Ausgabe 
19.11.1903 Zweites Blatt
 
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pbil. Curt Weiss.

j)en bei 216 bVilh. Karnbecb,

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biiettrr Kraozo/e jiaui-auurri^iuer.

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Vrfchetnt tSgltch auß« SoimtagS.

Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem Ürsflschen Landwirt bie Sießever Familien, blätter viermal in der Woche beigelegt.

AotatUmSbrud n. Ver­lag bei Brühl 'schon Univers^Vuch- u. Stein» b ruderet (Pierich Erden- bleOuftlvn. Örpebttioa und Druckerei:

Schalstratze 7.

Ldreiie für Depeschenr «nzetger Gieße«.

Ferniprechanichluß Nr. 5L

Donnerstag IS. November LN03

Zweites Blatt«

153. Jahrgang

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GiehenerAnzeiger

M' General-Anzeiger v

Amts- md Anzeigeblatt für den Kreis Gießen

jährlich Ml LL0, durch Abhole- u. Zweigsteller monatlich 65 Ps.- durch die Post Dtk.2.vienel» jährL auLschL BeNeUg. Annahme von Anzeigen üx DieLageSnuminet jtfl ooTmUiagfl 10 Uhr.

^etlenvretft total 12 Pi* außipdrifl 80 tilg.

lüecamwo <t üdb Wh den polti. an» aUgern. Deü P ötltto tüt , Stabt and ttanb* und _<Aerichtasaat^ August Dütz '.üx den An­zeigenteil panG Beck.

$>it heutige Yummer umfaßt 8 Seiteu.

parlamentarisches aus Kessen.

Ter vierte Ausschuß hat sich entschlossen, im Plenum zu beantragen, den Antrug des Abg. Wolf, betr. die m e ß - briefliche Wahrung d erzeitlichen landwirt­schaftlichen" Kulturveränderungen in den Grundbüchern und Steuerlatastern abzulehnen, nachdem sich die Regierung in gleichem Sinne ausführlich geäußert hat. Ebenso beantragte er Ablehnung des An­trags des Abg. Üeun, betr. die Gebühren für die Fortführung der bisherigen Grun d b ü ch er und wünscht in eingehender Begründung Wiederherstellung der in der Verordnung vom 18. Dezember 1874 sestgetegten Gebühren­sätze.

Ter erste Ausschuß beantragt, der Vorstellung der Steuerausseher des Großherzogtums bett. Gehalts­aufbesserung und Versetzung in die achte Klasse der Zivil- staatsdiener keine Folge zu geben.

Bei der Präparanden-An st alt in Lich waren am 17. April bereits 60 neue Schüler angemetdet, während nur etwa 32 ausgenommen werden können. Eine lleber- weisung von Schulern an die beiden anderen Präparan­denanstalten in Lindenfels und Wollstein ist nicht möglich, da auch diese besetzt sind. (Eine erfreuliche Folge des neuen Lehrerbejoldungs - Gesetzes.) In dem Berichte des ersten Aus,chusjes wird ausgesuhrt: Bei dem vorhandenen Mangel au Zehrern durse aber eine Zurüaweisung von Schülern nicht statlsitiden uuo müsse daher zur Er­richtung einer Parallettlchie geschritten werden. Tie Kopen einer solchen belaufen sich aus 2330 Mark. Die Regierung habe die Errichtung eines vierten Seminars in Aussicht genommen und es sei deshalb anzunehinen, daß, wenn dieses Projekt zur Ausführung gelange, die in Rede stehende Parallelklasse in Lich nicht bestehen vieiben Werde. Die Regierung bittet bei der Bewilligung dieser Parallelklasse in Lich die prinzipielle Frage der Lehrer- bildungsorganisatiou auszuscheiden, da sie eine Aenoerung der zurzeit bestehenden Organisation beabsichtige, welche mit Beginn des neuen Schuljahres bereits in Kraft treten solle. Der Ausschuß beantragt unter Vorbehalt der Re­gelung der prinzipiellen Frage: für die Errichtung ejjicr Parallelklasse bei der Präparaiiden-Anstatt in Lich den Be­trag von 2350 Mark mit der Maßgabe zu bewilligen, daß die Mittel aus den lleberschasjen vorderer Jahre ent­nommen werden.

R. B. Darmstadt, 18. Nov. Der Finanzaus­schuß der 2. Kammer erledigte heute endgiltig die Kürn­bacher Angelegenheit, vlach dem zwi.chen der hessischen und der badischen Regierung voroehattiich der Genehmigung durch, die Kammern abgejchlojsenen Staatsvertrag uber- ttägi Hessen bekanntlich seinen Anteil an dem Kondominat Kürnbach an werden, w^gen oie.e-s tttie Enischäbigmig von 17juOU Mk. zahlt und mehrere kleine Enklaven Badens an Hessen überlußt. Der Staatsvertrag wurde mit 5 gegen 2 Stimmen angenommen, nachdem heute noch eine ein­gehende Besprechung mit den Regierungsverttetern statl- gefunden hatte. Die beiden Gegner des Staatsvertragis jiub charatterrstischerweis e ein Soziaib emo trat uno ein Anti­semit/ die Herren Ulrich und Hirsche!. Da der -Vertrag schon mit dem 1. Januar 1004 in Kraft treten soll, so ist dessen demnächstige Genehmigung vom Plenum der Kammer un­erläßlich. Man wird sich also, demnächst, obgleich dazu

nicht viel Neigung besteht und auch noch wenig Material zur Plenarberatung fertiggestellt ist, zu einer kurzen Kammer- ragung entschließen müssen. <

Politische Tagesschau.

Deutschland und Amerika.

Der Berliner Vertreter eines sächsischen Blattes hatte mit dem zurzeit in Berlin weilenden deutschen Botschafter in Washington Freiherrn Speck von Sternburg eine Unter­redung über die zollpolitischen Beziehungen Deutscblands zu den Vereinigten Staaten, in welcher oer Botschafter bezüglich der rigorosen Zoll­behandlung der deutschen Exportindustrie er­klärte, die Stellung der amerikanischen Unternehmer und ihrer Finanziers sei derart, daß gegenwärtig selten etwas auf dem De s ch w er d e w e ge erz ie l t werde. Die Unter­nehmer hätten auch in der amerikanischen Gcoßindusttie, welche im Senat starke Gewalt habe, einen mächtigen Rück­halt. Auf die Frage, ob eine Abänderung der gegen­wärtigen rechtsgilttgen Bestimmungen im Wege gesetzgeber­ischer Initiative denkbar sei, daß an Stelle der Wertzölle Gewichtzölle treten, äußerte der Botschafter, die Neig­ung zu einer solchen Aenderung habe er nicht bemerkt. Wir wissen, so führte Herr von Sternburg weiter aus, daß gerade der Wertzoll der Kernpunkt aller laut gewor­denen Klagen ist. Ich bin wegen der Erörterung gerade die,er Frage nach Deutschland gekommen, und ich kann ver­sichern, daß Präsident Roosevelt und die Regierung großen Wert aus die Andauer der freund­lichen Beziehungen zu Deutschland legen. Auf die Frage, ob die Aussicht aus Abschluß eines Tarif­vertrages mit den Vereinigten Staaten ausgeschlossen sei, erwiderte der Botschafter, daß zur Zeit kaum daran zu den ien sei. Tie Amerikaner seien sich der Vorteil- hastigkeit ihrer Stellung beivußt und die einflußreiche Großindustrie würde diese nicht ohne weiteres ausgeben.

Ker Zöohnungsgrlozufchuß der yesstfchen Ncamteu.

Man schreibt uns:

Der Lalndtagsabg. Häusel hat bekanntlich einen An­trag auf Abänderuiig des Artikels 17 des Gesetzes vom 9. Juni 1898, die Besoldung der Staats­beamten betreffend, eingereicht. Noch dem Artikel 17 bezahlen die im besitze einer Dien st w o h n u n g befind­lichen Beamten je nacl) dem Wohnort 5, <\2, 10 Prozent ihres Gehaltes als Wohnungsmiete an den Siaat. Der Antrag Hauset bezweckt, Erhöhung dieser Betrage aus 8, 12, 16 Prozent des Gehaltes, um dadurch den tatjächlichen Mietpreisen, die Beamte ohne Dienstwohnung zahlen müssen, näher zu kommen, oder dieselben zu erreichen.

Eine Dienstwohnung bietet nun nicht nur Annehmlich­keiten. Ter betresfende Beamte muß die Wohriung be­ziehen, ob ihm die Lage, die Wohnräume uno die event. Mitbewohner zusagen oder nicht, er ist vielfach genötigt, Ausgaben zu uiachon, die eine rhm gerade pajselide und zusagende Privatwohnung niwt er,orderr, z. B. für Heizung und Beleuchtung größerer Viäume, für Reinigung, Pflege und Instandhaltung voii Haus, Hof und Garren durch be­sonderes Personal uiid dergl. mehr. Wenn diesen persöw lichen und pekuniären Nachteilen gegeliuber die Vorteile, die in der billigeren Miete liegen, durch den Atitrag säusel ausgohoben werden, so kaiin es vorkonimen, dap die Tienstwohnung ein Danaergeschenk für den B^amteri wird. Außerdem ist zu beachten, daß das nach laugen Ver­

handlungen zustande gekommene Beamtengesetz die Gehalte mancher Beamten,.die an sich für keine Kategorie, weder absolut, noch im Vergleich mit den Nachbarstaaten, zu groß sind, festgesetzt hat unter Berücksichtigung der Dienstwohn­ung. Wenn also der Antrag Häusel Annahme fände, so würden diese Beamten durch erhöhte Abzüge eine wesent­liche Schmälerung ihrer Bargehalte erfahren. Dabei ist zu beachten, daß das Beamtengejetz durch seinen Artikel 17, der nun durch einen schärferen ersetzt werden soll, schon die früher von den Beamten zu zahlenden Tienstwohnungsentschädigungen verdoppelt hat. Ein wei­terer Nachteil, der sich namentlich für ländliche Ver­hältnisse zeigen wird, liegt darin, daß die Erhöhung der Äcietpreise für die Dienstwohnungen, die doch meist auf dem Lande zu finden sind, die Landflucht der Be­amten fördern wird; schon heute erhebt die Land­bevölkerung Klage darüber, daß der Beamte aus seiner ländlichen Dienststelle nach der Stadt strebe, noch ehe er recht vertraut mit seinem Bezirk geworden sei.

Es ist ja nicht zu leugnen, daß llngleichheiten in den Besoldungsverhältnijsen bestehen, solange der eine Beamte billige Diensuvoynung hat, der andere aoer nicht. Es wuroe deshalb auch schon bei Beratung des Beamtengejetzes aus der Volksvertretung heraus die Ansicht kundgegeben, daß ein Beamtengesetz erst mit der Gewährung freier Dienst­wohnung (oder eines entsprechenden Wohnuiigsgeld-Zu- schujses an jeden Beamten als abgojchlo;sen zu betrachten |Clu werde. Das Reich, Preußen, Baden und andere Staaten haben diese Einrichtung bei Einführung der Beamtengesetze getroffen.

Wut dem Antrag Häusel ist demnach eine im Wider­spruch mit dem neuen Beamtengesetz stehende Verminder­ung der Gehaltsbezüge vieler B>eamten verknüpft. Aus - bie)em Grunde haben sich die V o r st ä n b e einer An­zahl von Beamtenvereinen vor einigen Tagen in gemeinsamer Beratung zusammengeiunden unb eine gemein.ame Eingabe an die Großh. Ministerien beschlofsen. In bieser Eingabe erfuchen sie bie Großh. Re­gierung :

Hohe Staatsregierung möge jebe Erhöhung der Abzüge für Geivahrung voii Tieiistivohnungen abtehnen unb nicht zu geb en, daß bie Befeitigung vorhandener Un­gleichheiten in der DiensUoohnungsfrage durch rück­schrittliche Enlwictturig des Beamreubesoloungsgesetzes be­wirkt werde."

In der Begründung heißt es u. a.z daß die Beamten mit Rücksicht aus die derzeitige Lage der hessischen Slams- sinanzen, sowie darauf, daß man das Beamiengesetz erst einmal sich einleben lassen wolle, bis letzt davan abgesehen haben", aus die schon in der Kammer selbst seinerzeit in Aussicht gejlertte prinzipielle LiegeEng dec Wohiiungsfrage emzugehen, daß sie sich deshalbauch der Ho,fnung hui- geben, daß nicht in der LLoise, wie der Antrag ö^äusel es erstrebt, die Lösung der obschwebenden Frage versucht werde".

ZUutt miö £ani).

Gießen, den 19. Viooember 1903.

** Aug. Junkermanns Fritz Reukerabend. Indem wir auf den am 21. 9ioo. im Gesettschaftshause statt- findenden Reutervortrag nochmals aufmertsam machen, zitlren mir nachfolgenden Satz aus Adolf Wilbrandts Biographie Fritz Reuter's": /Dian lese Fritz Reiner nicht, man höre ihn. Reuter's plastische Kraft würdigt man erst ganz, wenn man ihn nut Kunst und dramatischer Wahrheit sich vottragen

Gießener Theateroerein.

Maria von Magdala.

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Heyse's Dranra ist eine dekorative Dichtung. Diese Maria, weit entfernt, uns die Geheimnisse ihrer Bekehrung aufzuschließen, hat sich seiner klugen Kunst lediglich um des kionlrastes willen ergeben, den ihre Welt mit der des Nazareners bildet. Aus dieser dekorativen Grundidee wurde naturgemäß ein dekoratives Drama. Die Pafsions- gejchichte als Ausstattungsstück wäre die kürzeste Formel, die sich jür das auch mit schönen Reden prunkende Werk finden ließe. Je mehr Aufwand man also auf der Bühne mit Kostümen, Malereien, Beleuchtungseffekten und Prospekten macht, um so besser dient man dem Scheinerfolge des Stückes.

Unsere Regie sie ist auf dem Theaterzettel bescheiden verschwiegen kann nicht genug gelobt werben. Da war bis in die kleinsten Einzelheiten alles sckmmungsvoll unb fein durchdacht. Eins nur hätte ich noch feiner nuancirt ge­wünscht, die Stelle im zweiten Akte, wo die zürnenden Rufe der Dienge gegen Maria abgelöst werden durch das Jesus- Wort- Mer sich unter Euch ohne Sünde weiß, der werfe den ersten Stein auf fiel" Da hätte die Äienge m tiestler 'Srqciffenhcit fortschleichen müssen. Hoch zu preisen i)l ferner der Theatermaler, der wirklich überraschend hübsche und stilgerechte Bllder von dem Tale des Jordan und der »alten Hebraerstadt Jerusalem mit ihrem heiligen Felsen, ihren ^Tempeln, ihren Prachtbauten aus dem Zeitalter des Herodes, ihren Kastellen, Türmen, Mauern unb Toren geschaffen hat. 'Älit Lob genannt zu werden verdient auch, der bie Ent­würfe zu den Kostümen gemacht, der jedem seine Diaske an­gewiesen har. Hier war in der Charakterisierung Vortreff­liches geleistet worden. Desgleichen bie Schneiderin, bie bas

Frl. Hohl, die Darstellerin der Titelrolle, mit feinem Sinn für die Abstufung der Farben geputzt hatte. (Richt zu ver­gessen der Alaun mit dem Tonnerapparat, der bie Passious- szene des letzten Aktes zum erschütterndsten Dioment des Abends herausbumberte.) Am wenigsten Erfolg hatte von allen diesen Tausendkünstlerrr der Herr Bcleuchtungsinspektor, der allzu viel probierte unb so balb Glück, bald namenloses Unglück mit fernen Effekten hatte.

Die eigentliche Darstellung war, bis auf wenige Aus­nahmen, ebenfalls höchst lobenswert Frl. Hohl war eine schöne Maria, nach der Wiedergeburt, namentlich im 4. Akte, wo sie den letzten Kampf gegen sich selbst besteht, hinreißend, von erhabener tragischer Kraft. Rick besonderer geistiger Feinheit hatte sie den Riomeut aufgefaßt, in dem sie vor dem ihr von Flavins eröffneten Abgrund zurückweicht und der in ihr laut werdenden Stimme des Herrn folgt. Vor­her stellte sie nur äußerlich das Bild einer schönen Sün­derin. Ihr kam es gar nicht bei, daß die Maria Heyses zu Anfang nichts Anderes ist als eine unbefriedigte Kokotte voll wechselnder Launen, aufsteigender Unlust unb Amvanblungen heimlicher Sehnsucht, alles in allem em leichtfertiges Ge­schöpf. Allerbings ist sie keineswegs eine gemeine Dirne. Vielleicht hätte ein Moderner gerade an die unter Christi Einwirkung sich vollziehende Wandlung von absolutem Dirnentum zu sittlicher Läuterung sein heißestes psychologisches Bemühen gesetzt. Heyse legte von Anbeginn des Dramas schon edlere Tendenzen in diesem Charakter an. Diese Maria brach, um mit Nietzsche zu reden, die Ehe erst, nachdem die Ehe zuvor sie gebrochen hatte. So ist sie denn mehr eine Hetäre im griechischen Stil, der wohl die Freundin des Perikles, Aspasia, Ntodell gesessen hat. Das hatte Frl. Hohl klug erfaßt. Immerhin hat auch diese Maria eine mit­reißende sinnliche Glut, die Frl. Hohl auch nur anzudeuten von vornherein streng vermied. Wohl in der Absicht, die

Figur auch zu stilistischer Geschlossenheit zu führen, nament­lich aber, um ihr und dadurch der ganzen Dichtung einen Adel zu verleihen, den sie eigentlich gar nicht besitzt. Das war vornehm gedacht, geschmackvoll, fein. Und dazu gab Frl. Hohl sichtlich ihre ganze Seele hm, sie fand herz­ergreifende, von echter Empfindung zeugende Töne, wo Heyse nur schallende Worte spricht. Welcher seltsame Widerstreit übrigens zwi)ck>en berMaria von Magdala" Heyses und derMonna Vanna" Vdaeterlincks! In der bivlisckien Historie des deutschen Dichters eine Buhlerin, die ihre Geschlechtsehre wiederhergestellt füjt durch himm­lische Liebe und selbst um des Höchsten willen ais Heilitp- lum huter, r in der Re;inaisscmcedichlung des belgischen Poeten ein keu,ches Weib, das ihren reinen Blütenleib preis geb en will einem fremden Lüstling um eine Hand­voll tzerdenmenschheit!

Noch belfer fast aiy Frl. Hohl gefiel uns Herrn San­dor sss Judas. Nicht nur daß er eine ganz brillante Maske gemacht hatte, er chacaklerisierte auch in seiner Rede ungemein scharf, während Frl. Hohl sich doch nicht immer ganz frei machen konnte von der hohljchwellenden Rhetorik Heyses, er gab echte Leidenschaftlichkeit für Heyses theattglische Pose, selbp da noch, wo nach dem Weltereianisse ber Kreuzigung der Dichter in lyrischer Empsindelet zer­fließt. Ms Mirjam war Frau Kell er mann von auf­fallender Echtheit unb Innigkeit.

Herr Achterbergift ein sehr strebsamer und Zweifel- los auch talentvoller junger Künstler, und er trug seinen hübsch zurechtgestutzten RomeLtops gar stolz. Aber manches ist doch an ihm noch unfertig unb störend, so sein häufiges Kopfnicken zur Beteuerung einer Mchtigleit, die nicht immer vorhatiden ist. Seine vom Soufsleuri.asten noch meyr als wünschenswert abhängige Sprechweise läßt ihn dtt Sätze mitunter an den urigcecgnetsten Stellen tymbiurui und Worte von Bedeutung pluuiittrichlucken zu Gunpen nichts­sagender Phrasen. Indem Herr Achterberg bei bester Ab­licht den souveränen Stolz des auf alle Welt he robb licken-