Ruhestand mürbe versetzt der Gerichtsvollzieher mit dem ?ünLssitzc in Homberg a. d. O., Theodor Metz, aus sein Nachsuchen, unter 'Anerkennung seiner langjährigen treuen Dienste und Verleihung deS Silbernen Kreuzes des Verdienstordens Philipps des Großmütigen. — Ernannt wurden der Amtsgerichtsdiener in Worms, Georg Schnell b ach er, zum Amtsgerichtsdiener bei dem Amtsgericht Oppenheim und der Garde-Unteroffizier zu Darmstadt, Wilhelm O l l w e i l e r, zum Amtsgenchtsdiener bei dem Amtsgericht Worms.
*♦ Hessisch-Thüringische Staatslotterie. Bei 0er heute fortgesetzten Ziehung der 6. Klasse fielen drei Gewinne von je 10 000 Mk. auf Nr. 38335 (nach Mainz), 84738 (nach Darmstadt) und 90154 (nach Darmstadt), zwei Gewinne von 5 000 Mk. auf Nr. 10932 (nach Babenhausen) und 81732, Gewinne von 3000 Mk. auf Nr. 6282 17299 28456 31378 42087 45100 52380 55603 63068
63842 66774 69677 71553 76758 78080 80227 92091
95396 95981, Gewinne von 2000 Mk. auf Nr. 9538 10128
10165 13133 13603 13935 20025 24110 26111 28864
30971 31269 38073 41503 48844 49244 54785 56806
56949 58602 63914 65166 67887 68165 69230 70169
85725 88420 90481 95998 96759 96877 99174. (Ohne Gewähr.)
** Die Vorstellungen des Theaters unter der neuen Direktion Steingötter sollen am 29. d. M. chren Anfang nehmen. Für die Eröffnungsvorstellung sind drei klassische Einakter vorgesehen: „Der zerbrochene Krug" von Heinrich v. Kleist, „Die Geschwister" von Goethe und ,LLal lenst eins Lager" von Schiller. Unter dem Personal werden wir unsere komische Alte Frau Jenny wieder begrüßen, deren Gatte als Theatermeister wieder engagiert ist.
** Der Kartenverkauf der landwirtschaftlichen Ausstellung hat, wie wir hören, eine Einnahme von ca. 12 000 Mk. gebracht. Das bedeutet eine Mindereinnahme von 3000 Mk. gegen den schon sehr vorsichtig aufgestellten Voranschlag. Das greuliche Wetter hat ihm einen dicken Strich durch die ganze Rechnung gemacht, sodaß fich wohl ein Gesamtdefizit von 5 — 6 000 Mark ergeben wird. — In unserem Prämiierungsbericht der 9kr. 215 muß es übrigens bezüglich des Vogelsberger Viehs heißen: Anerkennung in Klaffe 4 (nicht Haber sondern) Ludwig Faber IV„ und Klaffe V., 4. Preis (nicht Keißer sondern) Ludwig Keßler V.
** Der Neubau der katholischen Kirche ist;jetzt soweit gediehen, daß dieser Tage mit dem Ausschlagen Des Gebälks und des Daches begonnen werden kann. Das Mauerwerk hat eine Höhe von ca. 16 Meter. Das Dach wird noch, im Herbst, fertiggestellt und erhall ein kleines Türmchen. Im Winter wird das Gerippe zu dem Kreuzgewölbe hergestellt, im Frühjahr alsdann mit den Gewölben begonnen. Bis M i tt e n äch st en Iah r e s gedentt man den inneren Ausbau zu vollenden, um das Gotteshaus im Juli 1904 in Gebrauch nehmen zu können. Die Kirche wird nicht sofort fertiggebaut, sondern vorläufig nur Chor, Kreuzschiff, Kapelle und Sakristei ausgebaut, während der größte Teil des Längs- und der beiden Seitenschiffe und die beiden Türme in späteren Jahren erbaut werden. Ter vorgesehene Raum wird 800 Personen fassen.
w. Wißmar, 16. Sept. Einen recht schönen Erfolg erztelle die hiesige Gemeinde mit ihrem Gemeindebullen auf der landwirtschaftlichen Ausstellung zu Gießen. Das ausgestellte Tier ist jetzt drei Jahre alt und hat schon auf gar mancher Ausstellung bei starker Konkurrenz unter den Vogelsbergern einen Siegerpreis daoongellageu. Die Gemeinde hat das Tier seiner Zell in Sinn angekaust, von wo es auf dem Preismarkt der benachbarten Stadt Herborn zum erstenmal prämiiert wurde. Aber auch von den großen Ausstellungen zu Aiannhenn und Düsseldorf und bei dem Wetzlarer Tierschaufest im Finsterloh erhiell der stolze Bulle stets die ersten Preise.
ß Rockenberg, 17. Sept. Für das hier bestehende Landeszuchthaus Marienschloß sind sechs Aufjeherwohn- gebäude errichtet worden, die bis zum inneren Ausbau fertig find.
§ Oppershofen, 17. Sept. Für unsere Gemarkung tritt mit dem 20. l. Mts. ebenfalls das neue Grundbuch und Berggrundbuch in Kraft. Von der Anlegung ausgenommen sind nach amtlicher Bekanntmachung die den Oppers- hojer—Rockenberger Markwald enthaltenden Güterflächen, bezüglich welcher demnächst ein eigenes Grundbuch gebildet werden soll.
Darmstadt, 16. Sept. S. K. H. der Großherzog trat die Reise zur Vornahme der Taufe des Linienschiffes „Lu nach Kiel heute abend 8 Uhr an. Im Gefolge befinden sich Generaladjutant Generalmajor v. Wachter und die Flügel- adjutanten Rlltmeister Kraemer und Hauptmann Freiherr Schäffer v. Bernstein.
sd. Darmstadt, 16. Sept. Der seither beim hiesigen Trainbataillon im Dienst gewesene Zahlmeister-Asprrant W., welcher sich dem Steuerfach gewidmet hatte, und zur Zeit eine Probezeit bei der Straßburger Steuerbehörde ab- macht, hat sich ein Sittlichkeitsverbrechen an einem 13 jährigen Mädchen zu schulden kommen lassen, und wurde dieser Tage von der dortigen Behörde verhaftet. Er war mit einem Bessunger Mädchen verlobt. — Am Sonntag früh fand man das Goethedenkmal Habicht's mit einem Feigenblatte bekleidet, auf dem die Worte standen: ,Herrn Pfarrer Wähl in Langen die sittlich entrüsteten Studenten von Darmstadt." — In eine sehr peinliche Situation wäre gestern abend beinahe eine mit dem letzten Zug hier zurück gereifte Dame geraten. Sie wollte un Bahnhofshotel übernachten, da aber kein Zimmer zur Verfügung stand, bot sich ein Kutscher an, sie ncuiy einem Men Hotel zu fahren, was sie auch annahm. Als aber nach kurzer Fahrzeit alles untrer dunkel wurde, sprang sie in ihrer Verzweiflung aus dem Wagen, ohne sich zum Glück zu verletzen. In vollständig beschmutztem Zustande gelangte sie nach kurzer Zell wieder auf den Bahnhof, und es stellte sich heraus, daß sie der Kutscher, jeden- salls nicht in der besten Absicht, in den Wald gefahren hatte Die Adrefse des Kutschers ist festgestellt worden. — Eine Vertrauensmännerversammlung hielt am Dienstag abend die FreisinnigeVereinigung hier ab zur Beratung über die bevorstehende Landtagswahl. Es entstand eine lebhafte Debatte darüber, ob man der Sozialdemokratie Konzessionen machen ober selbständig vorgehen solle. Es kam aber zu keiner Verständigung. Diese Woche soll
eine zweite Versammlung ftattfinden. — Der Einjährig- Fr eiwillige R. von der 7. Komp, des Jnf.-Leibgarde- Regiments Nr. 115, welcher am Montag aus einer mehrtägigen Arreststrafe entlassen, auch nicht mit im Manöver war, ist seit Dienstag früh verschwunden, ohne eine Spur hinterlassen zu haben.
Darmstadt, 16. Sevt. Mit der jüngsten sozial- demokratischen Landeskonferenz befaßte sich eine am Samstag abgehaltene Versammlung der hiesigen „Genossen". In der Diskussion über den erstatteten Bericht wurde, nach Blättermeldungen, die fast diktatorische Geschäftsführung des Genossen Ulrich bemängelt und der Wunsch ausgesprochen, die Landeskonferenz zwei Tage fernerhin stattfinden zu lassen. Mißbilligt wurde ebenfalls, daß die hiesigen Delegierten den Antrag auf Gründung eines Organs für den oberen Teil der Provinz Starkenburg mit dem Sitz in Darmstadt zurückgezogen haben und diese Frage soll auch fernerhin nicht aus dem Auge gelassen werden. — Der hiesige Reichs- tagsabg. Cramer veranschlagt in einer Zuschrift an das Mainzer Parteiorgan den „agitatorischen Wert der letzten Konse renz sehr gering. Das Arbeiten in solcher Hast, das Unterdrücken der freien Aussprache durch die etwas schroffeGeschästsführung und noch manches andere gab der Konferenz kein besonders schönes Aussehen. Welchen agitatorischen Wert soll es Haben, wenn nach einem dreiviertelftündigen Referat im ganzen fünf Redner mit je fünf Minuten Redezeit zum Wort kommen? Dann wird abgestimmt und die Laube ist fertig." Ferner wird dem Herrn Ulrich der Vorwurf gemacht, er solle doch nicht so bureaukratisch vorgehen, wie er es den Genossen Döller, dem Geschäftsführer der Mainzer Volkszeitung, gegenüber getan hat."
Offenbach, 16. Sept. Gestern tagte im Stadtgarten der geschäftsführende Ausschuß der Obst- und Gartenbauausstellung, um noch einige sehr wichtige Ausstellungsangelegenheiten zu beraten. Kreisrat v. Hombergk verlas zunächst die sehr zahlreich gestifteten Ehrenpreise; es sind deren 32 Stück. Samstag mittag 12 Uhr findet die feierliche Eröffnung der Ausstellung und daran anschließend ein Festessen statt. Nach den eingelausenen Anmeldungen — es sind well über 200 Nummern — wird die Ausstellung reich beschickt. (Offenb. Ztg.>
Mainz, 16. Sept. Man schreibt dem „Rheinh. Beob.": „Durch verschiedene Blätter lief folgende 9öotiz aus Nllllnz: „Tas auf dem hiesigen Friedhof befindliche Grab des gerichteten MördersDetr ois wurde von unbekannter Hand mit Blumen geschmückt." Ich habe den Tetrois genau gekannt und kann Ihnen bestimmt mitteilen, daß das Grab von den beiden Kellnerinnen, die eine große Rolle gespielt haben und mit denen er einen großen Teil „seines" Geldes verjubelt hat, geschmückt worden ist". Um diese „Gefühlsduselei" richtig zu charakterisieren, sei an einen Vorfall bei der Schwurgerichtsverhandlung gegen Tetrois erinnert: Damals wurden die beiden Kellnerinnen aus dem Saal gewiesen, weil sie sich ausfällig betrugen, weil sie lachten und sich laut unterhielten, und weil sie es für richtig befunden fjatten, fich zu einer Verhandlung, bei der sie nichts verlören hatten, da sie am Tage zuvor als Zeuginnen gehört und entlassen worden waren, große Blumensträuße anzustecken. Am Tage, nachdem Tetrois zum Tode verurteilt worden war, trieben sie sich in der Stadt herum, und abends sah man die beiden in Herrengesellschaft außerordentlich vergnügt in hiesigen" Wirtschaften.
)( Mainz, 16. Sept. Die R h e i n s ch i f f a h r t s ko m- mission, welche heute ihre diesjährige Strombefahrung von Rüdesheim aus begonnen hat, hat gestern hier auch eine längere Zusammenkunft gehabt. Wie wir hören, kam in der stattgehabten Besprechung auch die Erweiterung der Floßrinne zwischen Kostheim und hier zur Erörterung. Ob und welche Beschlüsse hierüber gefaßt worden sind, darüber verlautet zunächst nichts.
Frankfurt a. M., 16. Sept. Hier fand dieser Tage eine vom „Deutschen Verein" einberufene öffentliche Versammlung statt. Nach dem Kaiserhoch sprach Reichstagsabg. Wilhelm Bruhn über den „Warenhausbrand in Pest und die sich für uns daraus ergebenden Pflichten". An der Aussprache beteiligten sich u. a. der einzrge antisemitische Stadtv. Frankfurts, Hettler, Redakteur Reuter-Offenbach, der mit dem Landtagsabg. Hirschel von dort zu der Versammlung herübergekommen war. Der zweite Vorsitzende des hessischen Bauernbundes, Wölb, der ans dem eine Stunde von Frankfurt entfernt liegenden Bergen mit mehreren Freunden gekommen war, bat Bruhn, am Sonntag in feinem Heimatsorte in der dortigen Ortsgruppe des Bauernbundes zu sprechen. Bruhn versprach, dieser Bitte nachzukommen. Die Versammlung wurde mit einem von Herrn Kämmer mit einem Appell an die Versammlung ausgebrachten Hoch auf das deutsche Vaterland und dem Gesänge: „Deutschland, Deutschland über alles!" geschlossen.
-k. Frankfurt a. M., 16. Sept. Dieser Tage fand hier eine zahlreich besuchte Versammlung christlich-sozialer Vertrauensmänner aus Knrhessen, Frankfurt und dem Großherzogtum Hessen statt, in der namentlich Organisationsfragen behandelt wurden. Zum Zweck der Gestaltung einer planmäßigen Agitation wurde der Zusammenschluß der Christlich-sozialen der genannten Gebiete zu einer gemeinsamen Organisation beschlossen. In den Vorstand derselben wurden gewählt die Herren: Pfarrer Bembeck-Okar- ben ,1. Vorsitzender; Pfarrer Stoppel-Fechenheim, 2. Bors.; Lehrer Diehl-Frankfurt, Pfarrer Fritsch-Preungeshain, Pfr. Fritsch-Ruppertsburg, Kaufmann Haustein-Fechenheim, Gisenbahnwerkmeister Hüfener-Darmstadt, Fabrikant Röm- held-Friedrichshütte, Freiherr von Schenck zu Schcheinsberg^- Darmstadt, Fabrikant Scheuerle-Frankfurt, Pfarrer Wahl- Langen. Auf dem am 23. September in Mühlheim a. d. R. ftattfindenden Parteitage wird die neu gegründete Organisation durch sechs Delegierte vertreten werden.
Frankfurt, 16. Sept. -Im Sommertheater Hippodrom hat sich heute ein Unfall zugetragen. Es war als neueste Nummer Looping the Loop aus Tandem angesetzt worden. Nachdem die Vorbereitungen etwa 25 Minuten gedauert hatten, erschienen Mr. Barber und Miß Brandon. Auf das Signal hin sauste das Tandem von der Höhe herab und bog die Schleife hinauf. Da hörte man ein Krachen, schon lagen beide Fahrer auf dem Boden. Da der Sturz nicht von großer Höhe erfolgt war, schadete er den Fahrern nicht. Miß Brandon, die ohnmächtig hinaus- getragen worden war, konnte sich bald dem Publikum wieder zeigen; sie hatte nur eine Hautabschürfung an der Hand erlitten, während Barber mit einer Keinen Wunde über dem Auge davongekommen war. Da die beiden Fahrer hier fünfmal zur Probe die Fahrt glücklich zurückgelegt hatten, war man in cingeweihten .Streiken der Ansicht, daß der Unfall durch einen technischen Fehler bei dem Znlegen der Lücke hervorgerufen worden fei/
a. Marburg, 16. Sept. Em frecher Gtnvrucys- diebstahl wurde in vergangener Nacht in der vor dem Weidenhäuser Tor gelegenen Restauration Zeiß verübt. Dort war wegen des gestrigen Pferde,narktes recht lebhafter Verkehr gewesen, und die Aussicht auf reiche Beute mußte wohl einen mit den örtlichen Verhältnissen genau Vertrauten veranlaßt haben, vom Garten aus die Fensterladen zu erbrechen, eine Scheibe einzudrücken und einzusteigen. Doch fielen ihm nur etwa 20 Mark Wechselgeld sowie verschiedene Ansichtskarten und Briefmarken in die Hände. Da ihm diese Beute anscheinend nicht genügte, nahm er noch alles, was an Eß- üorräten da stand' sowie von den vorhandenen Zigarren 5 Kistchen Auswahl mit. — Der Professor der Theologie, Dr. Karl Mirbt, ist zum Konsistorialrat ernannt worden.
Wiesbaden, 16. Sept. In einem hiesigen Klub wettete ein hier zur Kur lebender englischer Offizier um 500 Mk., mit jedem Pferde über den Rhein schwimmen zu wollen. Gestern nachmittag sollte nun dieses Experiment ausgeführt werden. Dpr Engländer — nebenbei bemerkt, ein ganz kleiner Herr — mietet sich ein Pferd und trabt dem Rheine zu. In der Nähe von Mainz treibt er, nachdem er sich recht fest in den Sattel gesetzt, das Pferd in den Strom. Selbstverständlich hatte das Tier mit den Wellen stark zu kämpfen und sicherlich wären Roß und Reiter elendiglich zu Grunde gegangen, wejnn der ganze Vorgang nicht vom Ufer aus beobachtet worden wäre. Man nahm an, es entweder mit einem Selbstmörder oder mit einem Geistesgestörten zu tun zu haben. In der letzten Annahme wurden die mutigen Retter noch bestärkt, als der Engländer den Rettungsversuchen Widerstand entgegensetzte und auf seine Retter aus Leibeskräften schimpfte und fluchte. Mit Gewalt gelang es schließlich, nachdem man dem sonderbaren Herrn die Zügel und Steigbügel durchschnitten hatte. Roß und Reiter an Land zu bringen. An die hiesige Polizeidirektion wurde gemeldet, man habe einen Herrn hier mit seinem Pferde aus dem Rheine gefischt, worauf sofort ein Kriminalbeamter nach dem Ort der Tat abging. Ter Engländer versuchte, der Polizei jedoch llar zu "machen, daß die ganze Sache sie nichts angehe, unb ist fest entschlossen, nochmals zu versuchen, seine Wette zu gewinnen.
Neuwied, 14. Sept. Unsere Stadt begeht am 19. und 20. d. Mts. die Feier ihres 250jährigen Bestehens. Der eigentliche Gründungstag der Stadt war der 26. August. Der Hauptfesttag ist Sonntag den 20.; es findet Festakt in den Schulen, Festgottesdienst, Volkskonzerte, Festakt iw Schlosse, Festessen, Feuerwerk und Beleuchtung statt.
Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. In Hanau soll am 1. April u. I. eine Eisenbahn-Detriebs-Jnspektion errichtet werden. Dieser würden die Strecken Ofsenbach-Elm-Hanau-Afchaffenburg und Offenbach-Reinheim unterstellt. Diese Strecke gehört zurzeit noch zur Direktion Mainz. — Der deutsche Verein für das Fortbildungsschulwesen hält zurzeit in F r a n f f u r t a. Main Kurse für Lehrer an Fortbildungsschulen ab. Dieselben werden von 26 Rektoren und Lehrern aus Westfalen, den Rheinlanden, aus Bayern, Baden, dem Elsaß, dem Königreich Sachsen, aus Schlesien und Frankfurt besucht. — Elf Volksschüler von Mainz sind in Untersuchung gezogen worden, weil sie in einem Geschäft Fahrrad teile gestohlen hatten. Von den Knaben ist keiner 12 Jahre alt. — Landtagsabgeordneter I. A. Möllinger in Pfedders« heim feierte am 16. September seinen 80. Geburtstag. — Ter Weinhändler Johann Freudenberger, aus Alz ey gebürtig, zurzeit in Türkheim ansässig und verheiratet, ist dieser Tage aus dem Schnellzuge gestürzt. F. kam unter die Räder und wurde gräßlich verstümmelt. Freudenberger hat beim Einsteigen in Homburg sich vom Schaffner ein besonderes Abteil geben lassen, um schlafen zu können. Das Unglück ist wahrscheinlich dadurch entstanden, daß Freudenberger in der Schlaftrunkenheit das Kupee öffnete. — Die Gattin des Gastwirts Schmitt zu Hohn bei Steinbach in der Rhön wurde in der Küche ermordet aufgefunden. Die unglückliche Frau, die einige 40 Jahre alt ist, hatte einen tiefen Messerstich mitten in das Herz erhalten, welcher den sofortigen Tod herbeigeführt haben muß. Gestern wurde nun der Gatte der Ermordeten, Gastwirt Schmitt, unter dem Verdacht der Täterschaft verhaftet.
Kunst und Wissenschaft
Das neue Stadltheater in Bern, dessen Bau sich infolge finanzieller Schwierigkeiten durch Jahre hingezogen hat, soll in diesen Tagen eröffnet werden. Zur Weihe des Hauses wird aber nicht etwa, wie es in der schweizerischen Bundesstadt zu erwarten gewesen wäre, Schillers „Wilhelm Tell" gegeben, oder ein patriotisches Drama des schweizerischen Dichters Arnow Ott, sondern — „Tannhäuser", natürlich mit neuen Dekorationen und vermutlich auch mit einem Anflug von Ballet. Da erst kürzlich aus der schweizerischen Presse ein Klageschrei über den angeblich zurückgesetzten „degradierten" und „malträtierten" Schiller vernommen worden ist, nimmt es sich doppelt verwunderlich aus, Friedrich Schiller bei der Eröffnungsfeier des neuen Berner Theaters, das doch wohl in erster Linie ein Schauspielhaus repräsentiert, fehlen zu sehen. Statt Apselschuß und Rütlischwur-Ensemble also Venusberg und Pilgerzug nach Roin, statt Teils Monolog — das Lied an den Abendstern. — Mußte das fein? Freilich, wird der Herr Direktor sagen, die Mode will's! Die Oper hat nun einmal den Vorrang und die Berner wollen von altersher hinter chren Kantonsbrüdern zu Zürich nicht zurückstehen. Dort nämlich wird die dieswinterliche Saison auch mit einer Oper, laut der „Neuen Zürcher Zeitung" sogar mit einer „prächtigen" Oper, eröffnet und zwar — wer lacht da? — mit Bellinis „Norma!" Ta kommen wir Gießener, mein' ich, doch, noch besser weg.
Kan-wirischnft
s. Aus b em Biebert al, 16. Sept. Der Regen kommt auch hier dem Landmann höchst ungelegen und läßt es nicht zu, daß er fein Grummet einerntet. Tie Grummeternte versprach diesmal so reichlich zu werden, wie kaum in einem Jahre zuvor, denn der Stand des Grases war infolge des nassen Sommers überall, selbst auf trocknen Wiesen sehr günstig. Nun liegt das Gras bereits 14 Tage abgcmätjt, oder man hat es aus Kegel gebracht, und der Landmann schaut von Tag zu Tag nach dem Himmel, ob er uns nicht bald Sonnenschein bringen möchte. So sehr auch die nasse Witterung anhält, hat aber "bei der herrschenden Kühle das Grummetgras seine Farbe noch nicht verloren; jedenfalls aber wird seine Qualität diesmal eine sehr minderwertige werden, auch menn bald bessere Witterung eintritt.


