Ausgabe 
15.10.1903 Zweites Blatt
 
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Air heutige Dummer umfaßt 8 Seite«.

Die ^Liverpool Daily Post" hört aus unanfechtbarer

äußersten Osten zuzuschreiben se DieItalia" bringt die Enthülle

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Aus Stad! utiit Kaud.

färsterei Dornberg versetzt.

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Echnlftratze V.

Adresse für Depeschenr Auzetger Gießen.

-ernsprrchanschluß Nr. 5L

Die gesamte russische Streitmacht, die in der Nähe von Port Arthur zur Verfügung steht, soll nach amtlichen

Ausland.

London, 14. Okt. Aus Kapstadt wird eine große kommerzielle Depression gemeldet. Die Handels­statistik weist allein in Wollen einen Ausfall von sechs Millionen Mark in einem Monat nach. Die herrschende Dürre verursacht große Sorge in den ländlichen Distrikten. Die Farmer verlieren eine sehr große Menge Vieh. Zum ersten Male in der Geschichte der Kapkolonie leben dte Land- bewohner von importierten Gemüsen, Fleisch, Stern und Butter.

Im Anschluß an die Bekanntmachung des Großherzogl. Staatsministeriums vom 31. Dezenter 1902 und an unser Amtsblatt vom 30. Dezember 1902 bestimmen wir weiter, daß im Schulunterricht fortan nur noch diejenigen Doppel­schreibungen angewandt werden dürfen, die in das neu er­schieneneAmtliche Wörterverzeichnis für di Deutsche Rechtschreibung zum Gebrauch de preußischen Kanzleien. Gemäß dem Beschluss des Königlichen Staatsministeriums vom 11. Jun'

1903.* (Berlin, Weidmännische Buchhandlung, 1903, Preis 10 Pfg.) ausgenommen worden sind.

Auch die dort als an sich nicht unzulässig bezeichneten, in Klammern beigefügten Doppelschreibungen sind im Schul­unterricht zn vermeiden.

Im Hinblick darauf, daß sich die meisten Abweichungen dieses Verzeichnisses von dem seither maßgebenden auf Fremd­wörter beziehen, Unterlasten wir übrigens nicht, in Erinnerung zu bringen, daß dem Gebrauch entbehrlicher Fremdwörter in der Schule bet jeder gebotenen Gelegen hell nachdrücklich ent­gegenzuwirken ist.

Eisenhuth.

de Beauclair.

m Gießen, den 13. Oktober 1903.

Betr.: Die neue Rechtschreibung.

Die Großh. Kreisschulkommission Gießen

au die Schulvorftäube -es Kreises.

Wir beauftragen Sie, das nachstehend abgedruckte Aus- schretben den Lehrern zur genauen Nachachtung, namentlich auch betreffs des Schlußsatzes, mitzuteilen.

Dr. Breid er t

Zu Nr. M. d. I. I 26687.

Darmstadt, am 16. September 1903. ffietr.: Die einheitliche deutsche Rechtschreibung; hier: die Doppelschreibungen.

Das

Großh. Ministerium des Innern

(AbteiiMg für ZchlliaMikgrlcheitru) an die sämtliche« unterstellten Großh. Direktionen, die Kreis - Schulkommisfioueu und die Kuratorien der höheren Bürgerschulen.

Zu der Resolution, welche auf dem Parteitag der Freisinnigen Vereinigung angenommen worden ist, bemerkt der ,Vorwärts", daß dieselbe den Anforder­ungen entspricht, die von sozialdemokratischer Seite an die Liberalen gestellt wurden.

Aus dem 15. Reichstagswahlkreise Mittweida, in welchem infolge der Mandatsniederlegung Göhr es eine Nachwahl nötig .sein wird, schreibt man: Im sozial­demokratischen Verein zu Mittweida hat man sich am letzten Sonnabend mit der neuen Wahl beschäftigt. Zunächst miß- j billigte man es, daß Göhre, ohne den Kreis zu fragen, sein Mandat niederlegte; anderseits war man auch darüber einig, daß der Zurückgetretene nicht anders handeln konnte. Von verschiedenen Seiten wurde auch das Vorgehen Bebels scharf verurteilt. Die Meinungen gingen in der Hauptsache dahin, Göhre abermals als Kandidaten aufzustellen.

Straßburg, 14. Okt. Der Präsident des elsaß-loth­ringischen Landesausschusses Dr. von Schlumberger hat aus Gesundheitsrücksichten sein Amt niedergelegt. Schlum­berger führte das Präsidium seit Gründung des Landes­ausschusses im Jahre 1875. I

** Der Provinzialausschuß der Provinz Ober^ Hessen verhandelte in seiner gestrigen öffentlichen Sitzung über den Rekurs des August und des Georg Pfeiffer von Staden gegen einen Polizeibefehl des Großh. Kreis­amts Friedberg. Der Sachverhalt ist etwa folgender: De- Pfarrer Bernbeck zu Staden führte bei der Kreisschul- tommfiswu Friedberg darüber Beschwerde, daß die beiden Fortbrldungsschüler August und Georg Pfeiffer von Staden, dte schon während ihrer Schulzeit durch rohes u n d g e - waltt'ätiges Benehmen, sowie' durch andere Ver­gehen öfter zu scharfer Bestrafung Anlaß gegeben hätten, tro^i Vorladung zur Verantwortung nicht erschienen seien und bat die Großh. Kreisschulkommission zu veranlassen, daß chm die beiden ^ortbildungssch-üler vorgeführt und der Vater derselben wegen seines ungebührlichen Beneh­mens zur Rechenschaft gezogen werde. Der Vater weigerte sich nämlich, seine Jungen zum Pfarrer zu schicken. Auf diesen Antrag empfahl die Kreisschulkommifsion dem Schulvorstand zu staden, den beiden Schülern eine Arrest­strafe von je drei Stunden zuzudiktieren. Da sich jedoch diese weigerten, die Arreststrafe zu verbüßen, erließ das Großh. Kreisamt Friedberg mtterm 11. März 1903 einen Polizeibefehl gegen dieselben, in welcher ihnen mit einer Geldstrafe von je 25 Atart gedroht wurde, wenn sie die Strafe nicht verbüßten. Gegen diesen Polizeibefehl ver-

Volttische Tagesschau.

Gegen das weibliche Mandarinentum in den Ostmarken.

DieNationallib. Korr." klagt darüber, daß im preußi­schen Osten das Offizierkorps und Beamtentum auf die Geltendmachung der Rangunterschiede übertriebenen Wert legen. Wo die Beobachtung des Rangunterschiiedes und der Nummer der Stufe auf der dienstlichen Leiter unbedingt notwendig ist, wie bei Wahrnehmung amtlicher Hand­lungen, wird, fo- heißt es in einer oiese Aufschrift tragenden Betrachtung der genannten Korrespondenz, niemand, der die Wichtigkeit der Disziplin anerkennt, ein berechtigtes Diaß von Kastengeist und Mandarinentum missen wollen Wenn aber d es Dienstes ewig gleichgestellte Uhr abgelaufen ist, muß der Deutsche auch, wo immer er dem Deutschen be­gegnet, in erster Linie den Landsmann und nicht den Herrn Obersten oder den Herrn Superirumerarius, den Herrn Geheimrat zweiter oder erster Klasse oder den Subclltern- oder Unterbeamten zu erkennen bemüht sein. Insbesondere liegt den Frauen unserer deutschen Landsleute in den Ostmarken die Pflicht ob, ihre Vorliebe für Rang-, Titel- und Ordensunterschiede zu bezwingen zu Gunsten des Er­fordernisses, daß die Deutschen in den Gebieten, um die es sich handelt, auftreten müssen als eine wie national so wirtschaftlich und sozial möglichst geschlossene Gesellschaft und Macht/ Noch vor wenig Jahrzehnten fuhr in Berlin der Generalleutnant nicht mit dem Dienstmann zusammen in einem Straßenbahnwagen. Heute kann man das jeden Tag sehen. Auch die Frau Geheimrätin spricht unter Um­ständen auf dem Markt mit chrer Schneiderin oder der Nach­barin ans dem Keller. Wenn irgendwo, müssen im Osten die Klassen-, Rang- und Dienstunterschiede so wenig tote möglich betont werden, und wenn die Offiziers- oder Ge- heimratsgatlinnen sich, dieser nationalen Notwendigkeit nicht unbequemen wollen, müssen sie verseht werden!

Rußland und Italien.

Gar nicht beruhigen kann man sich in Italien über die Besuchsabsage des Zaren. Die Regierung ist bestürzt und die Opposition macht sich die deprimierte Stimmung zu Nutze, indem sie die Schwäche und Ein­fluß l o s i g ke i t der Regierung an diesem Beispiel darzutun sucht. SonniösGiornale d'Jtalia" schreibt: Kaiser Nikolaus werde sicher nach Italien konkmen, das ihn erwarte, wenn eine Regierung v o r h a n d en, d i e d i e s e s N am en s r di g sei! Dem Kabiliett Zarnadelli kann also das eigenartige Schicksal passieren, ein Opfer der Erregung und Unzufriedenheit zu . werden wenn der Zar Rom für keine sichere Stadt hält. Ein Glück, daß jetzt die italienische Kammer nicht tagt; in ' elementarer Weise würde die Leidenschaftlichkeit der 1 kränkten Römer sich Luft machen. <

Nr. 242

außer Sonntag«. Dem Gießener A nzetger werden hn Wechsel mit dem Hessische« Landwirt Me Gretzener Kamillen, blätter viermal tn der

Woche betgetegt btokrNonSdruck n. 8er- jag. der BrühlNchen Untveck.-Buch- u. Stein- beuckerei (Pietsch (fcrben)

Zweites Blatt. 158. Jahrgang Donnerstag 15. Oktober 1S03

-NK Bezugspreis,

rajr «0110111^7581, eiertet-

GleßenerAnzmer»

M General-Anzeiger Sg

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen WM

____ _______________________________ letgentetl: Han« Beck.

Für Rußland ist der tiefe Eindruck, den die Absage hervorruft, schmeichelhaft, ja et Übertrifft alle Erwartungen. Nach einer römischen Privatmeldung äußerte sich ein russi­scher Diplomat, er sei erstaunt über die Mrknng des Auf- chubs. Man möge die Folgen nicht übertreiben. Der Zar seiglücklich, cmS der F-erne der Reise des Königs nach Paris beizuwohnen und der Wiederver­söhnung des verbündeten Frankreich mit dem ihm stets sympathi scheu Italien.

Die Enttäuschung ist aber zu herb, als daß die besten Trostgründe verfingen. Ob man auch in Rußland entzückt ist über die Annäherung zwischen Italien und Frankreich!? Tie russische Politik traut der ftanzösischen Auslandspolllik, ,______Uu» uuum^uuvec

Letter, Delcasss, seit langem nicht über den Weg. Quelle, daß König Eduard Freihändler, daaeaen der -m »--- »..v.,u>.

L'o^' SeWb^wuM^u'Republik . ' " Sto-USlekreiür deSAukwüttigen. Lord Lan-do>vnc, zu steigern, andererseits das Bündnis mit Rußland unö i^uzösische Botschafter Cambon unterzeichneten eine

im Wert herabzumindern. Als Frankreich nod)i auf._ö giUige Uebereinkunft, wonach Streitigkeiten allein stand, da war die Vergötterung Rußlands an der juristischen Charakters oder Streitigkeiten, die sich auf die Ta.gesordmmg, Rußlands Wunsch war Befehl, russische Kunst, Auslegung der zwischen England und Frankreich russtsche Moden feierten ihre Triumphe. Jetzt mehren sich bestehenden Verträge beziehen, soweit sich solche ergeben, und von Tag zu Tag dre Strmmen, daß es auch ohne Rußland nicht auf diplomatischem Wege ausgeglichen werden konnten nötig fX, '^^*3^ "^Rone H°ag°- Schiedsgerichtshof unterbreitet werden

In Paris begrüßen die Sozialist en beti ° r ti r f <> r 1 a r\w o- w " < .

Besuch des Köni gspaares:Es lebe Italien!"U1, 14. Oft ^zn Brugge wurden gestern abend

ruft Jaurös. Die römischen Sozia listen verheißen, ^egen den Wagen des Schloßherrn van Seoeren de Knuydt, den Zaren auszupfeifen. Gegensätze, die die rnssi- welcher als liberaler Kandidat für die am nächsten Sonntag sche Zurückhaltung nur allzusehr begreiflicherscheinen lassen, stattftndenden Gemeinderatswahlen aufgestellt ist, zwei Schüsse

Der llallenische Ministerpräsident Zanardelli wird abgegeben. Es handelt sich allem Anscheine «tach um ein feinen Urlaub abbrechen und am Samstag nach Rom zu- politisches Attentat.

ruckkehren, weil voraussichtlich ein Ministerrat abgchalten Belgrad, 14. Okt Die ordentlllbe Taauna bet

werde. DerItalia" zufolge hatte der russische Botschafter Skupschtina ist eröffnet^^worden U aeD> efn

m Rom, Baron Nelidow, mit dem Generalsekretär im Aus- Adressenentwurf zur Verteilung der' dem Könicw dankt

wclltigen Amte Malvano eine Besprechung über Wi e de r- für Tie unb bS Laben d^

® b der -o erhandlu ng en über dte Reise! Krone und des Volkes die auf aemeinfame nn=>

rfij -N V o laus nach R o m. Der Deputierte gewiesen seien. Die Volksvertteter' seien überzeugt daß in ^er-^Emer eine Interpellation an den Serbien nun in eine Epoche glücklicher Tage getreten sei.

über die Grunde, die den Aufschub der Bei der Besprechung der Stelle der Thronrede^ welche die bereits amtllch an- Beziehungen zum Auslande betrifft, betont der Adressen­ge kündigt war, veranlaßt haben. Em ministerielles Kom- enttvurs, die Skupschtina sei glücklich, daß sich die Wünsche r ^E^chen Reise des Königs mit denen des Volkes decket, nämlich das zwisc^u

einzig und allein den Verwicklungen im Serbien und Rußland, dessen Dasein allein schon eine 6er ft en O st en zuzuschretben Jer ! sünere Bürgschaft für den Bestattd und die bessere

^e ,^5talta'z bringt bie Eiithüllung, daß Viscontt-Ve-1 oec llemeren slavischeu Völker sei, bestehende Bande au Thronbesteigung des Zaren Nikolaus die pflegen,, die besten Beziehungen mit der benachbarten Mon- rusfische Regierung wegen einer Romretse des Zaren archie zu erhalten und die Beziehungen aufrichttaer kEttte^undftch^ einen Refusholte, und ftagt deshalb Freund sckM jtit den BenaÄariV ÄrnSSn m Petersburg sich stärken. Bezüglich der Herstellung normaler Verhältnisse

Zaren vergewflsert habe. in der Türkei hoffe auch die Skupschtina aus das Gelingen

Crbot: St? oirh Durchführung der Reformen für die schwer heimgefuchte

yfUIjflJtS Stfluj, Bevölkerung, gegen deren Schicksal ©erbten nicht gle^.

Berlin, 14. Ott. Em neues k°is-rlich-s Jagd-'«--WAne 14 V. /

revier soll bei Waldenburg geblldet werden. Es sind iww f " V 'Statthalter Alexiejew be. die Oberförstereien Regentym, Steinbusch, Hochzeit ^nd st »00 Soldaten die an den Manöver»

Schlappe zu einem Hofjagdreoier in Aussicht genommen st größten russischen Armee tellgenommen haben, die

- Der Reichskanzler Graf von Bülow^h" ihm mst""ton5entrJieti roar" Den Fremden

von dem .Verbände der Kriegsfreiwilligen von JTe&e ®eleSen.^.1 9e9e6en, bem beläuroo^nen.

1870/71 - angetragene Ehrenmitglie dsch °ft angenommen st s-sZ ° Stre.tm acht, dre in der Nähe

Graf Bülow war ün Juli 1870 in das damalige Königs- Mlltelluuoen^ö n o"a fo .na<^ ^"ichen

Husaren-Regiment (1. Rheinisches) Nr. 7 als Fahnenjunkerst^ ."0 00 6Mann betragen. Wie von Beamten

freiwillig -^getreten und h°7 vpn Anfang Oktober ab an sts^S°ben w rd, haben d-e,° Manöver den Zweck allen Schlachten und Gefechten des Regiments teilgenommen. ^g-nuber anderen Mächten. Zwei

Es ist bestimmt zu erweckten, daß dem Reichstage st Kreuzer sind von Rußland unterwegs,

in seiner nächsten Tagung eine Novelle zum Bürs en. st m!^r Statum verstärken sollen,

g e setz zugehen wird. In der Vorlage sind einige Verstde- SInf^t russischer Offiz«re der Japans über,

rungen hinsichtlich der Auslegung des Börsentermingeschästs 9 geplant, ferner können in Zukunft auch solche Personen, die gewerbsmäßig Bank- oder Börsengeschäfte betreiben, bei der Börse zugelassen oder als Kaufleute im Handelsregister ein-, _ r

getragen, eine rechtsgilltge Verpflichtung bei Börsengeschäften Gießen, lo. Oktober 1903.

eingehen. Außerdem soll eine zeitliche Begrenzung bei An- ** Personalien, S. K. H. der Großherzog haben 'echtung von Geschäften auf Grund des Differenz- und Re-1 cn Steuerkommissären Wilhelm Flath zu Butzbach und gistereinwandes angesetzt werden. Karl Damm zu Bingen den Charakter als Negierungsrat

Es bestätigt sich, daß dem Bundesrat in allernächster verliehen. S)cr Oberförster der Oberförsterei Alzey, Friedrich Zeit eine Vorlage wegen der abermaligen Verlängerung i)e§ tour^e gleicher Diensteigenschaft in die Ober-

eit 1898 bestehenden deutsch-englischen Meist- begünstigungs-Provisoriums zugehen wird.