baß nach 100 Ja Hirn russischer Herrschaft die „bTennenbe Feindschaft der polnischen Gesellschaft Nußlanb gegenüber nicht nack-gelassen habe.
Namentlich habe sich die Schule zu einer Nährmutter der feindlichen Gefühle heranSgebilbet, und zwar besonders unter dem Einfluß des verstorbenen AMchtin. Tie polnischen Lehrer seien von Apuchtin fast vollständig aus der Schule ausgeschlossen unb durch russische Lehrer erseht worden. Ta man aber bei der Auswahl der russischen Lehrer welliger auf ihre Pädagogischem Fähigkeiten geachtet Lhabe als auf ihre Bereitwilligkeit, sich dem von Apuchtin bevorzugten System anzupafsen, so sei eilt Lehrpersonal zu- fanunengebracht worden, dsa nicht nur pädagogisch, sondern auch in elementarster moralischer Hinsicht umer jeder Kritik stehe. Es herrsä-e die s ch a m l o s e st e B e st e ch l i ch - leit. Es gebe Gymnasien, in denen man ohne Bestechung des Direktors weder hinein noch hinaus« kann. Der Berichterstatter bezeichnet ein solches „ErziehungS"-Jnstitut und seinen Direktor mit vollem Namen und bringt auch andere Beispiele bei. Man kann sich vorstellen, in welchem Ansehen diese „Erzieher" bei ihren Zöglingen stehen und welches Murß von Groll und Erbitterung sich im Herzen der Schüler ansammelt, wenn diese „Erzieher" sich auch gegen oie patriotischen und religiösen Gefühle der Polen wenden. Die Empörung, die in der Schule erzeugt wird, kommt bann an der Universität zum Ausbruch
Schon vor 20 Jahren hat ein polnischer Student den damaligen Kurator Apuchtin öffentlich ge- vhrseigt. Die russische Regierung hat aber die syrn- bolisch-e Bedeutung dieses Aktes nicht verstanden unb statt Apuchtin abzuberusen, hat sie ihn durch eine Ordensverleihung ausgezeichnet und ihn durch die Spitzen der Regierung (Pobjedonoszew, Wannowski re.) als Märtyrer der russischen Ideen feiern lassen Der Leiche Apuchtins gaben die in Warschau studierenden Russen, den Kranz der Uni» versität tragend, feierlich das Geleit und sangen dabei russische Kirchenlieder; als aber der Leichenzug bei der Universität vorbeikam, ließen die polnischen Studenten Pjisfe ertönen, was den Anlaß zum Einschreiten der Polizei und dann zu den weiteren Unruhen gab.
Auch bie Petersburger ^tmencenschast ist wieder in lebhafter Bewegung begriffen. Den unmittelbaren Anlaß dazu gaben der Selbstmord eines Primaners an einem Petersburger Gymnasium und die Nachrichten aus Somsk von einem brutalen lieber fall der Kosaken auf die dortigen Studenten, die in ähnlicher Weise nieder gepeitscht worden sind, wie tue Petersburger Studenten im Jahre 1901 (bei der Demonstration auf dem Kasanski-Pratz). Ter Primaner hat feinen Kameraden einen Brief hinterlassen, worin er sie zmn Kampfe für bessere Zustände auf fordert; er selbst habe, wie er in dem Briese angibt, die jetzigen Zustände nicht länger ertragen können unb gehe deshalb in den Tod. Ein paar Tage vorher waren zwei junge Mädchen, Zuhörerinnen der Petersburger Frauen kurse, überein- ae komm en, freiwillig aus dem Leben zu scheiden, weil sie das „Nichtsein" dem gegenwärtigen russischen Dasein vorgezogen. Diese Fälle offenbaren einen Seelenzustand in der russischen gebildeten Jugend, der Vie größte Beachtung verdient Es sind in der Tat keine Einzelerscheinungen, sondern Symptome einer weitverbreiteten Stimmung, darauf weist ja auch der Widerhall hin, den der Bries des Primaners in der Petersburger Studentenschaft gefunden hat.
Flk Säagerjchlucht in NieSer-ZioHönch vor Gericht.
L. Friedberg, 15. Dez.
Ein recht unmoderner Sängerkrieg und je ine Folgen wurden heute vor dem hiesigen Schöffengericht verhandelt. Aus der ganzen Umgegend waren Neugierige in Masse hierher gekommen, und ein Zeugenapparat von nahezu 40 Personen war aufgeboten, die sich aus sechs verschiedenen Ortschaften um Friedberg rekrutierten, und 14 Angeklagte, sämtlich aus Ober-Wöllstadt zierten die An- llagebank. Ten Dorsch führte Oberamtsrichter Warthorst, während die Angeklagten durch die Rechtsanwälte Schröder und Fischer-Fried berg, sowie durch den G.eßener Rechtsanwalt Katz verteidigt werden. Ankläger ist von der Staatsanwaltschajt Assessor Meyer. Ter Anklage liegt sol«- aenDer Sachverhalt zu Grunde: Am 12. Juli 1903 feierte Der Gesangverein ,Lceberkranz" zu Nieder-Msbach bei Friedberg seine Fahnenweihe. Unter den auswärtigen Vereinen, die zum Feste er.chienen waren, befanden sich auch die beiden Gesangvereine „Eintracht" unb „Germania" aus Ober-Wöllstadt. Als gegen abend ein Gewitter loszubrechen drohte, leerte sied der Hcstptatz urw die Gäste verteilten sich in die Wirtschaften im Ort selbst. Ter Gesangverein „Eintracht kehrte in die Wirtschaft „Zum grünen Baum" ein, wo er einige Lieder sang. Mcht Lang Danach kam auch die „Germania" in dasselbe Lokal unb gab einige Proben ihres Könnens, bie aber am Schlüsse einen Tispul unter den eigenen Mitgliedern hervorriesen. Dieser Disput artete infolge der erregten Gemüter in Tätlichleiten aus, unb als ber Wirt Simon Ruhe schaffen wollte, wurde er mißhanbelt. Ter Wirt flüchtete hinter fein Büffet unb ergriff einen Gegenstand, um sich zu verteidigen, doch wurde er hinter dem Büffet yervorgezerrt uno weiter mißhandelt; ebenso erging es dem Bruder des Wirts und dem Kellner, die beide helfen wol-lten. Ein 67 jähriger Mann, ber einen ber Streitenden zur Ruhe ermahnte, wurde ebenfalls mißhandelt, worauf sich dessen Söhne auch am Strecte beseitigten. Gläser flirrten, Stühle unb Bänke wurden umgeworfen und die kämpfende Masse drängte sich bis in die Ho fr arte. Dort erhielt ber Lano- wirt Rullmann aus Rodyecm, unschuldigenveife mehrere Stiche. Nachdem dieser Streit ein wenig nachgelassen hatte, brach ein heftiges Gewitter los, wobei der Blitz zweimal zündend ein.chlug^ unglüälicherweise sogar in ein Neben- Haus, wo ber Stampf pausand. Ruse wurden laut: „So recht, versengen unb verbrennen muß alles:" Ein kleiner Brand, der ausgebrochen war, konnte aber oyne Mühe gelöscht werden. Umeibeifen erschien die Ortspouzei, doch zu |ujwaa> war deren Gewalt, und auch sie blieb von Mißhandlungen nicht ver,chont. Rückwärrs gehend mußten bie Ober-Wollstädter Sangesbrüder bann jpüier den Ort verlassen uno hierbei entbrannte der Kampf von neuem. Tie wildesten Kriegsrufe der Barbaren durchhallten die Finsternis und schauerlich klang es in den Ohren: „Messer heraus!" „Ihr müßt sterben!" „Ich schneide Euch die Hälse ab!" Mit Steinen wurde geivorsen, mit Stöcken und Knütteln wurde ge,chlagen uno selbst ein Brecheisen spielt eine Rolle. Ter Peter Cuutz aus NieDer-Rosbach wurde mehrmals gestochen und blutige Kopse gab es in Fülle. — So endete der Festtag am 12. Juli... — Tie heurige Vernehmung der AngeUaaten und ber Zeugen dauerte den ganzen Taa mit emer Unterbrechung von zwei Stunden. Ern großer Teil ber Zeugen wurde Nicht ver-
eibigt Als arn Abend die Veweisanfnahme geschlossen wurde, erklärte der Gerichtshof, daß die Verhandlung auf Donnerstag mittag 2 Uhr vertagt sei. Alsdann werden die Plaidoyers der Verteidig-er, sowie des Staatsanwalt- Vertreters stattfinden. Sicher ist, oaß die Haupiangetlagten einer empsindlick-en Bestrafung entgegensehen, da sie zumeist schon Borprasen haben. Aus die Urteilsv-erlündigung ist man sehr gespannt, denn politische Zwiftigteiten, von der letzten ReichsLägswahl herrühceno, sollen die eigentliche Ursache des „Sängerkrieges" gewesen sein.
Icr ZSuhlürawüil von KurggräsenioSe vor vrr StralLammer.
Gießen, 16. Dez.
Tie Ereignisse, die am 16. Juni L I. aus Anlaß ber Reichstagswahl in Burggräfenrode (Kreis Friedberg) sich abspiellen, haben schon Des öfteren die öffentliche Meinung beschäftigt, unb finb — wie es bei einer politischen Affäre kaum anders zu erwarten ist — durch ber Paneien Haß und Gunst entstellt den Lesern politischer Tageszeitungen geschildert worden. Nach einer sehr eingehenden gerichtlichen Voruntersuchung hat nun die schöfsengericht- liche Verhandlung zu Friedberg sowie die gestrige Verhandlung vor der hiesigen Strafkammer die Sache insoweit geklärt, baß wenigstens über Veranlassung, Verlauf unb Umfang der am Abend nach, ber Wahl verübten gröblichen Ausschreitungen kaum ein Zweifel mehr besteht, wenngleich eine Anzahl Schuldiger dadurch ber verbleuten Be- lirafung entging, daß ihre Persönlichkeit infolge der bei Begehung der strafbaren Wandlungen herrschenden Dunkelheit nicht mehr festgestellt werden konnte, ober daß die durch ParteUeidenschast in weitgehendem Maße beeinflußten Zeugenaussagen unlösbare BÄderfprücl)e ergaben, infolge deren Freisprechung erfolgen mußte.
Am Abend des 16. Juni L I. befanoen sich, in Burggräfenrode nach Beendigung der Reichstugswahl bie Anhänger der sozialdemokratischen Partei in ber Wirtschaft von Johannes Kohl, während bie Anhänger der national- liberalen Partei ihren Wahlsieg in der Wirtschaft von Philipp Dörr Witwe feierten. Der Wahlkampf war mit ungemeiner Erbitterung auf beiden Seiten geführt worden, und in jeder der genannten beiden Wirtschaften waren etwa 30 Mann anwesend, wohl sänrtliche Wcchlberechtigte Der ungefähr 500 Einwohner zählenden Gemeinde. Um 11 Uhr begaben sich die älteren Männer aus der Kohl- schen Wirtschaft nach Hause und gegen halb 11 Uhr verließ auch eine Reihe junger, noch nicht wahlberechtigter Leute bie Wirtschaft. Es mag kurz baraus gewesen sein, als an bie Fensterläden der Dörr Aschen Wirtschaft ge- jchlagen wurde und Schnrährufe wie Schmarotzer unb ähnliche Ausdrücke laut wurden. Gleichzeitig flogenRusiensteiire, Lattenstücke und ähnliche Wurfgeschosse in den Dörr scheu Hof. Darunter befand sich auch ein Zinkeimer, ber nachgewiesenermaßen aus der Kohl sck)en Wirtschaft mitgenommen worden war und zum Tragen der von einem Neubau mitgenommenen Russensteine gedient hatte. Auf Grund dieser Tatsachen stellte bas Gericht fest, dr.»ß die Ausschreitungen nicht nur nicht durch die nationaUiberalen Mitglieder des Kriegervereins Burggräfenrode hervorge- rufen, gescl-weige Denn im Voraus geplant worden sind, wie ein sozialDemokratischer Ag.tator bchaup.et h^t.e, sondern daß im GegenteU ber rüde Angriff ausging und mit Ueberlcgung ausgeführt wurde v.n politisch unreifen Parteigängern der Sozialb emokr a- tie. Durch diesen Angriff waren nun verschiedene Personen verletzt Nwioen, unter anderen ha.te der z. fällig im Torr scheu Hose sich befindende I. K. einen Stein an Den Kopf erhalten, wodurch eine blutende Verletzung entstand. Dieser Tat dringend verdächtig et.scheint der Angeklagte B D. Schon in der Kohl jcheu Wirtschaft Waren, wie in erster Instanz festgestellt wurde, die Worte gefallen, ,cher Fuchs K. muß heraus", uttd D. hat später sich brüstend gesagt: „Dem habe ich aber eine gegeben." Indessen konnte mit Rücksicht auf Die Tatsache, daß viel Personen geworfen hatten und auch mehrere verletzt wor- oeu waren, nicht als festgestellt angesehen werden, daß D. gerade den K. getroffen oder uuzwei,eihaft mit seiner Bemerkung gemeint habe. Als K. den Steinwurf erhielt, ries er sofort um Hil,e. Diese Hilferufe fielen auf einen durch die Aufregung ber Wahl gut vorbereiteten Boden unb etwa 20 bis 30 Personen waren sofort bereit, an Den sie verspottenden und augreifeuben G.gueru Vergeltung zu übeiL Mau zog vor. Die Kohl'sche Wirtschaft unb ging zu einem entschieden stärkeren Angriff über. Tie oenstertäden wurden zertrümmert unb bie Scheiben ein geschlagen. Die Eheleute Kohl haben in ber Voruucersuchung aus gesagt, daß sie die Täter nicht erkannt hätten; heule erklärten sie im Widerspruch h.erzu, daß sie den I. F. K. gesehen hatten, wie er eine Scheibe eingeschlagen habe, Dagegen bekundeten eure Anzahl anderer Zeugen, daß dieser erst spater getonunen jei und eine Laterne (wie er selbst §ugiebt; eingchchlagerr habe. Da I. F. K. auch Haupl- belastuugszeuge in einer gleichfalls heute anstehenden Verhandlung gegen den Ehemann Kohl wegen Maje,tätsbe- leibigung ist, so kann den wider,precherrden Bekundungen keinen zur Verurteilung ausreichenoen Glauben be.gemessen werden. Auch die Aus;age d.S Zeugen K. M., der bei dieser Gelegenheit sich, von K. körperlich mißhandelt glaubt, muß als ein Irrtum angesehen werden, da K. nachweislich erst später tarn.
Nun nicht ^pmug, zog man vor die Wohnung der Eheleute St., eimr adel bcleumuiibeteu Famiue, weil mau in Deren beiden ältesten Söhnen wohl nicht mit Unrecht Die Urheber des Angriffs auf Die TiUr sche Wirtschaft vermutete. Tise erschnnen mit Sensen und Hacken bewaffnet; es kam zu einer Szene, unb es steht nur soviel fest, daß I. F. K. ber uye fr au ^t., Die sich ungemein wird gebärdete, mit einer Latte einen ^toß in den-Recken oerje^te, während ät. M. dem fast unbekleideten I. St. mit einem Stuhlbein, das er oci sich führte, einen Schlag auf Die Rückseite versetzte uno hierbei noch, of.euoar unoeubs.chägt. Die Ehefrau H. traf. Auch 91 SJJ1. war vorher durch einen Stein- wurs nicht unerheblich v.rle^.t worden, uno Der Tat überführt wird Der Soyn G. H., Der sich selbst seiner Tat mit Den Worten gerühmt hat: „Dem da neben (R. M. ist Nachbar) habe ich aber eins gegeben."
Es sind aljo vier Ang.t^gce, gegen welche in der Berufungsinstanz verhandelt wurde. Tas ^Ergebnis war — wie wir bereits mck^eilten. Den obigen Fe,i.fteU.ungeu entsprechend, das folgende:
1. Ter Angeiru.gte I. F. K. wird wegen Sachbeschädigung zu einer Geldferase von 150 Mk. ev. 30 Tagen Gefängnis, sowie wegen Körperverletzung der Eh.s.aa St. zu einer Looche Gestmgnis verurteilt, äugen Körperoerletzung des K. M. Wird er freigesprochen.
2. Ter Augekiagre dc. M. wiro wegen Körperverletzung des I. St. zu zwei Wochen Gefängnis und wegen fahr
lässiger Mrperverletzung der Ehefrau St. zu 50 Mk. Gcld-Ü strafe verurteilt.
3. Der Angeklagte G. St. Wirb wegen Körperverletzung des R. M. zu einer Woche Gefängnis verurteilt.
4. Der Angeklagte K. D. wirb mangels Beweises frei» gesprochen. Die Staatskasse trägt 1/4, bie drei Verurteilten 3/4 der nicht unerheblichen Koftem
Gegen fünf weitere Angeklagte war das den einzelnen zu Geldftrafen von 30 bis 100 Mk. verurteilende Erkenntnis des Schöffengerichts inzwischen rechlAkräftig geworden.
Ni'rmischles.
* Leipzig, 16. Dez. Eine Ehetragöbie mit schlimmskemAusgang hat sich heute nacht in der Sternwartenstraße abgespielt. Die 31 Jahre alte Fran des Schneiders Nowack betrog ihren Gatten, und als dieser Sie Ueberzeugung davon gewonnen hatte, schoß er die Frau nieder und verletzte sich durch Revolverschüsse so schwer, daß an seinem Auskommen gezweifelt werden muß. Die 11jährige Tochter der Eheleute, welche bei Verwandten übernachtet hatte, fand heute früh bei der Heimkehr die Mutter tot und den Vater nur noch schwach röchelnd vor.
• K0nstanz, 16. Dez. Oberstleutnant Malachow ski, Journalist und Militärschriftsteller, ist im Krankenhaus plötzlich gestorben. Hier umlaufende, bisher unbe* Itätigte Gerüchte sprechen von einem Duell ober Selbstmord. (Jrkf. Zig.)
* Marseille, 16. Dez. Heute morgen fand an Bord des italienischen Dreimasters „San Leonardo", der mit einer Petroleumladung von Philadelphia hier angekommen ist, eine heftige Explosion statt. Das Schiff wurde ein Raub der Flammen. Zwei Matrosen wurden verletzt, vier werden vermißt. Tas Feuer ergriff auch etwa 30 auf dem Quai stehende Güterwagen, fowie einen mit Caleium- karbid beladenen Schooner. Alle Behörden sind zur Stelle. Durch die Liifterschütterung wurden mehrere Personen zu Boden geworfen und verletzt. Man fürchtet, daß der mit Caleiumkarbid beladene Schooner, der ebenfalls in Brand geriet, beim Sinken in die Lust fliegen wird. Die Vertreter ber Behörben, die sich an der Unglücksstätte eingefunben hatten, zogen sich hinter die brennenden Güterwagen zurück. Die Feuerwehr ist der Gefahr gegenüber machtlos unb verhält sich untätig. Die Polizei ließ die Quais räumen, obgleich sich die Gefahr infolge des eingetretenen Südostwindes verminderte. Der Schuppen der Handelskammer geriet ebenfalls in Brand, doch wurde das Feuer bald gelöscht.
* Toulon, 16. Dez. An Bord des Unterseebootes „Perle" ereignete sich gestern abend bei einer Versuchsfahrt ein Unfall. Man hatte vergessen, eine Luke zu schließen. Daher drang Wasser in eine Abteilung des Bootes ein, in der sich ein Ingenieur befand. Die „Perle" wirb sich einer Reparatur unterziehen müssen.
* Rom, 16. Dez. Bei einer Automobilfahrt des Königs mit seinem Adjutanten nach Eastel Porciono explodierte der Benzin-Behälter des Automobils. Der König und sein Begleiter blieben jedoch unverletzt und konnten wohlbehalten nach Rom zurückkehren.
• Innsbruck, 16. Dez. Das Villgraten-Tal wird von heftigen Schneestürmen heimgesucht. Große Schneemassen verhindern den Verkehr. Zahlreiche Arbeiter sind auf- geboten, um die Straßen frei zu halten. Viele Beivohner wagen sich nicht aus den Häusern. Der Schnee liegt über drei Meter hoch.
* Rio de Janeiro, 16. Dez. In der letzten Woche sind 21 Personen an der Pest gestorben und 25 an ber Pest erkrankt. Jrn ganzen sinb 74 Fälle zu verzeichnen.
* Zur Rettung der englischen Königin aus Lebensgefahr. Die letzten Einzelheiten, bie über das Feuer in Sandringham bekannt werden, dem die Königin Alexandra beinahe zum Opfer gefallen wäre, 51 ,/n einerseits, daß die Gefahr, m der die Königin schwebte, größer war, als man nach den ersten Berichten annehmen konnte; man muß die Rettung der Königin als Wunder bezeichnen. Die Königin hat unter den Folgen des Schreckens außerordentlich gelitten und soll sehr nervös geworden sein. Zweitens haben die eingehenderen Untersuchungen festgestellt, daß das Feuer einer unbegreiflichen Nachlässigkeit der Arbeiter zuzuschreiben ist, die Aenderungen im Schlosse vorzunehmen haben. Es hat sich darum gehandelt, einen neuen Kamin anzulegen, und zu diesem Zwecke hatte ein Architekt angeordnet, daß ein Balken fortgenommen und durch eine Schiene ersetzt werden solle. Alan hat nun die Schiene angebracht und den Balken auch auf die notwendige Länge abgesägt, aber dann vergessen, das abgesägte Stück wegzunehmen. Dieses ist dann in Brand geraten. Als Miß Knollys aufwachte, war ihr Zimmer ganz voll schwarzen Rauches, sodaß sie das elektrische Licht kaum sehen konnte, das dicht über ihrem Bette angebracht ist. Sie lief sofort in das Zimmer der Königin und ließ in der Eile die Tür ihres Zimmers auf, wodurch die Glut in Holz und Teppichen zu einer gewaltigen Flamme entfacht wurde. Das Schlafzimmer der Königin war auch schon voll Rauch und die Königin selbst schon beinahe halb betäubt, so daß Miß Knollys große Schwierigkeiten hatte, sie aufzurichten unb aus bem Zimmer zu bringen. Während dieser Bemühungen seitens der Hofdame war bie Tür des Zimmers ebenfalls offen geblieben und der Zug entfachte auch hier sofort eine gewaltige Flamme, so daß die beiden Damen nur mit knapper Rot entkommen konnten. Sogleich nachdem sie das Zimmer verlassen hatten, stürzte die Decke cm und mit derselben stürzten große Stengen Filz und Teppiche aus LUß Knollys Zimmer herunter, alles hell brennend.
* Der fatsche Cisterzienser. Den als Almanach intereffanter Rechlsfälle bei C. K. Hirschfeld in Leipzig neu erscheinenden „Pitaoal der Gegenwart, herausgegeben von Dr. Frank (Tübingen), Tr. Rösch (Hamburg) und Dr. Schmidt (Oberstaatsanwalt in Mainz) haben wir bereits kurz erwähnt. Das erste Heft brachte u. a. die Schilderung eines falschen Cistercien ers als internationalen Schwin dlers, des Holländers Adrian Gorder. Mehr als 25 Jahre unftät umherziehend, ohne jede Beschäftigung und redlichen Erwerb, hat dieser Verbrecher als Landstreicher im gestohlenen OrdenS- gewanbe drei Weltteile durchzogen, um m ber Rolle eines katholiichen Priesters und 'Mönchs, ja selbst zeitweise mit bischöflichen Abzeichen angetan, bie Wohltätigkeit von Geist- lichcn unb Nichtgeistlichen auszubeuten, Klöster unb Stifte in


