Ausgabe 
16.2.1903 Erstes Blatt
 
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Haltung 1vcT7ger eingeführt zu werden brauchen. Mir )ind ja deshalb auch fortgesetzt bemüht, die Geflügelzucht be­sonders dem Werte, der Leistungsfähigkeit nach, zu heben. Der Zahl nach werden wir die Geflügelzucht nicht wesentlich fördern können, und dafür möchte ich bei der großen Be­deutung der Sache einige Gründe anführen. Der Verfasser des oben bezeichneten Artikels wendet sich an die Bauern, und mit Recht, denn die Bauern produzieren an landwirt- wirtschaftlichen Produkten am meisten, sie produzieren mehr Getreide und mehr Vieh als die verhältnismäßig geringe Zahl der Großgrundbesitzer. Aber wie wohnt der deutsche Bauer und besonders die große Zahl der Kleinbauern? Ihre Hofraiten schließen sich in den Dörfern enge anein­ander, sie umschließen einen verhältnismäßig kleinen .Hof­raum, in welchem der Düngerhaufen, die Brennholzvorrate und die Ackergeräte eben Platz finden. Auf diesen Hofraum ist das Federvieh, vielleicht mit Ausnahme der Gänse, ange­wiesen. Sitzt der Haushahn mit seinen 24 oder 30 Hennen aus dem Düngerhausen, so ist dieser nahezu bedeckt. Als Laufplatz dient der Rest der Hoffläche und dazu reicht sie in der Regel für die angeführte Hühnerzahl aus. Mehr Hühner in einer solchen Hofcaite zu halten, wäre unwirt­schaftlich und für die Tiere selbst schädlich. Daraus ergiebt sich aber die Unmöglichkeit einer wesentlich verstärkten Hühnerhaltung bei uns. Daß wir in Deutschland 7 Monate im Jahre ungünstiges Wetter für das Geflügel haben, daß infolgedessen jahraus jahrein trotz sonstiger guter Pflege empfindliche Verluste unter den Hühnern herbeigeführt werden, sei nebenbei bemerkt.

Uebersehen die deutschen Landwirte das Geld, das auf der Straße liegt und das man durch intensiv betriebene Geflügelzucht so leicht aufheben könnte? Ich glaube nein. Nach meinen eigenen Erfahrungen und Beobachtungen muß ich bestreiten, daß die Federviehhaltung bei unseren klima­tischen Verhältnissen und bei unseren Preisen so rentabel ist, daß man bei uns etwa statt Getreide zu bauen, Feder­viehfarmen mit Erfolg einrichten könne. Die Landwirte würden sich den Vorwurf machen lassen müssen, daß sie nicht zu rechnen verstünden, wenn sie derartiges unter­nehmen würden. Unsere städtischen Hausfrauen sind unge­halten, wenn in den kalten Winiermonaten der Preis eines stoisch gelegten Hühnereies auf 10 Psg. steigt. Aber nur Landwirte, die nahe einer reicheren Stadt wohnen, erhalten diesen Preis eine kurze Zeit. Andere müssen sich mit dem Preise von 6 Pfg. auch in dieser Jahreszeit begnügen. Ich schreibe diese Worte in einer Fabrikstadt des Fichtel­gebirges, sitze also mitten in einer Gebirgslandschaft, die ungünstigere klimatische Verhältnisse zeigt, als unser guter Vogelsberg. Die Hühner hier haben den zweifel­haften Vorzug, ihre Eier in Nester legen zm müssen, die 550 Meter über dem Meere stehen. Gestern hörte ich einer Bäuerin zu, die einer Hausfrau 18 frische Eier überbrachte. Sie hatte damit einen Weg von einer Stunde von ihrem Hofe bis in die Stadt zurückgelegt. Sie forderte und erhielt 6 Psg. für das Ei und entschuldigte wortreich, daß auch einige Heine Eier unter den sonst normalen seien. Aus mein Befragen erzählte mir die Frau, daß die Hühner im warmen Knhstall untergebracht und daß dieselben seit 14 Tagen, des kalten Wetters wegen, nicht vor den Stall ge­gangen seien. Nach meiner Ueberzeugung kosteten dieser Frau die Eier, die sie für 6 Psg. verkaufen mußte, selbst 910 Pfg., ohne daß ich annehme, daß sich die Frau selbst einen Lohn für chre Mühewaltung anrechnen darf. Schon im Jahre 1875 versicherten mir Fabrikanten in Westfalen Leute, die fixer sind als die Bauern daß ihnen jedes Hühnerei, welches in den von ihnen eingerichteten kleinen Hühnerhöfen gelegt werde, 10 Psg. koste, obwohl die Ab­fälle vom Tisch und aus der Kücbe nicht, in Ansatz gebracht waren. Die Buchführung über den Hühnerhof war pein­lich gewissenhaft durchgesührt. Eine Bilanz, die über das Ergebnis eines größeren Hühnerhofes ausgestellt wird, wird in vielen Fällen zu einer Unterbilanz führen. Hier liegt für die Landwirte kein Geld auf der Straße.

Daß gewisse Nachbarländer uns ihren Heber,luß an Produkten aus der Geflügelzucht zu Preisen zuschicken können, die sehr niedrig sind, erklärt sich wohl aus dem Umstande, daß jene Lälider günstigere klimatische Verhält­nisse haben, wie Deutschland, daß der Grund und Boden nicht so intensiv bewirtschaftet und auch dem Federvieh als Weideland und Tummelplatz zum teil überlassen wird, daß die Körnerfrüchte dort noch billiger sind ars bei uns und ferner viel weniger Menschen dort sind, die für Eier re. Geld ausgeben tonnen. Der Handel sorgt dafür, daß Federn, Eier, Mastgeflügel dahin übergeführt werden, wo diese am Entstehungsorte fast wertlosen Produkte, Geld kosten.

Der Verfasser des Mahnwortes an die Bauern zählt weiter auf, daß wir für 65 Millionen Borsten einführen, für 90 Millionen Butter, für 144 Mill. Därme, Blasen, Magen, für 232 Mill. Fleisch, für 645 Mill. Tierfelle, für 68 Mill, frisches Obst, für 89 Mlll. getrocknetes und ein­gekochtes Obst, für 353 Mill. Schmatz und schmalzartige Fette, für 300 Mill. Rinder, Pferde, Schweine, alles inner­halb vier Jahren. Bei einer Anzahl von Einfuhr­artikeln übersieht der Verfasser, daß sie lediglich eingesührt werden, um bei uns verarbeitet und zum großen Teil wieder ausgesührt zu werden. Dahin gehören z. B. auch die Tier­felle. Das Fleisch, welches in diesen Tiersellen gesteckt hat, würden wir in Deutschland unmöglich haben konsumieren können, soweit es überhaupt genießbar war. Borsten wachsen aus unseren Schweinen glücklicherweise nicht mehr. Ihr Haar ist durch die Veredelung des Schweines weich geworden. Aber um so frühreifer und mastfähiger ist das deutsche Edelschwein heute auch. Auf die Borstenzucht ver­zichten wir zu Gunsten auslänvischer Züchter gern und mit Vorteil. Dagegen sind löir unausgesetzt bemüht, durch Stallfütterung der Viehbestände die Erträge aus denselben zu steigern, unsere Tierrassen anzupassen. Wir bemühen uns nicht allein, die Zahl der Nutztiere zu erhöhen, son­dern auch ihr Gewicht und ihre Leistungssähigkeit. Wer die statistischen Zahlen der letzteii Jahre vergleicht mit denen früherer.Jahrzehnte, wird einsehen, daß wir in dieser Be-

Atig fortschreiten. Daß uns andere dünner be­völkerte bänder mit ihren sruchbaren Böden, ihren exten­siven Betrieben, mit ihrem dort fa.st wertlosen Uebersluß an landwirtschaftlichen Produkten überschütten, können wir auch durch eine aufs höchste gesteigerte Produktion niemals aufhalten, da wir bei hohen Arbeitslöhnen und sonstigen hohen Anforderungen des Versicherungswesens, der Ge­meinden und des Staates teurer produzieren. Leider sind auch bei uns der gesteigerten Produktion Schranken gesetzt durch die Landflucht der Arbeiterbevölkerung.

JBon welchen ungeheuren Flächen stammen die Einfuhr­artikel landwirtschaftlicher Produkte, die oben angegeben sind? Außer den europäischen Ländern, sind noch die üb­rigen Weltteile ohne Ausnahme daran beteiligt. Würde man diese Flächen ermitteln und mit den Knlturslächen Deutsch­lands vergleichen, dann erst würde man erkennen tönnen

wie sehr wir andere Länder schon heute in der Produktion landwirtschaftlicher Artikel übertreffen. Gewiß ist die Produktion noch zu steigern, nur müssen die deut­schen Bauern in der Lage sein, durch gute Verwertung ihrer Produkte ihre Arbeiter stets angemessen zu bezahlen. Daß auch die Produktion an Getreide in Deutschland einer erheblichen Steigerung fähig ist, ergiebt die Ernte des letzten Jahres. Es sind in diesem Jahre in Deutschland an Brotgetreide 3 Mill. Tonnen mehr geerntet als in einem der Vorjahre, ohne daß die Anbaufläche eine Steigerung erfahren hätte. Diese Steigerung würde andauern, wenn der rechnende Landwirt erkennt, daß die vermehrte Anwen­dung von Kapital und Arbeit sich lohnt. Niemals aber wird die Zufuhr von landwirtschaftlichen Erzeugnissen aus Län­dern aufhören, in denen diese billig zu erzeugen und über­flüssig und geringwertig sind. Der Handel wird sich dieser Erzeugnisse bemächtigen und sie dank der billigen Verkehrs­mittel dort einsühren, wo sie mit Aussicht auf Gewinn abzu­setzen sind. Gegen die Unterdrückung der eigenen Produk­tion durch diese oft unnötigen Zufuhren sollen die Zölle einigermaßen schützen. Auch in der Landwirtschaft sind eine sehr große Zahl von Unternehmern tätig, die einen offenen Blick für die wirtschaftlichen Verhältnisse unserer Zeit haben. Sie würden gewiß ihren Betrieb diesen Verhältnissen an- passen, wenn das überhaupt in umfassender Weise möglich wäre. Schon oben i$ darauf hingewiesen, daß wir an die Produktion bestimmter Erzeugnis,e gebunden sind, auch dann, wenn wir klaren Blickes erkennen, daß diese Produk­tion nicht, oder nicht ausreichend lohnt. Es nützt uns nichts, daß man uns die fixen Unternehmer im Handel und in der Industrie als Muster vorführt: Dies fixe, in­telligente Unternehmerlum würde sich recht fix der landwirtschaftlichen Produktion be­mächtigen, wenn es nicht längst erkannt hätte, daß da wirklich nichts zu holen ist. Es würde ja gegen die Intelligenz, gegen die Fixigkeit der Unternehmer in Handel und Industrie sprechen, wenn es anders wäre.

Der Herr Verfasser des Mahnwortes an die Bauern hatte ganz recht, zu sagen, mit zwei Worten kann man's nichit ausdrücken, wie die deutschen Landwirte es anfassen müssen, aus ihrer schwierigen Lage herauszukommen. Es ist leider mit viel Worten auch nicht zu sagen. Die deutschen Land­wirte, die nun einmal an ihren Beruf festgenagelt sind, müssen viel arbeiten und streben, in ihrem Berus immer tüch­tiger zu werden. Das erkennen sie selbst an, und die Sach­kundigen wissen auch, daß wir auf gutem Wege sind. Aber es geht naturgemäß lang)am, wie sich ja auch das im laub* wirischastlichen Betriebe angelegte Kapital nur sehr lang­sam umsetzt. Es kann nur wenig Geld verdient werden durch eiserne Sparsamkeit, ausdauernde Arbeit und verständige Wirtschaft. Im Geldverdienen wird die Landwirtschaft die Fixigkeit von Handel und Industrie leider niemals er­reichen können.

Aolonialpost.

lieber s ein Z e v r a g e,i u t ^rakehnen am Kili- mandscharo in Deutsch-Ostafrika schreibt Herr Bron- sart v. Schellendorf in derKolonial. Zeitschr.": Nach etwas über einem Jahr seit dem ersten Fang im vorigen Jahre (ich fing über 5i)0 Zebras, konnte aber leider nur 30 unterbringen und verpflegen; nach einigen Monaten fing ich 150, behielt davon 60) ist hier ein vollkommen ein­gerichtetes Gestüt fertig mit gefunden, luftigen Stallungen für etwa 50 Zebras, zwei solioeu großen Kraals mit schöner Umzäunung von je etwa 500 Meter Umkreis, mehrere Kraals, Gänge, Läuse, Boxen, Fangbox mit Falltüren und allen möglichen Einrichtungen, um die frisch gefangenen Zebras ganz allmählichherumzukriegen". Wir betreiben außerdem Straußenzucht, welche in diesem Jahre einen ganz bedeutenden Aufschwung nimmt, und liefern wertvolle Tiere an Hagenbeck." 'Nach Mitteilung des Herrn Bronsart von Schellendorf machen auch die Engländer mit Tausenden von Eingeborenen große Anstrengungen, um den Herbenfang nachzumachen; bisher ohne Erfolg.

Kirche und Schule.

Würzburg, 13. oeor. u-in Landbürgermeister teilt unter Nennung seines Namens der ,/JL Bahr. Landes- ztg.", dem Organ des Bayrischen Bauernbundes, folgendes nut: Kürzlich begab ich mich in die Würzburger Auguginer- tirche, um zu beichten. Als ich zu Ende war, fragte m i ch der Pater, welche Ze nun g tu) lese. Als ich ihm erwiderte:Ich lese verschiedene, die ich schon in meuter Stellung (als Bürgermeister) lesen muß", fragte mich der Priester, ob ich auch die Landeszeckung lese. Als ich ihm dies bejahte, meinie er, ich müsse ihm ver­sprechen, das Blatt aufzugeben, sonst könne er mich nicht absolvier en. Sehr vernünftig be­merkt der gutgläubige Mann dazu: Wenn ich als tachoUscher Christ meinen kirchlichen Obliegenheiten nachtomme, wul ich nicht zu ungehörigen Verbindlichteiten gedrängt werden, die wider den gesunden Menschenverstand, mei n staatsbürgerliches Recht und meine per­sönliche Freiheit gehen. Ich habe, so oft mir bisher über derartige Vorkommnisse im Beichtstuhl berichtet wurde, Zweifel an der richtigen Auffassung oer Beschwerdesührer gehegt, nun habe ich das Unglaubliche an mir selbst er­fahren, und ich muß gestehen, daß es mich empört hat.

cgUis Htaöi uni) xuuü.

Gießen, den 16. Februar 1903.

LU. Die theologische Fakultät der Landes­universität hat am heutigen Tage, als dem Geburts­tage Philipp Melanchtons, den Geh. Hofrat Dr. Rudolf Gucken, ordentlichen Professor der Philosophie an der Uni­versität Jena, zum Doktor der Theologie honoris causa promoviert. Eucken hat sich durch mehrere seiner Werke, insbesondere durch seine Darstellung derLebens­anschauungen der großen Denker" (Leipzig 1890, in 4. Auf­lage 1902) und seine Ausführungen über denWahrheits­gehalt der Religion" (Leipzig 1901), erhebliche Verdienste um bic Forderung des Verständnisses für die Religion und ins­besondere für das Christentum unter unseren Gebildeten erworben.

**_ Ernst von Wolzogen aus Berlin wird mit einem aus erstklassigen Kräften auf dem Gebiete des Gesanges, der Rezitation und Instrumentalmusik bestehenden Ensemble Hier­selbst am Montag den 23. Februar in Steins Saal ein Konzert veranstalten. Der geniale Schöpfer des UeberbrettlS bat cm neues Konzert-Genre geschaffen, über dessen Eigenart unb künstlerischen Ziele bereits an dieser Stelle berichtet worben ist. Wir weisen heute nochmals barauf hin, daß in­folge der wirtlich hervorragenden künstlerischen Leistungen

dieses neue Ensemble, welches schon in Berlin, Hamburg, Leipzig mit großem Erwlge die Feuerprobe bestanden hat, nur aus solchen Künstlern besteht, welche dem Prinziv Wolzogens, das gesprochene und gesiingene Wort durch deut­liche Aussprache und ivohldurchdachte mimische Bewegung zur richtigen Geltung zu bringen, durchaus entsprechen. In Anbetracht des nun bevorstehenden großen Kunstgenusses dürfte die Teilnahme unseres Publikums amWolzogen- Konzert" eine äußerst rege sein, daher es ratsam ist, sich bei Zeiten mit Billets zu versorgen. Der Vorverkauf befindet sich in Händen der Finna Ernst Challier (Rudolphs Nachfolger).

** Der landwirtschaftliche Bezirksverein Gießen und der landwirtschaftliche Lokalverein Gießen haben in ihren letzten Sitzungen beschlossen, für ihre Mit­glieder Pflanzkartoffeln aus geeigneten Gegenden gemeinsam für das Frühjahr zu bestellen. Den Mitgliedern der Vereine werden besondere Begünstigmigen gewährt. Aus der in etwa acht Tagen erscheinenden Bekanntmachung wird das Nähere zu ersehen sein. Der Bedarf an gesunden Pflanz­kartoffeln scheint im Kreise Gießen bedeutend zu sein. Man hort viele Klagen über das Faulen der Kartoffeln in den Kellern. Vielfach beschuldigen sich die Landwirte deswegen selbst, sie sagen, wir haben im vergangenen Herbst die Kartoffeln zu früh ausgemacht, zu früh in die Keller ge­bracht und so haben sich die Kartoffeln ungewöhnlich schlecht gehalten. Das mag richtig sein, obwohl es auch in manchen Jahren bei rechtzeitiger Ernte vorkommt, daß sich die Kartoffeln schlecht halten. Es giebt noch andere Mittel, die Haltbarkeit der Kartoffeln zu erhöhen. Vor allem sollte man die Kartoffeln niemals zu früh in den Keller bringen, sondern zu­nächst in luftige Schuppen, offene Hallen, Scheunentennen. Nachdem sie hier 814 Tage gelagert haben, sortiere man die Kartoffeln nochmals, dann kommen die Knollen ziemlich sauber, besonders frei von angefaulten, in die gut durch­lüfteten und gesäuberten Kellerräume. Die Kellertüren und Kellerlöcher bleiben offen, bis es ernstlich friert. Bei Tau- roetter ist im Laufe des Winters stets zu lüften. Diese Maß­nahmen kosten im Herbste Arbeit, Zeit, und im September und Oktober drängen die Arbeiten. Das Wetter wird oft häßlich und die Tage immer kürzer. Der Frost droht und die Angst, man werde nicht rechtzeitig fertig, treibt zur Eile und zur Uebereile! Dann halten sich die Kartoffeln schlecht und im Frühjahr fehlen die Pflanzkartoffeln. Es soll nun nicht behauptet werden, daß das die einzige Ursache ist.

** lieber die Höflichkeit im Verkehr zwischen Be­amten und Publikuin haben wir bereits eine Verfügung der Postverwaltimg mitgeteilt. Im Anschluß daran ist auch ein ähnlicher Erlaß über das Entgegenkommen der Beamten beim Fernsprechdien st ergangen. Er lautet:Der Dienst bei den Fernspcechvermittelungsstellen bringt die Beamten fortgesetzt in die Lage, mit Personen der verschiedensten Stände in unmittelbaren Sprechverkehr zu treten. Die Wahrnehmung des Dienstes erfordert ein besonderes Maß von Aufmerksam­keit und Gewandtheit auf Seiten der beteiligten Beamten; denn die Eigenart des meist in großer Eile sich abwickelnden Fernsprechverkehrs bringt es mit sich, daß die den Fern­sprecher benutzenden Personen leicht in Erregung geraten und dann geneigt sind, geringe Unregelmäßigkeiten und un­vermeidliche Vorkommnisse, wie zum Beispiel kurzes Warten auf die Herstellung einer Gesprächsverbindung, mangelhafte Verständigung, vorzeitige Trennung einer Verbindung und dergleichen hinsichtlich ihrer Bedeutung zu überschätzen. Auf­gabe des Vermittelungsbeamten wird es jederzeit feig, durch bereitwillige, sachgemäße und erschöpfende Aus­kunftserteilung heftigen Auseinandersetzungen vor­zubeugen. Wenn dennoch leicht erregbare Personen am Fern­sprecher zu Aeußerungen des Unwillens sich hinreißen lassen, so soll der Beamte auf solche Aeußerungen nicht im gleichen Tone erwidern, sondern durch sachliche Ruhe und takt­volles Benehmen eine Steigerung der Erregung nach 2)lög* lichtest fernzuhalten bestrebt sein. Es wird Werl darauf gelegt, daß diese Grundsätze von allen Beamten zur Richt­schnur für ihr Verhalten dem Publikuin gegenüber genommen werden."

*' 5 0. Fe Id berg fest. In diesem Jahre sindet das 50. Feldbergfest statt. In einem der Feldberghäuser soll zu dem Feste eine Erinnerungstafel angebracht werden, enthaltend die Flamen und Photographien der Mitglieder des Aus- schuffes, sowie der ersten und zweiten Sieger der letzten 25 Jahre. Von den ersten 25 Festen existiert bereits im alten Feldberghaus eine Tafel mit dem Namen des Aus­schusses und der ersten Sieger.

Das Alter der deutschen glinvei/liätdpiofifl'oren.

Nachdem Laspeyres im Jahre 1876 eine Schrift über das Alter der deutschen Präses,oren veröffentlicht hat, untersucht der Leipziger Privatdvzent Tr. F. Eulenburg die gleiche Frage irn neuesten Hefte derJahrbücher für Nationalökonomie und Statistik". Betrachtet man zunächst die Gefamtanzahl, so betrug ihr Durchschnittsalter an dem bezeichneten Termine des Vorjahres 53,4 Jahre. Im all­gemeinen haben die größeren Universitäten ein höheres Durchschnittsalter als die kleineren. Die jüngeren Pro­fessoren beginnen eben meist an den kleineren Universitäten und kommen dann allmählich an größere; ist dies doch die einzige Beförderung, die ihnen offen steht. Was ferner das Alter in den einzelnen Fakultäten anbetrifft, so be­trug der Durchschnitt am 1. Oktober 1901 in der theologi­schen Fakultät bet 201 Professoren 54,2 Jahre, in der juristischen bei 226 Professoren 51,6 Jahre, in der medi­zinischen bei 295 Professoren 54,8 Jahre, in der philo­sophischen bei 707 Professoren 53,1 Jahre. Tie Zunahme im Alter der Mediziner kann einnial darin liegen, daß unter ihnen gerade eine Reihe berühmter Dozenten sind, die trotz hohen Alters iioch aktiv sind. Sodann schiebt sich bei den Medizinern die Ernennung zum Ordinarius des­halb hinaus, weil wegen der vielen Extraordinarien und Privatdozenten die Konkurrenz in der medizinischen Fa­kultät sehr stark ist. Umgekehrt darf für uns das niedrige Durchschnittsalter in der Juristenfakultät aL Ursache bei verhältnismäßig geringe Nachwuchs unter den I u- riste n angesehen werden. Betrachtet man die Universi­täten darauf fyin, welche von ihnen in den einzelnen Fakultäten ein über- und welche ein unter durchschnitt l ich es Alter aufweisen, so haben Berlin, Königsberg, Mün­chen und Leipzig in allen Fakultäten ein überdurchschnitt­liches Alter: "jene drei größten deutschen Hochschulen