wurden sofort einige hundert Marinesoldaten zur Reparatur kommandiert. Die Fachleute halten seit langem den Zustand der dem Marineamt unterstehenden Brücke für bedenklich. Seit einiger Zeit studiert das Amt Projekte für eine neue Brücke. Hoffentlich gelangt es zum Entschlich, bevor noch größerer Schaden dazu zwingt. Tie Admiralität forderte nachmittags vom „Caldy" 20 000 t Pfund Schadenersatz.
* Oberleutnant Rüger a l s Kunstschlosser. In dem Schwank „Geschwister Lemke", den wir neulich nn Gießener Stadttheater sahen, ist eine der Hauptfiguren ein junger Offizier, der da hinten an der polnischen Grenze keine Freude findet am Militärdienst, seinen Abschied nimmt, sich mit einem Maschinenschlosser assoziiert und Fabrikant und Gr sinder wird. Jetzt erfah ren wir, daß Oberleutnant a. D. Rüger, der dieser Tage vom Kaiser durch Verwandlung der Zuchthausstrafe, die er wegen der Erschießung des Hauptmanns Adam verbüßt, in Gesäng- nrs strafe begnadigt worden ist, im Zuchthaus tue Kunstschlosserei erlernt und darin Arbeiten gehvferi hat, tue direkt als Erfindung gelten können. Die Begnadigung soll infolge seiner musterhaften Führung erfolgt jein. Ta er 23/4 Jahre Zuchthaus verbüßt hat, die vier Jahren Gefängnis entsprechen, so müßte er jetzt noch zwei Jahre im Gefängnis bleiben, falls nicht nach Ablauf von 3/4 der gesamten Strafzeit, also etwa in einem tzalben Jahre, die vorläufige Haftentlassung verfügt wird, ein Verfahren, das bei musterhafter Führung angewendet weroen kann.
Uüiverlitüts-Uaünichten.
— Der orbentL Professor und Direktor des staatswissenscha' lichen Seminars an der Universität Bonn, Dr. E. GotHein, erhielt einen Ruf an die Heidelberger Universität aui tue Lehrkanzel des Professors Dr. Weber.
— Der langjährige Professor der Philosophie in Tübingen, v. Sigw art, ist unter Verleihung des Titels und Ranges eines Geheimrats in den Ruhestand versetzt worden.
— Wie der „Frkf. Ztg." aus Newy 0 rk berichtet wird, ver- machte^. M a ck a y, der Erfinder der Schuhmaschine, der Har- warduniversität 7 Millionen Dollars.
Gerichtssaal.
-s- Gießen, 10. Nov. Strafkammersitzung. Der Kaufmann B. aus Barmen war von dem Großh. Schöffengericht Gießen wegen Betrugs zu einer Gefängnisstrafe von 5 Tagen verurteilt worden. B. hatte s. Zt. im Auftrage einer Hamburger Firma dem Gastwitte-Verein Gießen eine Anzahl (Sasregulaioren verkauft und gelegentlich eines zweiten Aufenthalts in Gießen einen TeÜ des Kaufpreises vereinnahmt und für sich verbraucht. Ter Betrstg wurde darin erblickt, daß B. sich hier dem Perems-Vor-- fitzenden gegenüber als inkassoberechtigter Reisender der Hamburger Firma geriert und — da er zum Inkasso tatsächlich nicht berechtigt war — das Vermögen des Vereins um den vereinnahmten Betrag geschädigt habe. Die Beweisaufnahme gestaltet sich indessen für den Angeklagten günstig und ergiebt die vom Gericht erster Instanz unbeachtete tatsächliche Feststellung, daß in einem Falle wie dem vorliegenden, in welchem die Waren nicht per Nachnahme gesandt, sondern ausnahmsweise dem Käufer auf Kredit überlassen rvurden, das Konto B.'s mit dem Kaufpreis dieser Waren abzüglich der ihm zustehenden Provision belastet wurde, daß also derartige Geschäfte
für seine Rechnung gingen. Das verurteilende Erkenntnis wurde insolgedesfen aufgehoben und der Angeklagte von Strafe und Kosten freigesprochen. — Eine resolute Frauensperson scheint das noch jugendliche Dienstmädchen Dorothea B. von Gießen zti fern. Sie war vom Schöffengericht Gießen wegen vorsätzlicherKörper- verle tz u n g, begangen mittels gefährlichen Werkzeugs, zu einer Geldstrafe von 60 'JJt'f. verurteilt worden. Eines Tages tarn nämlich die 13jährige Dina F. zu der Dienstherrin der Angetlaglen und verlangte gebieterisch Ersatz für em Kindersonnenschirmchen, welches bereu Kinder ihr zerbrochen hätten. Das Kind mußte schließlich aus der Wohnung entfernt ,verden, und da es hierbei einige verletzende Bemerkungen machte, lief ihm die Angeklagte bis auf die Straße nach, entriß ihm das Schirnichen und schiiig derart rücksichtslos damit auf es los, bau nicht nur die dreizehnjährige Tina F. ihre Schlage befam, sondern noch deren Heines Brüderchen, welches das Mädchen auf dem Arme trug, drei unbedeuteiide, aber immerhin blutende Verletzungen davontrug. Die Verteidigung ist der Ansicht, bau em Kinder cmnenschirmchen nicht als gefährliches Werkzeug un Sinne t.
s 2r3 a Str.-G.-B. angesehen werden fönne, und baß in ^Ansei,< es kleinen Kiubes keine vorsätzliche, jonbern nur fahrlässige Körpe-
Verletzung uorliege, inbem bie Schläge der großen Schwester gegolten, aber aus Fahrlässigkeit noch bas Heine Brüderchen ge= 'troffen hätten. Tas Gericht schließt sich un ersten Punkt der Ansicht der Verteidigung an, hält dagegen aufrecht, daß die Ver- letzuiig des kleinen Kindes als eine vorsätzliche anzujehen sei. Die Angeklagte habe zivar nur die große Schwester treffen »vollen, habe sich aber sagen müssen, bau sie vielleicht noch bas kleine Kmb treffen tonne, habe aber nicht innegehalten fonbern weiter geschlagen, so- baß der Erfolg, beit sie als eventuell emtreteub vorausiah, and) tatsächlich euurat (Fall des juristisch sehr bestrittenen dolus eventuahs). Ter Berusung wird stattgegeben und bie Angeklagte unter Veruct- slchtignng ihrer sozialen Stellung zu einer Gelbstraie von 20 Mart verurteilt. — Aisbann tritt bas Gericht in eine größere Verhand- ■ lung gegen ben Handelsmann Aron Zimmermann von Ortenberg ivegeu Wuchers und Betrugs ein.
Hanau, 10. Nov Ein unglaublich r 0 h e r Ai e u s ch steht, ivie der „Han. Auz." berichtete, in der Person des Fahr- burjchen Wilhelm August Engel von hier vor der S t r a 1 f a ui in e r. Derselbe ist angetlagi, nn ÜJlouat Juni b. I. fein eigenes, ba- mals 8 Wochen altes K 1 nb mittels bas Leben gefährbeuder Behandlung mi u l) a n b e 11 zu haben. Tas bebauerusiuerte Kmb wurde un Ium zwei mal un Laudkrantenhause aufgenonunen. Das erste mal hatte es einen Armbruch, als es das ziveue mal gebracht ivurde, hatte es am Körper blutunterlaufene Stellen und K atzwunden, augerbcin waren ihm brei Rippen gebroajen. Die Aiutier bes Kindes vertveigerte heute ihre Aussage, bock) wußten bie 91achbarsleute genug auszusagen, um ein Bild zu gewinnen, von ber Art unb Weise, wie ber Aiigeklagte sein eigen Fleisch uub Blut mißhaubelte. Tie Frau hatte bamals ben Nachbarsleuien gegenüber ausgesagt, baß sie unb ihr Kmb von bem Unmenschen in ber rohesten Weise mißhandelt werbe. Er habe es mit ben Fäusten geschlagen, auf bas Bett geworfen, ihm bie Kehle zugebrückt unb es endlich auch am Aermcheii genommen und damit auf die Mutter geschlagen. Eme Nachbarsfrau, welche das Wimmern des armen Kindes nicht mehr mit anhören konnte, ging in bie Stube unb fand es in bedauernswertem Zustande. Sie Holle einen 'Arzt unb dieser konstatierte drei Rippenbrüche. Er ordnete Die sofortige Ueberführrmg des Kindes in das Landkrankenhaus an, nachdem es kaum einige Tage nach Heilung des Armbruchs daraus entlassen worden ivar. Der Angetlagte behauptet, ben Armbruch nicht ver- jchulbet zu haben, unb Dies konnte ihm auch nicht iiachgewieseii iverben. Dagegen würbe er ber übrigen Verletzungen für schuldig befunben nnb zu 9 Monaten (Gefängnis verurteilt, zur Sicherung des Strafvollzugs auch gleich verhaftet. Jti ber Verhaubluug tvurbe noch bekunbet, daß der Angeklagte das Kmb am Samstag abenb
schon ivieber berart mißhandelte, daß der Vormund desselben unb der Polizeikommissar gerufen wurde. Das Kind wurde mit der Mutter in einer anderen Wohnung untergebracht.
(US rntli r Jlrbrrhöit örr (Juirdällf in der Z1M Bietzen.
43. Woche. Vom 18. bis 24. Oktober 1903.
iEinwohnerzahl: angenommen zu 26 900 linkt. 1600 'Mann Militär Sterblichkeitsziffer: 28,90,
nach Abzug von 3 Orts^emben: 15,46 /co.
Kinder
91 nm.: Tie in Klanimern gesetzteti Zifserii geben an, wie viel der Todesfälle in der betreffenden Krankheit auf von auswärts nach Giegeii gebrachte Kranke fommeii.
Es starben an: Zusammen:
Erwa ene:
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1. Lebeiissahr:
2.—15. Jahr
Tuberkulose der
Lungeii
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Tarmkatarrh
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Nierenentzündung
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Lanowirffchast.
Amerikanisches O b st. Wie die „Voss. Ztg." aus Essen a. d. R. berichtet, werden Rheinlatid und Westialen in diesem Herbst nut amerikanischem Obst überschwemmt. Jetzt ergab bie anuliche Untersuchung an ber hollänbijchen Greirze bas Vorhanden- jem ber S a ti Jojö-Schilblaus. Die Regierung traf Maßregeln, um bereu Verbreitung zu verhindern.
GOLD
r Kupferberg 6ofd zeichnet sich durch erstklassige Qualität, vorzüglichen (Sekhmack, durch seine leichte Art und grosse Bekömmlichkeit ave und gilt deshalb unter Zennern ohne weiteres als der beste deutsche Sekt


