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12/11/1903 Erstes Blatt
 
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Erstes Blatt.

Donnerstag 12. November 1903

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen

153. Jahrgang

Nr. 266

SrsHetut täglich außer Sonntags.

4)em Gießener Anzeiger werden irn Wechsel mit bem hessischen Landwirt dtk Gießener Kamillen, blätter dermal in der iBodje betqelegL

Stolanonöbcud u. &er- lag bei Brühl 'schen Uniutrl.-iducfr- u.<5teui» bruderel tPuetich Erdenh Wtebaftlun (fyptöuion und Drnaeret:

Ochalftratze 7.

Adleße für Depeicheni Anzetger Gtetze«.

£rrn1t>rfduinld)lufi Vtr 61

ietzenerAnzeiger

txy Seneral-Anzeiger

Vezagspreis monailict 75131., oterteU jährlich Mk. 2.20; durch Abhole- u. Zwetgslellei-' monatlich 65 Pi.- durch die Post Mk. 2. viertel» sährl, aufilchl Beilellg. Annahme von Anzeigen üi öte Lagesnummer jU ootmtUagfl 10 Uhr.

eilen pietfl lotal 12 Pl^ auflrodrll 20 Ptg.

tOt«e*i®»rilidb tüt den iroltt. imt adgem. 1eU P Ötnto tüt »Stadl und tianö' und ,(Send) 16)aal*. August Götz, «ü» den An» $eiqenteti van6 Beck.

Nalliischt Tagesschau.

Der bayerische Bauernbund hielt in Würzbur g am Sonntag eine Versammftmg ab. Ter Vorsitzende Memminger sprach bei der Eröffnung die Erwartung aus, daß keineSpitzel aus dem Nor­den" zugegen seien; im vorigen Jahre sei ein preußi­scher Hauptmann anwesend gewesen gemeint ist Dr. Dietrich Hahn, der Vorsitzende des Bundes der Land­wirte und dieser hake ihm, Memminger, eine fünf Monate dauernde Untersuchung wegen Majestätsbelei- digung an den Hals gehängt; sollte ein solchesIndi­viduum" sich eingeschlichen haben, so möchte es sich hurtig davon machen.

Von Interesse war ferner eine Aeußerung Dr. Ga echs, mit den liberalen Abgeordneten im Landtag bahne sich eine Verständigung an. Einige seien direkt Agrarier und sogar der Aba. Casselmann habe sich bekehren lassen. Be­schlossen wurde, daß die Abgeordneten des Bauern­bundes gegen den Donau-Main - Kanal stimmen. Selbst wenn die Idee von Prinzen stammt", erklärte der Abg. Cchnnk,lehnen wir sie ab".

Ter hessische Landtagsabg. Hirschel-Offen- bach meinte:Unsere Kraft liegt in den Landtagen, nicht in dem slavisch durchseuchten Berlin mit seinenows" undkys", seinen Bülows und Posadowskys und Podbielskis."

Der bayerische Abg. Schönleben meinte, das schwarze Gift sei ebenso gefährlich wie das rote Gift.Vielleicht klopfen einmal die roten Freü- fchärler an die Klosterpforten und an die Geldkisten, dann wird man einsehen, daß der Dauer die Stütze des Staates i st."

Bauer Heussinger klagte über die Sittenverderbnis, frie auch in den Bauernstand eindringe. Ein Krebsschaden sei, daß dieBauerntöcytersichmodernisierten, daß ihnen der Bauernstand zu niedrig sei, daß sie feine Häkelarbeiten machen, aber keine Hos^n flicken können, daß die gesunden Töchter, wenn sie Geld haben, die Arbeit fliehen und aus dem Stand heiraten, der dumme Bauer aber höchstens die kriege, die vielt eicht krank sei, die keiner möge.

Anton Memminger, der Vorsitzende der Versamm­lung, hatte das Schlußwort. Für den Kanal stimmen alle jene Herren, die heute schon rote Strümpfe tragen und sich das rote Kreuz auf die Brust wünschen. So richtet man den Staat zu Grunde. So richtet man das Bayernland zu Grunde. Und am Ende sind wir eine preußische Provinz. Dann wird man es uns zeigen. Dann regiert in München ein preußischerOberpräsident. (Be­wegung.) Unser Volk weiß nicht, wo ans und ein. Daran ist die Reichsregierung schuld. Unter Bismarck wußte man, wie zu stimmen fei. Unsere Regierung hat kein Programm, keine Ziele, keine Grundsätze , nur Redensarten nach allen Seiten, in Berlin wie in München. Das ist die Lau-Regierung. Daran gehen die Parteien zu Grunde. Das Volk will bald nichts mehr wissen von der Politik, und die Regierung hat keinen Sinn für das Volk. M) sich aber die Schaffenden und Verständigen zurück­ziehen vom Staat, da geht es wie im römischen Reich, dann kommt einmal der Tag, wo die Fremdlinge einbrechen ins Reich Wir brauchen einen entschiedenen Staatsmann, der den Knoten des Parlaments mit dem Schwert durch­haut. Da spricht man von einer Autvmobilsteuer. Ich bin dagegen. Es ist ganz aut, wenn recht viele hohe Herren Automobil fahren und sich am Ende die Köpfe einrennen. Wir Bauernbündler aber bleiben. Man wird uns noch

rufen. Wir leben in einer Zeit, wo Kaiser und Könige auffallend viel reisen. Man weiß nicht, was alles noch werden will. Und eine verlorene Schlacht, die kann was bringen, gebet acht!

Ehrliche Wut", schreibt der Würzburger Bericht­erstatter derM. N. Nachir." seinem Blatte,steckt in d i e s e n Bauernköpfe n."

Eine Vermehrung der Einnahmen des Reiches wird bekanntlich von den Finanznunistern der Einzelstaaten eifrig erstrebt. Welches sind nun, so fragt dieKöln. Volks- ztg.", die bisherigen unmittelbaren Einnahmequellen des Deutschen Reiches? Bekanntlich die Zölle und die mittel­baren Steuern. Ter mittelbaren Besteuerung durchs das Reicb unterliegen Salz, Tabak, Bier, Branntwein, Zucker, Schaumweine; aber nur Branntwein und Zucker liefern dem Reiche verhältnismäßig hohe Einnahmen. Dagegen fließen der Reichskasse aus den Zöllen bei der großen Zahl zoll­pflichtiger Gegenstände schon jetzt Einnahmen in Höhe von etwa 500 Mill. Mar? zu. Inwieweit der neue Zolltarif an der Höhe dieser Einnahme etwas zu ändern vermag, läßt heute noch nicht sich sagen, da ja die Handelsvertrags­verhandlungen, welche die einzelnen Zollsätze erst festlegen werden, noch lange nicht abgeschlossen sind, und auch dann, wenn dies der Falt sein wird, es erst noch darauf an- kvmmen wird, welche Verwendung die etwaigen Mehrein­nahmen aus Zöllen finden sollen. Bei einem etwaigen Weiterausbau" der (Annahme quell en des Reiches könnten also zunächst wohl nur Tabak und Bier in Frage kom­men. Sind doch auch schon des öfteren Anläufe ge­nommen worden, um aus Tabak und Vier höhere Ein­nahmen zu erzielen, wenn der Reichskasse Ebbe drohte: bisher waren aber diese Anläufe stets erfolglos. Bekannt­lich arbeitete man schon vor 24 Jahren bei der gründlichen Neugestaltung des Steuerwesens aus die Einführung des Tabakmonopals hin, aber ohne Erfolg; dieser trat auch bei spateren Versuchen nicht ein, wohl aber wurde eine um­fassende Umfrage über Tabakbau, -Handel, -Verarbeitung und -Verbrauch veranstaltet. Schließlich kam nur eine höhere Besteuerung des inländischen Tabaks und ein höherer Zoll auf ausländischen Tabak heraus. Heute liefert trotzdem die Tabaksteuer nur rund 13 Millionen Mark, der Tabakzoll bloß 54 Mill. Mark' also fließen der Reichskasse aus dem Tabak nur 67 Mill. Mar? oder auf den Kopf der Bevölkerung je 1.16 Mk. $u. Eine Erhöhu na der Tabaksteuer ober gar ein Tabakmonopolwäre heute siche r noch schwerer durchzusetzen, als in früheren Jahren, letzteres, ganz abgesehen von anderen Gründen, schon deshalb, weil die Entschädigungen welche in einem solchen Falle den am Tabak beteiligten Erwerbs­kreisen zu gewähren sein würden, mindestens 1000 Mill. Mark ausmachen würde. Die Zinsen dieser gewal­tigen Summe würden aber einen großen Teil der aus dem Monopol zu ziehenden Mehreinnahmen im voraus weg­nehmen. Auch Bier liefert dem Reiche eine verhältnis­mäßig geringe Einnahme, besonders wenn man diese mit der aus Branntwein vergleicht. Erhielt doch die Norddeutsche Brausteuergemeinschaft aus Mer bloß eine jährliche An­nahme von 40 Mill. Mark. Wie verhältnismäßig klein diese Einnahme ist, mag man daraus ersehen, daß Bayern allein ungefähr 36 Mill. Mark aus der Malzsteuer zieht, also fast ebenso viel, wie die große Norddeutsche Bier- steuergemeinschaft. Aber auch die Versuche, aus der Bier­steuer höhere Einnahmen zu gewinnen, sind bisher ebenfalls erfolglos gewesen, und werden wohl auch f e r n er erfolglos sein. Es wird sicherlich auch dem neuen Reichsschatzsekretär Freiherrn v. Stengel nicht gelingen.

Bayern dazu zu bestimmen, sein bisheriges Verfahren der Bierbesteuerung aufzugeben und in die Norddeutsche Mer. steuergemeinschaft einzutreten. Dadurch allein schon von anderen Gründen abgesehen, ist es unmöglich, mit einer höheren Besteuerung des Bieres im Deutschen Reiche durch- ^udringen. Also bestehen nur ganz geringe Aussichten aus Die Möglichkeit der Erzielung höherer Einnahmen aus den mittelbaren Steuern; erheischt aber die geldliche Lage de4 Reiches gebieterisch eine solche, so muß sie eben in höheren Einnahmen aus Zöllen gesucht und demnach das Ver­halten bei den Handelsvertragsverhandlungen eingerichtet werden.

Deutsches Reich.

Berlin, 11. Nov.Popolo Romano" schreibt zur Erkrankung Kaiser Wilhelms: Wenn es sich auch nicht um eine ernste Sache handelt, rief die Nachricht doch einen lebhaften, schmerzlichen Eindruck hervor, da der Kaiser in Italien sehr populär ist und sehr bewundert wird wegen seiner hervorragenden persönlichen Eigenschaften und wegen der Sympathie für unser Land und weil er mit Recht als die Hauptsäule des Friedenstempels angesehen wird. Das italienische Volk wird deshalb mit großer Freude die Nach­richt von der völligen Wiederherstellung vernehmen.

Das preußische Staatsministerium trat heute unter dem Vorsitz des Grasen v. Bülow zu einer Sitzung zusammen.

Köln, 11. Nov. Die -Köln. Ztg." schreibt: Bal­fours Rede wird namentlich in Konstantinopel sehr beachtet werden. Balfour bezeichnet die russisch-österreichischen For­derungen als Mindestmaß. Daraus ergiebt sich, England ginge, wenn es direkt damit befaßt wäre, darüber hinaus. Der Türkei eröffne sich daher die Aussicht, daß noch härtere Bedingungen an sie herantreten, falls sie sich nicht mit Ruß­land und Oesterreich einigen könne. Dies ist ungefähr das­selbe, was die deutsche Regierung wiederholt der Türkei nahelegte. In den bringenden Ratschlägen Deutschlands wurde immer der Standpunkt vertreten, daß die Pforte am besten sich mit den beiden Ententemächten einige, da sonstj von anderer Seite noch härtere Forderungen an sie gestellt werden könnten. Die Rede Balfours sei geeignet, der Türkei die Berechtigung der Warnung zu zeigen und wird dazu bei« tragen, die Türkei zu vermögen, m den sauren Apfel zu beißen, wozu bereits Anzeichen vorliegen.

Dresden, 11. Nov. In der heutigen Sitzung des Landtags wurde der frühere Präsident, Geh. Hofrat Dr. Mehnert (kons.) zum Präsidenten der Zweiten Kammer wiedergewählt. Zum 1. Vizepräsidenten wurde Geh. Justizrat Dr. Schill-Leipzig (natl.) und zum 2. Vizepräsidenten Geh. Justizrat Opitz-Treuen gewählt.

Leipzig, 11. Nov. Hier ist einWahlverein des wirtschaftlichen Mittelstandes von Leipzig und den. Vororten" gegründet worden, der bezweckt: 1. Zum Schutze der mittleren Klassen des deutschen Bürgertums in Anch Handel, Handwerk und Gewerbe gegenüber den zerstörenden Mächten des Umsturzes und des internationalen Großkapitals^ irn Rahmen der heutigen Gesellschaftsordnung für Herbei­führung von dem Mittelstände wahrhaften Schutz verbürgenden Wahlen für den Reichstag und den Landtag, so­wie allen anderen gesetzmäßigen Körperschaften fortdauernd mit allen gesetzlichen Mitteln zu wirken, und hierzu eine ent-

Huer durch den Hohen Wogetsverg.

Original-Artikel desGießener Anzeigers".

L

Ter 9. Oktober war ein prächtiger Herbsttag. Das Wetter verführte uns am folgenden Dage durch den hohen Vogelsberg zu wandern. Um nicht am 10. von Gießen allzufrüh aufbrechen zu müssen, fahren wir schon am Abend des 9. nach Hungen, übernachten hier, um am Morgen mit der Bahn nach Gedern zu fahren. Beim Aufbruch vcm Hungen regnet es leicht, es ist windstill und verhält- nismäßig warm. Wir sitzen im Auge und sehen in bte M orgendämmerung hinaus. Ringsum hängen über den Hohen Nebel und Regenwolken, ein kühler Wind erhebt sich und der Regen hört auf und es wird merklich kälter. Ta und dort stehen gefüllte Kartoffelsäcke rm Felde, die den vergangenen Abend zurückgelassen waren. Ein Arm voll Kartoffelkraut ist über jeden Sack gedeckt, um den Sack samt Inhalt vor dem Nachtregen zu schützen. In den Dörfern ists überall lebeirdi^ der Rauch der Herd­feuer schwebt über den Dächern. Mit dem Karst zum Kartoffelausmachen ans der Schulter, dicke Wolltücher um den Hals geschlungen, rücken die Kartoffelroder aus. Tre Frauen folgen weit ausschreitend den Männern. Sie bergen in der Morgenkühle die mit Woklhandschuh en be­deckten Hände noch unter der Schürze. .

Pferde und Rindergespanne sind im Felde in Tätigkeit. Tie Säemaschine legt die Saatkörner in die feinkrümliche Erde. Ter Säemanu streut aus dem weißen Säetuch die schwere ausgesuchte Saat in weitem regelmäßigen Wurf über das wohlvorbereitete Saatfeld. Ja Stockheim müssen wir aussteigen und auf unseren Zug warten, der aus Nidder aufwärts fahren soll. Das dauert uws Wander­lustigen zu lange. Wir nehmen den Weg unter die Füße, ist es doch eine hübsche Landschaft, die wir bis Selters durchwandern, um hier wieder den uns einholenden Zug w erwarten. Uns gegenüber liegt Ko nradsdors, dort werden Neubauten errichtet. Rechts oberhalb Konradsdors

krönt die Höhe die schönste Oberförsterei Ober­hessens. Ein großes neuangelegtes Obstfeld zieht sich von dieser Höhe abwärts. Der Zug ist noch immer nicht da, wir bummeln, um uns die Zeit zu vertreiben, am Bahndamm entlang, sehen in die herbstlichen Gärten, bewundern die Vreldahlien, die dort noch in überreicher Fülle blühen, und mein Wandergenosse erklärt mir ge­legentlich die an der Bahn errichteten Signalpfähle. Da steht auf dem einen Pfahl ein großes lateinisches P, das heißt für den Maschinenführerpfeifen". Dann folgt ein L, das heißtläuten", und wieder ein P L, das heißt pfeifen und lauten". So werden die zahlreichen Ueber- gange für Fußgänger und Fuhrwerke geschützt und der arme Maschinenführer hat kaum Hände und Augen genug, um an den zahlreichen Uebergängen in der Nähe eines Dorfes den Vorschriften in Hxzug auf die Warnungs­zeichen zu genügen.

Ta kommt der Zug. Bald lautet er, bald pfeift er, bald erfolgen die Warnungen gleichzeitig, kurzum der Reisende auf der Nebenbahn hat mancherlei Genüsse, von denen sich anderswo der T-Zug-Reisende nichts träumen laßt.

Pustend hält der Zug. Wir steigen ein, Platz ist reich­lich vorhanden. Hier ist von dem Hasten und Drängen wie an urfferen Hauptbahn Höfen beim Schnellzugverkehr nichts zu verspüren. Die wenigen Neugierigen ohne Bahn­steigkarte beobachten die Aus- und Einsteigenden genau. Nach einer Stunde weiß man im Dorfe, wer angekommen, wer abgereist ist, auch> daß Unbekannte, Fremde dabei waren: das ist das erste Morgenblatt der Dorfzeitung.

Die Fahrt von Stockheim nach Gedern ist reich an Ao- jpechselung'. Die Nidder kommt uns entgegen, bald sttirzt sie über Wehre, bald über Wasserräder, bald sucht sie sich schäumend über Felsblöcke den Weg abwärts. Wiesen­gründe, verschwiegene Waldecken wechseln mit indllstriollen Anlagen, dicht geschlossene Duchtväider rahmen das Ganze ein und krönen die Höhen. Freundlich lugt das Hirzen­hainer Schlößchen ans den buntgefärbten Waldbäumen.

Bald haben wir Gedern erreicht. Die eigentliche Wan­derung beginnt für uns. Hartmannshain ist unsev nächstes Ziel.

Wir schreiten rasch aus, in scharfen Windungen fütyrt die gut gehaltene Straße fortgesetzt bergan. Die Unter­haltung stockt, wir diirfen unseren Lungen nicht zu viel zumuten. Dazu trifft uns der rauhe Herbstwind von rechts her mit voller Kraft. Die Aeste der Vogelbeer- bäume über uns ächten, die Feldhecken biegen sich fast bis zur Erde und die krächzenden Raben lassen sich front Winde treiben. Die Erntearbeiten sind hier schon weit, vorgeschritten, man sieht keine Kartoffeln mehr im Felde, die Leute sind mit dem Einernten der Dickwurzeln be­schäftigt. Der Wald nimmt uns auf, wir fühlen uns behaglicher, der Herbstwind trifft uns nicht mehr so sehr. Bald ist's ein geschlossener Fichtenwald, bald ein Buch­wald, der uns schützt. Dann findet der Herbststtlrm wieder eine Oeffnung im Walde und jagt das erste raschelnde Herbstlaub über die kahlen Waldwiesen.

Schon längst haben wir auf unserer Fahrt und Wan­derung die jungen Anpflanzungen von Fichten beobachtet. Gierig streckt der Wald seine Arme in die Dorfgemarkungen hinein. Aber er _ beschränkt sich darauf, die unftucht- baren Aecker, Wiesen, Weiden und Wüstungen sich anzu­eignen, für die sich doch nicht mehr Hände finden ihnen schmale Ernten abzugewinnen. Fahrt hin, ihr weiten Strecken unfruchtbaren ausgeraubten Geländes, die ihr fror Jahrhunderten den weit ausgedehnten Wäldern des Vogelsberges von fleißigen Menschenhänden ab gerungen wurdet und die ihr einst gute Ernten und gutes Weide­land liefertet. Bedeckt euch wieder mit schattendem Wald, in seiner Hut könnt ihr eud> wieder erholen und kommen­den Menschengeschlecbtern in anderer Art aufs neue dienen!

Neben unserer Straße fällt uns eine durch den Wald gehauene Schneise auf. Die Arbeit muß im Sommer vor­genommen sein. Die Aeste der niedergelogten Waldbäume waren voll belaubt und sind seitwärts zu Haufen ge­schichtet. Die Stämme der niedergeschlagenen Waldbäume