Ausgabe 
18.8.1903 Erstes Blatt
 
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aller Waffen, nachdem der sogenannteBorbereitungS- kampf", der physische und moralische Kräfte des Gegners verbrauchen füll, beendet Ist. Tas wurde bei einem Angriff der ganzen gemischten 10. Division gegen einen markierten Feind am 5. August klar dargestellt. Nachdem bie Vorhut, 1 Infanterieregiment, 1 Tragonerregiment, 2 Batterien, 1 Geniekompagnie, sich wichtiger Stutzpunkte im Gelände brnmchtigt batte, entwickelte sich unter ihrem Schutze die ganze 19. Jnfanteriebrigade und trateu auch! die 3 Bataillone des Gros in Tätigkeit'. Tie ganze 20. Jnfanteriebrigade wurde, unter Ausnutzung aller Deckungen des Geländes, auch für den Anmarsch gedeckt, rechts rückwärts des rechten Flügels für den entscheidenden Stoß bereit gestellt. Lang- lois denkt sich ihren Angriff als eine Reihe von einander folgenden Kraftwellen von Bataillonen, die in mehrere Staffeln gegliedert sind. Jede Staffel soll der vorher­gehenden auf 200 bis 400 Meter solgen und Schützen ent­wickeln, sobald dies notig erscheint. Hinter den Schützen­linien, lverden kleine, naa) der Flanke abmarschierte Ab­teilungen gedacht, und gegen die Ginbruchsstelle Vcrmnig- ung des Feuers zahlreimer Batterien, die ihre Feuer­geschwindigkeit nach dein Bedarf des Gefechtes richten. Alles, was nicyt Schützenlinie oder Unterstützung ist, bildet ein Krastreservoir in der Hand des Führers, aus dem er nach Bedarf schöpfen kann, zumal um auch einen Gegenstoß des Feindes abzuwehrcn und den Flanken durch Staffelung die nötige Sicherung zu geben. Die direkt hinter^ den Schützenluiie inarschicrende Staffel erhält durch deren Feuer Schutz. Tas Höchstmaß des Abstandes der Staffeln (Wellen) von einander rechnet Langlois nach der Dauer eines inten­siven Schnellfeuers auf 400500 Meter. Vordere Staffeln und Schützenlinien müssen das Gefühl haben, daß Unter­stützung folgt. Schwarmlinien ohne solche Unterstützung können nach Langlois keinen Angriff durchführen.

Tie Ruhestörungen in Rußland.

Die Arbeiterunruhen in Kiew und in Baku sind, wie die Neue Freie Presse" meldet, nun in Plünderungen und Brandstiftungen ausgeartet. In Kiew wurde am 7. ds. gegen 4 Uhr nachmittags von unbekannten Tätern die ganze Nikols- kaja-Vorstadt, welche sich am Ufer des Dniepr in der Nähe der Kettenbrücke befindet, in Brand gesteckt. Mehr als 100 Häuser wurden eine Beute der Flammen, weil die Feuerwehr- mannschaften bei ihrer Löscharbeit von den Streikenden durch Steinwürfe gehindert wurden. Und hier fand nun ein zweiter Zusammenstoß zwischen Militär und streikenden Arbeitern statt, dem aber glücklicherweise nur em Toter und zwei Ver­wundete zum Opfer fielen. Aber noch schrecklicher gestalteten sich die Ereignisse m Baku und Umgebung. Der nach Baku reisende Gehülfe des Ministers des Innern, General v. Wahl, blieb in Rostow am Don zurück, weil die Plünderungen uni) Brandstiftungen in Baku und Umgebung nicht aufhören und die Behörden die Verantwortung für seine Sicherheit nicht übernehmen wollten. Auf der Eisenbahnstation Sabuntschi in der Bezirkshauptmannschaft Bolachny ist ein Tagesbefehl des Polizeichefs angeschlagen, womit der Bevölkerungan­gesichts der von Uebeltätern verübten verschiedenen Gewalt- täligkecken" verboten wird, nach 9 Uhr Abends die Straßen zu betreten. Staatsbeamte können nur unter Vorweisung einer Legitimation die Straßen passieren. Da aber die Station Sa­buntschi von den Streikenden bedroht wird, so wurden.zwei Ab­teilungen des kaukasischen Schützen-Bataillons aus Bolachny dahin entsendet. Die Brandstiftungen in Bolachny dauern noch fort. Laut Depeschen des Chefs der Naphtha-Industrie steckten die Streikenden noch am 11. August viele Gebäude in Brand. Aber auch in Tiflis selbst werden Warenlager und Häuser in Brand gesteckt. Wohl ist hier der Tramwayverkehr nach einer Woche unter dem Schutze von Soldaten ausgenommen worden, aber die Brandstiftungen hören nicht auf. In der Station Karajasy wurden die lagernden Petroleumkessel in Brand ge­steckt, auch die Schwellen brannten lichterloh, so daß die Züge, wie die Nowoje Oboffenije meldet, nicht verkehren konnten. Welche Vorgänge sich aber in Baku abspielen, kann daraus ersehen werden, daß das Börsenkomitee beschloß, zu der Sitzung zur Berichterstattung über die Vorgänge m Baku die Vertreter der Presse nicht zuzulassen. Mehr als 200 Arbeiter wurden verhaftet, gegen 400 ausgewiesen und fortgeschafft. Den Zöglingen der Lehranstalten in Baku wurde untersagt, sich länger als bis 81/, Uhr abends auf der Straße aufzu­halten. Infolge der Brände bei Sabuntschi wurde der Güter- und Frachtverkehr völlig eingestellt, so daß viele Firmen die Zahlungen einstellten. Auch m Nikolajew brachen Unruhen aus, wovon Einzelheiten noch fehlen. Der Stadthauptmann von Nikolajew, Admiral Enquist, erließ eine Verfügung, in welcher es wörtlich heißt:Infolge der Straßenunruhen in Nikolajew untersage ich jede Ansammlung in den Straßen; bie Haustore müssen gesperrt sein und dürfen ohne zwingende Notwendigkeit nicht geöffnet werden; alle Handlungen, wo Branntwein und andere Getränke verkauft werden, müssen geschloffen werden. Die Zuwiderhandelnden werden von mir auf Grund der Gesetze über die verschärfte Ueberwachung zur Verantwortung gezogen werden."

Tie Unwissenheit im Süden der Vereinigten Staaten geißelt ein hervorragender Pädagoge des Süden, der Geist­liche Edgar Gardner Murphy von Montgomery, Alabama. Wie er dartut, giebt es im Süden der Vereinigten Staaten nicht weniger als 3,5 Millionen des Lesens und Schreibens unkundige Menschen im Alter von 10 Jahren und darüber, nämlich mehr als 50 pCt. der farbigen und mehr als 16 der weißen Bevölkerung. Die Unwissenheitsschmach der dortigen Weißen verdeutscht Murphy auch so: Von der weißen Bevölkerung der gesamten Vereinigten Staaten kom­men ungefähr 24 Prozent auf den Süden; anderer­seits entfallen auf den Süden nicht weniger als 64 Prozent der weißen gänzlich Unwissenden der Union. Es giebt in den Vereinigten Staaten 217 Counties, in welchen mehr als 20 pCt. der im stimmfähigen Alter stehenden Weißen nicht lesen und schreiben können; von diesen 217 Counties liegen 212 im Süden. Die weißen Unwissenden des Südens umfassen 1 070000.

Deutsches Keich.

Wildpark, 17. Aug. Das Kaiserpaar reiste gestern abend 10 Uhr 50 Miu. nach Wilhelmshöhe ab.

Wilhelmshöhe, 17. Aug. Der Kaiser und die Kaiserin wurden am Bahnhofe vom Prinzen Joachim und der Prinzessin Viktoria Luise empfangen. Im Gefolge

des Kaisers befinden sich Oberhofmarschall Graf EuleNk- burg, Generaladjutant v. Plessen, die Flügeladjutaiiten o. Schimettow und v. Friedeburg, die Chefs des Militär- und Zivilkabinetts, Hofmarschall v. Zedlitz rTützschler, als Vertreter des 2luswär Ligen Amts Gesandter v. Tschierschky und Bögendorff, Oberstallmeister Graf Wedel unb Stabs­arzt Dr. Riedner. Im Gefolge der Kaiserin befinden sich Kammerherr von dem Knesebeck, Palastdame Gräfin Keller und Hofdame Gräfin Rantau. Zur Mittagstafel beim Kaiserpaar war heute der deutsche Botschafter in Konstan­tinopel, Freiherr v. Marschall geladen.

Berlin, 18. Aug. Die vom Minister Budde ange­ordnete UntersuckMng der Berliner Untergrund­bahn durch die Konferenz der Vertreter der Aufsichts­behörden wurden gestern ciugeleitet. Den Hauptgegeiistand der Verhandlungen bildete die Katastrophe der Pariser Untergrundbahn. Ob an den hiesigen Einrichtungen Aen- t)erringen nötig sind, wird in späteren Konferenzen und bei den Untersuchungen an Ort und Stelle festgestellt werden. Tie Konferenz ergab, daß hier ungleich mehr für die Sicher­heit des Publikums nach jeder Richtung hin getan wird.

Flensburg, 17. Aug. Die hiesige Stadtvertret­ung bewilligte aus städtischen Mitteln für die Uebcr- schwemmten in Schlesien und Pofen eine Beihilfe von 1000 Mk.

Hamburg, 17. Aug. Fürst Herbert Bismarck empfing heute mittag in Friedrchsruh den Vorstand des deutschen Kriegsveteranenverband-es und nahm den Ehren­vorsitz des Verbandes an.

Schwerin, 17. Aug. Prinz Heinrich der Niederlande traf heute nachmittag um halb 6 Uhr hier ein. Er begab sich zum Besuch der Großherzogin Marie nach Raben stein seid.

Breslau, 18. Aug. Im Ober Präsidium findet heute eine Beratung über die Maßregeln zur Freileg­ung des Hocksivasserbettes statt.

Die Groß Herzogin von Baden richtete ein Telegramm an Ibie stellvertretende Vorsitzende des Vater- ländischen Frauenvereins, Fürstin .Hatzfeld, in dem sie ihrer wärmsten Teilnahme an der über Schlesien hereinge­brochenen Prüfung, zugleich aber ihrer Freude Ausdruck giebt über die unter Leitung der Fürstin organisierte er­folgreiche Hilfsarbeit; ferner teilt die Großherzogin mit, daß das badische Zentralkomitee vom Roten Kreuz die Sammlungen in die Hand genommen habe und Schlesien aus den eingehenden Gaben unterstützen werde.

Halle a. d. Saale, 17. Aug. Das Kaiserpaar sagte für den 9. September einen Besu ch unserer Stadt zu. Geplant ist eine Besichtigung des Kaiserdenkmals, der Moritzburgruine und der Frankeschen Stiftungen. Die Kaiserin wird vorher der Einweihung der Paulusrirche bei­wohnen.

Keer unö Siotte.

Der Abschied des Kriegsministers v. Goß- ler. DieNordd. Allg. Ztg." meldet: Montag vormittag versammelten sich die Offiziere und Beamten des Kriegs- minisreriums, um dort von ihrem bisherigen Ches Abschied zu nehmen. Kriegsminister v. Einem dankte dem General v. Go ßl e r für das dem Personal erwiesene Wohlwollen und überreichte eine Porzellanvase mit Ansichten des Kriegs Ministerialgebäudes. Goßler dankte und verab­schiedete sich herzlich von seinen bisherigen Mitarbeitern.

Ausland.

London, 16. Aug. Lord Salisbury befindet sich etwas besser. Der Krästezusland ist merklich gehoben.

Kopenhagen, 17. Aug. Der Generalgouverneur von Kreta, Prinz Georg von Griechenland, ist zum Be­suche des hiesigen Hofes hier eingetroffen.

Paris, 17. Aug. In Cherbourg erfolgt am 23. ds. der Stapellauf des PanzersJules Ferry". Der Marineminister Pell et an wird dem Stapellauf beiwohnen. Man plant für die Ankunft des Marineministers eine große Kundgebung. Die Munizipalbehörden werden dem Minister ein Festbankett geben.

Lorient, 17. Aug. Die zum Sardinenfang aus­gefahrenen Schiffe sind leer zurückgekehrt. Die Fabriken bleiben infolgedessen geschlossen.

Budapest, 17. Aug. Hiesige politische Kreise be­haupten, daß in der gestern in der Wiener Hofburg statt­gehabten Konferenz des Kaisers mit dem G e n e rät­st ab sch es Freiherrn von Beckh, dem Reichskriegsminister und dem Erzherzog Franz Ferdinand die Konzessionen festgestellt wurden, welche die Krone der ungarischen Regierung in der Militärfrage zu machen geneigt ist. Am Donnerstag trifft der. Kaiser in Budapest ein und wird eine Reihe von Par­lamentariern empfangen.

Sofia, 17. Aug. Die Regierung schloß mit dem Ver­treter einer österreichischen Patronen-Fabrik die Lie­ferung von 15 Millionen Patronen ab.

Petersburg, 17. Aug. Das Zarenpaar hat sich heute in das Manövergelände bei Paskov begeben, wo es drei Monate bleibt. Von dort erfolgt die Reise des Zaren­paares nach Petersburg und dann nach Libau, wo die Ein­weihung einer Kirche stattsindet. Darauf geht der Zar am 1. September nach Spala zur Jagd, zu welcher auch der deutsche Kronprinz geladen ist. Von Spala reist das Zaren­paar direkt nach Darmstadt. Der Zar bleibt dort nur einen Tag und fährt ohne die Zarin nach Italien.

Tas russische Geschwader, welches von Se- bastopol nach der Türkei geht, umfaßt Vier Panzer­schiffe, vier Torpedozerstörer und sechs Torpedoboote. An Wiener maßgebender Stelle glaubt man nicht, daß bie russische Drohung, mit seiner Schwarzen Meer-Flotte in das ägäische Meer einzulaufen, verwirklicht werbe, da voraus­sichtlich der Sultan alle russischen Forderungen erfüllen wirb. Auch wäre bie Flotte kaum so rasch zu einer solchen Expebition bereit. Man glaubt, bie Trotzung sei auch zur Beruhigung ber aufgeregten öffentlichen Meinung in Ruß- lcmd bestimmt.

Rom, 17. Aug. Wie es nun heißt, soll Karbinal Satolli zum Staatssekretär ernannt werben.

Der Papst hat dem Großalmosenier Monsignore Constantini 100 000 Lire für die Sir men Roms über­reicht.

Ain-Sepra, 17. Aug. Die 4. Eskadron des 2. Re- giments Chasseurs d'Asrique erhielt um Mitternacht den Be- fehl, im Eilmarsch nach dem äußersten Süden auf­zubrechen, wo ernste Unruhen ausgebrochen sind. Die Eskadron verließ Ain-Sepra um 4 Uhr morgens. Ein noch

der Bestätigung bedürfendes Gerücht läuft um, daß die französischen Militärposten im Süden angegriffen worden sind.

Au! stand in Mazedonien.

Aus Grund id es Berichts des Generalinspektors H-ilmi Pascha teilt bie Pforte mit, daß zum Schutze ber Kon­sulate Wachen aufgestellt wurden und baß die Konsuln beim Ausgehen eskortiert werben. Im Jilbizpalais liefen neuerdings Beschwerbebepeschen von Türken und Albanesen aus berschiebeuen Orten des Wilajets Monastir ein, bie teils Schutz gegen die Komitabschi, teils bringenb die Er­laubnis zum Losgehen gegen bie ber Teilnahme an dem Treiben ber Komitees beschulbigte bulgarische Land­bevölkerung verlangen, widrigenfalls sie selbst Rache nehmen würden. Eine Mitteilung der Pforte an die östreichisch-ungarische und die russische Botschaft besagt, daß eine Komiteebande im mohammedanischen Dorfe Zive, Kreis Kastoria, von 9 4 Häusern 89 verbrannte. Eine aus Kastoria eintrefsenbe Truppenabteilung brachte ber Banbe schwere Verluste bei. Die Truppen hatten einen Toten und brei Verwunbete. Ferner werden Einzelheiten über den am 11. August bei Guemeudsche, Wilajet Salo­niki, stattgehabten Bandenkampf mitgeteilt. Komiteebanden und einige bulgarische Einwohner sollen die Wachen und Patrouillen beschossen und mit zahlreichen Dynamitbomben beworfen haben. Ein Komitabschi wurde getötet, mehreres gefangen, ber Rest ber Banbe flüchtete. i

Von ben 189 Inf unter iebataillonen bes dritten rikorps.^ bereichs Saloniki, der die Wilajets Saloniki, Monastir, Uesküb, Skutari und Janina umfaßt, ist beinahe der dritte Teil im Wilajet Aionastir zusammengezogen. Daß trotzde i die revolutionäre Bewegung nicht erstickt ist, wird auf das Bemühen der türkischen Regierung zurückgeführt, größeres Blutvergießen möglichst zu vermeiden und bie Aufständischen zur Niederlegung ber Waffen, sowie bie flüchtige Landbe­völkerung zur Rückkehr in bie Dörfer zu bewegen. In. den Kreisen Dibre und Kastoria soll dies auch gelungen sein. Rach amtlichen türkischen Angaben ist die Bande, welche Kr uschewo besetzt hielt, nicht mit Gewalt daraus ver­trieben worden, sondern freiwillig abgezogen. Sie setzte sich in einem anderen Orte fest, der infolgedesjen ein- geschlossen wurde. Ter andere Ort ist nicht in den Händen des Komitees. Es scheint, daß aus den oben angegebenen Gründen absichtlich tür lisch er seits den Komitadschis der Ab­zug aus Kruschewo ermöglicht wurde. In den letzten Tagen sind nach Angabe der Pforte keine größeren Zusammeu- jtöpC Von Militär und Banden Vorgekommen. Ter östreichisch-ungarische Botschafter Baron Caliee machte gestern neuerdings beim Großvezier dringliche Schritte be­züglich energischer Bewachung der O r i e n t b a h n l i n i e n.

Die Jnjurgenten haben beschlossen, an die Zerstörung der größeren Bahnobjekte zu gehen. Ter Personenverkehr stockt gänzlich, höchstens zwei bis drei Passagiere befinden sich in den täglich mit Europa verkehrenden Schnellzügen. Rach einer Konstantinopeler Meldung ist seit Sonntag ber. Zugverkehr während ber Rächt auf der ganzen Linie ber serbischen Grenze von -Uesküb lbiS Saloniki eingestellt. Tie Ereignisse ber letzten Tage haben diese Maßregel not­wendig gemacht. Zwei Militärzüge, die.den bei Kopuelue aus- gehaltenen Zug begleiten sollten, wurden in Uesküb auf­gelöst, da durch bie allenthalben zerstörten Telegraphen­leitungen bie Züge unvorhergesehenen Gefahren preisge­geben sind.

In Sofia sind Privatmeldungen eingetroffen, wonach in der Nähe von Saloniki ein stark besetzter Per­sonenzug Von den Aufständischen in die Luft ge­sprengt ivorden ist, In dem Gefecht bei Perlepe wurden 2 00 Insurgenten getötet und 80 gefangen genommen. In ber Nähe Von Monastir befinden sich 300 Aufständische in einer bulgarischen K i r ch e. Dieselben wurden von den türkischen Truppen eingeschlossen. Der Sultan Verbot bie Beschießung christlicher Kirchen und ver­anlaßte den Exarcheu^ die flüchtigen Bulgaren zum Verlassen der Kirche aufzusvrbern. Ein entsetzliches Blutbad veranstalteten bie Insurgenten in Itschvvina, wo sie 800 Mohammedaner, darunter Frauen und Kin­der, t öt et en.

Im letzten Ministerrat in Konstantinopel wurde eine energische Aufnahme der Verfolgung der Insurgenten und die Wieberroerfung des Aufstandes mit allen militärischen Mitteln beschlossen. Die Kaufsum m e ber bei Krupp be ft eilten 192 Schnellfeuergeschütze und Munition beträgt 790 000 türk. Pfund. Die Pforte leistet eine An­zahlung von 44 000 Pfund und wird den Betrag im Laufe ber Woche mit 100 000 Pfund ergänzen. Die Geschütze müssen bis 1. Juli 1904. abgeliefert werden. Die ersten Batterien gelangen nach brei Monaten zur Ablieferung.

Aus Stadl mid Land.

Gießen, den 18. August 1903.

** Hessisch-Thüringische Staatslotterie. Bei der heutigen Ziehung der 5. Klasse fiel die Prämie von 60 000 Mk. auf Nr. 84743, welche zuletzt mit 300 Mk. ge­zogen wurde (nach Darmstadt). Ferner fiel ein Gewinn von 40 000 Mk. auf Nr. 94932 (nach Alzey), ein Gewinn von 20 000 Mk. auf 9ir. 86869 (nach Dornburg), ein Gewinn von 10 000 Mk. auf Nr. 6711 (nach Bensheim), ein Ge­winn von 5000 Mk. auf Nr. 37871 (nach Worms), zwei Gewinne von je 3000 Mk. auf Nr. 32745 (nach Mainz), 14112 (nach Neu-Isenburg), drei Gewinne von je 2000 Mk. auf Nr. 23927 (nach Bernburg), 43575 (nach Darmstadt), 99791 (nach Mainz), Gewinne von je 1000 Mk. auf Nr. 22386 (nach Darmstadt), 27060 (nach Weida), 32822 (nach Darmstadt), 47453 (nach Worms), 50093 (nach Offen­bach), 50522 (nach Babenhausen), 75221 (nach Bückeburg), 94045 (nach Darmstadt), 96386 (nach Schmardau), 96891 (nach Alzey). Ohne Gewähr.

** Erwischter Betrüger. Jener Gauner, der im Februar b. I. auch hier in Gießen sein Wesen trieb und durch sein gelvandtes, sicheres Auftreten mehrere hiesige Firmen in genau ber gleichen Weise wie unten näher ange­geben um nicht unbeträchtliche Summen beschwindelte, fiel nun endlich in die Hände der strafenden Gerechtigkeit, nach­dem er bis dahin vergeblich steckbrieflich verfolgt worden war. Alan schreibt uns dazu aus ber Pfalz: In Heidelberg wurde dieser Tage ein Schwindler verhaftet, der in ganz Süd- und Mitteldeutschland fein Unwesen trieb und gar manchem Ge­schäftsmann in unangenehmer Erinnerung ist. Der Herr treibt eine ganz eigenartige Spezialität: Er kommt zu Geschäfts­leuten, macht ihnen plausibel, daß er eine Zeitungsmappe herstelle, die zu billiger zugkräftiger Reklame Gelegen­heit biete. Erhält er Zusage, so läßt er bie Annonce gleich