Ausgabe 
18.9.1903 Erstes Blatt
 
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Vermischtes.

* Essen, 17. Sept. Auf der Zeche Zentrum wurde durch einen Sprengschuß ein Bergmann getötet und'ein anderer tödlich verletzt.

* Göttingen, 17. Sept. In Breitenberg ermor­dete der 24jährige Maurer Stolze seinen Vater durch Deilhiebe, weil dieser Mitwisser einer von ihm begangenen Brandstiftung war.

* Der Luxuszug Mailan dB e r l i n ist am Donnerstag in der Nähe von Jüterbvgk zum Teil ent­gleist. Tie beiden mittleren Wagen sprangen infolge Schienenbruchs aus dem Gleise. Unter den Passagieren ent­stand eine Panik, die sich jedoch schnell legte, nachdem man sich davon überzeugt hatte, daß es sich um keinen ernsten Unfall handelte. Verletzt wurde niemand. Der Material­schaden ist unbedeutend.

* Vergiftet. Dem ^,Br. Gen.-Anz." zufolge wurden auf dem Dominium Oberschaube bei Guhrau von neun jugendlichen polnischen Arbeitern sieben durch Kohlen­oxyd g a s vergiftet. Zwei, welche noch Lebenszeichen von sich gaben, wurden in das Guhrauer Krankenhaus gebracht.

* I m Berner Oberland schneit es seit Sonntag beständig; bis unter 1000 Meter hinunter siel der Schnee. Die Bauern und ihr Vieh, die in den letzten Tagen von den Alpen in die Weiden (Vorsätzen) zogen, sind übel daran. Es liegt viel abgemähtes und noch stehendes Oehmd unter der Schneedecke. Der Schneefall hat die im besten Gang befindliche Nachsaison jäh unterbrochen. Die Fremden waren, vevor der Schnee fiel und widerwärtige Kälte sich einstellte, noch ziemlich zahlreich im Lerner Oberland. Nun haben sie sozusagen die Flucht ergriffen, wie man an ihrer großen Zahl im Bahnhof Bern merkte. Auf dem Urnerboden lag der Schnee mehrere Centimeter tief. Die über den Klausen (Glarus-Uri) führende Post mußte die Fahrten wegen Lawinengefahr einstellen. Die Bahn Eisp- Zermatt und die Goruergratbahn hatten während dieser Fremdensaison bedeutende Einnahme. Am meisten Passa­giere hatte die Gornetgratbahn am 20. August, nämlich 838 Personen. Im Jahre 1902 betrug das Maximum 753,

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g. Nach Mitteilung des Großh. Mirristeriums der Fi- nanzen werden oem Anträge der Handelskammer enb- sprechend in dem zum Versand an die Holzkäufer bestimmten Exemplaren derZusammenstellung der Meistgebote bei den Holz-Verkäufen aus hessischen Domanialwaldungeu" in Zukunft nicht mehr Namen und Wohnort der Käufer angegeben.

2. Revision der Handelsregister. In der letzten Zeit hat sich mehrfach das Bedürfnis herausgestellt, daß die von den auswärtigen Amtsgerichten des Kammer­bezirks geführten Handelsregister eine Vervollständigung und Berichtigung erfahren. Tie Handelskammer beauftragste daher ihre auswärtigen Mitglieder an der Hand der von ihr geführten Register etwaige Vorschläge für Neueintrag­ungen ooer Löschungen für die Firmenregister der Amts^ geeichte ihr zur weiteren Veranlassung mitzuteilen.

3. Verhängen der Schaufenster an Sonn- und Festtagen. Von dem Großh. Ministerium des! Innern wurde bei Kammer mitgeteilt, daß es der Frage der Aufhebung des § 227 Abs. 1 des Polizeistrafgesetz­buches, der die Offenhallung der Schaufenster an Sonn- und Festtagen verbietet, nähertreten würde, wenn die Ge­währ vorhanden sei, daß von dem Offenhalten der Schau- fenster keine Beeinträchtigung der Sonntagsruhe der Ge­schäftsangestellten befürchtet zu werden brauche. Die Kam­mer war der Ansicht, daß nach wie vor die Offenhaltung der Schaufenster an Sonn- und Festtagen zu erstreben fei und daß von der Offenhaltung eine Beeinträchtigung der Sonntagsruhe der Angestellten nicht befürchtet werden könne, da jeder Prinzipal wisse, daß er sich damit einer strafbaren Handlung schuldig mache.

4. Ursprungszeugnisse für Kaffee. Infolge des Zollkrieges zwischen dem Deutschen Reiche uni) der Republik Haiti müssen alle aus den übrigen Produktions­ländern nach dem Jnlande eingeführten Kaffesendungen mit einem Ursprungszeugnis versehen sein, um zu dem niedrigen Zollsätze eingesührt werden zu können. Da die Beibringung von Ursprungszeugnissen mit erheblichen Be­lästigungen uud Kosten für Iden Handelsstand verbunden ist, so beschloß die Handelskammer, darauf hinzuwirken, daß bei dem Hauptsteueramt Gießen die Vorlage von Fakturen der großen Seeplätze Hamburg, Bremen usw., in welchen die nichthaitianische Herkunft des Kaffees ausdrücklich bestätigt wird, als hinreichender Nachweis für die Verzollung zum allgemeinen Zollsätze gelten möge, welches Verfahren beim Hauptsteueramt in Frankfurt a. Ml seit eniger Zeit in Uebung ist und zu Bedenken nicht Anlaß gegeben hat.

5. Mißstände beimZollschuppen des Haupt- steueramts Gießen Von verschiedenen Firmen sind der Handelskammer Klagen darüber' zugegangen, daß der hiesige Zollschuppen zu klein sei und es nicht ermögliche, daß mehrere Waggons gleichzeitig zur Abfertigung kommen können. Die Kammer beschloß, diese Beschwerden dem Hauptsteueramt zu übermitteln und eine Erweiterung des Zollschuppens zu beantragen

6. Eingänge. Stand des Kaufmännischen Fortbild­ungsschulwesens in Hessen, Geschäftsübersichten der Eich- ansmlten im Großherzogtum Hessen im Jahre 1902, Be­richt über die Tätigkeit des Chemischen Untersuchungsamts Sr die Provinz Oberhesjen von: L4. 02 bis 1. 4. 03, Kehm, die Entstehung und Entwicklung der Gießener Tabak-Industrie, O. Bergen, Direktor des Städtischen Gas- und Wasserwerks Gießen, die Ausführung von Haus-, Gus- und Wajsereinrichtungen durch Gemeindeanstallen, Frhr. von Biegeleben, Großh. Ministerialrat, Schiffahrtsabgaben, Protokolle der Jahreshauptversammlung des deutschen Ta­bakvereins, der Interessenten der Lakpikanalisatiou, des Deutsch-nationalen Handlungs-Gehilfen-Verbandes. Mit- tellungen des Berg- und Hüttenmännischen Vereins in Siegen, Heft 22, 1903.

Eingaöe des deutschen Tabakvereins an das Reichsamt des Innern, betr. die Entwürfe zu Verordnungen über die Einrichtung und den Betrieb der zur Herstellung von Zi­garren usw. bestimmten Anlagen.

Von zuverlässiger Seite sind der Kammer Mitteilungen zugegangen über den amerikanischen Tabaktrust, den ameri­kanischen Lobo Mobilentrust, Absatz von Maschinen für die Tabakfabrikation nach Japan, die amerikanische Konkurrenz in Australien, Kolumbien, Hankau, Mexiko, die Eisen­industrie in Australien, Zollstrafen in Jquitos (Peru), Absatz baumwollener Hosenstoffe uad) Peru, Ausfuhr russischer Textilwaren; ferner über zweifelhafte Firmen in Tripoli, La Valetta (Malta), Adadrrd, Rustschuk, Bern, Budapest, Apeldoorn, London.

Die Eingänge können auf dem Sekretariat der Handels­kammer während der üblichen Geschäftszeit eingesehen werden.

1901 784, 1900 607, 1899 651. Weil sv viele Fremde den Gornergrat besuchen, findet man auf diesem Gipfel kaum noch eine Spur von Edelweiß.

x Leber den Fremdenverkehr in der Schweiz lesen wir in einem Züricher Blatte:Wir haben eine Statistik über den Luzerner Fremdenverkehr zu Gesicht bekommen; es überwiegen dort die deutschen Reisen­den. "Sie haben so viele Gäste gestellt, wie ungefähr Oester­reich, Großbritannien, Amerika und Frankreich zusammen. Das gibt zu denken, nicht den Schweizern, wohl aber den Leuten, die am Fremdenverkehr in den deutschen Alpen interessiert sind. Immer mehr sammeln sich die deutschen Sommerftischler in den Schweizer Landen, und das mag wohl seinen Grund darin haben, daß man sich in der Schweiz besser daraus versteht, den Reisenden den Aufent­halt angenehm zu machen, als in den bayerischen Bergen, die doch teilweise an landschaftlicher Schönheit dem Schweizer Hochgebirge nahe kommen. Ungehört ist dasDiscite mo- niti!" verhallt, das man mehr denn einmal der deutschen Gebirgsbevölkerung zugerufen hat; man begreift dort noch nicht allenthalben, daß auch die Fremdenindustrie ein ge­wichtiger Nerv im wirtschaftlichen Leben des Landvolkes ist. Man sieht noch an vielen Orten im Sommerftischler den grillenhaftenStadtftack", wie man sich in Oberbayern auszudrücken pflegt, und tut wenig oder gar nichts, um ihm die Sommerfrische lieb zu machen. Ausnahmen be­stätigen nur die Regel. Daher neuerdings die begreiflichen Klagen über die Abnahme des Fremdenverkehrs in den deutschen Alpen, die besonders in diesem Jahre deutlich verspürbar sein soll. Anders in der Schweiz; ein hochent­wickeltes Gasthosivesen, Anziehungspunkte aller Art, wie die ungezählten Bergbahnen, die eleganten internationalen Kurorte, sorgen dafür, daß der Fremdenverkehr in steter Zunahme begriffen ist."

hun en ewwe erscht gekaaft, da geheert mer doch Schläg, wenn aich den gaure neue Schirm schun widder dreckig mache duhck

Lollar, 17. Sept. An das hiesige Fernsprech­netz wurde angeschlossenr 9lr. 11, Konrad Moos, Metzgerei und Gastwirtschaft.

h. Saasen, 17. Sept. Unser Schulhansneubau, nn vorigen Jahre begonnen, ist nun soweit fertig gestellt, daß die Einweihung desselben Sonntag, den 27. d. M. stattfinden soll. Mit der Einweihung wird das Kirch­weihfest verbunden werden.

X. Bad-Nauheim, 16. Sept. Unsere Badestadt steht im Zeichen der Eisenbahn-Unfälle. Bor einigen Tagen wurde hier beim Rangieren ein Pferdewagen mit einem Militärpferd so stark abgestoßen, daß der Wagen durch den Anprall am Prellbock entgleiste. Ein in dem Wagen sich befindlicher Dragoner wurde schwer verletzt und liegt noch im hiesigen Krankenhause. Auch das Pferd wurde in Mitleidenschaft gezogen. Heute nachmittag gegen 6 Uhr ereignete sich wiederum beim Rangieren ein Unfall, wobei vier Güterwagen entgleisten. Ein Arbeiter der Siemens'schen Fabrik wurde dabei erheblich verletzt. Er erlitt einen Bein­bruch und Verletzungen am Gesicht und Arm. Die Macht des Anpralles der aufeinanderstoßenden Wagen war so stark, daß einer der Wagen vollständig quer über die Schienen zu liegen kam und plattgedrückt wurde. Der zweite Wagen bedrohte etwas das Hauptgeleise in der Richtung nach Frank­sirrt, indesien konnten die Züge gerade noch knapp durch­fahren, bis der herbeigerufene Rettungswagen die Gefahr beseitigte.

Hanau, 17. Sept. Gestern abend wurden zwei hier wohnende Goldarbeiter verhaftet und zwar der eine wegen Diebstahls, der andere wegen Hehlerei. Die Inhaber der Firma Ochs u. Bonn waren in letzter Zeit durch verschiedene Akte in dem Verdachte bestärkt worden, daß bei ihnen Dieb­stähle von Goldabfällen verübt würden, wobei sich der Ver­dacht auch auf eine bestimmte Persönlichkeit, den Goldarbeiter Karl B^ lenkte. Die davon benachrichtigte Polizei nahm nun gestern abend, als der genannte B. das Geschäft von O. u. B. verlaßen wollte, eine Leibesvisitation vor mit dem Resul­tate, daß etwa 63 Gramm Gold im Werte von über 100 Mark bei ihm gefunden wurden. Eingestandenernmßen hat B. die Diebstähle seit zwei Jahren verübt, indem er all­wöchentlich Abfälle im Werte von etwa 20 Mk. an sich nahm. Es dürfte sich somit die Höhe des Wertes der gestohlenen Sachen auf 23000 M. stellen. Weiter gab B. an, die gestohlenen Abfälle an den in der Neuen Anlage wohnenden Goldarbeiter Ernst St. verkauft zu haben. Letzterer bestritt diese Angabe, wurde aber gleichfalls in Untersuchungshaft genommen. (H. Anz.)

7. Sitzung der Großh. Haudelskaunner Gießen, für die Kreise Gießen, Alsfeld nnd Lanterdach.

Protokoll-Aus zug.

Gießen, 15. Sept. 1903.

Anwesend die Herren: Kommerzienrat Koch, Vorsitzen­der, Kommerzienrat Heichelheim, Balser, Dürbeck, Grüne­wald, Hoos, Jhring, Moll, Nowack, Ruin, Röhr, Schirmer, Schmall, Steinecke, Wallach, sowie der Syndikus Dr^Tripper.

L Aus dem Geschäftsber ichft ist folgendes mit- stellen:

a. Der Fernsprechbereich von Schlitz ist urrzeit noch sehr beschränkt und genügt nicht entfernt den Bedürfnissen des Geschäftsverkehrs. Tie Handelskammer hat daher dessen weftnlliche Erweiterung empfohlen.

b. Von der Kaiser!. Oberpostdirektion in Darmstadt ist der Kammer mitgeteill worden, daß die beantragte Teleph onv erbind ung Gr. b enh ainBermuthe Hain

Lichenroth dem Reichspostamt in Vorschlag gebrachst werden soll, doch kann ihre Ausführung nicht vor dem Jahre 1905 erwartet werden.

c. Tie König!. Verkehrsinspektion Fulda hatte die Kam­mer um Auskunft ersucht, ob gegen die Verlegung des Annahmeschlusses von Frachtstückgütern in Schlitz von 7 auf 6 Uhr nachmittags Bedenken von den Inter­essenten gellend gemacht würden. Die Kammer hat sich nach Anhörung von Schützer Firmen mit dem früheren Schlüsse der Annahmezell einverstanden er­klärt.

d. Die von der Kammer beantragte Einführung diretter Fahrkarten und Gepäckabserttgung zivischen Gießen und umgekehrt ist von den beteiligten Eisenbahnver- waltungeu zugestanben worden.

e. Außer den früher bekannt gegebenen Anttägen zum Winterfahrplan 1903/04 hat die Handelskammer noch folgende ihr von Interessenten übermittelte Anträge den beteiligten Behörden zur Kenntnis gebracht:

Späterlegung des Zuges 906 FriedbergHom­burg (Friedberg ab 7.18 morgens) zum Anschluß an die Züge 1054 von Hungen (Friedberg an 7.40) mrd 792 von Gießen (Friedberg an 7.46); Einlegung eines Zugpaares auf der Strecke Gießen5)ungen, bezw. Nidda, wovon der eine Zug als .Spätzug abends von Gießen abfahren, der Gegenzug mittags gegen 12 Uhr in Gießen eintreffen soll, zum Anschluß an die Züge nach Frankfurt und Cassel;

Anhalten des Schnellzuges 71 (Gießen ab 10.16 morgens) in Lollar;

Anhalten eines der beiden Nachtschnellzüge 101 (Gießen ab 12.36 nachts) oder 43 (Gießen ab 12.46 nachts) in Lollar; Späterlegung des Zuges 1114 LollarWetzlar (Lollar ab 6.06 nachmittags);

Umwandlung des Werktagszuges 1043 Londorf- Lollar (Lollar an 9.11 abends) in einen täglich ver­kehrenden Zug; Verminderutlg der Uebergangszell zwischen den Zügen 506 und 503 der Strecke Gießen Gelnhausen und dem Zuge 1067 HungenLaubach (Hungen ab 9.20 morgens); Anhalten eines der be­schleunigten Personenzüge 526, bezw. 527 der Sttecke GießenFulda in Ehringshausen.

Da drese Anttäge der Kammer sehr spät zugegangen sind, 10 werden sie sur den Winterfahrplan 1903/04 kaum n?ch von der Erietteahnverwaltung berücksichtigt werden tonnen. Es empfiehlt sich daher, daß die In­teressenten schon jetzt ihre Wünffche für den Somm er fa h rpla n 19 0 4der Kam mer mitteilen

s. In eurer Eingabe an den Herrn Reichskanzler hat die Kammer aus dre Gefahren hingewieseu, dre der deut­schen Ausfuhr rrach der Schweiz infolge der vorae- seheneu schwerzerischen Zollerhöhungen auf Bestand- teüe von Baoeernrichtungen und Zenttalheizungs- gegenstande droheu ö

Gerichtssaal.

Chemnitz, 17. Sept. Die Strafkammer des hiesigen Land gerichts verurteilte nach zweitägiger Verhandlung den Verwalter des Haltepunkres Buchholz bei Annaberg, Reinhardt, der an­geklagt war, das Eisenbahn Unglück, auf dem Haltepunkt Buchholz am 24. Juli, wobei fünf Personen getötet und eine Anzahl verletzt worden waren, verschuldet zu haben, zu 9 Monaten Gefängnis; davon sind 6 Wochen als durch die Unter» suchungshaft verbüßt erachtet.

Chemnitz, 17. Sept. Tie Strafkammer verurteilte den Vollsschullehrer Richter aus Leipzig wegen jahrelang an Schülerinnen begangener Sittlichkeits-Verbrechen zu 4 Jahren und 6 Monaten Gefängnis und Aberkennung der Ehren­rechte.

Beuthen fOberschl.), 17. Sept. Im Laurahütter Krawall-Prozeß beantragte der Staatsanwalt gegen vier Angeklagte 3 Jahre Gefängnis, gegen siebzehn 2 Jahre, gegen sieben 1 Jahr, gegen die übrigen 6 Aionate bis 4 Wochen Gefängnis, gegen Korfantys Vater und Bruder je 2 Jahre und gegen Re­dakteur Wikik 3 Jahre. Gegen drei der Angeklagten ist Frei­sprechung beantragt. Das Urteil ist aufgeschoben worden.

London, 17. Sept. Die Anklagejury hat beschlossen, den Finanzier Whitaker Wright vor Gericht zu stellen. Wright war am 5. August unter der Anklage, die Bilanz derLondon and Globe Finance Corporation" gefälscht zu haben, vor dem Guildhall^Polizeigericht erschienen, aber gegen eine Bürgschaft von 60 000 Lstr. auf freiem Fuß belaßen worden.

Marseille, 17. Sept. Das Zuchtpolizeigericht verhandelte beute gegen die Italiener Picolo und Da.chrno, welche beschul­digt sind, am 9. August mit Tomaten nach dem Wagen des Ministerpräsidenten Combes geworfen zu haben. Dre Angeklagten werden wegen Beschimpfung von Ministern in amtlicher Tätigkeit, wegen Widerstandes gegen die Staatsgewalt und Ueberschreiten des Verbotes, Waffen zu tragen, zu 6, bezw. 3 Monaten Gefängnis verurteilt.

ZanSel unö Uerkehr. UolküVirtschast.

Kohleushudikat und Börse. Da nun auch der Magde- burgische Bergwerksverein seine Zustimmung zum neuen Syndikats- Vertrag gegeben hat, so ist damit ein weiteres Hindernis der Ver­längerung des Syndikats aus dem Wege geräumt. Es sind nur noch einige kleine Zechen, die widerspänstrg sind, aber deren Eigen­willigkeit wird auch besiegt werden. Dies hofft man an der Börse zuverlässig. Die Folge davon war, daß Kohlenaktien wesentlich an­ziehen fonnten; so sind seit 14. September gestiegen, Concordia rund 10 pCt., Gelsenkirchener 5.20 pCt., Harpener 2.20 pCt. und Hibernia 4 pCt.

Zur industriellen Lage. Vom Kabelweck Rheydt, das 12 pCt. gegen 10 pCt. i. V. verteilt, wird gemeldet, daß dre vor­liegenden Aufträge eine lohnende Beschäftigung auch im neuen Jahr erhoffen lassen. Zur Lage der Eisenindustrie ist nritzuteilen, daß die immer wieder auftauchenden Gerüchte und Nachrichten von amerikamschen Eisenangeboten nicht zu ernst zu nehmen sind. Die Zunahme des Jnlandbedarfs ist unverkennbar und von einem möglichst straffen Zusammenschluß darf man sich auch einiges Ver­sprechern Daß die dahingehenden Bestrebungen mit Eifer verfolgt werden, davon liefern die jüngsten, von uns bereits erwähnten Beschlüsse des Halbzerlgverbandes den Beweis, ferner der Erfolg der Verhandlungen wegen Erneuerung des Röhrensyndikats auf 5 Jahre und die andauernden Verhandliingen zu Güsten des Allge- memen Stahlwerksverbandes.

Eine lukrative Aktiengesellschaft. Die internationale Bohrgesellschaft erzielte mit einem Aktienkapital von 1 Mill. Mk, nach 317 630 Abschreibimgen, einen Reingewinn von 1 194 686 Mk. und ist in der Lage, eine Dividende von 75 pCt. zu verteilen. 133 821 Mk. werden als Gewinnanteile verteilt, 250 000 All. dem Erneuerungsfonds zugewiesen und 202 740 All. auf neue Rechnung vorgetragen. Die Aktien sind bekaniitlich zum größten Teil im Besitz des A. Schaafhausen'schen Bankverein.

Dividenden schweizerischer Gesellschaften. Tie schweizer­ische Lokomotivenfabrik in Winterthiir wies für 1902/03 757 942 Frs., i. V. 630 789, 9ieingewinn aus, woraus 10 pCt. Dividende wie im Vorjahre vorgeschlagen werden. Die Jndustriegesellschaft in Heu­haufen erzielte 177 990 Frs. (i. V. 173 794) woraus wieder 8 pCt. Divldeiide verteilt werden.

Leipzig, 17. Sept. Ter Schlußbericht des Konkurs­verwalters der Leipziger Bank weist einen Kassen- bestand von Mk. 12 570 730 auf, gerade ausreichend, um die bei früheren Verteilungen unerhoben gebliebenen oder zurückbehaltenen Abschlagsdividendeli auszuzahlen oder sicher zu stellen, um ferner 50 Proz. Dividende auszuzahlen oder sicher zu stellen auf die Forderungen, die erst nach dem Vollzug der zweiten Abfchlags- verteilung festgestellt, beziv. rechtsanhäiigig geworden sind, und schließlich 17 Pro z. S ch l u ß d i v i d e n d e auf die auf Mack 72 642 613 festgestellten bezw. im Prozesse befangenen nicht bevor­rechtigten Forderungen auszuza^kn oder sicher 511 stellen. Mit dem am 4. September 1903 bewirkten Verkauf der Restliiasse an die Firma Erttel, Freyberg & Co. erreicht die Verwaltuiig des ge­samten, zur Konkursmasle aehörigen Vermögens der Leipziger Bank ihr Ende, nachdem das Verfahreri zwei Jahre ulid vierzig Tage beansprucht hat. Die Gesamteuiliahmen beliefen sich auf Mack 59 722 335, wovon Alk. 50 926 320 an die Gläubiger bezahlt oder noch zu bezahlen sind. Einnahiiien entfallen auf vier Haupt­gruppen: erstens Alk. 49 026 994 aus das Vermögen der Leipziger bem regelrechten Geschäftsbetriebe der Leipziger Batik herruhrend zu^«^«1 ist; zweitens Alk. 4 875 686 auf ^rebevincrte ; brittenS Alk 2 699 700 auf die vom Aufsichtsrat ge­zahlte Vergleichs,umme ; uiertcnd Mk. 3119 954 auf den Kaufpreis uUV Aoraußenlug der Restmasse an die Firma Erttel, Frey- berg L Co. Die C>e,amtsorderimge>t betragen Mk. 99 548 959, von welchen Mk. 72 317 4o0 .sestgeftelll und berücksichtigt sind. Die Ko kursverwaltung hatte insgesamt 49 Prozesse zu führen, in denen Streitigkeiten ausgefoebten