Ausgabe 
19.3.1903 Zweites Blatt
 
Einzelbild herunterladen

des Vereins für Sozialpolitik von 1897 weist Adler auf Grund der Verhältnisse in Birmingham, im Staate Newyork und in Belgien darauf hin, daß auch in Ländern mit weit fortgeschrittener industrieller Entwickelung eine sehr große Zahl handwerksmäßiger Kleinbetriebe sich hallen kann. Mithin ist die Annahme gestattet, in aller absehbaren Zeit das Hand­werk trotz der zu erwartenden Einbußen in großem Umfange bestehen bleiben zu sehen. Aus der ärmlichen Exiüenzweije vieler oder selbst der meisten Handwerksmeister schließt Adler, im Widerspruch zu Sombart, nicht auf die Exislenzunfähigkeit deS Handwerks. Denn die Mehrheit der Handwerker hat in der ganzen Wellgeschichte jederzeit ein ärmliches Dasein ge­führt; selbst in der gepriesenen Zeit des Mittelalters haben sehr viele Handwerksmeister gleichfalls nur von der Hand in den Mund gelebt und sich in demselben Maße wie heute nur durch Ausübung eines Nebenberufes halten können. Was den Handwerker des Mittelalters, in rein wirtschaftlicher Hin­sicht, vor dem der Neuzeit auszeichnete, war die verhältnis­mäßige Sicherheit seiner Existenz, die Lebensfristung indcsien ist damals, betont Adler, genau so kärglich wie heute ge­wesen. Hält Adler in Uebereinstimmung mit den sach­verständigsten Gelehrten die Fortexistenz der Handwerkerklasse für sicher, so trifft er mit guten Kennern der Handwerker­verhältnisse auch in der Ueberzeugung zusammen, daß der Niedergang deS Handwerks häusig durch eine mangelhafte technische AuS- und Vorbildung der Handwerker mit ver­schuldet ist. DaS neue Handweckergesetz vom 26. Juli 1897 ist erst seit zu kurzer Zeit in Kraft, als daß Adler heute etwas über seine Wirkung sagen möchte. Für das beste Mittel, den Handwerkerstand zu kräftigen, erklärt Adler die obligatorische Einführung der Alters- und Invalidenversicherung für die Handwerker, wobei das Reich einen Zuschuß von 15 bis 20 Millionen Mark zu leisten hätte.

Preußisches Abgeordnetenhaus.

47. Sitzung vom 18. März.

Beim TitelZur Errichtung einer Technischen Hochschule in Breslau" erklärt ein Regierungs-Ver­treter, es sei beabsichtigt, die Hochschule in Breslau zu einer alle technischen Fächer umfassenden Anstalt aus­zubauen. Das Kapitel wird genehmigt. Beim Kapitel Medizinalwesen" fordert Abg. Rügenberg (Ztr.) bessere Ausbildung der Hebammen, die besonders zur Reinlichkeit erzogen werden müßten. Nötig sei die Schaff­ung einer Gebührenordnung, und für den Beruf der Krankenpfleger müsse der Befähigungsnachweis eingeführt und zur Ausbildung des Pflegepersonals eine Zentrab- krankenpslegerbildungSanstalt errichtet werden. Abg. Dr. Langerhans (fr. Vp.) bespricht in abfälliger Weise die ärztlichen Ehrengerichte. Minister Dr. S t u d t erkennt an, daß das Hebammenwesen reformbedürftig sei. Voraus­sichtlich würden dem Hause bald Vorschläge über bessere Vorbildung der Hebammen und eine Gebührenordnung für diese gemacht werden können. Abg. Graf Douglas (sk.) fordert durchgreifende Maßnahmen zur Bekämpfung an­steckender Krankheiten unb des übermäßigen Alkohol- genu sses. Minister Studt erwidert, von der Re­gierung sei alles geschehen, um den seinerzett vom Hause angenommenen Antrag Douglas durch administrative Matz- reaeln zur Durchführung zu bringen. Er hoffe, daß recht bald durch einen gesetzgeberischen Akt die edlen Absichten deS Grafen Douglas verwirklicht würden, denn gegen die Akoholpest müsse etwas geschehen.AL-g. Schu lz (fr. Vp.) erklärt, die Gastwirte müßten sich gegen die praktische Tendenz des Antrages Douglas, eine wirtschaftliche Ver­schiebung zu ihren Ungunsten herbeizuführen, lvehren. Gegen eine loyale Agttarion gegen den Alkohol hätten die Gastwirte sich nie gewendet. Abg. Frhr. v. Zedlitz (ff.) verteidigt die Tendenz des Antrages Douglas, die nur auf Hebung der Gesundhett des deutschen Volkes gerichtet sei. Dem Abg. Martens (nl.) erwidert ein Regier- ungsvertreter, über eine Reform der Medizinalkollegien seien bereits Verhandlungen eingelettet. Bedauerlich sei eS, daß Aerzte und Apotheker sich in den Dienst von Kur­pfuschern gestellt hätten. Tie Abgg. Schall (kons.) und Schmitz (Zrr.) treten für Bekamp,ung der Alkoholpest ein. Ein Reglerungsvertreter erklärt, der Kultusminister verhandle mit dem Reichskanzler, um eine Ausdehnung des § 35 ber Gewerbeordnung, der die Ausübung eines Ge­werbebetriebes wegen Unzuverlässiglett versage, aus die Kurpfuscher herbeizusühren. Tas werde hoffentlich bei ber nächsten Novelle zur Gewerbeordnung gelingen. Abg. Schulz (fr. Vp.) stellt gegenüber dem Adg. Schall fest, daß auch die Bibel nicht auf dem Standpunkte der Ab­stinenzler stehe, wie z. B auS den Sprüchen SalomoniS hervor gehe. (Heiterkeit.)

Deutsches Reich.

Berlin, 18. Mttirz. Tas Kais er paar besichtigte Heute in ber Gießerei der königl. Museen in Eharlottenburg die Gipsabgüsse, welche für bie Havard-Universität bestimmt sind. Nach einem Besuch beim Reichskanzler empfing der Kaiser im Schloß den Oberhosmarschall Grafen Eulenburg und den stellvertretenden Cchef des Zivilkabinetts zum Vortrag.

Der Kronprinz verbrachte, wie man aus Kairo berichtet, eine gute Nacht unb war heute morgen völlig fieberfrei. Prinz Eitel Friedrich wird bereits morgen Kairo verlassen.

In Nr. 59 des Amtsblattes der bat)crischen Stadt Lauingen findet sich über die dortige Prcnzregenten- Feier folgender Bericht:In herkömmlicher stiller SSeife wurde gestern in hiesiger Stadt das Geburtsseft unseres er­habenen Priirzregenten gefeiert. Vormittags FcstgotteS- dienst,dann Festsrühschoppen,wie üblich, in geirainicn Sagem unb gleich den Vorjahren Zuchtbullenver- ste igerung im Becher." Die Ausdauer, mit der man dem Prottktor der bayerischen Landwir.schäft alljährlich an f^nem Geburtstag durch eine Zuchtbulleuoersteigerung hul­digt' verdient öffentliche Anerkennung in wetteren Lejer- fretfen, als sie das Sauinger Amtsblatt hat.

Dem preuß. Herreuhause ist ein Gesetzentwurf zu- gegangen, der die aus vorpreußischer Zeit stammenden bau- u n d f e u e r p o l i z e i l i ch e n h e s s e n - n a s s a u ischen Gesetze und Verordnungen außer Kraft setzt, welche den Don den Obcrprasidemen unb gieiungS- Präsidenten erlassenen Txoliyiuerorbnungcn im W.ge stehen. Die zivilrechtticheu unb die das Feu. mersicherungKnusin berührenden Bestimmungen werden ln^b..rcy nicht b.rührt.

Die heutige Demonstratio n der Sozial, bemof raten auf dem Kirchhofe der M ä r g e f a l - le nen im Friedrichshain ist ruhig verlausen. Am Eingänge

des Friedhofs prüfte ein Polizewffizier die Kranzschleifen auf den Text der Inschriften unb ließ in ber üblichen Weise die Anstoß erregenden entfernen. Die Anarchisten hatten Kränze mit schwarzen Schleifen niedergelegt.

Gotha, 18. März. Der Landtag beschloß, die Re­gierung zu ersuchen, im Bundesrat gegen die Aushebung des § 2 des Jesuitengesetzes zu stimmen.

Wahl-Bewegung.

Wie derFrkf. Ztg." aus Neustadt a. d. Haardt gemeldet wird, hat der seitherige Reichstagsabg. des zweiten pfälzischen Wahlkreises Neustadt-Landau, Gutsbesitzer Otto Tein Hard, die chm von der nationalliberalen Partei­leitung für den Wahlkreis wieder angetragene Kandidatur definitiv abgelehnt. Ob nun Tr. Bürklin, Professor Paasche ober Bassermann für Neu stabt fanbibieren werden, ist noch nicht entschieden.

Kolonialpost.

Berlin, 18. Ncärz. Wie bieNat.-Ztg." entgegen einer anberroeiten Meldung zuverlässig erfährt, enthalt bie Konvention über bie Eisenbahnlinie Konia Eregli keine geheime Klausel, auch habe bie deutsche Bank-Gruppe eine Besiedelung Kleinasiens nicht geplant.

Ausland.

London, 18. März. Unterhaus. Bei der Be­ratung der auf 235 761 Mann veranschlagten Heeres- Präsenzstärke beantragt Vikar Giobs ikons.): Herab­setzung um 3000 Mann, um die Aufmerksamkeit auf die Beschaffenheit des Heeresersatzes zu lenken. Bezüglich der Rekruten führt Brodrick aus, daß das Militärmaß in den übrigen europäischen Ländern niedriger sei, als das in England vorgeschriebene. In Frankreich sei z. B. fein Mindestmaß festgesetzt. Ter Antrag Gcbbs wird abgelehnt. Die Präsenzstärke unb das Gehalt ber Offiziere und Mann­schaften wird genehmigt.

H aa g, 18. 9Närz. Der Bericht der zweiten Kammer, welcher sich mtt den Maßregeln zur Verhütung der Aus- stände beschäftigt, ist erschienen. Danach hat sich die Mehrheit mtt den zur Unterdrückung von Ausständen von der Regierung vorgesehenen Maßregeln einverstanden unb bereit erklärt, für bie Errichtung einer militärischen Eisenbahnbrigade zu stimmen unb bie staatliche Untersuchung zur Prüfung ber Beschwerden des Personals gutgeheißen. Den im Gesetzentwurf vorgcschlagenen Straf- beft immun gen für den Fall eines Ausstandes stimmte eine Anzahl Kommissionsmttglieder zu, ein Tett verhielt sich ablehnend. Durch eine kgl. Verordnung wird bestimmt, daß die Miliz der Jahresklasse 1902 auf unbegrenzte Zett bei ber Fahne behalten wird.

Brüssel, 18. März. Kammer. Bei ber Beratung bes Budgets ber auswärtigen Angelegenheiten suchte der Minister des Auswärtigen unb Ministerpräsident de Smet be Naher bie Angriffe zu widerlegen, welche Vandervelbe gegen die asiatische unb bie afrikanische Kvlonialgesell- schäft sowie gegen bie geschäftlichen Unternehm­ungen des Königs gerichtet hatte. Als ber Minister-- präsibent bie letzte Rede Bändervelde's perfide nannte, kam es zu stürmischen Unterbrechungen.

Paris, 18. Mcärz. In ber Kammer hat nach un- gemein heftiger Debatte, während der die Rechte schrie, tobte unb pfiff, die Regierung eine Mehrheit von 43 Stimmen für die Auf lös ung der Unterrichtsorden erlangt.

Wien, 18. März. Abgeordnetenhaus. In der fortgesetzten ersten Lesung der Ausgleichsvorlage erklärt Ehiari, vor allem müsse mit Deutschland ein Han­delsvertrag abgeschlossen werden. Ministerpräsibenit v. Körber erklärt, alle Ornaten, welche mtt Deutschland in engerer handelspolitischer Beziehung bleiben wollen, müßten in irgend einer Weise vom deutschen Zolltarif Notiz nehmen, vornehmlich wir, die wir den größten Ver­kehr mtt Deutschland haben. Wenn unsere Zolltarife beim Abschluß neuer HMidelsverträge unversehrt erhallen wer­den, habe die östreichische Industrie wahrlich nicht viel Grund zu Klagen; aber auch der Landwirt­schaft, ber es zweifellos nicht gut geht, muß soviel als möglich geholfen werben, hier wie in Ungarn.

Budapest, 16. März. Um sich dem hier weilenden Hose gegenüber aufmerksam zu erweisen, hat die Polizei angeblich im Auftrag des Ministerpräsidenten in einem hiesigen ungarischen Theater die zur Aufführung eines antiöstreichischen Stückes notwendigen Militäruni for­men konfiszieren lassen, wogegen heute bie Kossuth- partei im Abgeordnetenhaus energischen Einspruch erhob. Es kam zu großen Skandal szenen, wobei der Ministerpräsident ^ell in der denkbar schärfsten Weise üngcgrificn wurde, da ein Abgeordneter der Kosiuthpartei bestätigte, baß ber Polizeichef sich ihm gegenüber bezüg­lich der Konfiskation auf ben Antrag des Ministerpräsiden­ten berufen habe. Die Kossuthpartei beschloß, Die rück­sichtslose Fortsetzung ber Cbfrruftum gegen die Wehrvorlage.

Tanger, 18. Mürz. Hier find anbauernd Gerüchte im Umlaus, der Sheriff von Wasian habe Mulay Mo­hammed, den Bruder des «ultans, in Wassan zum Sultan proklamiert unb bie Leute des Sheriffs plünderten mehrere Ansiedlungen im Bezirk Elghart.

Bloemjontein, 17. Ltttrz. Unter den Offizie­ren und Mannschaften des Heeres in den neuen Ko­lonien herrscht große Unzufriedenheit, da die Mehrzahl noch immer in ben Zelten wohnen muß unb in einigen Fällen sogar bie Frauen der Offiziere dazu ge­zwungen sind. Bon ben antommenben Rctruten sind einige säst noch Knaben und unfähig, bie Anstrengungen in bem ungewohnten Klima zu ertragen.

Aus HlM uni Luuö.

Gießen, den 19. März 1903.

* Der WahlprufungsauS schuß hat, wie unS aus Darmstadt drahtlich gemeldet wird, heute oomiittag die Wahl der freisinnigen Slbgeorbnetcn Langenbach und Säug - Darmstadt einstimmig, also mit Einschluß der frei­sinnigen Stimmen, für ungiltig erklärt. (Bekanntlich er­rangen die Herren 2. und 2. s. Z. nur eine Mehrheit von zwei Stimmen.)

S. K. H. der Großherzog haben geruht, dem Fräulein Anna Windecker hier in Anbetracht ihrer mehr als 4u jäl)r. hmgcbenden Tätigkeit als Vorstandsmitglied und Helferin des Frauenvcreins, jetzt Allgememcn Vereins für Annen- und Krankenpflege, die goldene Verdienst­

medaille deS LudwigSordenS zu verleiben. Heute Vormittag wurde ihr diese Auszeichnung im ev. Schwestern­haus in Vertretung des Prooinzialdirettors Tr. Breidert von Reg.-Rat Tr. Wagner in Gegenwart des Vorstandes deS Allg. Vereins mit ehrenden Worten überreicht. Ter Vorsitzende des Vereins, Pfarrer Schlosser, schloß daran den Dank des Vereins für ihre so langjährige, treue und gesegnete Mit­arbeit. Er wisse, daß sie habet nie an Anerkennung oder gar an eine Auszeichnung gedacht, sondern ihren Dienst an den Armen stets in großer Stille und Bescheidenheit getan habe. Aber: »Ehre dem Ehre gebühret*. So denken auch wir und freuen uns der so wohl verdienten Auszeichnung unserer Mitbürgerin.

Diese nigen Besitzer von Fahrrädern. Automobilen, Luxuswagen, LuxuSreitpferden. Verkaufs- und Wagautomaten, automattschen Kraftmessern, öffentlich ausge­stellten Klavieren oder sonstigen Musikwerken, welche die Ab­gabe für das Jahr 1903 noch nicht entrichtet haben, seien auch an dieser Stelle an die Entrichtung der Abgabe bis spätestens Ende Marz erinnert. Auch können bt3 zu diesem Termine Fahrräder unter Rücklieferung der Radfahrplatle und -Karte noch abgemeldet werden. Verspätungen verur­sachen leicht zu ersparende Kosten.

Besitzwechsel. Die Burk*sche Kun st mühle wurde für 200 000 Mk. an Kohlenhändler Klinke! verkauft.

" Hessisch-Thür. Staatslotterie. Bei der heute fortgesetzten Ziehung der 6. Klaffe wurden folgende Gewinne gezogen: 20 000 Mk. auf Nr. 1955 (nach WormS), 10 000 Mk. auf Nr. 71411, 5000 Mk. auf Nr. 35924 71613, 3000 Mk. auf Nr. 17670 37164 41713 48673 65342 66688 91295 91648 97505, 2000 W. auf Nr. 1337 6138 10137 17868 20366 30285 34202 40117 48289 52424 54085 54872 64415 71345 80055. Ohne Gewähr.

* Vor der Äonfirmatiton! Nun ist der Tag nicht mehr fern, an welchem für unsere Heranwachsenden Kinder die feierliche Erneuerung und Bestätigung des TaufbundeS stattsinden soll, ein Festtag zugleich für die Gemeinde, die ihre herangereiften Glieder voll heiliger Freude begrüßt. Noch einmal wird es jetzt den Konsinnanden m den Vorbereitungs­stunden eingeschärft, eine wie ernste Sache e§ um das christ­lich-evangelische Bekenntnis ist und nicht minder um das Konfirmationsgelübde. Dem Glauben gemäß zu wandeln und darin bis ans Ende zu verharren. Gottes Wort und Sakrament hochzuhalten und treulich zu benutzen so ists die Pflicht eines jeden evangelischen Christen, dem die Kon­firmation nicht bloß ein weihevoller Tag, sondern ein Sporn fürs ganze Leben ist! In jedem Hause, wo ein Konfirniand ist, sollte auch etwas von einer besonders herzlichen Vorfreude sein; es ist doch schon ein freudiges Gefühl, wenn Vater und Mutter schauen dürfen, wie sich der Junge oder das Töch­terchen herausgemacht hat wieviel Sorgen und Tränen waren da vielleicht in früheren Jahren gekommen! Es ist ja so natürlich, daß Eltern mtt allen Fasern an ihren Kindern hängen, daß sie am Bette des kranken Lieblings lange Nächte durchwachen und oft die schwersten Opfer für eine gute Er­ziehung bringen. Wie sollte ba ein Elternherz nicht von dem Konfirmationstage bewegt werden, der in das Leben deS KindeS einen so bedentsamen Markstein setzt! Ein rechtes Kind wiederum wird gerade zur KonfirmationSzeit oon herz­lichem Danke gegen die erfüllt sein, die eS so treulich behütet, gehegt und gepflegt haben. DaS Erwachsensein mit und nach der Konfirmation soll nur das Kindische, nicht aber das Kindliche aufheben. Es ist auch nicht der geringste Grund zum Eingebildetsein vorhanden, denn erst jetzt beginnt ja die eigentliche Lernzeit, die Rüstung auf den praktischen Beruf. Wohl dem Kinde, daß auch nach der Konfinnation noch eine Weile im Vaterhause bleiben kann, und wo eS die Verhält- niffe anders gebieten, da soll doch der Elternsegen daS fort- ziehende Kind geleiten. Leider und das gehört zu den dunkelsten Nachtseiten unseres Volkslebens! kann nicht jedes Kind, daS jetzt konfirmiert werden soll, eines christlich- evangelischen Elternhauses sich freuen. Es gibt Häuser, wo Zank und Streck, Schimpf- und Fluch-Worte und noch Schlimmeres zum täglichen Erlebnisse deS KindeS gehört, und wo man die Konfirmation nur als den Zeitpunkt an« sieht, wo man einen lästigen Esser loS wird, der nun selbst sehen muß, wo er bleibt. An der Seele eines solchen KindeS zu arbeiten, ist schwer und oft sehr undankbar, aber auch hier kann mit einer höheren Hilfe der Segen der Konfir­mation wirksam werden und schöne Fruchte bringen. DaS ists ja eben, was diesen Wochen vor der Konfirmation chre Freude und Hoffnung gibt: An GotteS Segen ist alles ge­legen, und GotteS Liede hört nimmer auf!

Lauterbach, 18. März. Am nächsten Sonntag kon­zertiert die Gießener Regimentsmusik unter Leitung des Musikdirektors Krauße im Saalbau zum Johannesberg. Es finden zwei Konzerte statt.

et. Homberg a. d. Ohm. Am letzten Sonntag hielt im hiesigen GewerbeoercinKunstschloffer Sann auS WeckerS- hain einen recht intereffantcn Vortrag über die Düsseldorfer Älusslcllung. Der Redner, welcher von der Großh. Zentral­stelle für die Gewerbe s. Z. nach Düsseldorf geschickt worden war, wußte das außerordentlich reichhaltige Material an der Hand eines großen Planes recht geschickt oorzutragen, babe» immer auf die interessantesten Abteilungen ausführlicher ein- gehend. Die schönen Ausführungen fanden die volle Aner­kennung der Zuhörer.

Seligenstadt, 18. März. In Froschhausen bemerkt» gestern der Totengräber Wilz, daß daS Grab der am 3. Fe bruar d. I. beigesetztcn ledigen Margarete Kiehl ausge« graben und dann wieder zugegraben worden war. durch die hiesige Gerichtsbehörde emgdeitete Untersuchung er­gab, daß der Sarg auf der einen Seite gewaltsam geöffnet war. Die Leiche selbst war aus ihrer ursprünglichen Lage gebracht und das Leichengewand je. beschädigt. Vom Täter fehlt jede Spur.

Hau au, 18. März. Der wegen SittlichkeitSoergehen zu einem Jahr Gefängnis DcrunciUe Kaufmann Stabiler machte im hiesigen Gefängnis einen S e l b st m o r b v e rs u ch. Er mußte bem LanbeSkrankenhaus überwiesen werben.

Cassel, 18. März. Der Unteroffizier Degen vom hiesigen 14. Husarenregt., ber bie Elise Homel aus Oberaula vom Ronbel harter in die Fulda herabgestürzt haben sollte, um sie zu töten, ist aus freien Fuß gefetzt und daS Verfahren gegen ihn eingestellt worden. Die Hamel hat