Ausgabe 
17.4.1903 Erstes Blatt
 
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drücklich gi Zustand, d

sucht nach DcS

werden, den etwa austretenden Wünschen des Auslandes Zollfreiheit der Gerbmaterialien stattzugeben.

rchle der-

industrie in St. LouiS nicht oder nur sehr wenig ver­treten sein.

Wiesbaden, 16. April. Erbprinz und drb - Prinzessin zu Wied sind mit ihren Kindern zum B«iche der seit längerer Zeit zur Kur hier weilenden fürstlichen Estern eingetroffen, während der König von Württemberg in den nächsten Tagen hier erwartet wird. Der Fürst >on Monaco ist heute nach Paris abgereist.

Kleine Mitteilungen aus Hessen und len Nachbarstaaten. AuS Mainz wird gemeldet: Irin verheirateter Frankfurter Kaufmann geriet in der vergangenen Nacht in einer hiesigen Animierkneipe mit dem Wlrtt in Differenzen. Letzterer zog einen Revolver und schoß |?cn Kaufmann in die Brust. Dieser kam ins RochuShoSpital, iwo ihm ein Verband angelegt wurde. Trotz AbratenS des ArüeS bestand der Verletzte darauf, noch in der Nacht nach Hchise zu fahren. Die 26 Jahre alte ledige Rosa Kay ion Frankfurt a. TL, deren Eltern Wolfgangstraße 123 wohiln, hat sich am Donnerstag entfernt und vom Bahnhofe au5 einen Brief nach Hause geschrieben, in dem sie mittelst, daß sie sich ein Leid antun wolle. Die Verschwundene trägt graueS Kleid und ebensolchen Pilletot, ihre Wäsche ist ü. K

man auch kurz die Frage der Beschickung der WeltauSstegung in St. Louis. Eine Stimmung für die Beschickung sich nicht geltend. Demnach dürfte die deutsche

Aus Stad! uni) &nül.

Gießen, 17. April 1903.

** Personalien. Se. Kol. H. der Großherzog haben den Hoflakai Dern zum Hofkammerdiener ernannt. Dem Präsidenten der Königl. Preußischen und Großh. Hessischen Eisenbahndirektion Mainz, Breitend ach, wurde die Krone zum Komturkreuz 2 Klaffe des Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen.

e* Stadttheater. TaS Operetten - Ensemble hatte gestern abend mit dem .Zigeunerbaron* einen großen Erfolg. Welche prächtige Musik hat Strauß doch in diesem Werke geschaffen! Exakt und freudig wurde sie oon der lebensvollen Handlung getragen, der ein weicher, roukntischer Zug nicht fehlt. Wie die Musik keck und leicht sich empor­schwingt, so ist die Operette im ganzen auf einen he glichen, liebenswürdigen Ton gestimmt. Wir hatten auch wieder unsere Freude an dem flotten Spiel unserer Kunsl^gäste. Zsupan, der Schweinefürst, von Herrn Bruck dargesle^t, er- schien in einer vorzüglichen Maske. Es war gut, der Darsteller den dicken Polterer nicht übertrieben gal, denn diese Figur muß hübsch im Rahmen des Ganzen bleilxn und darf einer gewissen Vornehmheit nicht entbehren. Tlan sah mit Genuß, wie sicher und rechtzeitig er sich immcr dann zurückzog, wenn cs galt, die Musik nicht zu beeinträchtigen. Herr Sommer als Zigeunerbaron gefiel in dem sicheren und ruhigen Ansatz seines wohllautenden Tenors. Fräulein Stöger gab eine reizende Safsi und, was die Stimme an­langt, eine recht hübsche Leistung. An Anerkennung hat es ihr im Auditorium auch nicht gefehlt. Auch Frl. Bartl hat recht beifallswert ihre Arsena gestellt. Von den übrigen Mit­wirkenden ist zu sagen, daß ihr Zusammenspiel gut ge,ringen ist. Regie und Orchester ließen nichts zu wünschen übrig. Leider war das Theater nicht so stark besucht, wie eS das chöne Spiel verdient hätte.

weiteren wurde beschloffen, die zuständigen behördlichen < ellen < u ersuchen, daß jedeSmal, ehe Maßnahmen oder Belehr ngen zur Verhütung von Milzbrand-Erkrankunge^ an Menschen und Tieren erlaffen werden, Vertreter der Zentralvereins, der bereits seit Jahren zur Verhütung icser Krankheit mitgcwirkt hat, gehört werden. Schließlich erö tecte

Sommer stellte den Zuhörern eine interessante Kranke mit Stirnnahtverknöcherung vor, woran er das äußere AussHen solcher Kranken und ihre Lebensweise demonstrierte. Daß die Kranke 28 Jahre alt war, war ihr nicht anzusehen. In solchen Fallen darf man nid^t mit abstrakten Methoden an die Leidenden herantreten, sondern muß vielmehr die ihnen möglichen mechanischen Reihen pflegen. Zuletzt be­sprach Prof. Sommer, freilick wegen der oorangerücklen Zeit nur kurz, die für die Scyulc so bedeutsame Krankheit der Epilepsie. Gerade mit ihr muß die ärztliche Wissen­schaft nun vorankommen, nachdem wichtige Vorarbeiten schon geschehen sind. Leider war e5 bisher nur Privat­neigung der Aerzte, sich mit solchen Leidenden zu beschäf­tigen, denn obligatorisch wurde im Examen nichts davon oerlangL Tas wird hoffentlich anders werden, indem die auf diesem Gebiete gezeitigten Feststellungen zu eingehen­derem Studium dieser Krankheit auffordern.

Somit war der Vortragende zum Schluß gekommen. Er dankte den Erschienenen für das seiner Einladung ent­gegengebrachte Interesse, worauf Schulrat Dr. Wehr- Hahn-Hannover im Namen des Hilssschulverbandes für die interessanten Ausführungen seinen Tank aussprach Darauf verließen die Gäste die Klinik, in der sie durch die populären Ausführungen des Prof. Sommer, die übrigens auch durch zahlreiche photographische Abbildungen unter­stützt wurden, so interessante als nützliche Studien gemacht hatten.

ungen auf die Bauart und die Anlage der Wohnräume eines Krankenhauses besondere Fürsorge verwandt werden müsse. Es ist das Prinzip der Differenzierung hier nach­drücklich oeboten. Tie Kranken bedürfen, je nach ihrem Zustand, Der individuellen Wohnung. Dafür erscheint ein einziges, zentralisiertes System der ganzen Klinikanlage nicht geeignet. Außerdem erfordert der Zustand des Kranken nicht Abscheidung von der Außenwelt, sondern im Gegenteil die Rückführung zur normalen Lebenslage. Darum ist unsere psychiatrische Klinik der Stufenfolge der Krankheiten eittsprechend 'in mehreren Abteilungen ein­gerichtet, wovon die Ausstattung jeder einzelnen für sich oer Angewöhnung der Kranken an normale Verhältnisse dienen soll. Den Leichterkrankten sind einfache Wohnhäuser bestimmt, während zur Versorgung der schwerer Kranken eine entsprechende UeberwaHuugsoiszcplin vorgesehen ist. Allerdings entstehen dabei vrelfättigere Aufwenvungen und Ausgaben als bei einer Zentralisation der Räumlichkeiten. Allein das muß man im Interesse der Kranken mit in

des Auslandes, wie Häuteausfuhrzölle, Reiscndcn-BestetSrung u. s. w., beseitigt und die verbündeten Regierungen

Kirche und Schule.

Debet Kurzsichtigkeit geringen Grades bei den Schulkindern, ihre Ursache und ihre Bedeutung macht Prof. Dr. P. Silex in dem kürzlich erschienenen Bericht der städtischen Waisenverwaltung zu Berlin für 1901 einige allgemeine Bemerkungen, die wir, ohne in der ©adje selbst Stellung zu nehmen, hier wiedergeben wollen. Prof. Silex hat nämlich festgestellt, daß in dem Berichts­jahr 1901/02 von 264 ihm zugeführten Zöglingen des Rum­melsburger Waisenhauses 9, also 3,4 Prozent kurzsichtig waren, und schreibt dazu:Die Kurzsichtigkeit kann in ihrem Prozentsätze von 3,4 bei einer Elementarschule etwas hoch erscheinen, doch ist diese Zahl vom praktischen Ge­sichtspunkte aus von [einer Bedeutung. Don den 18 Augen hatten nämlich 12 eine sehr gute Sehschärfe und hatten nur die geringsten Grade der Kurzsichtigkeit. Darüber, ob man die Träger solcher Individuen bedauern soll ober nicht, gehen die Ansichten sehr auseinander. Ich für meinen Teil mache kein Aufhebens davon und stimme nicht in den Chorus aller derjenigen, die deswegen die Lehrpläne reformieren und die Schulhäuser niederreißen wollen. Für sehr viele Berufsarten sind solche Augen besonders gut und bieten Vorteile für das Leben, die ganz besonders von den vierziger Jahren ab hervortreten. Und ob die Schule an diesen geringen Graden der Kurzsichtig­keit Schuld trägt, ist nicht bewiesen. Mir will es steinen, daß, worauf immer zu wenig hingewiesen wird, die Häuslichkeit mehr sündigt als die Schule. Wie schlecht sind dort im allgemeinen die Arbeitsplätze be­leuchtet, wie groß ist dort die Zahl der Kinder, die im Dämmerlicht hinter der Gardine die Jndianergeschichten und die Romane verschlingen! Und was für eine Unsumme von Handarbeiten, die die Schule garnicht verlangt, ver­richten die Mädchen zu Hause, nur um das Wohlwollen der Tanten und Großmütter zu erlangen. Die wenigen Handarbeitsstunden in der Schule richten wohl kein Auge zu Grunde. Natürlich schaden sie dann, wenn die Kinder an sogenannter Kurzsichtigkeit leiden, und wenn die Augen hereditär belastet ober gar krank sind. Bei der Beurteil­ung dieser Fragen muß der Schularzt gehört werden, dem mit Vorteil, da heute niemand mehr alle Zweige der Medittn beherrschen kann, ein spezialärztlicher Beirat zu gewähren sein dürste."

Ale Kilssschuttagung.

ii

Mainz, den 15. April 1903.

Heute morgen begann die Hauptversammlung des 4. Verbandstages der Hilfsschulen Deutschlands. In feiner Begrüßungsrede gab der .Vorsitzende Stadtschulrat Dr. Wehrhahn-Hann-over einen kurzen Ueberblick über die über­aus rasche Entwicklung des Hilfsschulwesens in den letzten Jahren Während im Gründungsjahre des Verbandes 1898 in 52 deutschen Städten Hilfsschulen bestanden mit 4300 Kindern, sind gegenwärtig 174 solche Schulen vorhanden in 147 deutschen Städten mit ca. 15 000 Kindern. Die Zahl der letzteren hat sich seit 1898 etwa vervierfacht. Trotzdem entbehren noch immer viele tausende schwach- befähigter Kinder eines für sie geeigneten Unterrichts, sodaß noch immer viele Arbeit auf dem Gebiete der Ver­breitung der Hilfsschulen zu leisten ist. Die Versammlung wurde begrüßt im Namen der Hessischen Negierung durch Oberschulrat Dr. Scheuermann, durch Den ersten Beigeord­neten Dr. Schmidt im Namen der Stadt Mainz, durch Kreisschulinspektor Dr. Zang im Namen des Ortsausschusses und der Lehrerschaft.

Nach Bestätigung der Beschlüsse der Borversammlung hielt Hilssschulleiter Telitsch^Plauen einen Vortrag überbas schwach begabt e Kind im Hause und in der Schule". Redner schildert, wie die Erscheinungen der Schwachbefähigung allmählich in den ersten Lebensjahren in Aussehen und Verhallen der Kinder hervortreten, die Gefühle, mit denen die Eltern ihr Heranwachsen be­gleiten, die Beurteilung, welche sie bei ihrer Umgebung finden und bereu Verhalten gegen sie. Die Stellung, welche in der öffentlichen Volksschule Lehrer und Mitschüler zu ihnen einnehmen. Er betont und begründet die 97ocl> wendigkeit der Hilfsschulen, in welche die Schwachbegabten nur nach voraufgegangener pädagogischer und ärztlicher Prüfung Aufnahme finden sollen, legt dar, wie eine solche zweckmäßig ctttzurichtcn ist und welche besonderen Auf­gaben dem Hilssschullehrer obliegen und fordert Einricht­ungen für Ausbildung und Fortbildung der letzteren.

Als zweider Redner berichtet Oberomtsrichtet Nolte- Braunschweig überDie Berücksichtigung der Schwachsinnigen im bürgerlichen Recht des Deutschen Reiches". Redner hch zugleich! verwandte Gebiete, vor allem die Zivilprozeßordnung mit heran- gezogen und bietet in seinem Bortrage eine Zusammen- stellung und Erläuterung des hier in Betracht kommen­den sehr reichen Ntttterials mit Bezug auf Die verschiedenen Seiten der Betätigung des Individuums im öffentlichen und privaten Leben, z. B. Rechts- und Geschäftsfähig­keit, Entmündigung, Eheschließung, Fürsorge in Ausübung der elterlichen Gewalt, durch Vormundschaft und Pfleg­schaft. Des weiteren sand eine Beratung über auf einem früheren Verbandstagc vom Hauptlehrer Kielhorn-Braun- schweig vorgelegte Leitsätze statt, welche allgemeine unter­richtliche Gesichtspunkte und den Stundenplan der Hilfs­schule betreffen. Den Schlußvortrag hielt Hauptlehrer Mayer-Mannheim über den Sachunterrichi in der Hilfs­schule. Als Versammlungsort für den nächsten Verbands­tag wurde Bremen in Aussicht genommen. Nach Beendig­ung der Verhandlungen fand ein gemeinsames Essen, nachher eine Besichtigung des Tomes und am Abend ein Konzert statt, gegeben von fünf GesangSvereinen der Stadt Mainz unter Mitwirkung mehrerer Solisten

Kauf nehmen. Separierung, nicht Isolierung, muß man anstreben. Dem entsprecheild Haven die Soaderzugäuge zu den Garten-Anlagen, toie sie hier vorhanden sind, besondere Vorzüge. Jeder Teck der Anstalten ist von Wegen zugänglich, und beim Aufenthalt Der Kranken in den Anlagen vereinfacht sich der lleberwcm.)ungsoienst insofern, als man von Den Fenstern der einzelnen Gebäude Die Kranken leichter beobachten kann. Interessant war das Alodell eines Wachsaales, Das im Hörsaar aufgestellt war und von Pros. Sommer erklärt wurde. Da jeoer solcher Saal in Verbindung sttht mit einer Ncbenwacye uno Diefe wiederum mit der ärztlichen Aussicht im oberen Stock, |o erforderte diese Anlage allerdings auch vermehrte Aus­lagen, die aber im Interesse der Krankenpflege sich reich­lich lohnen. Im Anschluß 'an diese Enaurerungen er­folgte unter Führung von Prof. Sommer der Lurchgang Der Anwesenden durch die bäium lichtesten der Klstnk. Alle zeichnen sich durch Zweckmäßigkeit und Sauberkett aus. Ueberall fanden wir praktische Vorrichtungen, die die Tätigkeit der Aerzte und Der Bediensteten technisch erleichtern. Die Betten der Kranken werden durch Klappen an beiden Seilen in guter Lage erhalten, was bei dem unruhigen Zustand der Kranken von Wichttgkeit ist. Alle Betten sind auf Rollen leicht in die ärztlichen Unter- suchungsräume zu verbringen, so daß dadurch den Leiden­den Aufregung und körperliche Anstrengung erspart bleibt. Tie ©artenanlagen find auf das Sorgfältigste gepflegt, und e ntsprechen ganz den Anforderungen, die geraoe diese Arten der menschlichen Krankbeiten in dieser Beziehung stellen. So wird denn wohl jeoer Besucher der psychiatri- schen Klinik den Eindruck gewonnen haben, daß sie in ihren Einrichtungen bis in alle Einzelheiten wohl durchdacht ist und geradezu muftergiltig genannt werden kann. Ter Vortrag, der nun nach Dem Rundgang über das an­gegebene Thema folgte, war auch sehr lehrreich Prof. Sommer begann mit dem Hinweis auf die mannigfachen Variationen im Zustand schwachsinniger Kinder. Man be­obachtet eine Gruppe verschiedener Symptome; nichts Ein­heitliches liegt da vor. Es erhebt sich nun vor allem die Frage: Wie entstehen diese Symptome? Tenn es ist festzuhalten, daß sie Endprodukte, nicht primäre Erschein­ungen sind. Wenn man sich fragt, auf welche Weise die verschiedenen Formen der Krankheiten entstehen, dann kommt man der Sache auf den Grund. Auch in gradueller Hinsicht verzeichnet man die mannigfaltigsten Schwank­ungen und Abstufungen, zu deren Beurteilung pathologische und psychologische Erfahrungen in gleicher Weise zu Rate zu ziehen find. Bei der Unsumme von Uebergangserschein- ungen ist es häufig gar nickt leicht, gleich das Richtige zu treffen. Man muß ausgehen von den Hauptkategorien der idiotischen Zustände. Prof. Sommer ging sie der Reihe nach durch und kam zuerst auf den Hydrocephalus zu sprechen. Photogrcrphiscke Abbildungen erleichterten den Zuhörern das Verstänonis. Ursache der Krankheit ist ein Vorgang im Innern des Gehirns, wo sich Wasser an- ammelt, wodurch Gehirn und Schädel räumlich sich ver­größern. Schon gleich beim ersten Anblick erkennt man daher die Krankheit. Der Druck, der durch die Wasser­ansammlung entsteht, richtet sich häufig iiadj unten, wodurch )ann in der Regel die Augenhöhlen verkleinert werden. Cs ist klar, daß solche Kranke vor jeder äußeren Erschütter­ung ganz bewahrt werden müssen. Der leiseste Stoß, selbst ein schlecht sitzender Hut, wirken nachteilig. Hydrocephalus ist häufig mit Stirnnahtverknöcherung verbunden, und es entsteht Dann die bekannte Keil form des Kopfes. Durch )ie Krankheit kann Epilepsie und Idiotie produziert werden. Bei den periodisch wechselnden Störungen vom Gehirn aus unterliegt der Zustand der Kranken Schwankungen, die den Arzt oftmals irre leiten. Hydrocephalus braucht nicht notwendig schwere Idiotie zur Folge zu haben. Um solche zu verhindern, muß die Behandlung in der Entstehung der Krankheit einsetzen. Arzt und Lehrer müssen babet zu- ämmenarbeiten. Die seeliscken Konsequenzen können beein- lußt werden. Wenn man erst einmal die wahren Ursacken >er Wasseransammlungen im Kopf gefunden haben wird, wird man mit der ärztlick>en Behairdluna auch größere Fortschritte machen. Der Gegensatz zu dieser Krankheit ist die Mikr oceph alie, die in zurückliegender Stirn und zu geringem Schädelinhalt ihre Ursache hat. Zu dieser Form der Jdiotte mußte Prof. Sommer sich peflimiftischer äußern. ES besteht hier Differenzierung; einzelne Falle ind zu bessern, andere nicht. Zum Kretinismus änn man optimistischer urteilen. Früher verstand man mruntcr die große oumme idiotischer Erscheinungen. DaS ist falsch; die Kttuckheit hat ganz bestimmte Kriterien, die ich in der Hautbeschaffenhctt, einer eigentümlicken Schwam­migkeit der Weichteile und in Runzeln bemertbar machen. Eingesunkene Nasen finb auch das Kennzeichen dieser Krank­heit, die dadurch hervorgerufen wird, daß die Schilddrüse nicht richtig funttioniert und die Gifte des Körpers nicht abführt. Nach drei Seiten äußert sich die Krankheit, nad) Haut, Knochen und Gehirn. Skelettveränderungen hat die Krankheit sehr häufig zur Folge. Mtt der Lebensdauer hat ie wenig zu tun, denn Kretinen können 60 Jahre all werden. Persönliche Einflüsse können auf solche Kranke eine gute Wirkung auöüben. Oft beachtet man das nicht und läßt ie leben wie Verschollene. Eine weitere idiotische fjorm ift Porenkephalie. Sie entsteht dadurch, daß die Hirnschale äußere Eindrückungcn erleidet, wodurch die Hirnläufe zu- fammenaepreßt und beeinttächttgt werden. Hier gilt es ;ie in Betracht kommenden Funktionen nach Möglichkeit zu üben. Wenn motorische Störungen, beispielsweise in der Sprack>c, vorkommen, so muß der Kranke körperlich und geiftig beeinflußt werden, man muß fein Sprachvermögen fördern juchen, um allmählich die Uebelstände zu be- feitigen oder dock zu bessern. JdivtiefÄle mit morpho­logischen Abnormiiaien müssen so behandett werden, daß «an nur die den Kranken naherliegerüien Fähigkeiten übt und davou abjieht, Da# Unerreichbare zu uwirun. Prof.

Eine KUssschuttagung in der Fsychiatrijchen Klinik.

V Gießen, 16. April.

Eine stattliche.Anzahl von Teilnehmern am vierten Ver- bändölag der Hilfsschulen Deutschlands, der, wie wir an anderer Stelle meldeten, in Nttnnz tagte, sowie Mitglieder der Gießener medizinischen Gesellschaft und Angehörige dcS Lehrerstand cs waren gestern twrmittag 11 Uhr der Ein­ladung bev Pros. Dr. Sommer in die psychiatrische Klinik gefolgt, um dessen Vortrag über die verschie­denen Formen der Idiotie vom St andpun kte der Therapie und Prophylaxe zu l>ören. Auch einige Damen hatten fick eingefunden. Prof. Sommer hat die von ihm Geladenen mit sehr interessanten und klaren Ausführungen erfreut. Zunächst gab er eine kurze Erörterung über die Einrichtungen der .\Uhttf, um Die Orientierung bei der folgenden Besichtigung ui erleichtern. Sr toue bffwuf gut, da« gerade bri. psychischen Erkrank-

* Zur Darmstädter Künstlerkolonie ist, wie man uns mitteilt, der Zeichner (Eiffau, bekannt durch feine kunstgewerblichen Zeichnungen, berufen worden und hat be­reits im mittelsten Saale des Ernst-Ludwig-Haufeä seine Tätigkeit begonnen. Man bezeichnet uns als hqch er* erfreulich, daß die Wahl auf diesen vielverheißenden Älnftler gefallen ist.

Frankfurt a. M., 15. April. Der die gefangen in die Oeffentlichkeit tretenden Gerbervereinigungen Deutschlands umfaffende Zentralverein der deutschen L der- industrie hielt heute unter dem Vorsitz des Herrn Eugen Coupienne-Mülheim a. d. Ruhr hier seine ordentliche Gtneral- Versammlung ab und nahm Stellung zu der Frage bed Neu­regelung der Handelsbeziehungen zum AuSlande. Nach ieinem Vortrag des Generalsekretärs R. Krause-Berlin rour(e be­troffen, dahin zu wirken, daß, da die Lederindustrie <s bis /< ihrer Produktion auf ausländischen Märkten absetzt, imög- ichst langfristige Handelsoetträge, und zwar Tarif, und Reist- regünstignngsoerträge, abgeschlossen, daß verschiedene wiiß- tände in den Zollgesetzgebungs- und Verwaltungsmaßnckmen