Ausgabe 
14.11.1903 Erstes Blatt
 
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deS preußischen Staates zu Gunsten der Reform im Rennbetriebe und in der Bollblutzucht zu be­raten. Tie Versammlung bestand aus dem Minister v. Pod- bielski, Oberlcmdstallmerster Gras Lehndorsf, General von der Planitz, Generalleutnant v. Mackensen, Generalmajor v. Tamnitz (Ches der Remonte-Jnspektion), Fürst zu Dohna, Gras Tschirschky-Renard, Graf Seydlitz-Sandretzki, Frhrn. v. Oppenheim und Herrn v. Oertzen. Es wurde eine Reihe von Beschlüssen a-efaßt, die dem Vorgehen der Behörden als Richtschnur dreuen werden, doch soll über Einzelheiten zunächst noch nichts an die Oeffentlichkeit gebracht werden, bis die entscheidenden anrtlichen Wege eingeschlagen sein werden.

In der heutigen Sitzrmg des Bundesrates wurde die Vorlage betr. dre Grundzüge sür die zur Regelung desRadfahrverkebrs aus öffentlichen Wegen, Straßen und Plätzen zu erlassenden Polizeiverordnungen dem Aus­schüsse überwiesen. Dem Entwürfe des Gesetzes wegen Kontrolle des Reichshaushaltes und des Landeshaushaltes von Elsaß-Lothringen und des Landeshaushaltes der Schutzgebiete für das Rechnungsjahr 1903, sowie dem Aus­schußberichte über die Vorlage betr. Verleihung von Kvr- porationsrechten an die mit dem Sitze in Hamburg ge­gründeteTeutsch-Westasrikanische Handelsgesellschaft" wurde Zustimmung erteilt.

Stettin, 13. Roo. Harrdelsminister Möller folgte heute abend einer Einladung des Obervorstehers der Kauf­mannschaft, Geh .Kommerzienrat Schlntow, in der Börse, wo dre Spitzen der Behörden und der Kaufmannschaft ver- sammeU waren. Rach einer Begrüßung seitens Schlutows führte der Minister ungefähr folgendes aus: Er sei ver­traut mit den Schwierigteiten des Handels Stettins und weise darauf hin, daß es sich daber um eine Erscheinung in dem wirtschaftlichen Leben handle, die nicht nur in Teutschlarrd, sondern auch im Auslande die Entwicklung des Weltverkehrs mit sich brachte. Tie Regierung sei be­reit, soweit es in ihren Kräften liege und soweit es mit den Interessen der anderen produktiven Stände zu ver­einen sei, zur Beseitigung dieser Schwierigkeiten mll^u- wirken. Die Ausführungen des Ministers gipfelten in der Mahnung, durch Anspannung der eigenen Kräfte und durch organischen Zusammenschluß den Schwierigkeiten zu begegnen und die Grundlage für eine glückliche Fort­entwicklung zu schaffen.

München, 13. Nov. Wie wir erfahren, ist in das Reorganisatiousprogramm des neuen Verkehrsmini­steriums auch die Einführung der vierten Wagenllasse auf den Staatsbahnen und eine Ermäßigung der Telephon gebühren ausgenommen worden.

Ausland.

Brüssel, 13. Nov. Der Londoner Korrespondent des ,Petll bleu" hatte eine Unterredung mit dem Afrikasorscher Stanley über die Kongofrage. Stanley erklärte, er glaube nicht an die Berechtigung der gegen die Kongoregierung ge­richteten Anklagen. Kein Staat werde den Kongo besser ver­walten rönnen, als dies von König Leopold geschehe. Es sei bekannt, daß die meisten angeblichen Greueltaten nichts weiter als Erfindung feien, die neuen Ankömm­lingen in Aftika aufgebunden würden. Er habe bei seinen Asrikareisen mehrfach erlebt, wie derartige Behauptungen entstehen. Stanley drückte die Ansicht aus, daß das Vor­gehen gegen die Kongoregierung nur durch Eifersucht ver­anlaßt worden fei.

Paris, 13. Nov. (Deputiertenkammer.) Das Haus genehmigte die Vorlage, welche die Wirksamkeit des Gesetzes über die bedingte Verurteilun g auch aus die Kriegsgerichte erstreckt. Berry (Nationalist) be­antragt die Anstellung von Nachforschungennachder Mitschuld politischer Persönlichkeiten in der Humbert-Angelegenheit. Er geht dabei aus Einzel­heiten des Prozesses ein und macht Aarbeutungen über oas Vorhandensein solcher Mitschuldigen. Der Justizminister er­klärt, die Regierung könne sich dem Antrag Berry, der einen Eingriff in die Rechtspflege bedeute, nicht anschließen; gleichwohl stelle sie der Kammer die Entscheidung anheim. Darauf wird der Antrag Berry mit 360 gegen 203 Stimmen angenommen.

~ Infolge einer zwischen den Abgg. Berthoulat uni) Berteaux in der Deputiertenkammer vorgekommenen Ren- kontres, bei welchem sie sich mit Schimpfworten wie: R e n e g a t", ü g n e t",Feigli n g" re. belegten, fand zwischen beiden Abgeordneten ein Zeug en austau sch statt.

P r e t or i a, 11. Nov. Vier Eingeborene wurden wegen Ermordung eines Burensarmers im Februar

ist, ja, daß sie der tiefen, asphältigen Dämpfungen, die Makart aus der Pilotyschule mitgebracht, en traten kann, zeigen uns zwei andere koloristische Kunststücke der Wiener Sezession: eine int Zwielicht gemalte gedeckte Abendtafel von Karl Moll (Original in der Dresdener Gemäldegalerie) und ein Bild vom Wiener Fasching von Josef Engelhart. Und daß das Skizzenhafte nicht ein Charakteristikum der modernen Malerei ist, lehrt die Nachbildung, derEis- männer" von Karl Mediz, dessen Werk kürzlich der Wiener Modernen Galerie eiuverleibt worden ist. Mediz ist ein Meister der Detailausführung; die Härchen des Filzes, die Maschen eines Strumpses, die Risse der Baumrinde malt er mit der größten Peinlichkeit. Welche Gegensätze bei der modernen Malerei zutage treten, zeigen die uns vorliegen­den Hefte 1113 der ovenerwähnren Publikation, die u. a. Stuttgarter, Münchener, Düsseldorfer und Worpsweder Malerei vorsührü Hier werden die verschiedensten Töne angeschlagen: Landschaften, Figurenbilder, Seebilder von Nord und Süd, Frühling, Sommer, Herbst und Winter, Alter und Jugend wechselt in bunter Fülle. Das Werk, das jetzt schon siebzig Proben moderner Malerei darbietet, zeigt sich so reich und vielgestaltig, daß es falt eine ganze Kunstausstellung, zu überbieten vermag. Und dies alles in möglichst getreuer F arb en er s cheinun g der Originale, für den Preis von 2 Mk. das Heft, in einer Qualität, die technisch kaum zu überbieten sein wird. Was im Farbendruck sich überhaupt erreichen läßt, das ist in diesen Reproduktionen erreicht, die als vollendete Musterleistung unserer hoch entwickelten Technik bezeichnet werden dürften.

Dresden, 13. Nov. Der Schriftsteller Wilhelm von Polenz ift nach kurzer Krankheit aus seinem Schlosse Obertunewalde (Bez. Bautzen) gestorben. (W. v. Potenz, geb. 1861, war einer der talentvollsten jüngeren deutschen Romanschriftsteller. Am bekanntesten war sein RomanDer Büttnerbauer". Auch als Dramatiker war der Verstorbene viel versprechend. Polenz war ein vermögender sächsischer Ritterguisbefttzer. D. Red. d. Gieß. Anz.)

Paris, 13. Nov. Ter impressionistische Maler Ca­mille Pissaro ist heute Nacht im Alter von 73 Jahren gestorben. Pissaro war in St. Thomas auf den däullchen Antillen geboren.

1900 zum Tode verurteilt. Sie verteidigten sich damit, daß sie auf Befehl ihres Häuptlings, der wiederum von den britischen Militärbehörden angewiesen sei, alte einzelnen Buren sortzunehmen, gehandelt und den Bur getötet hätten, well er sich widersetzte. Das Gericht war der Ansicht, die an den Häuptling ergangene Weisung habe nur für fein Gebiet gegolten. Die Angeklagten hätten die er* haltenen Befehle überschritten.

Der Frojeß wegen Kindesunterschlevuug gegen die Kräsin KwilecLi.

XIV.

Berlin, 13. Nov.

Heute soll eine Reihe von Zeugen vernommen werden, die bekunden sollen, daß Hedwig Anduszewska wie­derholt geäußert habe, wenn der Prozeß sür den Grasen Hektor gewonnen werde, werde sie gut versorgt fein. Aus die Aufforderung des Vorsitzenden, sich zu besinnen, und freimütig zu sprechen, gibt Hedwig zu, daß der Gras ihrer wohl gedenken werde, wenn der Prozeß zu seinen Gunsten aewonnen werde. Mehrere Zeugen sprechen sich ähnlich aus. Schneidermeister Kowalski sagt aus, er habe einmal im Jahre 1897 einer Unterhaltung der Hedwig Andruszewska mll ihrer krankliegenden Mutter beigewohnt. Letztere habe Aerger bekundet, daß Hedwig die bösen Gerüchte über die Gräfin nachspreche. Der Staatsanwalt bemerkt, die Mutter habe der Hedwig das Geheimnis schon ftüher an­vertraut gehabt, wollte aber nicht, daß bei ihren Lebzeiten davon gesprochen werde, aus Angst vor gerichtlicher Ver­folgung. Hedwig bestätigt, daß es so fei. Die Zeugin Le- wandowska aus Wronke, welcher Hedwig Verpflegungs­geld schuldete, sagt, Hedwig habe geäußert, toenn sie sich an den Grasen wende, erhalte sie Geld, soviel sie brauche. Hedwig habe auch Rachsucht gegen Wroblewo geäußert. Ein Zeuge sagt aus, Hedwig habe erzählt, Graf Hektor habe ihr 20 000 Mk. im Falle des Gewinnens des Prozesses ver­sprochen. Hedwig bestreitet dies zuerst, gibt Dann aber zu, [ie habe es nur gesagt, weil sie den Zeugen um 20 Mk. anborgte und dieselben dadurch leichter zu erhalten hoffte. Ein Zeuge Namens Steinmetz aus Berlin, ein Ver­wandter Hedwigs, gibt ebenfalls den Hintveis Hedwigs wieder darauf, Gras Hektor werde gut bezahlen Weiterhin kommt zur Sprache, die Gräfin habe einmal gesagt, sie wolle Hedwig verklagen, den Knaben habe sie ja nur zu Hause gehabt für den Fall, daß sie ein Mädchen gebären sollte. Die Angellagte bestreitet lächelnd diese Aeußerung.

Nach der Pause wird zunächst provisorisch festgestellt, daß am Montag die medizinischen Sachverständigen ihre Gutachten abgeben und am Dienstag und Donnerstag die Plaidoyers gehalten werden sollen, sodaß der Schluß des Prozesses am Samstag, 21. d. M., zu erwarten ist.

Sodann wurde der Gutsbesitzer v. Gu11ry-Posen, ein entfernter Verwandter der (Ääfin, vernommen, 1898 bis 1902 Administrator von Wroblewo. Er jagt aus: Hed­wig Anduszewska fei nach dem Tode ihrer wiutter Wirt­schafterin geworden und stets anormal und streitsüchtig gewesen. Die Gräftn nahm sie wieder aus das Schloß, war aber mit ihr unzufrieden und entließ sie auf den Rat des Zeugen. Hedwig habe ein Attest unterschreiben müssen, daß sie keine Lohnansprücbe mehr habe. Hedwig versichert dagegen, sie habe unterschreiben sollen, daß die Gräsin kein Kind untergeschoben habe. Die Gräfin gibt zu, Hedwig habe etwas auf die angebliche Verleumdung Bezügliches unterschreiben sollen, bestreitet aber, daß dabei überhaupt von einem Kinde die Rede war. Die Zeugin Sofia Kaczmarck, die Amme des kleinen Grafen in Berlin, sagt aus: Die Gräfin habe bloß im Bett gelegen und den Eindruck einer Wöchnerin gemacht. Tas Kino selbst sah neugeboren aus und habe erst nicht trinken können, weshalb ihm das Zungenbändchen gelöst wurde. Tie angebliche Mutter, die Weichenstellerfrau Meyer, gibt aus Befragen an, sie habe bei ihrem Sohn Leo von einem Zungensehler nichts gemerkt. Sachverstän­diger Prvsessor Tuehrsen er Härt, Dr. Rosins ki habe die Zungenoperation vorgenommen. Er sei von der Sllckwendig- tell der Operation nicht sehr überzeugt gewesen und habe nur auf Drängen der Damen gehandelt. Die Zeugin Ob er Heu sagt aus, sie habe die Gräfin massiert. Tie Anschwellungen der Adern haben denjenigen der Frauen entsprochen, die geboren haben. Tie Zeugin v. Koczo- rowska aus Rybes jagt, die Gräfin fei am Tage vor der Geburt sehr erregt gewesen. Sie sagte, es sei Zell, Depeschen abzusenden an ihren Mann, ihre Tochter und Tr. Rosinsli, und tat dies auch; die Zeugin sei bis 5 Uhr wach geblieben, dann eingeschlasen. Als sie erwachte, habe ihr die Hebamme Atoll das Kind, das gewickell war, gezeigt.

Tie Zeugin bestreitet, daß Dr. Rosinski den Wunsch aussprach das Kind zu untersuchen und bekundet, das Kino wäre ein Neugeborenes, denn es habe noch die Nabelschnur. Tie Zengin bleibt unvereidigt, weil ein Meineidsverfahren gegen sie schwebt. Frau Anezewska-Warschau erklärt, den Besuch Hechelskis empfangen zu haben. Als Jie ihm nichts jagte, als was sie wußte, deutete er an, sie könne etwas verdienen, ein Anerbieten, das sie nicht annahm, well jie sonst hätte lügen müssen.

Tie Sitzung wird hierauf auf Montag vertagt.

Aus Stadl und Land.

Gießen, den 14. November 1903.

Personalien. S. K. H. der Großherzog haben den Dekan Dr. Paul Wurster zu Blaubeuren zum zwecken Professor am evangelischen Predigerseminar und zum Pfarrer zu Friedberg ernannt. Mit Wirkung vom 12. November d. Js. wurde der Steuerkommissariatsgehilfe Martin David Singer zu Seligenstadt auf sein Nachsuchen unter Anerkennung seiner treuen Dienste aus dem Staats­dienste entlassen.

* EinsührungdesGeistlichenderMarkus- gemeinde. Durch Verhinderung unseres Berichterstatters verspätet machen wir noch einige nähere Mitteilungen über die am vorigen Sonntag vollzogene Einführung des Pfarrers Schwabe in sein neues Amt als Pfarrer der Markus- gemeinde. Die Gemeinde hatte ihre lebhafte Teilnahme daran durch ihr zahlreiches Erscheinen bekundet. Kwchengesang- verein und Knabenchorschule schmückten den Gottesdienst mit ihren Gesängen. 9!ach dem von Pfarrer Schlosser geleiteten Altardienst stellte Pfarrer Dr. Naumann als Stellvertreter des Dekans unter Assistenz der Pfarrer der Atathäus- und Lukasgememde den neuen Pfarrer der Gemeinde vor, legte ihm und ihr die Bedeutung des evangelischen Predigerauckes ans Herz und verpfltchtete ihn mit Handschlag, worauf die anderen Geutlicyen mit kurzen Segenswünschen den neuen

Amtsbruder begrüßten. Dann hielt Pfarrer Schwabe seine Antrittspredigt, in der er auf Grund von Matth. 9, 35 be­zeugte, daß er seiner Gemeinde allezeit mit Ernst und Treue das Evangelium von Jesu Christo verkünden wolle. Die warmherzigen und ernsten Ausführungen werden sicher den Weg zum Herzen der Gemeinde gefunden haben, der neue Pfarrer wird von der Gemeinde mit gutem Vertrauen will­kommen geheißen.

* * Evangelischer Bund. Wir wollen nicht nnter- laffen, unsere evangelischen Leser nochmals auf den morgen Sonntag abend im Neuen Saalbau (Steins Garten) statt­findenden Familienabend des Evangelischen Bundes ganz be­sonders aufmerksam zu machen. Der Eintritt steht allen Evangelischen frei.

* *Aus dem Militär-Wochenblatt. Seebold, Oberleutnant vom 2. ostasiatischen Infanterie-Regiment, aus der ostasiat. Besatzungs-Brig. ausgeschieden und im Jnf.- Regiment Kaiser Wilhelm (2. Grvßh. Hess.) Nr. 116 an- gestellt.

* * Kun st verein. Die Gemälde - Ausstellung am Brand, welche seit gestern, Freitag, geschlossen ist, muß leider wegen zu spätem Eintreffen der Gemälde des Schlachten­malers Faber du Faur noch einige Tage geschlossen bleiben. Außer dieser Kollektion werden, wenn die Zeit gekommen ist, noch zirka 12 Gemälde einer hiesigen Künstlerin mit aus­gestellt.

* * Ober hessisch er Geschichtsverein. Die Aus­grabungen auf dem Trieb haben nunmehr ihren Abschluß gesunden. Eine aemaltige Erdbewegung mußte stattsinden, ehe die Sohle des gewachsenen Bodens erreicht wurde. Wesentlich gefördert wurde diese Arbeit durch eine Feld­bahn mit Kippwagen, die das Gailsche Donwerk zur Ver­fügung stellte. Die Anlage des Hügels war besonders interessant durch seine mantelförmige Steinpflasterung und seine untere, teilweise Umgrenzung durch einen Stein­kranz. Vier Gräber der älteren Bronzezell mit reichen Beigaben und ein Einzelfund einer späteren Periode wurden freigelegt. Ein Teil der Beigabeii war ein neuer Typus für das Gräberfeld des Exerzierplatzes: Ein geschweiftes Bvonzemesser und ein kleines Gesäß mit vier Nuppen oder 91ajen sind il a. gesunden worden. Mit Ausnahme eines Gra­bes, in dem die Ober-und Unterschenkelknochen zum Teil noch vorhanden waren, deutete außer der dunkel gefärbten, fettigen Erde nichts auf die Bestattung eines menschlichen Körpers hin. Zahlreiche Werkzeuge, Viesser, Sck)aber, größtenteils aus Feuerstein angefertigt, sowie ein Stein­beil aus Quarzit lagen zerstreut im Hügel umher mit vielen Scherben vorrömischer Gesäße, verschiedenen Zell- perioden angehörend. Als Einzelsuill) ist nock) eine Bronze­platte mit Gürtelhaken und zwei Hohlringe zu erwähnen, Die auf einer Unterlage von Leder lagen, von welch letzterer noch kleine Stücke erhalten jind. Der obere Teil des Gurtel- hakens zeigt en face den Kops eines bartlasen Menschen. Die Platte selbst ist mit Linearverzierungen versehen. Der Fund stammt aus der früh la Töne-Zell, also etwa um 400 vor Ehr. Die Bronzebeigaben selbst sind äußerst brüchig und konnten nur mll Gipsumguß und der größten Behut­samkeit dem Boden entnommen werden. In absehbarer Zell werden die in der Erde noch ruhenden Reste einer! altersgrauen Kultur durch die ungünstige Bodenbefchassen- hell ausgelöst fein. Es wäre deshalb zu wünschen, daß eine Anzahl Altertums freunde aus Stadt und Provinz f ich oereinigen würden, um dem Verein die notwendigen Mittel zur Verfügung zu stellen, damll noch von den unterirdischen Schätzen gerettet werden kann, was noch zu retten ift Die Funde werden voraussichllich zu Ende Dieses Monats den Sammlungen des Vereins eiuverleibt werden.

* * Bazar.Wer vieles bringt, wird manchen etwas bringen" das scheint sich bei dem bevorstehenden Bazar bewahrhellen zu wollen. Me wir von wohlunterrichteter Seite vernehmen, sind eine ganze Menge geschmackvoller, praktischer und origineller Dinge dabei zu haben Ein reifen­der Wechnachtsmarkt, der uns den bis jetzt noch fehlenden Muter mit Schnee und Eis, mit Tannengrün und Kerzen­schein bringt, bietet Gelegenheit, schon jetzt für Christkind- leius Festtag zu sorgen Da ist's rätlich, den Wunschzettel für Weihnachten auszustellen, um nicht nur schön und vorteil­haft eiuzukoufen, sondern auch noch dabei der guten Sache zu dienen So gerne wir uodji mehr ausplauderu möchten von allen Herrlichikellen, die wir ahnen, fürchten wir doch zu sehr den gestrengen Knecht Rupprechh der am Eingänge zum Weihnachtsmartte Wache hält und mit ernsthaftem Ge­sichte uns hindert, ollzuwell vorzudringen in die geheimnis­vollen Einzelheiten. Darum ab märten und selbst schauen, wenn's Zeit ist!

* Die Aulagemusik am Sonntag mittag um 12 Uhr bringt folgendes Programm: 1. Ouvertüre zuFrau Luna" von Lincke, Simplicius-Quadrille von Strauß, »Als ich wiederkam", Lied von Rodominski, Phantasie über das Lied Home, sweet Home, von Voigt.

* * Aus dem Bureau des Stadttheaters. Noch^ mals sei auf die beiden Sonntags-Vorstellungen aufmerksam gemacht: Nachmittags halb 4 Uhr als FremdenvorsteUung ^Versunkene Glocke" zu ermäßigten Preisen, abends 8 Uhr als 5. Sonntags - Abonnementsoorstellung ^Alt- Heidelberg".

*Vier Jahreszeiten". Heute Samstag den 14. und Sonntag den 15. Nov. finden im genannten Lokale große Vorstellungen der Truppe Carello statt. Auftreten der Opern- und Liedersängerin Fräulein Schwarz, der Fräulein Wenzel, Chansonette, des Humoristen Herrn Martin, der Chanteuse Exentrique Frl. Wattros, und Soubrette Fräulein Letoi. Die heutige Vorstellung beginnt abends 8 Uhr, und morgen Sonntag nachmittags 4 Uhr, und abends 8 Uhr. (Alles Nähere in Annoncen und Plakaten).

* * Festgenom men wurde gestern abend der Lehrjunge einer hiesigen Firma, der sich Unredlichkeiten hat zu Schulden kommen lassen.

* * Die Ortskrankenkasse Gießen hielt gestern abend imPostkeller" Ufce statutengemäße ordentliche Generalve rsammlung ab, zu der von Arbeitnehmern 71 und von Arbeitgebern 9 Herren erschienen waren. Punkt 1: Wahl des Ausschusses sür die Prüfung der Rech­nung des lausenden Jahres, ergab die Wahl der HerrenWilh. Schmidt, W Sickert (Arbeitnehmer), K. Wigandt (Arbeit­geber). Die Entschädigung für ihre Mühewaltung wird von 210 Mk. aus insgesamt 300 Mk. erhöht. Bei der Ergänzungs­wahl des Vorpandes loerden die ausschieidendell Arbeit­geber Atzbach und Winu, sowie Arbeitnehmer Will). Schnridt, Wilh. Sickert, Will). 9tau und Joseph Gentner wiedergelvählt. Hieran schließt sich der Bericht der 10 Generalversammlung des Zentral-Vervandes deutscher Ortskrankenkassen zu BrcA-