Ausgabe 
14.1.1903 Erstes Blatt
 
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und Landwirtschaften die WinterMonate. In Teutsch- Südwestafrika, wo es beinahe gar nicht regnet, wächst ohne künstliche Bewässerung nichts, eS sei denn im Distrikt Oka- handja, der ausreichend Grundwasser hat.

Austanö.

Paris, 13. Jan. Die Kammer wählte heute zum ersten Präsidenten Leon Bourgeois mit 336 Stimmen. Bei der Wahl der vier Vizepräsidenten der Kammer wurde im ersten Wahlgang der Radikale Etienne mit 373, der Radikal­sozialist Locnoy mit 355 und der Gemäßigte Guillain mit 238 Stimmen gewählt. Zwischen dem Sozialisten Jaurös, der 214 Stimmen, und Renault-Morliore, der 204 Stimmen erhielt, ist Stichwahl nötig. Ein neuer Wahlgang ergiebt sür Jaurös wieder 214 Stimmen, dagegen ist die Stimmcn- zahl sür Renault Morliöre auf 196 zurückgegangen. Jaurös wird als gewählt verkündet. Die Linke, an ihrer Spitze Minister Peiletan, applaudiert stürmisch und beglückwünscht Jaurös. Aus der Mitte der Teputiertenkammer ruft ein Abgeordneter: Es lebe Elsaß-Lothringen!

Marseille, 13. Jan. Hier wird der Plan erwogen, ine Kolonialausstellung zu organisieren. Tie zu diesem Zweck ernannte Kommission hat bereits eine Sitzung abgehalten, zugleich mit der Kolonialausstellung auch eine Marineausstellung zu veranstalten.

Wien, 13. Jan. In der heutigen Gemeinderats­sitzung kamen die letzten Arbeitslosendemonstra- tion en in einer an den Bürgermeister gestellten Anfrage zur Sprache. Hierbei antwortete Dr. Lueger mit einer -längeren Rede, in welcher er den Sozialdemokraten vorwarf, daß sie die Exzesse angestiftet hätten. Dem sozialdemo­kratischen Gemeinderat Reumann, der dem Bürgermeister antworten wollte, wurde infolge lebhafter Proteste das Wort nicht erteilt, weshalb er dem Bürgermeister be­leidigende Worte zurief. Es kam zwischen der Mehrheit und der Opposition zu lebhaften Szenen, sodaß die Sitzung unterbrochen werden mußte. Wad) Wiederaufnahme der Sitzung wurde der Tisziplinaraussa) berufen, welcher den Sozialdemokraten Neumann von der heutigen und den nächstfolgenden drei Sitzungen ausschloß.

Petersburg, 13. Jan. Ter Muikärattachee bei der deutschen Botschaft Freiherr von Lüttwitz, reiste heute abend mit den Herren des russischen Ehrendienstes, Ge­neralleutnant Fürst Nicolaus Tolgoruky, Flügeladjutant Schuwalow und oem Leutnant bei der Ehevaliergarde Fürst Kantakuzene zur Begrüßung des deutschen Kron­prinzen nach der Grenze.

Im Budgetoerichte hebt der Finanzminister hervor, daß das Reichs budget sür 1903 ebenso wie in den Vorjahren einen günstigen Abschluß darbiete. Tie allgemeinen Bedingungen, unter denen die russisck)e Volks­wirtschaft lebe, weisen augenscheinliche Anzeichen einer Wendung zum Besseren auf. Unter diesen Beding­ungen erwähnt der Minister in erster Linie die g ü n st ig e Ernte des Jahres 1902, deren Gesamtertrag an Kom-> früchten höher als der Ertrag der besten Erntejahre des letzten Jahrzehntes sei und den Durchschnittsertrag für diesen Zeitraum um mehr als 27 Prozent übersteigt. Ueber die Entwicklung des Geldmarktes bemerkt der Budget­bericht: Wenn and) das Gleichgewicht zwischen Kapital- angebot und Nachfrage nod) nicht wiederhergestellt sei, so sei dock) für das Jahr 19U2 sowohl in Rußland, wie im übrigen Europa in dieser Hinsicht eine wirkliche Besserung festzustellen. Ter Finanzminister ist jedock) weit entfernt davon, dieser günstigen Erscheinung übertriebene Bedeutung beizumejsen, umsomehr als aujf) die Möglichkeit nicht fron der Hans zu weisen ist, daß in Zukunft etwaige in änderet: Ländern auftretende finanzielle Verwicklungen auch aus den russischen Geldmarkt eine gewisse Rückwirkung ausüben könnten.

Ter russische Finanzminister beabsichtigt, die den ausländischen Handlungsreisenden auserlegte Steuer von 650 auf 200 Rubel zu ermäßigen.

Washington, 13. Jan. Tas Komitee des Repräsen­tantenhauses für Mittel und Wege beschloß, dem §auje ein Gesetz vorzulegen, nach dem ein Jahr hindurch ber der Einfuhr aller Arten Kohlen aus dem Aus-» land ein Rabatt in der Höhe des Zollsatzes gewährt werden soll.

Seit Beginn des Jahres findet ein starker Ge­treidetransport statt; es wurden annähernd sechs Millionen Bushel ausgeführt. Ter Kohlenmangel macht sick) infolge der starken Kälte empsindlick) fühlbar, und ist die zeitweilige Aufhebung des Kohlerrzolls zu er­warten. Tie Washingtoner Regierung unterstützt an­scheinend Castro in seinem Verlangen, daß die Blockade aufgehoben werden müsse, bevor nod) das Protokoll, durch welches die Angelegenheit dem Haager Tribunal unter­breitet wird, unterzeichnet ist.

Aus Stadt und Kund.

Gießen, den 14. Januar 1903.

* Gedenktage. In Hannover starb am 14. Januar 1874 der Astronom Johann Heinrich von Mädler, welcher besonders den Mond zum Gegenstände wissenschaft­licher Untersuchung machte. Durch seine auf Messungen be­ruhenden Karten der Mondoberfläche haben wir die Beschaffen­heit dieses Himmelskörpers naher kennen gelernt Von seinen Werten seiDer Wunderbau deS Weltalls" erwähnt

-Aufsichtsrat der Hessischen Hypotheken- bank. DieFranks. Ztg." bestätigt heute das hier bereits seit mehreren Tagen kursierende Gerücht, daß vom Finanz­minister Professor Biermer in den Aufsichtsrat der Hessi­schen Hypothekenbank berufen worden ist, welchem Ruf Biermer durch Annahme des Amtes entsprach.

In der Gesetzgebungskommission der II. Kammer wurde, derFranks. Ztg." zufolge, der Re­gierungsantrag angenommen, wonach den OrtSarmen- verbänden der Gemeinden das Recht zustehen soll, die Entmündigung von Trunksüchtigen und Ver­schwendern zu beantragen.

Ein hessischer LandeSwohnungSinspektor. Der Generalsekretär des Rheinischen Vereins zur Förderung des Arbeiterwohnungswesens, Arthur Gretzschel in Düssel­dorf, ist als hessischer Landes-Wohnungsinspektor nach Darm­stadt berufen worden.

Der Eisenbahnminister hat die Eisenbahndirek- tionen zur Aeußerung darüber aufgefordert, ob es sich em­pfehle, von der Erhebung emec zweiten Platzgebühr in -Zügen Abstand zu nehmen, wenn em Reisender von einem T,-Zug in den andern steigt

* Wohltätig keitS^ Konzert. Wie wir hören, wirb der Kronbauersche QuartetdjVerein auch in diesem Jahre wieder auf Anregung der städtischen Verwaltung hin ein Konzert veranstalten, dessen Ertrag, wie in den vorausgegangenen Jahren, zur Verabreichung warmen Frühstücks an bedürftige Kinder unserer Stadt verwendet werden soll. Ter schöne Zweck erübrigt jeden weiterem Hinweis, hinzufügen wollen wir nur noch, daß das Konzert am Sonntag den 25. Januar, nachmittags 5 Uhr, im Saale des Gesellfchaftsvereins stattfindet und die Villets vom 20. ab bei Herrn Challier ausgegeben werden.

* * Aus dem Theaterbureau. DieSchlier- feer" setzen morgen (Tonnerstag) ihre Vorstellungen mit einem ihrer besten Stücke, demH e r r g o tt ö s ch ui tze r von Am m er gau", fort Am Freitag findet das letzte Gastspiel des berühmten Bauern-iEiisernbles statt

* * Kanarien-Ausstellung. Tie Vorbereitungen für die vorn VereinKanaria" geplante, in den Tagen vom 23.25. d. M. im Einhorn-sHotel stattfindende große Bogelausstellung sind bereits in vollem Gärige. Außer einer sehr zahlreichen Kollektion der edelsten Konkurrenzsänger, welche von den Mitgliedern des Vereins zur Ausstellung kommen, wird MÖller-Ängersbach mit seinen Lieder pfeifen­den Tompsasfen, sowie anderen Finkenarten die Ausstellung beschicken. Ter Verkauf der Lose ging bisher sehr flott, sodaß zii hoffen ist, daß am Eröffnungstage der Ausstellung der Sofevurrat vergriffen fein wird.

*' Meisterprüfungen. Heute begann an der Großh. Gewerbeschule ein Ausbildungskursus für Vor­bereitung zur Meisterprüfung. Die Anmeldungen zur Teilnahme sind sehr zahlreich eingelaufen; die Gebühren für den Kursus betragen 10 Mark. Der Unterricht beschäftigt sich mit allen bei der Meisterprüfung in Betracht kommenden Fragen und schriftlichen Aufgaben. Der Kursus schließt am 13. Februar. Rach Gewerben haben sich eingefunben: 7 Schreiner, 1 Glaser, 3 Schlosser, 1 Wagner, 1 Weiß­binder und Lackierer, 1 Bäcker, 1 Metzger, 4 Maurer, 1 Spengler und Installateur, 1 Buchbinder. Es kamen acht atls Gießen, 2 aus Lollar, 6 aus Wieseck, 1 auS Alten- schlierf, 1 aus Ronnenroth, 1 aus Großen-Buseck, 1 aus Nidda, 1 aus Sellnrod, 1 aus Heuchelheim, 1 aus Klein- linden und 1 aus Groß-Felda gekommen sind.

Bismarckturm auf dem Taufstein. Die hie­sige Sektion Taufstein des Vogelsberger Höhenklubs teilt uns mit, daß die von ihr veranstaltete Sammlung zur Errichtung eines Aussichtsturmes auf dem Taufstein, soweit sie sich bis jetzt überschauen läßt, vorn besten Erfolge begleitet ist. In Oer heutigen Nummer unseres Blattes beginnt die Sektion über die an sie zurückgegangenen Sammellisten und den darauf gezeichneten Beträgen zu quittieren. Von den un­gefähr 130 Listen, die abgeschickt wurden, sind rund 40 zurückgegeben. Die Zeichnungen haben auf ihnen die Höhe von etwas mehr als 1500 Mr. erreicht, eine recht ansehnliche Summe, die sich sicher nach Rückgabe der noch ausstehenden Listen beträchtlich erhöhen wird. Trotzdem bittet die Sektion, an dieser Stelle noch einmal eindringlich zur weiteren Bei- steuer aufzufordern, gilt es doch einem im doppelten Sinne guten Zweck.

Die Großh. Hessische Verordnung, die Ge­bühren der Rechtsanwälte betreffend, vom 22. Januar 1902, erläutert und für den praktischen Gebrauch bearbeitet nebst 4 Gebührentabellen von Dr. Otto Lichten, Rechtsanwalt in Mainz, ist soeben im Verlage von I. Diemer in Mainz erschienen. Seit Inkrafttreten des 9leuen Bürgerlichen Gesetz­buches im Zusammenhang mit den hessischen Ausführungs­bestimmungen ergab sich die Notwendigkeit der Umgestaltung des Gebührenwesens der Rechtsanwälte im Landesrechts­gebiet. Diese Ausgabe der neuen Verordnung hat sich als Ziel gesteckt, die Gebührenvorschriften zu erläutern und ins­besondere für den praktischen Gebrauch dienstbar zu machen. Die Neuheit und Schwierigkeit einer Reihe von Materien haben das Bedürfnis heroorgerufen, möglichst ausführlich zu sein und durch Beispiele die Vorschriften anschaulich zu machen. Ein ausführliches Sachregister erleichtert die Hand­habung des Buches.

* Haftpflicht der Eisenbahn. Die Frage, ob der Eisenbahnfiskus für eine durch Hinfallen auf dem Bahnsteig verursachte Körperverletzung eines Reisenden hafte, ist oom Reichsgericht für den Fall bejaht worden, daß ein Reisender mit einem verspätet eingetroffenen Zuge angekommen und sich, von dem Schaffner zur Eile aufgefordert, zur Lösung einer Fahrkarte für feine mit dem nämlichen Zuge beabsichtigte Weiterfahrt in das Bahnhofsgebäude begab und auf seinem Rückwege nach dem zur Abfahrt bereitstehenden Zuge m der Eile über einen auf dem Bahnsteig stehenden Eisenbahn- Gepäckkarren stürzte, wodurch er sich eine Knieverletzung öU5°** Schiffsjungen für die deutsche Marine, diejenigen, welche sick) als Schiffsjungen bei der deutschen Marine stellen wollen, können von dem Schriftführer des Vereins, I. Schad, Gießen, Weserstraße 91, die erfordere lichen Nachweise erhalten. x

(j) Grüningen (Kteis Gießen), 13. Jan. Lehrer Eckel, der über 25 Jahre in unserem Städtchen segens­reich gewirkt hat, beabsichtigt in Kürze in den Ruhestand zu treten. Im Frühjahr soll mit dem Neubau eines Schulhauses begonnen werden; dasselbe soll zwei Säle und zwei Lehrerwohnungen enthalten.

)( Heuchelheim, 13. Jan. Ein junger Mann von hier, der auf der Ziegelei bei Kinzenbach in Arbeit stand, wurde am gestrigen Mittag durch herabstürzende Erb­massen verschüttet. Der Verunglückte hat neben Arm- und Seinbrüdjen wahrscheinlich auch bedeutende innere Verletzungen erlitten.

X Crumbach (am DünÄberg), 13. Jan. Der Pfarrer Hamann wurde bekanntlich int vorigen Herbst auf feinen Wunsch nach Hermcmnstein bei Wetzlar versetzt. Unter den Bewerbern um die hiesige Pfarrstelle wurden vier Herren zu einer Probepredigt etngeladen. Die Kirchenvertretung von Crumbach-Frankenbach, welche in diesen Tagen zu einer Sitzung einberufen war, hat sich für vfa£rer Kuntz aus Klingelbach (Regbzk. Wiesbadep entschieden. Wie wir hören, wird mit Schluß deS Schuljahres der hiesige Lehrer Will fortgehen, um eine Scheck stelle in Frankfurt a. M. anzunehmen. Der Weggang des tüchtigen Lehrers wird allgemein bedauert.

Mainz, 13. Ion. In der heutigen Sitzung des Pro- vinzial-^Ausschusses wurde die Enteignung des Eisenbahngeländes auf der Petersau ausgesprochen, nachdem die Eisenbahnverwaltung den Nachweis erbracht hatte, daß die Grundeigentümer init ihren von dem Prv-

Vinzial-Ausschusse festgesetzten Ansprüchen befriedigt taorben waren. Morgen, den 14. Januar, feiert der Rottenführer Karl Wolf von Weisenau sein 25jähriges Jubiläum als Arbeiter in der Hauptwerkstätte der Preuß. und Hess. Staatseisenbahn. Die Deputation der Mainzer Sparkasse hat von dem Reservefonds aus dem abge-< laufenen Jahre der Stadt ehua 60000 Mk. der Stadt M ainz für ge meinnützig e Zwecke zur Verfügung ge­stellt, über deren Verwendung die Stadtverordnetenvetr- sammlung demnächst beschließen wird. Tas christlich« Gewerkschaftskartell ist in einem Gesuche bei der Bürger^ meqterei dahin vorstellig geworden, das Gewerbe­gerichts st atut über die Wahl dahin abzuändern, daß ui Zukunft die Verhältniswahl eingeführt werde, damit auch die Minoritäten zur Vertretung gelangen. Gestern meldete sich auf der Polizei der Schüler einer höheren Lehranstalt in Hannover mit der Selbstanklage, daß er seinen Eltern eine Summe von 120 Mk. unterschlagen habe. Tas Geld sei nunmehr alle geworden und er wolle zurück nach Hannover. Es wurde festgestellt, daß der Junge vor zirka 12 Tagen von seinen Eltern eine Summe von 120 Mk. zur Bezahlung von Schulgeld re. erhalten hatte, damit nach Berlin durchgevrannt war, einige Tage später nad) Frankfurt am Main und bann nach Mainz fuhr, um den schönen Rhein zu sehen. Ein hiesiges Di e n st in ä d ch e n, das 1500 Mart Barvermögen besaß, machte die Betanntschast eines Schiffers und ließ fid) überreden, mit ihm auf Reisen zu gehen. Nach einer nunmehr hierher gelangten Nachricht hat der Schisser das sDiäbd)en, nachdem er das Geld in kurzer Zeit durchgebracht hat, in einer benachbarten Stadt mittellos sitzen lassen.

Worms, 15. Jan. Am Bahnhofneubau stürzte gestern nachmittag beim Herrichten eines Gerüstes ein Maurer aus Gimbsheim oom Gerüst herab, infolgedessen er beide Unterfchenkel brach. Der Verletzte mußte in das städtische Krankenhaus verbracht werden. Die Handelskammer wählte in ihrer heutigen Plenarsitzung einstimmig das seit­herige Präsidium und zwar die Herren Kommerzienrat Baruch zum Präsidenten und Fabrikant Koelsch zum Vize­präsidenten wieder. In die Fmanzkonimission wurden ge­wählt die Herren Koelsch, Kommerzienrat Langenbach, Lauben­heimer, Oertge, Rauch, in die Verkehrskommission die Herren Braun, Dörr, Eberhard, Schill und Alfred Walter.

Frankfurt a. M., 13. Jan. In der heutigen Stadt­verordnetenversammlung fand eine lebhafte Debatte über den demokratischen Antrag, den WahlzensuS für die Ge­meindewahlen auf 900 Mark (bisher 1500 Mark) herabzusetzen, statt. Der Antrag wurde schließlich mit 25 gegen 28 Stimmen abgele hnt.

() Frankfurt a. M., 13. Jan. Der 22 Jahre alti Kanonier Seipel vom 27. Feldartillerie-Regt., der, wie wir bereits meldeten, burd) einen Schlag des Pferdes seines Hauptmannes, bei dem er Bursche war, schwer verletzt ivurde, ist heute im Garnisonlazarett Bockenheim an den Folgen oes Unfalles gestorben. Die hiesige Orts­gruppe des deutschen Schrift st eller-Verbaiids, hielt am Sonntag nachmittag in der Restauration Wolf ihre Jahresversammlung ab, in der u. a. beschlossen wurde, noch im Laufe des Winters zum Besten desSchiller­bundes deutscher Frauen" (Schillerstiftung) eine größere dramatisch-musikalische Abendunterhaltung zu veranstalten. An die Versammlung schloß sid) eine literarische Unter­haltung- deren Kosten diesmal einzig Herr Justizrat Mül­ler aus Aschassenburg (Müller-Amorbach) bestritt; er las nämlich sein prächtiges SpeisartmärchenSd)litzohr" (im Verlage von Hausmann in Aschassenburg erschienen) vor und erzielt damit einen bedeutenden künstlerischen Erfolg. Den Schluß machte ein gemeinsames Nachtessen der Mit­glieder und Gäste, das außer den gewöhnlichen noch manche literarischen uno musikalischen Genüsse bot.

Aschaffenburg, 8. Jan. Nachdem bereits voriges Jahr ein Teil der schönen Burgruine bei Stadtpro­zelten einstürzte, erfolgte dieser Tage durch den steten Re­gen ein weiterer Nachrutsch der nördlick)en Umfassungs­mauer. Der wegen seiner Schönheit viel besuchte Bau droht so durch weitere Zerstörungen verwüstet zu werden.

Marburg, 13. Jan. Ueber den Verein zur He, bung des Fremdenverkehrs schreibt dieOberh. Ztg.": Im verstossenen Jahre Eonnte dem gewünschten Woh-t nungsnachweis wegen des infolge des lebhaften Zuzugs verminderten Angebots von Logis verschiedentlich nicht in genügendem Maße entsprochen werden, besonders machte sich ein Mangel an 56 Zimmerwohnungen, die den Anforde^ rungen der Neuzeit entsprechend eingerichtet find, fühlbar Recht lebhaft war auch die Nachfrage wieder nach kleinen Villen mit 78 Zimmern. Im Interesse einer gesunder Weiterentwicklung unserer Stadt ist es gewiß erfreulich, daß nunmehr begründete Aussicht wr Abhilfe der mangel­haften Verkehrsverhältnisse burd) Anlage einer Pferdebahn besteht, auch ist zu hoffen, daß die für dieses Jahr vorge­sehene Neupflasterung mehrerer Hauptstraßen manchen be­rechtigten Ausstellungen in dieser Hinsicht Einhalt tut, besonders wenn auch eine vermehrte Sorgfalt,chlf Reini Haltung derselben verwendet wird. Viele Wunsche des Marburger Verkehrsvereins werden auch in Gießen laut werden und dem Gießener Verkehrsverein eiine Direktive für seine ersten Verbesserungen der Verkehrsverhältnisse rc. aeben. . .

a. Marburg, 13. Jan. Ter Kultusminister hat die Errichtung einer T esin f e kt o r en schu le hierselbst ge­nehmigt, für deren Besuch u. a. solgenbe Vorschriften gelten. 3n der Regel werden nur solche Bewerber zur Ausbildung zugelasfen, deren Anstellung als öffentlicher Tesinfektor seitens einer Gemeinde in Aussicht genommen ist. Zu einem Kursus werden höchstens 10 und nicht weniger als 3 Schüler einberufen. Die Ausbildung erfolgt in dem Institut für Hygiene und experimentelle Therapie der hiesigen Univer­sität. Sie ist eine theoretische und praktische und umfaßt einen Zeitraum von 68 Tagen. Tie praktischen Hebungen werden in der städtischen Desinfektionsanstalt ausgefübct. Tie einheitliche Leitung des ganzen theoretifch^raktifd)en Ausbildungskursus liegt in den Händen des Vorstehers der hygienischen Abteilung deS genannten Instituts. Tie Prü­fung zerfällt in einen theoretischen und praktischen Teil. Sogleich nach Schluß der Prüfung wird den Prüflingen, die bestanden haben, ein FäyigkeitszeugniS als staatlich ge­prüfter Tesinfektor ausgestellt. Tie Ausbildung geschieht unentgeltlich. An Prüfungsgebühren sind 10 Mk. zu zahlen.

Kassel, 13. Jan. Der Arbeiter Sdenbach, der sich in angetrunkenem Zustande befand, folgte seiner Frau auf ihre Arbeitsstätte in der Mönchebergerstraße, wo es zu einem Streit zwischen den beiden kam. Hierbei zog Odenbach einen Revolver und gab zwei Schüsse au£ ferne Frau ab die im Unterleib tüt'ich verletzt wurde rnb nach dem Landes-