Nr. 89
tlbrefle für Trpddien: Anzeiger Gietzen.
^frn'prrtfian'dilufi'Nr 51.
außer Sonntag«.
Dein Giehener Anzeiger werden im Wechte! mit dein besftschea Landwirt die Oietzever Zamilirn- dlütter viermal tn der IBodx deigelegl.
ytomnonibrud n. Ter- Ioq der Trüb I'leben Umoed.-Tud)* u.6iein» bruderei (!her1d}tirbtn) Redaknon. (trpeöitwn und vruaeret:
Zweites Blatt. LS». Jahrgang Freitag L7. April l 903
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Amis- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen
J>le heutige Dummer umfaßt 10 Seite«.
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Pie „vortreffliche" <^age.
In der „Nordd. Allg. Ztg." werden die gestern von un- kurz erwähnten Aeußerungen de- Grafen Bülow gegenüber einem Mitarbeiter de- Pariser „Temps" nicht aoge- brudt, nicht einmal erwähnt. Auch der offiziöse Trabt bat von den Offenbarungen de- leitenden Staatsmannes oisyer keine dlotiz genommen. Der Bericht von der Unterredung macht den gleichen Eindruck der Echtheit. Man höre nur, was Herr Galtier noch erzählt:
Theokrit- Gedichte in deutscher Ue der setz, u n g sah ich auf dem Lesetisch des Kanzlers liegen. Dieser Lektüre entsprachen die eminent friedlichen Aeußer- ungen dc- Grasen Bülow, dessen elegantes Franzö- fisch einen kaum merlbaren, seltsamerweise engli- sch en Accent besitzt. Das Gesprächsthema war zunächst rein literarisch Ich kannte den Grasen Bülow seinem Stufe nach bereits als einen feinsinnigen Literatursrcund, aber wie er über den aus Pompeji bezüg. lichen Teil von Taine- Italienischer Reise" und dessen Kunftpbilosophie sprach zeigte ein den vornehmen Di- lettanii-mus wcttaus überragende-, ungewöhnliches Dar- flellung-talent. Nicht minder bemerkenswert war seine Würdigung der rednerischen Vorzüge Marco Minghetiis, welchem er besonders nachrübmte, daß er die Klassiker, namentlich die lateinischen, überaus wirksam zu zitieren wußte.
Schließlich sd>erzte Graf Bülow über die den Ministern de- Auswärtigen zuteil werdende Behandlung und meinte: „(Lin gutes Paraptuie vertragt Regelt, Schnee und Hagel."
An alledem erkennt man den Grasen Bülow. Aber am meisten vertraut ist dem Politiker der Optimi-mu-, dem der Reichskanzler auch bei dieser Gelegenheit Ausdruct gegeben hat. Die europäische Lage ist „im allgemeinen voctresslid-", die deutsch-französischen Beziehungen sind die besten, und den Sturm aus dem Balkan wird die Diplo- matie mindesten- einzuschränlen wisien. Graf Bülow gebrauche sogar da- Bild vom Sturm im Wasserglase.
Wie man die Dinge ansieht, das wird viel dadurch beeinflußt, wo und wie man sich befindet. Jin schönen Sorrent, befreit von den politischen Lagessorgen, wird dem Grafen Bulow die Situation noch rosiger erscheinen, al- wenn er in Berlin wäre. Da hat beispielsweise der österreichifch-unga- rische Botscl)after in Konstantinopel, Frhr. v. Calice, siel) soeben in viel weniger Hoss nun gsvollcc Weise über Mace- fronten ausgesprochen. Richt alles hängt vom Willen des Sultan- ab. Die Bemühungen des Suliaiis würden frucht- lo- bleiben, wenn man ihn nicht anlerte, die ricl-tigen Mittel und Wege zu finden. Wun, an „Anleitung" fehlt e- nich. Verlautet doch, daß Rußland und Oesterreich in den nächsten Tagen nochmal- „energische Vorstellungen" bei der Psorte maajen wollen. Gin türkischer Staatsmann erklärte die Lage für ernst und äußerte Mißtrauen gegen England. Tas letztere ist gewiß berechtigt; btt Friedensverficherungen bec britischen Staatsmänner schassen die Tatsache nicht aus ber Welt, baß Englands Zweden ein frischer, fröhlicher Dalkankricg, m den notwendig schließlich auch der alte Gegner England-, Rußland, hineiugezogen würbe, sehr ge- legen käme. England sucht mit heißem Bemühen Jeu lau- icrem Anschluß an Frankreich und findet Gegenliebe. Prä- ident Loubet verfehlte nicht, in Algier dem englischen Üdmiral die freudige Erwartung des im Mai bevorstehenden Besuchs Löttig Eduard.^ in Paris auszudrüden. ,/Nichts kann mir angenehmer sein, als diese Bet'räfligung unserer freundschaftlichen Beziehungen zu England", sagte der Präsident. Ist das keine Wolke am politischen Horizont, wenn zwei so intime Gegner Deutschland-, wie Frankreich und England es sind — nur daß die englische Regierung sich den Anschein giebt als sei die Haltung der großen Mehr- hcit der deutschen Bevölkerung im Burenkrieg ein Dergebenes Ereignis — einander näher rüden? In Frankreich fühlt man sich geschmeichelt durch die Auf merk, amkeiten der englischen Regierung und man trägt sich auch wohl mit dem stillen Plan die neue Freundschaft gelegentlich gegen Rußland auszuspielen wenn der teure und kostspielige Verbündete wieder einmal einen Defehlshaberton anschlägt.
Eine beruhigende Wirkung kann nach alledem die Ansicht oes Grafen Bülow, die europäische Lage sei im allgemeinen vortrefflich, schwerlich ausüben. Die Entscheidung aus dem Balkan muß kommen, der Druck liegt in den ganzen gespannten Verhältnissen, das ist der Alb, der auf Europa liegt Für alle Balkanvölker nahen ernste Zeiten, so führte Köliig Alexander von Serbien beim Festmahl anläßlich des zehnten Jahresfestes des Regierungsantrirts aus. Wie immer man sonst über Serbien denkt: in der makedonischen Frage hat es sich bei weitem ehrlicher und klüger benommen als Bulgarien. Fürst Ferdinand erholt sich in Mentone an der Riviera — da- soll ein Zeichen sein, daß keine ernste Störungen auf bem Balkan zu befurchten finb. Uns scheint mehr als wollte sich ber Fürst eine Art von „Alibi" schaffen, fall- es zur Erhebung in Macedonien kommt
Taß, wie ein Mitarbeiter der „Times" in Sofia behauptet, das Projekt einer allgemeinen Erhebung in diesem Jahre aufgegeben ist, kann eine Kriegslist sein, dazu aus- gesprengt, die Wächter sorgloser zm machen.
Und endlich: sind die Beziehungen Deutschlands und der Vereinigten Staaten vortrefflich zu nennen? Kaum daß die Venezuela-Dkrion vorüber ist, die Ablehnung der Einladung dcZ amerilauischen Geschwaders nach Kiel, die törichten Aeußerungen des Admirals Dewey über unsere Marine erledigt silid, tritt der Zw i schen s a l l aus der Ins el Ruck in den Ostkarolinen als ein neue- Moment auf, das Stoff bietet zu oeindseligk.uen gegen ^eusich- land. Dagegen schreibt die „Rordd. Allg. Ztg.":
Rach einem Bericht dc- stellvertretenden kaiserlichen Bize-Gouverncur- in Ponape hat der Kommandant des Kreuzer- Eormoran während der Anwesenheit des Schisse- auf der Insel Ruk in den Ost-Karolinen dort vier eingeborene Missionslehrer verhaften lassen, nachdem durch verschiedene Zeugen sestgestellt worden war, baß sie sich ungebührliche Aeußerungen gegen bie bcutsche Regierung und der Auf» reizung der Bevölkerung schuldig gemacht haben. Tie vier Eingeborenen sind am 1. Februar bei dem obengenannten (aijerL Beamten in Ponape cmgcliefert worden. Ta die Wahrheit der gegen bie vier eingeborenen Mr er erhobenen' Beschuldigungen nicht nur von diesen selbst, sondern auch von dem amerikanischen Mis.ionar auf Ruk, Mr. Steimsvn, bestritten worden ist, har sich der ka.se» ließe Vize-Gouverneur zur llntersuchung der Angelegen- beit selbst nach Ruk begeben. Seine Berichterpataung über das Resultat kann nicht vor Anfang Juni erwartet werden.
Man muß in Sorrent sich befinden, um angesichts solcher Vorgänge die Situation für „vortrefflich" zu halten.
yiiliti|ü)e (Lußruldiiuu
Die neue MilitäiVorlage.
Eine nicht immer mit Recht sich .offiziös" geberdende Korrespondenz ftnU glauben machen, daß eö mit der neuen Militärvorlage noch gute Wege habe nnd .zunächst von ihr keine Rede sein könne. Waö mit dieser Darstellung bezweckt werden soll, ist nicht recht ersichtlich. Kein ernst- Hasler Politiker kann darüber im Zweifel sein, daß die Grnnd- züge der nächsten Militärvorlage leitens der Heeresverwaltung festgestellt sind, daß speziell die Frage der organischen Um- beziv. Sleubilbung von Truppenoerbänden an der West- und Oslgrcnze deS Reiches im Prinzip entschieden ist. Tie diesjährigen, in Sachsen-Thüringen iiattfinOenben Kaiser- manüver dürften in dieser Beziehung kaum ergänzendes Ma- terial zu liefern haben. Es kann sich hierbei nur handeln um Beobachtungen, die bei der Bemessung der dleuforbc» ungen für Spezial,vaffcn in Betracht kommen. Nach unseren Informationen gilt dies namentlich für bic Kavallerie. Sie war bei der letzten Militärvorlage der parlamentarischen Kritik am meisten ausgesetzt und es liegt nahe, daß die Uli» lilärverwallung bei der neuen Vorlage den Versuch machen wird, baß ihr notwendig Erscheinende durchzufetzen. Ueber- öieß dürfte erinnerlich fein, baß bie unbeiirilten offiziöse .Norbb. Allg. ßlg.* vor kurzem bie Dlilüärvorlage ausdrücklich angetünbigt hat.
Dom Balkan.
Wie der „Frkf. Ztg." aus Konstantinopel telegraphiert wirb, ruft bie Lage im Dilajet Monastir bei der Pforte starke Beängstigung hervor. Man befürchtet eine allgemeine Bewegung für bie orthodoxen Oslertage. Der Zusammenstoß bei Kastoria zwisck)en türhfd^n Truppen und den von Saratoio angeführten Banden war ein Vorspiel hierzu. Saratow entkam, nack-dem seine Banden mehrere Soldaten getötet oder verletzt hatten. Mit Rücksicht auf bie stärkere Aktion der Bauden konferierte der Minister des Aeußern zwei Stunden lang mit dem russischen Botschafter über Die Lage und bie zu treffenden Maßregeln. Ucber die Verurteilung des Mörders Ibrahim hort der fiorre- fponbent deS Blattes zuverlässig, daß Rußland keine Revision des Prozesses verlangt habe, da die Pfvrte der russischen Botschaft die erste Verurteilung überhaupt nicht amtlich Mannt gegeben hat.
Die Blätternsloung, Rußland verlange von Bulgarien den auf Lstrumelien entfallenden Teil der Kosten dcs Befreiungskrieges, wird offiziös mit dem Bemerken dementiert, daß diese Angelegenheit bereits in Petersburg geschlichtet wurde.
Nach einem Petersburger Telegramm des Londoner „Daily Telegraph" soUen Rußland und Oesterreich zu bem Beschlüsse gelangt fein, daß energische Maßregeln in Macedonien erforderlich seien, und würden in bat nächsten Tagen ernste dahingehende Vorstellungen bei der Psorte mad^n.
Dculschcs Reich.
Berlin, 16. April. Tie Pläne für das deutsche Haus auf der Weltausstellung in St. Louis sind nunmehr vom Kaiser genehmigt worden. Auf feinen Wunsch ist ihnen eine ziemlich getreue Nachahmung des Charlottenburger Sc^oises zu Grunde gelegt worden.
— Ter Kaiser befrajlißte heute ein auf der Luisen- Jnsel aufgestelltes Modell zu der Jugendstatue Kaiser Wil» heims L von Prof. Drütt, hatte später im Auswärtigen Amt eine Besprechung mit dem Staatssekretär Frhrn. von Richthofen und hörte später im kgl. Schlosse die Vorträge des Kriegsministers, des Chefs des Generalstabs der Armee und des Chefs des Militärkäbinetts.
— Die Wahl des freisinnigen Landtagsabg. Stadtrat Ehlers zum Oberbürgermeister von Danzig ist vom Kaiser bestätigt worden.
— Der Verein zur Beförderung des Gewerbefleißes reranstaltete heute mittag eine Gedächtnisfeier für den verstorbenen Minister v. T e l b r ü d in der Singakademie. Als Vertreter des Kaisers wohnte Prinz Friedrich Leopold der Feier bei Cs nahmen u. a. teil die Minister Frhr. von Rheinbaben, Schönstedt, Wedel, Thielen und Oberpri.sident v. Bötticher. Tie Gedächtnisrede hielt G:h. $>rgrat Wedding.
— Tie vom Reichskanzler veranlagten Erhebungen über eine etwaige Herabsetzung der Arbeitszeit gewerblicher Arbeiterinnen sind nunmehr abg.- schlossen. Tie Aibc.tgebcr haben fich nahezu ausi^chmLl s
gegen eine gesetzmäßige Festlegung solcher Arbeitszeit erklärt. Es ist btinnad) anzunehmen, daß von U-r geplanten Aenderung des 8 137 ber Gewerbeordnung Adstand genommen werden wird.
— Zu der bevorstehenden Informationsreise deS russischen Verkehrs Ministers und einer Anzahl höi-erer Beamten feiues Risjorts wird aus Danzig telegraphiert: Der Minister will die preußischen Weichsel- Jicgulierung3ürbeiicn aus eigener Ans^Mrung genau kennen lernen, um nach diesem Muster endlich mit bvr seit einem Jahrzehnt ersehnten Regelung des russifck-en Stromlaufes Der Weichsel zu beginnen, wodurch die Eis- und Hochwasjer- gcfahr für bie Weich fei mehr und mehr schwinden bürste. In Taiizig wird der Minister vom Soiiutag ab einige Tage verweilen und von dort bie Reise per Bahn nach Tilsit und Memel fortfetzen, da er auch die Verhältnisse des Memelsironies genau kennen zu lernen wünscht.
Dresden, IG. April. Kronprinz Friedrich August ist heute nachmittag aus Cardone hier wieder eingetroffen.
Stuttgart, 16. April. Die Finanzkommission bet Abgeordnetenkammer erledigte den Gesetzentwurf über die Tilgung der Staatsschuld unb bie Umwandlung der Iprozen t. Anleihe von 1891/92 in eine 3r/rprozentige Staatsschuld.
Wahl-Bewegung.
-i- Groß-Karben, 16. April. Tie Agitation zur Reichstagowahl hat im Wahlkreis Friedberg-Büdingen begonnen. Der Kandidat der Sozialdemokraten, Siadlv. B u s o l d - Friedberg, hat in mehreren Orten ber Wetterau Versammlungen abgehallen. Auch seitens bec Nationalliberalen, deren Kandidat der seitherige Abg. Graf Or io l a-B üdes h eim ist, beginnt die Agitation. Man nimmt an, daß es wieder wie bei der letzten Reichstagsmahl zwischen Nalioitallibera.e>i und Sozicudemokraten zur Stichwahl kommt. Tie übrigen Parteien, bei denen es sich um Zählkandioaten haridelt, werden dabei den Aus« ,ck>lag geben.
Darmstadt, 16. April. Den „Neuen Hess. Volksbl.^ wird mugcteilt, daß gestern eine Vertrauensmännerversammlung des hessischen Bauernbundes und des Bundes der Landwirte gemeinsam als NeichStags- kandidaten für den Wahlkreis Tarmstadt-Groß- Ger a u den Generalmaior z. D. v. Kl öd en ans Wiesbaden aufstellten. Der Kandidat will sich keiner ber politischen Parteien bes Reicl-siags anschließen. So ist denn Die Hofjnung der Nationalliberalen, die agrarischen Elemente des Wahlkreises dock» noch zum Anschluß an das Trutzbündnis gegen die Sozialdemokraten gewinnen zu können, enbgiltig zu niebte geworden.
Bensheim, 16. April. Eine Vertrauensmännerver-- sammlung der nationalliberalen Partei aus dem Reichstaaswahlkreis Bensheim-Erbach beschloß, den seitherigen Vertreter Geh. Rat Haas wieder aufzustellen. Daß Der Bund der Landwirte unb ber hessische Bauernbund gleichfalls für diese Kandidatur eintreten würden, stand schon seit einiger Zeit fest.
Bingen, 14. April. Wie die „W. Nachr." hören, wird für das Zentrum im Wahlkreis Alzey-Biiigen Josef Sen f ter-Gabsheim kandidieren.
Kassel, 16. April. In einer Versammlung des nationalliberalen Wahivereins, in der sich der nationalliberale Gutsbesitzer Beinhauer den geladenen V^rlretern Der konservativen und der freisinnigen Partei vorstellte, gaben die Konservativen die Erklärung ab, Daß sie für Beinhauer stimmen würden. Ein Vertreter der Freisinnigen spracki Die Hoffnung aus, daß seine Partei bie Kandidatur mindestens nicht stören werde.
Kirche unb Schule.
Tie 8. Hauptversamm lung der Freien kirchlich-soziale n Konferenz wurde am Mittwoch in Berlin eröffnet Abg. Hofprediger a. D. Dr. Stöder verlas zu Eingang das Wort aus Apostclgefchichte 4, 32: „Tie Menge aber der Gläubigen war ein Herz und eine Seele." Lberlandesgerlchtsrat Dr. Tuncker>Naumburg hielt eine begrüßende Ansprache, an bie er eine Begründung der Gedanken der Konferenz knüpfte, diese namentlich ge^en den Vorwurf ber Rückständigkeit in Schutz nehmend, ^n das Bureau wurden Arbeiter, Handwerker, Geistliche berufen. Zahlreiche Bchörd^n (Kultusministerium, Handelsministerium ufro.) hatten bie Abwesenheit einer Vertretung ent- schulbigt Prof. Dr. Seeberg sprach über: „Tie Per,örtlich- feil Christi ber feste Punkt im freßenden Strome ber Gegenwart." Tie Nachmiitagssitzung war ganx ben Frauen gewidmet Aus der Tagesordnung ftam) als Thema: „Die Pflichten und Rechte der Frau in der kir ch- lichen und der bürgerlichen Gemeind e." AIS Referentin trat auf die erste Vorsitzende des Teuisch-evan- gelischen Frauenbuiides Fräulein Paula Müller (Hannover-, als Korreferent Abg. Hofpied^ger Dr. Stöder. Der Vortrag der Referentin, der eine Erweiterung der Frauenpflichten unb -Rechte in der kommunalen Armen-, Waisen- und Fürsorgetätigkeit, sowie in ber kirchlichen Vertretung verlangte, gipfelte in ben Worten: Wir haben ben Wunsch, die Einrichtungen ber bürgerlichen und kirchlichen Gemeinde ins Einverstäiidnis zu bringen mit den Forderungen der Zeit Zwischen beiden soll keine Spannung fein. Neue Gedanken unb Interessen sollten von der Kirche nicht abgelebt, sondern aufgegripen unb mit christlichem Geiste burch- brungen werben. Vergessen wir nicht, baß viele sogenannte göttliche Ordnungen nicht geworden sind, fonoern von Menschen als Ausdruck der Zeit gemacht wurden. Unsere Forderungen entsprechen der Gerechtigkrit und bedeuten eine Neubelebung der Gemeinde. Nicht Umsturz sondern


