Ausgabe 
15.10.1903 Zweites Blatt
 
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Handel und Derkchr. Valkümirtschaft.

Berliner Börse vom 14. Oktober 1903.

(Mitgeteilt von der Bant für Handel und Industrie, Gießen.) Privat-Diskortt 31/* Prozent.

Anfangs- u. Schlußkurse.

Oest. Kredit .... 205.90 206.50

Deutsche Bank . . . 215.80 215.90

Darmstädter Bank . . 141.75 141.50

Bochumer Guß . . . 183.40 183.62

Harpener Bergbau . . 195.00 195.75

Schluß-Tendenz: Fest.

Deutsche ReichSbartt. Den neuesten Meldungen zuiolge waren die Rückflüsse bei der Reichsbank in den letzten Tagen stark, so daß die Bank aus der Notenfteuer herauskam. Gold ist hi ge­ringen: Maße aus dem Ausland zugeflossen.

Stadtarrleihe«. Wir haben vor einiger Zeit mitgeteilt, daß von Seiten der betr. Emissionshäuser in der letzten Zett viel geklagt wurde, daß in Kapitalistenkreisen die Nachfrage nach 3 72 - prozentigen Anleihen der Städte außergewöhnlich fchwach sei. Wie uns nun von sachkundiger Seite mitgeteilt wird, ist m den letzten Tagen eine merkliche Besserung eingetreten. So haben insbesondere verschiedene große süddeutsche Verwaltungskassen namhafte Pisten Stüdteanleiheu aus dem Markt genommen. Dadurch hat sich das Angebot sehr vermindert, und es ist nur noch fraglich, ob die wieder zunehmende Geldverstreifung nicht abermals eine Verschlechterung bringt.

Deutsche Bank. Der Aufsichtsrat nahm in seiner letzten Sitzulig davon Kenntnis, daß das Resultat des ersten Semesters ein günstiges war und daß auch für die fernere Zett sich die Tätig­keit fruchtbringend zu gestalten scheint.

Markte.

)( Gränberg, 14. Ott. Schon von jeher hat sich der hie­sige Gallusmarkt einer starken Frequenz von auswärts zu erfreuen, was auch am heutigen ersten Markttage zu konstatieren war, wAcher stets den Haupttag bildete. Sowohl in der Stadt wie auf dem Festplatze war reges Leben und Treiben, und der Umsatz bei den Verkaufsständen ist wie in den Läden der Stadt durchschnittlich befriedigend zu nennen. Für die Grünberger Bewohner bildete abends ein Ball imHirschen" und ein Varietö-Ensemble imWilden Mann" die Hauptanziehungskraft. Der vormittägige Schweinemartt war sehr stark befahren und die Preise äußerst niedrige. Für mittlere Ferkel wurden be­zahlt 4050 Mk., geringe mit 2030 Mk Einlegeschweme er­zielten einen höheren Preis. Der Rindviehmarkl wird an­läßlich des heutigen jüdischen Feiertages morgen Donnerstag ab- gehalten, weshalb auch für .den zwetten Tag noch eine größere Anzahl Marktbesucher zu erwarten ist.

Limburg a. d. L., 14. Oktober. Fruchtmarkt. Durch­schnittspreise pr. Alalter. Roter Weizen 13.39 Att., altes Korn 00.00 Mk., neues Korn 10,00 Mk Gerste 0.00 Att., Hafer 7.40 Mk., neuer^Hafer 6.00 Mk., Erbsen 0.00 -DIL, Kartoffeln 0.00 Mk.

Schisssmichrichlen.

Norddeutsch er^Lloyd.

In Gießen vertreten durch Carl Loos, Kirchenplatz.

Bremen, 13. Okt. (Per transatlantischen Telegraph.) Der Doppelschrauben-Schuellpostdampser^Kaiser Wilhelm 11.'', Kapitän D. Högemann, voui ^torddeutschen Lloyd in Bremen, ist heute 6 Uhr morgens wohlbehalten in 9tew-Pork angekommen.

Unlveil'lMs-Uüchrichten.

150180 Mk.

Uch noch im Laufe dieses Jahres, werden übrigens folgende Ber- fchiebungen bezüglich der Ausbildungsbedingungen eintreten: Es wird die Reife für die Prima verlangt, eine Lehrzeit wie bisher; baim aber nur ein Jahr Gehilfenzeit vordem Studium, das auf vier Semester ausgedehnt wird. Nach dem Staats­examen sind noch zwei weitere Jahre Gehilfenzett zu absolviren, worauf erst die Approbation erteitt wird. Lehrgeld wird meistens nicht verlangt, Kostgeld jedoch daun, wenn der Lehrling beim Apo­theker wohnt und verköstigt wird. Das Gehttfengehalt beträgt bei freier Station 100120 Mk. monatlich, bei Selbstverpflegung

Der Gießener L eh r er d er ein.

) Wir haben dazu zu bemerken, daß der in unserer Nr. 236 .enthaltene Bericht, der nicht aus Oberlehrerkreisen stammt, auch in einer Reihe anderer deutscher Blätter Aufnahme gefunden hat. Diese Tatsache hat Herrn Prof. Block nach einer auf unserer Re­daktion getanen Aeußerung bisher abgehalten, darin enlhaltenen Ungenauigkeiten allein an dieser Stelle entgegenzutreten. Unsere gestrige Briefkastennotiz teilte bereits nut, daß m Fachblättern der Bericht zur Sprache gebracht werden imrb, die auch u. E. die einzig dazu geeignete Stelle sind, zumal ja auch die Hallenser Ver­sammlung eine nicht öffentliche sein sollte.

D. Red. des Gieß. An^.

Vermischtes.

Göttingen, 14. Okt. Aus der Provinzialheilanstalt entwichen drei zur Beobachtung ihres Geisteszustandes in­ternierte schwere Verbrecher.

Danzig, 14. Okt. Im Dorfe Mirchau wurde dem ^neunjährigen Schulknaben Neumüller durch eine explodierte Dynamitbombe der Leib aufgerissen. Die näheren Umstände sind noch nicht aufgeklärt.

* Breslau, 14. Okt. Auf Dominium Zobten bei Löwenberg erkrankte die ganze Fami'lie eines Vieh­wärters nach Genuß von Kuchen an Vergiftungs­erscheinungen. Zwei Kinder sind bereits gestorben.

* Strelitz, 14. Okt. Unter der Ueberschrift: Die böse Schwieger tochter schreibt derStr. Anz.": Die Frau eines jungen Besitzers eines benachbarten Dorfes hatte kürzlich ein heftiges Renkontre mtt ihrem Schwiegervater. Während eines Strettes spie sie ihm ins Gesicht, wo­für sie mit seinen nicht gerade kleinen Fäusten Bekanntschaft machen mußte. Vor Wut über die erhaltene Züchtigung legte sie sich ins Bett und verweigerte jede Nahrungsaufnahme. .Da die Frau nach achttägigemKrankenlager" noch alle Nahrung zurückwies, dabei aber recht wohlgenährt aussah, bemächtigte sich ihres Gatten und Schwiegervaters eine voll­ständige Ratlosigkeit. Eine Untersuchung des Bettes während einer kurzen Abwesenhett derKranken" sollte jedoch die ge­wünschte Auftlärung bringen, und was man entdeckte, war gewiß geeignet, Staunen zu erregen. DieKranke" hatte sich nämlich für die Dauer ihres Schmerzenslagers vorzüglich verproviantiert; es wurden aus dem Bette zu Tage befördert: ein Topf mtt etwa 2 Pfund Butter, diverse Schinken- und Bratwürste, sowie für 40 Psg. Backware. Auch für Süßig­keiten hatte dieKranke" gesorgt, denn neben anderen Kleinigkeiten wurden im Bett einige Tafeln Schokolade ge­funden. Die nun folgende Auseinandersetzung war derart stürmisch, daß die Frau nun von da ab keine Speise mehr verweigert.

* Arad, 14. Okt. Zwischen den Stationen Monder und Glygobat wurde aus einem aus Erdly kommenden Personenzuge von unbekannten Dieben eine eiserne Handkasse, welche sich mit einem Inhalt von 2 00 0 00 Kr. auf dem Transport befand, gestohlen. Die Diebe haben, wie man annimmt, sich in den Packwagen geschlichen und die Kaffe während der Fahrt herausgeworfen.

* Zu dem Fall Dipp old schreibt dieDeutsche Med. Wochenschrift" u. a.: In medizinischer Hinsicht bietet der Fall nichts außergewöhnliches: die ganze Handlungs­weise des sadistischen Verbrechers ist typisch und entspricht g<rnz dein Bilde der ,Lnabengeißler", wie es in den Lehr­büchern und Monographien der Psychopathin sexualis oft­mals beschrieben ist. Ein besonderes Gepräge erhalten die Vorgänge aber durch die Uewiß höchst befremdliche Tat­sache, daß man nicht in der Lage gewesen ist, dem Ver­brecher seine Opfer früher zu entreißen unb zum mindesten den Tod des einen Knaben zu verhüten. Um das Fort­schreiten der Tragödie bis zum Schluß zu ermöglichen, mußte in der Tat schon eine ganze Reche ungewöhnlicher Umstände sich verketten: die lange Unterkunft der Knaben an verkehrsentlegenen Orten, eine gewisse Beschränktheit der sie umgebenden Personen, welche trotz wiederholter Wahrnehmung der gröbsten Mißhandlungen und ihrer Folgen nicht in ausreichender Weise die Jnterverttion der Eltern oder Ortsbehörden anriefen, der verblüffende Mißerfolg des von der Mutter des Knaben einmal zur Prüfung eingegangener Klagen an Ort und Stelle ent- saudten neurologischenExperten", die Unfähigkeit der Knaben, ihrem Peiniger zu entweichen u. a. m. Was aber besonders an dieser Stelle bemerkenswert erscheint, rst dre Tatsache, daß man es offenbar nicht für nötig gehalten hat, den beiden Knaben von vornherein erne vertranens- würdige Persönlich-kett beizugeben, die die Fürsorge für ihre körperliche Pflege hätte übernehmen können. Lediglich auf die qeistiqe Dressur der Knaben war dre Erziehung wahrend, ihres Exils gerichtet Was au§. ihrer Gesundheit wurde, sah man anscheinend als Quanttte megllgeable an. Hatte man dem Hauslehrer nicht die diskretionäre Gewalt über das geistige und körperliche Wohl der Dr aben an vertraut, wäre wenigstens ein Arzt des Ortes beauftragt worden, in kurzen Zwischenräunten die Knaben M besuchen und sich um ihr Befinden zu kümmeru, dann hatte es nicht zu oer furchtbaren Katastrophe kommen können, ^er traurige Vor­fall enthält wieder eine recht beredte Mahnung an alle Eltern, insbesondere an diejenigen der oberen Zehntausend, die Gesundheit chrer Kinder Äs ihr költlichp.eV Gut an­zusehen und die Sorge für ihr körperlrcyev Gedeihen mckft ganz in die Hände fremder Persönlichkeiten wenn sie auch noch soideal" erscheinet! zu legen.

** ueber die Gemächer des italienijchen Köniaspaares schreibt man aus Paris: Wnig Viktor Emanuel III. und die Königin Helene wohnen wahrend ihrer Anwesenheit in Paris im Palaste des Auswärtigen Amtes. Es handelt sich um eine Flucht von Prachtsalen rn einent geschichtlichen Baudenkmal vornehmsten Stils. Tie Ausstattung wurde dem Baumeister Chedanne übertragen

kommen. Nach uns gewordenen privaten Mitteilungen hat Herr Prof. Block sofort nach Erscheinen des Berichtes im Gieß. Anz. verschiedenen Herren erklärt, die Darstellung in dem Bericht entspreche nicht den Tatsachen, seine Rede in Halle habe wesentlich anders gelautet. Wir fragen nun aber: Ist die Sache so, war also die Darstellung im Grey. iunz. reine den Tatsachen entsprechende, wäre es dann nicht Pflicht des Herrn Prof. Block gewesen, in einer der nächsten fltummern. dieses Blattes eine Richtigstell­ung folgen zu lassen? Bis heute aber haben wir vergebens auf eine solche gewartet; denn auch die halb anonyme Briefkastennotiz in der gestrigen Nunimer des Gieß. Anz. können wir nicht als beftiedigende Aufklärung betrachten.*) Gießen, 15. Oktober 1903.

Der gering eZu gang vonFrauen zum Apo­theker beruf legt die Annahme nahe, daß die Vorbereitungen zu diesem Beruf noch zu wenig bekannt sind. Der VereinFrauen­bildung Frauenstudium" weist deshalb daraufhin, daß der Apo­thekerberuf keine großen körperlichen Anstrengungen erfordert, auch die Ausbildunaskosten nicht erheblich sind und schon seit längerer Zett ein gewisser Personenmangel in diesem Berufe besteht. Als Vorbereitung zur Berufsbildung wird zur Zett die Reife für die Obersetunda eines Gymnasiums oder Realgynrnasiums oder einer sonstigen zur Ausstellung des Befähigungszeugnisses berechtigten Schule mit obligatorischem Lateinmtterricht gefordert. Die Fach­bildung beginnt mit einer Lehrzeit von drei Jahren in einer deut­schen Apotheke; Inhaberinnen des Reifezeugnisses eines Gymnasi­ums oder eines Realgymnasiums sind jedoch nur zu einer zweijäh­rigen Lehrzeit verpflichtet. Nach Ablegung des Gehilfenexamen nach Beendigung der Lehrzeit folgen drei Jahre Gehilsenzeit, die zur Hälfte in einer, deutschen Apotheke zugebracht werden müssen. Hierauf drei Semester an einer Universität oder einer technischen Hochschule, Staatsexamen Approbation. In Zukunft, wahrschein- .anse dieses Jahres, werden übrigens folgende Ver- züglich der Ausbildungsbedingungen eintreten: Es

warum wir ven gegen uns geführten Schilag nicht sofort! und ihm zu diesem Zwecke der ganze Schatz des französischen pariert haben mrd mit unserer Erwiderung erst heute StaatÄesitzes an Möbeln, Teppichen und Wandtapeten ' ' zur zeitweiligen Verwendung überlassen. Das' Zeremonien­amt hat diesmal vorgezvgen, sich Der;. Verantwortlichkeit ür die Herrichtung der königlichen Mmächer vom Halse zu schaffen. Es hat das letztemal, wo es für die Unter­bringung eines kaiserlichen Gastes der Republik zu sorgen hatte, zu schlecht ab geschnitten. Das war beim Besuche des russischen Kaiserpaares im Schlosse Compiögne. Die kleinen häuslichen Abenteuer der erlauchten Wohn­gäste von Eompiegne sind damals zu wohlverdienter Be­rühmtheit gelaugt. Als die Kaiserin sich in ihrem Boudoir auskleiden wollte, bemerkte sie, daß sie die Tür nicht schließen konnte; cun Schlosse war kein Riegel und der Schlüssel fehlte. Sie drückte auf den Knops, um die Diener­schaft herbeizuklingeln. Es kam indes niemand, und sie mußte sich auf eine Entdeckungsreise durch Vorzimmer und Gänge begeben, um euren dienstbaren Geist zu ftnden; es steltte sich heraus, daß sich au dem Knopf der elektri- jcheu Klingel reine Drahtleitung anschloß. Ain dNorgen nach seiner ersten Nacht aus dem Schlosse wollte der Zar sein Bad nehuren; das Badezimmer war auch prachtvoll ausgestattet; aber er drehte vergebens an den Hähnen; es kam Lein Tropfen, sie waren nicht mit der Wasserleitung verbunden. Der Zar wünschte vor dem Einschlafen ein Viertelstündchen zu lesen. Man hatte ihm vorsorglich einen Bücherschrank in den Salon neben dem Schlafzimmer ge­stellt. Er öffnete ihn, und sand darin die seltensten Jntu- nabeln, die großartigsten Folioausgaben der Kirchenväter, die reichsten Meßbücher der Landesbücherei, aber auch sonst nichts, nicht das kleinste Hestchen zugänglicheren und moderneren Lesestoffs. Eine letzte lleberraschung wurde ihm an einem stillem Orte, wo sich seinen erfraunten Blicken ein Block weichen Papiers darbot, dessen jedes Blatt mit einem kaiserlichen Doppeladler in feinstem Golddruck ge­schmückt war. Zuerst bemächtigte sich seiner eine unbezwing­liche Heiterkeit, bei reiflicherem Nachdenken fand er indes, daß das russische Wappenbild an dieser Stelle doch nicht die richtige Verwendung ersahre, und eine Bemerkung, die er seinem Dienste gegenüber sallen ließ, veranlaßte den schleunigen Ersay der prächtigen Goldvignetten durch an­spruchslos unheraldisches Papier.

Kanömtrlschast.

Zur Einschränkung des Viehhütens durch schulpflichtige Kinder hat die Regierung zu 5rönigsberg i. Pr. an die Kreisschulinspekloren eine Verfügung erlassen.

Neueste Meldungen.

Originaldrahtmeldungen des Gießener Anzeigers.

Kassel, 15. Okt. In Einern Coups 1. Klasse des Schnellzugs AachenKasselBerlin wurde ein unbe­kannter junger Mann erschossen aufgefunderx.

Hannover, 15. Okt. Unter dem NamenMittel- 'hand sverein igun g" wurde eine neue politische Par­tei gegrüiidet, deren Zweck der Zusammenschluß des. er- werbslättgen Mittelstandes ist, sowie die Wahrung der Be­rufs- und Standesinteressen bei politischen Wahlen und Gemeindewahlen. An der Versammlung, in der die Gründ­ung erfolgte, nahmen etwa 200 Personen teil, meist Hand­werker und Kleinkaufleute.

Hirsch berg in Schlesien, 15. Okt. Die Frau des Kantors M i ch n a in Flinsdurg, die seinerzeit aus Eifer­sucht ihren Manu durch einen Revolvers chuß ver­letzte, ist von den Geschworenen freigesprochen worden.

München, 15. Okt. Der PrinzregentLuitPold schwebte gestern in großer Lebensgefahr, als er vom Königssee nach Ramsau ftthr. Unerwartet brauste ein Zug daher, als der Vorreiter der Equipage des Prinz­regenten das Eisenbahugeleise passierte. Nur der Geistes­gegenwart des Lokomotivführers war es zu danken, daß d^r Zug dicht vor den Pferden des Wagens zu stehen kam.

Straßburg, 10. Okt. Der Roman, wegen dessen der Leutnant Bits en in Ford ach verhaftet wurde, ist b es ch l ag na hm t

Parts, 15. Okt. Die Situation in Armentiöres ist andauernd ernst. Die Sozialistenführer Guesde und der Bürger- meister Sohler wollen versuchen, den Gewaltakten der Streikenden Einhalt zu tun. Von den 3500 Soldaten, welche in Armentiöres und Umgegend zusammengezogen sind, mußten viele, die durch Steinwürfe u.s. w. verletzt wurden, ins Hos­pital gebracht werden. Bei dem letzten Zusammenstoß vor der Kirche wurde auch der Pfarrer lebensgefährlich verletztt Kavallerie trennte schließlich die Massen wieder. Auch mehrere Frauen gerieten unter die Pferde.

Paris, 14. Okt. Der König von Italien verlieh das Großkreuz des St. Mauritius-Lazarusordens den Prä­sidenten des Senats und der Kammer, den Ministern Eom- bes, Rouvier und Valle, sowie den Herren der Umgebung des Präsidenten. Loub et verlieh dem Minister Morin das Großkreuz der Ehrenlegion und ernannte den General Bru- jati zum Großossizier, die Herren des Königlichen Gefolges zu Kommandeuren, bezto. Offizieren und Rittern der Ehren­legion. Nachdem das Diner im Elyjee um 9. Uhr be­endet war, fand Cerkle statt. Dabei unterhielt sich der König mtt den beiden Kmnmerpräsidenten, mit Cömbes, Teleasse, den übrigen Ministern, mit Waldeck-Rousseau, Me­line, Brisson, Freyeinet u, a. Auch die Königin zog eine Reihe von Persönlichkeiten ins Gespräch- die ihr vorgestellt wurden. Gegen 10 Uhr fand im Elysöe Konzert und Auf­führung statt, dtach derselben untertsietten sich^ die Maje­stäten mit jedem bei der Republik beglaubigten Boffchafter. Auf den Straßen war abends der Verkehr zettwettig ge­hemmt. Tas Wetter erhöht die festliche Stimmung. Nament­lich! die Avenue de l'Opöra, in der die großen Warenhäuser prächtig illuminiert sind, bietet einen großartigen An­blick. '

Lissabon, 15. Okt. Der deutsche Edelsteinagent Mendelsohn wurde in Oporto wegen großen Juwelen- Schmuggels verhaftet.

Rom, 15. Okt. DerJtalie^ zufolge hat der Bot­schafter Nelidoff mit dem General-Sekretär im Auswärtigen Amt eine Besprechung gehabt betreffs Wiederaufnahme der Verhandlungen über die Reise des Zaren nach Rom.

Sofia, 15. Okt. Die Unzufried enheit gegen den Fürsten ist im Wachsen begriffen. Mehrere Blatter beschuldigen ihn sogar autr-konstttuttoneller Handlungen. Die oppositionellen Blätter .erklären, wenn die Mission diatschewitsch scheitern sollte, die Stellung des Fürsten für unhaltbar. Er müsse entweder den Krieg erklären oder zu Gunsten seine s Sohnes abdanken.

Saloniki, 15. Okt. Von türkischer Sette wird neuer­dings das Gerücht verbreitet, daß Sarasow bei dem Zu­sammenstoß in der Nähe von Monafttt getötet worden sei

Petersburg, 15. Okt. Hier heißt es, daß dtt Zaren-Familie schon Anfang nächster Woche nach cdm Schloß Spala bei Skiernewice kommen wird, und daß Minister v. Plehwe beretts nach Warschau reiste, um den Zaren zu empfangen.

Telephonischer Kursbericht.

Frankfurt a. JBL, 15. Oktober 1903.

3l/a% Reioheanleihe . . 101.40 3o/o do. ... 90.00 3Vi% Konsole .... 10150 3°/0 do.....90.10

Hessen .... 100.00 37a % Oberhessen . . . 99.50 4% Oesterr. Goldrente . . 101.60 4^5% Oesterr. 8ilberrente 101.00 4% Ungar. Goldrente . . 99.70 4°/u Italien. Rente . . . 103.60 41/3 % Portugiesen . . . 51.70 3°/_j Portugiesen. .... 31.65 1% C. Türken .... 37J.5 Türkenlose ...... 136.00 4% Grieoh. Monopol.-AnL 43.85 4b» % äussere Argentiner 00.00

3% Mexikaner .... 27.10 4,/2fl/o Chinesen .... 92.00 Electric. Schuckert . . . 105.50 Nordd, Lloyd . . . . 102.00

Kreditaktien..... 206.50

Diskonto-Komraandit. . . 190.90 Darmstädter Bank . . . 141.00 Dresdener Bank .... 150.25 Berliner Handelsges. . . 157.20 Oesterr. Staatsbahn . . . 140.20 Lombarden.....16.30

Gotthardbahn ..... 191.00 Laurabütte .....231.00

Bochum ....... 187.50 Harpener......197.30

Tendenz: fest.

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