Zandei und Verkehr. UsikLwirischast.
Berliner Börse vom 16. September 1903.
(Mitgeteilt von der Bank für Handel und Jrrdustrie, Gießen.)
Im Vordergründe des heutigen Verkehrs standen wiederum, wie feit langer Zeit, Kohlenwerte, welche ausnahmslos mehr- prozentige Steigerungen zu verzeichnen haben. Die Bildung des Syndikats, welche dieser Tage bestimmt zustande zu kommen scheint, veranlaßt das Ausland zu andauernden Käufen, und auch das hiesige tapitalskräftigste Publikum zeigt sich zu unrfangreichen Käufen zu Anlagezwecken geneigt. Eisenwerte folgten der Auswärts-- bewegung, doch waren die Umsätze in denselben nur unbedeutend. Der Banken- wie auch Rentenmarkt war still und die Umsätze nur geringe, da die Besürchtullg einer neuerlichen Diskonterhöhung in London der Spekulation eine gewisse Reserve auferlegt. Auf dem Kafsaindustriemarkt zeigte sich außer für Kohlenwerte noch ganz besonderes Interesse für Zementaktien.
Privcu-Diskont 3% Prozent.
Anfangs- u. Schlußkurse.
Oest Kredit.... 201.40 201.25
Deutsche Bank . . . 211.40 211.10
Darmstädter Bank . . 136.10 135.80
Bochumer Guß . . . 183.50 183.10
Harpener Bergbau . . 184.25 185,25
Schluß-Tendenz: schwächer.
— Bekanntmachung. Der Ersenbahnweg über Sibirien wird am 1. Oktober für den internationalen Postverkehr eröffnet urrd zur Beförderung von Briefsendungen aller Art aus Deutschland nach folgenden Länderrr aus Ostasien benutzt werden: 1. nach China mit Ausschluß des südlichen Teils, 2. nach dem deutschen Schutzgebiet von Kiautschou, 3. nach Japcur mit Ausschluß der Insel Formosa, 4. nach Korea. Es bietet sich auf diesem Wege eine wöchenllich viermalige Verbindung rrach Peking, Tientsin, Tongku und Tschifu und eure wöchentlich mindestens einmalige Verbindung nach Shanghm und nach Japmr. Der erste Versarrd über Sibirien wird anr 30. September von Berlin abgehen. Die Absendung erfolgt täglich. Die Dauer der Beförderrmg beträgt je nach den Anschlüssen von Berlin bis Peking und Tientsin 20—22 Tage, bis Shanghai und bis Nagasaki 22—28 Tage. Der Staatssekretär des Reichs -Po st amt s. I. V.: Wittko.
— Deutsche Reichsauleiheu. Es fei an dieser Stelle besonders hervorgehoben, daß sich sowohl am Berliner, wie am Frankfurter Börsenplatz endlich wieder etwas Nachfrage für deutsche Staatsfonds zeigte. Wenn dies auch in den Kursen lürs erste nur in sehr bescheidenem Maße zum Ausdruck kommt, so ist es doch an sich erfreulich, daß die heimischen Staatswerte wieder gesucht sind.
— Zur industriellen Lage. Ueber den gegenwärtigen Geschäftsgang bei der Voigtländffchen Maschinenfabrik vormals I. C. u. H. Diettich in Plauen ist mitzuteilen, daß das Unternehmen mit Aufträgen im Stickmaschinenbau reichlich, mtt solchen im Buchdruckmaschinenbau sehr gut versehen sei.
— Zur Tabakerute von der Bergstraße wird geschrieben: Mit dem Brechen des Tabaks hat man zum Teil schon in verflossener Woche begonnen, vollständig an diese Arbeit geht es aber erst diese Woche. Besonders Erfreuliches von demselben ist dieses Jahr nicht viel zu berichten. Zum ersten ist derselbe sehr ungleichmäßig und ungleich gewachsen. Derjenige, welcher im Frühjahr- zeitig gepflanzt wurde, ist so ziemlich zufriedenstellend, jedoch kann von schön wie in sonstige.: Jahren nicht im entferntesten die Rede sein. Infolge der vielen Regenfälle im Monat Juli bekam der Tabak ein Aussehen, daß man im aUgenicinen vermutet, daß er dieses Jahr überhaupt nichts werden wollte. Erst durch die etwas später eingetretene bessere Witterung scheint er sich etwas erholt zu haben, aber sein Ertrag reicht lange nicht an den in verflossenen Jahre oder gar an den des vorigen Jahres hin. Wie der Tabak in unserer Gegend dieses Jahr an Qualität ausfällt, läßt sich für jetzt rwch nicht sicher beurtellen.
— Türkeulose. Es sei hier mitgeteilt, daß bereits vom 1. Oktober ab die Einlösung der Treffer mit 100 Prozent und der Nieten mit 60 Proz. erfolgen wird. Bisher wurden in beiden Fällen nur 58 Proz. gezahlt.
— Neue Goldgruben irr Mexiko. Englische Minenleute, die die südafrikanischen Minen genau kennen, haben die vor kurzer Zeit in Mexiko gefundenen Goldadern untersucht und reicher ge- frmden, als die des Rand. Es wird versichert, daß die Minen in kurzer Zeit zu den reichste!: und besten der ganzen Welt gehören.
Märkte.
§ Gedern, 15. Sept. Der heutige Schweinemarkt war außerordenllich zahlreich von Verkäufer,: aus nah und fern besucht, jedoch stockte der Handel ungemein, was wohl dem Mangel an Käufern imd der ungünstigen Witterung zuzuschreiben war. Die Preise sind gegen den letzten Markt anfangs dieses Monats sehr gesunken. So wurden fette Schweine mit nur 43—44 Pfg. pro Pfund (Lebendgewicht), Einlegschweine mit 60— 90 Mk., bessere Qualität bis zu 100 Mk., Läufer mit 40—60 Mk., Ferkel mit 18—30 Mk. per Paar verkauft. Viele Leute nahmen ihre Ware wieder mit nach Hause.
Limburg a. d. L., 16. Sept. Fruchtmarkt. Durchschnittspreise pr. Malter. Neuer Weizen 13.50 Mk., altes Korn 00.00 Mk., neues Korn 10.00 Mk., Gerste 0.00 Mk., Hafer 6.98 Alk., neuer Hafer 0.00 Alk., Erbsen 0.00 Mk., Kartoffeln 0.00 Alk.
Kirchliche Nachrichten.
Gottesdienst der israelitischen Keligümsgestllschast.
S a b b a t h f e i e r am 19. September 1903.
Freitagabend 6.10 Uhr. Samstag Vormittag 8 Uhr.
Nachmittag 4 Uhr.
Sabbathausgang 7.20 Uhr.
Wochengorleüdieust: morgens 5.15 Uhr, abends 6.00 Uhr.
Vermischtes.
• Berlin, 16. Sept. Das Schwebebahnprojekt scheint wieder in Fluß kommen zu sollen. Neuerdings wird eine Kommission mit Oberbürgermeister Kirschner sich nach Elberfeld begeben, um die dortige Schwebebahnanlage zu besi^» Berlin, 16. Sept. Nach beträchtlichen Unterschlagungen ist der Buchhalter des Vieh-Kommissionsgeschäftes von Steinborn u. Go. auf dem Viehhofe zu Friedrichsfelde durchgebrannt. — Der Geschäftsführer eines Vergnügungs- und Versammlungslokals m Rixdorf ist wegen Unterschlagungen verhaftet worden.
♦ Altona, 17. Sept» Em wegen Ungebuhr aus der Fabrik enllassener Arbeiter versuchte den Werkmeister zu erschießen. Er fehlte aber und erschoß sich dann s e l b st.
♦ Madrid, 17. Sept. Wegen bedeutender Betrügereien, die kürzlich bei der Madrider Polizei vorgekommen sind, wurde der Polizeichef seines Amtes enthoben und durch einen Beamten des Sicherheitsdienstes ersetzt. Sämtliche Polizeiagenteu wurden ebenfalls abgesetzt. Die Ursachen dieser Entschließung werden amtlich bekannt gegeben.
* Der ehemalige Bankier August Sternberg, der nach seiner Entlassung aus dem Zuchthause alsbald mit der Veräußerung seiner Berliner Besitzungen begann und seinen Wohnsitz nach Paris verlegte, hat von dort aus jetzt die erforderlichen Schritte getan, um aus dem preußischen Staatsverbande auszuscheiden. DerkiinstigeFranzose war bekanntlich ursprünglich Hesse und wurde erst später Preuße.
♦ Kindersegen in Berlin. Der kürzlich erschienene Monatsbericht des Berliner Statistischen A:ntes für den Juli 1903 weist nach, daß in diesem Monat drei Mütter je ihr 2 2. und eine ihr 2 4. Kind bekamen. Die Geburt eines 22 Kindes ist auch aus dem Februar des laufenden Jahres gemeldet worden, die Geburt je eines 20. aus dem Februar, dem Aprll und dem Mai. Im Jahre 1902 wurden in Berlin gleichfalls drei 20. Kinder geboren, ferner zwei 22. und ein 23. Kind. Das Jahr 1901 hatte vier 20. Kinder zu verzeichnen, drei 21., ein 23. und ein — 28. Kind. 28 Kinder von ein und derselben Mutter, das ist in Berlin die höchste Zahl, die aus neuerer Zeit bekannt geworden und standesamtlich „festgenagelt" worden ist. Aber eine ähnliche Höhe wurde auch in den 90er Jahren erreicht. 1893 und 1899 wurde je ein 26., 1898 em 27. Kind zur Welt gebracht.
* Ehe und Bildung. Wir lesen in der „Tägl. Rdsch." folgendes amüsante Gespräch: „Schiedsmann zum Gatten: „Auf die von Ihnen gemachte Angabe hin, daß Ihre Frau zu ungebildet, wollten Sie sich von Ihrer braven Gattin, der Mutter Ihrer Kinder, trennen? Da liegen doch wohl andere, ttefere Gründe vor. Reden Sie ganz offen!" — Stilzke: „Das will ich tun: Mehrschtentells sind es innere Jründe, die uns veruneinigen. Ich bin nämlich ein Mensch von Bildung und tue darin for Weib und Kind, was ich man kann. 9lu nehmen Se an, ich führe meine Frau vorigten Sonntag in „Tell", un aufn Nachhauseweg will ich mit ihr darüber reden, un da hat se noch mch mal die Po-engte (Pointe) von's janze Stück verstanden!! Mit so was kann ich nicht auskommen."
* Zur Ge s chi chte eines Ritualmordmärchens. Mr erzählten neulich nach Berliner Blättern von der Zerstörung eines Ritualmordmärchons. Vor sechs Jahren sollte im Dorfe Mienken im Kreise' Arnswalde das dreijährige Söhnchen des Besitzers Jenske spurlos verschwunden sein, und die Bevöllerung des antisemttischen Reichstagswahlkreises Arnswalde-Friedeberg habe damals ans dem Verschwinden des Knaben Anlaß zur dteubeleb- ung des Märchens vom Ritualmord genommen. Man habe gejagt, die Juden hättten den verschwundenen Knaben ge- jchächtet, es läge ein Ritualmord vor und die Bewohner des Kreises hätten sich zu argen Ausschreitungen gegen die Inden hinreißeu lassen; nur dem energischen D-aZwischen- treten der Behörden sei es gelungen, der Jüdenh.etze Einhalt zu tun. Jetzt nach sechs Jahren, so hieß es weiter, habe nun der Förster Janke in Mienken auf dem Sterbebette gestanden, daß er der Aäörder jenes vor sechs Jahren verschwundenen, angeblich geschachteten Knaben gewesen sei. — Jetzt behauptet die antisemitische „Staatsb. Ztg.", „daß die ganze Geschichte von Anfang bis zu Ende erlogen" sei. Es habe im Dorfe Mienken oder in der Umgegend niemals einen Förster namens Janke gegeben, es sei auch kein Förster ähnlichen Namens verstorben, der jemals vorher auf dem Sterbebette ein solches Geständnis abgelegt hätte; es habe auch niemals eine Judenhetze dort stattgefunden.
• Triftige Gründe. Die „Tägl. Rundsch." veröffentlicht folgende, der Sammelmappe eines Predigers entstammende Schreiben von Gemeindemitgliedern: 1. Geehrter Herr Prediger! Ich, der Almosenempfänger W. Sch-, bitte den Herrn Prediger, mir meinen Taufschein so bald wie möglich und unentgeltlich zuzustellen, da ich schon 83 Jahre zähle und mich der liebe Gott jeden Tag abrufen kann, was ja hier in Berlin ohne- Taufschein große Schwierigkeiten macht. Hochachtungsvoll W. Sch. 21 Ew. Hochwürden wollte ich hiermit bitten, meine Tochter Ida vom Konsirmandenunter- richt zu dispensieren, da ich eine große Viehzucht angelegt habe und meine Frau schon 200 Pfund wiegt und die Wirtschaft nicht nachkommen kann. Herrn Suppredenten besten Dank im Voraus. I. V.
Sport.
Der Weltradler Schwiegershausen aus Leipzig wird binnen kurzem seine Weltreise beenden und von Amerika, wo er sich jetzt aufhätt, nach Europa zuruckkehren. Schwiegershausen begann seine Exkursion am 10. Juni 1899 in Paris, von wo aus er sämtliche 5 Weltteile durchquerte. Seine 2 Begleiter haben schon frühzeitig diese einzig dastehende Dauerfahrt abgebrochen. Bislang hat der Weltreisende mtt dem Rade folgende Lander berührt: Frankreich, Deutschland, Oesterreich-Ungarn, Serbien, Bulgarien, Türkei, Klein-Asien, Syrien, Palästina, Egypten, Arabien, Assyrien, Persien, Belutschistan, m Ost-Asien, China, Japan, Südafrika, Australien, Tasmanien, Neu-Seeland, Südamerika. Zur Zeit häll er sich in Austin-Texas auf, unb wird binnen kurzem feine Rückreise nach der Ostküste Amerikas sortfetzen, um dann durch Portugal, Spanien, Algerien und Tunis und zuletzt über Italien nach Hause zu radeln. Die von ihm durchgefuhrte Reiseroute ist von zahlreichen Potentaten und amtlichen Persönlichkeiten der betreffenden Lander beglaubigt worden. Vielfach war die Tour mit großen Entbehrungen und Anstrengungen verknüpft, namentlich auf den Strecken durch unbewohnte wüste Gegendem Die ganze Reise wird nach ihrer Vollendung ca. 60 000 Meilen betragen. Zu dieser gewaltigen Strecke gebrauchte Schwiegershausen im ganzen 3 Räder und 24 (Gummireifen.
Das englische Rennpferd Ard Patrick ist nach einer außerordentlich erfolgreichen Renntätigkeit zur Hebung der preußischen Pferdezucht für das Gestüt Graditz ,für 400 000 Mark angekauft worden. Von dem wertvollen Hengst verspricht man sich eine bedeutende Verbesserung unseres edlen Pferdematerials, welches in den letzten Jahren bei allen Rennen sehr schlecht abgefchnitlen hat. Vor kurzem noch gewann Ard Pattick für seinen Besitzer und Züchter, den M. ®ubbin§, einen 200 000 Mark-Preis, so daß der bisherige Eigentümer der: von der preußischen Regierung vereinbarten Kauf gegen ein Reugeld von derselben Summe rückgängig machen wollte. Jndeffen ist mau nicht daraut eingegangen, und so wird denn Ard Patrick unter der Leitung seines Trainers Hinrichs demnächst in Graditza einziehen, wo er nur noch zu Zuchtzwecken verwendet werden soll. Der Hengst zeigt außerordentlich schöne Formen, so daß er schon deshalb in Deutschland Bewunderung erregen dürfte. Seine Laufbahn als Rennpferd hat mit der Ein- ri " in das Gestüt Graditz ihr Ende erreicht.
Universitäts-Nachrichten.
— Aus M a r b u r g wird geschrieben: Professor Tr. Kalbfleisch in N o st o ck erhielt einer: Rui an die hiesige Universität. Zur Zeit ist er damit beschäftigt, im Auftrage der Berlmer Aka- demie die in den englischen Bibliotheken aufberoahrten Handschriften der griechischen und römischen Aerzte zu katalogisieren.
Gerichtssaat.
)( Mainz, 16. Sept. Als Nachspiel zu dem letzten Maurerausstand hatten sich gestern zehn Maurer vor dem hiesigen Schöffengericht zu verantworten, die beschuldigt waren, hier und in den 'Mchbarorten Arbeitswillige bedroht zu haben. Die Angeklagten bestritten dies und behaupteten, nur den angekommenen Italienern zu- gerusen zu haben, daß in Marnz Maureraussperrung sei. Das Gericht sprach einen von den Angejchnldigte:: frei und verurteilte die Uebrigeu nur wegen gröben Unfugs zu 15 und 20 Mark.
Einquartiert!
Don einem poesiebegabten Teilnehmer am Manöver erhallen wir aus Wommelshausen folgenden Gruß:
Es strömt der Regen. Und weil deswegen In dumpfer Stube Ich armer Bube Hier einsam sitze Und gar nicht schwitze, — Denn kall ists draußen In Wommelshausen — So soll begeistern Mich Poesie Und ich will meistern Das stolze Vieh, Den Pegasus Zu diesem Gruß! Ph. G.
Neueste Meldungen.
Originaldrahtmeldungeu des Gießener Anzeigers.
Berlin, 17. Sept. Als gemeinsames Ergebnis der Verhandlungen zwischen der Gesellschaft der Hoch- und Untergrundbahn mit der Stadt darf als feststehende Tatsache gelten, daß über die einzelnen Baupunkte der Strecke Potsdamer Bahnhof nach dem Hausvogteiplatze eine Einigung erzielt ist. Wie das „B. T." erfährt, bringst auch der Kaiser dem Projekt lebhaftes Interesse entgegen. Ebenso fördert Minister Budde nach Möglichkett die vorbereitenden Arbetten.
Kiel, 17. Sept. S. K. H. der Groß her zog von Hessen traf heute vormittag 10 Uhr 57 Min. zum Stapellauf eines neuen Linienschiffes ein. Am Bahnhof fand großer Empfang statt; zur Begrüßung waren anwesend: Prinz Heinrich, der Generaliuspetteur der Marine Admiral von Köster, Staatssekretär von Tirpitz sowie die orts- anwesenden Admirale. Tie Ehrenwache mtt Musik stellte das erste Seebataillon.
Mailand, 17. Sept. Ter Adjutant des Königs, General Brusati wurde von einem Automobil-Unfall betroffen. Der Wagen des Generals rannte in dem Park Raceonigi gegen eine Mauer. Der Offizier wurde herausgeschleudert und erlitt Verletzungen an der Brust und den Beinen.
Wien, 17. Sept. In diplomatischen Kreisen verlautet, es werde bei der Zusammenkunft zwischen Kaiser Franz Josef und dem Zaren bezweckt, auf dem Balkan f ür z e h n I a h r e Ru h e zu schaffen. Der zwischen Rußland und Oesterreich abzuschließende neue Vertrag geht von dem Prinzip der Aufrechterhaltung des Status quo aus dem Balkan aus und perhoresziert jeoe bewussnete Einmischung. Der Türkei werde für dre Durchführung der Reformen eine längere Frist eingeräumt werden. Falls Bulgarien keinen Krieg beginnt, würde ihm das Ende der Suzerenität und die Erhebung zum Königreich als Preis zugesagt. — Gestern erfolgte ein Kollektivschritt der Mächte in Sofia. Es wird in der Note betont, daß die Mächte zum letzten Male der bulgarischen Regierung nahelegteu, nicht zum Kriege gegen die Türkei zu treiben. 'Denn unbeschadet des Ausganges des Krieges würden weder Bulgarien noch Macedonien Vorteile daraus ziehen.
Wien, 17. Sept. Der wegen der Affäre in der türkischen Botschaft ausgewiesene Botschaftsarzt hat sich in Preßburg niedergelassen, um die weitere Entwicklung der Affäre abzuwarten. — Kaiser Wilhelm hat den Wunsch geäußert, daß zu dem Tiner in der deutschen Botschaft, welches ihm zu Ehren am Samstag stattfindet, auch die Fürstin Pau l i n e Metternich geladen werde. Die Fürstin kommt deshalb heute von ihrem ungarischen Gipte nach Wien.
Belgrad, 17. Sept. Das Kriegsgericht gegen die verhafteten Offiziere tritt morgen zusammen. — Wie aus Nisch gemeldet wird, wurde dort der abgesetzte General I a n k o w i t s ch, als er sich abends vom Kasino nach Hause begeben wollte, von einem Individuum, welches von dem General als ein in Zivil gekleideter Gendarm erkannt wurde, mit einem Messer angegriffen. Infolge eines wuchtigen Stockhiebes seitens des Generals ließ der Llttentäter das Messer fallen und entfloh.
Konstantinopel, 16. Sept. (Wien. Korr^-Bur.). Nach diachrichten aus Sandschak Kirkllisse beginnt dort jett dem Abmärsche des albanesischen Redif-Bcttaillons Ruhe einzutreten. Die Geschäfte sind wieder geöffnet. Die Lokalbehörden sind bemüht, das in den Dörfern geraubte Eigentum den Besitzern wieder z!w verschaffen. In dem von Bulgaren und Griechen bewohnten Dorfe Evkarion wurden die griechischen Einwohner von einer Militär-Abtettung aufgefordert, das Dorf zju verlassen, da es als kompromitttert verbrannt werden müsse. Die Einwohnerschaft leistete der Aufforderung Folge. Inzwischen war aber Gewehrseuer eröffnet, bei dem 15 Griechen getötet wurden. Eine entsprechende Beschwerdeschrift des griechischen Bischofs, sowie des Konsularkorps ist von Konstantinopel abgegangen. Auch andere Dörfer sind vom gleichen Schicksal, wie Evkarion, seitens 'der Truppen und der Baschibozuks bedroht.
X,. Newyork, 17. L>ept. Wie der „World" aus Richmond (Indiana) gemeldet wird, hat Tr. 5^amley in zwei Experimenten nachgewiesen, daß durch Anwendung von Röntgen-Strahlen graue Haare ihre ursprüngliche Farbe zurück erhalten.
Newyork, 17. Sept. Die Stadt und die Umgebung wurde am 16. September von einem starken Sturm heimgejucht, bar großen Schaden anrichtete. Die Windstärke betrug 60 englische Meilen die Stunde. Seit Jahren herrschte kein so gewaltiger Sturm mehr an der Küste von ^New-Jersey. Präsident Roosevelt befand sich, als er sich an Lord der Flottenyacht „Sylph" zur Besichtigung der Ein- wanderer-Ernrichtungen nach Ellis-Jsland begab, infolge des Unwetters einige Zett in gefährlicher Lage. In der Rcöhe der „Sylph" fant ein Schleppdampfer bei der Durchfahrt durch das Höllentor.
Telephonisches* Kursbericht.
lianktnii
3 x/2% Reichsanleihe . . 101.10 3% do. . 89.25
37i°/o Konsols .... 101.10 3% do. 89.30 372% Hessen .... 100.15 37i% Oberhessen . . . 99.20 4% Oesterr. Goldrento . . 101.80 4l/6% Oesterr. tiilberrento 100.10 4% Ungar. Goldrente . . 99.10 4°/j Italien. Rente . . . 102.70 4% % Portugiesen . . . 50.45 3°/ Portugiesen 31.00 1% C. Türken . ... 34 70 Türkenloso 127.40 4% Grieoh. Monopol.-Anl. 43.30 47a % äussere Argentiner 42.15
17. September iyu3
3j/q Mexikaner . . . 26.90 47s% Chinesen . . . . 91.20 Electric. Sohuckert . . . 96.40' Nordd. Lloyd . . , 10120
Kreditaktien 201.00 Diskonto-Kommandit. . . 185.40 Darmstädter Bank . . . 135 7g Dresdener Bank . . . . 145.20 Berliner Handelsges. . . 151.60 Oesterr. Staatsbahn . . . 138*50 Lombarden . . , . . 16.70 Gotthardbahn .... 188.7-j Laural. litte 229 50 ßocham.....* . 183’00
llarpener 185.70
Tendenz: ruhig.


