Ausgabe 
14.8.1903 Erstes Blatt
 
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nur durch Schützen an den entfernten Gartenzäunen, sowie durch Friedensübungen jeglicher Art zu markieren sein. Die Bekanntmachung schließt mit den Worten:Der bürger­liche Verkehr darf durch Friedensübungen jeglicher Art in keiner, auch noch so geringen Weise gestört oder behindert werden mit der alleinigen Ausnahme, daß her Durchgang durch geschlossene, ruhende oder marschierende Soldaten zu versagen ist."

Zlnterrichtsrveseu.

Die Schiffahrt im akademischen Unterricht. DieHamburger Beiträge'' schreiben: Im Unterricht der Handelshochschulen zu Köln und Frankfurt a. M. wird neben dem Handel auch die Schiffahrt sorgfältig berücksichtigt. In den allgemeinen volkswirtschaftlichen Vorlesungen zu Köln wird die Schiffahrt stets mitbehandelt unb in den Seminar­übungen werden Themata über Fragen der Handelsschiffahrt zur Bearbeitung gestellt. Im Unterrichtsplan der Akademie für Sozial- und Handelswissenschaften stnden wir im Lehr­plan eine besondere Vorlesung überEntwicklung der Schiff­fahrt der Haupthandelsstaaten" verzeichnet. Von den deut­schen Universitäten hat Berlin in seinemInstitut für Meereskunde" aller auf die Schiffahrt bezüglichen wissen­schaftlichen Tätigkeit eine reich ausgestaltete Zcntralstätte ge­schaffen, deren Museum und Bibliothek, deren Vortragsabende und Schriften eine vielseitige und in sich abgerundete Ge­legenheit zur Kenntnisnahme für wertere Kreise geben.

Prüfung der Ingenieure. Der Minister der öffentlichen Arbeiten in Preußen und der Unterrichtsminister sind mit den Leitungen der technischen Hochschulen dahm übereingekommen, daß in Zukunft für diejenigen Ingenieure, die eine Anstellung im Staatsdienst erstreben, das erste Examen sortfallen, dagegen das Diplomexamen eine Ver­schärfung erfahren soll. Mit Ablauf des Jahres 1904 fällt die bisherige Uebung, die Prüfungen vorzunchmen, weg.

Ausland.

London, 13. Aug. Wie die Blätter nunmehr berich­ten, findet die geplante Weltausstellung bereits im Jahre 1906 statt und zwar auf dem Platze des Krystall- palastes. Es wurde ein vorbereitender Ausschuß, bestehend aus 13 Mitgliedern, gewählt.

Marseille, 13. Aug. Das Zuchtpolizeigericht verurteilte zwei am Samstag bei der Kundgebung gegen den Ministerpräsidenten Combes verhaftete Personen nur wegen Tragens verbotener Waffen zu einem Fr. Geldstrafe. In der Urteilsbegründung wird ausgefuhrt, da Combes nach Paris gekommen sei, um seine Politik auseinanderzusetzen, habe jeder Bürger das Recht gehabt, ihn auszu- 'pfeifen. (!)

Belgrad, 13. Aug. Der König nahm die De­mission des Kabinetts an und betraute den bisherigen Ministerpräsidenten Awakumowitsch mit der Bildung des neuen Kabinetts.

Budapest, 13. Aug. Dem Pesti Hirlap zufolge ver­sucht hier ein Agent des Königs von Serbien Wechsel- Kredit für eine Million Kronen zu erhalten. Er soll je­doch überall abgewiesen worden sein uud nunmehr die Runde durch Europa machen.

Konstantinopel, 13. Aug. Man ist in der russi­schen Botschaft sehr beunruhigt über das Schicksal des Konsuls M a n st e l e t a m, der zu Pferde auf die Nachf- richt von Rostkowskis Ermordung nach Monastir eilte und von dem mau seitdem keine 9Lachricht hat. Es ist möglich, daß nur die Zerstörung des Draytes am Ausbleiben der Nach,richten schuldig ist.

Tas Regierungs-Communique, welches /charf die Ermordung des russischen Konsuls in Monastir verurteilt, die Absetzung des Vali und anderer Beamten, sowie strengste Bestrafung des Mörders zusichert, findet in türkis ch en Kreisen eine höchst mißfällige Aufnahme, da man überzeugt ist, daß der Täter sich im Rechte befand, nachdem er von dem russischen Konsul tätlich angegriffen worden war. Das Kommunique wird als eine neue Erniedrigung der Türkei vor Rußland aufgefaßt, wodurch der Haß gegen Rußland' nur geschürt wird. Es bestätigt sich, daß der Konsul Rostkowski den Täter zu­nächst mit den gemeinsten Schimpfworten belegte, die es für einen Türken gibt und daß dieser einige Schimpfworte zurückgab.

Rom, 13. Aug. Der östreichische Botschafter hat große Mühe, den schlechten Eindruck, welchen das Veto Puzynas gemacht hat, zu verwischen. Der Papst ist sehr weichherzig. Die Trennung von Venedig geht ihm sehr zu Herzen. Er weint bei der Erinnerung und bei dem Ge>- danken, daß er sein Leben lang gebunden sein soll. Im Vatikan werden Befürchtungen für seine Ge­sundheit gehegt.

Hongkong, 13. Aug. Die kaiserlichen Truppen wur­den bei Hweitschpu von den A u f st ä n d i s ch e n geschlagen. 3000 von ausländischen Offizieren ausgebildete Mann­schaften sind zur Verstärkung in Kanton eingetroffen.

Buenos-Aires, 13. Aug. Die Beisetzungssecer des verstorbenen deutschen Gesandten Frhm. v. Wangen- heim nahm in Anwesenheit des Präsidenten von Argentinien, der Staatsminister und des diplomatischen Korps unter großartiger Beteiligung der deutschen Kolonie einen erhebenden Verlaus.

Autstand in Mazedonien.

Aus Saloniki wird gemeldet: Eine Bande griff die Wache des Dorfes Gemsendje mit Bomben an. Das Gefecht dauerte zwei Stunden. Herbeigeeilte türkische Truppen verfolgten die Angreifer, von denen mehrere getötet, ver­wundet oder gefangen genommen wurden. Die Ueberleben- den flohen in die Berge, wo sie verfolgt werden.

Bei Saloniki ift wieder eine Eisenbahnbrücke durch Dynamit gesprengt worden. Zu der schon ge­meldeten Rüstungen ist die Mobilisierung von 16 Redif- bataillonen aus den Aushebebezirken in Mazedonien selbst hinzuzufügen.

Ende der ungarischen Westechungsaffaire.

Infolge Indiskretion veröffentlichen zwei Abendblätter in Budapest den Entwurf des Berichtes der parlament- arischen Untersuchungs-Ko in Mission, welcher dahin geht, daß Graf Ladislaus Szapary an den Interessen des Vaterlandes gesündigt habe, daß aber die Regierung oder

der Ministerpräsident hierbei nicht beteiligt sind, daß die Tat Szaparys nur der vereinzelte Versuch eines Vergehens sei, und daß daS Untersuchungsversahren die unantastbare moralische Integrität eines jeden Mitgliedes der ungarischen gesetz­gebenden Körperschaften außer allen Zweisel stellt. Da in dieser Angelegenheit keinerlei Notwendigkeit, weitere Maß­nahmen zu ergreifen, vorliegt, wird beantragt, das Haus möge zur Tagesordnung übergehen. Die liberalen Mit­glieder der Kommission hielten eine Konferenz ab und be­schlossen, in der Angelegenheit der begangenen Indiskretion eine Untersuchung einzuleiten. Die parlamentarische Kommission wird nächsten Samstag eine Sitzung abhalten.

fc. Mainz,, 13. Aug. Aus der Kasteler Brücke siel heute morgen von einem hoch mit Holz beladenen Wagen der Firma Schleich in Biebrach der Fuhrmann herab vor die Räder. Das linke Bein wurde ihm dabei am Knie direkt abgefahren und schrecklich zersplittert.

Wach der Nrandkalajirophe in Waris.

Donnerstag nachmittag wurden die 25 bisher von ihren Angehörigen nicht reklamierten Opfer der Metropolitan- bahn-Katastrophe beigesetzt. Zwischenfälle sind nicht vor- gekommen. Die Beisetzung trug einen ganz offiziellen Charakter. Das Musikkorps der repub litauischen Garde nahm an dem Leichenzuge teil. Außer Combes war auch der Vorsitzende des Gcmeinderats, sowie das diplomatisch<e Korps vertreten. Bei der Trauerfeier hielt Minister­präsident Combes eine Rede, in der er sagte, er entbiete den Toten, an deren Geschick ganz Frankreich Anteil nehme, den letzten Gruß der Regierung. Der Ministerpräsident wies darauf hin, daß bei ähnlichen Unglückssällen oft ge­rade die Armen betroffen wurden. Es sei mögliche daß in diesem Falle nicht alle Vorsichtsmaßregeln beachtet seien, aber man muß das. Ergebnis der eingeleiteten Untersuch,- ung abwarten. Es stehe zu hoffen, daß die grausame Lehre gute Früchte trage. Jedenfalls bemühe sich die Regierung, olle nur möglichen Maßnahmen zu treffen, um Menschen­leben gegen die Gefahren, die der Beruf mit sich bringt, zu schützen. Nach der Trauerfeier, bei der nach dem Minister- präsiDentcn der Präsident des Stadtrat Deville namens der Stadt Paris gesprochen haben, wurden die Särge durch die bewegte, andächtige Menge hindurch nachNotre Dame" undStr. Germain des Pres" überführt. Nach der ein­fachen kirchlichen Feier bewegte sich der Leichesnzug nach dem Friedhof. Der Metropolitanbahn-Ausschuß ernannte eine zwölfgliedrige Kommission, welche neben der geiricht- lichen auch ihrer)eits eine Untersuchung einleiten soll. In der Donnerstagsitzung der Kommission wurden alle er-. deutlichen Vorschläge zur Verhütung einer ähnlichen Kata­strophe gemacht. Allgemein war man geneigt, die auf der Berliner Untergrundbahn getroffenen Einrichtungen ein­zufuhren. Außerdem soll auf jeder Station ein eiserner Vorhang zur Abschließung angebracht werden. Der deutsche Kaiser beauftragte den deutschen Geschäfts­träger, der französischen Regierung anläßlich des Unfalls auf her Stadtbahn seine Teilnahme auszudrücken. Präsi­dent L o u b e t ließ dem Kaiser für diesen Beweis der Teil­nahme seinen Dank aussprechen. Der König von Italien, der König von Portugal und dessen Gemahlin, König Alfons XIII., richteten an Präsident Loubet Tele­gramme, in denen sie ihre Teilnahme anläßlich deS Bahn­unglücks ausdrücken.

Aus Stadl und Land.

Gießen, den 14. August 1903.

L. U. Der Universitätsdiener Johannes Ruhl wurde auf sein Nachsuchen mit Wirkung vom 1. September 1903 an unter Anerkennung seiner treuen Dienste in den Ruhe­stand versetzt. Aus diesem Anlasse wurde ihm das Silberne Kreuz des Verdienstordens Philipps des Großmütigen ver­liehen.

** Personalien. S. K. H. der Großherzog haben dem Pfarrer Karl Scheunemann zu Gießen die zweite evangelische Pfarrstelle zu Babenhausen, Dekanat Groß- Umstadt, übertragen. Der Ingenieur Hugo Specht aus Durlach in Baden wurde zum vierten Assistenten bei Großh. Dampfkefselinspektion, der Sergeant Albert Kähler zu Darmstadt zum Pedell am Gymnasium zu Bensheim er­nannt. Der Werkführer iu der Hess.-Preuß. Eisenbahnge­meinschaft Theodor Baumbach zu Darmstadt wurde auf sein Nachsuchen in den Ruhestand versetzt und ihm aus diesem Anlaß die Krone zum Silbernen Kreuz des Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen.

** 3 n den Ruhestand tritt morgen, am 15. August, Kanzleirat Demuth , nachdem er 63 Jahre lang im Dienste der Stadt gearbeitet hat. Wilhelm Demuth ist am 20. No­vember 1824 in Gießen geboren. Er besuchte die Volks­schule, und nachdem Gießen die Realschule erhalten hatte, auch diese Anstalt. Noch nicht Illjührig, trat er als Schreiber­in den Dienst her Stadt, um ununterbrochen bis heute auf der Bürgermeisterei tätig zu sein. Seine höchsten Vor­gesetzten, unter denen Demuth wirkte, waren die Folgen­den: 184041 Bürgermeister Ehr. Schneider, 184142 Bei­geordneter Roth, 184249 Bürgermeister Reiber, 184952 Bürgermeister Ferber (während dieser Zeit war D. bc*i der Stadtkasse tätig), 185261 Bürgermeister Daniel Ebel, 186162 Beigeordneter Weidig, 186274 Bürgermeister Balthasar Vogt, 187475 Beigeordneter Felsing, 187589 Oberbürgermeister Ang. Bramm, 18891900 Oberbürger­meister Feodor Gnauth, 1900 Beigeordneter Wolff, welchem der jetzige Oberbürgermeister als Ches her städtisches Ver­waltung folgte. Se. Kgl. Hoheit der Großherzog verlieh dem verdienten Beamten am 12. September 1890 das silberne Kreuz des Verdienstordens Philipps des Groß­mütigen, am 25. Febr. 1899 die Krone zu diesem Orden, und am 25. Febr. 1901 den Charakter als Kanzleirat. Als Demuth in den Dienst der Stadt eintrat, zählte diese 9000 Einwohner. Er sah seine Vaterstadt wachsen und sich ausdehnen. Mit Interesse verfolgte er alle Wandlung ein, welche die Stadt, her Staat unb das Reich durchmachten. Allen Fortschritten und Neuerungen in her städtischen Ver­waltung, welche die veränderten Zeiten mit sich brachten, bequemte sich der mit einem guten Gedächtnis und schnellejm Äuffassungsgeiste ausgerüstete Besamte schnell an. Eine be­sondere Eigen; chg.ft des Mannes ist sein unverwüstlicher, manchmal sogar etwas herber, aber nicht verletzender Humor, den er sogar im amtlichen Verkehr anwandte. Betreffs seiner Pünktlichkeit hat ihm sein früherer Ches ein außerordentlich schmeichelhaftes Zeugnis erteilt, welches verdient, am heutigen Tage beianiu zu werden. Aus An­laß seines 60 jährigen Tielistjubikäums überreichte ihm der damalige Oberbürgermeister Gnauth Namens der Stadt eine goldene Uhr und bemerkte dabei, daß dies nicht etwa

ein Wink sein solle, denn obgleich die Gabe ein GlaS- hüttener Präzisionswerk sei, so tonne sie sich eher noch ein Muster an Demuths Pünktlichkeit nehmen, welche m der Bürgerschaft sprichwörtlich sei. Demuth war den an­dern Beamten der Stadt gegenüber stehts der liebens­würdige Kollege, der jedem gern Auskunft und Rat gab und der sich allgemeiner Achtung unb Liebe bei ihnen er­freute. Möge es dem auf feinen Wunsch in den wohlver- Oerbienten Ruhestanb tretenden treuen unb langjährigen Diener unseres stäbtischen Gemeinwesens beschieden fein, an ber Seite seiner ein Jahr jüngeren Gattin, im Kreise seiner Kinder und Enkel, geachtet und geehrt von allen Kreisen unserer Bürgerschaft," einen langen und heiteren Lebensabend zu genießen. Wir hören übrigens, daß von den Stadtverordneten und den städtischen Beamten nach den Ferien für denalten Demuth", wie man ihn in der Bürgermeisterei nennt, eine ehrende kleine Abschiedsfeier geplant sei.

** Wieder durch gebrannt ist der Knabe, von dem wir meldeten, daß er vor zwei Tagen, ohne Fahrkarte von Koblenz kommend, hier gelandet sei. Der Ausreißer war dem Hospital überwiesen worden, bis sich Gelegenheit finden würde, ihn wieder in die Heimat zu überliefern. Er hat sich das Essen und Trinken in Gießen vorzüglich schmecken lassen, suchte aber gestern mittag wieder das Weite.

** Das Ausrufen (Bekanntmachung durch die Schelle) nicht mehr zeitgemäß! - Eine interessante Entscheidung fällte das Schöffengericht in einer mecklenburgischen Stadt. Die Behörde hatte eine Bekanntmachung nur durch Ausruf zur Kenntnis der Einwohnerschaft gebracht, obwohl eine Zeitung am Orte erscheint, lieber Nichtbefolgung der in der betr. Bekanntmachung enthaltenen Vorschriften über Straßen- Reinigung erhielt ein Bürger einen Strafbefehl. Er erhob dagegen Einspruch und erzielte seine Freisprechung, weil in der Begründung das Gericht die Ansicht aussprach, daß eine Bekanntmachung behördlicher Verfügungen durch Ausrufen nicht zeitgemäß und daher rechtsunwirksam sei! Diese Ent­scheidung wird hoffentlich dazu beitragen, daß der Ausruf bald überall dahm kommt, wohin er gehört, in die Rum­pelkammer für veraltete Einrichtungen. Für die Bekannt­machungen bieten die Lokalblätter die beste Verbreitimgsart. In den Landstädten ist das 9tu§rufen noch allgemein üblich, und es mögen knapp zwei Jahrzehnte her sein, daß in Gießen noch ausgeschellt wurde. Der letzte mit dem Ailsrilfen Betraute war der heute noch im Amte stehende Ratsdiener Moll.

** Das Drachensteigen, dieses schöne Vergnügen der Jugend, beginnt, sobald der Wind über die Stoppelfelder fegt. Oft genug kommt es nun vor, daß derfliegende Drache" sich mit seinem bunten Schwänze in Telegraphendrähte ver­wickelt. Durch das Hängenbleiben wird der Telegraphen­dienst und -Betrieb sehr geschädigt, und das Strafgesetzbuch belegt laut § 318 derartige Vorkommnisse, obwohl in den meisten Fällen der kleine Sportsmann ohne Schuld ist, mit hohen Strafen: Gefängnis bis 1 Jahr refp. 9000 Mk. Geld­buße. Außerdem muß noch der Schaden getragen werden, und zwar wären es in diesem Falle die Eltern, die für der­artige Vergehen haftbar sind. Es dürfte sich empfehlen, beim Drachensteigen stets auf freie Plätze vor der Stadt zu gehen, wo Telegraphen- und Telephondrähte weniger störend in die Erscheinung treten.

** Eine liebevolle Gattin. In dem nahen Langgöns geriet hie nicht sehr sanftmütige Frau des Landwirts O., welche mit biefem auf dem Felbe mit Korn­mähen beschäftigt war, wegen einer geringfügigen Sache mit ihrem Mann in Streit. Die bessere Hälfte geriet bub ei so in Zorn, baß sie mit ber Sichel, bie sie gcrabe in ber Hand hatte, ihrem Eheliebsten eine gefährliche Verletzung an ber Vru.st Leib rächte, die, wäre bie Sichel nur noch einige Zentimeter tiefer cingebrungcn, unbedingt tätlich ge­wesen sein würbe.

/_\ Großen-Linden, 13. August. Der Bau einet Wasserleitung wird in letzter Zeit lebhaft erwogen. Als Quellgebiet wird das wasserreiche Gelände bei dem Neuhof in der Gemarkung Leihgestern in Betracht gezogen.

b Lich, 13. Aug. Eine ergötzliche Wa hltreiberei um die hiesige Bürgermeisterstelle hat sich zuguterletzt ent­wickelt. Nach verschiedenen geharnischten Wahlaufrufen mit Kraftausdrücken wiewillenloses Werkzeug",unverschämteste Lügen",Man soll den Ntorgen (sic!) nicht vor dem Abend loben",Heute Heu, morgen Stroh", kam die eine Partei zu der betrübenden Erkenntnis: Wir bekommen 60 Stimmen zu wenig, und wenn einer meint, das könne inan so genau nicht wissen, dann hieß es,ja ein paar Stimmen sind un­gewiß, es können auch 65 sein". Dadurch ließ sich aber der Gegenkandidat den Humor nicht verderben, wie man aus dem heute verbreiteten Fluglatt ersehen kann, das wörtlich lautet: Zur Bürgermeisterwahl! Aus Rücksicht für die Ge­sundheit des Bürgermeisters Heller trete ich für diesmal von der Kandidatur zurück und sage allen, welche für mich eingetreten sind, besten Dank. Lich, 12. August 1903. Karl Ludwig Vogt IV. Zwei soeben ausgegebene weitere Flugblätter enthalten u. A. folgende Stilblüten: Die Wohlfahrt fordert einen Mann, der keine zu große Selbst­ständigkeit entfaltet,er begehe einen Mord, wenn er sich aufstellen lasse", und weiter:Soll der Stadtsäckel der Ansicht dieses Herrn und seiner Treiber (armer Kandidat!) gemäß vielleicht eine Versorgungsanstalt sein?" Vermut­lich wird bei der morgigen Bürgermeisterwahl der seitherige Bürgermeister Ph. Christian Heller II. gewählt werden. Wenigstens wird dieses Wahlrejultat heute allenthalben er­wartet.

Freiensteinau, 11. Aug. Wie vor drei Wochen be> schlossen wurde, sollte auf Sonntag, 9. b. M., eine weitere Versammlung behufs Besprechung des Bahnprojekts Fulba F rei en st einau Salmünster bahier ab- gehalten werden. Waren es bei erster Zusammenkunft etwas über hundert Teilnehmer, so belief sich diesmal bie Zahl ber Besucher auf weit über dreihundert; waren damals ea. 10 Ortschaften vertreten, so diesmal 23, so daß der geräumige Saal des Gastwirts Sang die Leute kaum fassen konnte. Obwohl man sich schon nach der ersten Versammlung sagen konnte, daß unsere Bestrebung im Sinne aller Orte von Fulda bis Salmünster läge, so sollten doch die Vertreter derselben vor der Oeffentlichkeit ihre Erklärungen abgeben, einmal darüber, daß sie samt und sonders diese Bahn für eine Notwendigkeit ansehen, und zum andern, daß sie bereit sind, den gesetzlichen For­derungen genügen zu wollen. Tas ist denn auch vollauf geschehen. Um den Gang der Sache zu beschleunigen, ist