zeitgemäße Fortbildung des Bestehenden sei die Parole? Das Korreferat Stockers billigte im allgemeinen die Forderungen der Rednerin, auch in Bezug auf das Wahlrecht zur Kirchengcmeinde. Es folgte eine angeregte Diskussion.
Ausland.
Kopenhagen, 16. April. Zwei dänische Minister, Hörup und Sörensen, sind ehemalige Redakteure. Als diese beiden Kaiser Wilhelm vorgestellt wurden, äußerte der König einige anerkennende Worte über ihre ministerielle Tätigkeit. Als die Minister entlassen waren, meinte König Christian: „Sie sind ganz tüchtig, aber sie haben von rhrer früheren Tätigkeit her noch die Angewohnheit, daß sie manches Schriftstück ungelesen in den Papierkorb wanoern lassen — weil sie es für ein Früh- ^ingsaedicht oder so etwas halten."
Brüssel, 16. April. „Petit bleu" will aus London erfahren haben, daß die Unterhandlungen zwischen der e n g - lischen Regierung und dem Vertreter der kongostaat- licheri Verwaltung, Van Etvelde, über die Abtretung des Gebietes von Lado einen befriedigenden Verlauf nehmen.
Malta, 16. April. Nach seiner Ankunft empfing König Eduard an Bord seiner Jacht den Gouverneur von Malta, sowie den Kommandanten des Mittelmeer-Ge- schwaders und begab sich an Land unter dem Geläut der Glocken und dem Donner der Geschicke der Schiffe und der Forts, die den Königssalut abgaben. Auf den Kais und in den Straßen bildeten Souraten und Matrosen Spalier. Der König fuhr, lebhaft begrüßt von einer zahlreichen Menge, nach dem Schloß und frühstückte bei dem Gouverneur.
Rom, 16. April. Wie die Blätter übereinstimmend mitteilen, läßt der Zu st and des Papstes zu wünschen übrig. Der Papst empfängt zwar noch Pilger, antwortet aber nicht mehr auf irgend eine Adresse. Es ist nicht zu leugnen, daß der Schtvächezustand des Papstes beständig zunimmt, veranlaßt durch permanentes Husten und Appetitlosigkeit. Eine unmittelbare Gefahr besteht indessen nicht. Nichtsdestoweniger haben aber die vatikanischen Beamten, welche eine Funktion im Falle des Ablebens des Papstes auszuüben haben. Befehl erhalten, Rom nicht zu verlassen.
Budapest, 16. April. In der heutigen Sitzung des Abgeordnetenhauses kam es aus Anlaß einer Inter- pellationsdeantwortung über Vorgänge in dec Fünfkirchener Honved-Kadettenschule durch den Honvedminister zu einer derartig stürmischen Szene, daß die Sitzung behufs Beruhigung der Gemüter suspendiert werden mußte. Die Opposition überschüttete den Honvedminister mit einer Flut von Schimpfworten, weil er erklärt hatte, die Opposition vergifte die Jugend durch ihre aufreizende Agitation. Sie forderte den Präsidenten auf, daß er dem Minister -inen Ordnungsruf erteilen solle, was dieser jedoch ablehnte.
Agram, 17. April. Gestern abend gab es abermals Exzesse. Die Demonstranten rissen das Schild eines Fahr- kartenfchalters herab und zertrümmerten durch Steinwürfe Zahlreiche Fensterscheiben des Staatsbahn Hofes. Polizei und Gendarmerie zerstreute die Menge. Militär ist in Berell- schast, Patrouillen durchziehen die Straßen.
Athen. 16. April. Der Kronprinz und Prinz Eitel Friedrich Haven Eleusis, Korinth, das alte Delphi und Delphi besucht Und werden sich heute nach Olympia begeben.
Petersburg, 17. April. Die „Finl. Ztg." bespricht tat leitender Stelle das Reskript des Kaisers an den Genera lgouverneur von Finland, durch das diesem eine außergewöhnliche Vollmacht zur Sicherung der Staatsordnung und allgemeinen Ruhe Finlands verliehen wurde. Der Artikel schließt: Wir wollen hoffen, daß die außergewöhnlichen Maßregeln zu dem gewünschten Resultat führen werden und daß damit der Notwendigkeit zu noch härteren Maßregeln vorgebeugt werde, bei denen augenscheinlich die ruftische Regierungsgewalt nicht stehen bleiben wird, um, was es auch koste, für jeden Untertan den heiligen selbstherrlichen Willen des Kaisers zu ver- wirllichen.
Algier, 16. April. Präsident Loubet besichtigte heute vormillag die Division Algier und die Landungs- kompagnie des Mittelmeergeschwaders auf dem Manöver- selde von Mustavha. Die Ossc'ziere der fremden Geschwader wohnten der Besichtigung bei und gaben beim Vorbeimarsch der Truppen Zeichen von Beifall. Der Marineminister Pelletan empfing am Nachmittag an Bord des Schisses „Saint Louis" die Kommandanten der anwesenden fremden Geschwader. In einer Ansprache an die Kommandanten drückte der Minister den Wunsch aus, daß die Flotten, zu denen die jetzt in dem Hafen von Algier liegenden Geschwader gehören, sich nie auf anderem als dem Gebiete der Brüderlichkeit begegnen möchten. Ter Kommandant des italienischen Geschwaders erwiderte im Namen der übrigen Admirale mit einem Trinkspruch aus den Minister Pelletan und die französische Marine.
Internationaler Kongreß gegen den LllkoholismuS.
IL
Bremen, 16. April.
Ter Prager Prof. Hüppe sprach gestern vormittag über ,Iörperübungen und Al ko Holismus". Es hat sich gezeigt, daß unter Umstünden dauernde Ermüdungserscheinungen infolge von Alkoholgenuß auf treten. Tahin gehören Ausmerksamkeitsübungen. Alle Arbeiten, welche er* höhte Aufmerksamkeit, Sicherheit der Boobachmng erfordern, ferner gewisse sportliche Leistungen gedeihen un- vergicichlich besser unter einer alkoholfreien Lebensweise. So erklärten sich 60 Prozent Alpinisten für die Abstinenz; ähnlich lag die Sache bei Radlern. Bei diesen Dauerübungen spricht die Erfahrung also für die Abstinenz, ebenso ist das beim Rudersport der Fall. Allein hierbei kommt in Betracht, daß daS erziehende Moment beim Sport hauptsächlich in der Entwöhnung von vielem Getränk, nicht bloß vom Alkohol enthalten ist. Die Gewebe unseres Körpers müssen nicht durch vieles Trinken „verwässert" werden — sozusagen. Dieselben Erfahrungen toten auch gewisse Athleten dar: sie neigen alle zur Abstinenz, und die Erfolge der türkischen Ringer haben diese Erfahrungen von neuem bestätigt. Absolut schädliche Wirkungen äußert der Alkohol in den Tropen in der Hitze; weniger schlimm ist es dagegen in den nordischen Ländern damit bestellt. Ten wissenschaftlichen Zusammenhang dieser Erscheinungen hat Rubner nac^cwiesen. Der Alkohol lähmt m einem gewissen Sinne die Tätigkeit der Schweißdrüsen. Anderer,eits ist aber Fritjof Nansens arktische Reiseerfahrung mit seiner abftinemen Lebensweise nicht ganz beweiskräftig. Tas Seelenleben deS berühmten Nordlandreisenden hat entschieden unter feiner arktischen Abstinenz start' gelitten. Rein en falte ist bir Sache mit der
strenge
a.kohol^chen Getränken ist. Folglich
Redensart erledigt: „Alkohol ist ©ift". Alle Versuche an Tieren, denen Alkoholmengen eingeflößt wurden, find in ihren Ergebnissen ebenso falsch |ür die Entscheidung über die Frage nach der absoluten Schädlichkeit verwendet worden. Tie Rolle des Alkohols beim Ernährungsver- brennungsprozeß ist durchaus keine spezifisch zerstörend wirkende. Es tritt vielmehr bei seinem Eingreifen in den Emährungsprozeß ein Austausch zwischen feinen und den Protoplasmabestandteilen ein. Bei der Beurteilung der Frage über die Schädlichkeit des Alkohols übersieht man häufig die Bedingungen, unter denen die Alkoholreize aus- geübt werden. Kleine Alkoholgaben, während der Arbeit dargereicht, find physiologi,ch zuweilen nützlich Allein diese physiologisch festgestellten Tatsachen tun jener Auffassung keinen Abbruch, welche den Alkohol bei großen Volksfesten, bei Volksfpielen, bei allen Körperübungen für schädlich erklären. Pros. Hüppe war mit seinen kritischen Bedenken den fanatischen Abstinenzlern unbequem; allein er hatte völlig recht, zu behaupten: ob unangenehm oder nicht — die Wissenschaft steht jenseits von Gut und Böse, und sie könne auf ihr kritisches Amt nicht verzichten.
Zwischen dieVormittagsfchung^und die Nachmittags- Verhandlung Halle der Bremenser Senat ein Frühstück gelegt, das in der eigenartig prächtigen Oberhalle des herrlichen altberühmten Rathauses eingenommen wurde. Die meisten Anwesenden schlürften mit Behagen alkoholfreie Getränke, unter denen einige sich als Traubenweine ausgaben. Es waren auch unvergorene Nebenerzeugnisse. Allein der hergebrachte „Rotspon" und ein unglaublich milder „Cuejer" Mosel behiellen schließlich die Oberhand. Tem Kongreß ging auf die an den Kaiser gerichtete Huldigungsdepesche folgendes Antworllelegramm zu: „Se. Majestät der Kaiser uno König lassen dem 19. internationalem Kongreß gegen den Alto Holismus für den freundlichen Gruß bestens danken. Allerhöchstdieselben nehmen an den Bestrebungen des Kongresses warmen Anteil. Aus Allerhöchsten Befehl: von Luccmus."
Ten ersten Vorttag in der Nachmillagssitzung hielt Tr. Legrain (Paris) in französischer Sprache über „A lko - Holismus und Tuberkulose." Niemand kann mehr in Abrede stellen, daß zwischen Tuberkulose und Alkoholis- mus ursächliche Beziehungen bestehen. Ter Alkohol schwächt überhaupt die Widerstandsfähigkeit des menschlichen Organismus. Er prädisponiert das Individuum zur Tuberkulose durch die lähmenden Einflüsse, die er aus das Zellprotoplasma ausübt, welches dadurch in seiner Widerstandsfähigkeit gegen das Eindringen der Parasllen geschwächt wird. Er prädisponiert für die Tuhprkulose, indem er alle Verteidigungsmittel des Organismus zerstört, besonders indem er die Gesundhell des Nervensystems an greift. Er bringt Störungen des allgemeinen Ernährungszustandes mit sich. Indern er angeborene Schwächezustände hervorruft, prädisponiert er die Vererbungstuberkulose der Kinderzeit. Tiefe ist viel häufiger als die angeborene Tuberkulose, deren tatsächliches sSortommen sogar vielfach bestritten wird. Aber der Alkohol wirkt endlich auf den schon von der Tuberkulose befallenen Organismus weiterhin schädigend ein; er verschlimmert die Ansteckungsgefahr und beschleunigt deren Entwickelung. Bor allem verhindert der Alkohol die Hellung der Krankhell, die an sich immer möglich ist. Man kann daher sagen, daß die syste- matische Behandlung der chronischen Tuberkulose mit Alkohol eine vollständige physiologische Verkehrtheit darstellt. Ter Alkohol prädisponiert den Menschen sozial zur Tuberkulose, indem er jeden moralischen Rückhalt, jedes moralische Ideal zerstört. Der Alkoholiker versteht weder zu essen, noch fich zu lleiden, noch sich eine passende Wohnung zu suchen, npch seinem Leben eine nut der Ethik im Einklang stehende Haltung zu geben. Demgemäß sind nicht die Ansteckungsträger (Bazillen) die wahren Ursachen der Tuberkulose, sondern alle diejenigen Faktoren, welche geeignet sind, die Macht dieser Bazillen zu steigern, und deren Giftigkeit zur vollen Wirkung zu bringen. Tahin gehören schwere Krankheiten, Exzesse, Schlemmerei, unnütze Ermüdung, Ueberanftrengung, physisches, moralisches und pekuniäres Elend, Mangel an Hygiene. Das sind Ursachen, die größtenteils direkt aus dem gewohnheitsmäßig betriebenen Alko^lmißbrauch hervvrgehen. Praktisch darf man die Problemfrage der Tuberkulose nicht mit der der Heilung von Tuberkulösen verwechseln. Vielmehr folgt logischerweise daraus, daß die Bekämpfung der Tuberkulose der Behandlung der Tuberkulösen do ran» gehen muß, und daß diese Behandlung in erster Linie eine soziale, das heißt eine vorbeugende ist. Durch Heilung einiger, auch vieler Tuberkulöser bringt man die Tuberkulose nicht zum Verschwinden, so wenig wie man die Trunksucht aus der Welt schafft und die Trinksitten bessert, wenn man einige Trinker heilt. Die Lösung der Frage wird unendlich well und ohne wirklichen dkutzen hinausgeschoben, wenn man gegen die eigentliche Ursache der Krankhell zu Felde zieht, obwohl feststeht, daß die beihelfenden Ursachen die Hauptrolle spielen, liebertrag* barleit der Tuberkulose durch Ansteckung gibt es tatsächlich, aber man hat ihre Bedeutung übertrieben. Gewiß wäre es falsch, zu sagen, daß man die Tuberkulösen nicht be- hanoeln und ihnen nicht helfen, oder daß man biie Herde der Tuberkulose nicht zerstören solle, aber man muß, der Wichtigkeit der Sache entsprecheiid, zunächst daran denken, die Trinksitten zu bessern und die Herde des Alkoholismus zu zerstören. Es ist ein Irrtum, anzunehmen, daß der Krieg gegen das Ausspeien, die Isolierung der Tuberkulösen und ihre persönliche Behandlung ausreichen zur Heilung der Tuberkulose. Wenn auch das Sanatorium von Nutzen für die Tuberkulösen ist, so bedeutet es doch in sozialem Sinne einen Irrweg, solange nicht als Gegengewicht eine gleichsinnige Entwicklung von Werken allgemeiner Prophylaxe (Vorbeugungsmaßregeln) stattfindet, deren nichtigstes der Kampf gegen den Alkohol ist. Ueber den Alkoholismus triumphieren, heißt annähernd auch über die Tuberkulose triumphieren. Tie Ansttengungen der öfsent- lidjen Gesundheitspflege und privaten Wohltätigkeit werden verschwendet, wenn sie siech wie es gegenwärtig der Fall ist, lediglich den Tuberkulösen zuwenden. Die Unterstützung der öffentlichen Macht und,das in sozialem Sinne an« gewandte Kapital werden in 'falsche Bahnen geleitet, wenn sie sich nicht mindestens in gleichem Maße den Bedürfnissen der Anttalkoholiker zuwenden. Das antituberkulöse Sanatorium erfordert neben sich als hygienisches Erganz- ungskampftnittel das anttalloholische ^Sanatorium. Tie Solidarität _in dem antialkohollschen Kampfe vermag mehr gegen die Tuberkulose auszurichten als <xmatoricn, die sich nur an die Kranken wenden, und deren Hauplübelstand darin gefunden werden muß, daß sie keine Gewähr barbieten für die Zell nach der Enllassung aus dem Sanatorium. Die wahre individuelle und vor allen Dingen die soziale Behandlung der Tuberkulose besteht in der Anwendung von Vorbcu<,ungsmaßregcin, deren wiästigste die
muß die antlluberkulose Derllättgkett zugleich ernt anrt- alkoholische 25er f tätigtet fein. Die Aerzte der antituber- kulosen Sxilanftaltcn und der antlluberkulosen Tispensa- toricn haben die Pflicht, Abstinent zu sein und ihre Kranken zur Abstinenz zu erziehen. Unter allen Umständen sollten Die bestehenden und die zukünftigen Sanatorien Mittelpunkte für antialkoholische Erziehung durch Lehre und Beispiel sein. Die Behandlung der Tuberkulösen in diesen Anstalten muß eine methodische, fortschreitende und vernünftige Erziehung zur Praxis der Abstinenz umfassen. Tie abstinente Lebensweise ist unter dem doppelten Gesichtspunkte der Heilung und Erziehung doppelt notwendig.
In der Diskussion lenkte Herr Forel die Aufmerksamkell der Versammlung auf das Moment der Vererbung, der Prädisposition. Tie Trinker schaffen prädisponierte Geschlechter, darin liegt nach Forcls Ansicht der Schwerpunkt, nicht in der Bakterienjagd. Bekämpfen wir den Alkoholismus, so entziehen wir den Bakterien den 'Mhrboden. Allerdings büifcn auch die übrigen die Widerstandsfähigkeit des Körpers herabsetzenden Momeme bei der Bewertung Der Kampfmittel gegen den Alkohvl^mus nicht unterschätzt werden.
Dr. med. Fröhlich-Dien: Wir Antialkoholisten müssen die Bestrebungen der Arbeiter unterstützen, die zum Zweck haben, sich gewerkschaftlich und politisch zu organisieren, um höhere Löhne, bessere Arbeitsbedingungen und höhere Bildung re. zu erreichen. Nicht Wohltaten von oben können Den Arbeitern helfen, wir müssen die Arbeiter unterstützen, damit sie in der Lage sind, sich aus eigener Kraft eine menschenwürdige Existenz zu schaffen. (Lärm! Ruse: Es ist hier keine politische Verfammlung.) — — Vorf. Dr. Delbrück: Ick bin der Meinung, ich kann auch bei diesem Redner die Grenze nicht zu scharf ziehen. ^Beifall und Widerspruch.) — Dr. Fröhlich: Wir Aerzte wissen doch sehr genau, daß von 100 ärztlichen Ordinationen kaum 10 befolgt werden, weil das Volk zu arm ist. (Admiral Thomsen ruft: „Wenn Sie eine politische Versammlung abhalten wollen, bann erlauben Sie wohl, daß ich den Saal verlasse." Große Unruhe.) Admiral Thomsen verläßt den Saal.
Tr. med. Alfred Plötz-Berlin sprach danach über: „Der Alkohol im Lebensprozeß der Rasse". Der Redner führte etwa aus: Innerhalb einer Rasse hat ein Alkoholkonsum, bei dem alle individuellen Grade gleichzeitig vertreten sind, die Tendenz, die Geburtenziffer in einem geringen Maße herabzusetzen, und die Sterbeziffer in einem höheren Maße zu steigern, also die Geburtenüberschüsse zu vermindern. Er bewirkt eine Vermehrung der inneren Reibung im Lebensprozetz Der Rasse, die sich zeigt in Verminderung der Arbeitsleistung, in Vermehrung der Verbrechen, Der geistigen und körperlichen Hrantbeitcn, der Unfälle, der frühzeitigen Invalidität rc. Er schädigt durch alle diese Momente die Spannkraft der Rasje nach außen im Kampf ums Dasein mit anderen Rasfen. Rassenhygienisch muß somit vor allem eine Beseitigung des mittelmäßigen Trinkens ersttebt werden, in zweiter Linie dann auch Die des unmäßigen. — Nachdem noch Dr. med. Rüding-Bcrlin einen längeren Vortrag über den Alkohol im Lebensprozeß der Rasse gehalten, wurde beschlossen, die Besprechung hierüber zu vertagen.
Der Vorsitzende Dr. med. Delbrück-Bremen bemerlte. Es ist der Vorwurf erhoben worden, daß ich eine politische Rede zugelassen habe. Dr. Fröhlich hat ausdrücklich erklärt, daß es ihm ferngelegen habe, eine politische Rede zu halten. Er stehe auf dem Standpunkt jeines Schluß- fatzes: „Die Erfüllung der sozialen Forderungen sei eine hygienische Ausgabe". — Hieraus wurde die Verhandlung vertagt.
Aus Stadt und Land.
Gießen, am 17. April 1903.
** LandeSverein akademisch gebildeterLehrer. Wie wir schon berichteten, hält der Hessische LandeSverein akademisch gebildeter Lehrer seine diesjährige Tagung heute, Freitag, den 17., und morgen, SamStag den 18. April, hier ab. An Veranstaltungen sind vorgesehen: Freitag nachmittag Besuch des Gleibergs und Gang durch die Stadt, später Be- grüßungSabend in SieinS Garten. SamStag 11 Uhr Hauptversammlung, 3 Uhr Mittagesien in Steinß Gatten und abends AbschiedStrunk im .Großherzog von Hessen*.
•* Die Verbandskasse der Kriegerkameradschaft „Hassicri besitzt ein Gesamtvermögen von 117 783 Mk. Für Unterstützungen wurden daraus außgegeben 9 210 Mk. Die Prinz Ludwig-Stiftung hat ein Vermögen von fast 28 000 Mk. Daraus wurden 865 Mk. für Unterstützung verwandt. Die Ernst-Ludwig-Viktoria-Melita-Stiftung hat 160 019 Mk. Vermögen. An Konfirmanden (Waisen) ronrben 1970 Mk. bezahlt. Der Reingewinn für den Hassia-Kalender beträgt 4587 Mk. An Unterstützungen wurden im Ganzen über 12 000 Mk. verausgabt, trotzdem hat sich baS VerbandS- kapital um 11 407 Mk. vermehrt, daS der Prinz Ludwig- Stiftung um 570 Mk. und daS der Ernst-Ludwig-Viktoria- Melita-Stistung um 1175 Mk. DaS Gesamtoerinögcn aller Kasten der „Hassicri stieg also von 146 870 Mk. um 13 149 Mk. auf 160 019 Mk. Der Reinertrag auS der 2. Verbandslotterie betrug rund 6000 Mk. — Der diesjährige Delegiertentag der »Hassicri findet am 14. Ium in Bingen statt.
w. Abendstern, 16. April. Vor einigen Tagen sind auf dem Kalkwerk die alljährlich wiederkehrenden polnischen Arbeiter angelangt, welche vorerst noch nn Steinbruch Arbeit finden. Bei beficrem Wetter wird der Einzeldellicb wieder aufgenommen, in welchem die Polen biß zum Herbst Beschäftigung finden. Die Leute bekommen übrigens den- selben Lohn wie die heimischen Arbeiter, sind also keine Lohndrücker. dabei aber genügsame Leute, die sich die Zeit über, wo sie hier Arbeit haben, ein Sümmchen zusammensparen, da- sie im Herbst mit in die Heimat nehmen.
§ Butzbach, 16. April. Der seitherige erste Direktor unserer im Jahre 1891 errichteten Realschule, jetzt Oberrealschuldirektor Jäger wurde in Würdigung feiner Verdienste um Gründung des hiesigen Museums, Förderung der Geschichtsforschung Butzbachs und der Wetterau, Verschönerung un'erer Gegend u. bgl., zum Ehrenbürger von Butzbach ernannt. Ter hiesige VolksbildungSoerein ernannte ihn ferner zu feinem Ehrenmitglied. Der Geschichtsverein ließ ein großes Brustbild JägerS malen und im Attettumshause anbringen.
R. B. Darmstadt, 16. April. Die heutige Sitzung der Stadtverordneten beschäftigte sich u. a. mit der auch in der Zweiten Kammer zur Erötterung gelangten Frage, I tn welcher Weise die behufs Kreditierung von Zollgefäll« nn


