Major v. Tiedemann bcr5 Denkmal dem Oberbürgermeister, der es in die Obhut der Stadt übernahm und seine Rede mit einem Hoch auf den Kaiser schloß. Nach Besichtigung des Denkmals und Niederlcgung von zahllosen Kränzen erfolgte der Abmarsch der Vereine zum Festessen.
Die Reihe der Trinksprüche beim Festmahle wurde von General v. Stülpnagel mit dem Kviserhoch eröffnet. In demselben mahnte er, anlehnend an die Inschrift des Kaiser Wilhelm-Denkmals am deutschen Eck in Koblenz: „Nimmer wird das Reich zerstöret, wenn Ihr einig seid und treu", die Deutschen in Posen, jederzeit einig, deutsch und treu zu sein. Oberpräsident v. Waldow führte aus, was Fürst Bismarck dem Volke gewesen sei und imnier- dar sein werde, könne in einem Denkmal nicht erschöpft werden. Sein Wort: „Seien Sie einig, lassen Sie den nationalen Gedanken vor Europa leuchten!" gelte auch heute, und zwingender als in allen arideren Gauen des Vaterlandes trete diese Mahnung, an jeden Deutschen in der Ostmark. Die Rede schloß mit einem Hoch auf das Vaterland, 9tach Begrüßung des Fürsten von Bismarck und Gemahlin durch Major v. Tiedemann dankte Fürst Bismarck für die Begrüßung und knüpfte an die Worte seines Vaters an, der die Wacht an der Warthe der Wacht am Rhein gegenübergestellt habe. Er forderte die Deutschen auf, die Polen mit geistigen Waffen zu bekämpfen urrd sprach seine Verwunderung aus, daß die Polen stets das Andenken seines Vaters verunglimpfen, wozu ihnen jede Berechtigung fehle. Solange die Polen eine eigene Fraktion zur Vertretung der polnischen Interessen bilden, müßten die Deutschen eine einzige deutsche Fraktion den Polen gegenüberstellen und Parteiunterschiede rurd Eigeninteressen zurückstellen. Er schloß mit dem Wunsche, daß in der Hauptstadt der Provinz jährlich die Zahl der Deutschen und loyalen Untertanen zunehmen ^nöge. Minister von Hamm er st ein sprach Tank und Anerkennung aus für die unablässige treue Mitarbeit von Stadt, Land und Provinz in dem schweren Kampfe für das Deutschtum und die preußische Staatsidee. Fürst Bismarck wies in der Ost- markenpolitik uns feste Bahnen. Es herrschte nicht immer die Ueberzeugung, daß die deutsche Vorherrschaft in der Ostmark Lebensbedürfnis für das ganze Reich sei. Polens Auferstehung wurde noch vor 50 Jahren von Dichtern und Politikern als erstrebenswertes Ziel allgemeiner Völkerverbrüderung gepriesen. Bismarck machte aus einem idealen Träumer einen idealen Deutschen, der sich eins fühlt mit seinem Kaiser und König, der vor Jahresfrist hier aussprach, dafür zu sorgen, daß diese Provinz stets gut preußisch und deutsch bleibe. Das hier enthüllte Denkmal sei zunächst ein Wahrzeichen für die Polen draußen im Auslande und für die polnisch sprechenden Staatsangehörigen. Das Denkmal sei ein Wahrzeichen deutscher Gesinnung und Tatkraft für die Deutschen in der Provinz Posen. Lassen Sie uns säen, was unsere Söhne und Enkel ernten werden, den Segen deutscher Eintracht, deutscher Arbeit und deutscher Gesittung, der als herrlichste Frucht den zufriedenen, gesicherten deutschen Bürger und Landmann zeitigen möge. Mit diesem Vertrauen auf den endlichen Sieg, auf treue, zielbewußte Mitarbeiter erhebe ich mein Glas auf das Wohl und fortdauernde Gedeihen der Provinz.
Der Kommers wurde durch Generallandschaftsdirektor v. Staudy mit einem Hach auf den Kaiser eröffnet. Nach der Begrüßungsansprache des Aiüjors v. Tiedemann er
griff Finanzminister Frhr. v. RHeinbab en ganz unerwartet das Wort und fiihrte aus, seine Rede sei zwar nicht vorgesehen, doch dränge es ihn, dem Eindruck Worte zu verleihen, den er von der ganzen Veranstaltung erhalten; er fordere das Deutschtum auf, kräftig auf dem bisherigen Wege- fortzuschreiten. Die Deutschen würden stets die kräftigste Unterstützung durck die Regierung finden. Brausender Beifall folgte der Rede.
Zu dem Nrteit gegtU Kippold.
Wir haben in unserem Sanrstagblalle das gegen den Hauslehrer Dippold in Bayreuth gefällte Urteil veröffentlicht. Im Anschluß Hierair teilen wir die bedeutsame Rede mit, in welcher der Erste Staatsanwalt Drob er die verbrecherische Tat des gewissenlosen und grausamen Lehrers in schonungsloser Weise keNnMchnete. Er führte aus: Als im März d. I. die Kunde durch die Blätter ging, im Torfe Drosendorf sei an einem hilflosen Knaben ein so Himmelschreie ndes Ver brechen geschehen, da bemächtigte sich aller anständigen Menschen ein Gefühl der Entrüstung. Dieses Entrüstungsgesühl wandte sich aber nicht bloß gegen Dippold, sondern auch gegen seine vermeintlichen Mitschuldigen. Kaum war Dippold verhaftet, da erhielt ich eine Flut von Briefen, in denen angefragt wurde, weshalb ich nicht auch gegen die Eltern des getöteten Knaben vor gehe, da diese doch Rlltschnldige seien; ja der Vater des Angeklagten hatte die Dreistigkeit, an Kommerzienrat Koch zu schreiben, er solle alles aufbieten, damit sein Sohn so schnell wie möglich aus der Untersuchungshaft entlassen und das Verfahren gegen ihn niedergeschlagen werde; andernfalls werde er die Presse in Bewegung setzen und Enthüllungen machen, die zu einem großenöfsent- lich en Skandal führen würden. Ich erkläre: eine größere Infamie ist noch nie mals dagewesen. Man versuchte mittels schamloser Lügen noch die Ehre der armen Familie Koch- über die dieser Mann, der dort auf der Anklagebank sitzt, so großes Herzeleid, so vielen Gram uub Kummer gebracht hat, öffentlich in den Schmutz zu ziehen; ja bis zum Beginn dieses Prozesses hat sich im großen Publikum der Glaube erhallen, die Familie Koch sei an dem Tode ihres Kindes zum mindesten moralisch mllschuldig. Die öffentliche Verhandlung hat diesen Glauben zerstört. Die Verhandlung hat ergeben, daß noch niemals mit so schamlosen Lügen gearbeitet worden ist. Der Angellagte hatte die Stirn, während sein Opfer, der von ihm getötete Heinz, auf der Totenbahre lag, Dr. Severin gegenüber die Familie Koch in der gemeinsten Weise zu verleumden und zu beschimpfen. Er hatte die Frechhell, zu sagen, die Eltern kümmerten sich überhaupt nicht um ihre Kinder. Die Verhandlung hat ergeben, oaß bre Eltern auch nicht )ie mindeste Schuld trifft Der Angellagte wußte ganz besonders die besorgte Muller, ja selbst einen Psychiater wie Professor Du Vogt zu täuschen, sodaß ihm unbegrenztes Vertrauen geschenkt wurde. Die Mutter sagte ihm: „Vergessen Sie nicht, Herr Tippold, daß ich Ihnen mein Liebstes anvertraue. Ich hoffe, daß ich meine herzlich geliebten Kinder ftisch und gesund wieder sehen werde." Der Staatsanwalt beleuchtet alsdann das Vorleben und die Mißhandlungen des Angeklagten und bemerkte: „Er gestattete erst nach langem Sträuben, daß Heinz Koch sich niederlegte — zum Sterben." Er habe das Selbstbekenntnis dem Jungen mit dem Stock in der Hand diktiert. Der Angeklagte habe gewiß keine Milde verdient» er. ersuche die Ge
schworenen, die SchuDftagen unter Ausschluß nrüD-entoer Umstände zu bejahen.
Verteidiger Rechtsanwalt Dr. Langheinrich suchte nachzuweisen, daß der Angeklagte, der geisllg minderwertig sei und zweifellos einen moralischen Defekt habe, mildernd« Umstände verdiene. Er, der Verteidiger, finde es auch unbegreiflich, wie ein so hervorragender Psychiater wie Dr. Vogt sich von einem einfachen Hauslehrer )o täuschen lassen könnte.
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* Thorn, 11. Oft. Der Major Hoffmann vom 1. Bataillon des 175. Infanterie-Regiment hat sich heute in seiner Wohnung erschossen.
* B e r n b u r g, 10. Oll. Auf der Chaussee bei Schacken- tal stürzte gestern eine Windhose den Wagen eines Topfwarenhändlers um. Die Frau des Besitzers wurde durch den umstürzenden Wagen erschlagen, der Mann schwer verletzt. Die beiden Kinder des Ehepaares blieben unverletzt. Sie wurden im Waisenhaus unlergebracht.
* Leipzig, 10. Oll. Im Bühnenraum des Kristallst al ast es brach, als das Gastspiel der Otero beginnen sollte, Groß feuer aus. Trotz des vollbesetzten Hauses ereignete sich fein Unglücksfall. Hie Feuerwehr bekämpfte mit sechs Dampffpritzen das Feuer. Das Gebäude wurde gerettet. Das Feuer entstand im Luftschacht der Bühne auf bisher unaufgeklärte Weise. Der eiserne Vorhang verhütete das Vordringen der Flammen in den Zuschauerraum. Der Schaden ist nicht bedeutend. Das Verhalten des Publikums war musterhaft.
* Eschweiler, 10. Oll. In der gestrigen Stadtverordnetensitzung wurde bei Besprechung der Unterschlag- ungen des flüchtigen Wasserwerkdirektors Mühl beschlossen, eine Kommission einzuberufen, die eventuell unter Hinzuziehung von Sachverständigen eine gründliche Prüfung aller städtischen Kassen vornehmen soll. Nach Ansicht einzelner Stadträte stehen weitere unliebsame Ueberraschungen bevor. Ein gegangene Standesamtsgelder sollen nicht gebucht, sowie in der Affäre Mühl noch andere Personen verwickelt sein. Alles beruht noch auf der lässigenFinanzwirtschaft der ftüheren Verwaltung, durch die bie Stadt früher bereits um 87 000 Mk. geschädigt wurde.
* Wien, 10. Oll. Auf der Fahrt von London nach Wien verschwand auf bisher unaufgeklärte Weise ein P o st b e u t e i, der Wertsendungen Londoner Banken an Wiener Banken in Höhe von 100 000 Kronen enthält. Beteiligt sind die Anglobank, das Reisebureau Cook und das Bankhaus Weinberg.
* Paris, 10. Oll. Im Hotel Regina wurde Elise Poveseo, eine junge rumänische Schauspielerin, erschossen aufgefunden. Ihr Liebhaber, ein belgischer Graveur Namens Grenten, wurde verhaftet. Er behauptet, sie habe Selbstmord verübt.
* Die ehemalige Kronprinzessin von Sachsen, die Gräfin Montignoso, wird, entgegen ihrer ftüheren Absicht, im Spätherbst Ronno in Süd frankreich zu verlassen, ihren Aufenthalt dort bis in den Winter hinein verlängern und zwar hauptsächlich mit Rücksicht auf das Befinden der kleinen Prinzessin.
ßadaTaarn steht man oft die schönsten Mädchen durch lilÄl OvUlduvl 11 Pickel im Gesicht, kleine Hautpusteln, Mitesser und Sommersprossen entstellt. Sie haben aber Obermeyer's Herba-Seife noch nicht angewandt, sonst wären sie längst davon befreit Z. h. i. all. Apoth., Drog. u. Pars. 5L56
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