Ausland.
London, 13. April. Wie aus Kapstadt berichtet wird, Cohen die englischen Behörden eine ganze Reihe Kisten beschlagnahmt, welche Bücher über den ©üb» afr i ka krieg enthalten.
Brüssel, 13. April. Gestern wurde hier der 18. nationale Sozialistenkongreß unter Teilnahme von 592 Delegierten eröffnet. Unter den Erschienenen befinden sich Vertreter des polnischen Proletariats, der russischen und mehrere der französischen Sozialisten, ebenso der sozialistische Abg. in Luxemburg, Dr. Welser. An die sozialistischen Kongresse in Bordeaux und Budapest wurden Sympathietelegramme gesandt. Die Hauptpunkte, über die der Kongretz zu beraten hat, sind die Organisation der Sozialisten und die Forderung des allgemeinen und gleichen Stimmrechts. Nachdem die Hauptführer der Partei das Wort genommen, gelangte die Tagesordnung des Abg. Fournemont mit großer Mehrheit zur Annahme, wonach die Partei beschließt, den Generalausstand vorzubereiten, falls die Verkündigung desselben zur Erlang, ung des allgemeinenundgleichenStimmrechts -notwendig sein sollte. Als Termin für die Einbringung des Revisronsantrages in der Kammer wurde das Jahr 1904 bestimmt.
Daris, 13. April. Der Marineminister hat die ^Schließung der für die Marinetruppen bestimmten Kachel len angeordnet. Ausgenommen sind die Kapellen in chen Gefängnisanstalten und Hospitälern.
— Wie aus Lille berichtet wird, hat der Kriegsminister Beschlossen, einen Teil des Festungsgürtels nieder- fl e g e n zu lassen.
— Der Dominikaner Gaffre erregte in der Teinits- Kirche stürmische Begeisterung durch eine Predigt, in der •er unter der Maske von Herodes, Pilatus und Judas -Charakterbilder von Loubet, Waldeck-Rousseau und Combos Michnete.
— Infolge einer Beschimpfung, die der sozialistische Dbg. Walter in der Kammer gegen die Offiziere fror» -gebracht hat, haben zahlreiche Offiziere beschlossen, ,Walter zum Duell zu fordern. In verschiedenen Garnison- stadten wurde durchs Los bestimmt, wer von den Offizieren das Duell auszutragen hat.
Bordeaux, 13. April. Gestern abend hielt Jaurös «fror mehr als 4000 Zuhörern eine Rede zur Begrüßung der Mitglieder des S o zi ali st en kon gre sse s. Jaurös kam dabei auch auf die D r e y f u s - Angelegenheit zu sprechen und erllärte, es handle sich um die Verteidigung der Menschlichkeit. Der Kampf gegen die Kongreganisten müsse bis ans Ende durchgeführt werden. Zum Präsidenten des Kongresses wurde Opperiani gewählt. Auf Antrag Jaurös wurde die Absendung eines Sympathietelegramms an die deut sche Sozialdemokratie beschlossen. In diesem Telegramm wurde die Hoffnung auf einen Sieg derselben bei den nächsten Reichstagswahlen ausgesprochen. — Die Frage der DusstoßungMillerands aus der Partei, über welche der Kongreß zu beraten hat, wurde eifrigst diskutiert. Angeblich wird fron 20 Delegierten die Ausstoßung Millerands verlangt.
Madrid, 13. April. Aus Melilla (Maroceo) meldet ber Geralde": Die Verteidiger des Frajanakastells versuchten vergeblich einen Ausfall, mußten aber viele Tote und SBerrounbete zurücklassen. Um drei Uhr nachts sprengten die aufständischen Belagerer den Hauptturm und nahmen das Kastell, ein furchtbares Blutbad anrichtend. Die Verteidiger hatten fünfzig Tote intb zahlreiche Verwundete, darunter einen Pascba. Die Ueberlebenden fanden nach wilder Flucht Aufnahme in Melilla, wo die Verwundeten .in den Hospitälern untergebracht wurden. Die Nachricht .verursacht hier große Besorgnis, weil Bu Hamaras Herrschaftün Nordosten Mavokvos jetzt unbestrit ten erscheint.
Neapel, 11. April. Der Minister des Deußern Pri- netti begab sich heute nachmittag an Bord des „Marcan- tvnio Colonna" nach Sorrento, um den Besuch des Reichskanzlers Grafen Bülow zu erwidern.
Budapest, 13. April. Seit gestern tagt hier der Landeskongreß der sozialdemokratischen Partei, der fron 165 Gemeinden mit 188 Delegierten und '52 Organisationen mit 92 Delegierten beschickt ist. Zu den Beratungen sind besonders zahlreich rumänische, serbische und slovakische Bauern erschienen. Zu Ehren der Delegierten fand gestern ein Fackelzug statt.
Agram, 11. April. Mehrere hundert kroatische Gauern griffen heute das Dahnstations-<^ebäude in Ca- bresitz an, rissen die aus Anlaß des ungarischen National- festes dort angebrachten ungarischen Fahnen be rab und verbrannten sie. Gendarmen vertrieben die De- gnonstranten, wobei einige derselben verwundet wurden.
Athen, 13. April. Der deutsche Kronprinz und Prinz Eitel Friedrich kamen am 11. d. M. im Piräus an. Am Bahnhofe fron Athen wurden die Gäste front Könige, den Prinzen Nikolaus und Andeas, dem Minister des Aeußern und dem deutschen Gesandten in Athen empfangen. Der Kronprinz und Prinz Eitel Friedrich nahmen an der Ostermesse in der königlichen Kapelle teil. Gestern abend fand im Schlosse (skilcwiner statt. Der König überreichte dem ^onprinzen und dem Prinzen das Großkreuz des Erlöserordens. Bei dem Diner brachte der König in deutscher Sprache einen Trinkspruch auf die Prinzen aus, indem er seiner großen Freude über den Besuch Ausdruck verlieh, die er von ganzem Herzen willkommen heiße.
Petersburg, 13. April. Der Adjutant des Fürsten von Bulgarien, Rittmeister Gantschew, ist hier eingetroffen. Der „Nowosti" zufolge überbringt Gantschew ein eigenhändiges Schreiben des Fürste n «an den .Kaiser, welches unter Bezugnahme auf die Schipkafcier die Ergebenheit und Dankbarkeit des bulgarischen Volles zum Ausdruck bringt.
Newyork, 13. April. Der amerikanische Admiral Coghlan meldet aus Honduras, daß er den Schutz der dortigen Amerikaner dem deutschen Kanonen- boot „Panther" übertragen habe. — Nach einem weiteren Telegramm will der Da men krieg in Washington gar Tein Ende nehmen. Nachdem der Staatssekretär einer Freundin der russischen Botschafterin, Gräfin Cassini, welche bei ihr zum Besuche weilt, bat? Vorrecht verweigerte, als Angehörige der russischer, L ition bem diplomatischen Korps anzugehören, ist die russische Botschaft allarmiert, weil die Schwägerin des deutschen Gesandten Speck v. Sternberg, ob '-I ■' i' ~ ~
Aus und Land.
Gießen, 14. April 1908.
*' Personalien. Sc. Kgl. H. der Großherzog
haben den Generalmajor z. D. und Flügeladjutanten a la suite
o. Herff auf seinen Antrag von der Stelle als Ordens- kanzler enthoben und ihm in Anerkennung seiner langjährigen und treuen Dienste die Krone zum Großkreuz des Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen; ferner den Obersten z. D. Frhrn Röder v. Diersburg zum Ordenskanzler ernannt — Der Oberst z. D. Freiherr Röder o. Diersburg, sesther Flüqeladjutant, wurde als solcher unter die Großh. hessischen Ofsiziere ä la suite ausgenommen. — Wieder enthoben wurde am 2. April auf sein Nachsuchen Pfarrer Georg Groth zu Wingershausen von der ihm übertragenen evangelischen Pfarrstelle zu Romrod, Dekanat Alsfeld.
~ Personalien. Se. Kgl. H. der Großherzog haben am 28. März dem Beigeordneten der Stadt Darmstadt, Baumeister Ludwig Riedlinger, die Krone zum Ritterkreuz 1. Klasse deS Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen. — Der durch die Stadtverordneten-Ver- sammlung von Darmstadt erfolgten Wahl deS Oberingenieurs Ferdinand Ekert zu Berlin zum besoldeten Beigeordneten von Darmstadt wurde die Bestätigung erteilt. — Der Oberlehrer in Alzey, Weißgerber, wurde zum Oberlehrer an der höheren Bürgerschule zu Alzey und zum Leiter derselben mit dem AmtStitel „Sieftor' und der Oberlehrer an der Realschule zu Gernsheim, Hof, zum Oberlehrer an dem Realgymnasium zu Darmstadt ernannt. — Der Sekretär und Oberbuchhalter bei der Staatsschuldenkasie, Rechnungsrat Sieger, wurde zum Sekretär bei der Landeskreditkasie unter Belastung des Charakters als RechnungSrat ernannt — Dem Sekretär bei der Ober-Rechnungskammer, Gutmann, wurde der Charakter als Regierungsrat verliehen. — Ernannt wurde der Kanzleigehilfe Rohrmann zu Darmstadt zum Kanzlisten bei der Ober-RechnungSkammer. — Erteilt wurde dem Hauptkastenkassierer in der Hessisch-Preußischen Eisenbahngemeinschaft, Harth zu Mainz, auS Anlaß seiner Versetzung in den Ruhestand der Chvrakter als „Rechnungsrat*. — In den Ruhestand wurde versetzt der Stationsvorsteher 2. Klaste in der Hessisch - Preußischen Eisenbahngememschaft, Hacker zu Armsheim.
•* Die O stertage wären schöner gewesen, wenn nicht eine so froftige Temperatur geherrscht hätte. Im Freien konnte man sich nicht wohl ergehen. Die Osterhasen auf dem Felde froren auch und sprangen unlustig unter dem Schneegestöber, das ab und zu während der Feiertage sich eingestellt hatte, umher. Die Sonne lugte zwar ab und zu wieder hervor, aber ihre Strahlen erwärmten nicht. Dennoch war der Eisenbahnverkehr überall überaus stark. Die Züge waren oft überfüllt und erlitten dadurch meist erhebliche Verspätung. So hatte gestern abend der Schnellzug von Frankfurt, der in Gießen fahrplanmäßig 12 Uhr 30 Minuten eintreffen sollte, beinahe eine Stunde Verspätung. — Von überall her wird schlechtes Wetter gemeldet Vom höheren Vogelsberg schreibt man uns: „Grüne Weihnachten, weiße Dflem', diese Bauernregel hat sich diesmal vollkommen bewährt Am Ostersonntag war die Witterung noch schön und trocken mit etwas kaltem Wind, und Montag morgen lag auf der ganzen Erdfläche eine gleichmäßige Schneedecke in Höhe eines halben Fußes. Dazu schneit eS noch fortwährend weiter. Selbst die Vogel ziehen wieder an die Scheunen heran, vor die Fenster, auf die Miststätten usw., um Nahrung zu suchen. DaS Fahren auf den Landstraßen ist jetzt ein schwierig Ding, sowohl zu Wagen wie mit Schlitten. — Auch unser F r iedberger Korrespondent klagt über Regen, Sturm und Schneegestöber, die sich auf einmal nach der Nacht, da die Mondsinsternis war, eingestellt hatten. — Aus Darmstadt hören wir soeben telephonisch, daß dort heute, Dienstag früh 8 Uhr, fröhliches Schneegestöber herrsche. — In Fra nkf urt wurde bei einem Wirbelsturm am Zelt- zirkuS Maximilian, der seit SamStag Abend Vorstellungen giebt, ein Teil der Bedachung abgerissen. Ein Holzpflock stürzte in den Orchesterraum und traf zwei Musiker am Kopf, die von der Rettungswache in bewußlosem Zustand nach dem städtischen Krankenhaus verbracht wurden. — In Halle a. d. S. herrscht feit Montag morgen starker Schneefall. — Auch in Würzburg war nach kleinen Schneewehen am Sonntag abends bei 0 Grad starkes Schneetreiben. — In Marseille stürzte infolge des herrschenden Stnrmes auf dem Turnplätze ein Gerüst zusammen, wodurch neun Turner mehr oder weniger schwere Verletzungen erlitten. — Aus Budapest kommt die Meldung, daß der infolge anhaltenden RegenS angeschwollene Ternowafluß einen großen Teil der Stadt Csakathurn im Komitat Zala überschwemmte. Die Flußdämme wurden von Militär verstärkt. An der steyerischen Grenze wurde ein Eisenbahndamm fortgeschwemmt. Der Bahnverkehr ist unterbrochen.
*• In unserem Stadttheater eröffnete am lustigen zweiten Ostertage ein ostdeutsches Operettenensemble einen Zyklus von Vorstellungen und zwar, wie wir gleich im Voraus sagen wollen, mit schönstem Erfolge. Der gestrige gut besuchte Abend brachte uns Millöckers an köstlichen Melodien- schätzen reichen und darum unverwüstlichen „Bettelstudent*. Außerordentlich, ja man könnte geradezu sagen: vorbildlich flott war das Zusammenspiel, das prächtige Einzelleistungen bot und stürmischen Beifall fand. Die beiden Studenten- partien gaben den Herren Sommer und Nolte hinreichende Gelegenheit, musikalische? und schauspielerisches Können zu zeigen. Beide besitzen schöne Stimmmittel und bemerfcnSrocrtc vortreffliche Schulung. Die Damen Stöger und Barth waren Komtessen von sehr vorteilhafter Erscheinung und pikanter Koketterie und trugen der Polinnen Reize mit Anmut zur Schall. Sie entzückten in gleicher Weise durch ihr sehr lebendiges Spiel, ihr heiteres und liebenswürdiges Temperament, wie dlirch ihre klangvollen unb reinen, höchst umfangreiche Stimmen. Da? Duett „Ich fetz den Fall* fand brausenden Beifall. Der Darsteller des Oberst Ollendorf, Herr Bruck, bot ebenfalls eine auch gesanglich recht annehmbare Gesamtleistung. Man sah's im Ganzen den Herrschaften auf der Bühne an, von denen wir noch bie Damen Schatz und Kaldern und Herrn Ganzert zu erwähnen haben: sie waren mit Leib und Seele, mit Kopf und Kehle bei der Sache. Man war im Ganzen höchst befriedigt unb die Stimmung deS Publikums war geradezu sestllch animiert. Herr Kaoellme.ster Schatz dirigierte mit Energie, Schwung unb Lebhaftigkeit und verstand e5, die wünschenswerte Einigkeit zwischen den Sängern und der Kapelle herzustellen. Di? Kostüme sind durchweg geschmackvoll unb elegant Man hat
also eine köstliche Operettenauslese als pikante Nachspeise nach dem langen winterlichen Lustmahle zu erwarten.
- Besihwechsel. Herr C. Helder, Restaurateur im Restaurant „Hohenzollern* an der Bahnhofstraße hier, en warb den „Römischen Kaiser" in Wetzlar mit sämtlichem Inventar rc. für 60000 Mk. Die Uebernahme erfolgt morgen bereits.
**LandwirtschaftlicheAusstellung. Die unS von unterrichteter Seite mitgeteilt wirb, tagte am vergangenen Samstag unter dem Vorsitz bes Herrn Bürgermeister Stahl ber Bau- unb Plat^ausschuß für bie vom 10. bis 15. September d. I. ftattfinbenbe landwirtschaftliche Ausstellung, um sich über bie Platzfrage schlüssig zu machen. Ta man erfahrungsgemäß einen Raum von 8—10 Morgen vorsehen muß, kamen nur zwei Plätze in Betracht, unb zwar bie Marktanlagen an ber Rodheimerstraße, unter Zuziehung der angrenzenben Haubackscken Diese, ober ber jogenannte Trieb an ber Grünbergerstraße. Man war sich bewußt, baß ber erstgenannte Platz durch seine günstige Lage direkt an ber Stadt und bie nahe liegende Ausladestelle für das mit der Eisenbahn ankommende Vieh, für die Ausstellung sowohl, als für bie Stadt — einerseits — unbedingt den Vorzug verdiente; andererseits mußte aber zugegeben werden, daß durch bie unmittelbare Nähe der Schlachthäuser, sowie durch die bis kurz vor der Ausstellung auf diesem Terrain stattsindenden Diehrnärkte eine gewisse Gefahr der Verschleppung bezw. Ansteckung von Seuchen für das sehr wertvolle Ausstellungsvieh im Gefolge haben könnte, für die man die Verantwortung nicht übernehmen wollte. Außerdem besteht ber in Frage kommende Platz zum größten Teil aus tief gelegenen Mesen, bie bei cintrctenbcm Regen Wetter als Stallungen sowohl als auch als Aus- stellungsplatz nicht geeignet sein bürsten. So hat man sich nach reiflicher (^Wägung unb nachdem beide Plätze eingehend geprüft und in Augenschein genommen waren, irt Berücksichtigung der schönen freien Lage und der Ausdehn- unasfähigkeit, sowie des bereits vorhandenen planierten Bodens sich einstimmig für den Trieb entschieden unb beschlossen, dem geschäftsführenden Ausschuß denselben als den geeignetsten Matz zu empfehlen.
** Der Postpaketverkehr war, wie uns berichtet wird, diesmal wahrend der Osterwoche außergewöhnlich stark, namentlich in größeren Städten, wie Mainz, Cöln rc. Auch hier fuhr in den letzten Tagen der Woche morgens ein Paketbestellwagen mehr wie gewöhnlich Die Versendung von Dfterfarten bürgert sick immer mehr ein. Am Samstag vor Feiertag hatten gegen abend einzelne Geschäfte ihren Vorrat an Oster karten zum Teil ausverlauft.
•• Rechtschreibung in der Schule. Die Ministerial- abteilung für Schulangelegenheiten hat am 27. März laufenden Jahres folgende Verfügung an sämtliche unterstellten Behörden gerichtet: Nach eingelaufenen Mitteilungen hat man an manchen Schulen die Absicht, bereits vor dem in unserem Amtsblatte vom 30. Dezember v. I. bezeichneten Zeitpunkte alle in der alten Rechtschreibung gedruckten deutschen Lesebücher außer Gebrauch zu setzen, bezw. nicht zum Gebrauch zuzulaffen. Eine solche Maßregel, welche der Absicht des angezogenen Amtsblattes direkt zuwiderlaufen und sowohl den Eltern der Schüler wie dem Buchhandel zum Teil recht erhebliche Geldopfer auferlegen würde, können wir nicht gut heißen. Wir empfehlen Ihnen vielmehr, für genaue Be- folgung der Bestimmungen vom 30. Dezember strengstens Sorge zu tragen.
§ Großen-Buseck, 13. April. Die älteste Einwohnerin unseres Dorfes, Frau Karoline Hunsinger, wurde gestern beerdigt. Sie hatte das seltene Alter von fast 95 Jahren erreicht.
(!) Friedberg, 12. April. Die schon mehrere Jahrr geplante Verlegung deS Güterbahnhofs nach Fauerbach zu ist nun endlich ihrer Verwirklichung näher gerückt. Die Bahnbehörde hat dieser Tage größere Geländekomplexe erworben. Wie man hört, wurden bereits über 200 000 Mk. verausgabt und den Besitzern, da eS sich teilweise um Baugelände und sehr gutes Ackergelände handelt, bis zu 4 Mk X qm geboten.
Z. Laub ach, 13. April. Die BahnstreckeLaubach- Mücke geht ihrer baldigen Vollendung entgegen. Gegenwärtig ist man mit den letzten Arbeiten am Oberbau unb mit dem Legen der Geleise beschäftigt. Auch die erforderlichen Stattonsgebäude sind soweit fertig gestellt. Außer den Stationen Freienscen und Stockhausen-Lardenbach wird in dem Wald zwischen hier und Freienseen eine Holzverladestelle errichtet, die möglicherweise auch dem Personenverkehr mit dem-Dorfe Gonterskirchen dienen soll. Eins hat sich schon jetzt gezeigt, die Hvlzpreise in den ausgedehnten Buchenwäldern Zwischen Laubach, Freienseen unb Weickartshain finb in diesem Winter um fast ein Drittel in die Höhe gegangen. Die größten Geländeschwierigkeiten der Strecke liegen zwischen hier und Freienseen. Eine hohe Eisenbahnbrücke führt über die Straße nach Schotten. Dor Freienseen war ein tiefer Einschnitt mit anschließendem Tunnel durch einen Basaltrücken, Stafft genannt, erforderlich, an den sich beim Eintritt ins Seenbachtal ein hoher Damm anschließt. Don hier aus bietet das Terrain keine erheblichen Schwierigkeiten; die Bahn folgt dem Seenbach an den Orten Lardenbach, Weickartshain, Stockhausen unp Flensungen vorbei bis Station Mücke an der Lberhcfsischen Bahn. Die neue Strecke hat eine Länge von ungefähr nur drei Stunden. Dio Eröffnung soll am 1. August erfolgen. Es besteht die Absicht, später den Verkehr der drei Teilstrecken Friedberg-Hungen, Hungen Laubach unb Lmbach- Mücke alS burck)gehend einzurichton.
R.B. Darrn st adt, 14. April. (Privattelegramm des .Gieß. Anz.^) Ein beklagenSwettcr Unglücksfall ereignete sich gestern abend 6 Uhr auf der Nebenbahn Darmstadt- Arheilgen. Als der Zug 52 in die Nähe von Arheilgen kam, wurde der 3'-/,jährige Knabe der Witwe Korb von Arheilgen überfahren und getötet. Der Knabe spielte mit anderen Kindern ohne Aufsicht auf einem Sandhaufen in der Nähe deS BahngeleiseS. Als der Zug sich näherte- rutschte er auf das Geleise herunter und wurde von den beiden letzten Wagen erfaßt und zerstückelt. Vom Zugpersonal wurde von dem Vorfall nichts bemerkt.
sä. Darmstadt, 14. April. (Privattelegramm deS .Gieß. Anz.^) Tie Leiche deS in der Nacht vom 5. zum 6. April durch den Eisengießer Braun auS Münster in einem Streite in die Gersprenz gestoßenen Pflasterers Müller aus EppettShausen wurde am SamStaq mittag nach längerem Suchen in der Gersprenz gelandet. Tie Leichensektion wurde in Anwesenheit der gerichtlichen Behörden und des Täters Braun m Münster am Sonntag oorgenommen.
R. B. Darmstadt. 12. Apru. Der Heute abend ta


