüchsige Derbheit, durch den aus aller stofflichen Oberflächlichkeit immer wieder hindurchklingenden Grundton eigener Herzhaftigkeit, durch eigenes reiches Gemütsleben recht genießbar, ja sogar lebens­voll zu machen.

Ueber die beiden ersten Kleinigkeiten deS gestrigen Abends freilich zu reden, wäre sträfliche Zeitvergeudung. Nur so viel, daß in der erstensonst hab' ich sie vergessen Meth als ein Meister der Darstellungskunst sich zeigte, und daß die zweite nichts Anderes war, als das auf 1870 und ins Hranzösich-Bayerische flau und pointenlos übertragene uralte GenrebildKurmärker und Pikarde". Ein paar Worte ü her den besten aus der fröhlich blau-weiß beflaggten Kunst- unb Naturarena, Herrn Xaver Terofal, finb hier aber * ö.och am Platze. Er hat sich ja längst in der Gunst unseres V Publikums em Heimatsrecht erworben. Aber man erfreut ih jebesmal aufs neue an diesem liebenswürdigen und feiner Wirkungen vollkommen sicheren humoristischen Naturell. Die | eigentliche kümiiciiiche Herzenskraft beruht ja im Dialekt | dieses naturtinblici) behaglichen Komikers. Dazu aber kommt nachgerade die Virtuosität einer glänzenden theatralischen

Nr. 16

Grlcheiut täglich äuget Sonntag-.

Dem Gießener Anzeiger werben im Wechsel mit dem hessischen Landwirt bit Lietzener Kamillen. Hättet viermal in bet Woche beigelegt.

biomttonsdruck u. Ver­lag bei B t ü h l'schen Nnwets^Buch- u. Stein« brucfecet (Pietsch Erben) -Redaktion, (fcrpcbtttou und Dencfetel:

i> Lanö.

b-ichichn N, ^"'zekonigsTelhi dasK »og jrafen, wie bereits fc in Bomb? ^kretar des politischm Vertreter des Vizekönjgs empfangen und an ajnten zugleich die Mcl- ^len englischen Offiziers m entern vom Vizekmiia i"9- der am Sonnlag, 28. L S.. E Hoheit fuhren ' Wenigs W. Edgerley !- Äzekönlgs und untere G eine Rundfahrt durch ".Montag, 29. Tezember, «5 ^izeuinigs und des' i t. Hoheit waren bei dem "b nahmen zu Wagen an m einer Erladron des 15. lauf desMn mar tzrüh- MLreis mit M. hh. n von EonnanM, meichem mit General v. Lachter und : beiwohnten. Am lienstag, h.'it bei der feierlichen Er- nSfteUung durch den Vize- eurer Einladung des Aze- mten befolge. Am folaen- t mehrere SeHenÄvürdig- ei bem ©oiwemeur Don

Kras Pulow im preußische» AbgeorduelenSaus.

Ein anderer parlamentarischer Mitarbeiter schreibt uns aus Berlin, 19. Januar:

Tie Anwesenheit des Grafen Bülow im preußischen Mgeordnetenhause, seine Reden zur Polenpolitik verliehen dent heutigen Beginn der Etatsdebatte Bedeutung. Sachlich viel neues über die Polenpolitik vermaa freilich auch ein Ministerpräsident nicht zu sagen, zumal die Grundsätze dieser Politik wiederholt an derselben Stelle von ihm er­läutert worden sind. Immerhin war die Ankündigung interessant und eine Ueberraschung für das Haus, daß in ter demnächst erscheinenden Sekunoärbahnvorlage 34 Mill.

Gießener Anzeiger w General-Anzeiger

Amts- und Anzeigeblait für den Kreis Gießen

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Mark für die Provinzen Posen und Westpreußen ausge­worfen sind. Es wird also bald ein Vorzug werden, in den Ostmarken ansässig zu sein, bei diesen zärtlichen Be­mühungen der preußischen Regierung um ihrSorgen- lind"! Wie schon frül/er bezeichnete G-raf Bülow die Ost­markenfrage als die wichtigste der inneren preußischen Politik. Der Ansiedlungskommission steht eine Neuorgani­sation bevor. Begreiflicherweise erregten die Ausführungen sowohl bei den Polen wie im Zentrum nichts weniger als Befriedigung. In den Reiben dieser Abgeordnetett wuchs die Unruhe mehr und mehr, sodaß der Redner, ohnehin nicht zum besten disponiert, stellenweise auf der Tribüne nicht zu verstehen war. Beifall zollte hauptsächlich die Rechte, etwas kühler verhielten sich die Rationaltiberalen.

In den Etatsreden der Parteiführer spielten Zoll­tarif, Wahlen und insbesondere das Verhältnis oer Bundes­staaten zum Reich eine Rolle. Der rheinische Abg. Fritzen vom Zentrum, der stets gerne gehört wird wegen der liebenswürdigen, vom trockenen Tone sich srechaltenden Art seines Vortrags, sammelte glühende Kohlen auf das Haupt der Polen: Keine Partei werde in der polnischen Presse schärfer angegriffen, als das Zentrum. Also sei die Be- känrpfung der Polenpolitik durch das Zentrum gewiß von objektiven Bedenken veranlaßt. Rach einer im ganzen recht entgegenkommenden Elatskritik durch den Grafen Lim- bürg für die Akustik des 'Abgeordnetenhauses einer der ungeeigneifteii Sprecher antwortete Graf Bülow mit einer zweiten, kürzeren Rede, worin er u. a. die Land­wirtschaft über die künftigen Handelsverträge beruhigte (gewissenhafte Wahrnehmung ihrer Interessen") unb für den geplanten Bau eines Reswenzschlosses in Pofen geltend machte, daß das kaiserliche Rejidenzschloß in Straß­burg nach seinen eigenen Beobachtungen wesentlich bei- getragen habe zur Verschmelzung der Reichslande mit dem bleich. Die 'Jeationailiberatcn designierten diesmal zum Etav zunächst ein minder bekanntes Mitglieo, den Abg. Nölle, der sich aber [einer Aufgabe mit Geschick ent­ledigte. Zum Zolltarif stellte Herr 'Nölle fest, daß auch die nationalliberale Landtagsfraktion mit ganz wenigen; Ausnahmen die Haltung der Rationalliberalen im Reichs tage zum Antrag v. Kardorff usw. billige. Unerfrew* lich sei das finanzielle Verhältnis der Bundesstaaten zuml Reich; leider versage das Zentrum feine Mitwirkung zu einer zweckmäßigen Umgestalturlg dieser Beziehungen. Gleich­falls auf einen im wesentlichen wohlwollenden Ton gestimmt war die Darlegung des fr ei konservativen Abg. Frhni. von Zedlitz. Daß Herr v. Zedlitz die Regierung belobte, daß sie nicht aus ine Kanalprojekte zurückgekommen ist, waÄ Herr Stolle bedauert hatte, war zu erwarten. llebrigenZ wurden die langen Ausführungen völlig frei Dorgetragen, eine bemerkenswerte Leistung bei den vielen Einzelheiten, die der Etat zu erwähnen Veranlassung giebt Die Opposi­tion vertraten heute die Wgg Dr. Wiemer (freif. Vp.) und Ehlers (frei,'. Vgg.), der Erstere, indem er namentlich die polizeilichen Uebergrifje und die durch den Trakehner; Schulprozeß enthüllten Zustände geißelte, der Letztere durch die entschiedene Stellungnahme gegen die geplanten Aiaß- regeln der Polenpolitik, die nicht zweckmäßig seien. Grass Bülow, der mehrere Abgeordnete ins G^präch gezogen; hatte, empfahl sich während der Rede des Herrn v. Zedlitz» um auch im Reichstag dis Pflichten desMannes am Steuer" wahrzunehmen.

Ker tztat im Reichstag.

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Unser Berliner parlamentarischer I. R.-Mitarbeiter schreibt unterm 19. Januar:

Wo sind die schönen Zeiten hin, da Staatssekretär Frhr. v. Thielmann die Volksvertretung ersuchte, ihm doch nicht neue Steuern aufzudrängen, da das Reich ja im Gelds schwimme- Es war das vor knapp drei Jahren, und heute ist der Schatzsekretär in der Lage, int Reichstag einen Elats- entrourf einzubringen, der mit einem rechnungsmäßigen Fehlbetrag von 118 Millionen Mark abschließt, der zur Deckung der lausenden Ausgaben im ordentlichen Etat einer Zuschußanleihe von 95 Millionen Mark bedarf. Tas ist ein überraschend schneller Umschlag; er erscheint aber in etwas milderem Lichte, wenn man berücksichtigt, daß in den Etatsentwurf für 1903 der Fehlbetrag des Jahres 1901 mit 48 Millionen Mark als einmalige Ausgabe yineingerechnet ift Diesen Fehlbetrag bezeichnete Frhr. von Thielmann alserstaunlich hoch",niemals sei die Schätz­ung hinter der Wirklichkeit derart zurückgeblieben". In Paranthese" gedachte der Schatzsekretär auch der Reichs- finauzreform, die bei der mißlichen Finanzlage der Einzcl- ftaateu a ls immer dringlicher sich erweist.Da im hohen Hause wenig Neigung vorhanden ist, der Negierung neue Steuerquellen zu erschließen, sieht diese sich zur Zeit nicht in ber Lage, oie Reichsfiimnzreform ins Werk zu setzen." Im übrigen ist aus der über ein Zahlenheer dahin- gteiteiibeu, ziemlich farblos vorgetragenen Rede des Schatz- sekretärs die Bemerlung, interessant, daß die Regierung ron der Einbringung eines Nacytragsetats aus Anlaß der Venezuela-Aktion einstweilen Abstand nimmt, weil sich die Tauer der Blockade nicht voraussehen läßt. Tie Herren Staatssekretäre touren vollzählig auf der Bundesestrade versammelt und legten achtungsvolle Teilnahme für den Vortrag Frhrn. v. Thielmanns an den Tag. Ter Reichs­kanzler fehlte zunächst, er war auch im preußischen Landtag engagiert".

Im Parkett saßen wohlgezählte 60 Llbgeordnete; in sie kam erst Leben, als nach dem Schatzsekretär Abg. Dr. Schädler (Ztr.) das Wort ergriff. Tessen Randglossen mögen der Regierung nicht gerade erfreulich getoefen sein. Dr. Schädler rügte grollenden Tones die andauernden Etatsüberschreitungen, die die Aufstellung eines Etats- ooranschlags eigentlich überflüssig machten.So darf es nicht toeitergehen! Jedes Neftorr wirtschaftet darauf los; das Auswänige Amt mit kostspieligen Ehina-Telegrammen, die Poftverwaltung, die Militärverwaltung mit Manöver­ausgaben, das Marineamt, das ja immer aus dem Vollen schöpfe usw." Als Dr. Schädler erhobenen Tones verkün- bete, daß der Reichstag den Rotstift nachdrücklichst werde

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gebrauchen, den Etat nach Kräften werde zusammenstreichen wüssenob notwendig, ob dringend norwendig, ob un­erläßlich notwendig: das müsse auseinandergehalten wer­den", betrat strahlenden Antlitzes Graf Bülow den Saal. Doch bei den Ankündigungen Tr. Schädlers wich seine Heiterkeit tiefem Ernst. Er ergriff die Bleifeder und machte Notizen. Herr Schädler sorgte auch fernerhin für Stoff zu Bemerkungen. So wünschte er Auskunft über den Stand der Venezuela-Aktion und kritisierte das Swinemünder Kai­sertelegramm an den Prinzregenten Luitpold vom August v. I., das geeignet sei, die Freuden am Reich in Baiern zu dämpfen. In der Erörterung dieser Sache fanb Tr. Schädler die kräftigsten Accente. Er müsse gegen die Verwirrung der konstitutionellen Begriffe Verwahrung einlegen, wenn auch das Kaisertelegramin offenbar auf Grund unzutreffen­der Informationen abgefaßt worden fei. Deshalb erlaube er sich, den verautwortuchen Sierra Reichskanzler zu fragen, ob er die Information erteilt und die Veröffent­lichung der Depesche gutgeheißen habe? (Lachen und Zu­rufs links.) Wohl eine halbe Stunde lang behandelte Tr. Schädler diesen heiklen Fall; er sprach während dieser Zeit mit sehr lauter Stimme und rief am Schluß überlaut die Worte in den Saal:Recht muß Recht bleiben!", was im Zentrum dröhnenden Beifall auslöste. Im weiteren!Ver-< tauf seiner Rede forderte er die schleunige Bewilligung von Anwesenheitsgeldern für die Reichstagsmitglieder; ver­kündete er, daß das Zentrum für eine Abänderung des bestehenden Neichswahlrechts nicht zu haben fei und ver­langte schließlich schärfere Bestrafung der Duelle, Weiteren Ausbau der sozialen Gesetzgebung und Aufhebung des Je­suitengesetzes. Vom rhetoriichen Standpunkt betrachtet, war cs eine der besten Leistungen des Bamverger Domherrn.

Ohne Verzug erhob sich Graf Bülow, um seine Stellung zum Swinemünder üatfertelegramm darzulegen. Er tat es in merklicher Aufregung, heftiger als sonst sprechend. Es handele sich, so führte er izus, um eine persönliche Kund­gebung zwischen zrvel befreundeten Souveränen, nicht um eine Staatsaktion; eine Verantwortung für das Käiser- telegramm habe er sonach verfassungsmäßig nicht zu tragen. Tie moralische Verantwortung für die Rückwirk­ungen des Telegramms auf die Beziehungen zwischen Ber­lin und München übernehme er gerne, und, soweit ihm bekannt, sei eine Trübung dieser Beziehungen nicht ein- getreten. Ter Prinziegent von Bat)ern habe im Gegenteil dem Kaiser durch den Prinzen Ludwig nochmals feinen Dank für das Telegramm übermittelt. Rach alledem könne er die Art und Weise, wie Tr. Schädler den Fall hier erörtert habe, nur tief bedauern; solche Kritik erwecke im Ausland Zweifel an der Geschlossenheit des geeinigten Deutschland, in dem die Slaiferioee weit kräftiger lebendig sei, als Dr. Schädler anzuueymen scheine. Graf Bülow er­weckte mit seiner Darlegung teils Beifall, teils Wider­spruch. In den nächsten Tagen werden die Geister wohl noch scharf aufeinanderplatzen, u. a. will Abg. Vollrnar, der Führer der bayrischen Sozialdemokraten, das Wort ergreifen. Ter Etatsredner der Konservativen, Abg. Graf Stolberg, der heute den Beschluß machte, und sich im All­gemeinen wohlwolleiid äußerte, tat deA Falles Berlin- München nicht Erwähnung.

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Bekanntmachung.

©etr,: Milzbrand in WeiterSham.

In dem Gehöft deS Landwirts Friedrich Dietz in Wei- terSHain ist bei einem Rind Milzbrand festgestellt worden. Die Absonderung der übrigen Tiere desselben Stalles ist an- geordnet.

Gießen, den 20. Jannar 1903.

Großherzogliches Kreisamt Gießen.

Dr. Treibert

Krlmnntmachung.

Betr.: Schweinerotlauf in Saasen.

Jrn Gehöft des Landwirts Peter Aff IIT. in Saasen ist Schweinerotlauf festgestellt worden. Es ist Gehöft­sperre angeordnet.

Gießen, den 20. Januar 1903.

Großherzogliu.)c>.. ün ^anit Gießen-

Dr. Breidert.