Keer und Alotte.
— Der Erbprinz zu Isenburg und Büdingen- Wächtersbach, Leutnant im Drag.-Regt Nr. 24, wurde in das Kürassier-Regiment Nr. 7 versetzt.
Ausland.
Paris, 12. Oft Der König der Belgier traf hier ein und stattete heute nachmittag dem Präsidenten Loubet einen Besuch ab, den dieser alsbald erwiderte.
Bilbao, 12. Ott. Bei den gestrigen Unruhen wurden aus den Fenstern des katholischen Vereins, vom Turme und den Fenstern der Kirche St. Nikolaus Revolverschüsse abgegeben. Der Pfarrer der Kirche wurde unter der Beschuldigung, mehrere Personen verwundet zu haben, verhaftet. Mehrere andere Priester, die als Hauptunruhestifter angesehen wurden, sind ebenfalls in Haft genommen. Ein Trupp Antiklerikaler warf den Geistlichen in den Fluß. Die Meldungen über die Zahl der bei den Unruhen Verunglückten sind widersprechend. Es sollen sieben Personen getötet und 33 verwundet sein. Unter den Verwundeten befindet sich der Herausgeber des Blattes „El Pueblo".
Rom, 12. Okt. „Osservatore Romano" sagt, wenn der Papst den Präsidenten Loubet gelegentlich dessen Rom- reise nicht empfange, so sei dres kein Zeichen von besonderer Feindschaft gegen Frankreich, sondern entspreche der Gesamthaltung des heiligen Stuhles in der internationalen Politik. Daher könne von einem bezüglichen Ersuchen des französischen Episkopats, da es ja die vom päpstlichen Stuhle beobachteten Regeln kenne, nicht die Rede sein.
Budapest, 12. Oft. Für die Stimmung der Opposition ist es bezeichnend, daß der Abg. Barabas bei der gestrigen Rakoczy-Feier sagte: „Wir werden ein Ungarn begründen, welches keinen anderen Herrscher als den Gott der Magyaren kennt!" — Wie verlautet, steht unmittelbar die Ernennung des Grafen Tisza zum ungarischen Ministerpräsidenten bevor.
Sofia, 12. Oktbr. Das türkische Grenzzollamt in Mustapha Pascha erhielt den Auftrag, Milchprodukte, sowie Lebensmittel, welche aus Bulgarien kommende Reisende mitführen, zu beschlagnahmen. Die konfiszirten Sachen werden unter Zollverschluß nach Konstantinopel behufs Analysierung gesendet.
Fez, 12. Okt. Mit dem Ingenieur des Sultans, Frhm. o. Rottenburg, der am 10. Oktober mit seiner Tochter an * gekommen ist, haben alle fremden Angestellten be§ Hofes die Hauptstadt verlassen. Der Vertreter der Loewe'schen Waffenfabrik, Monteur Haase, ist vom Sultan aufgefordert worden, mit zwei weiteren Maschinengeschützen zum Feldlager herauszukommen.
«-LaynkauaUsalion.
Man schreibt uns:
Bekanntlich hat sich in der öffentlichen Versamnrlung tm Mai d. I. in Limburg der Lahnkanal-Verein gebildet, der schon jetzt eine .große Anzahl von Mitgliedern Kühlt. Ter Zweck dieses Vereins geht dahin, den Ausbau der Lahn zu einer leistungsfähigen Wasserstraße nach heutiger Auffassung von der Mündung bis zunächst zur preußisch- hessischen Grenze mit allem Nachdruck zu fördern. Im Gegensatz zu dieser Besrrebung ist inzwischen „ein Gesuch von Industriellen und sonstigen Interessenten, betreffend die Kanalisation der Lahn, datiert Ems, den 1. September 1903" an den preuß. Minister der öffentlichen Arbeiten gerichtet worden. In dieser Eingabe wird, nachdem das von der Firma Havestadt & Contag aus gearbeitete Lahn- kanal-Projekt einer abfälligen Kritik (in der Hauptsache wegen der hier vorgesehenen Schiffsgröße von 500 bis H00 Tonnen) unterzogen worden ist, dem Sinn nach folgender Antrag gestellt:
die Lahn teilweise zu kanalisieren. Bei der Mündung beginnend und allmählich fortschreitend bis Weilburg (Nur? D. Red. d. Gieß. Anz.) unter Berücksichtigung der vorhandenen Schleusenanlagen usw. Die neuen Bauwerke sollen indessen für Schiffsgrößen von 300 Tonnen bemessen werden.
Es muß hier daraus hingewiesen werden, daß schon in der Limburger Versammlung erklärt worden ist, daß auch der neue Lahnkanal-Verein eine Schiffsgrptze von etwa 300 Tonnen für genügend hüll. Er hat sich auch schon mit der Firma Havestadt & Eon tag in Verbindung gesetzt zum Zwecke der Umarbeitung des vorliegenden Projektes für diese Schiffsgröße.
In der Emser Eingabe befinden sich folgende durchaus richtige Bemerkungen^
„Tie Lahnindustrie empfindet das Unnatürliche des gegenwärtigen Zustandes seit vielen Jahren außerordentlich schwer. Sie hat auch bereits vielfach in Versammlungen und Eingaben an die zuständigen Behörden und Korporationen auf das Verhallen desselben hingewiesen und mehrfache Vorschläge zur Beseitigung der Kalamität gemacht, die bei dem großen Konkurrenzkampf der Industrie des In- und Auslandes und bei den großen Opfern, welche die Jnlandsindustrie infolge der sozialen Gesetzgebung zu tragen gezwungen ist, letzt dringend Abhilfe erheischen, wenn nicht der ausgedehnten, früher so blühenden, hauptsächlich auf die Ausbeutung und Wellerverarbeitung der reichen Bodenschätze des Lahntales und seiner Umgebung angewiesenen Lahnindustrie der Lebensnerv dauernd unterbunden werden soll" und ferner:
„Die L ahn in d ustri e ist nicht in der Lage, noch länger zuzusehen und sich noch weiterhin mit unfruchtbaren Aussichten vertrösten zu lassen; es muß ihr baldigst geholfen werden, wenn es dazu überhaupt nicht zu spät werden soll."
Es liegt auf der Hand, daß diese Forderungen durch eine teütoeife aqnb vorerst auch unvollkommene Kanalisierung der Lahn nicht erreicht werden können, und deshalb ist es außerordentlich bedauerlich daß die Verfasser des Emser Gesuchs nicht mit dem Lahn- Kanalverein hand in Hand gehen. Mr durch einmütiges Zusammenarbeiten aller dazu berufenen Kräfte können die Schwierigkeiten überwunden werden, die der Verwirklichung der Lahnkanalisation noch entgegenftehew Der Lahn-Kanalverein hat deshalb auch eine Eingabe an den preußischen Minister der öffentlichen Arbeiten gerichtet, in der es zum Schlüsse wörtlich heißt:
„Unser Verein sieht eine teilweise Kanalisierung der Lahn als ein Stückwerk an. von dem viel
leicht einige wenige Unternehmungen Nutzen ziehen werden, das aber n i em als der Allgemeinheit von Vorteil sein kann. Insbesondere ist unser Verein von der Ueberzeugung durchdrungen, daß bei Verwirklichung der großen wasserwirtschaftlichen Vorlage, ergänzt durch die Mosel- und Saar-Kanalisatton, der wirtschaftliche Untergang der Lahn-Industrie mit allen von ihr abhängigen Existenzen sehr bald eintreten wird, wenn nicht ein Ausgleich durch Er- füllung unserer Forderung gewährt wird. Wir richten deshalb an Eure Excellenz die ebenso dringende wie ehrerbietige Bllte, den Sonderbestrebungen, wie sie in dem Emser Gesuch zmn Ausdruck gekommen sind, Beachtung nicht zu schenken, vielmehr vor weiteren Entschließungen die Anträge abzuwarten, die wir hoffen, im Sinne der vorstehenden Ausführung Eurer Excellenz recht bald unterbreiten zu können."
Au m. d. Red.: Es verdient betont zu werden, daß eine in Cochem abgehaltene Generalversammlung des Mosel-Saar- Kanal-Verbandes soeben eine Resolution angenommen hat, in der es heißt: Die Atosel-Saar-Kanalisierung sei wirtschaft- lich hochbedenlsam. Die Ausführung des Projekts müsse durch alle gangbaren Wege erstrebt werden.
Aus Stad! und Kund.
Gießen, 13. Oktober 1903.
Der Nachdruck unserer Originalartikel wird nur unter Zitierung in der Form „Gieß. Anz." gestattet.
** Personalien. Ernannt wurde der Steuerauf- seher-Aspirant Wilhelm Mitschka aus Hainstadt zum Steuerausseher, der Dammwärter-Aspirant Karl Schnell aus Frei-Weinheim zum Schleusenwärter an der Schleuse bei Offenbach
** Rekruteneinstellung. Ein größeres Pikett vom 88. Jnf.-Regt. in Mainz passierte gestern nachmittag unjern Bahnhof, um nach Westfalen weiter zu fahren, von wo die Mainzer Garnison einen größeren Teil ihrer jungen Mannschaft an sich zieht. Die Reise der 88 er geht bis Altena, um von dort mit Extrazug den Rekrutentransport zu holen, welcher heute nacht den Bahnhof Gießen wieder passiert, von wo nach kurzer Rast, direkt bis Mainz gefahren wird.
** Aus dem Bur eau des Stadttheaters. Nochmals sei in letzter Stunde auf die heutige Volksvorstellung von Minna von Barnhelm hingewiesen. Freitag den 16. d. M. wird als dritte Freitagsabonnementsvorstellung das hochinteressante neue Drama von Georg Engel „lieber den Wassern" bringen, in dem die Herren Linzen und Sandorff sowie Frl. Hagen die Hauptrollen inne haben. — Der Sonntag bringt als zweite Sonntagsabonnementsvorstellung das neue Volksstück von Skowronnek unb Stein „G eschwister Lemke" und der 20. Oktober als zweite Dienstagsabonnementsvorstellung „Der blinde Passagier".
Ein sehr erbau liches Gespräch belauschte dieser Tage ein Leser des „Darmst. Tgl. Anz." auf dem Bahnhof der Main-Neckar-Bahn. Ein seingekleideter Herr unterhielt sich mit einem Lahnsteigschaffner und fragte ihn über den Verlauf der Festlichkeiten der letzten Tage aus. Namentlich interessierte er sich für die Persönlichkeit des Zaren und konnte gar nicht genug über ihn hören. Schließlich sagte er zu dem Schaffner: „Nun muß ich noch eine dumme Frage an Sie stellen. Wer ist denn eigentlich der größere Herr, der Zar von Rußland, von dem man immer so viel hört, oder der Kaiser von Rußland?" Die Antwort des Geftagten, daß Zar und Kaiser ja eine Person seien, setzte den offenbar mit ganz besonders guter Schulbildung ausgerüsteten Herrn in sprachloses Erstaunen. Die Umstehenden aber freuten sich.
w. Groß-Felda, 12. Okt. Gestern wurde hier die erste im Großherzogtum bestehende Pferdezucht-Genossenschaft nach badischem Muster begründet. Zweck derselben ist, durch den Zusammenschluß der Interessenten sowie durch Einrichtung einer bequemen Deckgelegenhell rc. für einen kleineren Bezirk die Pferdezucht stärker zu heben, als dies bisher geschah. Bei der seitherigen Methode, die Pferdezucht im Lande zur Blüte zu bringen, wurden etwa 40 Prozent der zuchtsähigen Stuten gedeckt, während in Baden nach dem dort geübten System mehr wie 90 Proz. zur Zucht Verwendung finden. Landtagsabg. Korell - Leusel soll übrigens die Absicht haben, in der 2. Kammer einen Antrag zu stellen, wonach das badisch eSystem zur Hebung der Pferdezucht in Hessen allgemein einzufüh reu sei.
)( Ober-Bessingen, 12. Okt. Gestern fand auf der „Horsteburg" eine Besprechung der an dem Bahnpr ojekt Gründerg—Lich beteüigten Gemeinden stall. Es wurden verschiedenerlei Wünsche bezüglich des Bahnbaues vorgebracht, welche dann behufs Vornahme der Vorarbeiten von einem Techniker geprüft werden sollen. Zur Uebernahme des Bahnbaues ist das Komitee, zu dessen Vorsitzenden Herr Moll-Grimberg bestimmt wurde, mit der Gesellschaft Lenz m. Co. in Berlin in Verbindung getreten. Die einleitenden Arbeiten sollen jetzt beschleunigt werden, damit der demnächst zusammen tretend en zweiten Kammer ein fertiges Projekt unterbreitet werden kann. Die Kosten der etwa 15 Kilometer langen Strecke werden sich auf etwa 900 000 Mark belaufen; die obengenannte Gesellschaft will die Vorarbeiten für 125 Mark pro Kilometer ausführen. Auch das Großh. Kreisamt hat die größtmöglichste Unterstützung des Bahnprojekts zugesagt. Das Komitee wlld bestrebt fein, den Wünschen der einzelnen Gemeinden und Interessenten nach Möglichkeit gerecht zu werden.
R. B. Darmstadt, 11. Okt. Für die am 15. d. M bevorstehende Neuwahl der Wahlmänner behufs Ersatzwahl der beiden Darmstädter Landtagsabgeordneten hat die Zentrumspartei jetzt den Entschluß gefaßt, von der Ausstellung eigener Kandidaten als Wahlmänner abzusehen und ihren Anhängern zu empfehlen, die nationalliberalen Wahlmänner zu wählen. Die Antisemiten dagegen sollen beschlossen haben, Stimmenhallnng zu empfehlen, ein Beschluß, der von der großen Mehr hell der Partei kaum gebilligt werden dürste. — Die russischen Majestäten und die meisten übrigen fürstliche Herrschaften besuchten heute vormittag verschiedene Geschäfte in der Stadt und beforgten zahlreiche Einkäufe. Bei Dem starken Regenwetter, das den tzianzen Tag über andauerte, konnten Spaziergänge oder Ausflüge nicht unternommen werden. §ier angekommen und im Hotel zur Traube abgestiegen ist gestern noch der russische Hosmarichßll des Zaren, Fürst Dolgo- rucki. Prinzessin Heinrich von Battenberg und Prinzessin- Tochter sind heute von hier wieder nach England zurück- gekehrt.
Worms, 12. Okt. Dem Bildhauer Hirt in Karlsruhe ist bekanntlich der Auftrag zur Herstellung desKüch- ler-Denkmals übertragen worden. Der Künlller ist.
nachdem er eine größere Arbeit vollendet hat, nunmehr eifrig an die ihm gestellte Ausgabe bezüglich des Standbildes unseres stüheren Oberbürgermeisters heranAetreten. Nach dem von ihm vorgelegten Entwürfe hat er ein Hilfsmodell hergestellt, wonach alsdann die Ausführung des großen Originalmodells des Denkmals vorgenommen wird. Dieses Hilfsmodell wird in aller Kür^e hierhergebracht und im Gewerbeschulgebäude zur Ansicht ausgestellt werden. Die Förderung der ganzen Arbeit soll jetzt rasch vor sich gehen, so daß an die Ausstellung und Enthüllung des Denkmals auf dem Lindenplatz vor dem Stadthause im kommenden Frühjahr gedacht werden kann. (Worms. Ztg.) fe. Fr an k f ur t a. M., 12. Okt. Der älteste Meßfremde Frankfurts, der 56 Jahre alte Leinweber Georg Struth aus Lauterbach in Oberhessen ist vorgestern in feiner Heimat gestorben. Struth besuchte noch die letzte hiesige Messe in feiner alleinstehenden Bude am Weckmarkt. Zum erstenmal erschien er als „Meßfremder" mit feinen Eltern 1855.
l. Frankfurt a. M., 13. Okt. Nach den „Fr. N. N." schweben Verhandlungen, nach denen der Sitz der Regierung von Wiesbaden nach Frankfurt verlegt werden soll. Frankfurt ist bereit, auf städtische Kosten ein Regierungsgebäude zu errichten und 20 Jahre lang zu unterhalten. In Wiesbaden ist man bemüht, das Regier- ungspräsidium zu erhalten; es soll ein neues größeres Gebäude in der Nähe des neuen Bahnhofs errichtet werden. Mit der Verlegung wlll man auch den Rücktritt des Regierungspräsidenten H e n g st e n b e r g.in Verbindung bringen. (Jedenfalls ist die Meldung des Frankfurter Blattes mit Vorsicht aufzunehmen.)
WrunWes.
* Köln, 12. Okt. In der Holzschen Mühle in Siechteln fand man gestern abend die halbverkohlte Leiche des Dienstmädchens auf einem Stuhle sitzend vor. Das Mädchen hatte durch ein infolge einer Explosion einer Petroleumlampe entstandenes Feuer den Tod gefunden.
* Halle a. d. S., 12. Okt. Am Sonntag nachmittag wurden in Schkeuditz vier Kinder in einer Tongrube verschütte t. Zwei von ihnen waren tot, eins ist verletzt worden.
* Berlin, 13. Okt. Die „Voss. Ztg." berichtet zu der Begnadigung Moritz Levys, Gründe für die Begnadigung seien Nicht angegeben. In dem Begnadigungsgesuche, das von den Eltern und Rechtsanwalt Sonnenfeld eingereicht worden war, war hervorgehoben, daß eine Reihe hervorragender Rechtslehrer, Psychologen und Mediziner den Zeugenbeweis unter den Umständen, wie sie in Könitz herrschten, als ganz unzuverlässig und zur Verurteilung ungenügend bezeichnet hätten. Wenn eine Verurteilung gleichwohl erfolgt sei, müsse jedenfalls das Strafmaß, namentlich im Vergleiche mit den Strafen, die in anderen Füllen verhängt worden seien, exorbitant erscheinen. Das Gesuch war von einer Reihe von Juristen, Philosophen und Medizinern unterstützt.
* Marienburg, 12. Okt. Heute nacht ist das alte Bahnhofsgebäude abgebrannt. Dee Familie Rötlich, bestehend aus dem Vater und vier Kindern, ist verbrannt. Frau Rötlich sprang aus dem Fenster und wurde tätlich verletzt.
^Hamburg, 12. Okt. Der D amp fer „Silvia", von London hier angekommen, traf in der Nordsee den dänischen Segler „Frenad" lichterloh brennend an. Das Schiff war von der Mannschaft verlassen, deren Verbleib bisher unbekannt ist.
* Meiningen, 12. Okt. In dem Dorfe Queienfeld brannten drei Wohnhäuser und 10 Scheunen nieder. Es liegt Brandstiftung vor.
* Leipzig, 12. Okt. Heute früh schoß der Markthelfer Paul Otto Hübner seine frühere Geliebte, die 23 Jahre alte Auguste Selma Schach, in den Rücken, richtete dann die Waffe auf sich selbst und schoß sich eine Kugel in die linke Stirnseite. Die Schach hatte ihr Verhältnis mit Hübner nicht sortsetzen wollen, rveshalb ihr dieser seit einigen Tagen nachstellte. Schwer verletzt wurden beide nach dem Hospital gebracht.
* Bayreuth, 12. Okt. Der vom Schwurgericht zu acht Jahren Zuchthaus verurteilte Hauslehrer Dippold wurde zur Verbüßung seiner Sllafe in das Zuchthaus Kloster Ebrach überführt.
* Erlangen, 12. Okt. In Neunkirchen am Brand hat in der vergangenen Nacht der dem Trünke ergebene vormalige Wirt Dorn seine Frau mit der Axt erschlagen. Er erhängte sich alsdann. Die Frau wurde von ihrem Mann häufig mißhandelt und mußte ihn vollstwldig ernähren.
* Bar leDue, 12. Okt. Ein Waggon des nach Frank» full a. M. fahrenden Orient-Expreßzuges entgleiste in der letzten Nacht nahe bei der Station Revigny infolge Zerreißens der Kuppelung. Es soll niemand verletzt sein.
* Rom, 12. Okt. Der Komponist Mascagni hat die Direktion der römischen Musikgesellschaft übernommen. Er beabsichtigt, aus diesem Institut ein großes Konservatorium zu machen, das alle ähnlichen Institute in den Schatten stellen soll.
* Prag, 12. Okt. Vorgestern wurde in Prag ein deutscher Student namens Böhmer, obwohl er weder die Kappe noch das Band einer deutschen Verbindung trug, auf dem Heimwege nach seiner Wohnung von Tschechen überfallen und durch Messerstiche schwer verletzt. Auch während der gestrigen Demonstrationen in Prag wurden deutsche Studenten auf offener Straße beschimpft und bedroht.
* Reichenau, 12. Okt. Der Stud. philos. Minke aus Galizien, welcher am Freitag eine Tour auf den Schneeberg unternahm, wird seit diesem Tage vermißt. Man befürchtet, daß er ab gestürzt ist.
* Budapest, 12. Okt. Auch in Fünfiirchen hat gestern Nacht ein mehrere Sekunden dauerndes Erdbeben statt- gesunden.
* Newyork, 12. Okt. Der Wasser st and der Flüsse ist im Sinken begriffen. Die Eisenbahnen nehmen den Verkehr wieder auf. Längs der Küste haben mehrere Schiffe Schiffbruch erlitten, wobei auch einige Menschen umgekommen sind.
* Fähnrich Hüsjener verbüßt auf der Festung Magdeburg z. Z. seine Haststtase. Man kann ihn dort täglich von nachmittags 2 Uhr ab in Begleitung eines Offiziers auf dem Breiteweg .oder sonst einer der Hauptstraßen promenieren sehen. Hin und wieder bringt er seine freien Stunden auch in einem Restaurant zw


