in einer Druckerei so Herstellen, daß er den Auftraggebern einen Probeabzug bringen und — was die Hauptsache dabei ist — den vereinbarten Betrag einkassieren kann. Damit ist dann seine Tätigkeit beendet, in einer anderen Stadt macht er es wieder so oder in ähnlicher Weise. So wird er jetzt überall wegen seiner Taten sehr gesucht. In Kaiserslautern hatte man ihn im letzten Winter verhaftet, er verstand es aber, mit einem Einbrecher namens Schworm von Mainz, der wieder verhaftet und zu fünf Jahren Zuchthaus verurteilt wurde, auf ganz raffinierte Weise auszubrechen. Der ' Schwindler heißt Marx, auch Friedrich Witte, ist etwa
30 Jahre alt, aus Hannover, er führt jedoch, wie es sein Handwerk verlangt, die verschiedensten Namen: van Delden, Mangert (so nannte er sich auch hier), Wiesbold, Löhr, ! Junkermann, Zimmermann 2c.
+ Schotten, 17. Aug. In dem Lehrerheim »Vogelsberg" findet am Ludwigstag, 25. August, wieder, : wie alljährlich, eine Lehrerkonferenz statt. Der als Dichter in den Kreisen der Lehrer bekannte Hauptlehrer Storch aus Butzbach wird einen Vortrag halten: „An den Ufern des Rheines und der Mosel".
Mainz, 18. August. (Originaltelegr. d. Gieß. Anz.) Die Stadt Mainz bewilligte, wie schon im Jahre 1897, wieder 10 000 Mk. für die Ueberschweminten n Schlesien.
1. .Wehrheim im Taunus, 17. Aug. Die vor etwa zwei Jahren mit einem Kostenaufwand von über 100 000 Mk. erbaube W asserleitung liefert nicht genug Wasser, sodaß getz^nwärtig wieder mit bedeutenden Kosten eine Erweiterung der Quellfassung ausgeführt wird. Der neue Stollen geht mehrere hundert Meter weiter in den Berg bis zur Grenze des Ober-Nosbacher Waldes. Die Quellen liegen am Pfahlgraben in der Nähe des Römerkastells Kapersburg.
Vermischtes.
* Berlin, 17. August. Gestern nachmittag zwischen 6 und 7 Uhr wurden auf dem Müggelsee infolge starken Sturmes drei Boote mit insgesamt 17 Insassen, sämtlich Mitglieder von Ruderoereinen, zum Kentern gebracht, sodaß die Insassen ins Wasser fielen. Dieselben konnten teilweise nur mit großer Mühe gerettet werden. .
* Stettin, 17. Aug. Heute in aller Frühe fand auf dem Papenwasser ein Zusammenstoß der beiden Personendampfer „Sedan" und „Ueckermünde" statt. Der erstere war auf der Fahrt von Swinemünde nach Stettin, der letztere auf der Fahrt von Stettin nach Ueckermünde. Die Kollision war durch ein Mißverständnis verursacht und rief eine große Panik unter den zahlreichen Passagieren der beiden Dampfer hervor. Sie hatte keinen nennenswerten Schaden im Gefolge. Personen sind nicht verunglückt.
* Stall upönen, 17. Aug. Die „Ostd. Grenzb." melden: Infolge vorzeitiger Umlage der Weiche entgleiste gestern abend im Bahnhof Groß-Rominten der um 10 Uhr hier fällige Goldaper Personenzug. Menschen sind nicht verunglückt, dagegen ist der Materialschaden bedeutend. Da die Maschine mit den entgleisten Wagen die Strecke sperrte und von Goldap keine Hilfe gebracht werden konnte, mußten die Reisenden bis zum Eintreffen eines Ersatzzuges aus Insterburg, der erst in später Nacht auf der Un- fatlstelle eintraf, in Groß-Rominien liegen bleiben. Gegen halb 3 Uhr nachts konnten die Passagiere ihre Reise fort- ietzen. Der Schuldige ist ein Hilfsweichensteller.
* Braunschweig, 17. Aug. Amtlich wird mitgeteilt: Von den 496 Kindern, welche an einem Waldspiele teilnahmen, sind bis jetzt 201 erkrankt, ferner sind 28 Typhuserkrankungen Erwachsener ängemeldet. Gestorben sind bis jetzt zwei Kinder und ein Erwachsener. Da in den letzten acht Tagen sehr wenig neue Fälle angemeldet sind, ist anzunehmen, daß die Epidemie im Erlöschen begriffen ist. Nach der amtlichen Untersuchung wird mit aller Wahrscheinlichkeit der Ursprung der Seuche auf eine in der zweiten Juliwoche vorgekominene Milchinjektion zurückzuführen sein.
♦ Bremen, 17. Aug. Von der Rettungsstation Rü- genwaldermünde wird der deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger telegraphiert: Am 17. Augst wurden von der unweit des Hafens gestrandeten holländischen Kuff „Fünf Gebroeder'', Kapitän Kajuiter, mit Eisenbahnschwellen von Danzig nach Bandholm bestimmt, sechs Personen durch den Racketenapparat der Station gerettet.
'Chemnitz, 17. Aug. Zu dem Eisenbahnunglück bei Rothenkirchen wird noch gemeldet, daß die Zahl der Toten 5 und die der Schwerverletzten 36 beträgt. 34 Personen wurden leicht verletzt. Das Unglück ereignete sich an einer Kurve nahe der Station Rothenkirchen auf freier Strecke. Die Lokomotive stürzte den Zwei Meter hohen Damm hinab und blieb in einem Haferfeld liegen, -^er Zug bildete einen großen Trümmerhaufen. Die Verunglückten sind Mitglieder eines Gesangvereins, welche einen Ausflug nach dem Kuhberg unternommen hatten. Es waren etwa 70 Personen, welche gegen 9 Uhr die Heimfahrt antraten. Nachdem sie etwa 5 Minuten unterwegs waren, erfolgte das Unglück. Lautes Stöhnen und Hilferufe erschallten. Trotzdem die Rettunasarbeitcn sofort in Angriff genommen wurden, kam man infolge der herrschenden Dunkelheit nur langsam vor- road§.' Helsingfors, 17.Aug. Das oberste Dcch eines Schnelldampfers, welcher mit einem schiff im Schlepptau Kirchenbcsuchcr nach den umliegenden Dörftrn bringen wollte aab unter der Last der angesammclten Menschen nach und die Menge stürzte in den See oder auf unten befindliche Personen. 30 bis 40 Personen sind tot, viele schwer ""^'rederikshavcn, 17. Aug. Zwei deutsche Studenten Zobel nnd Hasstenaeg, welche am 29. Juli von SItenbat in einem kleinen Segelboot nach Skagen absegelten, kamen dort nicht an. Die Eltern dxr Studenten setzten durch das deutsche Konsulat Belohnungen für Nachrichten über den Verbleib ihrer Söhne aus.
. Bonbon,17.Slug. Ein furchtbarer Sturm wütet iin Kanal. Dieser geht sehr hoch und alle Postdanipfcr kommen mit Verspätung an. Mehrere erlitten Havarien.
• Rom, 17. Auglist. In Spezia fand gestern anläßlich der Marine-Manöver ein Unfall statt. Die Brücke emcr
Badeanstalt, auf der sich zahlreiche Personen befanden, die dem Schauspiele beiwohnen wollten, stürzte ein, wobei 5 0 Personen in dasWasser fielen. Glücklicherweise konnten alle gerettet werden, doch war die Panik eine ungeheuere.
* Palermo, 17. Aug. Die Schwefelgruben von Caltanisetta stehen in Brand. 30 Arbeiter sind durch die ausströmenden Gase verunglückt. 15 sind tot, die übrigen befinden sich in Lebensgefahr.
* Zürich, 17. Aug. Seit gestern nacht sind die Berge bis zu 1900 Meter herauf in Schnee gehültt. Das Observatorium auf dem Säntis meldet Neuschnee von 24 Centimeter Höhe und 3 Grad Kälte. Am Pilatus steht das Quecksilber auf 0. Ein eisigkalter Wind weht auf den Höhen. Die Berge sind in schwere Wolken gehüllt.
* Innsbruck, 17. August. Der 38 jährige Georg Greiß aus Würzburg ist von der Passair-Spi tze ab- g e stürzt und war auf der Stelle tot. — Der 17 jährige Bildhauer-Lehrling Hüter aus Hall ist beim Uebergang vom Hubai-Tale nach Sellrain abgestürzt und wurde schwer verletzt.________________________________________
Kunst und Wissenschaft.
— Die literarische Hinterlassenschaft Sweben- borg's. Auf Veranlassung der Akademie der Wissenschaften in Stockholm wurde eine Prüfung der ungedruckten Manuskripte des schwedischen Theosophen Swedenborg, die sich un Besitz der Akademie befinden, vorgenommen, wobei sich ergab, datz sie einen hohen Wert haben und zum Teil Dinge enthalten, die erst der helltigen Wissenschaft bekannt sind, namentlich ist dies in dein Studium über die Anatomie des Gehirns der Fall. Mit Rücksicht auf den Wert der Manuskripte hat sich die Akademie zu einer Drucklegung entschlossen, und zwar soll der Anfang nut zwei Bänden über Geologie und Hosmologie gemacht werden. In Amerika hat sich eine Gesellschaft gebildet, die das Studium der wissenschaftlichen Schriften Swedenborgs bezweckt und einen Gelehrten nach Schweden schickte, der die dortigen Archive und Bibliotheken durchforscht. Swedenborg ist int Jahre 1688 in Stockholm geboren und starb 1772. Er war Assessor im Bergwerkskollegium und ist als Theosoph in der ganzen Welt bekannt. Aber erst der Gegenwart blieb es vorbehalten, die Bedeutung seiner wissenschaftlichen Arbeiten festzustellen.
Gerichtssaal.
P a r i s, 17. Aug. Der Humbert-Prozeß wird allmählich langweiliger; das Ergebnis der Schwurgerichtsverhandlungen über die Affäre ist nach Abschluß der ersten Woche sehr gering und wird es allem Anschein nach auch bleiben. Heute mittag wurde die Zeugenvernehmung wieder ausgenommen. Der ehemalige Syndikus der Rente viagöre, Bacher, sagt aus, daß alle Rentengläubiger dieser Gesellschaft bezahlt werden würden. Therese Humbert erklärt, daß sie selbst sie bezahlt hätte, wenn man sie hättte gewähren lassen. Bacher bestreitet diese Behauptung und fügt hinzu, daß keine ordnungsmäßige Buchführung bestanden habe. — In der fortgesetzten Verhandlung sagt Boussat, Angestellter der Humberts, aus, da,st Romain und Fredäric li/2 Stunden lang Papiere verbrannten. Der Po- lizeikommissar France schildert die angestellten Ermittel-^ ungen, die Flucht Humberts und ihre Verhaftung in Madrid. Therese Humbert erklärt, sie habe sich am 8. Mai 1902 in Bordeaux aufgehalten, um dort jemanden zu sprechen und wegen ihrer Wertpapiere nach Paris zu telegraphieren, denn diese seien niemals aus Paris fortgeschasst worden. (Unruhe.) Dieser jemand sei aber nach Madrid gereist. So sei auch sie, ohne weiter zu überlegen, dorthin gefahren. Sie würde Paris nicht verlassen haben, wenn sie nicht geglaubt hätte, dorthin sofort wieder zurückkehren zu können, denn sie habe nichts ziu» befürchten. Sie sei keine Abenteurerin, wie die Blätter behaupteten. „Wenn", so fährt Therese Humbert fort, „die Crawfords nicht hierherkommen und die Wahrheit sagen, wenn sie die Wertpapiere, die mir gehören, nicht herbringen, will ich alles sagen, sobald der Staatsanwalt gesprochen hat." Frau Humbert bemerkt, daß sie in Madrid geblieben sei, ohne sich zu verstecken. Sie sei nur deshalb nicht nach Paris zurückgekehrt, weil man dort jedermann verhafte. Sie sei in Madrid wiederholt zwei Leuten begegnet, die ihr seit ihrer Abreise Ms' Paris gefolgt seien. Sie sei mehrmals mit einem Herrn Patenotre zusammengetroffen, der sie begrüßt habe. Die Regierung habe stets gewußt, wo sie mit ihrer Familie war. Fräderic Humbert bestätigt chre Aussagen. — Auf Antrag des Verteidigers wird der Unter- suckMngsrichter Lehdet vernommen, der jedoch unter Hin- weis auf das Amtsgeheimnis trotz des Widerspruchs Lo- boris die Aussage verweigert. Es werden sodann G^richts- schreiber Taffanel und die Untersuchungsrichter Ponceet und Lemarcier verhört, die zugeven, daß bezüglich der Aussage des Anwalts Dubuit eine Unregelmäßigkeit des Verfahrens begangen wurde, aber diese Aussage sei vor der Verhaftung der Humberts gemacht. Der nächste Zeuge ist der Polizeipräfekt Lepine, dem Frau Therese eine Reihe Fragen stellt. Erinnern Sie sich, daß ich Sie besuchte, um Schutz gegen eine Frau Gujard zu erbitten, die mich bedrohte, und daß ich Ihnen damals Wertpapiere im Betrage von dreiviertel Millionen zeigte? Lepine antwortet: Wenn das wahr wäre, würde ich mich erinnern, aber es ist )ia)cc nicht wahr! Frau Therese fragt weiter: Sind Sie nicyt in unsere Wohnung gekommen, 'Ml Erkundigungen einzuholen über meine Absicht, eine große, anständige Zeitung zu gründen? (Heiterkeit.) Le- pine: Das ist wahr. Ja) bin ein einzigesmal zu Humberts gegangen, um ihnen einen in Unglück geratenen Bekannten als Redakteur zu empfehlen. Frau Therese:..Haben Sie nicht nach meinen Prozessen und der Rente viagere gefragt? Haben Sie sicy nicyt auch über die Politiker bei mir erkundigt? Lepine: lieber wen zum Beispiel? Therese: Hefter Waldeck-Rousseau. Lepine bestreitet alle diese Fragen mit großem Nachdruck. — Die letzten Entlastungszeugen geben noch; Auskunft über das Vorleben der Angeklagten, besonders Fredorics, und die Zeugenliste ist erschöpft. Der Präsident weist die Geschworenen darauf hin, daß sie über das Vorliegen von einer Urkundenfälschung zu entscheiden haben und daß die Strafe, die darauf steht, 5 bis 20 Jahre Zwangsarbeit oder mindestens 2 Jahre Gefängnis ftei mildernden Umständen beträgt. Frau Therese hält eine neue Ansprache, woraus hervorgeht, daß sie vielleicht schon morgen ihr „großes Geheimnis" enthüllen will. Darauf wird die Verhandlung für die Rede des Staate anwalts auf morgen vertagt.
Iiäder.
Wiesbaden, 17. August. Die Zahl der bis zum 16. August hier angemeldeten Fremden beträgt 82 325; 31 441 zu längerem Aufenthalte angemeldete Fremde und 50 884 Passanten. Der Zugang in der letzten Woche beträgt 4091 Personen; 1222 zu längeren: Aufenthalte angemeldete Fremde und 2869 Passanten.
Kandel und Verkehr. Volkswirtschaft.
Berliner Börse vom 17. August 1903.
(Mitgeteilt von der Bank für Handel und Industrie, Gießen.) Privat-Diskont 33/8 Prozent.
Anfangs- u. Schlußkurfe.
Lest. Kredit.... 206.80 207.00
Deutsche Bank . . . 211.80 212.12
Darmstädter Bank . . 136.30 136.30
Bochumer Guß . . . 182.25 182.30
Harpener Bergbau . . 179.25 179.40
Schluß-Tendenz: behauptet.
Märkte.
Gießen, 18.Aug. Marktbericht. Auf heutigemWocftenmarkt kosteten: Butter pr. Pfd. 3,00—1,20 Mk., Hühnereier 1 St. 0—0 Pfg., 2 Stck. 14—15 Pfg., Gänseeier 12—13 Pfg., Enteneier8—0 Pfg., Käse vr.Stck. 5—8 Pf., Käsematte2 Stck. 5—6Pfg., Erbsen pr.Liter 2bPfg., Linseitpr. Liter 32 Pfg., Tauben pr.Paar O,7O—0,90Mk., Hühner pr. St. 1,20—1,70 Mk„ Hähne pr. Stück 0,70—1,10 Mk., Enten pr. Stück 1,80—2,00 Ack., Gätlse pr. Psd. 00—00 Pfg., Ochsenfleisch pr. Psitud 68—78 Pfg., Kuh- und Rindfleisch pr. Pfund 60—66 Pfg., Schweinefleisch pr. Pfund 66—76 Pfg., Schweinefleisch, gesalzen, pr. Pfund 80 Pfg., Kalbfleisch pr. Pfd. 68—74 Pfg., Hammelfleisch pr. Pfund 56—74 Pfg., Kartoffeln pr. 100 Kgr. 8,00—00,00 Mk., Weißkraut per Stück 00—00 Pfg., Zwiebeln pr. Zentner 6,50—7,00 Mk., Milch per ^iter 18 Pfg. Kirschen per Pfd. 3q—40 Pfg., Aepfel per Pfd 0—00 Pfg., m Körben 00—00 Pfg. Trauben 00—00 Pfg.
Arbeiterbewegung.
Rio de Janeiro, 17. Augusl. Zwanzigtansend Fabrikarbeiter siitd in den A usstand getreten. Sie oer= langen den achtstündigen Arbeitstag und Lohnaufbesserung.
Kandwirtschast.
Schlitz, 16. August. In den Gemeinden Sandlofs, Queck und Langenjchivarz hat ein Händler aus Köln über 200 Zentner Heidelbeeren von Beerensammlern eingekauft. Es wurde für das Liter 8 Pfg. bezahlt.
Neueste Melbungen.
Originaldrahtmeldunger: des Gießener Anzeigers.
Mainz, 18. Aug. Wie bestimmt verlautet, wird der Kaiser am 24. August zur Truppenschau nach Mainz kommen.
Berlin, 18. Aug. Nach einer Budapester Depesche des „Bert. Tgbl." erregt die gestern abend bekannt gewordene Liste derjenigen Parlamentarier, die der Monarch um ihre Meinung befragen wird, größtes Aussehen, weil in derselben nicht nur sämtliche Gruppen der liberalen Partei, sondern auch der Präsident oer tlerikalen Volkspartei Graf Zichy enthalten ist. Die Liste weist folgende Namen auf: Graf Csaky, Graf Apponyi, Graf Julius Szapari, Wekerle, Baron Banffy, ferner ivste Abgeordneten Stefan Tisza, .Hieronymi, Gras Julius Andrassy, Hodossy, Graf Karolyi. Int liberalen Klub herrscht vollständige Unsicherheit. Die aus der Provinz zurückgekehrten Abgeordneten berichten, daß die Stimmung überall oppositionell sei und ohne Konzessionen sämtliche Wahlbezirke sich gegen die Regierung wenden werden. Man hält es für unwahrscheinlich, daß das persönliche Eingreifen des Kaisers, der morgen hier eintrifft und bis Ende ves Monats hier verbleibt, die vorhandenen Schwierigkeiten beseitigen werde. Die im Vordergründe stehenden Parlamentarier, darunter auch Wekerle und Graf Csaky, werden kaum einen etwaigen Auftvag znr Kabinettsbildung ohne nationale Zugeständnisse übernehmen wollen.
Dresden, 18. Aug. Die Führerinnen der internationalen Frauenbewegung halten hier gegenwärtig geheime Beratungen ab. (Was soll's da wohl geben?)
Straßburg, 18. Aug. Anläßlich des Gedenktages von Mars la Tour ist es jenseits der Grenze zu einer deutsch-feindlichen Demonstration gekommen. Der Abgeordnete des Departements Meurthe et Moselle hielt am Denkmalsplatze eine Ansprache, die sich gegen Deutschland richtete.
London, 18. August. Die Nachrichten über das Befinden Salisburys stellen fest, daß sein Zustand unverändert ist. Salisbury leidet an einer Nieren-Erkrankung, zu welcher Wassersucht hinzugetreten ist.
Cham'ounix, 18, Aug. Sieben Tou risten, welche den Mont Blanc besteigen wollten, find verschwunden. Man hat die Hoffnung aufgegeben, sie lebend wiederzufinden.
Wien, 18. Aug. König Eduard trifft am 31. ds. in Wien ein. Der Kaiser und der Erzherzog werden den König auf dem Franz-Josephs-Bahnhofe begrüßen. Abends findet ein Prunkmal, am 1. September eine Festvorstellung in der Hofoper, am 2. September ein Jagdausflug in die Wiener Umgebung und abends eine Festvorstellung im Burgtheater statt. Am 3. September erfolgt die Abreise nach London.
Sofia, 18. August. Da wegen der Ereignisse in Macedonien die Stimmung im Heere wie in der Zivil-Bevölkerung immer kriegerischer wird, hat der Ministerrat den F'ürsten Ferdinand dringend ersucht, sofort zurückzukchren, da seine Anwesenheit angesichts der Lage unbedingt notwendig sei.
Sofia, 18. Ang. Tie Regierung hat für heute 12 Reservcklassen der beiden Divisionen Philippopel und Sliven, 30 000—40 000 Maun ein berufen, angeblich zu einer dreiwöchigen Uebung. Die Blätter fahren fort, zum Kriege zu Hetzen.
Konstantinopel, 17. August. Hiesige maßgebende Kreise sehen in der Entsendung des russischen Schwarzmeer g e s ch w a d e r s in die türkischen Gewässer durchaus nichts Bedrohliches.
L. Washington, 18. Aug. Das Staatsdepartement erhielt Nachricht, daß die deutsche Negierung Sachverständige nach den Vereinigten Staaten von Nordamerika, Großbritannien, Oesterreich und der Schweiz entsendet, um die Lage und die Verhältnisse von Handel und Gewerbe in diesen Ländern zu ftu Vieren.
TeSegÄhowäscä-aer Kursbericht.
3*/g% Reichdauleihe
3Z)/o do. . .
31/,% Konsole . . .
3% do.....
3’/2% Hessen . . .
31/1% Oberhossen . .
4% Oesterr. tioldrente .
4‘/6% Oesterr. Silberrento 4% Ungar. Goldrente .
4% Italien. Kente . .
4V3% Portugiesen . .
3°/ Portugiesen. . . .
1% C. Türken . . .
Türkenlose.....
4% G riech. Monopol-Aal. 47a% äussere Argentiner
. 101.70 । 3 Vu Mexikaner
. 90.05 41/2V0 Chinesen
. 101.25
. 90.00
. 100.60
. 100,20
Electric. Schuckert .
Nordd. Lloyd . .
Kredit aktien . . . Disken to-Kommandit,
. 102.90 Darmstadter Bank .
100.90 . 100.80 . 103.20 . 49.40 . 31.00 . 35 01 . 130.00
' 44.00
41.00
Dresdener Bank . . . Berliner Handelsges. Oesterr. Staatsbahn . . Lombarden .... Gotthardbahn .... Laurabütte.....
Bochum ... ... Harpener.....
Tendenz: schwach.
. 26.70 . 92.25 . 94.40 . 100 00 . 206.10 . 186.80 . 136.00 . 146.90 . 153.30 , 142.30 . 16.50 . 190.00 . 224.25 . 181.50 . 179.20


