Ausgabe 
19.3.1903 Drittes Blatt
 
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GegenstLnbe" zum Zweck der Ausbildung von Offizieren in militättechnischen Fächern, während die Ausbildung in den allgemeinen technischen Fächern der technischen Hoch­schule ui Charlottenburg verbleibt. Ter Kriegsminister hatte dem Anträge zugestimmt. Die Budgetkommission be­willigte die seinerzeit von ihr gestrichene Forderung für den Truppen-Uebungsplan Ncuhammcr und nahm ferner eure Resolution Spahn an, in der die Mi­litärverwaltung ersucht wird, künftig bei Grunbstücksan- käufen das Reichsschatzamt zuzuziehen.

Die Budgetkommifsiou des Abgeordnetenhauses er­ledigte gestern den Gesetzentwurf über die Bildung eines Ausgleichsfonds für die Eisenbahnverwalt- ung, indem sie die restlichen Paragraphen mit einigen Abänderungen genehmigte.

Stuttgart, 18. März. In der heutigen Sitzung der Kammer oer Mgeordneten gab Ministerpräsident Breit­ling zu der Frage der Gewährung von Diäten an die R et chstagsabgc o rdneten eine Erklärung ab,dahin­gehend, die württembergische Regierung sei grundsätzlich nicht gegen die Gewährung. Dabei ginge sie davon aus, daß nach der augenblictlichen Lage der Dinge die Gründe für die Gewäl)cung einer Entschädigung an die Mitglieder des Reichstages die Bedenken überwiegen, die einer solchen Maßnahme entgegengehalten werden tonnen. Die Regierung werde aber bei ihrer jeweiligen Stellung­nahme im Bundesrat nach wie vor im Auge behalten, daß die Gewährung von Diäten eine Abänderung der Reichs­verfassung von schwerwiegender. Bedeutung in sich schließe, daß eine Verfassungsänderung als abgelehnt gelte, wenn sie im Bundesrat auch nur 14 Stimmen gegen sich habe, und daß daher die Anschauung der übrigen Bundesregier­ungen in Bezug auf den verfassungsmäßig bestehenden Rechtszustand nicht aus den Augen gelassen roerben könne.

Kirche und Schule.

Berlin, 18. März. In der Zwangs-Erzieh­ung s a n st alt für verwahrloste Knaben hat eine Anzahl Zöglinge eine Art Revolte für die Mittagszeit mit einander verabredet. Während des Mittagessens wei­gerte sich die Mehrzahl der Zöglinge, dasselbe einzu­nehmen und der Rädelsführer schleuderte dem beaufsichti­genden Lehrer die Schüssel mit der heißen Brühe gege n die Brust. Die Beamten konnten gegen die wütende Rotte, die mit Messern, Gabeln und abge­schlagenen Stuhlbeinen gegen sie vorging, nicht viel ausrichten. Sieben Zöglinge schlugen eine Tür ein und entkamen durch ein Fen st er ins Freie.

Rom, 18. März. Um Erleichterungen beim Examen zu erlangen, traten die. Schüler der Gymnasien, Realschulen und Mittelschulen in Palermo, Mes­sina, Bologna und anderen Städten, sowie der höheren Handelsschule in Bari und in Venedig gleichzeitig in einen Streik ein. In Bologna veranstalteten die Schüler unter Pereatrufen aus den Unterrichtsminister Straßenumzüge und verübten einen solchen Radau, daß das MUitär einschreiten mußte. Im Handgemenge wurden viele Schüler übel zugerichtet. Jhre^Fahne wurde zerrissen und beschlagnahmt. Ein Dutzend Schüler wurde verhaftet. Die Studenten der Universität lehnten chre Beteiligung an dem Tumulte ab. Zwei Kompagnien In­fanterie bewachten das Rathaus nnb die öffentlichen Aemter.

Heer und Flotte.

Breslau, 18. März. Der Kommandeur der 11. Di­vision, Generalleutnant v. Ende, vorher Kommandant von Berlin, hat sein Abschiedsgesuch eingereicht. (General v. Ende ist ein Bruder der Frau Krupp.)

Wahlbcwegung.

In Dillenburg erklärten sich die Nationalliberalen ein­stimmig für die Wiederaufstellung des langjährigen Abg. Amtsgerichtsrat Hofmann-Rennerod. Ter Bund der Land­wirte hat für den 5. nassauischen Wahlkreis einen Kandidaten in der Person des Generalniajors v. Kloeden-Wiesbaden aufgestellt.

«Deutscher Kandetstag.

Berlin, 18. März. Heute trat unter dem Borsitz des Geh. Kommerzienrats Frentzel der deutsche Handelstag zu­sammen. Rach einem Hoch ans den Kaiser hielt Staats­sekretär Graf P v s a d o w s k y eine Begrüßungsansprache, in der er zunächst darauf hinwies, daß der Handelstag dies­mal zu einem Zeitpunkt zusammentrete, wo sich nach den schwierigen ^Verhältnissen für Industrie und Handel wieder günstigere Aussichten zeigen. Redner stellt dann fest, daß die deutsche Industrie während der Schwüle der letzten Jahre sich in so hohem Maße widerstandsfähig gezeigt habe. Wir dürfen, fuhr Graf Posadowsky fort, unserer indu­striellen Zukunft mit Vertrauen entgegensehen. Mit der Steigerung des Lebensstcmdes der gebildeten Völker steigt naturgemäß auch der Bedarf an verfeinerten Waren und Spezialitäten, nnb gerade aus diesem Gebiete dürfte die deutsche Industrie ihre Ausgabe suchen, für die wir vor­zugsweise gerüstet sind durch untere technischen Schulen, Gelverbemuseen, und da sich der Ärbeiterstand dank des Schulwesens und der sozialpolitischen Fürsorge ganz wesent­lich gehoben hat. Redner berührte dann die Frage der Er­neuerung ü er Handelsverträge und führte aus, in diesem dampfe der Interessen werde jeder zu Gunsten des Andern erhebliche Selbstbeschräukung üben müssen. Alle Enverbsstäiide sollten aber die Ueberzeugung teilen, daß die heimische Regierung die Interessen unseres Er­werbslebens mit derselben Sachkenntnis und demselben Nachdruck vertreten wird, wie dies von den fremden Regier­ungen zum Besten ihres Landes vorausgesetzt wird. Dttich- terne, sackfDerständige Beurteilung der tatsächlichen Ver­hältnisse kann uns allein ohne wirtschaftliche Erschütter­ungen in den neuen Mschnitt unserer handelspolitischen Beziehungen hinüberführen. Redner sprach schließlich den Wunsch aus, daß der Haridelstag auch m Zukunft beitragen werde, das große Bertragswerk wirk-am zu fördern.

Nach dem Referat des Generalsekretärs So.tbeer nahm der Handelstag einstimmig eine Erklärung, betreffend die Handelsvertrag c an, welche an der Forderung fest­hält, daß die auswärtigen (Staaten für eine tangere Reihe von Jahren Ermäßigung und Bindung der Zölle aus die hauptsächlich von Teutsclüand dort eingeführten Waren und allgemeine Meistbegünstigung gewähren Tie Erklärung stellt sodann eine Reihe von bei den Verträgen zu berück- sühtigenden Einzelforderungen auf um? spricht schließlich die Erwartung aus, daß die Reichsverwaltung, durchdrungen von der hohen Bedeutung guter Handelsverträge, für das Gedeihen des immer mehr in den Welwerk.hr hinein- wochsenden und dadurch zu steigender Wohftahrt un^ Macht

gelangenden Deutschen Reiches nichts versäume, um auf der im Jahre 1891 betretenen Bahn der Handelspolitik weitere Erfolge und Fortschritte zu erzielen. Der Punkr bezüglich der Abgrenzung des Handwerks wurde, da das erlangte Material nicht genügt, von der Tagesordnung abgesetzt. Ter Handelstag nahm sodann eine Resolution an, welche internationale Regelung des See- srachttechts verlangt, und wonach vertragsmäßige Be­schränkungen der Haftung des Rheders für ordnungsmäßige Fürsorge für Seetüchtigkeit. Ausrüstung, Bemannung und Verproviantierung der Schiffe und ordnungsmäßige Em­pfangnahme, Behandlung und Ablieferung der Güter für nichtig erklärt werden und der Rheder von der Haftung für Verschulden hinsichtlich Führu'lg und Betriebs des Schisses befreit wird.

Ter Handelstag beschloß ferner, an die Reichsregierung die Bitte zu richten, daß die Entwürfe der Reichsgesetze alsbald nach ihrer Fertigstellung in den Reichsämlern öffentlich zur Kritik gestellt werden, daß die Veröffentlichung von die Interessen von Handel und Industrie berührenden Entwürfen so zeitig erfolge, daß die gesetzlichen Vertret­ungen und Körperschaften des Handels und der Industrie hinreichend Zeit haben, sich gutachtlich dazu zu äußern. Sodann wurde eine Resolution angenommen, nach der der Handelstag dem Gesetzentwurf betreffend Abänderung des K'rankenversicherungsgesetzes zustimmt, mit einem Zusatzantrag Schloßmacher-Off en - b a ch, betreffend Inanspruchnahme des Arbeit­gebers bei Nichtanmeldung einer Lohnerhöh­ung Versicherungs p süchtiger.

Heute abend war ein Festmahl imKaiserHof". Unter den Ehrengästen bemerkte man die Minister Möller und Budde und den Reichsbankpräsidenten Dr. Koch. Ter Präsident des Handelstages, Geheimrat Frentzel, brachte einen Trinkspruch auf den Kaiser aus. Minister Möller besprach in längerer Rede die wirtschaftliche Entwicklung der deutschen Industrie und des Handels, wandte sich gegen überh ohen Schutzzoll und bemerkte, jede Industrie und jedes Gewerbe zeige sich nur dann auf voller Höhe, wenn die Peitsche der Konkurrenz dahinter stehe. Die Rede klang in ein Hoch auf das Blühen und Gedeihen des deutschen Handels aus.

Aus MM und Laus.

Gießen, 19. März 1903.

** Personalien. In den Ruhestand wurde versetzt der Wagenwärter in der Hessisch-Preußischen Eisenbahn­gemeinschaft Karl Ehrhardt zu Frankfurt a. M., mit Wirkung vom 1. März d. I. an. Ernannt wurde am 13. März der vortragende Rat in der Abteilung für Steuer­wesen des Ministeriums der Finanzen, Oberfmanzrat Karl Glässing zum Mitglied der Prüfungskommission für das Finanz- und technische Fach. Verliehen wurde, aus Anlaß seiner mit Wirkung vom 1. März d. I. an erfolgten Versetzung in den Ruhestand, dem Forstwart der abnor­malen Domanialforstwartei Bingenheim, Philipp Loh sink zu Bingenheim das Allgemeine Ehrenzeichen mit der In­schriftFür langjährige treue Dienste".

* * Das Grotzh. Regierungsblatt Dir. 15, aus- gegeben am 17, März d. I., enthält: 1. Verordnung, den Bau und Betrieb elektrischer Nebenbahnen von Mainz nach Wiesbaden und von Mainz nach Schierstein betreffend. § 1. Die in § 2 der Verordnung gleichen Betreffs Dom 23. August 1902 (Reg.-Bbl. S. 431) der Süddeutschen Eisenbahn­gesellschaft zu Darmstadt bemessene Frist zur Stellung des Antrags auf Einleitung des Enteignungsverfahrens wird um 1 Jahr und 6 tz.ionate verlängert. § 2. Mit dem Vollzug dieser Verordnung wird Unser Ministerium des Innern beauftragt. 2. Verordnung, die Ausführung des Gesetzes über den Denkmalschutz vom 16. Juli 1902, hier die Aufhebung der Verordnung vom 22. Januar 1818 be­treffend. Vom 7. Viärz 1903. 3. Berichtigung.

* * Beim Herannahen der Biebertalbahn gingen die Pferde des Fabritbesitzers Kl. durch. Ter Knecht fiel unter den Wagen, kam jedoch mit dem Schrecken davon.

* * H o l z v e r ft e i g e r u n g. In dem zur Obersörsterei Schiffenberg gehörigen Franzenwald waren bei der Holz­versteigerung am 17. d. M. die Preise wie folgt: 2 Raum­meter Tannenknüppel 1416 Mark, 100 Tannenastwellen 89 Mark, 100 Ächendurchforstungswellen 1819 Mark.

0 Bad-Nauheim, 17. März. Die Stadt beabsichtigt den Ankauf des Wasserwerks, das vor 15 Jahren Unternehmer Gruner aus Basel erbaut hat. Vor vier Jahren ging es, da sich der Gemeinderat nicht zum An­kauf entschließen konnte, an den Staat über. In den letzten Tagen zirkulierte eine Liste, welche Unterschriften für den Ankauf fummelte. Die Stimmung der Bevölkerung ist fast allgemein für Uebemahrne der Wasserleitung. Nach längerem Stillstand ist die Frage der Einführung der Städteordnung wieder in Fluß gekommen. Dieser Tage traf vom Ministerium die Verfügung ein, daß die Wahl der Stadtverordneten nicht in besonders eingeteilten Wahlbezirken, sondern in der seither bei den Gemeinde­ratswahlen üblichen Weise erfolgen solle. Die Wahlen der Stadtverordneteii werden in aller Kürze erfolgen, wahrscheinlich noch Ende dieses Monats. Die Einführung der Städteordnung ist nicht vor dem Sommer möglich. Nach den Stadtverordnetenwahlen wird die Bürger­meisterstelle ausgeschrieben.

( ) Friedberg, 18. März. Heute sand hier die Be­erdigung des kgl. Lazarett-Ober-Inspektors a. D. und Rech- nungsrats Plitt statt. P. hatte den Feldzug 1870/71 mitgemacht. Der Kriegerverein gab ihm das Ehrengcleitc.

Worms, 18. März. Erbauliche Zustände herrschen zurzeit in bem Flecken Sprendlingen. Vor einiger Zeit wurde der Bürgermeister von Sprendlingen, Hofmann, ein allseitig beliebter und hochgeachteter Bürger, von der Mainzer Strafkammer zu vicrWochen Gefängnis verurteilt, weil er amtlich beglaubigt hatte, eine bei einem standesamtlichen Akte geleistete Unterschrift sei in seiner Gegenwart aegeben worden, wahrend dies nicht der Fall war. Tas Gesetz mußte Anwendung finden, aber die gesamte Einwohnerschaft bedauerte lebhaft das Mißgeschick des Bürgermeisters, der das Cp'cr seiner Gut­mütigkeit geworden und sich der Tragweite der Bescheinig ung ganz sicher nicht bewußt gewesen war. Fast alle Bürger der O^emeinde beteiligten sich denn auch an einem Gnadengesuche für den verurteilten Bürgermeister, das an den Großherzog abgesandk wurde. Das Be­dauern mit bem so schwer beimgesuchten Beamten Der- wanbelte sich balb in allgemeine Entrüstung gegen ben katholischen Pfarrer Sch önherr, von dem mit Bestimmtheit behauptet wurde, er haue oen oben er wähnten Vorfall oer Staatsanwaltschaft nt i t ge­teilt und baöurüi die Bestrafung des Bürgermeisters ber an laßt. Wie ein Mann machte die gesamte Bürgerschafk,

Katholiken sowohl als auch Protestanten, gegen den Gei st lichen Front; ber Kirchenbesuch und die Inanspruchnahme der kirchlichen Formalitäten schmolz erheblich zusammen, und aus dem Schoße der katho­lischen Gemeinde heraus entstand eine Eingabe an den Bischof von Mainz mit der Bitte, Schönherr zuversetzen; ja sogar derAustrittausdcrkatho- lischen Kirchcngem einde wurde von ange­sehenen Katholiken angedroht, wenn Schön- Herr in Sprendlingen bleibe. Ter Pfarrer wurde, wenn er sich in der Leffcntlichkeit sehen ließ, durch höhnende Zu­rufe belästigt, und in anonymen Briefen wurden ihm Prügel angedrohr, ja sogar die Anzündung oder Spreng­ung des Pfarrhauses in Aussicht aestel'lt. Taraufhin erbat ber geängstigte Geistliche polizeiliche Bewachung bes Psarr- Hauses, bic auch gewährt wurde. Wie das Zerwürfnis aus­gehen wirb, ist vorläufig noch nicht abzusehen. Psarrer Schönherr hat schon früher von sich reden gemacht. Er hatte seinerzeit seiner Gemeinde beim Kirchenbau die Mittel $ur Erbauung des Glockeniurms uni) der Glocke vorgeschoben und betrachtete diese, solange der Vorschuß nicht abgetragen war, als sein persönliches Eigentum. Als nun einmal aus Anlaß eines patrioti'chen Festes geläutet werden sollte, versagte Schönherr feine Zustimmung dazu und umwickelte, als man doch läuten wollte, die Klöppel der Glocke mit Lumpen. Man darf auf Die weitere Entwicklung dieses eigenartigen Konfliktes gespannt fein.

Aleischbeschaa in Kessen.

Die in Darmstadt herausgegebeueMitteld. Fleischer. Zeitung" enthält in ihrer letzten Dhimmer ben Abbruck einer von ben Obermeistern Earl Lantz-Darmstadt und Jean Falk-Mamz verfaßten Denkschrift, welck)e die hessischen Metzger-Innungen zu dem der 2. Kam­mer alsdringlich" zugegangenen Gesetzentwurf bett. Tie Ausführung des Reichsgesetzcs über die Schlachtvieh und F l e i s ch b e f cha u" an die Mit­glieder der 1. und 2. Kammer der Stände gerichtet haben. Zu dem Artikel 1 wird angeführt, daß auch von dem Standpunkte des Metzgers aus der Forderung einer Nach- beschau für das in Gemeinden mit Schlachlhösen ein­gebrachte Fleisch zu begrüßen fei, daß aber die für diese Nachbeschau" zu erhebende Gebühr derSchlachthofkasse" zugeftihrt werden müsse.

Bedenklich sei es, wenn das durchDritte" auf vorherige Bestellung eingeführte Fleisch von ber nochmaligen Untersuchung befreit würbe, ba biefe Maßregel geeignet erscheine, die Wohltat einer geregelten, zuverlässigen Zleischversorgung, namentlich der Städte, zu gefährden und dem Unterschleif Tür und Tor zu öffnen.

Tie Denkschrift behandelt sodann die Bestimmungen des Artikel 4, wonach der Eigentümer eines auf die Frei­bank verwiesenen Tieres bei dessen Verkauf und bei der Festsetzung des Preises für das auszuhauendc Fleisch aus- geschaltet wird, und sagt, daß diese Bestimmung einen Eingriff in das Eigentumsrecht bedeutet.

Tie Ermächtigung (nach Artikel 5) Fleisch von der Frei, bank einer Gemeinde nach der einer anderen Gemeinde zu verbringen, müsse von der Zustimmung der letzteren abhängig gemacht werden, wie Schlachthosdirektor Kühnau- Köln es ebenfalls fordere, und wie es in dem Entwurf der Berliner Freibankordnung festgelegt sei... .

Der Schwerpunkt des Ganzen liegt in Artikel 7, wonach nicht nur die eigentlichen Beschaukosten, sondern auch die Fr eib an kko st eu" von den Metzgern in einer allge­meinen Gebühr getragen werden sollen. Tie Tenkschrist verweist kurz auf die Belastung, welche die Lösung ber Währschaftsftage bem Metzgergewerbe auferlegt habe, unb fragt, ob sich die Regierung berHätte bewußt" sei, welche dann liege, daß man einer Berufsgruppe auch bic Kosten aufbürbc, welche nach bem Währ schaftsrecht von bem Besitzer ber beanftanbeten Tiere zu tragen seien. BÜlig sei, daß die Kosten ber zum allgemeinen Schutze ber Kon­sumenten bienenden Maßregeln eben von ber Allgemein­heit getragen würben.

Tie bebenklichfte Seite scheine man nicht beachtet zv haben,

baß bie Befreiung der Freibankben utzung von jedem Pfennig Unkosten, wie sie einzig und allein hier bei uns beabsichtigt sei, die Zufuhr einer Unmenge ^roei« f elhaf ten Viehs nach Hessen zeitigen werde, welche den Metzgern tätliche Konkurrenz be­reiten, den Landwirten aber zweifellos gleichen Scha­den bringen werde, während der Lotteil der Maßregel in der Hauptsache nur außct hessischen Händlern zu gute kommen werde."

Vermischtes.

* H a l 1 c, 18. März. Handwerkstamuiersekre» tär Dr. Mühlpfordt, ist mit Hinterlassung beträcht^ licher Schulden und nach Unterschlagung von 12000 Mark Hammer beiträgen fluchtig geworden. Heute ist ber Steckbrief hinter bem Flüchtigen zu ermatten. Der saubere Patton hat mit unglaublicher Frechheit im politi­schen Leben eine Rolle zu spielen versucht und bic Hand- werker in außerorbentlichern Maße zu prellen verstauben

Pans, 18. März. Ter Untersuchungsrichter hat gegen ben Leiter der kongreganistischen Sck)ulc in Brest, Tuvian, ein Strafverfahren wegen Sittlichkeits-Ver­brechen eingeleitet.

* Graz, 18. März. Wegen betrügen jcherSchul- ben würbe em junges Hocustaplerpaar namens H. Beer unb Franziska Kropf aus Teutfchland verhaftet. Die hiesigen Geschäftsleute crlcibcn einen Schaden von über 20000 Kronen. Beer hatte sich verschiedene Titel und Namen beigelegt.

Belgrad, 18. März. Wie in gut unterrichteten Kreisen verlautet, erfolgte die Massen-Forderung an den Hochschulprofessor Alexander Boris lavejewitsch seitens der königlichen Adjutanten auf direkten Befehl des Königs. Dabei sind Duelle in Serbien gesetzlich streng verboten!

Ucueste Itlriüiuujru.

Lriginaldrahtmclduttgen des Gießener Anzeiger».

Berlin, 19. März. Die ,Berl. Pol. Nachr." melden, baß bic Regierung 431 Lokomotiven für bestehende und 32 für zu eröffnende Bahnen bestellte.

Paris: 19. März. Tie Kammer verwics einen bic Regierung aufforbernden Antrag, die Nieberlaffung von Kon­gregationen, denen bic Genehmigung versagt sei, zu | d) h e b e n, an eine Kommission.

Forma« -- vorzügliche* 2ch«upfeu«ittcl! 1258