Ausgabe 
14.9.1903 Erstes Blatt
 
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Kervesserungsvorschläge für den c 7 eren Kögelsberg.

Die Untersuchung der lokalen Verh Itnisse hat zu der Erkenntnis geführt, daß eine sichere und dauernde Förderung der Landwirtschaft im oberen Vogelsberg mir durch sorg­fältige Anpassung an die von der Statur in ftli.na und Boden gegebenen Unterlagen, sowie au bisher bewährte Erfahrungen und Einrichtungen erreichbar ist. Grasbau, Viehzucht und Holzbau bilden die hervorragendsten Erwerbszweige. Eine erfolgreiche Verbesserung der Landeskultur muß sich auf der sachverständigen Ausgestaltung dieser Erwerbszweige aufbauen. Für die Verbesserungsvorschläge waren deshalb folgende Gesichtspunkte maßgebend:

1. Aufforstung.

Aufgesorstet sollen diejenigen Flächen werden, welche sich wegen der rauhen ungeschützten Lage, wegen der großen Ent­fernung vom Wohnorte, wegen der schwierigen Zugänglichkeit und dem geringen Boden nicht zu einer lohnenden land­wirtschaftlichen Ausnutzung eignen. Ferner sollen Waldungen zum Schutze von Ortschaften und Kulturgelände vorgesehen werden.

Die zur Aufforstung vorgeschlagenen Flächen umfassen: 1541 Hektar Ackerland, 2117 Wiesen und

1883 Viehweideri,

im ganzen 5541 Hektar.

Hiervon sind im

Besitz der Gemeinden . 1505 Hektar

, des Fiskus . . 175

Fideikommißbesitz . . 55

bäuerlichen Besitz . . 3509

2. Verbesserung der Gemeindeviehweiden.

Nachdem der landwirtschaftliche Verein für die Provinz Oberheffen seit 1896 Gemeindeviehweiden mit großem Erfolge melioriert hat, kann die Verbesserung der nach Ausscheidung der aufzuforstenden Flächen noch verbleibenden 789 Hektar Viehweide zur Erreichung einer billigen und gedeihlichen Er­nährung des Viehes nur empfohlen werden.

3. Feldbereinigung.

Die vielfach unzweckmäßige Ausscheidung und Be­grenzung des zu Gärten, Ackerland, Wiesen, Viehweide und Wald geeigneten Geländes, der Mangel an Zugangswegen zu den einzelnen Grundstücken, die vielfach unwirtschaftliche Form und Größe der Grundstücke, die im allgemeinen sehr geringen Erträge der Wiesen, sowie der Mangel einer Parzülenvermessung in 35 Gemarkungen machen die Feld- bereinigung für eine rationelle Ausgestaltung der hoben* wirtschaftlichen Verhältnisse des oberen Vogelsberges durch­aus notwendig.

4. Anlage von Sammelweihern.

Die Anlage von Sammelweihern im Gebirge bezweckt, den Abfluß des Wassers in Bächen und Flüssen mjofern zu regulieren, als das bei Hochwasser ungenutzt abfließende Wasser zurückgehalten und zur Vermehrung der Niederwasser­mengen benutzt werden soll.

Im oberen Vogelsberge erscheint die Anlage kleinerer, mehr lokalen Interessen dienender Sammelweiher oder Teiche als Aufgabe der Gemeinden, des Fiskus oder der Fidei- kommißbesitzer. Größere Sammelweiher mit sog. Talsperren dienen vorzugsweise der Wasserversorgung von Städten oder den Interessen der an den Bächen und Flüssen liegenden in­dustriellen und gewerblichen Unternehmungen und erfordern sehr große Kapitalanlagen. Ihre Herstellung würde also vorzugsweise im Interesse der Bewohner der tiefer gelegenen Gebiete und weniger im Interesse des oberen Vogelsberges liegen.

5. Kulturkosten.

Die Ausführung der vorgeschlagenen Verbesserungen würde voraussichtlich folgende Kosten veranlassen:

a. Aufforstung von 1505 Hektar Ge­meindegelände und 3509 Hektar bäuerlicher Besitz mit durchschnittlich 120 Mark für den Hektar . . . 601 680 Mk.

b. Melioration von 789 Hektar Vieh­

weiden mit 400 Alk. zur Melioration und Einfriedigung auf den Hektar 315 600 , c. Feldbereinigungsverfahren: 20 000

Hektar Ackerland, Wiesen rc. mit

90 Mark für den Hektar ... 1 800 000 ,

d. Leitung und Unvorhergesehenes . 282 720

im ganzen 3 000 000 Alk.

6. Erlaß eines Ausführungsgesetzes.

Ein so großes Unternehmen wie die in Aussicht ge­nommene systematische Verbesserung der bodenwirtschaftlichen Verhältnisse in 45 Gemarkungen des oberen Vogelsberges läßt sich nicht durch eine freiwillige Tätigkeit der dabei be­teiligten Gemeinden und Privateigentümer zur sachgemäßen Durchführung bringen. Auch liegt das Unternehmen im Interesse der Gesamtheit. Zur Erreichung des seit länger als 60 Jahren erfolglos angestrebten Zieles erscheint deshalb der Erlaß eines Spezialgesetzes notwendig, welches die Grund­züge für die Durchführung der in Aussicht genommenen Maßregeln festlegt. Bei Erlaß eines solchen Gesetzes wird dann auch in Erwägung zu ziehen sein, wie die erforderlichen Mittel aufzubringen sind, sowie ob und in welcher Weise sich der Staat an den Kosten zu beteiligen haben wird.

Politische Wochenschau.

o. Gießen, 14. Sept.

In den Ausstellungen spiegeln sich die erreichten Fort­schritte und die Bedürfnisse des praktischen Lebens wieder, zur Richtschnur für das vorwärts strebende Geschlecht der Gegenwart. Tas gilt im besonderen Maße auch von der jetzigen Ausstellung aus dem Trieb zu Gießen, die nicht nur von landwirtschaftlicher, soridern von all­gemein wirtschaftlicher Bedeutung ist und in Ihren einzelnen Tellen, namenllich aber in der wissenschaft­lichen Abtellung anschauliche Kunde gibt von der prak­tischen Wirtschaftspolitik in Hessen. Jeden­falls hat sich das gesamte Ob er Hessen hier ein schönes Denkmal seines Fleißes und feiner Tatkraft, seiner rührigen Geschicklichkeit und seiner Gründlichkeit ge­setzt. Nicht nur die oberhessische Landwirtschaft, für die schon allein die Zahl der ausgestellten Tiere eine

beredte Sprache führt (315 Vogelsberger und 175 Simmen­taler Rinder, 60 Pferde, 75 Schweine, 10 Schafe, 116 Ziegen, 400 Stück Nutzgeflügel und 31 Bienenvölker), sondern auch die Berwaltnngsbehörden und die Lehrerschaft, Industrie und Gewerbe, nicht zum wenigsten auch der o b c r h e s s i s che Kaufmann haben hier ihre Leistungsfähigkeit bewiesen. Denn auch unter dem Gesichtspunkte eines kaufmännischen Unternehmens hat man in gewisser Weise die landwirtschaft­liche Slusstellung zu betrachten, und man sieht, was alles zu seinem großen Vorteil der oberhessische Landwirt von dem oberhessischen Kaufmann gelernt hat, bcHen unbe­irrbare Solidität und Reellität mit seiner Kulanz, über die dieser Tage aus angesehenen Handelskreisen zu unserer Verwunderung ein Wort der Kritik laut wurde, u. E. durchaus Hand in Hand geht. Der Landwirt und der Kauf­mann Oberhessens arbeiten, manchmal vielleicht unbewußt, unermüdlich für einander nach gleichen gediegenen Grund­sätzen, wie sie der treuen Kernhastigkeit und dem wackeren Biedersinne des oberhcssischen Voltscharakters eigen sind. Tie Ausstellung d a oben läßt den rastlosen Eifer erkennen, mit dem nicht nur die oberhessische Landwirtschaft, sondern das ganze mit ihr zusammenhängende Gewerbe und welches wohl gehört nicht dazu den Forderungen der Zeit gerecht zu werden und allerwärts auf der Höhe zu bleiben suchen. Möge dieses Streben, das allen obeehessifchen Ständen'gemeinsam ist, fort und fort anhalten, der Provinz Oberhessen und dem gesamten Lande zu Stutz und Ehre.

Große Reden sind während dieser Ausstellung nicht gehalten worden und hätten auch keinen besonderen Zweck gehabt, denn die Ausstellung spricht für sich selber. Und auch sonst haben wir von bedeutenden Reden aus dem Laufe der vergangenen Woche der Abwechselung halber nichts zu berichten. Unser Groß he rzog ist, wie Theodor Fontane, kein Freund des gar so Feierlichen, kein Freund so großer als unverbindlicher Programm- und Gelegen- hellsstimnrungsreden, und in dieser Zeit der Manöver war es natürlich, daß auch der Kaiser in seinen zwei kurzen in der v er gang en enl Woche gehaltenen Reden, die man in Halle hörte, vornehmlich, des friedlichen Schutzes der Waffen Erwähnung tat, urller dem Halle sich so glänzend entwickelt habe. Gegenüber dem Rektor der dortigen Uni­versität hob er (biatui, wie erst jetzt bekannt wird, den reli­giösen Charakter der Höllischen Hochschule hervor. Doch waren, wie dieSaaleztg." wörtlich schreibt, diese Worte so leicht hingeworfen und schlossen sich so eng an die religiös gefärbte Anrede des Rektors an, daß sie jedenfalls zu dem Gesamtbild der zahlreichen im reli­giösen Geist gehaltenen Kundgebungen des Kaisers keinen wesentlichen Zug hinzusügten.

Inzwischen hörte man lln Reiche von allerlei Maje­stätsbeleidigungsklagen und Verhaftungen von Sozialdemokraten aus diesem Anlasse. Mit dem angeb­lichen Erlaß des preußischen Justizministers zur schärferen Behandlung der Majestätsbeleidigungen Halle sich freilich die sozialistische Presse zu ihrer famosen Kaiserinselgeschichte nur einen neuen Bären aufbinden lassen. In Sachsen sind die Redakteure von drei sozialdenwkratischen Müttern in ein unb derselben Sache verhaftet worden einer ist mittlerwelle wieder sreigelassen worden. Ebenso ist der wegen der Kaiserinsel-Geschichte verhafteteVorwär^"-Re­dakteur Leid schließlich auch wieder entlassen woroen. Die Verhaftung des Berichterstatters Rehbein in Berlin, der außer demVorwärts" auch bürgerlichen Blättern Nach- richten lieferte, wegen Zeugniszwangs verfahrens hat in allen Parteien bis in die Regierungskreise Mißbilligung erfahren. Tas Gesetz hat der Anonymität des deuftchen Preßwesens schon dadurch volle Rechnung getragen, daß es den verantworllichen Redakteur für Beleidigungen durch die Presse haftbar macht. Daß die Gerichte trotzdem auf den eigentlichen Urheber beleidigender Artikel fahnden, mag ihnen unbenommen sein. Wenn aber die Rechtsprechung jenen muf der einen Selle anerkannten Charakter der Anonymllät des Zeitungswesens auf der anderen Selle selber wieder dadurch durchbricht, daß sie den Redakteur durch Gefängnishaft, die früher unbeschränkt war, heute aber immer noch auf 6 Monate ausgedehnt werden kann, zu zwingen sucht, die Anonymität preiszugeben und den Verfasser einer Notiz zu nennen, so ist das inkonsequent und unlogisch. Der Zeugniszwang, verlangt von dem Re­dakteur zudem eine Verletzung seiner Berufspflicht, ohne doch in den allermeisten Fällen seinen Zweck erreichen zu können. Siehbein hatte, ehe er seine Mitteilung über Sol- datenmiß Handlung en in die Presse brachte, sie offen zur Untersuchung dem Regimentskommandeur übermittelt. Ta behauptete der Kommanoeur, er könne die Untersuchung nicht führen, ohne den Namen des Berichterstatters zu kennen. Gerade hier war aber die Nennung, sicher nur unter dem Schutze der Anonymität erfolgt, weil derartige Anzeigen beim Militär schmerzliche Folgen für den Be­treffenden zu haben pflegen. Vermutlich lverden Rehbein ebenso wie der früchere Stationalsoziale Hildebrandt, falls sie nicht früher entlassen werden, chre 6 Vlvnate absitzen und Märtyrer werden für eine Pflicht die von unserer.heu­tigen Zeit darunter in besonderer Scharfe kürzlich von einem so bedeutenden Rechts gelehrten wie Professor Sohrn als eine selbstverständliche Pflicht eines modernen Pu­blizisten anerfamit worden ist. Rehbein muß jetzt lediglich wegen tadelloser Berufserfüllung im Gefängnis schmachten.

Jedenfalls verspricht die Debatte über diese Frage fruchtbarer zu werden (denn alle Parteien scheinen sich über die Unhaltbarkell des gegenwärtigen Zustandes einig zu sein) als die Erörterung derelenden Vizepräsi­den t e n fr a g e", die in der sozialdemokratischen Presse eigentlich durch dre Bebelsche Philippika in derNeuen Zeit" schon jetzt zu Ungunsten der Revisionisten entschieden worden ist. Nicht, daß Bebel die Herren Heine und v. Vollmar und Bernstein tot zu machen verstände. Sie werden noch kräftig ihre Ellbogen gebrauchen. Aber so lange er lebt und die Massen dem Glauben an denSieg des Proletariats" an­hängen, dem auch die Revisionisten schließlich Gefolgschaft geben, wird allerGeistestampf" um die Grundsätze der Partei Spiegelfechterei. sein. Neuerdings kündigt Kautsky an, daß die sozialistische Propaganda eng verknüpft werden muß mit den Gewerkschaften. Die Gewerkschaften sollen mehr und mehr in den Dienst der Parteiagllation gestellt werden. Die Zersetzung der Partei steht jedenfalls für den diesmaligen Parteitag in Dresden keineswegs in Aussicht. Man wird wieder ohne sozialdemokratischen Vizepräsidenten bleiben und alles wird sein wie zuvor!

Schneller und sichtbarer schreitet in Oesterreich- Ungarn der Zerfall alter politischer Institutionen fort. Ter Ruf,^os von Ungarn", das die österreichisch-ungarische Reichseinheit schon längst nur noch als eine Firma in Liquidation betrachtet, aus deren Masse es sich selbst noch so lange bereichert, als noch ettvas vorhanden ist, wird immer allgemeiner unter den deutschen Parteien Oester­reichs. Fast scheint es, als ob die Lösung der chronischen Krise in Ungarn nur provisorisch sein könne mrd nur mit

der Personalunion enden kann. Den Magyaren liegt nichts an der Schlagfertigkeit des Heeres, sondern nur noch an der politischen Alleinherrschaft ihrer Nationalität in Ungarn. Sie beanspruchen, daß alle aus Ländern der Stephanskrone rekrutierten Truppenteile nicht mehr die deutsche, sondern die magyarische Dienstsprache verwenden sollen. Diese sind aber keineswegs rein magyarischer Zusammensetzung. Bon den 102 Jnfanterieregimentern entfallen nach einer Aus­stellung derKöln. Ztg." 47 auf ungarische Ergänzungs­bezirke, 12 haben gar keine Magyaren, in 18 sind andere Nationalitäten zu 90 bis 50 Prozent vertreten. Tie sechs kroatischen Regimenter können gar nicht zur magyarischen Dienstsprache gezwungen werden, da ber Versuch schon die größte Erregung hervorbringen würde, in vier von ihnen steht kein Magyar. Dagegen gibt es vier rein magyarische Regimenter, drei zu 90 Proz., sechs zu 80, zwei zu 70 und drei zu sechzig Proz. Es entspricht dies der Verteilung der Nationalitäten int uugariscyen Reiche, das nur 45 Proz. Magyaren hat. Darum will auch Kaiser Franz Josef noch immer nichts von der magyarischen Ann ec spräche wissen. Vielleicht trägt die Rührigkeit der Deut scheu Oesterreichs, die jetzt den Magyaren ihren garten Bettel vor die Füße warfen und erbittert sind, da,, une u u g a risch e Armee errichtet werden soll, die von Oesterreich bezahlt wird, .dazu bei, den Magyaren den Star darüber zu stechen, was sie alsunabhängige Nation" in der Welt noch zu heberten haben.

In ber Angelegenheit ber serbi en Königs­mörder berichtet man, baß hinter b( 24 verhafteten Offizieren aus Scisch, bie nun nach Belgrcw gebracht worben sind unb deren Akten dem Kriegsminister unterbreitet wurden, die von Rußland inspirierte radikale Partei stehe, wodurch« die Bewegung gegen ibic Mörder an Bedeutung gewinne. Die'Sache dränge zu einer Entscyeidung unb werbe sich nicht bis zum Zusammentritt ber Skupschiina vertagen lassen. Falls König Peter nicht bie Kraft besitzt, gegen bie Königsmörber vorzugehen, werde er zu Gunsten seines Sohnes abbanten müssen (?), ber den Königsmörbern keinen Dank schulbe. Dann werbe es Sache ber ihm zur Seite stehenben Regentschaft sein, in Serben Orbnung zu schaffen. In Dubapest wird eine Konstantinopeler Depesche viel besprachen, bie Rußlanb bireit beschulbigt, baß es auf beni Balkan ein Doppelspiel treibe unb die Aufständischen mit Waffen und Munition versehe. Nach der Depesche soll bas Wiener auswärtige Amt iu dieser Frage Aufilärung von Rußlanb geforbert haben. Nach ben neuesten Nachrichten ist eine Ausdehnung berBalkanwi rren zu erwarten, unb ein bulgarisch-türkischer Kon­flikt bürste kaum mehr zu vermeiben sein, sei es, daß Fürst Ferbmano sein Volk nicht mehr zügeln könne, sei es baß bie Türkei gegen Bulgarien vorgehe. Tie Mächte werben aller Wahr,cheinlichkeit nach auch diesen Konflikt sich abspielen lassen, ohne einzugresien. Nur im äußersten Falle bei direkter Bedrohung der Interessen der Mächte dürfte eine Intervention wahrscheinlich werden. In einem Gefechte der türkischen Truppen mir iJO omsitänoischen bei Kruscyewö fielen von den letzteren 90 Mann, von ben Türcen blieben brei tot, fünj wurden verwundet. Bei Klipvva unweit Monastir wurden eoenso von UJO Insurgenten 108 getötet. Der Rest floh und warf bie Gewehre weg. Die Türken hatten ebenfalls Verluste. Siachrichten aus Adria- nopel zufolge begingen albanesische Rebifs auf bem Vdarsch von Adrranopel nach Kirkllisse arge Ausschreitungen, be- jonbers in Jenidze, wo sie die Kirche p l ü n o e r t e n. Auch in Kirkllisse plünderten albanesische Rebifs unb zündeten auf dem Marsche nach Tirnow-o Knröoi^an. Auf dem Marsche zur Besetzung von Wasilkiwo am schwarzen Meer erlitten zwei Rebifbataillone Verluste burch eine Klomllee- banbe, bie eine Dy namitbombe warf. Aus bem Innern bes Sandschaks treffen zahlreiche beuuruyigenbe Nachrichten in Kirkllisse ein. Beispielsweise sollen bie Dörfer Älmabzik unb Erekler von einer Abtellung verwüstet und in Älmabzik 2 20 Bulgaren in Gegenwart ihrer Familien ent­hauptet worben sein.

Unwetter-Nachrichten.

In Eber stabt hat das Unwetter fast die ganze Obst» ernte vernichtet. Der anhaltende Sturm schlug Blätter, Aeste und das dickere Obst von den Bäumen. In den Obst­gärten sah es aus wie bei der Kartosselernte: ganze Säcke voll Früchte standen da. Die Aepsek müssen meistens ge­keltert werden.

Von Bord des Notierdamer Dampfers der Ost» afrifalinie ,Gouverneur" schreibt uns ein Gießener Herr unterm 12. d. M.:Um 4*/z Uhr ftranbete auf ber Mole vor Rotterdam bei schwerer See der norwegische DampferLeander" von Bergen. Wir sahen, wie die Leute mittelst des Raketenapparates gerettet wurden. (Bruch des Steuers.)

In Belgien hatten die meisten Eisenbahnzüge infolge des Sturmes erhebliche Verspätungen. Unweit der Stadt Brüssel schleuderte der Sturm einen Schleppkahn an einen Brückenpfeiler. Der Kahn ging unter. Die Kleinbahnen stellten , den Betrieb ein. In Schottland ist heftiger Schneefall eingetreten. Infolge der starken Kälte kam das Wild dis in die Ebene. In Havre drang^ bei einer Flutwelle das Wasser einen Meter hoch in das Stadtviertel am Schlachthaus und setzte die Straßen und Häuser unter Wasser. 12 Fischerboote sind gesunken. In Bonlogne wurde die Brücke und der Wellenbrecher auf eine lange Strecke weggerissen. Das Dampfboot von Etapeles ist ge­sunken. Vier Mann der Besatzung sind umgekommen. Ein englischer Dampfer wurde gegen die Küste bei Ambleureuse geschleudert. Das Lootsenboot Nr. 21 von Havre ist vom Sturme auf die hohe See geschleudert worden. Drei Matrosen wurden von Bord gespült, während der Lootse und ein Matrose noch rechtzeitig gerettet werden konnten. Am Frei­tag abend wurde während des Sturmes der DampferAiar- guerite" durch das PanzerschiffAdmiral Trehouat" geschleu­dert. Der Dampfer erlitt schwere Havarie und mußte in den Hafen von Lonent gebracht werden.

Der LuftballonKranich" der kgl. bayerischen Luft­schiffer-Abteilung wurde bei Velim in Böhmen ohne Gondel aufgefangen. Alan befürchtet, daß die Insassen der Gondel infolge des Orkans verunglückt sind.

Vermischtes.

* Liebeswerbung im Chrysautemenreich. Eine Weltreisende schildert in einer Serie interessanter Ar­tikel d-as Leben der modernen Japanerin. Obwohl bie holden Töchter des Mikadoreiches schon seit längerer Zeit das Bestreben zeigen, sich nach> europäischen Sitten und