Ausgabe 
19.11.1903 Zweites Blatt
 
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läßt; wenn, so zu sagen, daS in den Lettern eingefrorene lebendige Wort zwischen zwei Lippen wieder austhaut". Diesen Rat eines bewährten Dramatikers zu folgen, ist unserem Publikum nun am Samstag wieder Gelegenheit gegeben.

* Unterwerfung vo n Gerichts assessoren inderGesängniskunde. Das Gvoßh. Ministerium der Justiz erläßt folgende Bekanntmachung: Um geeigneten Ge- richtsajsessoren Gelegenheit zur AuÄildung in der Ge­fängnis künde zu geben, bestimmen wir hiermit, daß die nn § 16 der Verordnung, die Vorbereitung für den Staats­dienst im Justiz- und Verwaltungssache betreffend, vom 30. April. 1879 für Akzessisten, welche die z-weite Prüfung bestanden haben, vorgeschriebene Beschäftigung auch bei der Großherzoglichen Direktion der Zellen straf an statt Butzbach stattsttrden kann.

** Eine Ueberficht über die Beförderung oer Rivieraexpreßzüge in diesem Winter ist uns heute zugegangen. Danach werden die Züge, abweichend von den in den Fahrplänen vom 1. Oktober enthaltenen An­gaben, südlich von Frankfurt, also zwischen Frankfurt a. M. und Ventimiglia schon im Monat Dezember und zwar dreimal wöchentlich! verkehren.

* Der »Verein Jugendfreund in Gießen, dessen Gründung in das Jahr 1873 fällt, feiert Weihnachten sein 30. Stiftungsfest; er hat durch das Sammeln von Cigarren spitzen, Staniolkapseln und anderen früher als werttos hinweggeworfenen Gegenständen, sowie durch Geldspenden seiner Freunde und Gönner es erreicht, sett seinen: Bestehen etwa 470 arme Kinder vollständig kleiden unb. dadurch manchen Eltern über ihre Sorgen hin- weghelfen zu können. Es war das Prinzip des Vereins von vornherein, diejenigen Ettern vorzugsweise zu unter­stützen, die zu den sogen, verschiämten Armen gehörten uni) deren Mittel bei reichem Kindersegen, Krankyett des Er­nährers oder bei sonstigen Unglücksfällen nicht ans.eich- ten, den Kleinen eine Weihnachtsfreude zu bereiten. Wieviel Tränen getrocknet wurden und wieviel freudestrahlende Kinderaugen die Bescherungen hervorbrachten, konnten nur diejenigen so recht beobachten, welck>e znm Teil sett der Gründung des Vereins tätig sind oder im Laufe der Zett in dem Verein als Vorstand ^Mitglieder gewirtt haben; aber auch die freundlichen Spender, die den Verein, sei es durch fleißiges Sammeln von Cigarrenspitzen usw., oder durch Gaben an Geld in die Lage versetzt haben, so große Re- suttate zu erzielen, dürfen gewiß ganz besonders mtt Be>- sriedigung aus diese zuruclblttten. Ihnen atten sagt der Vor­stand herzlichen Dank für die bewiesene Treue und Anhäng- lichkett mtt der Bitte, auch in diesem Jahre den Verein zu unterstützen und ihm dazu zu verhelfen, daß er diesmal 30 Kinder vollständig kleiden und dadurch die Zahl 500 erreichen kann. Diese Bitte ergeht aber auch an alle, welche dem Verein seither fernstanden, aber ein Herz für Not und Jammer haben, die in manchen Famllien herrschen. Die offene Armenpflege kann sich nur derjenigen Armen an- nehmen, welche gesetzlichen Anspruch haben und solchen gellend machen; die Zahl ist groß, größer ist aber diejenige der verschämten Armen; sie zu stützen und zu schützen, daß sie nicht der gesetzlichen Armeiipflege anherutsallen, ist Sache der privaten Wohltätigkeit. Der Verein hofft, daß er in wetten Kreisen Verständnis und Unterstützung für seine Be­strebungen findet. Gaben nehmen entgegen die Herren: Döring, Rendant, Vorsitzender, Atartin Dörr, Schlosser­meister, Adolf Bourgeois, Buchbinder, Friedrich, JDtonteur, Mulch Lehrer, Dr. Heuser, Custos, E. H. Müller, Schreiner­meister, M. Jaskowsch (Aquarium), Konrad Roth IL, Wein­händler.

** Pariser Schwindel! Bereits vor einiger Zett haben wtt unsere Leserinnen gewarnt vor einer aus Paris bettiebenen SckpvinDelei mtt Seidenjupons. Jetzt macht uns d^r Vorstand des Vereins der Tetaillisten daraus aufmerksam, daß hier noch immer, wie auch in cuideren süddeutschen Städten, eine Pariser Firma versucht, uitt) wie es scheint mtt außerordentlichem Erfolg, Weißwaren, seidene Unterrötte und ähnliche Artikel im Wege des Sch ne e b al­len-^ ydra-) Systems abzusetzen. Gießener Damen benutzen gern die Gelegenheit, sich euren echt Pariser seidenen Unterrock im angeblichen Werte von 40 Frcs. zu dem billigen Preise von 2 Mk. zu beschaffen. Die Pariser Firma riskiert nichts, sie liefert den Rock erst, wenn Kupons im Gesamt­wert von über 40 Frcs. abgesetzt sind. Die deutschen Damen aber riskieren, wegen Veranstaltung einer Lotterie ohne obrigkeitliche Genehmigung nach § 286 des R.-Stt.-G. mtt Gefängnis oder mtt Geldstrafe bis zu 3000 Mt. und außer­dem nach § 22 bezw. des Reichsstempelgesetzes mit GÄd- strase von nicht unter 250 Mk. bestraft zu werden. Die An­

den Römers mtt blasierter Frivolität zu vereinen sick be­mühte, kam er doch über seine eigene treuherzige Arglosig- kett nicht hinaus. Jambenttagödie und Konversations- lustjpiel führten so ungewollt einen bunten und neckischen Wechseltanz auf. Trotzdem alles in allem für den eifrigen Kunstjünger eine wackere Leistung!

Für den Kajapyas ist der ehrwürdige Herr Linz en ganz und gar nicht geeignet. Ich denke mir in diesem Hohenpriester einen starren Vertreter des strafenden und rächenden Judengottes Zebaoth, einen kirchlichen Würden­träger von kühler Ueberlegenhett und diplomatischer Ge- wandthert und Schlauheit Ach aber ach, Herr Linzen gab einen polternden Wallenfteinschen Wachtmeister. Ebenso­wenig konnte Frau Fischer als Rechn gefallen, und die jungen Kavalliere Jerusalems, die der Dichter als Lücken­büßer aufmarschieren läßt, langwettten nicyt nur sich son­dern auch uns; die Herren Gr o n e r t und Pichler machten ja ihre Sache recht nett, wenn auch der letztere sparsamer mit seinen stereotypen Armbewegungen hätte sein können; Herr Tamke dagegen ist zwar ein guter jugendlicher Ko­miker, aber beileibe kein Darsteller von Tragödiencyargen.

Zum Schlüsse noch ein kurzes Wort über die Frage, ob die Tradition berechtigt ist, die weltbeherrschende Persvnlich- kett Jesu von Nazareth nicht aus die Bühne zu bringen. In Bremen hat man vor 7 Jahren RubinsteinsChristus" in der taktvollen Darstellung des Sängers zur Mühlen mit höchstem künstlerischen Erfolge zur Ausiuhrung gebracht, und das Publikum verfolgte die Vorgänge auf der Bühne mit andachtsvoller Ergriffenheit. Und wenn man selbst in katholischen Landen ::ichts darin findet, daß Maeterlinck den heiligen Antonius ins Lampenlicht des Theaters zitiert, daß ferner irgend ein Mist fahrender Bauern knecht in Ober­ammergau den Heiland in Person am Kreuze darstellt, dann sollte man deutschen Bühnenkünstlern etwa von dem Range eines Kainz die Darstellung des Erlösers versagen? Vielleicht erleben wir noch einmal die Zett, da Hauptmann sein Ehristusdrama, das seit Jahren in seinem Pulle liegen soll, auf den weltbedeutenden Brettern wttbersieht. Aller­dings, wie wenige Kainze haben wtt, und wie wenige gute Darstellerinnen selbst einer Iphigenie! P. Witt ko.

wendbarkett dieser Paragraphen auf das Schneballen- System ist wiederholt von Gerichten ausgesprochen worden. Das können teuere Röcke werden. Also Vorsicht!! Auch! die altberüchtigte Firma Reinhard Becker & Co. in Paris, die nach eiirge sand ter Photographie Porträts in Lebensgröße herzustellen verspricht, sucht in Gießen wieder Gutgläubige, die auf ihre lächerlich dummen Aner­bietungen reagieren. Tas Scherzhafteste bei diesem Schwin­del ist dieSpezifikation der Auslagen" dieser Firma. Nicht weniger als 7.35 Mk. betrügt diese Spesenrechnung, in der u. 0. auchCamionage" mit 40 Cts. berechnet. Ein sehr schönes Wort, nur kennt es von 1000 Deutschen höchstens einer. Es bedeutetRollgeld". Dieses aber wird in der­selben Spezifikation bereits mtt 50 Cts. berechnet! Sckon daraus erhelll, wie maßlos frech man von Paris aus Den Geldbeutel der guten Gießener spekuliert Also nochmals: Hand im Sack behallen!

nt Lollar, 18. Nov. Am 13. d. Mts. tagte im Schwanen" hier eine öffentliche Versammlung, die ein- berufen worden war zwecks Gründung eines Vereins, der sich die Schaffung uitb Erhaltung einer Kleinkinder­schule für mpiseren Ort zur Aufgabe machen soll. Dies wurde auch erreicht, indem alle Anwesenden, 51 Gemeinde­glieder, einmütig ihren Bettritt erklärten. Es ist aber als sicher anzunehmen, daß eine große Zahl anderer Ge­meindeglieder, die an diesem Abend der konstituierenden Versammlung nicht beiwohnen konnten, nachträglich bei­treten werden. Der Vorsitzende des seit ungefähr drei Jahren arbeitenden provisorischen Vorstandes, Pfarrer Gußmann, legte der Versammlung den Zweck des Unter­nehmens, sowie die finanzielle Seite dar, ergänzt durch wertvolle Ausführungen ariderer Herren. Die vorgelegten Statuten wurden mit kleinen Zusätzen angenommen, dann der Vorstand neu gewählt, nämlich die Herren: Direktor der Main-Wes erhütte Steinecke, Bürgermeister Zimmermann, Lehrer Daab, Arbeiter Back, Direktor der Gewerbebank Nies, Ortsgerichtsmann Aboos IV., Maurermeister Deibel, Zimmermeister dttchn. Als stätibiges Mitglied und Vor­sitzender des Vorstandes fungiert nach den Statuten der Ortsgeistliche, Pfarrer Gußmann. Erfreulicherweise ist der Bau der Anstalt selbst bereits tatkräftig in Arbeit ge­nommen worden, den die Herren Direktor Steinecke, Nuhn und Deibel fertig hinstellen lassen und gegen mäßigen Zinsfuß dem Verein abtreten werden. Es verdient leb­hafte Anerkennung und warmen Dank, baß sowohl die Direktion des Hüttenwerks, gewiß von dem Interesse für die Arbeiter gekettet, ajs auch die beiden öffentlichen Kasten des Ortes, die Gewerbebant' unb der Spar- und Vorschuß­verein, durch freundliche Unterstützung setther wie durch versprochene zukünftige Httfe die Ausführung des gemein­nützigen Wertes möglich machen. Dasselbe gilt nicht zum wenigsten von der bekannten Opjerwttligkett der Spar- unb Leih lasse Gießen. Möge das begonnene Werk sich nun in absehbarer Zeit vollenden und Mtern wie Kindern unseres Ortes lieb mrd wert werden.

h. W a l l e n r o d, 18. 9üov. Zu Ehren des von hier scheidenden Pfarrers Heintze sand gestern abend im Saale des Gemeindewirtshauses ein Festeren statt, zu welchem auch unser Kreisrat Dr. Wallau und Kreisamt­mann Werner erschienen waren. Lehrer Lock feierte den Scheidenden als treuen, gütigen Seelsorger, oer sein Amt hier über 22 Jahre mit großer Milde verwaltete. Sein langjähriges Nervenleiden hat ihn gezwungen, sich von seinem Dienste zurückzuziehen. In Mainz hofft er Ge­nesung zu fiirden. Um der Liebe und Hochachtung gegen ihn Ausdruck zu verleihen, haben ihm die beiden Ge­meinden Walleiirod und Reuters einen schönen Sessel über­reicht. Sein Weggang wird allgemein bedauert.

)( Mücke, 18. 'Nov. Gegemvärtig ist die Renovier­ung der StaatS straße von hier nach Ruppertenrod fertig geworden. Zum ersten Male geschah dieses mit einer Tauipswalze schwereren Kalibers, die die Arbeit in 4 Wochen beendigte. Wenn auch der PreiS für eine solche Herstellung ein ungleich höherer ist, als die früher übliche Fliaarbeit, so ist doch auch der Zustmrd einer solchen Straße vollkom­mener, sodaß er sich mtt dem srüyeren einfach nicht ver­gleichen läßt.

Groß-Gerau, 17. Nov. Gestern vormittag wurde der Sattler Wagner von hier, der in der Aktienzucker- sabrik beschäftigt ist, beim Riemenauslegen von der Maschine erfaßt und in Stücke zerrissen. Wagner hinterläßt Frau und drei Kinder.

Mainz, 17. 9tt>v. Eine sozialdemokratische Parteiversammlung faßte mit großer Majorttät eine Resolution, die sich scharf gegen die Angriffe der Leipz. Voltsztg." richtet. DieLeipziger Volksztg." hatte in letzter Zeit wiederholt den Redakteur Mendel, der im Mainzer sozialdemokratischen Organ denRevisionismus" verteidigte, sehr schlecht behandelt. Die Wirkung ober, die diese Ketzerrichterei bei den Mainzer Sozialdemokraten hervorgerusen hat, kommt in folgendem Passus der Reso­lution zum Ausdruck: Die Mainzer Parteigenossen bilden sich chr Urteil über ihre Redakteure selbständig und ver­zichten von vornherein auf die Belehrmig der Leipziger, die besser täten, in ihren eigenen Reihen parlamentarische Sitten und Anstand zu pflegen. Wer lehren will, muß selbst mit gutem Beispiel vorangehen.

r. Mainz, 18. 9üov. Drei Gegenstände, welche für die Stadt Mainz von größter Bedeutung sind, brachte Ober­bürgermeister Dr. Gaßner in einer heute abend stattge­habten Stadtveordnetensitzung zur Erörterung. Ter wichtigste betraf die Nieoerlegung der nord­westlichen Umwallung der hiesigen Festung, in welcher Sache die Vorarbeiten jetzt soweit gediehen sind, daß dem Reichsschatzamt ein Bebauungsplan unterbreitet werden konnte, der als Grundlage für die Veräußerung des hier frei werdenden Festungsgeländes zu dienen hat. Nächster Tage wird aus Berlin eine Kommission eintreffen, welche sich mit der Abschätzung des Wertes des Geländes befassen wird. Wie von dem Reichsschatzamt ferner mit» geleckt wurde, wird dem Reichstage in Kürze eine Vor­lage unterbreitet Iwerden, für die Niederlegung der Festungs­wälle von Niainz unb Kastel die nötigen Beträge zu be- wckligenl Nach der Ansicht des ObeÄürgermeisters Dr. Gaßner dürften bis zum Frühjahr die Festungswälle fallen. Ein weiterer bedeutungsvoller Gegenstand betraf die Zusicherung des Vorsitzenden des Verwaltungsrates der Süddeutschen Eisenbahngesellschaft, bei der am 15. Dezember stattjindeuden Generalversammlung der Gesellschaft die Zu­stimmung für den zwischen der Stadt Mainz und der Eisenbahngesellschaft wegen Uebergang der Mainzer Straßenbahn an die Skaot zu erwirken, sodaß im Mai nächsten Jahres die städtische Venvaltung definitiv die Straßenbahn übernimmt und im Betrieb ihrer elektrischen Bahnen nicht mehr gestört ist. Der dritte wichtige Punkt war endlich, daß sich die Stadtvevordnetenversammlung prinzipiell mit der Eingemeindung der an derMainspitze" gelegenen rechtsrheinischen Orte Ginsheim und Gustavs-

bura einverstanden erklärte und die Bürgermeisterei er­mächtigte, mit beiden Orken gemeinsam einen Eingemeinb- ungsverttag zu vereinbaren. Für Mainz wie andy für die beiden Ortschaften betrachtet nmn die Eingemeindung der Orte zu Mainz für sehr bedeutungsvoll. Vor Behanolung dieser Gegenstände hatte der Oberbürgermeister mit warmen Morten sowohl des Sterbefalles in dem Groß herzoglichen Hause wie auch des Ablebens des Bischofs Dr. Brück gedacht. In beiden Fällen erhoben sich die Stadtverordneten von ihren Sitzen._______________________________________________

Generalversammlung

des Kesstschen Aauernvereins.

fc. Friedberg, 18. Nov.

Die heutige 18. Generalversammlung des Hessische Bauernvereins hatte eine stärkere Frequenz wie die, die im vorigen Jahre in Gernsheim abgehalten wurde, aus­zuweisen. Es waren 220 Vertreter der Lokalvereine aus allen drei hessischen Provinzen erschienen. Landwirt Reg­ner-Bretzenheim, der 1. Präsident des Vereins, fühäe den Vorsitz.

Die Verhandlunaen begannen um HV2 Uhr. Regner betonte in seiner Begrüßungsrede, es sei heute nötiger denn je, daß die ackerbautreibende Bevölkerung Zusammen­halte. Er erteiUe dann das Wort dem Schristsührer, Lehrer Wagner- Fehlheim, der an Stelle des erkcantten Rechners Jöst-Viernheim die Rechnung des Jahres 1902 bekanntgab. Ter Verein zählt in 56 Loktckvereinen, die sich auf die drei hessischen Provinzen verteilen, 4500 Mitglieder. Die Ein­nahmen bettugen im abgelaufenen Geschäftsjahre 4187.11 Mark, die Ausgaben 3730.29 Mk. Das Vereins^lattDer hessische Bauer" wurde in 4500 Exemplaren gelesen. Tie Rechnung wurde von den Revisoren Pfarrer Kling^Ober- erlenbachj und Bürgermeister Gondolf-Oberwöllstadt geprüft und richttg befunden. Zu Rechnungörevisoren wurden neu gewählt: Bürgermeister Geffert-Fehlheim und Landwirt Jost-Bensbeim.

Ter Vorsitzende teilte darauf mtt, baß der Verein mtt den Lagerhäusern in Hanau und in Lorsch behufs An- und Verkäufen in Geschäfftsverbindung getreten sei, und forderte die Mitglieder aus, rege davon Gebrauch zu machen. Der 2. Vorsitzende Pfarrer Mauer-Fehlheim empfiehlt die ge- nosfenschastliche Cigarrenfabrik in Klein-Hausen a. d. Berg­straße, die trotz chres kurzen Bestehens bereit 48 Arbeiter beschäftige und gute und billige Ware liefere.

An der Diskussion beteUigte sich Kaplan Michel- Obermörlen, Landwirt Stoll-Hungen und LanowirtChriftian- Jügesheim. Kaplan Michel wünscht, daß die jungen Bauernsöhne die Ackerbauschule zahlreicher besuchten und theoretisch besser ausgebildet werden; daß die Landwirte lnehr Ausstellungen besuchten unb selbst ausstellten und daß innerhalb der Lokaloereine ein regeres Leben durch Ab­haltung von Versammlungen usw. herbeigeführt werde. e>t 0 l l-Hungen und C h r r sti a n - Jügesheim redeten dem genossenschaftlichen Zusammenschluß das Wort. Nur durch ihn sei der Kleinbauer vom Untergänge zu retten. In­zwischen war es 1 Uhr geworden, und man setzte sich im Versammlungslokal im Gasthaus zu den drei Schwertern zu Tische.

Um 2 Uhr wurden die Verhandlungen fortgesetzt. Zu­nächst sprach Rechtsanwalt Schröder -Friedberg über das Währschaftsgesetz, dann der Verbandsrevisor Gewenigev- Ludwigshafen über Körnerbau und künstliche Düngung. Den brüten Vortrag hielt Pfarrer Manrer-Fehlheim über Getteideverkaussgenossenschaften und landwirtschasttiche Lagerhäuser. Er meinte, es sei höchste Zeit, daß endlich jür die Provinz Ober Hessen ein großes Lager­haus, etwa in Frredberg oder in der Nackcharschnft errichtet werde. An feine Ausführungen schloß sich eine längere Dis­kussion. Bürgermeister G 0 n d 0 l f - OberWöllstadt steht der Errichtung eines Lagerhauses skepttsch gegenüber. Man müsse bedächtig borg elfen und alles genau prüfen. Bei der Mollereigenvsjenschaft in Niederwöllttadt feien er und eine große Anzahl mittlerer unb kleinerer Bauern gründlich hereingefallen und zwar mtt 300 000 Mk. Dr. v. Peter- Friedberg schilderte die Schattenseiten eines Lagerhauses in uer Weller au. Er mahnte edensalls zur Vorsicht. Pfarrer Maner suchte die Bedenken dieser beiden Sicherheits- kommissare zu beseitigen. Oekonomierat Schlenke- Gießen ist ebenfalls für Den gen0ssenschosklichen Zusammen­schluß, aber nicht für ein großes, sondern für mindestens sechs kleinere Lagerhäuser in der Provinz Oberhessen. Er forderte die Anwesenden auf, am 2 6. N 0 vembe r zahl­reich in Gießen zu erscheinen, wo der Landwtttschafttiche Provinzialverein für die Provinz Ob er Hessen zusanunen- trete, um speziell über diese Lager Haus frage zu verhandeln.

Tamil endeten die VerhanDlungen. Die nächstjährige Generalversammlung findet in Hechts he im in Rh ein Hess en statt.

Vermischtes.

* Leipzig, 18. 9iov. Die wegen Verwendung eingezahlter Gelder verhaftet gewesenen zwei Di­rektoren einer Konfirmandenausstattungs-Ge- sellschafL Pisters und Fabian sind aus der S^ajt ent* lassen worben, nachdem von ben Bertvandten Deckung hinter^ legt worden ist. Die Entlassenen machen bekannt, daß die Einleger ihre Gelder sofort zurückerhalten können.

* Paris, 18. Nov. Das Hanlu.sgericht stellte gestern die Passiven bei dem Falliment der Humberts fest. Dieselben belaufen sich aus 16 00 0 0 0 Franes. Therese Humbert wurde gestern im Zenttalgesängnis mtt den übrigen Neuaiigekommenen geimpft. S^e hatte darauf eine zweistündige Nervenkrisis.

* Fiume, 18. 9loö. Der Dampfer Petoefi der um garischen Seeschiffahrts-Gesell;chast, welcher am 28. Oktober mit Getreide nach Rotterdam abgegangen mar, ist seitdem verschollen. Man befürchtet, daß er mit Mann und Alans untergegangen ist.

* Petersburg, 18. Nov. Beim Brande im Postwagen der Nckolaibahn in der Nacht des 9. ds. Mts. sind von den beförderten Geldsendungen im Betrage von Rbl. 7 734 317 47 demRegierungsboten" zufolge nur ein Packet im Wette von Rbl. 826 18 verbrannt. Die übrigen Geldpackete wurden infolge der sofort ergriffenen Maßnahmen gerettet.

* R i 0 de Janeiro, 17. Nov. An der Pest sind in der vergangenen Woche 17 Personen gestorben. Da 40 neue Erkrankungen vorgekommen sind, befinden sich gegen­wärtig 133 Personen m ärztlicher Behandlung.

* lieber ein neues A11 en tat au s ein en Eis en* bahn zug wird aus Petersburg berichtet: Gestern nacht entgleiste Der aus Rostock am Don abgegangene Schinellzug bei der Station Matrejewa, weil die Schienen in verbrea)e- ttscher Absicht entfernt worden waren. Bisher wurden nntcr