Damit ist Mc Besprechung der Interpellation beendet.
Eö folgt die Besprechung folgender zum Zolltarif gestellten Resolution Herold (Ztr.), v. K a r d o r f f (Np.), ix Kröch er (kons.): Der Reichstag wolle beschließen:
In Erwägung, daß die Stellungnahme des Deutschen Reichstags zu neuen Handelsverträgen wesentlich mit davon avhängt, welcher Schutz der deutschen Landwirtschaft gewährt bleibt, ssiricht der Reichstag die Erwartung aus, daß der Herr Reichskanzler beim Abschlüsse boi't Handelsverträgen namentlich auf ausreichende Schußzölle für die landwirtschaftlichen Erzeugnisse Bedacht nehmen und insbesondere die Zollsätze der Tarisstellen Nr. 99, 102, 103, 105 und 107 (Vieh und Fleisch) nicht unter die bei der zweiten Lesung des § 1 des Zolltarifgesetzes vom Reichstag beschlossenen Sätze (Minimaltarif) ermäßigt wird.
Außerdem erwartet der Reichstag, daß der Herr Reichskanzler bei den Handelsvertragsverhandlungen sich des Beirats nicht nur der industriellen, sondern auch der landwirtschaftlichen Sachverständigen des wirtschaftlichen Ausschusses bedienen und im Bedarfsfälle die Zahl oer letzteren aus der Mitte der Vertretungskörper der deutschen Landwirtschaft ergänzen wird.
A!bg. Bro em ei (frcis. Vgg.) beantragt, von dieser Resolutwn Herold
1. die Absätze 1 und 2 ab zu lehn en;
3. dem Avsatz 3 folgende Fassung zu geben: „Der Reichstag spricht die Erwartung aus, daß der Herr Reichskanzler bei den Handelsvertragsverhalchlunaen sich des Beirats von Sachverständigen der Land- und Forstwirtschaft, des Handels und der Schiffahrt, der Industrie und des Handwerks sowie von Vertretern geeigneter Konsu- mentcii-Verciiiigungen in ausreichendem Umfange bedienen wird."
Abg. Herold (Ztr.) begründet die Resolution. Wir müssen den allergrößten Wert darauf legen, daß die von uns in der zweiten Lesung beschlossenen Minimalsätze beibehalten werden. Tie weitergehenden Forderungen des Bundes der Landwirte waren mit Recht zu verwerfen. Ihre Anträge betr. die Gemüsezölle waren nur ein Schlag ins Wasser. Zum Glück ist nran kurzer Hand über sie hinweg-- gegangen; sonst lväre man mit dem Zolltarif heute noch nicht fertig. Dagegen ist unser Verlangen nach hohen Fleischzöllen im Interesse des Bauernstandes zum Schutze unserer einljcimifajcn Produktion mehr als berechtigt. Die Flcischprcise sind ohnehin setzt wieder gesunken, sodaß die Besorgnisse, die hinsichtlich der Fleischteuerung geäußert sind, unbegründet erscheinen. Einen gewissen indirekten Schutz genießt unsere einheimische Fleischproduktion ja durch die sanitären Maßregeln, die an der Grenze bestehen und die uns die schlimmste Konkurrenz fernhalten. Ausreichend fiuh diese aber keineswegs. Wir geben uns daher der Hoffnung hin, daß uns auch ein wirklich ausreichender Zolt- schutz gelvährt wird. Wir würden gar keine Handelsverträge lieber sehen als Handelsverträge, in denen unsere Bauernschaft zu kurz kommt. Die Sachverständigen haben sich dafür ausgesprochen. Man komnie uns nicht mit dem Interesse der Kott,umentcn! Jeder Sachverständige ist auch sehr wesentlich Konsument.
Hierauf vertagt sich das Haus.
Mchste Sitzung: Montag 2 klhr (erste Beratung des Etats).
Schluß 51/2 Uhr.
Parlamentär ijcyeS.
Berlin, 17. Jan. Der dem preuß. Landtage zu- gegangcne Gesetzentwurfüber die Befähigung 3um oberen Verwaltungsdienst bestimmt in der Hauptsache, daß der Referendar („Accessist" in Hessen) nach neunmonatigem Vorbereitungsdienst beim Amtsgericht zum Re- gicrungsreserendar ernannt wird und sodann mindestens einen Z^jährigen Vorbereitungsdienst bei einer Verwaltung durch- zumachen hat. Jeder muß bei einem Landrate (Kreis- ryt), einer Negierung, einem Bezirksausschüsse und außerdem b/i einer Selbstverwaltungsbehörde (Bürgermeister, Landwirtshaftskammer, Handelskammer rc.) beschäftigt werden. Die Vorbereitung beim Amtsgericht kann unter Verlängerung der Verwaltungsvorbereitung von den Ministern des Innern, der Finanzen und der Justiz herabgesetzt werden. Tie Begründung führt aus: Die angestelltcn Erwägungen führten dazu, das in Preußen altbewährte System besonderer adminlstra- tiver Vorbildung der höheren Verwaltungsbeamten beizuhalten. In theoretischer Hinsicht sollen die Referendare veranlaßt werden, ihre wissenschaftlichen Kenntnisse, namentlich aus dem Gebiete der StaatSwlssenfchaften, zu vertiefen.
Berlin, 17. Jan. Dem Reichstage ging ein Antrag Oriola-Roon zu, den Reichskanzler zu ersuchen, daS feit Jahren erwartete Militärpensionsgesetz noch in dieser Session dem Reichstage vorzulegen.
Danzig, 17. Jan. (Amtliche Meldung.) Bei der am 13. Jan. stattgehabten ReichStagSersatzwahl im Wahlkreise Stadt Danzig wurden im Ganzen 16 376 Stimmen abgegeben. Davon erhielten Bankdirektor M 0 m m s en-Ber- lin (fr eis. Vereinigung) 617 4, Kassenführer Bartel- Tanzig (Soz.) 6 5 6 9, Generalleutnant z. D. v. Heydebreck Berlin (kons.) 4273 und Pfarrer v. WolSlegier-PienorvSkowo (Pole) 345 Stimmen.
Aas Krönungs- u«d Hrvensfest.
Berlin, 18. Jan.
Das KrönungS- und OrdenSfest wurde heute im königlichen Schlosse in den üblichen Formen gefeiert. Bei schönem Frostwetter begann schon zeitig die Anfahrt der Prinzen und Prinzessinnen, der Botschafter, Minister usw. Erne zahlreiche Menschenmenge begrüßte den von einer Spazierfahrt zurückkehrenden Kaiser mit stürmischen Zurufen. Gegen 10 Uhr empfingen die neu zu dekorierenden Herren die chnen verliehenen Ordensauszeichnunggen, wonach sie nach dem Rittersaal geführt wurden, wobei vorän das Kaiserpaar in feierlichem Zuge schritt. Hier nahm daS Kaiser- paar vor dem Thron Ausstellung, die Prinzessinnen traten rechts, die Prinzen links daneben. Nunmehr wurden die neuen Ritter vorgestellt, dann in einem anderen Gemache die neu dekorierten Damen des Wilhclmsordens, Luisen- ordens, Verdienstkreuzes usw. Dieselben schlossen sich alsdann dem Zuge des Kaiserpaares nach oer Schloßkäpelle an, wo die Staatssekretäre, Staatsminister, Botschafter, das diplomatische Korps und die Ritter des Schwarzen Adlerordens bereits versammelt waren. Als der Zug nahte, wobei der Kaiser die Kaiserin, Prinz Eitel Friedrich die Prinzessin Friedrich Leopold, Prinz Heinrich die Erdprin- zefsin von Hobenzollern führte, sang der Domchor den 47. Psalm. Ter Gottesdienst begann mit Gemeindegesang und
mug des Fall der
vollendete Kinderheilstätte
zu
3>ie jäqfilchc KlonprmjUstu
len und Tiamanten be
der vergangenen Nacht in der Belle-Alliance-
DrrmiWes.
• Berlin, 17. Jan. Zu dem Pistolenduell im Grünewald, das mit dem Tode des Rechtsanwalts Dr. Aye endete, erfährt man, daß der überlebende Gegner der Oberleutnant der ostafrikanischen Schutztruppe Werner v. Gra- wert ist, der sich seit dem Herbst auf Urlaub m der Heimat befindet. Dem Zweikampf liegt ein älterer Zwist zu Grunde, der vom Ehrenrat eingehend geprüft worden war. Dem Kaiser ist heute Bericht erstattet worden. Schon beim zweiten Kugelwechsel brach Dr. Aye, den ein Schuß in den Hals tätlich verletzte, zusammen. Die Leiche wurde von dem Sekundanten des Erschossenen, Hauptmann v. d. Marwitz und einem Sanitätsoffizier nach dem Garnisonlazarett gebracht. Am Samstag hat seitens der Gerichtskoinniission der 1. Division die Besichtigung und darauf die Obduktion der Leiche Itattgefiinden, die dann zur Beisetzung frelgegeben wlirde. Ltn. v. Graivert mußte sich auf Anordnung der militärischen Behörde im Lazarett einfinden und vor der Kommission feine
Aussagen machen.
* Berlin, 17.Januar. Der bekannte Bankier August Sternberg hat, rote verlautet, für die im Bau fast “ ' ...... Belzig eine halbe
Aus HlrM und Kani».
* * H 0 fnachrichten. Weiteren brieflichen Nachrichten von der Reise S. K. H. des Grvßherzogsl n a ch I n d i e n datiert Lagerdes Vizekönigs Delhi, 31. Dezember 1902, entnimmt die „Tarrnst. Ztg." das folgende: S. K. H. der Groß Herzog trafen, wie bereits gemeldet, am Freitag, 26. Dezember, früh in Bombay ein und wurden durch den Ehes-Sekretär des politischen Departements W. Ergerley als Vertreter des Vizekönigs und den deutschen Konsul Gras Pfeil empfangen und an Land begleitet. S. K. .Hoheit nahmen zugleich die Mel-» düng des 31.1111 Dienst kommandierten englischen Offiziers entgegen. Tie Abfahrt erfolgte in einem vom .Vizekäuig zur Verfügung gestellten Sonderzug, der am Sonntag, 28. Dezember, früh in Delhi eintraf. S. K. Hoheit fuhren in Begleitung des Vertreters des Vizekönigs W. Edgerley nach feinem Zelt im Lager des Vizekönigs und untere nahmen im Lause des Nachmittags eine Rundfahrt durch das Lager und die Stadt. Am Montag, 29. Dezember, sand der feierliche Einzug des Vizekönigs und des' Herzogs von Conn-mght stakt. S. K'. Hoheit waren bei dem Empfang aus dem Bahnhof und nahmen zu Wagen an dem Festzug teil, eskortiert von einer Eskadron des 15. Husaren Regiments. Nach Verlaus desselben war Frühstück bei dem Vizekönig im engsten Kreis mit II. KK. HH. Dem Herzog und der Herzogin von Connaught, welchem auch S. K. H. der Großherzog mit General v. Wachter und Rittmeister Kraemer im Gesolg - beiwohnten. Am Dienstag, 30. Tezember, waren S. K. Hoheit bet der feierlichen Eröffnung der Indischen Landesausstellung durch den Vize- könig und folgten am Abend einer Einladung des Vize- lönigs zur Tafel mit dem gesamten Gefolge. Am folaen- den Tage besuchten S. K. Hoheit mehrere Sehenswürdigkeiten bet' Stadt und waren bei dem Gouverneur von Bombay zum Tiner geladen.
Handel und Verkehr, yülkämidfdjflfl
— HeMsche Landcöhypotyckenbaut Darmsmoi. Wie^feuoi' anaekündlgt, konstituierte sich am Samstag dieses Institut in ^oriu- stadt. Bei dem Gründungsakte wirkten außer dein Staate noch die Stadt Worms, vertreten durch Oberbürgermeister.Nobler, du sBrouhu Obcrhessen, vertreten durchJustizratTr. Gutflctfch die Spar- und Leihkasse Bingen und die Spar- und Lerhtaße Lppcn- beim mit. Als Mitglieder des Aufstchtsrats der Bank wurden derulei- Rentner Otto W 0 l i S k e h l-Darmsiadt, Geh.Reglcrungsral Plauz- Darmstadt Pros. Tr. Bier m e r-Gießen, Oekononnerat Dell- .veile r-Darmstadt, Justizrar Tr. G 111 f l e 'sch-Gießen, Jammet» öireftor Dr. K orel l-Büdingen, Oberförster Tr. W e d e r-KonradS« dors An Tirektoren mürben die Herren E. Bastian, seithei Prokurist und Bureauchef der bayerischen Bodenkrcdttanltall u Würilburq, und Gerichtsassessor Tr. Fresenius angenommen Ter -weite Hauplstaalskasse-Tireklor Heinrich Sch as e r m Darmstadt wurde ztlm Staatskommissär für die Hessische Landes-Hypothekenbank ernannt.
— Eüddcutschc Eiseubahngcscllschaft Darmstadt. Einnahmen im Tezember 1902 betragen 362 231 Mark geger 388 921 Alk. im Vorjahre. Seit Beginn des Geschastsiahres wurde» 3 983 346 Mk. vereinnahmt gegen 4 U51 620 Mk. tm gleichen Zeit- raume des Vorjahres.__—----————»
Schiffsllachrichlcn.
^Norddeutscher Lloyd»
In Gießen vertreten durch Earl L 00 ^r,§Erchenvlatz.
B r c m p n 12 Jan. (Per transatlanNschcir ^.clegraph.
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wohlbehalten m Baltimore angekourmen.
Million Mark gestiftet.
* Berlin, 17. Januar. In wurde in einer Musikalienhandlung ftrafjc ein Raubmordversuch verübt, bei dem der Inhaber des Geschäftes durch 4 Revolverschüffe verletzt wurde. Die beiden Einbrecher wurden verhaftet.
Liturgie, dann folgte die Predigt. Nach dem Gottesdienst begab sich das Kaiserpaar nach dem Weißen Saal, wo sich inzwischen die geladenen Gäste versammelt hatten. An der Hauplseite der Öaupttasel saß der Kaiser rechts von der Kaiserin, neben Dem Kaiser die Prinzessin Heinrich, neben der Kaiserin Prinz Eitel Friedrich. Gegenüber dem Kaiser- vaare saß der Oroenskanler Fürst Pleß zwischen den Botschaftern Graf Lanza und von Szögyeny-Marich. Bei der Tafel trank der Kaiser auf daS Wohl der neuernannten und der früheren Ritter.
Es erhielten: Das Großkrenz des Noten Adlerordens mit Eichenlaub und Schwertern am Ringe: Herwarth v. B i 11 e n f e l d, kommandierender General des 15. Armeekorps ; das Großkreuz des Roten Ad-lerordens mit Eichenlaub: Stu en zner, kommandierender General des 10. Armeekorps; Aomiral Thomsen; den Roten Adlerorden 1. Klasse mit Eichenlaub und Schwertern am Ringe: von Braunschweig, komm. General des 17. Armeekorps; den Roten Adlerorden 1. Klasse mit Eichenlaub: v. Hugo, komm. General des 13. Armeekorps, Stoetzer, Gouverneur von Metz; den Roten Mlerorden 2. Klasse mit Eichenlaub: Hueffer, ordentlicher Professor an Der Universität in Bonn, v. Zastrow, Kommandant von Mainz; die Schleife zum Jlolcn Adlerorden 3. Kl.: der Rektor der Berliner Universität Prof. Gierke; den Roten Wlerorden 3. Kl. mit Schleife: Professor an der Berliner Universität Todler; den Roten Adlerorden 4. Kl.: Professor Dett- mann, Direktor der Kunstakademie in Königsberg i. Pr., Professor Ernst Francke in Berlin, Komponist Professor Humperdinck; den Kronenorden 2. Kl.: Geh. Medizinalrat Professor G u s s e r 0 w - Berlin; den Kronenorden 1. Kl.: v. Perbandt Generalleutnant, Generalinspekteur der Fußartillerie.
niedergeschlagen und mutlos und zog sich in solchen Fällen zurück. Sie war bann für niemand zu sprechen, selbst nicht für Giron. Als ich kurz vor meiner Abreife von Genf mich von ihr verabschiedete, fand ich sie über eine Photographie gebückt, die ein Gruppenbild vl) ter Kinder darstellte. Tie Kronprinzessin kleidete sich nach ihrer Flucht aus Salzburg nach Art einer bürgerlichen Frau und schränkte sich in ihren Be^ dürsnissen nach Möglichkeit ein." — Am Tonnerciag war Kriminalkommissar Schwarz zum König Georg befohlen, um über feine Wahrnehmungen in Genf Vortrag zu halten.
Wie die „Tresd. Nachr." aus zuverlässiger Quelle er- fahren haben wollen, haben die Verhandlungen des iuristi- fdjen Vertreters des Kronprinzen von Sachsen, Justizrats Dr. Körner, mit der Kronprinzessii^Lu i s e beziehungsweise ihren Vertretern, Rechtsanwalt Tr. Zehme und Advokat Lachenal, zu dem Ergebnis geführt, daß die Kronprinzessin auf sämtliche ihr aus ihrer Ehe zustehenden Titel, Rechte und Würden verzichtet und fortan ihren ursprünglichen Familiennamen rnieber an nimmt. In vermögeusrechtlicher Beziehung hat sich Kronprinz Friedrich Augtlst bereit erklärt, der Prinzessin aus eigenen Mitteln jährlich 30000 Mark zu überweisen.
Ist diese Meldung richtig, so ist eine Scheidung des Kronprinzenpaares zu erwarten. Tenn nur im Fall der Scheidung kann die Kronprinzessin ihren Famitiellnamen wieder annehmen. Die obige aus Genf stammende Meldung steht mit der Mitteilung des Dresdener Blattes allerdings in Widerspruch.
Der deutsche Kronprinz in Rußland.
Petersburg, 16. Jan.
Heute abend sand im Aint. epalais zu Ehren des Kronprinzen großes Gala diu er statt. Das Diner wurde in goldenen Schüsseln gereicht. Liltks von ber Kaiserin- Mutter saß der Kroilprinz, welcher auch die Kaiserilt-' Mutter zu Tisch führte, in der Uniform des >h,ll verliehenen Tragonerreaii.lents nut dem Ändreasord^n. Neben dem Ki:onpriilzen saß Großfürstin Alaria Ocorgieiuna. Den beiden Kaiserinnen gegenüber hatte Kaiser Nikolaus Platz genommen.
Während der Tafel erhob sich der Kaiser und brachte, zum Kronprinzen gewandt, in franzöjischer Sprache folgenden Trinkspruch aus: „Erfreut, Sie unter uns Äiu sehen und Ihnen für Ihren liebenswürdigen Besuch dankend, trinke ich auf das Wohl Ihrer erhabenen Ellern, Ihrer Majestäten be£ Käfters und der Kaiserin und Euerer kaiserlichen und königl. Hwheit.
Der Kronprinz erioibertc: „Tief bewegt durch die gnädigen Worte, welche Euere Majestät soeben an mich richteten, bitte ich mir zu gestatten, Jhmn im Namen Sr. Majestät des Kaisers und Königs, meines Vaters, und in meutern eignen Namen warmen Dank für den so herzlichen Empfatlg auszusprechen, der mir zu teil geworden ist und an den ich eine in mir unauslöschliche Erinnerung bewahren werde. Ich erhebe mein Glas auf das Wohl Eurer Majestät, Ihrer Aiajestäten der Kaiserinnen Maria Feodorowna und Alexandra Feodo-- rowna, sowie der ganzen kaiserlichen Familie."
Nach dem Festmahl hielten das waiferpaar und der Kronprinz Cercle. Ter Kronprinz unterhielt sich längere Zeit mit dem Grafen Lamsdorsf und den Ministern Witte, KUropatkin, von Plehwe und Baron Fredericks foiuie Admiral Rojestwenski, welcher die Flottenmanöver bei Reval vor dem deutschen Kaiser kommandierte. Die Gi.oßfürsten waren in preußischen Uniformen erschienen.
Petersburg, 17. Jan. Ter deutsche Kronprinz besichtigte heute vormittag die historischen Zimmer im Mn- terpalaiS und die Kunstschätze. Tas Frühstück fand im engsten Familienkreise beim Kaiser und der Kaiserin statt. Rach dem Frühstück besuchte der Kronprinz mit dem Gefolge und dem russischen Ehrendienst die Internationale Kostüm-Ausslellmia. Ter Kronprinz besichtigte eingehend die deutsche Bernstein-Abteilung. In der letzteren wurde ihm von der Tochter deS Leiters Professors K'lebs ein väosenbukett üerreicht. Am Abend folgte der 5tronprin^ einer Einladung des Großfürsten AlexiS Alexandrowitsch zum Tiner. 9lad) dem Tiner besuchte der Kronprinz mit dem Großfürsten das Französische Theater.
Ter Kaiser verlieh dem Generalleutnant v. Moltke die Brillanten zum Annenorden zweiter Klasse. Ferner erhielten die Oberstleutnants v. Schwerin und Freiherr v. Lyncker und Major Friedeburg den Annenorden zlveiter Klasse und der OberleUtnanl v. Stülpnagel den Annenorden dritter Klasse.
Tie Kronprinzessin von Sachsen und Giron haben zusammen Gens verlassen. Sie haben Lyon und Marseille am Sonntag passiert. Ihr Reiseziel ist Mentone. Ueber die plötzliche Abreise von Genf wird gemeldet, daß die dort sich aufhaltenden Berichterstatter durch zur Irreführung getroffene Maßregeln völlig getäuscht wurden. Tie Fahrkarten für Beide waren von einem Speditionshause besorgt worden, welches das Gepäck aus dem Hotel abholen ließ. Tie Kronprinzessin und Giron verließen das Hotel heimlich durch eine Nebentür und begaben sich auf Umwegen zum Bahnhof. Vor der Abreise beschenkten sie den Hoteleigentümer uno die Angestellten. Eislerem überreichte die Kronprinzessin eine prächtige Kravattennadel, mit Perlen und Tiamanten besetzt. Zwischen der Kronprinzessin, Giron und Lachenal sind anscheinend einige Meinungsverschiedenheiten entstanden, ^achenal nahm am SamSüag abend alS Vizepräsident des Stunde- rats an einem Festmahl teil, welches der Bundesrat in Vern dem diplomatischen Korps gab.
Ter Dresdener Lriminalkommisiar Schwarz, der bekanntlich feit dem 21. Tezember v. I. im Auftrage des Ben Hofes in Genf weilte, und seit einigen Tagen nach
1 zurückgekehrt ist, hat sich einem dortigen Vertreter der PrZse über die Kronprinzessin Luise folgendermaßen geäußo.l: ,^ch habe mich während der ersten Zeit meines Aufenthaltes in Genf bei der Kronprinzessin nicht melden lassen, locil ich Auftrag hatte, die Kronprinzcsstll nur im Auge zu behalten und im Falle ihrer Abreise hierüber dem sächsischen Hofe sofort Meldung zu erstatten. Es ist un- ro a i) r, daß ich mit einem Haftbefehl der Kronprinzen u gegenüber ausgestattet war. Während niemer ckn- wej. nheii ix Genf war ich nur dreimal bei der Kronprm- zes ii. Giron habe ' vollständig ignoriert Nach meinem T iihalten trifft s nicht zu, daß Giron und, die .u i 0 n p r i n z e l 11 ständig mit ein an de r v e r» fehrten. Tie K^nprinzejsin war nicht selten sehr


