fohjten nun die Genannten form- und fristgerecht Rekurs an den Provinzial-Ausschuß. Der in der gestrigen Verhandlung erschienene August Pfeiffer erklärte auf Befragen des Vorsitzenden, datz er deshalb nicht zum Pfarrer gegangen sei, weil es ihm sein Vater verboten l)abe. Er habe nichts verübt und er brauche auch nicht hinzugehen. Auf Antrag deS Vertreters des Großh. Kreisamts Friedberg, Kreisamtmann Dr. Warner, erkannte der Provinzial- Ausschuß zu Recht, daß der Rekurs abzuweis en und den Rekurrenten die Kosten des Verfahrens auszuerlegen seien. Verhandlungsgebühr wurde keine erhoben. — Der zweite Punkt der Tagesordnung betrefftnd die Kreis str aß en- unterhaltung im Kreise Büdingen pro 1902/03 hier: Dei- tragsleismng der Betriebsunternehmer der Breitenbrunner Steinbrüche „Vereinigte Rousselle'sche Basaltwerte zu Klein- Steinheim" mußte ausfallen, da der Provinzialausschuß nicht beschlußfähig war. — In Sachen Gesuch des Louis Dieffenbach zu Echzell um Erlaubnis zum Betrieb einer Gastwirtschaft erkannte der Provinzia laus schuß zu Recht, daß unter Aushebung des Urteils des Kreisaus- fchusses deS Kreises Büdingen vom 2. Mai 1903 dem Rekurs stattzugeben sei. Louis Diesfenbach zu Echzell bat unterm 20. April 1903 vor der Guoßh. Bürgermeisterei daselbst um Erlaubnis zum Betrieb einer Gastwirtschaft. Der Gernelnde- rat verneinte in seiner Sitzung vom 10. April l. I. die Tedürfnissrage, und legte dann dem Kreisausschuß Büdingen die Sache zur Entscheidung vor, welcher zu Recht erkannte, daß dem Gesuchsteller die nachgesuchte Erlaubnis zu erteilen sei. Gegen diese Entscheidung verfolgte der Vorsitzende des Kreisausschusses des Kreises Büdingen im öffentlichen Interesse Rekurs an den Provinzial-Ausschuß mit dem Anträge, unter Aufhebung der Entscheidung des Kreisausschusses des Kreises Büdingen vom 2. Mai 1903 dem Gesuch steiler die nachgesuchte Erlaubnis zum Betrieb einer Gasrwirtschast zu versagen und begründete in der gestrigen Verhandlung vor dem Provinzialausschuß seinen Rekurs -etwa folgendermaßen: In Echzell beständen bei einer Einwohnerzahl von 1631 Seelen 10 Gast- bezw. Schankwirtschaften, sowie 6 Branntweinausschankstellen. Der Gemeinderat habe das Bedürfnis zur Errichtung einer weiteren Wirtschaft nicht anerkannt. Auch er halte den Nachweis aines'vorhandenen Bedürfnisses nicht für erbracht. Er beantrage, dem Rekurs stattzugeben. Trotzdem sich die ver- -nommeneu Zeugen für die Errichtung einer Wirtschaft aussprachen und auch der Vertreter des Gesuchstellers, Rechtsanwalt Engisch, nach längerer Ausführung versuchte, den Nachweis eines vorhandenen Bedürfnisses zu erbringen, konnte der Provinzial-Ausschuß nicht die Ueberzeugung gewinnen, daß ein Bedürfnis zur Errichtung einer weiteren Wirtschaft vorhanden sei. — Auch wurde der Rekurs des Adolf'Beckes zu Alten-Buseck gegen das Erkenntnis des Kreisausschuffes des Kreises Gießen abgelviesen unter Verurteilung' d^ Rekurrenten in die Kosten des Verfahrens ind) Zahlung einer Verhandlungsgebühr von 10 Mark an die Provinzialkasje, da dem Provinzialausschuß ebenfalls kein Nachweis eines Bedürfnisses nach einer neuen Wirtschaft in Alten-Buseck erbracht wurde. Sodann wurde die öffentliche Sitzung geschlossen.
** Empfang bei Hofe. S. K. H. derGroßher- Z-vg empfingen am 14. Okt. unter anderen den Professor van Ealker von der Landesuniversität Gießen.
** Aus dem Bureau des Stadttheaters. Noch- nals fei auf bie morgige Premißre von rU eher den Wassern^ hingewiesen, die auf das sorgfältigste vorbereitet mit ersten Kräften besetzt in abgerundeter Darstellung einen hochinteressanten Theaterabend verspricht. Das Werk hat bisher überall größtes Aufsehen erregt.
— Die nationalliberale Landespartei Hessens Hat für die am 18. Oktober in Darmstadt stattfmdende .Sitzung des Landesausschuffes folgende Tagesordnung festgesetzt: 1. Gesetzentwurf, die Landstände betr. 2. Die Ab- 'änderung des Gesetzes über die Gemeindeumlagen. 3. Aufgaben der Partei im Reichstage. 4. Orgamsationssragen. £. Einberufung einer Landesoersammlung.
** Naturseltenheit. Einen Strauß der schönsten reifen Wald- und Garten-Erdbeeren uni) Blüten brachte mau uns heute auf die Redaktion. Wenn auch kein Hase, so doch wenigstens etwas! Sie sind in einem Garten auf dem Nahrungsberg gewachsen.
()Lich, 14. Oki. Bei der heutigen Beig eordn eten- wahl würbe der seitherige Beigeordnete Därmer mit 240 gegen 125 Stimmen wiedergewählt.
i. Friedberg, 14. Okt. 700 Mark unterschlageii und damit die Flucht in die Schweiz angetreten, hat der erst 17 jährige Drucker Wllhelm Schäfer an einer hiesigen Zeit- .ung Er wurde schon seit längerer Zeit non dem Versicherungsagenten Damm mit dem Einrreiben der Prämien betraut und besorgte dies stets aufs beste. Am Sonntag wurde er wiederum beauftragt in Nieder-Wällstadt Gelder einzukassieren. Dies tat er mit Hilfe seines Bruders. Die bedeutende Summe von rund 700 Mark verlockte die jungen Leute, und sie entflohen Sonntag nacht in die Schweiz. Agent Damm und Polizeikommissar Weiß von hier weilten am Montag in Ilbenstadt, dem Heimatsdorf der Ausreißer. Der etwa 20 jährige Bruder kehrte gestern von Basel zurück und wurde sofort verhaftet. Man fand bei ihm noch etwas Geld und eine neue wertvolle Uhr. Der jüngere Wilhelm Schäfer befindet sich noch mit der Hauptsumme in der Schweiz.
R. B. Darmstadt, 15. Okt. (Eigener Drcchtbericht.) Der Automobilausflug, den das Zarenpaar, der Groß her zog, Prinzessin Heinrich und Großfürst und Eroßfürstin Sergius gestern nachmittag von Wolfsgarten aus unternahmen, erstreckte sich nach, Frankfurt, wo die Herrschaften Einkäufe machten und um 6 Uhr wieder nach Wolfs garten zurückkehrten. Heute vormittag iamen die Kaiserin, die (Äoßfürstin Sergius und die Prinzessin Ludwig von Battenberg mit Automobil nach Darmstadt und begaben sich ins alte Palais, wo die Kaiserin einer seit längerer Zett erkrankten Hofdame einen Besuch ab stattete.
Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. Die mit dem Gymnasium zu Worin Z verbundene seitherige Realschule ist mit rückwirkender Kraft für den Ostertermln 1903 als Oberrealschule unter diejenigen Lehranstalten ausgenommen worden, bei welchen der einjährige erfolgreiche Besuch der Untersekunda zur Darlegung der wissenschaftlichen Befähigung zum einjährig-freiwilligen Milüärdienst genügt. — Wie italienische Blätter melden, sei die Billa Krupp auf Eapri in den Besitz des Professors v. Behrmg in Marburg übergegangen, der daselbst eine Anstalt für Serum-Therapie gründen wolle. — Die „Rordd. Allg. Ztg." dementiert offiziös die Nachricht, daß eine Verlegung des Regierungs-Präsidiums von Wiesbaden nach Frankfurt a. M. beabsichtigt sei.
Kricgserleöniffe eines Mitglieds des Kriegervereins.
Gießen, 15. Oft.
Der Kriegerverein hatte gestern abend in seinem Verein slokal eine Monats Vers ammlung, die äußerst interessant und unterhaltend war. Der Bezirksvorsitzende, Herr Bruch Häuser sollte nämlich einen Vortrag hallen über eine persönlichen Erlebnisse im Krieg 1870/71. Von allen hiesigen militärischen Vereinen waren Gäste er- chienen, und der Saal in der Sieftauration Feidel war vollbesetzt. Amtsgerichtsrat Wiener eröffnete den Beginn mit einem Hoch auf Kaiser und Großherzog und machte Mitteilung von dem Hinscheiden des Kameraden Joh. Ruhl, dem er warme Worte des ^tachrufes widmete. Nack) einigen geschäftlichen Mitteilungen über die bevorstehende Winter- kampagne des Vereins, betreffend die Sammlung für die Kameraden in Schlesien und die Empfehlung der Lektüre eines sehr interessanten Vortrags, den Ntedizinalrat Dr. Vogt aus der letzten Dekanatssynode in Friedberg gehalten hat und der im hessischen Kamerad" in Nr. 3/ abgedruckt ist, ferner die November- und Dezember-Veranstall- ungen des Vereins betreffend, nahm Herr Bruchh äuser das Wort zu feinem Vortrag, der die Anwesenden stundenlang in Spannung hiell. Die Freuden uiid Leiden des Krieges, ernste uni) heitere Episoden auf den Märschen durch frarizäjisches Gebiet wußte er so ungeschminkt und mitunter drastisch zu erzählen, daß niemand die Stunden zählte. Mehrere anwesende Kameraden, die „auch dabei" gewesen sind, verbürgten, wie Herr Bruchhäuser voraus- chickte, die Wahrheit seiner Berichte. Zur Zeit des Feldzuges hatte der Erzählende schon elf Fahre gedient imd ist dann erst Sergeant geworden. Beim Ausbruch des Krieges übernahm er die Geschäfte eines Feldwebels. Auf dem Lindenplatz sanden die Appells statt, und im Kasernenhof ging es danials, wie sich denken läßt, zienllich drunter und drüber. Alle Kleidungs- und Ausrüstungsstücke wurden da auf Haufen zusammengetragen und dann hieß es: „Sucht Euch 'was Pulsendes!" Der Konipagnie hätte taum etwas Schlimmeres passieren können, als sie chren Hauptmann verlor. Rlchrmals mußte sie während des Feldzuges den Chef wechseln. Auf dem Ausmarjch nach dem Feindesland passierten gleich am Anfang einige belustigende Geschichten. Bei Klein-Linden jagte Feldwebel Bruch- Häuser zu (einem Kompagniechef: „Ja) glaube, wir haben einen Manu zu viel". Jnfolgedes,en wurde einer zum Ersatzbataillon geschickt. Später stellte sich heraus, daß die Zahl doch gestimmt harte. Im Lahntal gab's eine äußerst gute Verpflegung, Herr Bruchhänfer erzählte von Kotelettes und anderen Leckerbissen; auch auf der Fahrt mit der Eisenbahn bis Mombach wurden Die Truppen überall mit Jubel begrüßt. Ein lustiges Geschichtchen von einem Packpferd, einem Schimmel, und einem zweirädrigen Karren, der unterwegs zusammenbrach, ereignete sich mit heiteren Nebenumständen, bis man über Alzey in Wörstadt anlangte. Dort wurden die Erkennungsmarken ausgegeben, und Feldlvebel Bruchhäujer mußte die Kriegsstauimliste an fertigen. Jeder Soldat, der am Kriege teilnahm, erhielt eine Erkennungsmarke. Bei dieser Tätigkell (teilte der Feldwebel fest: wir haben eine Marke zu viel und einen Mann zu wenig. Als der Oberst das erfuhr, rief er erleichtert aus: „Gott (ei Dank, die dritte Kompagnie hat zwei Munn zu viel". Also hatte der Bestand beim Ausmarsch damals doch gestimmt. In der Gegend von St. Johann und Saarbrücken jähen die Truppen noch die Spuren der ersten Schlacht; Patronen und ähnliche Dinge lagen auf den Feldern, und die Leute erzählten jchrecklichc Geschichten von Turkos, die mit Broten auf den Bajonetts erschienen seien. Dort mußte das ganze Regmient an Kaiser Wilhelm vorbeimarjchieren. Dann ging's über das Schlachtfeld der Spicherer Höhen, wo nocy die Toten lägest. In Forbach wurden ganze Rotten versprengter Franzosen aus Verstecken, Kellerii u,w. heransgetrieben. In Herny war der erste Feldgottesdienst. Dmin marschierten die Truppen weiter nach Remilly. Tort waren Plünderungen begangen worden, die nun dem Regiment zur Last gelegt wurden, aber unbegründet wareii. In Remllly betrat Feldwebel Bruchhäuser mit einem Kameraden ein Wirtshaus, um da zu Vtittag zu ejsen. Beim Eintritt gab es eine kleine Unterhaltung mit einem dort fitzenden Rittmeister, wobei dieser meinte: ,Hier gibts nichts, schafft Euch hinaus!" Alle Eülwend- ungen halfen nichts; der Rittmeister blieb bei seinem Befehl. Draußen trafen die Abgewiesenen mit dem Büchsenmacher Engel zusamnien, der ebenfalls Hunger hatte. Die beiden machten sich den Scherz, ihm rnitzuteilen, in dem Wirtshaus hätten sie vorzüglich zu Mittag gegessen. Wässrigen Mundes trat er ein und wurde oom Rittmeister angefahren : Hier gibt's nichts; machen Sie sich fort, sonst werse ich Sie 'raus! Der Büchsenmacher machte Entschuldigungen mit dem Erfolg, daß er tatsächlich zum Gaudium der Draußen st eh end en zur Tür herausflog. Bei Orleans gab es ein Wiedersehen mit dem Rittmeister, der fein Verhalten im Wirtshaus damit rechtfertigte: man dürfe das nicht übelnehmeu, „es sei damals einmal so gewesen!" Man kann nur leise vermuten, daß dabei das ewig Weibliche eine Rolle gespielt hat.
Teini Abmarsch von bcemilly wurden zum erstemnale die Gewehre geladem Auf dem Marsch ncuiji dem Schlachtfelde von Mars la tour jähen die Truppen viel gefangene Franzosen. Unterwegs sah man am ersten Hause eines kleinen Dorfes einen Franzosen hängen, den man deshalb da aufgehängt hatte,» weil- er auf deutsche Soldaten geschossen haben sollte. Seine Angehörigen bejranden später darauf, das sei nicht der Fall gewesen. — Es müssen sehr schwere Strapazen gewesen jein, die die deutschen Soldaten damals durchmachten, als sie immer wieder, wenn einmal das Abkochen usw. begonnen hatte, die Biwaks abbrechen und wellermarfchieren mußtem Ans dem Schlachtfeld von Gravelotte jah es sehr ernst aus. Der Truppenteil des Feldwebels beerdigte einen Kameraden namens Schott, indem seine Gelvehrteile zü einem Kreuz für fein Grab zusammengefügt wurden. — lieber das „Mirabellenbiwak" von Pierrevitliers, wo sich die Soldaten durch das Verspeisen der vielen Früchte Magenbejchwerden holten, ging der Marsch weiter nach Noftseville, wo General von Rantzau die Schlacht von Sedan bekannt machte. Ans Noisseville wurde der Feilid Vertrieben, worauf dort biwakiert wurde. Das Betreten der umliegenden Gärten war wegen der dort verwundet liegeiiden Franzosen und Turkos (ehr gefährlich. Bei Rezonoille verlebte man die schlimmsteii Tage im ganzen Feldzug. Es regnete und man mußte acht Tage lang im Rasten liegen. Tie Pappeln an der Ehaussee von Gravelotte bis Rezonville wurden sämtlich nieoergeyauen, um Hütten bamii zu bauen. Dann mußten die Truppen wieder' ein Stück Wegs auf der Chaussee nach Gravelotte zurück; in Ars jur Moselle
gab es wieder heitere Stückchen. Am 27. Oktober wurde die Kapitulation von Metz bekannt. Im Verfolg des Befehls, in Eilmärschen nach Orleans zu marschieren, kam man durch die Wälder von Fontalliebleau. Leonville war ein gutes Quartier. Da waren hübsche Bauernhöfe mit einem außerordentlich großen Vorrat von Hühnern und sonstigem Geflügel. Es wurde, nach den Worten des Erzählers, gerupft, daß überall die Federn umher flogen, gekocht, gebrotzell und gebraten, daß schließlich durch das viele Feuer die Balken eines Hauses in Brand gerieten und ein Loch in die Decke des Zimmers brannte. Da wurde unter Milli ahme all der Braten ausgerückt, und das Feuer glücklich wieder gelöscht. Die Eilmärsche waren so überaus aristrengeiid, daß viele Soldaten im Gehen schliefen und dabei oft gegeneinander anstießen. Nach kleinen Vorgefechten wurde schließlich Orleans eingenommen. Dort suhlten die Soldaten )ich in den Quartieren ziemlich mollig. Aber bald kam wieder der Befehl zum Weitermarsch. Weihnachten konnte nicht in Ruhe gefeiert werden. Rach einigen Gefechten bei Briare kam man nach Ehattillon für Lorng, wo Leutnant Prätorins aus einem Hauö ins Bein gefchojfen wurde. Der Täter wurde entdeckt und mit dem Bajonett durch die Brust durchstoßen, fodaß die Waffe noch in die Wand eindrang. Feldwebel Bruchhäuser kant dann in ein Quartier, wo die Hauswirtin den Soldaten Tücher um die Kopse band, damit sie die sauberen Kissen nicht befäxmutzten. Aus dem Rückzug nach der deutschen Grenze pausierten auch noch viel lu]tige Geschichten. Rian zog durch Bergzabern und wurde in den ersten deutschen Dörfern mit Begeisterung empfangen. Die bayerischen Orte bereiteten den Zurückkehrenden begeisterte Enipsäiige. lieber HMrenheim, Bensheim und Alsbach, wo der Empsang besonders glälizend war, hiel^ man dann wieder den Einzug in die Heimat. An feine Schilderungen knüpfte Herr Bruchhänfer die Mahnung an die jüngeren Mitglieder, sich bieje glorreiche Zeit ein Ansporn fein zu lassen zu treuen Dienjien für oav Vaterland, dem er zum Schluß ein begeistert aufgenommenes Hoch ausbrachte. — Ter Vorsitzende brachte oem Erzähler warmen Dank für feinen intereffcmten Bericht dar, in welchem der Erzähler die Leiden uuo Schrecken des Krieges Nicht altzu sehr in den Vordergrund gestellt habe, uno obgleich die Mitter- nachtstunde schon geschlagen hatte, blieb man doch noch unter dem Gesang patriotischer Lieoer einige Zeit zusammen. Trotz der vorgerückten Zeit ergriff der Vorsitzende des Kriegervereins, Amtsgerichtsrar Wiener, noch einmal das Wort, um eine Episode aus der Regirneiitsgeschichte von Kamerad Bruchhänfer zur Verie,ung zu bringen, die allgemeinen Beifall fand. Zum Schluß ieiUe Kommerzienrat Koch noch einiges aus seinen perjonlichien Kriegserinneruiigen mit und feierte nochmals die Verdienste des Karnerabeu Brnch- yänser, die fich Olef er als Bezirrsoor sitzender erworben habe.
Eingesandt.
(Für Form und Jnharr uuv, v.vjer Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redatnon dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.)
Nr. 236 des Gießener Lllizeigers bringt einen Bericht über die Gründung des deutschen Obetlehrervereins. Wir Vollsschullehrer Härten keine Veranlafsung, hierzu Stellung zu nehmen, hätte nicht der Referent bei der konstituierenden Versammlung, Herr Oberlehrer Prof. Block-Gießen, in feinet: Begrüßnngsreoe sich ungerechtfertigte Angriffe auf unseren Staiid erlaubt. Diese Angriffe wird der deutsche Lehrerverein wohl in allernächster Zeit zum Gegenstand ferner Erörterungen machen. Wenn aber der Gießener Lehrerverein in dieser Sache auch das Wort ergreift, so geschieht das deshalb, weil gerade durch die hiesige Tagespresje der Inhalt jener Rede zur Kenntnis unserer Mitbürger gelangt ist. Herr Prof. Block macht mobil gegen die Macht, die den jemitiariftifch gebildeten Lehrern durch ihren Zn- jammeiischlnß im deutschen Lehrerverein gegeben ist, „eine Ri acht, die auch den Oberlehrern gefährlich werden könne"; er möchte eine „Macht" schaffen, die den „Uebertreibungen" der seminaristisch gebildeten Lehrer, besonders in der „Bil- dungsfrage" entgegentreten soll. Was fürchten Sie denn von uns, Herr Professor? Glauben Sie, daß wir eine Erweiterung und Vertiefung unserer Blldung anstreben, um in Ihren Besitzstand einzubrechen und Sie daraus zu verdrängen? Darüber können Sie beruhigt jein. Alles, was wir in dieser Beziehung erstreben, erstreben wir zur Hebung der Volksschule; denn wir vertreten die Meinung, daß es der Voltsschule zu gute kommt, wenn unsere Bildung vertieft wird. Die Gleichstellung des ^emiiiarabgangszeug- . nifses mit dein NlllluritätSzeugnis für alle Fächer des Universllätssllidiums haben unseres Wissens unsere Lehrervereine noch niemals verlangt. Sie sehen also, Herr Professor, unsere Bestrebungen schließen keine Gefahr für Ihren oder für einen anderen Stand in sich; wir wollen bleiben, was wir sind, deutsche V o l k s s ch u 11 e h r e r, die es nicht gelüftet, über ihren Besitzstand yiiiausZUgreifen. —
Die Angehörigen anderer Stande hatten, wenn sie em- pftndlich und nervös waren, vielleicht viel eher Grund über ihnen gefährliche Bestrebungen anderer Leute sich zu beklagen. Wir möchten Ihre Ausmerksamkein Herr Professor, einmal auf die Titelfrage lenken, obgleich die uiiS von jeher außerordentlich nebenfächlich war, fo nebensächlich, daß Sie in unseren Vereinssatzungen vergeblich nach den Worten Titulatur, Rangstellung usw. suchen werden. Bis vor wenig Jahren führten in Hessen die Volksschullehrer, die zur Leitung einer Schulgruppe berufen wurden, den amtlichen Titel „Oberlehrer". Den Bestrebungen des Vereins akademisch gebildeter Lehrer in Hessen haben wir es zu verdanken, oatz dieser Titel uns entzogen uno durch einen anderen ersetzt wurde. Bis vor wenig Jahren war der Titel „Professor" ein Ehrentitel, der fa,r ausschließlich dem Stande der Univerfitätslehrer zukam. Den Bestrebungen der akademisch gebildeten Lehrer ist es zu verdanken, daß dieser Titel, wir dürfen wohl fageit, in einer Art entwertet ist, daß er kaum noch als eine große Auszeichnung gelten kann, da er mit einer bestimmten Geyallsklasse jedem Oberlehrer von selbst in den Ochoß fällt. Auf diese Weise haben sich die Bestrebungen der Herren Oberlehrer den Angehörigen anderer Stande gegenüber geltend gemacht. —
Unsere Meinung nach dem oben AuSgefühnen ist die: Herr Prof. Block hätte fcijöner gehandelt und seiner Sache einen besseren Dienst geleistet, wenn er sich für feine Begrüßungsrede über unsere „Uebertreibungen" usw. besser informiert hätte und wenn er diese Begrüßungsrede nicht dazu benutzi hülle, seine Zuisörer schar, zu machen gegen den Volksscyullehrerstand mit seinen „gefährlichen Bestrebungen", dem es so wie so seit langem klar ist, welche Anschauungen über ihn gerade in den Reihen der Rlänner herrschen, von denen inan im Interesse oer Volksbildung und -Erziehung erwarten sollte, daß sie nut ihm Hand in Hand gingen.
Zum Schluß noch einige Worte, die erklären mögen,
w .’J u-s!" our Ä tfiOw
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^neunjähri Dynam Ümftänd
Löwenbc Wärters rrfchei
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