fand Sonntagabend statt. Ich versuchte zunächst die Par-: teien unter Hinweis auf den Ernst der Sache zu versöhnen. Reiß wies aber in brüsker Weise jede Versöhnung zurück. Ta das Ehrengericht der Ansicht war, daß Ruff, der am Abend des 28. September nicht betrunken war, das, was er getan, genau überlegt hat, daß er den Schlag von seitwärts hinten geführt und daß der Schlag ein heftiger war, so konnte das Ehrengericht die Sühne nur in dem Tuell, wie es bestimmt wurde, finden. Tie erste Abstimmung des Ehrengerichts war resultatlos, in der zweiten Abstimmung sprach fixf); (dasselbe für zweimaligen Kugelwechsel aus. Es wurde aber übersehen, die Beteiligten ehrenwörtlich zu verpflichten, . daß sie sich an den Spruch des Ehrens gerichts gebunden zu erachten haben.
Als Zeuge gab u. a. der Vater des Erschossenen, Baumeister Reiß, an: Mein Sohn hat hier das Gymnasium besucht und war seit einem Jahr auf der Universität Freiburg. Im Spätjahr weilte er hier zu Besuch. Am 29. September erzählte er mir, daß er im Eafs Bauer von einem Franken von hinten einen Schlag ins Gesicht bekommen habe und daß die Sache vor den Senat gebracht werden solle. Als ich später mich nach der Angelegenheit noch einmal erkundigte, sagte mir mein Sohn, die Sache wird schon geregelt werden. Am Montag vor dem Tuell war mein Sohn sehr aufgeregt. Er ging mittags fort und kehrte nicht mehr nach Hause zurück. Als ich am 7. Oktober mittags heimkam, erfuhr ich, daß mein Sohn schwer verwundet im Spital liege. Ich begab mich sofort in das Krankenhaus; dort sah ich meinen Sohn Karl wieder. Tie Operation war schon vorbei. Sprechen durfte ich meinen Sohn wegen seiner großen Schwäche nicht, ich konnte ihm nur die Hand drücken, um ihn zu beruhigen. Als ich abends 9 Uhr zum zweiten Male ins Sprtal ging, war mein Sohn schon gestorben.
Tie Geschworenen verneinten bei Rufs die Schuldfrage wegen Körperverletzung, bei den Angeklagten Bender, Vorbei, Hügel, von Langsdorfs, Rheinbolot und Zentgraf die Schuldsragen wegen Beihilfe zum Zweikampf; sie bejahten bei Ruff die Schuldfragen wegen Zweikampfs mit tödlichem Ausgang, bei Hügel die Schuldftage wegen Kartelltragens aber die Hilfsfrage nach der ernstlichen Bemühung, das Tuell zu verhindern.
2 ar auf erhielt Ruff 3 Jahre 6 Monate Festungshaft, abzüglich 2 Monate Untersuchungshaft. Tie übrigen Angeklagten wurden freigesprochen.
Aus Stadt und Land.
•* Das Großh. Regierungsblatt Nr. 2, ausgegeben am 13. Januar d. I., enthält: 1. Verordnung, das Inkrafttreten der Gesetze, die Landeskred itlasse betreffend, vom 6. August 1902 und die Wohnungsfürsorge für Minderbemittelte betreffend vom 7. August 1903. (Die Gesetze, die Landeskreditkaffe betreffend, vom 6. August 1902 und die Wohnunsfürsorge für Minderbemittelte betreffend, vom 7. August 1902 treten mit dem 15. Januar 1902 in Kraft.) 2. Bekanntmachung, den Vorbereitungsdienst und die Prüfung der Gerichtsschreiber und Gerichtsvollzieher betreffend. (Es ist als zweckmäßig befunden worden, dem § 11 Abs. 1 der Bekanntmachung, den Vorbereitungsdienst und die Prüfung der Gerichtsschreiber und Gerichtsvollzieher betreffend, vom 9. Januar 1903 folgende Fassung zu geben: Die Prüfung wird alljährlich im Monat Dezember von der hierzu bestellten Prüfungsko m mi sion in Darmstadt abgehalten.) #
t. Schlitz, 15. Jan. Der Schaffner Eisenbach' welcher sich dem Trünke ergeben hatte, fiel gestern abend auf dem Bahnhofe Salzschlirf rücklings zu Boden und verletzte sich am Hinterkopfe schwer. Nach Ankunft des Zuges in Schlitz wurde er auf dem Bahnhof Schlitz von Dr. Trier verbunden. Heute morgen zwischen 9 und 10 Uhr hat er durch Erhängen seinem Leben ein Ende gemacht. Ob durch den Fall eine Gehirnstörung eingetreten ist, die ihn zu der unseligen That veranlaßte, wird die, wie man hört, beabsichtigte Sektion ergeben.
Frankfurt a. M., 15. Jan. Die Verhandlungen, welche der Zirkusbesitzer Schumann mit dem Fiskus wegen Ueberlaffung des Zirkusgeländes am hiesigen Haupt- bahnhof führte, sind zum Abschluß gekommen. Mit einer Anzahlung von einer Million Mark soll das Terrain zur Erbauung eines stehenden Zirkus an den genannten Herrn übergegangen sein, sodaß nut der Errichtung des Gebäudes alsbald begonnen werden kann. Der Zirkus soll sich auf dem Platze erheben, auf dem der provisorische Bau seine Stelle hatte.
Ucuolle Weiuuluzeu.
Originaldrahtmeldungett des Gießener Anzeigers.
London, 16 Jan. Das Gouvernementsgebäude in Aldershot, in dem sich das Generalkommando des 18. Armeekorps befindet, ist abgebrannt.
Madrid, 16. Jan. Der „Jmparciale" meldet aus Eeuta: Die in Tetuan wohnenden Spanier verlangten die Entsendung eines Schiffes, auf dem sie die Stadt verlassen könnten, da sie die Folgen der Unruhen fürchten. Dem Ersuchen wird seitens der Regierung entsprochen werden. - Sie bzehn in einem Tunnel bei Ferrol beschäftigte Arbeiter wurden durch einen Erdrutsch verschüttet. Hust ist abgegangen.
New-York, 16. Jan. Der von Southampton kommende Dampfer „Saint Louis" der Amerika-Linie ist seit vier Wochen überfällig. Alle Dampfer berichten von einer stürmischen Ueberfahrt.
Handlungen zu tragen. Ob das Verrufsverhältnis, das zlvischen dem Cösener S. C. und dem Karlsruher S. C. resteht, bei mir oder Reiß eine Rolle spielte, v etnag ich nicht zu sagen. Da Reiß mich aber nicht als Korps- tudenten respektierte, respektierte ich ihn auch nicht als olchen. Nach seiner beleidigenden Aeußerung mußte ich etwas unternehmen, um mir Satisfaktion zu verschaffen. Ich war durch die Beleidigung erregt und habe ohne weiteres geschlagen. Einige Tage nach dem Vorfall int Cafö Bauer hatte ich mit einem Bekannten des Reiß, Herrn Freulin, eine Zusammenkunft, in der mir der Genannte erklärte, daß Reiß im Hinblick auf das Verrufsverhältnis, auf eine Satisfaktion verzichte. Ich habe dies meinen Bekannten mitgeteilt, uno reifte dann nach Hause, nach Landau, nachdem ich zuvor Borbert mit meiner Vertretung beauftragt hatte. Wenige Tage daraus überbrachte Hügel im Auftrage des Reiß an Borbert eine Pistolenforderung die auf dreimaligen Kugelwechsel lautete. Vor Beginn :er Verhandlungen des Ehrengerichts wurde von dem Vor- itzenden ein Sühneversuch aber vergeblich gemacht. Auch vor dem Zweikampfe auf dem Duellplatze ist von den Sekundanten Rheinboldt und Hügel ein Verföhnungsversuch gemacht worden. Reiß lehnte auch hier ab, sich in Verhandlungen einzulassen. Zwischen Zählen von 1 bis 3 durfte geschossen werden. Reiß schoß zuerst, ohne daß ich es merkte. Ich habe meine Pistole tief gehalten, da ich Reiß nicht lebensgefährlich verletzen wollte; ich hatte die Absicht, ihn in die Beine zu treffen. Am Abend vor dem Duell habe ich verschiedene Briefe geschrieben, die ab- gesandt werden sollten für den Fall, daß das Duell für mich einen unglücklichen Ausgang nehmen sollte. Ich ging später in das Colosseum, um auf andere Gedanken zu kommen und mich etwas zu zerstreuen. Es ist hier üblich, daß man am Abend vor einem ^uell das Colosseum besucht.
Angekl. Hügel betonte in seinen Erklärungen, daß er von den Vorgängen im (Safe Bauer durch Reiß unterrichtet worden ist, den ich von Freiburg aus kenne, da ich ebenfalls dem Korps „Suevia" angehörte. Reiß bestritt mir gegenüber von „dummen" Karlsruher Korpsstudenten gesprochen zu haben. Nach 'längeren Beratungen und nach Verhandlungen, die ich in Freiburg mit dem Ferienvertreter des Korps „Suevia" hatte, entschloß Reiß sich, aus seinem Korps auszutreten, um Satisfaktion nehmen zu können. Von dem Korps „Suevia" wurde der Austritt des Reiß genehmigt. Man war dabei der Ansicht, daß es sich ermöglichen lasse, mit neutralen Massen ein Säbelduell herbeizuführen. Man nahm an, daß das hiesige Korps „Franconia" so weit entgegenkommen werde, daß es mit einem Säbelduell einverstanden sei, und auch dazu feine Zustimmung gebe, daß bei einer hiesigen Burschenschaft oder einer schwarzen Verbindung Waffen belegt werden können. Reiß war mit dem Vorschläge einverstanden, beauftragte mich aber für den Fall, daß von der „Franconia" das Säbelduell nicht acceptiert werde, auf Pistolen zu fordern. Ich trat im „Frankeneck"' zuerst mit Borbert und Rheinboldt in Unterhandlungen. Diese lehnten die Säbelforderung ab und erklärten, daß ein Duell bei neutralen Waffen nicht zu stände kommen könne, da die hiesigen Korps die Burschenschaften nicht anerkennen. Darauf stellte ich, wie ich von Reiß beauftragt war, die Pistolenforderung mit dreimaligem Kugelwech,el. Borbert nahm die Forderung im Namen des Ruff an. Ich hatte dann für die Vertretung im Ehrengericht zu sorgen. Trc Sache hatte ziemliche Schwierigkeiten, da verschiedene Herren ablehnten. Das Ehrengericht fällte seinen Spruch dahin, daß ein Pistolenduell bei 16 Meter Abstand und dreimaligem Kugelwechsel stattsinden soll. Rheinboldt und ich bereiteten das Nötige für das Duell vor, das am Morgen des 7. Oktober stattfand, nachdem ein auf dem Tuell- platz vorgenommener Versöhnungsversuch an dem ablehnenden Verhalten der Duellgegner gescheitert war.
Angekl. Rheinholdt: . . "ar der Ansicht, daß Ruff die Forderung nicht mehr hätte annehmen sollen, da bereits dreimal 24 Stunden verflossen waren, ohne daß auf die Beleidigung reagiert wurde. Daß Ruff die Forderung doch annahm, habe ich für eine unnötige Noblesse gehalten. Ich war an der Sache als Mitglied des Ehrengerichts und als Sekundant beteiligt. Reiß erklärte auf alle Versöhnungs-Versuche, daß für ihn eine Versöhnung vollständig ausgeschlossen sei. Tie Dinge auf dem Duellplatz wickelten sich ziemlich rasch ab, da die Gegenpartei dreiviertel Stunden zu spät kam.
Angekl. Bender: Am 5. Oktober wurde ich von einem Bekannren gebeten, uen Vorsitz eines Ehrengerichts zu über- , nehmen. Bis dahin war mir von den Vorgängen, um die , es sich dabei handelte, nichts, bekannt. Tas Ehrengericht
Die Duellaffaire Fiuff-Ueiß vor dem Schwurgericht
Karlsruhe, 15. Januar.
Mir haben bereits gestern das Urteil in der Duell- affäre Russ-Reiß mitgeteilt und geben heute folgenden ausführlichen Bericht wieder:
Die Angeklagten waren der 24 Jahre alte Student ter Chemie Fritz Ruff aus Blieskastel, zuletzt in Bern wohnhaft und seit 7. Oktober hier in Untersuchungshaft, der 35 Jahre alte Rechtsanwalt Karl Bender in Karlsruhe, der 22 Jahre alte Student Heinrich Borbert hier, der 23 Jahre alte Student der Rechtswissenschaft Josef Hügel aus Neckarelz, der 40 Jahre alte Dr. Georg von Langsdorf aus Freiburg, praktischer Arzt in Baden, her 25 Jahre alte Student Walter Reinyoldt hier, und der 23 Jahre alte Ingenieur Hugo Zentgraf hier.
Nach der Anklage wurde Ruff beschuldigt, daß er: 1) in der Nacht vom 28. auf 29. September v. I. in Karlsruhe im (Safe Bauer den Studenten Karl Reiß aus Karlsruhe mittels eines hinterlistigen Ueberfalles körperlich mißhandelt, indem er nach zweimaliger erfolgter Aufforderung an denselben, mit ihm hinauszugehen, von hinten dem an einem Tisch sitzenden Reiß plötzlich und unerwartet aus voller Wucht einen derartigen Schlag ins Gesicht versetzte, daß der Getroffene sofort heftig aus der Diafe blutete, ihm Nase und Lippen anschwollen und eine Ader im Auge platzte; 2) am Dienstag, den 7. Oktober, bei den Schießständen auf Gemarkung Ettlingen feinen Gegner, eben diesen Studenten Reiß, im Zweikampf tötete.
Den übrigen Angeklagten wurde zur Last gelegt und zwar Hügel, daß er am 3. Oktober von dem Studenten Reiß den Auftrag zu einer Herausforderung auf Pistolen übernahm und an Borbert, als den Vertreter des Ruff, überbrachte: Hügel, Bender, Borbert, von Langsdorf, Rheinboldt und Zentgraf, daß sie dem zwischen Rufs und Reiß stattgehabten Zweikampf mit töblicljcm Ausgange wesentlich Beihilfe durch Rat und Tat leisteten, indem sie am 5. Oktober in Karlsruhe als Mitglieder des Ehrengerichts diesen Zweikampf billigten und seine Bedingungen festsetzten. Borbert, Rheinboldt und Hügel außerdem die zur Ausführung des Zweikampfes nötigen Vorbereitungen trafen, Borbert ferner am 3. Oktober die von Reiß an Ruff gestellte, von Hügel übermittelte Herausforderung namens des Ruff annahm und diesen hiervon in Kenntnis setzte.
lieber die Vorgänge, die zu diesem verhängnisvollen Duell geführt haben, ist seinerzeit das Mhcre berichtet worden. Es war eine Streiterei zwischen Studenten, die im (Safe Bauer HCr entstand und bei der sich einer der Beteiligten zu Tätlichkeiten hinreißen ließ. Die Folge davon war eine Herausforderung zum Zweikampf, bei dem ber durch die tätlichen Angriffe Beleidigte, ein begabter und zu schönen Hoffnungen berechtigender junger Mensch, fein Leben taffen mußte. Als die Ursachen, die das Duell
veranlaßt haben, und dessen tragischer Ausgang bekannt wurden, herrschte allgemein die aroßte Entrüstung. Die Stimmung in der Bevölkerung fand in der Presse beredten und scharfen Ausdruck, und alle Blätter ohne Unterschied ihrer politischen Richtung waren einig in der entschiedenen Verurteilung des so folgenschweren Ereignisses. Dazu lag aber auch aller Grund vor, wenn man sich die Vorgeschichte der Duellaffäre Ruff-Reiß in ihren Einzelheiten vor Augen hielt.
Angekl. Rufs gab an, daß er in der Nacht vorn 28. auf 29. September im Cafs Bauer gewesen ist und daß dort auch Reiß erschienen fei Mein Begleiter Ziefer teilte mir mit, daß Reiß nibt gegrüßt habe, obwohl er mich und Ziefer kannte. Es kam zwischen Reiß und Ziefer deshalb zu Auseinandersetzungen. Mit Bezug auf diesen Vorgang machte Reiß später an feinem Tische und zwar so aut, daß ich es hören mußte, die Bemerkung: „Was diese dummen Karlsruher Korpsstudenten sich nicht alles einbilden." Ich stellte Reig wegen dieser Aeußerung zur Rede und forderte ihn auf, mit mir hinauszugehen. Da Reiß dies ablehnte und mir dadurch jede Satisfaktion ab» chnitt, schlug ich ihm ins Gesicht. Reiß schickte mir darauf eine Pistolenforderung bei 16 Meter Ibstand und dreimaligem Kugelwechsel zu. Ich nahm die Forderung an. Das Ehrengericht setzte dann einen zweimaligen Kugelwechsel est. Ain Morgen des 7. Oktober fand das Duell statt. Ich traf meinen Gegner in den Unterleib; gezielt habe ich nicht. Reiß starb noch am Abend des 7. Oktober, weshalb ich mich anderen Tages der Staatsanwaltschaft zur Verfügung stellte. Auf weiteres Befragen des Präsidenten erklärte Ruff, daß er früher in Karlsruhe studiert hat und damals Mitglied des Korps „Frankonia" war, dem er heute noch als Inaktiver angehört. Am Abend des 28. September war ich nicht angetrunken. Einen hinter- liftiaen UeberfaH gegen Reiß habe ich nicht verübt. Ich stano bei den Auseinandersetzungen mit Reiß neben diesem und er hat sehen müssen, daß ich zum Schlage ausholte. Daß Reiß infolge dieses Schlages blutete, hat mir leid getan, ich hatte das nicht gewollt. Ich hätte Reiß auch gerne beigestanden, wenn ich nicht hätte befürchten müssen, daß man mich für feige hält und von mir annimmt, ich würde nicht den Mut haben, die Konsequenzen meiner
Parlamentarisches.
Berkin, 15. Jan. Es steht nunmehr fest, daß die erste Lesung des Reichshaushalts-Etats am 19. ds. beginnen wird. — Tie freikonservative Fraktion des preuß. Abgeordnetenhanfes und die deutsche Reichs-i Partei waren Mittwochabend zu einer gemeinsamenSitzung zusammengetreten und berieten ihre Stellung zur bekannten Kriegserklärung des engeren Vorstandes des Bundes der Landwirte gegen die Freunde des Antrages K a r d o r f f beim Zolltarif, nachdem die deutsche Reichspartei sich schon vor einigen Tagen mit demselben Gegenstände beschäftigt hatte. Nach längeren Besprechungen entschied man sich dahin, vorläufig Reserve gegenüber dem Bunde der Landwirte sich aufzuerlegen, später aber eine gründliche Abrechnung abzuhalten und den Bund scharf anzugreifen. Ter Austritt des Abg. v. Kardorff findet also jetzt keine Nachfolge.
Partikularistisches aus Bayern.
T. B. Hd. meldet uns aus München: Wie wir aus zuverlässiger Quelle erfahren, soll bei der Anwesenheit des Prinzregenten in Berchtesgaden von diesem unliebsam bemerkt worden fein, daß der Besitzer des Grand Ho tel neben nur einer bayrischen Flagge zwei deutsche Flaggen gehißt hatte. Ter Hotelier wurde deshalb zur Rede gestellt und er erklärte das Hissen der beiden deutschen Flaggen damit, daß er diese noch vom Besuche der Kaiserin her im Besitze habe.
Vermischtes.
• Karlsruhe, 14. Jan. Bankier Herz ist durch Gendarmerie, die ihn von der Schweiz abholte, hier emge» liefert worden.
• Paris, 15. Jan. Der Frauenmörder Vidal wurde gestern zum Justizpalast in Aix gebracht, um der Ver. lesung des Gnadenaktes des Präsidenten Loubet beiznwohnen. Eine aus 2000 Personen bestehende Volksmenge überfiel die Gendarmen, welche Vidal führten, schlug diesen zu Boden und mißhandelten ihn blutig. Der Staatsan- ivalt mußte eine Kompagnie Infanterie vor den Justizpalast beordern und nur mit großer Mühe konnte Vidal der Volkswirt entzogen und in Sicherheit gebracht werden. — Der Untersuchungsrichter Andrs verhörte gestern Fr e deric Hum- b ert und legte ihm die Frage vor, was aus den 5 Millionen Francs geworden sei, die bei der Gründung der Lebensrente- Gesellschaft eingezahlt worden seien. Humbert antwortete, von diesen 5 Millionen feien ihm sofort 3 600 000 Francs als persönliche Anleihe bewilligt worden, wovon er die Zinsen bezahlte. Die übrigen 1400000 Francs seien für den Ankauf eines Hauses in der Rue Aubert verwendet worden. Der Richter bemerkte ihm die Gesetzwidrigkeit dieses Vorgehens, worauf Humbert in Wut geriet, die sich noch steigerte, als der Untersuchungsrichter ihm einen von ihm geschriebenen Brief vorzeigte, in dem es heißt: Vergeßen wir nicht, daß die Rentengesellschaft für uns die einzige Hoffnung ist. Humbert verweigerte schließlich jede weitere Auskunft, indem er Unwohlsein vorschützte.
• Venedig, 15. Jan. Da die Bibliotheea Mariana, sowie die Säulen des Palazzo Ducale dem Einsturz nahe sind, wurde von den Behörden deren Räumung angeordnet und bereits damit begonnen.
"Fiume, 14. Jan. Der östreichische Dampfer „Bo- jana* und der italienische Dampfer „Jolante" sind bei Obotti gestrandet. Man befürchtet den Verlust beider Schiffe.
" Agram, 15. Jan. Die Polizei verhaftete in der Nacht zwei Amerikaner aus New-Pork, die in Fiume von dem Dampfer „Pannonia" einen Sack mit Goldstücken gestohlen hatten.
• Odessa, 15. Jan. Der in den letzten Tagen auf dem Schwarzen Meere wütende S türm verursachte zahlreiche Schiss Unfälle, darunter auch den des griechischen Dampfers „Parthenon". Nur einem Teile der Besatzung, 7 Mann, gelang es, sich auf ein Boot zu retten, welches von einem Lloyddampfer ausgenommen wurde.
" Newyork, 14. Jan. Aus dem Staate Miffissippi wird gemeldet, daß in der letzten Nacht 20 Personen erfroren find.
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.Red StarLinie" Antwerpen.
Ter Postdampfer „Vaderland" der Red Star Linie'in Antwerpen ist laut Telegramm am 13. Januar wohlbehalten in New-York angekommew
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werden, was jebei tikelMrm'/Necht seit längerem geQeg. bei beuttfen tonpr M 8'ele haben, um M wohl auch bleib, englische Presse mit i dien-ßahrt deö i Tann wieder wollte König Eduard auf begleiten. Lb ein f «jm König Nm (mranhinfl im K>ri, nLlen Kronungsseierli
Esten bei, die bes Teutschen Reichs, ees Kronprinzen Lill


