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NolitWe Tagesschau.
Die deutsch-ostasiatische Vesahnngstrnppe.
Nach der neuesten Aufstellung hat jetzt unsere ostasia- ische Besatzungsbrigade eine Stärke von 111 Offizieren, 19 Sanitätsoffizieren, 51 oberen Beamten, 12 unteren Beamten und 2377 Mannschaften, hinzu kommen 1348 Pferde. Bor der kürzlich erfolgten Reduzierung der 'Brigade betrug die Stärke derselben 219 Offiziere, 51 " anitätsoffiziere, 84 obere Beamte, 18 untere Beamte, 44 2 Mannschaften und 1964 Pferde. Im September d. Js. muß ein großer Teil der Mannschaften, deren Dienstverp' rchtung zu Ende geht, abgelöst werden. Der Ersatz soll wie 1902 so hoch bemessen werden, daß er zur Deckung des bis zur nächsten Ersatzgestellung zu erwartenden Abgangs ausreicht. Die bisherigen Kriegsgebührnisse sollen vorläufig im allgemeinen weiter gewährt werden; erhöht sind entsprechend der Einkommensaufbesserung im Frieden die monatlichen Besoldungssätze für Oberroßärzte, Roßärzte und Zeughausbüchsenmacher. Wann die Zurückziehung der noch bestehenden Teile der Brigade erfolgen kann, läßt sich heute noch nicht sagen. Sie hängt, wie offiziell bemerkt wird, von der weiteren politischen Entwickelung ab. An Teuerungszulagen erhalten bi» Offiziere und oberen Beamten täglich 10 Mk., 4 9PP in? unieren Beamten und Portepe-Unteroffiziere, 1,75 Mk. die übrigen Unteroffiziere und 1 Mk. die Gefreiten und Gemeinen. In Peking soll bekanntlich ein massives Lazaret für die Schutztruppe der deutschen Gesandtschaft gebaut werden. Zur Unterbringung der Kranken dienen zurzeit Döcker'sche Baracken. Diese Unterbringung ist nur ein Notbehelf, die auf die Dauer aus gesundheitlichen Rücksichten nicht bcibehalten werden kann. Die erheblichen Temperaturschwankungcn von — 20 Grad bis + 45 Grad C., sowie die außergewöhnlichen Unterschiede im Feuchtigkeitsgehalt der Luft machen es notwendig, die Kranken in massiven, den Witterungsverhältnissen angepaßten Gebäuden unterzubringen. Zudem werden die an sich sehr teuren Baracken unter dem Einfluß der ungünstigen Witterungsverhältnisse schnell abgenutzt und erfordern dabei bedeutende Unterhaltungskosten. Auch ist für die an Infektionskrankheiten Leidenden — in Peking herrschen zahlreiche gefährliche Infektionskrankheiten -- eine besondere Behandlung in festen Gebäuden dringend erforderlich zur Pflege der Kranken ivie zur Verhütung der Weiterverbreitung der ansteckenden Krankheiten.
Vermischtes. x
• Innsbruck, 13. Jan. Zwischen Pians und Strengen erfolgte vorgestern ein bedeutender Erdrutsch. Der Bahnverkehr wurde unterbrochen. Von Innsbruck wurde ein eigener Schnellzug nach Wien abgelassen.
* Shanghai, 13. Jan. Infolge eines Erdrutsches stürzte gestern in Hoiakwan ift der Nähe von Nanking ein neuerbautes Warenlagerhaus in den Fluß. Ungefähr 100 Eingeborene sollen ertrunken sein.
* Berlins älteste Bürgerin, die verwitwete Frau Sanitätsrat Schmidt, ist dort, nachdem sie erst kürzlich daZ 102. Lebensjahr vollendet, verstorben. Am 16. Dezember v. I. hatte sie in Gcistesfrische und körperlicher Gesundheit den letzten Geburtstag gefeiert, und noch am Sylvester diktierte sie ihrer Pflegerin Gratulationsbriefe. Aber schon der Neujahrstag fand sie auf dem Krankenlager. Die Influenza hatte sie ergriffen, doch mehr als eine Woche rang die Greisin mi* bcm tückischen Leidt>n bis das hitzige Fieber ihre Kräfte erschöpfte.
* Vermächtnis. Wie aus Dessau gemeldet wird, hat ne verstorbene Baronin Cohn-Oppenh eim dem Kaiser 2 Millionen Mk., der Stadt Dessau und der dortigen israelitischen Gemeinde je 3 Millionen vermacht. Die Verwandten erhalten eine Million.
* Die sprachenreichste Presse der Welt ist die der Vereinigten Staaten. Außer den Blättern in englischer Sprache gibt es dort nach einer kürzlich aufgestellten Statistik: 743 deutsche Zeitungen, 63 schwedische, 60 norwegische, 39 französische, 38 tschechische, 37 italienische, 37 polnische, 37 spanische, 19 hebräische, 16 holländische, 12 alt-slavische, 8 finnische, 6 portugiesische, 5 litauische, 5 armenische, fünf ungarische, 5 kroatische, 4,chinesische, 2 japanische, 2 griechische, 2 lateinische, 2 russische, 2 slowenische, 1 irokesische, 1 gälische und 1 serbische.
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Die Telegraphie in der Politik.
Ein interessantes Kapitel über die Unkosten für Telegramme in der Politik finden wir in der „Zukunft": Wenn dem Fürsten Bismarck eine Kabeldepesche vorgelegt wurde, deren Inhalt ihm nicht sehr beträchtlich schien, Pflegte er mit dem Riesenbleistift an den Rand zu schreiben: „Was kostet das Telegramm?" Ter Betrag wurde gemeldet, und dann hieß es oft: „Kann der Absender selbst bezahlen; ich habe kein Geld für Depeschen, deren Inhalt mich auch aus dem Wege der Briefpost früh genug erreicht." .Der Kanzler liebte die Diplomaten nicht, die wegen jeder Kleinigkeit den elektrischen Draht bemühten; der Depeschenstil, meinte er, verwischt alle feineren Nuancierungen und sollte nur in Notfällen angewendet werden. Bald nach Bismarcks Entlassung zeigte der Etat des Auswärtigen Amtes eine auffällige Erhöhung der Depeschenkosten. Tie Zahl der diplomatischen Berichte — wenigstens , der offiziellen — hatte sich verringert; dafür telegraphierte man mehr als früher. Das war für Diplomaten, die aus der Armee und vom Landgericht kamen, bequem, weil es ihnen die subtile Wiedergabe entstandener Stimmungen ersparte. Auch war, wo 'b’ie Routine fehlte, rascher Rat in diskreten Angelegenheiten manchmal nötig; ein Beispiel: als der Kolonialdirektor Kayser an einen der kleinen Negerkönige zu schreiben hatte, fragte er telegraphisch eine Hamburger Firma, ob er den schwarzen Herrn als eine Majestät oder nur als Königliche Hoheit anzureden habe. Jetzt hören wir häufig, der vierte Kanzler halte sich streng an die Vismarcksche Tradition. Mag sein; trotzdem der Einfall, dem Präsidenten der Vereinigten Staaten zuzumuten, er solle sich als Schiedsrichter im Venezuelastrcit dem Süden verhaßt machen, dem ersten Kanzler wohl ebensowenig wie mancher andere gekommen wäre, der in den Staatskanz>-> leien ein Schütteln der Köpfe bewirkte. In einem Punkte ist das Auswärtige Amt jedenfalls der Mode des_ Caprivis- mus treu geblieben; es wird forttelegraphiert; eifriger noch als einst nach dem März des Jahres 1890.
Ter Reichstag hat sich mit den Etatsüberschreitungen des Rechnungsjahres 1901 zu beschäftigen. Aus dem 2lb- fchluß geht hervor, daß — falls nicht etwa ein Druckfehler die Zisier fälscht —das Auswärtige Amt eine Mehrausgabe von 698 000 Mk. gehabt hat: „infolge des stacken, durch die Wirren in China bedingten Depeschenverkehrs mit den kaiserlichen Vertretungen in Ostasien, speziell mit der Gesandtschaft in Peking." Natürlich, denkt der Leser, in Kriegszeiten wachsen eben die Kosten auf allen Gebieten der politisch-militärischen Organisation. Ganz schön. Erstens aber wurde für den gesamten Depeschendienst des Auswärtigen Amtes früher noch nicht einmal die Hälfte des. letzt nachgeforderten Betrages in den Etat eingesetzt. Zweitclns kann sich's nur um diplomatische Telegramme handeln, denn die militärischen find zu den Kriegskosten gerechnet worden und sollen uns einst von den Chinesen bezahlt werden, die ja vielleicht die Güte haben, die leichteren Vertrags- Pflichten zu erfüllen.
Und drittens darf man wolfl fragen, ob es durchaus nötig war, an jedem Tage durchschnittlich 2000 Mk. für Depeschen von und nach China auszugeben._ Einzelne dieser Depeschen sind ja in der Presse veröffentlicht worden. Als Peking befreit und unferm dortigen Geschäftsträger auf dem nicht mehr ungewöhnlichen Trahtwege angezeigt war, ihm und seinen Beamten seien Orden verliehen, lasen wir die folgenden Sätze: „Erhalte soeben Allerhöchstes Telegramm und beehre 'mich, gehorsamst zu bitten, meinen alleruntertänigsten Tank für die mir in Gnaden zu teil gewordene hohe und ungewöhnliche Auszeichnung Seiner Majestät dem Kaiser und König Hochgeneigteft zu Füßen legen zu wollen. Sämtliche Mitglieder der Gesandtschaft schließen sich meinem untertänigsten Tank für die huldreichen Worte kaiserlicher Anerkennung unseres Verhaltens in Zeiten ernster Gefahr an, und jeder ist von freudigem Stolz erfüllt, seinen Bosten halten und verteidigen zu können." Tie stilistische Leistung braucht uns bier nicht zu kümmern. Kam diese nervöse Seligkeit aber nicht in einem Briesver- schluß noch zu^ rechten Zeit an ihre Adresse? Im Verkehr mit China beträgt die Worttaxe sechs Mark. Tas Dank- teleoramm hat also ungefähr 500 Mk. gekostet. . . . Wenn
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fv gewirtschafter wird, darf man sich über die Steigerung oer Ausgaben nicht wundern. Die Bud^etkommission des Reichstags und der Rechnungshof aber sollten diesen Tingen verschärfte Aufmerksamkeit schenken.
Höchste Temperatur am 12.—13. Januar — 2,4° 0.
Niedrigste „ » 12.—13. „ — 6,9° 0.
Neueste Meldungen.
Originaldrahtmeldttugen des Gießener Anzeigers.
Johannesburg, 13. Jan. (Reutermeldung.) Chamberlain und die fthrenden Persönlichkeiten der Minenindustrie gelangten zu einer Uebereinkunft hinsichtlich Regelung der finanziellenAngelegenheiten. Der Beitrag Transvaals zu den Kriegs kosten wird danach .70 Millionen Pfund betragen, außerdem soll eine Garantie für eine Reichsanleihe von 30 Millionen Pfund gegeben werden zur Verwendung zu reproduktiven öffentlichen Arbeiten in der Transvaal- und Orangekolonie. Auch hinsichtlich der Arbeiterfrage wurde eine Verständigung erzielt.
Parlamentarisches.
Berlin, 13. Jan. Bei der heutigen Landtagsersatzwahl im 3. Berliner Wahlbezirk winde der Stadtverordnete Fabrikbesitzer Rosenow (freis. Volksp.) mit 790 Stimmen gewählt. Schulrat Zwick erhielt 458, Reichstags- abgeord. Singer 3 und Zeitungsverleger Bruhn 2 Stimmen, bei 3 Stimmenthaltungen.
Berlin, 13. Jan. Tie deutsche Reichspartei ist heute unter dem Vorsitz des Mg. v. Ka,-dorff zusam- mengetreten. Es soll sich um die Auseinandersetzungen mit dem Bunde der Landwirte und die Stellungnahme zu der bekannten Erllärung des engeren Vorstandes des Bundes der Landwirte gegen die Freunde des Antrages von Kardorff zum Zolltarif gehandelt haben.
— Die Heirats-Aff aire des früheren Posener Provinzial-Steuer-Direktors Geh. Finanzrat L ö h n i n g wird in der ersten Lesung des Etats int preuß. Abgeord- netenhause zur Sprache gebracht werden. In diese Debatte wird auch die polnische Landtags-Fraktion eingreifen. Man glaubt, daß diese Debatte allein mehrere Tage in Mspruch mehmen wird. In der zweiten Plenarsitzung des preuß. Abgeordnetenhauses am 14. d. M. wird zur Wahl des Präsidiums, dessen Wiederwahl sicher ist, geschritten werden und der Etat durch den Finanzminister Frhrn. von Rheinbaben eingebracht werden. Die nächsten Tage werden für Fraktionsberatungen sreigelasfen werden. Tie erste Lesung des Etats dürfte am 19. ds. beginnen.
Danzig, 13. Jan. Bei der heutigen Reichstags- ersatzwahl im Wahlkreise Danzig-Stadt erhielten Mommsen (freis. 23er.) 6176, v. Heydebreck (kons.) 4582, Bartel (Soz.) 5568, Wolßlegier (Pole) 329 Stimmen. 28 Stimmen sind zersplittert. 102 ungiltig.
München, 13. Jan. Gegenüber der neuerlichen Veröffentlichung des Handelsoertragsvereins, nach der die bayerische Regierung zwar einen formellen Antrag beim Bundesrat noch nicht einbrachte aber doch beabsichtige, die Vermischung der Gerste mit Roggen als Merkmal bei der Verzollung der Futtergerste vorzuschlageu, betont die „Allg. Zig.", daß auch die iu dieser Weise reduzierte Meldung durchaus unzutreffend ist. Die bayerische Regierung sei offiziell überhaupt noch nicht in Erwägungen über die Frage eingetreten.
Kunst und Wissenschaft.
Geheimrat Robert Koch hat mit seinen beiden Assistenten und seiner Gattin Berlin verlassen, um sich auf den neuen Schauplatz seiner Tätigkeit, nach Westasrika, zu begeben. Der Broed der Reise ist, wie wir meldeten, die Ursachen der in Afrika herrschenden Rinderpest festzustellen.
Ein Ballet des Prinzen Joachim Albrecht von Preußen „Das Wunder des Frühlings", wird im Theater de la Monnaie in Brüssel demnächst zur Aufführung kommen.
Ein d'-lnnunciotheater der Düse. Eleonore Düse beabsichtigt am Albanersee auf einem vom Grafen Frankenstein geschenkten Gelände ein Theater zu bauen, in dem sie unabhängig von der täglichen Rücksicht auf Kassenrapporte die Wecke d'Annun- zios spielen will. Der Plan, an dem uns alles gefällt außer gerade den Tragödien d'Annunzios, soll tatsächlich durchgesetzt werden. Die Finanzierung ist schon ziemlich wett gediehen und die noch fehlenden anderthalb Millionen will nun angeblich Miß Morgan aus Newyork mit ihren Freunden aufbringen.
Die größte für die Erhaltung eines Kunstwerkes aufge. wendete Summe hat wohl der durch die Nilstau gefährdete Ten, pel von Phylä beansprucht. Ursprünglich bestand die Absicht, den Nildamm von Assuan bis zur Höhe von 114 Meter über dem Meere zu errichten. Ein Damm in dieser Höhe hätte aber zur Folge haben müssen, daß der Tempel von Phylä unter Wasser gesetzt worden wäre. Zur Schonung des Tempels wurde daher die Höhe des Dammes um acht Meter, das ist auf 106 Meter, verringert. Dadurch ist natürlich eine bedeutende Abnahme der für die Bewässerung verfügbaren Wassermenge bedingt. Der Unterschied soll einem östreichischen Konsularbeckcht zufolge fast anderthalb Millionen Raummeter betragen, was im Laufe der Jahre für die ägyptische Volkswirtschaft einen Verlust von Dutzenden, wenn nicht Hunderten von Millionen bedeuten wird.
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Wliversltüts-Uachrichten.
Ter 24. Balneologen-K'vngreß tofrb: unter Vorsitz des Geheimrats Liebreich vom 5. bis 9. März in Berlin tagen. — Wie die „Nationalztg." mitteitt, ist der Dozent in der Berliner Juristenfakultät Professor Paul Heilborn als a. o. Professor für Strafrecht und die prozessualischen Fächer nach Breslau berufen worden. — Demselben Blatt zufolge hot Professor Krvmeyer in Czernowitz nachträglich die bereits angenommene Berufung nach Halle auf den Lehrstuhl für alte Geschichte abgelehnt. — Aus Wien wird berichtet: Für die Be-, setzung der Stelle des Primarius an der ersten chirurgischen und gynäkologischen Ylbteilnng im allgemeinen Krankend hause, deren früherer Vorstand Professor Tr. 233ein* lechner in den Ruhestand getreten ist, wurde Tvzent T-r. Vüdinger in Aussicht genommen. — Ter Direktor der Universitäts-Bibliothek in Göttingen Geheimrat Prost Dziatzko ist auf einem Jagdausflug einem Schlaganfall erlegen.__
Meteorologische Beobachtungen
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Zur Flucht der sächsischen Kronprinzessin.
— Dem „Leipziger Tageblatt" wird aus Dresden geschrieben? Die Gerüchte, die sich hier neuerdings über den unmittelbaren Anlaß zur Flucht der Kronprinzessin gebildet haben, sind, wie wir zuverlässig erfahren, unzutreffend. Die Oberhofmeisterin hat nicht, wie erklärt wurde, die Kronprinzessin und Giron bei einer „stürmischen Liebkosung" überrascht, sondern aus anderen Tatsachen den Verdacht geschöpft, daß zwischen der Kronprinzessin und Giron ein unlauterer Verkehr bestand. Sie hat dann eine Aussprache mit der Kronprinzessin herbeigeführt und von dieser weitere Zugeständnisse erhalten. Hätte nun die Oberhofmeisterin, was sie in Erfahrung gebracht, für sich behalten wollen, so hätte sie inkorrekt gehandelt. Es war ihre Pflicht, und das wußte natürlich auch die Kronprinzessin, dem Könige von dem Vorgeiallenen sofort Mitteilung zu machen, was denn auch geschehen ist. Daß die Kronprinzessin nach der Entdeckung des Liebesverhältnisses „in steter Sorge vor Kloster und Irrenhaus" gewesen sei, ist nicht anzunehmen, da sie nach früheren Vorgängen ganz genau wissen mußte, daß man sie mit der größten Rücksicht behandeln werde, zumal sie sich in gesegneten Umständen befindet.
Die „Tresd. N. Nachr." melden aus Genf: Die erste Unterredung der Kronprinzessin mit ihrem Anwalt Dr. Zehme aus Leipzig war sehr herzlich. Dr. Zehme dankte für das ihm geschenkte Zutrauen. Die Kronprinzessin erwiderte, sie wisse, daß ihre Interessen vor dem besonderen Gericht durch Dr. Zehme gut vertreten sein werden. Letzterer antwortete, daß er sich streng an die ihm von der Kronprinzessin und Lachenel erteilten Weisungen halten werde. Von heute ab finden täglich mehrere Besprechungen statt und zwar zwischen der Kronprinzessin und dem Anwälte allein oder auch mit Dr. Körner, dem Anwalt des Kronprinzen, zusammen. Alles wird genau protokolliert. Die Eröffnung des Prozesses findet am 28. Januar in Dresden statt. Dem Dr. Zehme soll die Kronprinzessin folgende Instruktion gegeben haben: „Tun Sie Ihr Möglichstes. Binnen sechs Wochen müßte ich unter allen Umständen frei sein, um mich sobald wie möglich wieder zu verheiraten. Ich werde jede Erklärung, die zu diesem Ziele führt, unterschreiben." — Die Dresdener Blätter bringen eine Notiz, welche von dem Anwälte der Kronprinzessin herrühren kann und in welcher mitgeteilt wird, daß zwischen der Kronprinzessin und Giron kein Zerwürfnis besteht und daß keine Trennung beabsichtigt sei.
Prinz Johann Georg von Sachsen traf am 13. b. Mts. in Wien ein und hat in der Hofburg Wohnung genommen. Nm 1 Uhr fand auf der sächsischen Gesandtschaft ein Dejeuner statt, an welchem auch der deutsche Botschafter teilnahm, am Abend war beim Kaiser in der Hofburg Tiner. Sodann besuchte der Kaiser mit dem Prinzen die Oper.
Förderung der Kleinbahnunternehmungen sind größere Mittel vorgesehen. ... , .
Ter Verbesserung der Wohnungs'verhaltnisse der tn den staatlichen Betrieben beschäftigten Arbeiter und der gering besoldeten Beamten ist mit Ihrer Zustimmung wiederholt besondere Fürsorge gewidmet worden. Da das Bedürfnis unverändert fortbesteht, wird von Ihnen in einem neuen Gesetzentwurf ein weiterer Kredit zu gleichem Zweck erbeten werden. Im Interesse der Förderung der allgemeinen Volksgesundheit wird Ihnen alsbald ein Gesetzentwurf zugehen, nm das Reichsgesetz betr. die Bekämpfung gemeingefährlicher Krankheiten innerhalb des preußischen Staates zur Ausführung zu bringen. Ter im vorigen Jahre nicht zur Verabschiedung gelangte Gesetzentwurf über die Befähigung für den höheren Verwaltungsdienst wird Ihnen tn etwas veränderter Gestalt wieder vorgelegt werden. Ihre Zustimmung wird ferner zu einem Gesetz über die Bildung kirchlicher Hilfsfonds für katholische Pfarrgemeinden erbeten werden.
Meine Herren! Auch in der bevorstehenden Tagung sind Sie zu wichtigen Arbeiten gerufen. Mögen dieselben dem Vaterlande zum Segen gereichen! Lluf Befehl Seiner Majestät des Kaisers und Königs erftäre ich den Landtag der Monarchie für eröffnet!


