ganz besonders nach Pariser Moden zu richten, werden sie doch voraussichtlich nicht so bald von den etwas eigenartigen, aber recht poetischen Gebräuchen lassen, die bei ihnen mit einer Brautwerbung und Trauung verbunden sind. Wenn ein japani . ;cr Jüngling ein Mädchen nach seinem Geschmack gesunden hat, begiebt er sich eines schönen Tages zu ihrem elterlichen Hause und befestigt an irgend-
- dazu geeigneten Stelle einen blühenden Zweig. TieK ist seine Liebeserklärung. Wird der Zweig von dem jungen Mädchen abgenommen und in eine mit Wasser gefüllte Base vor das Fenster gestellt, dann weiß der in banger Erwartung Harrende, daß seine Liebe erhört ist. Will die Schöne aber nichts von dem Freier wissen, daun läßt sie das Zeichen seiner Anbetung achtloD vertrocknen. Sobald die Hochzeit .festgesetzt ist, sendet der Verlobte seiner Erwählten Zahlreiche Geschenke, die so kostbar sein müssen, wie seine Mibtel es ihm erlauben. Diese Liebesgaben offeriert die Brauet sofort ihren Eltern, um ihnen damit ihre kindliche Ergebenheit und Dankbarkeit zu beweisen. Eine japanische Trauung findet stets arm Abend statt. Tie Braut legt zu der Zeremonie einen „Kimono" aus weißer, reich gestickter Seide an und hüllt sich ganz in einen langen, weißen Schleier. Tas Paar setzt sich neben zwei kleinen Tischchen in der Mitte des Zimmers einander gegenüber auf den Fußboden. Aus dem einen Tischchen prangt eine winzige Tanne, die das Sinnbild der körperlichen Kraft des Bräutigams vorstelleu soll, und ein Miniatnr-Pflaumenbaum — bas Symbol der weiblichen Schönheit. Auf dem andern Tischchen erblickt man einen Teekessel mit zsvei Tüllen, eine Flasche mit dem japanischen Getränk „Sali", einem Branntwein aus Reis, und so viele Tassen wie Gäste anwesend^ sind. Bei keiner Hochzeitszeremonie darf ferner ein künstlicher Storch fehlen, der neben den Brautleuten auf einer Schildkröte steht; er repräsentiert die verkörperte Glückseligkeit, während sein „Postament" ein langes, gesundes Leben versinnbildlicht. Die an dem Festmahl teilnehmenden Personen trinken je drei Tassen „Saki", und den ^Neuvermählten wird der mit demselben Gebräu gefüllte doppel- tüllige Kessel abwechselnd von zwei Dienern an den Mund geführt. Ebenso wie sie beide aus einem Gesäß trinken, sollen sie von dem Tage an Freuden und- Leiden miteinander teilen. Die junge Frau bewahrt ihren Hochzeitslimono nebst Schleier ihr ganzes Leben «lang, um dereinst damit begraben zu werden.
Kunst und Wissenschaft.
Dresden, 12. Sept. Bel der heutigen Prämiierung öer industriellen und gewerblichen Abteüung der deutschen Städ te- ausstellung wurden 37 goldene, 68 silberne, 80 Bronzemedaillen und 125 Ehrenurkunden verteilt. Davon erhielten goldene Medaillen Schiele & Eo., Maschinenfabrik in Frankfurt, Ludwig Tesdorpf- Stuttgart, die württembergische Uhrenfabrik in Buerk-Schivenningen, G. G. Kuhn-Stuttgart, die Geiger'sche Fabrik in Karlsruhe, die deutsche Steinzeugwarenfabrik in Friedrichsfeld in Baden; die silberne Medaille die Adlerfahrradwerke, die Allgemeine Städtereinigungsgesellschaft in Wiesbaden, die Fabrik Stolzenberg in Los.
Köln, 12. Sept. Der deutsche Aerztetag hat heute feine Beratungen geschlossen. Vorher ivurden noch einige Beschluß- antrnge angenommen, darunter ein Antrag Neuberger-Nürnberg, der vorjchlägt, zur Berhütuiig der weiteren Ueber-
f ü l l u n g des ärztlichen Standes eine Warnung in Form einer Broschüre an d i e Abiturienten der höheren L e h r a n ft a l t e n zu erlassen. Ferner wurde ein Beschlußantrag des Dr. Pfalz-Düsseldorf angenommen, welcher folgendes besagt: Der 31. deutsche Aerztetag erwartet von den dem deMschen Aerzte- vereins-Bunde angehörigen Vereinen, daß sie schleunigst und energisch alle Maßnahmen der Selbsthilfe zur Durchführung der Forderungen des Aerzteoereins-Bundes bei den Krankenkassen ergreifen ' und daß sie ihre Mitglieder verpflichten, sich jeglicher Stellungnahme gegen die freie Aerztewahl zu enthalten. In diesen Forderungen des Bundes ist freie Aerztewahl und slaiidesgemäße Stellung und Honorierung der Kassenärzte enthalten. Schließlich wurde ein Antrag angenommen, welcher Beseitigung der zur Zeit m Deutschland noch bestehenden neun verschiedenen Arzneitaxen und Aufstellung einer einheitlichen Taxe für ganz Deutschland verlangt.
Wild un gen, 13. Sept. Heute wurde die hier errichtete deutsche Volksheil st ätte für Blasen- undNieren- leidende in Gegenwart des Fürsten und der Fürstin Waldeck feierlich eröffnet. Der Fürst verlas ein Telegramm des Kaisers, das desseii Segenswünsche für die Anstalt zum Ausdruck bringt.
Handel und Ierkehr. Volkswirtschaft-
— Getreide. Die Stimmung im Getreidegeschäft war zu Anfang der Woche recht fest, wurde aber gegen den Schluß etwas ruhiger, da Rußland mit reichlicherem Angebot zu etwas billigeren Preisen an den Markt kam. Amerika und Rumänien haben ihre Forderungen kaum verändert. Ter Absatz an den Kursen war befriedigend. Roggen etwas matter. Gerste: Braugerste ruhig, Futtergerste matt. Hafer still. Mais unverändert.
Tie heutigen Notierungen sind: Weizen. Red Winter II Kansas II Ulka-Weizen 9 p. “/M
10 P. _ Rumänischer, 80/81 Kilo „ 79/80 „
v 78/79 „ Roggen. Russischer 9 p. 15/20 Gerste. Rufs. Futtergerste 60/61 Kilo Hafer. Russischer 47/48 Kilo „ 50/51 „
Mais. mixed
Laplata r. t
Weizen, Pfälzer M. 17,25 - 00,00
Roggen, „ „ 14.25—00,00
Braugerste „ „ 15,25—16,50
Hafer, badischer „ 13,75—14,50
Schiffsnachrichten.
Hamburg-Amerika Linie.
Vertreter in Gießen S. Elsoffer, Marktstraße.
Hamburg, 8. Septbr. Ter Hamburger Schnell-Post- Dampfer „Deutschland", Kapitän Barends, ist am 8^ «September, 2 Uhr morgens, wohlbehalten von Hamburg via Southampton und Eherboürg in Newyork angekommen.
Hambur-g, 10. Sept. Der Hamburger Postdampfer „Graf Waldersee", Kapitän Kopff, ist am 10. Septembr, 1 Uhr morgens, wohlbehalten von Hamburg via Boulogne s/M. und Plymouth in Newyork angenommen.
, per 100 Kilogramm frei hier.
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„ 103-104
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„ 95—00
Meratiir.
Leid ich, Landwirtschaftslehre. Leitfaden für FortbildmrgS- fchulen. Zufammengestellt und praktisch erprobt von G. Leidich. 2. Teil: Pflanzenbau. Preis br. Mk. 1.—. Verlag von Emil Roth in Gießen.
Der Leitfaden zeigt, daß der Verfasser aus der Praxis für die Praxis gearbeitet hat. Tie kurze und dabei klare Behandlung des Stoffes, die vom „Allgemeinen" zum „Besonderen" fortschreitet, wird nicht allein den Lehrern an Fortbildungsschulen willkommen sein, sondern auch weiteren Kreisen eine Anregung geben, an der Hand dieses Leitfadens ihre Kenntnisse aus dem Gebiete des Pflanzenbaues aufzusrischen, bezw. sie zu erweitern und zu ver- tiesen.
MchrutliHk Wrrkcht der toeefälir iuötr Stobt 6ie§tn.
35. Woche. Vom 23.-30. August 1903. ^Einwohnerzahl: angenommen zu 26 900 (infl. 1600 Mann Militär. Sterblichkeitsziffer: 32,86, nach Abzug von 8 Ortsfremden: 17,40 n/co.
Kinder
Es starben an: Zusammen: Erwachsene: im vom
1. Lebensjahr: 2.—15. Jahr
Lungenschwindsucht Älagenkrebs
2 (1) 2(1)
2(1) 2(1)
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Wassersucht
1
1
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Schlagfluß des
Kl)
(Gehirns
KD
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Lungenentzündung
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Innerer Ein-
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klemmung
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Ehromscher Nieren-
entzündung
1
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Verunglückung
2(2)
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—
angeborene Lebens-
2(1)
2(1)
schwäche
—
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1
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1
—
1
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1
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1
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Summa:
17 (8)
11 (6)
6(2)
—
Anm.: Die m
Klammern gesetzten Ziffern geben
an, wie viel
der Todesfälle in der betreffenden Krankheit auf von auswärts nach
Gießen gebrachte Kranke kommen
Eine uns vorliegende Pofttarten-Serie (Schweizer Reise) der bekannten Teesirma Meßmer bringt Ansichten von Luzern, Rigi, Interlaken (Jungfrau) u. s. w. in solcher Vollendung, dag wir glauben unsere Leser speziell darauf hinweijen zu sollen. -Len Käufern von Meßmer's Tee werden die Karten gratis abgegeben._______6632
ist manche Mutter, wenn ihre lieben Kleinen durch Wundsem an dem Körperchen, sowie Hautausjchläge geplagt sind. Sichere Hilfe bringt Obermeyers Herba-Seue. Z. h. i. all. Apoth., Trog, u. Parf.59o6
Staatskommisaar.
Hengstenberg’s Weinessigfabrik m Eßlingen . Neckar feierte schon vor 2 Jahren ihr 25;ähriges Jubiläum. 4286
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Elektro- u. Maschinen-
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