Ausgabe 
12.11.1903 Erstes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

Als einsamunersetzlich"

wird Kathreiners Malzkaffee von vielen Hausfrauen bezeichnet. Diesem Urteile muß Jeder unbedingt beistinnnen, der die vielen Vorzüge aus Erfahrung kennt, die Kathreiners Malzkasfee tatsächlich in sich vereinigt und die ihn hoch über alle ähnlichen Erzeug­nisse stellen, Jeder der sich von seiner Bekömmlichkeit, von seinem Wohlgeschmack und seiner Billigkeit durch die PraxiS überzeugt hat. 7083

ycam nva) einigen amtlichen Mitteilungen ergreift Kreis»! amt mann D r. Kranzbühler das Wort, Um über das neue D e n k rn a l s chu tz g e s e tz zu reserieren. Dieses Gefetz ist mit dem 1. Oktober in Kraft getreten und hat den Zweck, die Baudenkmäler, bewegliche luie unbewegliche, vor dem Untergang zu schützen, da sie für ine heimatliche Ge- schichte von großer Bedeutung seien. Der Redner bittet die Ideen des' Echetz.es ins Volt zu tragen. An die Konferenz schloß sich ein gemeinsames Miltageisen, wobei der Vor- itzende Provinzialdirektor Dr. Bretdert in einer Ansprache des Landcssürsten und Kaisers gedachte und auf beide em Hoch ausbrachte. Kreisschulinspektor Kleinschmidt toastete alsdann aus die oberste Schulbehbr.de und besonders Mini­sterialrat Dr. Eiseuhuth, Rektor Hahn auf die Kreisschul- kommission und Lehrer Werl-Wieseck auf das deutsche Va t erland.

Ulli) £illlÖL

Gießen, den 12. November 1903

* Hessisch-Thüringische Staatslotterie. Am heutigen zweiten Ziehungstage der 1. Klasse fiel die Prämie uon 75 000 Mk. auf Nr. 37541, welche zuletzt mit 300 Bit. gezogen wurde (nach Mainz), em Gewinn von 10 000 Mk. auf Nr. 13424, Gewinne von 400 Mk. auf Nr. 21054 32486 38452 53552. (Ohne Gewähr.)

Aus dem Militär-Wochenblatt. Gr. Wil­helm von Schlitz gen. von Görtz, in der Armee und zwar als Lt. im 1. Großh. Hess. Drag.-Regt. (Garde-Drag.- Regt.) 9lr. 23, vorläufig ohne Patent, angestellt.

* Oberhessischer Geschichtsoeren. Wie wir be­reits mitteilten, wird heute abend Profeffoc Dr. D ragen - borf aus Frankfurt im Oberhess. Geschichlsverern einen Vor­trag über die Bedeutung der Gesäßfunde für die heimische Altertumsforschung halten, auf den bei der wissenschaftlichen Bedeutung des Redners hiermit wiederholt aufmerksam ge­macht werden soll.

** Bazar zum Besten der Aliceschule. Ter durch verschiedene Umstände hinausgejchobene Bazar zum Besten der Aliceschule findet nun bestimmt am 18., 19 und 20. November statt. Die Vorbereitungen find bereits in vollem Gange und man darf erwarten, daß bei dem großen Eifer und bei dem lebhaften Interesse der Mitwirkenden ein nach allen Richtungen hin befriedigendes Ergebnis erzielt werde. Das mäßige Eintrittsgeld, sowie die vollständig normalen Verkaufspreise ermöglichen es Jedermann, die Veranstaltung zu besuchen und auch mit den bescheidensten Mitteln zum Gelingen des Ganzen beizutragen.

"Aus dem Bureau de§ Stadttheaters. In der morgigen Don Carlos - Aufführung wird Herr Linzen die Rolle des Königs, Herr Randorff den Posa, Herr Achterberg den Carlos spielen, außerdem sind in Froheren Aufgaben beschäftigt die Herren Teleky und Haag. Die Eboli liegt in den Händen der Frl. Hohl und die Königin wird von Frl. Minna Löser aus Kassel gegeben werden, die als eventueller Ersatz für Frl. Hagen in Frage kommt.

- Die Fe st nähme eines Attentäters. Ein schon vorbestrafter Mensch namens Frey aus Wißmar ver­suchte vorgestern mehrmals in der Nähe der Möser'schen Mühle auf eine Frau ernzudringen; durch deren lautes Schreien wurde indeffen sein Vorhaben vereitelt. Der Mensch wurde durch einen hiesigen Gendarmen sofort verfolgt, fest­genommen und ins Haftlokal gebracht. Vorher hatte er schon unsittliche Handlungen vor den Augen eines kleinen Mädchens vorgenommen. Man vermutet in ihm die Person zu haben, die im Laufe dieses Jahres schon mehr unsittliche Handlungen in der Nähe Gießens begangen hat.

" Die Kälte kommt. Gestern abend kurz vor 7 Uhr zog über unsere Stadt ein starker Trupp Sch neegänse, deren sonderbares Geschrei in den Straßen man deutlich ver­nehmen konnte. Das Eintreffen dieser Wandervögel bedeutet herannahenden baldigen Frost, den die Geschäftsleute auch sehnlichst herbeiwünschen.

Das Reitpferd der Zarin. Die Luxuspferde­handlung der Hoflieferanten Gebrüder Heß Söhne in Bocken- heim, die bereits mehrfach Pferde für den kaiserlich russischen Hofmarstall geliefert hat, konnte wiederum ein wertvolles Damenreitpferd für die Zarin besorgen. Die russische Kaiserin ließ derKl. Pr." zufolge während des Aufenthalts in Wolfsgarten den Mitinhaber der Firma, Herrn Albert Heß, mit mehreren Pferden zur Wahl dorthin bestellen. Die Kaiserin wählte im Beisein des Zaren, des Großherzogs und der anderen Fürstlichkeiten nach eigenem Geschmack und Ur­teil unter den vorgeführten Pferden eine schöne englische Gold- suchsstute. Die Zarin scheint eine Pferdekennerin zu fein: ihr Urteil stimmte mit der Prämiierungs-Kommission des letzten Frankfurter Herbstpferdemarktes überein, die auch jene Fuchsstute mit dem ersten Preis in der Konkurrenz der Reit­pferde ausgezeichnet hat.

Mainz, 10. Nov. Bischof Dr. Brück hat noch kurz vor seinem Tode die Verfügung über sein Vermögen getroffen. Die Hauptsumme fällt dem bischöflichen Seminar zu. Der Gesamtnachlaß soll Mk. 250 000 Mark betragen. Den größten Teil seines Vermögens erwarb sich der Bischof durch litera­rische Arbeiten. (tJfctf* B^g.)

r. Mainz, 11. Nov. Als Ersatz für den vor kurzem verstorbenen sozialdemokratischenLandtagsabgeord- neten Redakteur Ph. Haas ist von der sozialdemokratischen Partei Redakteur B. Adelung ausersehen worden. Da die Wahl durch die früher gewählten Wahlmänner vollzogen wird, ist es außer allem Zweifel, daß der Sozialdemokrat als Gewählter aus der Wahlurne hervorgehen wird. Ein anständiger städtischer Beamter von hier wurde am Montag abend unter dem Verdacht, an einem sechsjährigen Kind ein scheußliches Verbrechen begangen zu haben, verhaftet. Bei einer in Gegenwart des Staatsanwalts heute stattgehabten Konfrontation des Betreffenden mit dem Kinde erklärte dieses mit Entschiedenheit, daß der Inhaftierte nicht der Missetäter gewesen sei, worauf deffen Freilassung von der Staatsanwaltschaft sofort verfügt wurde. Auf Veranlassung der Bäckerinnung ilt hier vor wenig Wochen ein bescheidener Abschlag desB r o tp r e i s e s emgetreten. Jetzt erklärt der größere Teil der Bäcker, das Brot zu den billigen Preise nicht mehr liefern zu können und verlangt wieder einen Aufschlag, was indeffen ohne Zustimmung der Bäckerinnung nicht geschehen kann. Es herrscht daher große Mißstimmung gegen die Bäckerinnung.

Klein - miiif i n > " -o Hessen und d e n

Nachbarstaatten. In der Bonifatiuskirche der Patres O b - laten in Hünfeld wurde die Taufe eines kleinen Kaffern- knaben aus der deutschen Kolonie Südwestafrika vollzogen. Derselbe war mit einem anderen Hereroknaben von ?. Herman- dnng herübergebracht worden. Die Frau Landgräsin von Heffen stand bei dem Täufling als Pale. In Darmstadt ftavb der Major z. D. Franz Freiherr Schenck zu Schweinsberg.

?er F'rozcß wegen Kindcsunlerschievung gegen die Gräfin Kuuückr.

XIL

Berlin, 11. Nov.

Die Kommission zur Prüfung der Aehnlich- f eit zwischen den bei den Kn ab en, die in dem Prozeß gegen die Gräfin Simile di und Genossen tue Hauptrolle spielen, ist heute im Schwurgerichtssaale in Moabit unter Ausschl d e r O e s s e u t l r ch k e i t zusammengetretcn. Erschienen waren die Gerichtsärzte Dr. Störiuer imö Pcof. Straßmann sowie der Porträtmaler Prof. Bogel als Mit­glieder der Saihversiändigen-Kommisswn. Die Bertcidiger imi) die Vertreter der ösfentlichen Aiiklag.behvrde wohnten den Untci |Ud}<ungcu *beu Die Arbeiten der K'omnnssion nahmen fast drei Stunoen in Anspruch. Sie haben zu oem Ergebnis geführt, daß zwst jtii dem im Jahre lüOo ge­borenen ersten uneheli^en Sohne der Bahnwariers rau Eäeilte Mayer und den: sechsjährigen Majorats-Pmien- deuten irgendwelche Aehuli-)keit verwaudtsd)aftlid)er "Natur in keiner Weise f e st z u st e 11 e n waren. Aus der andern Seite weisen oie Gesich. tszüge und r- per-Formen des kleinen Grafen und der an- ge klagten Gräfin Kwilecki eme außerordent­liche Familienähnlichkeit auf. Besonders gleich­artige Merkmale finden sich in der Blloung der Ohrmuscheln vor.

MwcrMs-Kachnüsten.

Posen, 12. Nov. Tie erzbischöfliche Behörde verhängte Karzerfl rasen über sämtliche polnischen Kleriker des Priesier- Seminars wegen der Weigerung, die Akademievorlesungen zu be­suchen. Bei sorlgejetzter Weigerung wird Delegierung angedrohl. Tie neu emtretenben Kleriker müssen sich schnsllick) verpflichten, die Vorlesungen der Akademie regelrecht zu besuck)en, sonst uuler» bleibt die Ausnahme ins Seminar.

Berlin, 12. Nov. Tie Witwe Virchow's schenkte der berliner medizunscheil Gesellschaft die von Rudolf Vuchow Hutter- lassene Blbliolhek, beslehend aus gegen 7000 Bänden.

Wie man aus Ai auch en schreibt, soll der frühere bayerische Ministerpräsident Gras Crailsheim beabsichtigen, sich an der Münchener Universität für Vorlesungen über Staatswissenschast zu habilitieren.

Zanöel und ynktljr. DoUiülmrlschasl.

Deutsche Bank. Die Bank hat, nachdem das Petroleum- fartet l rechtzeitig zu Stande gkommen ist, die neuen 2 Millionen Kronen-Aktien der Schodliica-Petroleum-Jndusirie zu 131 Prozerit übernommen.

Märkte.

v. Gießen, 12. Nov. Auf dem gestrigen Fahrvieh­markt waren etwa 80 Ochsen aufgefahreii. Ter Haiidel war sehr flott, besoiiders wurde für kleine Brennereien im Kurhessischen und Nassauischen Gangvleh stark gesucht und gekauft, sodaß der Vorrat den Bedarf nicht deckte. Schwere Gangochsen waren dies­mal überhaupt nicht am Markt. Verkauft wurde L Sorte zu 800850 Akk., 2. Sorte 700750 Mk^ angelernte Stiere 550 bis 650 Mk. pro Paar. Ter Vorrat mürbe geräumt. Der Auftrieb auf dem <£d)rocinemarft belief sich auf 700800 Stück; fünf Waggons Schweine, welche mit der Eisenbahn aus dem Kur- hessischen zu Markt gebracht worden waren, dursten nicht aus- geladen werden, weil Die Tiere nach den Bestimmungen gegen die Seuchengefahr erst einige Tage in einer Stallung zur Beobachturig hätten stehen müssen. Ter Handel auf dem Markt ging sehr flott; es wurden für Die Ware Die Preise des letzten Marktes erzielt. Der gestrige zweite Zwiebelmarkt hat einen Vorrat von ca, 350 - 400 Centner, ausschließlich Wetterauer Gewächs. Die Ver­käufer verlangten für die Ware pro Centner 67 Alk., je nach Qualität. Am Vormittag waren vereinzelt Zwiebeln mit 5 bis 51/, Alk. zu kaufen. Nachmittags aber fand Die Ware mit 1 Alk. Ausschlag reißenDen Absatz. Der Krämermarkt hatte gestern trotz Der schlechten Wege, welche uns Das Regenwetter in Der Nacht vorher gebracht hatte, einen starken Zufluß von LandkunD- schaft zur StaDt gebracht, welche den betreffenden LaDeninhabern in Der NeustaDt, Markt- unD Bahnhofstraße, sowie in Der GegenD des Marktplatzes zu einem guten Geschäft verhalf.

Limburg a. d. L., 11. November. Fruchtmarkt. Durch' schnittspreise pr. Malter. Roter Weizen 13.60 AU., altes Korn 10.10 Alk., neues Korn 00.00 Alk., Gerste 0.00 Alk., Hafer 6.30 AU. Hafer gering 6.00 Alk., Erbsen 0.00 Mk., Kartoffeln 0.00 AU.

Vermischtes.

Berlin, 11. Nov. Heber die entsetzliche Tat, die die S ch r i s t s e tz e r s fr a u Winterstein, deren Mann sich in der Lungenheistätte Beelitz befindet, heute früh in ihrer Wohnung Landsberger Straße, begangen hat, er­fahren wir noch folgendes: Bei den Kindern wurden sofort Wiederbelebungsversuche angestellt, die jedoch erfolglos blieben. Die Frau ist 32 Jahre alt. Sie berichtet die schreckliche Tat ohne jede Erregung. Gestern abend hätte sie sich vom Boden eine starke Schnur geholt. In früher Morgenstunde nahm sie zuerst ihren jüngsten Sohn, der wie die andern schlief, aus dem Bette, legte ihm eine Schlinge um den Hals und knüpfte ihn an der Türklinke auf, bevor er noch aus dem Schlafe znm Bewußtsein gekommen. Mit der Uhr in der Hand lag sie nun eine halbe Stunde lang im offenen Fenster. Dann nahm sie die Leiche von der Klinke, legte sie ins Beet, erhängte in derselben Schlinge den Zweitältesten Knaben und wartete wieder eine halbe Stunde, um nun in derselben Weise das entsetzliche Werk an ihrem ältesten Sohne zu vollziehen. Dieser erwachte und fragte verwundert: ^Mutter! Was »nächst du denn? Was willst du denn?Ach nichts", erwiderte sie, wid) will dich nur in ein anderes Bett legen." Be­ruhigt richtete er sich auf, unmittelbar darauf hatte er die Schlinge um den Hals, und im nächsten Augenblick hing auch das dritte Opfer an der Türklinke. Ueber den Grund der Tat gibt ein Brief Ausschluß, der in der Wintersteinschen Wohnung gefunden wurde und an den in der Lungenheilstätte weilenden Gatten der wahnsinnigen Frau gerichtet war. Sie schreibt darin, sie sei zu der Ueber- zeugung gekommen, daß der Mann doch nicht mehr gesund werde und sie nach seinem Tode allein die Last der Erziehung der drei Kinder zu tragen haben würde. Deshalb habe sie fürchten müssen, daß aus ihnen Verbrecher würden, und darum habe sie sie lieber getötet. DemBerl. Lok.-Anz." zufolge verübte nach dem Gutachten der Polizeiärzte die Schriftsetzer­frau Winterstein den dreifachen Kindes mord im Wahnsinn.

- Würzburg, 11. Nov. Aus dec ^agd wurve der Metzgermeiller Uhl bei Bürgbernheim erschossen._______

LiirchlichstVachnchten.

Evangelische Gemeinde.

Donnerstag den 12. November, abends 8 Uhr, tm oberen Konfirmandensaale Kirchstraße 9: Bibelstund e (Psalm 85).

Pfarrer D. Schlosser.

Israelitische Ncligionsgenreinde.

Gotlcsdieust in der Synagoge, Sndanlage.

Samstag, Den 14. November 1906.

Vorabend 4.30 Uhr. Al o r g e n s 9.00 Uhr.

Nachmittags 3.30 Uhr.

Schrifterkläruug.

Sabbathausgang 5.30 Uhr.

Hottrsdienll der israelitischen ^eliflionstzksellschast.

Sabbathieier am 14. November 1903.

FreitagavenD 4.15 Uhr. Samsiag Vormittag 8.30 Uhr.

Predigt.

Nachmittag 3.30 Uhr.

Sabbctthausgang 5.30 Uhr.

WochengottesDienst: morgens 7.00 Uhr, abends 4.00 Uhr.

ilenrlif sxiriuniu in.

Originaldraplmeldttttgen des Gießener -lnzcigerS.

vienes Palais, 12. Nov. Tas heutige Bulletin lautet: Der ftaijcr hat gcueru wegen scharsen Windes den Spazier» gang aufgegeben. Die Heilung der Wunde nimmt einen regelmäßigen Verlauf. Das Allgemeinbefinden ist dauernd gut.

Berlin, 12. Nov. Professor Orth wollte bekanntlich, falls ihm die Erlaubnis gegeben würde, in der Ber­liner medizinischen Gesellschaft über den Er­krank u n gs s a 11 des Kaisers sprechen. Diese Er­laubnis ist dem Geheimrat Orrh nicht gegeben worden.

Berlin, 12. Nov. Franz Mehr in g hat soeben die zweite Auflage seiner Rechtfertigungs-Bro­schüre erscheinen lassen Ihr Nachtrag ist zmn größten! Teile den Vorwärts-bcedakteuren Eisner und- Gradnaneri gewidmet. Tie,eiben erklären dagegen, die Broschüre ent­halte trop der angekündigten Enthüllungen über sie nichts, I was eine öffentliche Antwort rechtfertigen könnte. Int übrigen werde die ganze Angelegenheit ocrdurch z>ur voll­ständigen Klärung gelangen, daß der Parteivorstand sich bereit erklärt, die Diskussion, soweit sie ins Gebiet der Parteimoral gehört, zu prüfen und darüber zn entscheiden.

Berlin, 12. Nov. Ueber die A e h n 1 ich k e i t s fest­ste 11 u n g im Prozeß gegen die Gräfin Kwilecki, die im Moabiter Gerichtsgebäude stattfand, werden folgende Einzelheiten mitgeteilt Die Sachverständigen suchten zu­nächst am Körper der beiden Knaben nach besonderen Mark­malen. Als solche iticht gesunden wurden, sollte eine Ver- gleidyung der Körper hinsichtlich des Gliederbaues vor­genommen werden. Da aber stellte sich heraus, daß der jetzt neun Jahre alte Sohn der Bahnwärterfrau Meyer vor mehreren Jahren an der englischen Krankheit gelitten hat, die eine teilweise Verkrümmung der Beine und des Rückgrates nach sich zog. Unter diesen Umständen hielt die SachverstälidiaenkommissMn eine Vergleichung der Körper für unmöglich. Sie stellte dann den Unter­schied in der Ohrbildung zwischen den beiden Knaben !est. Der ältere hat ovale, der jüngere runde Ohren. Hin- fichtlich der G e s i ch t s z ü g e ließ sich keine bestimmte I e st st e l l u n g machen, da diese bei dem jüngeren Knaben noch allzu unentwickelt sind. Porträtmaler Vogel sprach sich für eine absolute Aehnlichkeit zwischen der Gräfin .und dem von ihr reklamierten Knaben aus.

London, 12. Nov. Aus San Domingo ist die Meldung eingetroffen, daß die deutschen Marine­schiffeGazelle" undPanther" dort eingetvoffen sind und Marinesoldaten an Land gesetzt haben. Weiter wird berichtet, daß die Rebellen die Stadt Santo Domingo während der dtacht wiederholt angriffen, aber mit geringen Verlusten zurückgeschlagen wurden. Die Ver­luste auf Seiten der Regierung waren erhebliche Auch wurden einige ausländische Zivilisten getötet. Eine Truppenabteilung-, die einen Ausfall machte, geriet in einen Hinterhalt. Es gelang ihr jedoch, unter Zurück­lassung der Toten und Verwundeten zu entnommen.

Wien, 12. Nov. An hiesiger offizieller Stelle werden alle Gerüchte über den Rücktritt des russischen Mi­nisters Grafen Lamsdorfs als völlig unbegründet bezeichnet. Lamsdorfs erfreue sich der vollen Gunst des Zaren und es liege keinerlei Anlaß zu einem Wechsel in der auswärtigen Politik Rußlands vor, nachdem Lams­dorfs eben jetzt erfolgreiche Vereinbarungen mit den leiten­den Staatsmännern Deutschlands und Frankreichs ge­troffen hat.

Rom, 12. Nov. Hier zirkulieren Gerüchte, daß einer der ungeratenen Söhne des durch Selbstmord ge­endeten Finanzministers Rosano sich mehrerer den Vater schwer kompromittierender Schriftstücke bemächtigt habe, um dieselben an den meistbietenden Gegner des Ministers §u Oer taufen. Dies soll die Hauptursache zu dem Selbst­morde Rosanos gewesen sein.

Belgrad, 12. 9wv. Wie verlautet, hat die eng­lische Regierung die Annahme des Glückwun­sches der serbischen Regierung anläßlich des Ge­burtstages Königs Eduards verweigert.

L. Washington, 12. Nov. Das Staatsd eparte- ment leynt es ab, den Text der Glückwunsch­depesche oas Präsidenten RooseveltanKaiserWil^ heim anläßlich jcuier Operativu mitzuteilen.

Tientsin, 12. Nov. Manschika benachrichtigte die chinesische Regierung, er habe 45 000 Mann, die in Bereit- schast ständen, die Mandschurei zu besetzen.

Frisch eiDgeirohen:

Oaviar. G-eflüg*©!.

CsH Schwaab, Hoflieferant.

Telephon 265. 812l Seltersweg 23.