Ausgabe 
12.11.1903 Erstes Blatt
 
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sprechende Organisation zu schaffen. 2. Da8 den Mittelstand ruinierende Eindringen ded Großkapitals in den Detail- bandel und das Handwerk und alle sonstigen schweren Schäden, unter denen er gegenwärtig leidet, wie auch die auf Vernichtung des Mittelstandes gerichteten Bestrebungen der Sozialdemokratie aufs energischste 31t bekämpfen. 3. Zur Wiederherstellung der Sicherheit der wirtschaftlichen Existenz des selbständigen Mittelstandes wie zur Sicherung eines berechtigten Arbeitsertrages des gesäurten Mittelstandes eine diesen Forderungen gerecht werdende, um- saffende, wirtschaftliche Reform-Gesetzgebung zu fordern und herbeifübren zu helfen. 4. Gegen die immer bedenklicher sich gestaltende Schuldenwirt schäft im Reich, in Staat und Gemeinden und die inuner höheren direkten und indirekten Steuern zu protestieren und stetig anzukämpfen, überhaupt alle den Mittelstand fördernden und hebenden Bestrebungen zu unterstützen und die Gründung gleichartiger Vereine überall anzuregen.

Chemnitz, 11. Nov. Die von derCH. Allg. Zig." verbreitete Mitteilung, daß die Ausarbeitung de§ Entwurfes zur sächsischen Wahlrechtsreform auf die Initiative de§ Königs Georg zurückzusühren sei und daß unmittel­bar nach den Rcichstagswahlen dem Ministerium die Weisung zugegangen sei, Wandel zu schaffen, beruht nach einer In­formation desCH. Tagebl.^ aus freier Erfindung. Tas Ministerium des Innern hat, wie das genannte Blatt er­fährt, aus eigener Initiative seit dem Herbst des vorigen JahreS, also lange vor den Reichstagswahlen, unausgesetzt an der Vorlage gearbeitet und im Frühjahr dieses Jahres, also noch vor den Wahlen soweit fertig gestellt, daß der Kultusminister von Seydewitz die darauf bezügliche Denk­schrift mit nach Gardone nehmen konnte, um sie dem Könige vorzulegen. Richtig ist, daß König Georg der Angelegenheit sein volles Jntereffe zugewendet hat. Die Initiative ist je­doch vom Ministerium des Innern ausgegangen.

DieRationallib. Korr.* deutet die Absicht der Staatsregierung an, eine Immobilien-Verkehrs st euer cinzuführen, wegen der mehrfach geübten Praxis, bei der Zwangsversteigerung von Immobilien nicht allzu rasch zu verfahren. Es sei zu erwarten, daß diese Sache schon im nächsten preuß. Landtage zur Erörterung kommen werde.

Karlsruhe, 11. Nov. Die Zweite Kammer setzt sich folgendermaßen zusammen: Nationalliberale 25 (bisher 24), Zentrum 23 (bisher 23), Demokraten 5 (5), Sozial­demokraten 6 (6), Freisinnige 2 (2), Antisemiten 1(1). Das Resultat im Wahlkreis Eberbach-Buchen bisher von den Nationalliberalen vertreten steht noch auS.

Wels, 11. Nov. Die Prinzeffin Rosa von Schaum­burg-Lippe, geborene Herzogin von Württemberg wurde heute von einer Prinzessin entbunden.

München, 11. Nov. (Abge ordnet en -Kamm er.) Ger Beratung des Militäretats in der Kammer brachte der Abg. Müller-München (soz.) die Vorkommniffe im Münchener Kadettenkorps in der letzten Faschings­zeit zur Sprache und meinte, eS habe sich um eine richtige Emeute gehandelt, die deshalb nur so milde beurteilt worden sei, weil es sich um Söhne einflußreicher Leute gehandelt habe. Der Kriegsminister erwiderte, die bedauerlichen Vorkommniffe im Kadettenkorps seien aufgebauscht. In früheren Jahren war es den Kadetten gestattet, in den FaschingStagen von früh bis abends außerhalb der Anstalt zu bleiben. Die Erlaubnis führte zu Ausschreitungen, welche den Kommandeur in diesem Jahre veranlaßten, die Erlaub­nis einzuschränken. Darüber war eine Kompagnie ärgerlich. Die Zöglinge derselben hielten sich von den Vergnügungen innerhalb des Hauses fern, gingen unwillig und unwirsch umher. Der Aufsichtsoffizier traf einzelne beim verbotenen Rauchen im Zimmer. Das ist keine Erneute. Der Kommandeur beantragte, die besonders heroorgetretenen Schuldigen aus dem Kadettenkorps zu entlaffen und zwar handelte es sich um zwei Söhne von armen Witwen, Söhne eines Hauptmanns

und eines Gutbesitzers. Von Einfluß hochstehender Persön­lichkeiten bei Nichtgenehmigung des Antrages auf Enllaffung kann keine Rede sein. Es sei ein großer Unterschied zwischen einer Emeute und derartigen Ausschreitungen von jungen unreifen Buben.____________________________________________

Anstand.

Kopenhagen, 11. Nov. Der Minister des Innern brachte im Folkething einen Gesetzentwurf ein, durch den allen steuerzahlenden Männern und Frauen das Wahl­recht bei allen kommunalen Wahlen erteilt wird und proportionale Wahl und geheime Abstimmung für alle kommunalen Wahlen eingeführt werden soll.

London, 11. Nov. Präsident Roosevelt beabsichtigt, wie dieMorning Post" aus Washington meldet, mit der neuen Republik Panama über einen Vertrag zu verhandeln, worin der Land st reifen für den Panama-Kanal dauernd den Vereinigten Staaten verpachtet wird und diese das Recht erhalten, längs der Kanallinie Truppen zum Schutze des Kanals und zur Aufrechterhaltung der Ordnung zu stationieren.

Haag, 11. Nov. In der heutigen Sitzung des Schiedsgerichts Hofes wendet sich Wöste-Belgien gegen die auf Verzögerung gerichteten Anträge Venezuelas. Clu- net-Frankreich fordert die Zulassung zu 30 Prozent der venezolanischen Eingangszölle für die Fordermngen ohne Garantie, mdrt für die Forderungen, welche durch die ve- urttmdete Schuld Venezuelas garantiert wurden. Clunet verlangt ferner die Verzinsung der Forderungen. Buenz- Deutschland sagt, weml die Friedenskonferenz ein neues Evangelium an st eile des alten Evan­geliums gegeben habe, so würden die Völker eher ihre Zuflucht zu den äußersten Mitteln nehmen, als zu einem schiedsgerichtlichen Verfahren, welches sie ihre Rechte ver­lieren lasse.

P a r l s, 11. Nov. Die plebiscitäreJugend hatte eine Versammlung cinbernfen. Während der Verhand­lungen verlangte das sozialistische Gemeinderatsmitglied Weber das Wort. Dies war das Zeichen zu einem unbe­schreiblichen Tumult. Die Freunde Webers ver­langten Ruhe. Ms diese nickt ein trat, sangen sie die Jnter- natronale, wahrend die Gegner die Marseillaise anstimm- ten. Es kam zu gegenseittgen Beschimpfungen, die in Tät­lichkeiten ausarteten. Tische, Stühle, Gläser, Flaschen re. wurden gegen einander geworfen. Auch zwei Revolver­schüsse fielen. Schließlich schritt die Polizei ein und machte dem Tumult ein Ende. Zwei schwer Verletzte wur­den rns Hospital gebracht.

Madrid, 11. Nov. Die Ereignisse in Santander hatten einen erheblich ernsteren Charakter als bisher bekannt ge­worden ist. Bei den Angriffen auf das Jesuiten-Kolieg und auf das Passionisten-Kloster wurde ein il.Nönch durch einen Schuß verwundet. Die Truppen schützten das Kloster vor dem Aeußersten. Darauf zog die wütende Menge vor das Karmeliterklofter, wo ein neuer Zusammenstoß stattfand. Große Arbeitermassen erzwangen sich den Schluß der Läden als Zeichen der Trauer. Aus dem katholischen Vereinslokal wurden die Möbel auf die Straße geschleudert und angezündet. Bei einem neuerlichen Zusammenstoß mit der Gendarmerie gab es viele Tote und Verwundete. Die Erregung dauert fort. Weitere Unruhen ereigneten sich in Fuemuerrabia, wo 9 Personen verwundet wurden. In Picarent und in Valencia wurden je eine Perfon getötet und mehrere verwundet.

L. Wien, 11. Nov. Die Meldungen von Verhaft­ungen bulgarischer Offiziere wegen Beteiligung an einer Verschwörung gegen denFür st en Ferdinand sind ttotz der Ableugnung von bulgarischer Seite richtig. Unter den Unteroffizieren des bulgarischen Heeres wurde ein geheimer Aufruf verbreitet, in dem es heißt: Während unsere Brüder unter Mörderhanden bluten, nötigt man uns zu einer feigen und unwürdigen Rolle. Wer ein bul­garisches Herz im Leibe hat, muß fühlen, daß die Rolle, die Fürst Ferdinand uns aufiröttgt, uns vor ganz Europa schändet. Nur ein Fürst, der kein Bulgare ist, kann nicht begreifen, daß hierdurch nicht nur die Ehre, sondern auch die Zukunft Bulgariens in den Staub getreten wird.

N e w y 0 r k, 10. Nov. Aus Santo Domingo wird ge­

meldet, daß dm Beschießung von San Petro de Maeoris durch einen dominikanischen Kreuzer am Mitt­woch nach zweieinhalb Stunden vorher erfolgter Ankündigung gescliah. Am Mittwoch fuhr der Kreuzer ab, ohne daß er den Versuch einer Landung von Truppen urttermommen hätte. Durch die Beschießung ist ernstlicher Schaden an amerikani­schem Eigentum angerichtet worden. Die Stimmung ist sehr feindlich gegen Amerika. Am Freitag verbot der französische Generalkonsul einem französischen Dampfer in den Hafen ein',ufahren. Am Samstag wurden die Aufständischen nach fünfmaligem Angriff auf die Hauptstadt und heftigem Feuergefecht zurückgefchlagen.

Einer Meldung derN. Fr. Pr." aus Rom zufolge steht die Aufnahme der Handelsvertragsverhand­lungen zwischen Deutschland und Italien unmittel­bar bevor. Im Dezember wird der Notenwechsel stattfinden, dem bn Januar inündliehe Verhandlungen folgen werden.

Belgrad, 12. Nov. Gestern wurden dem Advokaten der Schwestern der Königin Draga aus deren Nachlaß 500 000 Franks übergeben. Dtt Verweigerung des Nachlasses des Königspaares soll in den nächsten Tagen angekündigt werden.

Sofia, 11. Nov. Kriegsminister Sawow scheint sich mit weittragenden Militärplanen zu befassen. Außer der Umwandlung der 12 Reserve- in Linienregi­menter soll er die Formierung der bestehenden sechs Divi­sionen in 3 Armeekorps, die Vermehrung der bisherigen 6 Artillerieregimcnter um 3 Korpsartillerieregimenter und die Ausstellung eines Haubitzenregiments und 4. Festungs­artilleri ebataillons beabsichtigen. "" 1 -

Krcisletzrcrkonserknz.

Gießen, 11. Nov.

Die diesjährige Kreislehrerkonferenz tagte heute in Steins Garten unter dem Vorsitz des Provinzialdirektors Dr. Breidert. Um IO1/2 eröffnete dieser die Verhandlung! und bemerkte, daß dies die erste Kreislehrerkonferenz des Kreises Gießen sei, die unter seiner und des jetzigen Kreis- schulinspekiors Kleinschmidt Leitung stattfinde. Nach den statistischen Mitteilungen des Kreisschulinspektors sind im Kreise 79 Schulen mit 196 Klassen und ebenso vielen Lehrkräften, davon 193 Lehrer en und 3 Lehrerinnen. 75 Klassen sind gemischt, d. h. es werden Knaben und Mädchen gern einswaftllch unterrichtet, 13 zum Teil gemischt, die übrigen nach den Geschlechtern getrennt. Von den 79 Schul­klassen sind 39 einklassige, 22 zweiklassige, 7 dreiklassige, 7 vierklassige und 4 mehrklassige Schulen; die Schulen in Gießen sind achtklassig In 46 Gemeinden wird noch Schul­geld bezahlt, in den übrigen ist dieses aufgehoben. Schul- orte hat der Kreis 80 und wird in dieser Größe in Hessen nur vom Kreis Erbach übertroffen, welcher 84 zählt. Die Zahl der Schüler beträgt 11614, davon find 11 253 evan­gelisch, 191 katholisch, 143 israelitisch und 27 gehören einer anderen Konfession an. Nach dem Geschlecht sind 5870 Mäd­chen und 5744 Knaben. Auf Gießen entfallen 2130, aufs Land 9484 Schüler. Von den 196 Schulstellen entfallen 44 auf die Stadt Gießen, 152 aufs Land. Auf eine Lehr­kraft kommen in der Stadt 48,41, auf dem L-cmd 62,4 Schüler. Ueber 100 Schüler hat nur eine Klasse, über 90 7, über 80 haben 16 Klassen. Im Vergleich zum Vorjahr stteg die Zahl der Schüler um 205, die Zahl der Schulstellen und Lehrkräfte um 5; die Zahl der einklassigen Schulen sank von 40 auf 39. Im Vorjahre gab es noch 4 Schulen mit über 100 und 3 mit über 90 Schülern. Die Schülerwhl hat in Gießen bedeutend zugenommen, ist jedoch auf dem Lande zurückgegangen. Die Zahl der Fortbildungs- s ch ü l e r stieg von 1712 auf 1833, davon sind 1777 evan­gelisch, 25 katholisch, 31 israelitisch; der Kreis zählt 105 Fortbildungsschulklassen. Die Erziehungsanstalt in Kloster Arnsburg zählt in zwei Klassen 23 Schüler. Der Vorsitzende sagt hierauf baldige Abhilfe da zu, wo die Klassen die gesetzliche Schülerzahl überschritten haben, auch wird die Abschaffung des Schulgeldes stets im Auge behalten und die Fürsorge für kranke Schüler angeregt. Hierauf erhält Lehrer Bürstlein-Reiskirchen das Wort zu seinem Vortrag: Was kann die Schule tun, der Landbevölkerung die Vor­züge des Landlebens vor Augen zu führen und der be- orohlichen Abnahme der Landbevölkerung Einhalt zu tun?"

liegen noch an Ort und Stelle. Da, mitten im Walde liegen weite Zementrohre für die Durchlässe, dort lange schmiedeeiserne Rohre das modernste Material für Tief­bauten hier oben im sturmdurchbrausten Walde des hohen Vogelsberges.

Da liegt auch ein Haufen Schienen für Feldeisenbahnen. Jetzt geht uns ein Licht auf, das ist die Bahnlinie, die über Hartmannshain nach Gedern anschließen soll und die den Technikern bei der Tracierung so viel Kopfschmerzen gemacht hat. Ta sind wir wieder unter Menschen, geschäftig regt sich's im Walde, der neue Eisenbahndamm wird sichtbar und aus ihm rollen die mit Erde gefüllten Kippwagen. Dort öffnet sich der Wald, wir sehen weit hinten am Horizont in die Rhönberge hinein und ganz nahe zu unserer Linken grüßt mit seinem Wirtshausschilde der breit sich dehnende Darmstädter Hof in Hartmannshain. Ihm gegenüber wird, als ob's so sein müßte, der Bahnhof von Hartmanns- hain seinen Platz finden. Eine große Flache aufgeschütteten Grunde- kennzeichnet den Raum, den er einst bedecken soll.

Im Wirtshause wir glauben bereits ein Frühstück bcrb'ient zu haben finden wir nur einen Gast, natürlich einen Herrn, der mit dem Eisenbahnbau zu tun hat. Ich bin in Verlegenheit: was soll ich ttinken? Mer? Dazu ist der Morgen zu frosttg; Wein? ist auch ein gewagtes Unter­nehmen, ich entschließe mich nur keinen Nervenanfall, verehrte Leserin ich trinke Schnaps!

Wir halten nur kurze Rast, verlassen die Straße, wenden uns westwärts und erreichen Lerchenhain. Hwch nhain ist eine alte Ansiedelung zweifellos von Leuten, die sich mit besonderer Vorliebe den Wind um die Nase blasen ließen. Den Zweck haben sie erreicht, die Häuser hängen da oben auf dem Bergrücken wie Wäsche an der Leine und daß sie nicht gelegentlich fortgeweht sind, verdanken sie allein der Geschicklichkeit des Zimmermannes, der die Balken so inein- anberfügte, daß der Sturm enttueder das ganze Haus mit fortnehmen ober altes stehen lassen mußte. Soll ich nock mehr von Herchenhain erzählen? Bon dem einzelnen und einzigen jungen und doch so greisenhaften Apfelbaum? Die Lokalgeschichte Herchenhains darf erst später geschrieben wer­den, es ist heute noch zu früh ba#u.

Aus dem Wege nach dem Hohenrodskopf finden wir einen zuverlässigen und liebenswürdigen Führer. Durch Wrej en gründe, die naß sind und wasserdichtes Schuhzeug erfordern, geht's über kahle Höhen. Der Boden wird noch nicht beschattet durch die jungen Anpflanzungen von Fich­ten, die zu Tausenden da in Reihe und Glied stehen und vom Sturm, dem sie jetzt schutzlos ausgesetzt sind, gezaust wer­

den. Wir ersteigen die letzte Höde zum Hohenrodskopf, das kahle Weideland unter unseren Füßen wird nach Süden be­grenzt durch den Hochwald des Oberwaldes. Was müssen die armen Bäume des Waldrandes aushalten und doch trotzen sinn in erster Linie stehend, mit ihren zähen Aesten Aesien und zerbrochenen Kronen dem Schneesturm Mnter für Minter, ohne ihre Lebenskraft einzubüßeu.

SudermannsSturmgeselle Sokrates" er- rang einen starken äußeren Erfolg im Deutschen Schau­spielhause zu Hamburg; von Sudermann-Enthusiasmus war ttotzdem keine Spur vorhanden. Man darf behaup­ten, daß der Hamburger Erfolg zum großen Teile der prächtigen Darstellung und noch mehr der richtigen Auf­fassung der Regie zu danken ist. Die Komödie wurde dort als ein Schwank behandelt, und das war eine sehr richtige Taktik, um die sckiefe Ebene der halb komischen, halb ernsten Dichtung vor dem Versanden zu retten. Das Unterstteichen der derben und nicht gerade urneuen Witze erwies sich als sehr wirksam für die Lachlustigen.

Ern glänzendes Zeugnis aus England erhielt das im Verlage von Fritz Lehmann in Stuttgart erschei­nende Prachtwerk: Das Mineralreich, von Dr. Reinh. Brauns, ordentl. Prof, der Mineralogie in Gießen. Tie FachzeitschriftThe Mining Journal" in London, ein führendes Blatt auf dem Geriete der Bergwerks- und Minen- Jndusttie, schreibt über die 1. Lieferung des Werkes: Der Inhalt und die Ausstattung der 1. Lieferung versprechen uns ein geradezu herrliches Werk über das Mineralreich­herausgegeben von Prof. Dr. Brauns in Gießen. Der ganze Umfang wird aus 30 Lieferungen ä 1.50 Mk. be­stehen, das Werk wird mit vielen Textbildern geschmückt sein und außerdem 91 ganzseitige Bildertafeln, davon 73 feinste Chromotafeln, 14 Lichtdrucktafeln und 4 Kunstdruck- tafeln enthalten. Der Text ist klar und für jedermann leicht verständlich und wird eingeteilt in 5 Abteilungen, die je­weils behandeln: Allgemeines über Mineralien (Kristall- formeu und Kombinationen, Machstumsformen, Pseudo- morphosen 20.). 2. Die Erze und ihre Abkömmlinge nebst Schwefel und Meteoriten. 3. Die Edel- und 5>albedelsteine. 4. Die gesteinsbildenden Mineralien. 5. Die Salze und Bernstein. Die 1. Lieferung enthält 24 Quartseiten Text und 5 Ehromotafeln, darstellerrd eine große Stufe Rauch- top as vom St. Gotthard, 16 verschiedene Stücke von Gold in natürlichem Zustande und Platin, 14 verschiedene Stücke von Popas, 17 von Turmalin und die berühmte Gemma Augustea iu Sardonyx geschnitten aus Men. Alle diese

verschiedenen Stücke sind den bekanntesten Sammlungen entnommen und genau in ihrer Beschaffenheit und bezüglich ihres Fundortes rc. beschrieben. Sämtliche Tafeln bilden einen Triumph des Farbendrucks, und wenn die folgenden Lieferungen sich auf der glänzenden Höhe wie die erste erhalten, dann wird das Buch, ein überaus bemerkens­wertes Werk für jede Familie und eine dauernde Quelle der Freude für jeden, der Interesse an Mineralien hat."

Dierömisch-germanische Kommission.des kaiserlichen archäologischen Instituts ist gebildet worden und besteht'' an§ dem Generalsekretär Prof. Dr. Conze-Berlin, Prof. Dr. Hirschfeld-Berlin, Prof. Dr. Loeschke- Bonn, Direktor Prof. Dr. Dragendorff-Frankfurt a. M., dem Oberbürgermeister Dr. Adickes-Frankfurt a. M., Prof. Dr. Eduard Meher-Derlin, dem ersten Direktor des römisch>-ger- manischen Zenttalmuseums Prof. Dr. Schumacher-Mainz, dem Geh. Baurat Jacobi-Homburg v. b. H., Prof. Dr. Jo­hannes Ranke-München, Prof. Dr. v. Herzog-Tübingen, Prof. Dr. Fabricius-Frciburg (Breisgau), bem Ministerialrat i. P. Soldan-Tarmstabt, Pros. Dr. Henning-Straßburg, Prof. Dr. v. Tomaszewski-Heidelberg, Rektor Dr. Ohlenschlager- München, Direktor der Museums nassauischer Altertümer Prof. Tr. Ritterling-Wiesbaden, Direktor des Kestner-Mu­seums Prof. Tr. Schuckhardt-Hannover und dem Oberlehrer Prof. Tr. Wolff-Frankfurt a. M.

D. B. Hd. Berlin, 11. Nov. Wie wir aus guter Quelle erfahren, wird vom 1. Januar ab eine teilweise Fusion des Ernst Keilschen Verlages in Leipzig mit der Verlags-Gesellsckaft August Scherl in Berlin in der Weise stattsinden, daß auch die feit 50 Jahren bestehende Gartenlaube von dem genannten Verlage übernommen wird. Truck und Verlag der Gartenlaube bleibt in Leipzig, ebenso wird die Verlagsfirma Ernst Keil Nachfolger fort- bestehen, wie denn auch die redaktionelle Leitung, abge­sehen von dem Rückttitt des bejahrten Herausgebers bleiben wird.

Paris, 11. Nov. Dr. Marmereck hat einen Vor­trag in der medizinischen Akademie über sein Anti- Tuberkulin-Serum auf nächsten Dienstag ver­schoben. Marmareck ist mit dem Direktor des Pasteur-Insti­tutes in Differenzen geraten und hat um seine Entlassung als Leiter des Laboratoriums nachgesucht, um allein die Verantwortung für seine Erfindung zu übernehmen. Das neue Serum soll bereits in verschiedenen Hospitälern mit Erfolg angewandt worden fein.